Ur. 101 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheifen)
Montag, 30. April 1928
gesamt wurden etwa *XK) Klagen angeftangt
Orlögmppenheim des D.H.V. in Gießen
8lm 6aB»Uifl vor nult dg wurde mit einer schlichten
bad) erwadnte der Sübungsobmann
Tumen, Sport und Spiel
über Firmen an Stellen» hider Stiftungen waren
und 10 000 Auskünfte suchende erteilt Alle
begrüßte die Gäste und wies in fui rungen auf die Bestrebungen de» 3m Anschluft daran führte der Gauvors Matn-Weser-Gaues. Auerbach (Sranffurt),
nur möglich auf der Grundlage eine» reinen Berulsvcrbandes. der sich zum Ziel gesetzt hat. die männliche Kax: mxnixsgehilseulchaft auf dem Boden de» Deutschtum» ju 'anuncln.
Soren, hatte aber fast das ganze Spiel nur gegen Mhn Iteute zu lämpfen. da BoruffU sehe früh ihren Lechtoaufteu durch Verletzung verlor. ®em- gemäft ist das CRcfultat von 3:0 nicht <ll»u schmeichelhaft für Saarbrücken. — 3n der Gruppe Südo ft erzielte der Ldbettenerste. Wacker München, nur ein bescheidenes 0:0 gegen den D.f.L Fürth. der xhm durchaus glcichroerlig war. Das Lesxlltat befrembet stark. Union Böckingen lieft sich vom 1. F. 5. Nürnberg diesmal nur 0:1 schlagen, imb S. 03.1860 München erzielte seine beiden Sore gegen Phönix Karlsruhe auch erst nach der Pause. Spielergebnis 2:0 für München
Zußbatt in Westdeutschland.
Spott Lasset - Bot-Weift Frankfurt 3:4 (1x3).
Das Spiel hielt in'allen Seilen, was man sich von ihm versprochen hatte. Die Gäste rechtfertigten ihren guten Aus und siegten verdient.
Spog. Lastet — fjermannia kastel 2:1 (2X1).
In einem völlig ausgeglichenen Spiel errang die glücklichere Mannschaft den Sieg.
Lurhesten Kassel - F. L. Schalke 04 22.
Die Lubrieute waren wohl anfangs bester, doch die Kurhessen glichen dies durch ihre Bet* leibigung wieder aus Das Ergebnis stellt den Spielveriauf einwandsrci dar.
Göttingen — S. C. 03 Lasset 1:7.
Vom Zußball im Reiche
In Breslau sand geftem da» Schluhspiel um den Pokal de S Deutschen Fuftdall- Hundes zwischen den Lepräsentativmannschaf- ten SüdvstdeutschlandS und Nord- deutschlands statt. Zum ersten Male nahm der Südosten an der Endrunde teil und konnte den wertvollen Pokal mit einem 2:0-Siege an sich bringen.
3n Norddeutschland siegte bei ben Meisterschaftsspielen in der Runde der Ersten btt Sp.-Dgg. Hanxwver gegen den SBV. Phönix Lübeck mit 2:0 Toren.
Berlin
schlägt die Balten im Handball 15:4.
Dxe Handball-Derbandsrnristerschaft von Berlin und dem baltischen Sportverband wurde am gestrigen Sonntag in Stettin vor kaum 1000 Zu
Nach der Ansprache des (Bauporftebcrü 21 u r r 'ch. daft cv gerade für den hjufmannsgebilifn, b-*r sich in feinem Beruf behaupten und emporarbeiten will, uncrlutzluh ist, sich weiter fort nd> üben und sein tauf* mannijdK» Wisien ju urDoUZonuneen. Zu bieUm 3metfe sind auch diese Unterridp^räume geschaffen,
tafle mit 200 003 Mitgliedern angegkebert. deren Bcriicherungslcistungcn im Jahre 1927 20 Hil- honen Mark betrugen. 3n acht eigene u drb?« lungübtimcn und sieben Kinderheimen der Deutschnatwnalen Krankenkasse finden erholungsbedürftige Mitglieder unb Kinder Unterkunft. Sen besondere« Verhältnisse» der Kausmanns- jugenb. insbesondere hervorgerufen durch die Krtegs- und Jnflatxonsverhältnissc. trägt das dportfaxatorium .Burg Vobeba“ bei 3ena Rechnung. In rcgelmäftigei. Murgängen von drei bie vier Lochen finden dort Imtgkausleute Erholung und •cfuebuny Der D H. D. hat sich ferner im Deutschaaitonale« Dersicherungsring eine Reihe von Dersicheiungeu:Uemekinun§eo angeglieöert, deren wichtigste die Deutschnationale ßcbcnüDcr- sicherung mit einem Dersicherungsdestanb von 200 Millionen Mark und der Scutf*nauenale Krankenversicherungsverein mü 80 000 Dersxcher- len sind. Gemeinsam mit bc* christlichen Gewerk- schäften unb den anderen Verbände« des Deut- ichen Gewerkschaftsbundes hat er sich in der .Deutschen Bolksbanf eine Vertretung des Ar- dritnchmerkaprtals geschaffen. AI» »runder der (bemeinnütjigen Alt ei gcsellschaft für Rngestellten- cheimftätten .Gngsah- ha» der D.H.V. zur Er- Hauung von 16 000 Angcstrilteix-Wohnungen zu- lammen mit anderen Okrbänben bcigetrascn. Auch in Siesten ist die Erbauung von An- geftelltcn-freimftätten geplant 10 000 ossenc Stellen konnten im Jahre 1927 besetzt werden. Der Rechtsschutz des Verbandes verschasste im letzten Jahre den T xliebem 1.5 Millionen Mark vor- enthaltene Gehalter unb 1000 Zeugnisse. Ins-
jrier bas vorn Deutsch nationalen Hand- lungngehilfenverband der Ortsgruppe Gieften eingeridpete Drtsgruppenfteim für Ueljr und B i l d u n g s z w e ck e feiner Bef tim nmnfl übergeben. Das Heim befindet sich in dem (Bartengcbäube auf dem Grundstück Bahn- Hof st raste 71. Es enthält im parterre die Ber- waltungsraume der Ortsgruppe mit ihren vielseitigen Einrichtungen Die Tlusftattung dieser Räume ist -echt zweckmässig und In gefälliger Form gehalten 3m Obergeschoß ist ein nettes Lesezimmer ge ichassen worden, das seinen Vriuchem auch Gelegen
Schachspiel zu betreibe'
neben befinden sich zwei weitere Zimmer, deren eins in der Hauptsache für Sitzungszwecke bestimmt ist, wahrend das andere 8 ar trage- und 'lurfuszwecken dienstbar gemacht werden soll; ledoch ist e» auch sehr leicht mrgiid?, bei stärkerem Andrang zu Bortragskursen beide Zimmer dein Lll dungszwecke nutzbar zu machen. Die Einrichtung diefer drei Zimmer ist ebenfalls als wohlgelungen zu bezeichnrn: sie besteht aus Modeln nach einem (Ein- hestsmuster, die recht praktisch unb sehr bequem sind An den Wänden der Zimmer kann man eine Anzahl schöner Bilder bemerken, die den Raumen im Verein mit der gesamten Ausstattung einen warmen und freundlichen Ton geben. Man kann die Ortsgruppe «Heften des D. f). Ä. zu diesem wohlgelungenen 5)cim nur beglückwünschen, zugleich bars inan aber auch den jungen Leuten der Ortsgruppe den guten Rat geben, sich die dort geschaffenen Fortbildungs- und Erholungsmöglichkeiten sehr rege dienstbar zu machen.
Der Blldungsobmann. Herr Hirsch (Giesten,. " * * rjen Aussüh-
D. H B. hin r st eher de»
den Anwesenden ein Bild von dem gegenwärtigen Stand der Äaufmounlae- hilsenbeweguug vor Augen. Seinen lufc- f ührungea war zu entnehmen, daft der D. K D. feinen eigenen Lebensweg beschritten bat. unbekümmert um die schwankenden Berhält- niffc der vergangenen Zeit Mit feinem gegen- toärlifl 320 000 Mitglieder zählenden Mitglieder' beflanb gehört der D. H D zu ben gröftten Dr- ganifationen. Die gesunde Suttoixflunfl zeigt eine Mitgliederzunahme von 25 000 ün Jahre 1026 .mb von 26 000 Mitgliedern im Jahre 1S27. 1800 Ortsgruppen und 165 berufsamtliche Geschäftsstellen mit 150-3 Berbandsangestellten kennzeichnen seine Bedeutung in der Arbritnehnxerbe- toegung 13 Gaue mit rund 100 Kreisen als Mnkrglicberung bienen der sozialpolitischen, ge- werischastlichen unb inneren CßerbanbiSarbrit. Den neridjicbcncn Bedürfnissen in den einzelnen Geschäftszweigen wird in 42 Fachgruppen "Rechnung getragen, wahrend ein ausgedehntes Netz von BetriebSverttaueixSmäxxnex-n die Verbindung der Verwaltung mit den Mitgliedern ausrechterhült. In allen gesetzgebenden Körperschaften sind die Mitglieder deS Ber- bandeS vertreten und bilden namenttich hn Reichstag mit ben übrigen "BertBetern de» christlich-nationalen Deutschen Gc werkschaf tsbundeS eine interfraktionelle Arbeitsgemeinschaft. 500 Mitglieder üben das Amt eines Stadtverordneten auS, wahrend hx den Arbeitsgerichten 1300 Mitglieder tätig sind und die Zahl der Vertrauensmänner der Angestelltenversicherung auf 1330 nach der letzten "Dahl stieg. Die Kauf- mannijugenb ist mit 46 000 Lehrlingen im Verband vertreten. Derbandsorgan ist die.Deutsch« HandelSwachf. während die Mitglieder, des Bundes der KnusmamrSjugend in den .Blättern für junge Kauftente" ein eigenes Organ besitzen, das insbesondere der beruflichen Ausbildung dient. 3n dem Bund der .Fahvenben Gesellen' haben sich die wanderlustigen Mitglieder eine eigene Organisation geschaffen. Der ^Gewerkschaftlich-politische ZeitungSdienst" des Ber- bandes unterrichtet die TageSpresfe. Die wirtschaftlichen Kräfte und die Dermö- genslagc werden auS nachsolaenden Zahlen erkenntlich DaS Vermögen des Verbandes beträgt 5 Millionen Mark. Auf 40 000 Konten werden 18 Millionen Mark Spareinlagen der Mitglieder verbucht. Der Haushaltsplan des DH V. umfaftt 23 Millionen Mark Dem Verband ist eine Berufskranken.
Süddeutsche Fußdallmetsterschast
In Der Kunde ber Meister fiel gestern die iLntscheibuna über die begehrten beiden ersten Plötze der XabcUc, die zur weiteren Teilnahme an ben Stampfen um die Deutsche Fußballmeisterschaft berechtigen, dauern München und 6i n ‘ tracht Frankfurt hoben nunmeftr, nach ben jetzt endgültig feststehenden (irgibnificn der Mei- sterschastsrunde, die Aufgabe, neben dem noch aus beu opiden der Trostrunde zu ermittelnden Dritten den Süddeutschen Fußball- und Leichtathletik verband in ben demnächst auszutragenben Kämpfen um bie deutsche Meifterici-aft zu vertreten, was ihnen hoffentlich mit Erfolg gelingen wird. Die frankfurter Eintracht erkämpfte sich ihren letzten Sieg gegen die S p Dag W a l d h o f Mannheim mit 5:4 Toren sehr knapp, aber durchaus verdient. Wesentlich leichter, aber doch auch nicht allzu mühelos gelangten die Münchener Bayern durch ihren 3:l»Sieg über den K. F D. Karlsruhe au den beiden Punkten, die ihnen zur enbgüüigtn Erringung der Süddeutschen Meister- schäft noch fehtten. Sie haben diese Würde nun mehr innerhalb ber letzten 3 Jahre zum zweiten Mole errungen. Das Treffen der Stuttgarter Kickers gegen die Spielvereinigung Fürth wurde wiederholt durch heftige Gewitterregen und Sturm gestört. Die Fürther fetzten sich gleich zu Beginn in Angriff und bewiesen durch vier Treffer, denen die Schwaben nur einen entgegensetzen konnten, daß sie, wenn cs notig ist, auch noch Tore machen können. Allerdings nützt sie der heutige Erfolg insofern nichts mehr, als sie von der Frankfurter Eintracht vom 2. Tabellenplatz verdrängt bleiben. Wormatia Worms rehabilitierte sich von ihrer schweren Niederlage am vergangenen Sonntage durch ein hohes 5:0 gegen den F. B Saarbrücken. Wormatia spielte diesmal wieder in kompletter Aufstellung unb gewann sicher und verdient.
In der Lunde ber Zweiten und Drit- tcn chatte die Gruppe Nordwest xxur zwei Spiele auf dem Programm, von denen das der F G.08 Ludwigshafen gegen den Vf. L. Neu-Isenburg wegen des Gewitters beim Stande von 1:0 für LudwigShasen abgebrochen werden muhte und später wiederholt weichen muh. Saar 05 Saarbrücken gewairn zwar I gegexx Borussia Neunkirchen mit 3:0
die nun ieierlich ihrem .Zwecke überleben wurden. Mögen diese llntcrrxchtsr.xume stets eine Stätte für deutschen Kausmannsgeift und kaufmännisches Wissen lein, zum Wohle derer, die bie Unterrichtsraume besuchen, \um Wiederaufstieg ber deutschen Wirt fchast.
Rach der Uebergabe folgte eine 8 efiefttieu ng berAusstellung.die zeigte, exe sich ber v.chB die Nu-dildung bei Stauhnannsfugcnb unb bereu Fortbildung angelegen sein laftt. Im «nfchluft an bie itzefichtigung des Sitzungszimmers, der Unterrichts- räume unb des Lesezimmers, das für bie Orts gruppenmitglieder b s abends um 10 Uhr geöffnet ist, konnten sich die Gaste von der Zweckmäßigkeit und Dielieitigkeit der Räume überzeugen.
Namens der Stadt sprach Bürgermeister Dr. 5 c i b, für die Haudclskainmer Herr R ä h r, von dem Äauf männischen Le rein cherr tf r l c unb von dem Verein für bie «Einzelhändler Herr Falkenstetn die Glückwünsche zur Crofsnuna des Orisgruppenheims aus, dabei der Hoffnung Ausdruck gebend, baft d,e Ziele des D. H V zur Weiterbildung eines gefunden und tüchttgen kaufmännisrhen Nachwuchses in Er- füllung gehen möchten.
schauern ausgetragen. Berlin wurde durch feinen Meister den Deutschen E»andballllxld. vertreten, während für de,. Battenverdand edenialls fein Meister. Peltzei'porttxrem Stettin, spielte. Beide Mannschaften traten mit Erlöst an. Die Bert in er zeichneten sich hunh überragendes Können aus. dem die Balten nxcht gewachsen waren, so daft das Spiel mit dem hohen Tvrergebnis von 15 4 verdien, für die Gäste endete
Fußball-Olympia 1925.
Ibic MTB. zuverlässig erfährt bat ber in Amsterdam tagende Vorstand dee internationalen Fuftdallverbandeo (3fa) in der Frage des Svstemwechseis tur das olympische Suftballtutxxier iiunmebr dahin «xddxebcn. datz das Pokalfvftenx auch für die Amsterdamer Olympischen Spiele erhalten werden (oll. Sobald ein Tellneymer eine Niederlage erleidet, scheidet er also endgültig aus der Konkurrenz aus. Die Folge knefes Beschlusses ist. bah auch das Trost türm er bei- dehalten wird
Deutscher Sieg im ^adlanberkampf.
Der verlegte AadiLnderkamps Deutschland Belgien kam am Samstagabend auf der Krefelder Aadrcnnbadn bei einer Zuschauer- zahl von runb 5000 Personen zur Entscheidung Die 5>eutfdKit siegten mit insgesamt 203 Punkten über die belgische Mannschaft, dxe 100 Punkte erzielte. Aus deutscher Seite fuhren Vereng. Fricke. Oskar Nült Schamberg, Damerow und Otto Spengbom. wahrend Belgien durch Dewolf, Stvckeltznck, Aldert Mae. Decrvix, Fvnteyne. Joseph Mauters vertreten war.
Wirtschaft.
Äon den Schlachtviehmarkten.
Dir deutschen Schlachtviehmärkt« verzeichneten in der Berichtswoche kein einheitliche» Geschäft, da an einigen Märkten sowohl ixx Oroftbicb. wie auch in Kälbern und Schafexx etwas Üederangebot herrschte. Zudem ist die Detteriage dem Fleischkonsum weniger aünftig. Die Bersatxdgeschäste. sowie die Auskäuscr sur ftLurst- und Äonfcrvenfabrifen deckten sich befriedigend cm
Die Austriadszadleu stellten sxch für Rinder auf 17 000 115600). für Kälber auf 21 100 (22 300), für Schafe aui 8100 (6200) unb für Schweine auf 97 100 (103 300).
Am Nindermarkt gaben fchxoerc, fette Bullen etwas nach Mxttlere Kühe blieben etwas gefragter. Der DurchschnittShandel brachte vereinzelt leicht befestigte Preise. Kälber brachten bei größtenteils flottem Umsatz für die geftobe- uen Qualitäten etwas mehr Für mittlere und geringere Stücke wurde entfprechend weniger angelegt. Für Schafe war nicht mehr daS vor- wvchige Interesse vorhanden. Die Preise büftten vorwiegend etwas ein. Aus dem Schwelixe- markt waren gute Fleischschweine mittleren und leichteren Gewichts am gesuchtesten. Fettschweine waren kaum an den Mann zu bringen. Die
Notierungen blieben durchweg
unverändert
Linder
Kälber
Schale Schweine
Berlin
18-62
40-83
35-67
47-54
Bremen
25-63
30-78
55-66
38-51
Breslau
18-55
50-74
40-62
43-53
Lhemnitz
25-56
43-75
50-65
42-53
Dortmuixb
25-64
38-80
—
40-55
Dresden
25-60
45-77
44-70
43-56
Düsseldorf
25-62
40-75
—
45-54
Slberidb
20-64
43-78
—
45-54
®1Ien
32-62
45-105
—
42-54
Frankfurt TB.
25-63
50-75
45-60
40-54
Hamburg
14-64
33-88
23-62
40-51
Hannover
20-62
35-80
30-65
45-52
Husum
—
—
—
—
Karlsruhe
18-61
55-80
—
41-58
Kassel
25-62
48-80
—
43-51
Stiel
20-59
32-109
48-65
35-49
Köln
24-66
40-110
—
40-54
Leipzig
22-60
35-72
43-69
44-53
Magdeburg
20-59
35-120
36-58
45-57
Mannheim
16-62
40-82
42-48
42-56
München
20-60
64-88
—
38-54
Stettin
15-55
35-80
20-58
38-50
Stuttgart
14-61
60-85
—
35-55
Zwickau
20-54
50-78
45-66
48-55
Albrecht von Noon.
Zu seinem 125. Geburtstag.
Don Dr. F. Ernst.
Unter den drei Paladinen, die Preuften- Deuftchland schusen, ist Albrecht votx Roon im Volke am weniasten bekannt. Fragt man eincxx aut vaterländischen Deutschen von heute, wie Molttc und Bismarck auSsahen, so wird man eine lebendige Vorstellung vorfindeix, Albrecht von Roon wird in feiner Aeufterlxchkrit tatm jemand beschreiben form en. Das mag zum Teil daran liegen, daft fein pflichtgetreues jabrzehnte- langes Mirien und Weben am Aufbau des preußischen Heeres, das für die Entw.cklung von 1666 bis 1870 erst die Möglichkeit gab. sich meftr in der Stille abspielte und cr al» Kriegs- minifter sehr zu seiner eigenen Betrübnis, weder 1866 noch 1870 zu groften Kriegstaten ton. Unö es war mehr alS rin Witz, als im .Kunstwort' einmal in Beispiel und Gegenbeispiel gezeigt wurde, daft das bekannte Noondenkinal vielleicht noch eindrucksvoller gewesen wäre, toemt man die ganze Figur weggelassen Hütte unb mir der mäßige viereckige Granitsockel mit ber lapidaren Inschrift .‘Koen“ als Erinnerungszeichen geblieben wäre.
Loo ns Werk, das preuftisch-deutsche Heer, ist nach 1918 in der Leimpfanne der Feindstaaten zu einem spärlichen Lest eingekocht worden, unb wenn Noon, ber alte Kämpe, der treueste Vertreter lonfervativ-monarchistischen Preutzentums, hmite aufwachen könnte, er. der schon bei den Berliner Ereignissen von 1849 in die Worte ausbrach: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du und verlassen!', er würde für das $eute feine Worte mehr finden. Ober aber er würde, wie er es 1850 tat, jenen herrlichen Satz aussprechen: „Jetzt gilt es. bie Zähne zusamwenzu- driften und sich wiederfinden in der neuen Lage der Dinge, jetzt mit allen Kräften in das neue SLift. wenn auch mit gebrochmem Herzen!"
llnb wirklich, wenn auch Weltenweiten die fteutige Zeit von den Anschaxningen und der
Glaubensgewifthett trennen, wie sie une hx Albrecht von LoonS lernhaften .DenÜDiirbigteitcn“ entgegentreten, wenn auch manches von dem. was in RoonS Wesen und Schrift eichenhaft ba- fianb, beute nicht vxehr denkbar ist, das Gedächtnis solcher Männer lebend zu halten, ist wich- liger als die Kcrxntnis ber neuesten Lporttxach- richtcn unb die Züchtung eines historischen Le- kordtaurnels.
Die Looxxs tarnen aus 2llbiicberlanb, jene Ah.xen. die um 1550 aus HollMtd aus wanderten und als tätige Bürger und Kaufleute hx Deutschland. zuletzt in Frwxksurt a. M., hausten, waren Talviinsten. Ein Zweig des Stammes wanderte nach Preuften und fiedelte in Franlsurt a. d. über; beim Vater des Generalfeldmarschalls schien die Kraft des Geschlechtes erschLpft: ein haltloser Wann, der seine Familie unglücklich machte und, früh gelähmt, starb Sine Mutter, bte auch in trübem Äechtum dahinging. auch sie, als ber Sohn noch Iseixx war. In dieser Umgebung lag Albrechts traurige Kindheit, ein verfallendes Gut, im Dorfe Plaushagen bei Kolberg gelegen, dem Strand nahe, kärglicher Boden, Dunen, eintöniger Wellengang. Der verlassene Knabe wurde von der Grohmutter auf- genommen. der Ober Hof Meisterin von Borke, einer prachtvollen stolzen Frau, die in Altdamm, Stettin gegenüber, ein Haus besah: und dort erlebte er auch die Ausläufer der Freiheitskriege. indem das Städtchen von den Franzosen belagert und beschossen wurde und Albrecht selbst eine Verwundung empfing. Aber die Greisin starb, xoxd der jxrngc Loon ton nach Berlin, dann nach Kulm in das Kadettenhaus, und siedelte mit diesem (auf Leiterwagen, wie er selbst schildert) wieder nach ‘Berlin über. Seit 1824 konnte er bie Kriegsschule und die Umverft- tät besuchen, wo er mit Begeisterung sich an ben Geographen Litter anschloft. Seit 1828 war er Lehrer an der Kadettenanstalt und hatte bald den Spitznamen .ber grobe Loon". Als Geograph erntete er die ersten Lorbeeren, unb bie oeiben Lehrbücher, bie er in ben dreißiger Jahren verfaßte, machten feinen Namen be
kannt. .Der grobe unb der kleine Loon" wurde bis über bie Mitte de» Jahrhunderts viel gelesen und gebraucht.
Seit 1835* dem Generalstab zugetrift arbeitete et in Pommern, und traf dort ben damals neunzehnjährigen 6 tu boxten Otto von Dism arck, unb dort war es auch, wo ihm daS Glück feine treue LebeixSgefährttn Anna Logge, die Tochter des bamahgeii LandpfarrerS Bernhard Logge, zuführte.
Das Iaht 1846 brachte dxe Wendung, er wurde als militärischer Begleiter deS Prinzen Friedrich Karl axxsersehen, ging mit ihm nach Bonn unb auf Leisen durch Europa. Dadurch kam er der königlichen Familie nahe unb besonders dem Prinzen von teuften. Als General- stabschef des einen preußischen Armeekorps machte er den badischen Feldzug 1849 mit, immer in Verbindung mit dem späteren König Wilhelm, der damals in Koblenz Hof hielt. 1854 kam feine erste Denkschrift über die Neugestaltung deS preußischen Heeres in die Hände des Prinzen unb. als vier Iahte später Wilhelm die Legen t- schast übernahm, forderte er sogleich Albrecht von Loon auf, in einer eingehenden Darstellung seinen Standpunkt aut Heeresresvrm au entwickeln. 3m 3uli 1858 verfaftte Loon in Koblenz nahe bei der Stätte seiner Geburt, feine .Denkschrift zur vaterländischen Heeresversasixriw". Seine Hauptforderungen^ Vermehrung des De- ?taubes an Offizieren und Mannschaften, Der- chmelzung der jüngeren Jahrgänge der Landwehr mit dem stehenden Heere, wichtige Aenbe- rxxngen der taktischen Vorschriften. Die Landwehr im Sinne Doyens sollte zurücktreten, das Feldheer bedeutend verstärkt werden. Mit einigen Qlcnbcrungcn wurden Loons Vorschläge gutgcheiften unb er selbst am 5. Dezember 1839 zum Kriegsminister ernannt Sr nahm schweren Herzens an, im Gefühl ber Pflicht gegen seinen Köniz. .66 gilt, Groftes zu triften; nur rin Schelm denkt immer nur an sich. daS -Reform- werk ist eine Lebensfrage für Preuften, es muh vollbracht werben!" Unb seitdem hat er an diesem Werte gearbeitet, unb diese Arbeit ist
die Gröhe seines Lebens, die Gröhe auch im Leben Wilhelms I Die Ergebnisse Düppel. Konig- grätz, Sedan und Paris tragen nicht LoonS Namen, sind aber zu einem guten Teil fern Werk. Sr führte es durch die schwere Konslllts- wit, als bie Lesorm gegen die Mehrheit des Voltes eingeleitet unb getan wurde. Ec sand den gröftiten «yrcunb in Bismarck, der ihm zwar nicht kvnfervattv genug war, dessen politischen Ausstieg er aber oewuftt durch seine Empfehlung einlritete
Im November 1873 trat er von seinem Amte zurück, das sich zuletzt noch durch die mühsam getragene Bürde des Ministerpräsidiums beschwert hatte. Die Schatten des Afters lagen auf ihm. Cr weilte meist auf dem Gut Krobnih in der Lausitz, das ihm sein König und die Nation als Dank nach dem französischen Kriege geschenkt hatten. Er wechselte Briese mit den alten Freunden und dem greifen Herrscher unb schrieb von sich, er sei .ein alter Fuhrmann, der, wenn er auch nicht mehr fährt, sich doch noch gelegentlich mit dem Peitschenknallen er- luftigt.“
Der Sechsundsiebzigjährige macht sich auf, um feinen von dem Attentat Nobilings kaxmx genesenen Herrn in drr Hauptstadt zu besuchen. Der Kaiser umarmte den allen Kampfgenossen. Aber eine halbe Woche später wurde Loon von einer Erkältung befallen. Zwei Tage vor seinem Tode befudjte ihn ber Kaiser. In einem Lehnstuhl neben dem Sterbenden saft er nieder, und bie Köpfe der beiden alten Herren waren nahe beieinander und leise sprachen sie. Loon immer von neuem das eine: .Dank Dank, mein König!"
Dann stand, so schildert es die Witwe Loons. der geliebte Herr noch am Bette, hielt die eine Hand und, die andere aus der Binde xxehmend, stvcckte er die Finger nach oben: .Dort sehen wir uns wieder!', drehte sich langsam um, sah noch einmal zurück und rief. .Grüften Sie die alten Kriegskameraden! Sie finben viele!" 3m anderen Zimmer hielt er sich das Tuch vor die nassen Augen unb schluchzte."


