Ausgabe 
30.4.1928
 
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Montag, 30. April 1928

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Nr.W Zweites Blatt

von

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Sieben Regelung d hessischen Schulwesen.

Idylle aus Wüftiemberg.

Don Paul Eipper.

3n einem schwäbischen Oberamt

Do, sage ich nicht', aber eS wächst dort aus einem Hang ein Wein, der heißt der .Slfinger". Er war nämlich schon in der Gotik so berühmt, dah die Mönch« deS benachbarten Zisterziensev-

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Nachdem alles an seinem Platz war, beschäl- Hgten wir uns mit den Navigationsproblemen.

Ter Start.

Als alles dies getan war, setzten wir den 5. Aprll als Starttag seit. Das Wetter versprach schön zu sein, aber gerade an diesem Tage traten durchaus unerwünschte Wetterverhältnisse ein. Dis xu jenem Tage hatten wir regelmäßige Arbeits­stunden innegehalten, vom 5. bis zum 15. April aber, an welchem Tage w.r schließlich star­teten. spannten wir aus. Die Ruhe hat uns gut getan.

Am Sonnabend, dem 7. April, machten wir den ersten Startversuch. Wir kamen von der Startbahn nicht ab. mußten einmal ausweichen und fließen dabei aus eine Schnee bank. Bei die er Gelegenheit zerbrach eine der Metall- gkitfufcn. Wir cr'citen die Metallkusen durch hölzerne, die wir nach Point Barrow im Flug­zeug mitgenommen hatten. Am Mittwoch ver­suchten wir zum zweiten Male $u starten, liefen über die Startbahn über einen Hügel in einiger Entfernung ab, doch mißlang uns der Aus­stieg. Schaden nahm unser Flugzeug dabei nicht. Am Freitag, dem 13. April, verbuchten wir den dritten Start. Das Wetter war ib.'al, die Wetter­voraussagen günstig. War es nun der un­glückselige Freitag, der Dreizehnte, oder das Wetter, genug, wir erlebten wieder einen Fehlschlag und kamen nicht hoch. Dann begann für unS eine rückenzerbrechvnde Arbeit: 48 Stun­den lang mußten wir Schnee schaufeln. Am

Polizei, Kirche und Schule vor dem Hessischen Landtag

Wie wir den Nordpol überflogen

Oie Vorbereitungen des Nordpotfluges.

die wir voraussichtlich in den nächsten Tagen xu lösen hatten, mit der Startzeit und den Wind­verhältnissen. Wtr legten alle diese Dinge auf besonderen Karten fest. Unter Kurzwellen- Funkgerät wurde approbiert, doch beschlos­sen wir, es aus dem Fluge nur sparsam zu ver­wenden.

Don Kapitän X A. Wiltins.

platz der Eskimos an der Lagune in Barrow startbereit stand.

Edkimo-Ratschlögr.

Während unsere arktische Ausrüstung, die wir 1926 nach Point Darrow mitgenommen hatten und auch 1927 wieder benutzten, gründlich überholt wurde, prüften alte Eslimoweiber sorgfältig unsere KleiderauS Renntierfellen und rieben und kratzten sie so lange ab. biS sie weich wie Samt waren. Die jüngeren Weiber dehnten mit ihren Zähnen und starken Armen unsere Stiesel und Fausthandschuhe auS See h u ndss el l, bis sie tadellos paßten. Die erfahrensten Jäger unter den Eskimomännern schärften untere Speere für die See - hundSjagd. fic machten EiSpackungen und bereiteten ben Apparat dafür vor, tote Robben auS dem Walter zu fischen.

.Wenn der Mafchine etwas passiert", sagten die alten EskimoS. .bann müßt ihr nach bem Land marschieren, daS einer unterer Vorfahren einst besucht hat. Er marschierte über das Eis nach Osten und erblickte dort ein neues Land und neue Menschen. Aus dem Rücken ließ er lich tätowieren, zum Zeichen, baß er dagewesen. Unsere Väter wußten aber dennoch nicht, ob sie ihm Glauben schenken sollten. Vielleicht könnt ihr beweisen, baß der alte Mann recht hatte."

Nahrung und Kleidung.

Die Nahrung, die wir mitnahmen, bestand auS 5 Pfund Schokolade. 20 Pfund Visquit. 20 Pfund Pemmiean. 24 Pfund Malz­milch und 5 Pfund Trauben. Dieser Pro­viant wurde sorgfältig gewogen und im Flug­zeug verstaut. Dann wurden die PrimuS- O e f c n gereinigt und approbiert. Endlich be­freiten wir unsere zwei Gewehre vom Del, schossen sie auf ihre Genauigkeit ein und unter­suchten genauestens unsere Munition, bestehend auS 350 sanft abgeplatteten ExpansionSpatronen. Denn, sollten wir gezwungen werden, an dem vom Land auf unserer Strecke am weitesten ent*

Als Präsident Delp am Freitag das gut besetzte Haus eröffnete, gab er die Absicht bekannt, noch am gleichen Tage den gesamten Kultus e tat 311 verabschieden. Er war sich auch der Unterstützung der Koalitionsparteien gewiß, aber die ^Äommu* n I ft e n machten wieder einmal einen Slrid) durch die Rechnung. Es waren ja auch drei Fragen, die lhr Redcbedürfnis besonders aufftadjelten. Die halbe Sitzung verging mit Ausführungen der kommunisti­schen Abgeordneten. Daß sich dadurch die Arbeitslust im Hause nicht steigerte, ist verständlich. Daß ober auch bei den Ausführungen der Koalitionsredner zum P 0 l l z e i e t a t schließlich nur noch ein ganzes Dutzend Zuhörer im Saal aushielten, rief nicht nur bei der Presse ein Kovfschutteln hervor. Minister Leuschner faßte sich deshalb auch bei, seinen Ausführungen auf die zum ThemaPolizei" vorge­brachten Wünsche sehr kur-n denn auch ihm Härten nicht viel mehr al» zwei Dutzend Abgeordnete au. Dann vertagte sich da» Hau» auf Mittwoch dieser Woche. Die Sitzung am Dienstag fällt wegen des 1. Mai aus. Trotzdem hofft das Präsidium, in dieser Woche den Etat zu Ende zu bringen, gegebenenfalls unter Einschaltung von Nachmittagssitzungen.

Sitzungsbericht.

schenverftand verschwunden sei, könne auch in Deutschland das russische Schulsystem eingefübrt wer- den. Der Redner nimmt die Technische Rothilse gegen Angriffe der Linken in Schutz Die Lehrerbil­dung liege seiner Partei sehr am Herzen. Die höhe­ren Schulen in den entlegenen Canbeeteilen müßten erhalten bleiben. Er bittet die Regierung um baldige de» Kastenwesen» für da» gesamte

klosterS sich elf Finger darnach geschleckt haben würden, wenn fic nicht bloß zehn gehabt hätten.

Also. In diesem Oberamt wurde eine« grauen Herbsttages ein ältlicher Handwerksbursche wegen Bettelei verhaftet. 11 nb in« Gefängnis abgeführt, einen kleinen Kasten hinter der Woh­nung deS Obcramtmanne«. Da faß er. ganz zufrieden mit feinem LoS. und jeden Tag bracht« ihm die Magd einen Teller warmen Essen«.

Der Strolch machte einen gan$ manierlichen Eindruck, und well im Oberamt Immer viel zu tun ist, fragte die Magd einmal ihre Herrin, ob man den Stromer denn nicht zum Holzhacken etwas beraplaffen könne. Die Amtmännin fragte das gleiche den Amtmann, und der sagte ja. .Weglaufen wird er ja nicht bei eurer guten Suppe!"

So kam's. daß der Vagabund den ganzen Winter über in der Küche, auf dem Speicher und überall im Oberamt Hand anlegte. Da« Frühjahr nahte. Gartenarbeit kam hinzu, und die Amtmännin sagte oft: .Gottlieb, heut müssen Sie sich ordentlich ranßalten. Unkraut auSzupfenI Es gibt auch besonders gutes Essen."

Aber alle Herrlichkeit hat einmal ihr Ende. Schließlich wurde die Geschichte dem Oberamt» mann zu dumm. Der Vagabund bekam seine Papiere und den Befehl, am Abend den Bezirk zu verlassen....

Und was soll ich sagen, Frau Amtmann, die Kinder, die Magd, alle waren sie traurig dar­über. wie wenn ein lieber Freund avrellen müßte. Der .Herr Gefangene" selbst aber, stand mit der Mütze in der Hand unter der Tür deS Wohnzimmers, um Abschied zu nehmen

.Grüß Gott. Frau Oberamtmann, und ver­gelt'« Gott! Wenn bloß die Magd da« Unkraut ordentlich ausrupft. Aber machen Sie sich lein« Sorgen im Herbst komm' i wieder."

Und so geschah'«. 3m Oktober nächsten 3aßre« erwischte der Gendarm einen älteren Vagabunden beim Betteln Als er in den kleinen Kasten binterm Oberamt abgeführt wurde, grüßte .der Verbrecher" mützeschwenkend nach der Wobnstub« ßlnauf. .Grüß Gott. Frau Oberamtmann! 3 bin «, der Gottlieb, 's ist wegenm Garten und bem Unkraut!"

Um 10.15 Uhr eröffnet Präsident Delp die Sit- zung, nachdem bereits vorher der Finanzausschuß Selagt und die zum Polizeietat vorliegenden Anträge craten hatte. Wie üblich erfolgten erst einige kleine Anfragen und die vom Donnerstag rückständigen Abstimmungen. Angenommen werden Kapitel 42: Landes-Heil- und Pflegean st alten und Heilstätte fürRervenkranke bei Oie- ßen und der Antrag Ritzel, daß auch an den Landes- Heil- und Pflegeanstalten Heppenheim und Gießen möglichst Landwirtschaft, wie an anderen hefsischen

Gewimmel und bei dem Tempo! ist schon das Licht umgeschaltet, geht die Jazzmusik in schmelzen- des Klaoierspiei über, hebt sich der Dorbang wieder, beginnt eine Schäkerszene auf altfränkischem Kana­pee. die von oben noch drolliger wirkt als vom Parkett aus.

Es ist wie im Lachkabinett, wenn man hinunter- lchaut. wie bann später Herr Goll ein Ei in die Pfanne schlägt, wie zwei Rivalen im Park xum Boxkampf ausholen, wie ein Pärchen engumschlun- gen auf einem Stühlchen fitzt. Das sieht man selten. Wenigsten» von oben.

Dies alles aber ist nicht nur komisch, nicht nur mal was anderes", sondern sehr interessant und überaus lehrreich, und wenn man nach der Pause binunterfteigt, sich auf und hinter der Bühne unnütz macht und die Augen offen hält (unter an­derem auch, damit man keinem im Weg steht, von niemandem umgerannt wird und kein Stück auf den Kopf kriegt) dann kann man eine Menge sehen, wovon die draußen im Parkett und in der Loge nichts ahnen ...

Ordnung im Chaos: das tft hier die Parole, aus- gegeben vom Intendanten, der selber die Regie führt und überall und nirgends ist. Und während ein wahrhaft sehenswerter Schwarm von Frauen im reiferen After und mit mehr ober weniger gebroche­nen Herzen an ihm Dorüberftrubelt, geht der unter­nehmungslustige Kritiker langsam und nachdenklich hinaus.

Er weiß setzt, wie da» zugeht, baß die ganze Dor- stellung mit allen Derwanblungen und der großen Paus« genau eine Stunde und breiunb Diesig Minuten gedauert hat. Er geht hinaus und läßt sich treiben vom Strom der heimwandelnden Theaterbesucher und bekommt dabei mancherlei zu hören, was die Leute über bas Stück ben fen, unb ob es ihnen gefallen hat. Das ist immer lehrreich.

Dr. Th.

Sonntag waren die örllichen Wrnb- unb Wetter» verhältnilfe zu unteren Gunsten, doch In der Nachbarschaft von Point Barrow kündigte sich Sturm an. Wir hofften, diesen Sturm hinter uns zu lasten. Auch in bezug auf Srant-Land waren die Voraussagen günstig. Dee Temperatur betrug 20 Grad unter Hüll W:r starteten allo, erhoben uns vom Eise und kletterten so­gleich in die Lust. Unsere Maschrne arbeitete ausgezc.chnet. D.e Wetterberechnungen erwiesen 'ich als korrekt. Sin Harct Horizont grüßte uns. der Wind, der aus Osten wehte, war in der Nähe von Point Darrow nur schwach.

Bald kreuzten wir über Eismassen. in denen sich durch hohen Druck tiefe Furchen unb Riffe gebildet hatten, dann flogen wir fünfzig Meilen lang über Packeis, das stark Qu-.-einanber» gebrochen war unb zerstreut umherir eb. Rettung hätte es doch nicht gegeben, wenn unter Motor versagt hätte D.e Ersbänke hatten die Form von Bumerangs und legten sich hakenförmig rund um Point Barrow. Bei den nächsten 50 Meilen überflogen wir grobschlächtige Eismassen von spitzen Sonnen. AuS niedriger Höhe gesehen schien uns die Spaltenbildung im Sis das Er­gebnis des Treiben- schweren Packeise« au sein. daS sich aus nordwestlicher Richtung nach Osten bewegte. Gegen die Küste zu schien daS Pack­eis sich leichter zu zermahlen. Dort, wo es in westlicher Richtung trieb, nahm es geradezu di« Form von Ei «fäll en an. Mächttgc Schnee- wehen zogen sich von Osten nach Westen, was im Winter die allgemeine Windrichtung sei« dürfte.

Bei der Annäherung an den 73. Breitengrad verliefen auf unterem Kurte fchmale Eisbänke in ostweftlicher Richtung. Ader von Westen bo­gen fie bann nach Nordweften um. was unfl be­wies daß dort irgendein Hindernis liegen mußte, welches die Drift nach Osten aufhielt. Wir ge­langten bald an jenes Hindernis, da» sich al« sehr alte Ei Sm assen erwies, in denen keine Durchlässe klafften. Auf dem Eise türmten sich aus ostweftlicher Richtung gewaltige Schnee­wehen hoch empor. Etwa 2Ö0 Mellen lanfl kreuzten wir über diesem alten Eisfeld.

der Maschine befestigt. Sine Flasche mit A e t b e r . ärztliche Instrumente, Bandagen. Arzneien bilbctxm unsere Apotheke, die wir allerdings nicht oft zu benutzen hofften. Decken für den Motor, kleine Heizöfen lagen an ihrem vor gezeichneten Platz, wo fie den Gang der Maschine nicht zu stören vermochten. Auch ein wind- und wafserficheres Zelt gebö lerer Ausrüstung. Außer den Kleidet

au) dem Leibe trugen, nahmen wir für jeden Mann mit: zwei Pclzröcke, zwei Paar Pelzsocken, Pelzbreeches. Beinkleider auS Seehunds'«:!, vier Paar Socken aus Angorawolle, zwei Paar

Winterstiesel auS Seehund-fell. zwei Paar

Sommerstiefel auS Seehund-fell, zwei Paar Pelz- faufthandfchuhe au« Seehundsfell und seidene

Heber,üge für Rock- und Beinkleider, um die Pelzbekleidung gegen Schnee zu schützen. Unsere

Ladung an Velriebsstoss bestand au« 3 7 0 Gallonen Benzin und 12 Gallonen

lernten Punkt niederzugehen, fo waren wir bann für vielleicht 18 Monate gänzlich abhängig unteren Büchsen und von unseren Kenntnisse der Jagd auf dem arktischen Meeresei«. Zum Schluß verpackten wir sorgfältig Referve- kleider. Schall- unb Tiefenmesser, Thermometer. Wasser-Mu st er- flaschen für Proben und Notizbücher. Wenn wir landen mußten, dann wurde alles dringend gebraucht. Wir vergaßen auch nicht Schnee­schuhe. Messer, eine Säge zum Zerschnei­den der Dchneeblocks. au« denen man ein Schnee- Haus bauen konnte, und eine Axt. die viel­leicht dazu dienen mußte, den Piloten zu be­freien. falls da« Flugzeug abstürzte. Alle diese Geräte wurden vorsichtig an den Rumpfwänden

Theater von oben.

Ein beffcrer Herr" wird umgebout.

Haben Sie sich nicht gewundert, verehrlicher Zu­schauer, wie schnell das ging? Wie geschwind die Szene sich verwandelte in .yasencleversBesserem Herrn", wie Bild 0*4 Bild verblüffend folgte, ob­wohl wir in unsemi Stadttheater, leider, keine Dreh­bühne befitzen?

I)cr Intendant sprach zum Referenten: Sie müßen sich das mal ansehn. E» geht lebensgefährlich au. Aber ich werde Sie fo postieren, daß Ihnen nichts zuftößt.

Dies klang so aufregend und beruhigend zugleich, daß sich der Kritiker, neugierig wie er ist, am Frei­tagabend ausmachlc. das Theater von hinten und von oben zu besehen, benBesseren Herrn- von der Drücke aus der Vogelperspektive, von rückwärts und seitwärts aus der Kulisse heraus auf sich wirken zu lasten und die Technik des Umbaus zu studieren, über bk sich vielleicht auch der nicht ganz Unkundige vor dem Borhang ein bißchen den Kops zerbricht.

Zwar ist dein wißbegiengen Kritiker solcher An- blick und solcher Betrieb nichts Neues mehr, seitdem er als Student vor Jahren bei Hellmer in Frank- furt stotterte und als dritter Offizier in Rollands Wölfen" gleich auf der zweiten "probe sich so un­geniert zum Fenster des Stabsquartiers hinaus- kchnte, die Schlacht zu beobachten, baß die ganze Hauswaad mit Gepolter, doch ohne |emanben zu erschlagen, zusammenbrach . . aber der Kritiker soll und muß auch mit dem Shilificnbetrieb, den man von außen nicht sieht, mit den Geheimnisten, mit der Maschinerie, mit dem Handwerk des Registeurs, vertraut lein, er soll von Zeit zu Zeit auf die Probe gehen, ober auf die Bühne, wenn gespielt wird, sich zum Inspizienten stellen, oder zum Be­leuchter klettern, oder zum Maschinenmeister ...

Oder auf die Drucke fteigen, die quer übers Spiel- fett) läuft, und hinunter!chauen nach oom, nach hinten, nach rechts, nach links. Auch manchmal nach oben, zum Schnürboden, einen Blick zu roerfen, empfiehlt sich: man kann nämlich sonst leicht von einem herabslitzenden Dekorattonsstück eine Kopf- nuß oder Ohrfeige beziehen, die der neuen Sachlich- feit da unten durchaus angepaßt ist.

Blick hinab: man kann gerade in die Teetassen der Famllie (Kompaß hinein schauen unb sich zugleich

Anstalten, betrieben wirb, um so zu einer Verbilli­gung des Anstaftsbetriebes zu kommen. Anaeiwin» men werden ferner Kapitel 43: Anstalt für Geistes­schwacheAliceftift" bei Darmstadt, Kapitel 44 Bolts- gesundheitspslege, Kapitel 45: Jugendfürsorge und besondere Maßnahme zur Bekämpfung von Bolt», trantßeiten, Kapitel 46 Staatsuntelstutzunastaste, Kapitel 49: Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke, Kapitel 50: Nichtstaatliche Bausachen, Kapitel 51: Hochbauwesen unb Kapitel 52: Straßenoerwal- tung.

6» folgt Kapitel 53: Lande »amt für do» BH- dungswesen. gleichzeitig verbunden mit Kapitel 38: Kirchen, da», wie im Vorjahr, einen Staat»,uschuß von 747 721 Mark vorsieht.

Abg. 0. b. Schmitt (Komm.) roenbet sich gegen das Schulsystem de» kapitalistischen Grifte» auch in ber demokratischen Republik, gegen Da» Schuigebet, die Disziplin im Schulsaal und Schulhof, da» Noten- system und die Prügelstrafe. In Hessen sei auch nicht die leiseste Reform im Unterricht möglich An den höheren Schulen herrsche bei Schülern und bei den meisten Lehrern reaktionäre Gesinnung. Der deut­schen Schule stellt er da» Schulsystem der Sowjets gegenüber.

Abg. Werner (Dn.) begrüßt die Schaffung de» neuen Kultusministeriums ohne Mehrausgaben für den Staat und erklärt, erst wenn der gesunde Men-

IN.*)

Spitzbergen, 24. April 1928.

Tie Ziele der Expedition.

Während meteor-logische und geographische Fragen nur Teilziele unserer a r k t i sche n F 0 r- schungSexpcdition bildeten, war sie in der Hauptsache al« ein aeronautische« Unter­nehmen gedacht dessen wichtigster Zweck es lein sollt«, sest'ustellen. ob In dem unerforschten Ge­biet der Arktis Inseln vorhanden wären, auf denen man eine meteorologische Station errich­ten könnte. Diesem Zweck alo diente vornehm- lich unser Flug. Auf Grund früher erworbener Erfahrungen bestand bei un« Uebereinstimmung darüber, daß eine Flugmaschine, die diesen Ex- pedlttonSzweck zu erfüllen hatte, möglichst leicht und schnell lein müßte. Der Lockheed-Eindecker in seiner wundervoll durchdachte), Konstruktion und vollendeten AuSlührung erschien un« in dieser Beziehung al« die ideale Maschine für den Polarslug. Dor allem vertrauten wir aus den Wright-.Wirbel Lind"-Motor. Un'er Flug­zeug wurde mit allen nur erdenklichen Instru­menten. die dem Piloten auch bei einem Fluge in schlechtem Wetter zu Hilfe kommen konnten, ausgerüstet. Auch war es geräumig genug, um Reserverationen für den Notfall, die Ausrüstung mitPolarschlitten und die Navigationsinstrumente aufzunehmen. Da es au« Holz erbaut war. vermochte es auch den schlimmsten Wetterbedingungen zu trotzen und gewährte zudem sicheren Schuh gegen die Schneemassen.

Die Ausrüstung.

Aus dem Boden der Maschine verstauten wir Doots- und Schlittenmaterial für den äußersten Notfall, sowie Heizmaterial. Die Holzkvnstruk- tton war deshalb besonders vorteilhast. weil sie von vornherein Kompaßstörungen ausschaUete. wie sie bei Metailmaschinen so häufig vorkommen. Die Instrumente für den Piloten bestanden aus zwei Kompassen, einem schnell und einem langsam beweglichen, zwei Höhenmessern, einem Lustgeschwindigkeit«messer und den sonstigen üblichen Instrumenten. Für die Navigation führten wir einen großen SchissS- kompaß an Bord, ferner den Sextanten der königlichen Luftflotte. einen Taschensextanten, vier Spezialuhren und Tabellen, die von der Amerikanischen Geograph! chen Ge ellfchast hergestellt waren. Maschine und Motor waren auf das sorgfältigste d.irchgeprüst worden, bevor sie Lo« Angele« verließen, gleichzeitig hatten sich Pilot und Navigator mit den besonderen Eigenheiten de« Flugapparates vertraut gemacht, denn auch Flugzeuge sind fo verfchieden wie die Menschern linier Eindecker wurde in Lo« An- S:les verschllst unb erreichte Alaska auf dem

eetDcge zur festgesetzten Zeit.

Hier erlebten wir unser erstes Miß­geschick. denn mächtig« Schneewehen blockierten die Eisenbahnlinie. waS unsere Ankunft in Fair- bankS um eine Woche verzögerte. In FairbankS herrschte um diese Zeit eine Temperatur von 40 Grad unter Null. Die Prüfung unseres Eindeckers aus seine Eianung für die besonderen arktischen Verhältnisse ließ erkennen, daß einige kleine Verbesserungen am Platze waren. Nach dreiwöchigem Experimentieren war aber alles in bester Ordnung. Don FairbankS führte unsere Route zunächst über die rauhe Endicott- Bergkette nach Point Darrow, insgesamt eine Strecke von 500 Meilen. Hätten wir auf dieser Flugstrecke notlanden müssen, so wäre da« weit störender und unbequemer gewesen aiS eine Landung aus dem arktischen Eise. Der Flug bi« Point Barrow verlies indessen ereignislos. Wir hatten diese Strecke schon vmrzehnmal durch­flogen, bevor unser Flugzeug auf dem Spiel-

) Dgl. die Artikel in Nr. 99 und 100._________

überzeugen, was dieschöne Aussicht" durch das Erkerfenster für ein schnöder Zauber ist. Rechts neben dem Inspizienten im Dienerfrack die Jazzband der Werkstudenten. Hinten ein dunkle», brodelnde» Chaos von Versatzstücken, Stühlen, Arbeitern, Schauspielern. Vorhängen und allerlei Dingen, die in der schwachen Beleuchtunanicht zu erkennen sind.

Blick nach hinten: zwei Mann am Dorhangseil, des Gongschlages gewärtig: Soussleurkasten mit aufgcschlaaenem Textbuch. Rampenlichter, erste Par- kettreihe. Wenn man sich bückt sieht man auch die zweite. Aber dazu steht man nicht auf der Brücke.

Achtung! Fertig! Gong Gong! Jazzband dudelt los. Vorhang hoch. AustrittEin befierer Herr" hat begonnen. Und es macht sich von oben sehr komisch, diese merkwürdig verkürzten Gestalten da unten agieren zu sehen, aus dem Parkett (das übri­gens ganz voll ist) Gelächter aufsteigen zu hören, das routinierte Gezischel der Somfleule ... Aber das alles interessiert uns nicht fo sehr. Wir warten auf den Schluß des erften Bildes, auf den Vor- Hangfall.

Jetzt! Aufgepaßt: nm ter! hoch! runter! hoch! runter! Kaurn aber ist er endgültig unten, gehen einem die Außen über: es ift als ob man in einen Arneifenhauien gestochen hätte. In zioei Minuten wankt bas ganze Zimmer des reichen Herrn Compaß. Wände fallen ein. Der Teetisch rast um die Ecke, ohne ein Stückchen Zucker - oder ein Likörgläschen zu verlieren zauberbaft.

Eine wilde Horde Menschen so kommt es einem zuerst vor rennt völlig planlos in wüster Unordnung durcheinander. Kommt e» einem vor. Ader man staunt alsbald, wie geschwind in das Chaos Ordnung kommt. Eine Weftfchöpfung im kleinen. Organisation, System, Drill! Da rast einer in großen Sprüngen mit einem Teppich davon. Das hat seine guten Gründe und ist kein Zufall. Jeder Handgriff ist berechnet. Jeder Mann uxiß genau, welchen Stuhl er zu packen hat. Hier ist kein Schritt zu viel, keine Bewegung zu wenig.

Schon rollt, mit sämtlichen Andenken und Haus­segen an der Wand, das traute Gemach der Witwe Schnütchen auf Rädern heran, ein Tisch wird zu- rechtgerückt. ein Schaukelstuhl hereingestoßen, ein Kleiderständer, an den sofort der bessere Herr Ian- nert seinen Rock hängt, um sich bann bequem aufs Sofa zu räkeln. Und während man oben noch denkt: wenn da bloß nichts vergessen worden ist, bei dem

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