Ausgabe 
30.3.1928
 
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erhöht werden. Die Cßcflimntungcn geben auch Richtlinien für die Gewährung der -Zusatzrente beim Bezug von Rente im Härteausgleich nach § 113 RVG. Sine nach Bemerkung 1, Ab­satz 2 zu § 88 RVG. vorschußweise gezahlte .Zusatzrente, die überhoben ist, weil das Urteil durch das ReichsversorgungSgericht wieder auf­gehoben wurde, kann durch die Hauptfürsorge-- stelle in Ausgabe belassen werden. Dos gleiche gilt, wenn Zusatzvente neben Eltern rente über­hoben ist, soweit es sich um Beträge bis zu 300 Mk. handelt. Im allgemeinen werden die Fürsorgestellen angewiesen, in gewissen genau bezeichneten Fällen besonders wohlwollend zu verfahren und auf die wirtschaftliche Lage Rück­sicht zu nehmen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 29. März. Es gehört wohl zu den schönsten und vornehmsten Aufgaben eines Lehrers, daß er nicht nur in der Schule unterrichtlich und erzieherisch vorbildlich wirkt, sondern darüber hinaus auch bemüht ist, mit den Eltern der Gemeinde bc- sonders hinsichtlich der erzieherischen Aufgabe in Kon­takt zu kommen. Denn jenes Vertrauensver­hältnis zwischen Eltern und Lehrer ist geradezu ausschlaggebend für den erzieherischen Ein­fluß des Lehrers. Diesem Gedanken Rechnung tra­gend hat man schon an verschiedenen Orten versucht, Eltern und Lehrer durch Elternabende zusammen­zuführen und durch Darbietungen der Schüler das Interesse für die Schule in die breiteste Oeffentlichkeit zu tragen. Es ist deshalb zu begrüßen, daß auch in unserer Gemeinde gestern abend dank der Bemühun­gen des Lehrers Petri anläßlich einer Schul­entlassungsfeier ein Elternabend im Saale Braun stattfand. Lehrer Petri betonte in einer Ansprache, daß gerade die Schulentlassungs­feier Anlaß genug gebe zu einem Elternabend. Haben doch die Eltern dadurch Gelegenheit, den Geist her Schule kennenzulernen und zu sehen, daß dadurch keineswegs der Konfirmation vorgegriffen oder ihrer Heiligkeit etwas abgetan wird. Dem entsprach auch ganz der Ernst, der in den SpielenDer Schutzgeist der Schule" undWohin?" zum Ausdruck kam. Rektor Dr. Rein ermahnte die Jugend, das im Spiel Dargestellte sich ins Herz zu schreiben und im Leben zu verwirklichen. Pfarrer Sattler sprach seine Befriedigung über den Abend aus, der ihm zeige, daß Schule und Kirche in einerlei Geist ar­beiten. Im SpielDorfklatsch" und mehreren Dialekt­dichtungen kam auch der Humor zu seinem Recht. Die Gedichtvortrüge der Schüler zeugten in ihrer guten Aussprache von sorgfältiger Schulung. Ebenso waren mehrere Lieder ein schönes Zeugnis von dem feinen musikalischen Empfinden der Schüler und des Lehrers. Ohne Ausnahme verliefen alle Darbietun­gen zur allgemeinen Befriedigung. Lehrer Petri gebührt für seine selbstlose Hingabe und Mühe volle *<nerfcnnung und Dank. Es ist zu wünschen, daß solche Veranstaltungen öfter zustande kommen.

Y Mainzlar, 29. März. Das am 12. Januar durch ein größeres Schadenfeuer zerstörte Far- mereigebäude der Firma Scheid Hauer & Gießing ist nun wieder vollständig ausgebaut. Die Fabrikation ist wieder voll aufgenommen und der vierte Ringofen dieser Tage in ^Betrieb gesetzt worden. Der seitherige Direktor des hiesigen Zweig­werkes der Firma, Herr K e y d e l, scheidet mit dem kommenden 1. April von dem hiesigen Werk: an sÄne Stelle tritt der Direktor des Werkes Duis­burg, Herr Doppler. Für Herrn Keydel, der auch unserem Gemeinderat angehörte, tritt als Nachfolger auf dieser Liste der Former Ioh. Spaar in den Gemeinderat ein.

---- Lollar, 29. März. Rachdem eine Klasse unserer Mädchen - Fortbildungsschule vergangene Woche einen Ausflug nach der Saal- burg und Bad-Hoburg v. d. H. unternommen hat, begaben sich die beiden andern Klassen unter Füh- rung von Fortbildungsschullehrer Eberle (Treis) gestern nach Bad-Rauheim. Unter der sachkundigen Leitung eines Beamten der Dad- und Kurverwaltung wurden die technischen Be­triebe des Bades einer gründlichen Besichtigung unterzogen. Die Saline und die Salzbereitung, ferner die staatliche Waschanstalt begegneten be­sonders dem Interesse der Mädchen, die reiche Belehrung fanden. Rachdem noch der Johannis­berg besucht worden war, führte der Lehrausflug weiter nach Friedberg, woselbst Burg und Stadt eingehend besichtigt wurden.

gck. G r o h e n - B u s e ck, 29. März. Heute fand hier vor dem Schulvorstand, dem Gemeinderat und den Müttern der Schülerinnen die Prü­fung der freiwilligen Kochschul­abteilung der hiesigen Mädchenfort­bildungsschule statt. Rektor Inderthal begrüßte die fast vollzählig erschienenen Gäste unb wies auf das lebhafte Interesse hin, das dieser Pinter richtszweig stets wieder finöe; konnte doch bisher in jedem Jahre neben den Pflicht­abteilungen stets eine starke freiwillige Abteilung geführt werden. Bei bet folgenden Prüfung durch die Hauswirtschaftslehrerin. Frau Schneider, zeigte sich, daß sich die Mädchen in allen Zweigen der Hauswirtschaft reiches Wissen ungeeignet haben, so daß man die lleberzeugung gewinnen tonnte, daß diese künftigen Hausfrauen ihrer Aufgabe gewachsen sein werden. Hieraus reichten die Schülerinnen mit Kaffee und allerhand Back­werk den Erschienenen reichlich bemessene Kost­proben ihres Könnens. Bor der Entlassung richtete Frau Schneider treffliche Worte über Hausfrauentugenden an die Mädchen. Beigeord­neter Haarbach dankte in Bertretunq des Bürgermeisters im Tarnen der Gäste. Zum Schluß gab der Rektor der Schule noch bekannt, daß am kommenden Sonntag eine Handarbeits­ausstellung der Bolls- und Fortbildmrgö­schule und abends eine Schule ntlasfungs- feier ftattfinbe.

r. Rüddingshausen, 28. März. Heute ge­rieten der Arbeiter H. von hier und sein Schwager M. von Keffelbach an ihrer Arbeitsstätte in Dreihausen während der Mittagspause in Streit. Dabei versetzte M. seinem Gegner zwei Stiche. Der eine davon ging in den Unterleib, der andere kurz unterhalb der Lungenspitze. Der Schwerverletzte wurde in die Klinik nach Marburg gebracht. An feinem Aufkommen wird gezweifelt, lieber die Ursache des Streites ist nichts Näheres bekannt, doch ist anzunehmen, daß er aus Ausein­andersetzungen über das Vermögen der Frauen ent­standen ist. Unsere Kirche bekommt dieses Jahr Z e n t r a l l u s t h e i z u n g. Die Kosten werden ge­deckt durch eine außergewöhnliche Holzfällung im Gemeindewald.

* Grün berg, 29. März. Gestern fand im ..Gasthaus zum Rappen" die Schlußprüfung der Lan d w i r t scha f t s sch ule statt. Direktor Trautmann begrüßte Me Gäste, Oberland--

Numendöslr werden wieder modern!

Oie Wett kaust deutsche Parfüms.

Von Walter Sersky.

In England und in den Dominions machen sich neuerdings Widerstände gegen die zunehmende Einfuhr deutscher Kos­metika bemerkbar. Dieser Amstand be­lehrt die deutsche Oeffentlichkeit über eine Tatsache, die ihr bisher noch nicht be­kannt geworben ist: daß nämlich Deutsch­land auf dem besten Wege ist. der Melt- Heferant für kosmetische Artikel zu werden. Richt weniger als 3500 Zentner deutsche Lippenstifte sind im Jahre 1927 nach England eingeführt worden." so rief voller Empörung das englischeAnterhauSmitgliedWar­ner aus, als er kürzlich in einer großen eng­lischen Frauenversammlung Propaganda für die britischen Lippenstifte machte. Seine Ermahnun­gen werden aber wohl nicht viel Erfolg haben, denn in immer größerem Umfange beginnt sich die deutsche kosmetische Industrie den Weltmarkt zu erobern. Während vor dem Krieg vor allem Frankreich die beliebtesten Kosmetika herstellte, und England an zweiter Stelle stand, hat es die deutsche kosmetische Industrie verstan­den, in den letzten Jahren England weit zu über^ Hügeln. Deutschland ist heute in der Herstel­lung kosmetischer Mittel ein gefährlicher Rivale für Frankreich, und in vielen Ländern konnte die deutsche kosmetische Industrie die traditionelle Borliebe für französische Parfüms und Seifen beseitigen, um an ihre Stelle gleichwertige deutsche Erzeugnisse zu fetzen.

Im Bergleich zum Jahre 1913 hat die deutsche kosmettsche Industrie ihren Export um fast 60 Prozent gesteigert, hat doch das Ausland im Jahre 1927 von Deutschland für 12,5 Mil- -Honen kosmetische Artikel bezogen. Da­von entfallen 5,8 Millionen auf Puder, Schminke und Lippenstifte, während für 6.7 Millionen Parfüms. Kölnisch Wasser, Haar- und Mund­wasser bezogen wurden. Die größte Borliebe für deutsche Erzeugnisse zeigte England, aber auch Holland und Holländisch-Indien gehören zu den besten Abnehmern Deutschlands. Richt minder beliebt sind im Ausland die deut­schen Seifen, für die besonders Dänemark und Holland als Absatzgebiete in Frage kommen. Aber auch Rumänien und Spanien haben den Wert der deutschen Qualitätsseife schätzen ge­lernt, so daß auch diese Länder Großabnehmer für deutsche Seifen geworden sind. Für mehr als 13 Millionen hat das Ausland deutsche Seifen bezogen, und allmählich beginnt man ein* zusehcn. daß sich deutsche Qualitätsarbeit auch auf kosmetischem Gebiet bewährt.

Während man nun aber im Ausland die deutschen Seifen und Parfüms den französischen gleichzustellen beginnt, ist diese Erkennt­nis in Deutschland selbst noch nicht überall durch­gedrungen, denn gerade die Kreise, die Luxus- parfüms und Luxusseifen verwenden, kaufen noch heute lieber französische Waren als deutsche Er­zeugnisse. Bor dem Kriege aber war das Vor­urteil gegen deutsche Erzeugnisse so stark, daß eine große deutsche Firma, deren Seife auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 die höchste Auszeichnung, den Grand Prix, erhalten hatte, in Deutschland für diese Seife keinen Absatz fin­den konnte.

Während des Krieges und der Inflatton, als die deutschen kosmetischen Fabriken die teuren ausländischen Rohstoffe nicht beziehen konnten, mußten sie sich mit Ersatzstoffen begnügen, die natürlich die Qualität der deutschen Erzeugnisse bedeutend verschlechterte. Aber auch bann noch, als ein hoher Schutzzoll die deutsche Industrie vor der ausländischen Konkurrenz schützte, gab sich diese feine besondere Mühe, ihre Rezepte zu verbessern. Erst als durch den Handelsvertrag mit Frankreich die Zollsätze bedeutend herabgesetzt wurden, mußte die deutsche Industrie daran denken, den Kampf mit dem gefährlichen Rivalen aufzunehmen. Die führenden deutschen Firmen begannen wieder ihre Fabrikate in Friedens- qualität herzustellen, deutsche Chemiker reiften nach Frankreich, um die Geschmacksrichtung des internationalen Publikums kennenzulernen, und rafllos beschäftigte sich die chemische Industrie damit, den kosmetischen Fabriken immer neue Riechstoffe zuzuführen. So beschäftigte sich eine große Abteilung einer dem I. G. Farben­konzern gehörenden Fabrik arcsschließlich damit, synthetische Riechstoffe und Oele herzustellen. Immer neue Duftmischungen werden dort er­probt, rastlos werden die Experimente fort­gesetzt, um die Qualität des deutschen Par­füms zu verbessern, und ein Erzeugnis dieser

Fabrik, der ..weiße Flieder" hat Heuteschon Weltruf. Von größter Bedeutung aber war die Erfindung desArosol". das die Verflüchtung eines Parfüms aus der Seife verhindert.

Llnaufhörlich bemühen wir uns, unsere Er­zeugnisse zu verfeinern," so erllärt der Leiter einer sehr bekannten deutschen Parfümfabrik. ..Während des zweiundfünfzigjährigen Be­stehens der Firma haben wir redlich daran ge­arbeitet, die deutschen Erzeugnisse in der ganzen Welt abzusetzen, und gerade jetzt haben wir die Genugtuung, unseren Export nach allen Gegen­den der Welt wieder aufbauen zu können. So werden wir mit der Ausfuhr nach China beginnen, Indien zählt bereits zu unseren Ab­nehmern. und sogar die Mandschurei wird deutsche Erzeugnisse verwenden. Fest im Sattel sitzen wir bereits wieder in Argentinien, in Chile, Brasilien und ganz Mittelamerika. Auch Oesterreich und die Tschechoslowakei verwenden deutsche Kosmetika, hart müssen wir dagegen in Polen kämpfen, das immer noch nicht weiß, ob es sich für französische oder deutsche Parfüms entscheiden soll. Besonders beliebt ist im Aus­land der deutsche kompakte Puder, den ja jede Dame leicht mit sich führen kann. Aber auch Haarwässer und deutsche Cremes beginnen sich die Welt zu erobern, ebenso kann man von einem Siegeszug des deutschen Lippenstifts sprechen. Am meisten aber verspreche ich mir von einer Erfindung, die erst vor kurzer Zeit gemacht worden ist, und zwar handelt es sich um eine Radiumcreme, weiche die ungeheure Heil­kraft des Radiums ohne dessen schädliche Reben­wirkung enthält. DaS neuartige an dieser Creme ist die Tatsache, daß man sie nicht nur bei Hauterkranlungen, sondern auch bei organi­schen Erkrankungen verwenden kann.

Merkwürdigerweise macht sich in letzter Zeit wieder rege Rachfrage nach Parfüms mit ausgesprochenem Blumenduft bemerk­bar, nachdem man in den letzten Jahren fast nur Phantasiegerüche verwandt hat. Meiner Meinung nach hat sich in der deutschen kosmeti­schen Industrie eine gewisse Umstellung voll­zogen. denn wir produzieren heute nicht nur Luxusartikel, sondern vor allem Seifen, Toi­letten- und Haarwässer, die jedermann zur Körperpflege braucht. Deshalb glaube ich auch, daß de>r Inlandabsah sich in den nächsten Jahren nicht wesentlich verringern wird, wenn nicht ge­rade schlechte wirtschaftliche Zeiten über Deutsch­land hereinbrechen sollten. Selbstverständlich ist die französische kosmetische Industrie ein gefähr­licher Konkurrent für uns, besonders de^alb, weil durch den deutsch-französischen Handels­vertrag der Zoll für französische Kosmetika von 1100 auf 300 Mk. je Doppelzentner herabgesetzt worden ist. Auch die Filialen, die die bedeu­tendsten französischen Fabriken in Deutschland errichtet haben, um durch die Fabrikatton in Deutschland den Preis ihrer Erzeugnisse zu ver- bllligon, geben uns manche harte Ruß zu knacken. Trotzdem aber glaube ich, daß es gelingen wird, den Absatz deutscher kosmetischer Erzeugnisse im Ausland zu erweitern."

Mehr als 40 000 Personen beschäftigt heute die deutsche kosmetische Industrie, denn nicht nur die Arbeiter, die die Präparate Herstellen, son­dern auch die vielen Tausende, die beispiels­weise Flaschen für die verschiedenen Parfüms oder Kartonnagen für die verschiedenen Schön­heitsmittel Herstellen, sind von diesem Industrie­zweig abhängig. Immer wieder hört man aus Derbraucherkreisen, daß die Preise für kos­mettsche Artikel noch immer z u hoch wären, doch muß man auch bedenken, daß zur Parfüm­fabrikation viele Ingredienzien verwandt wer­den, die nur schwer zu beschaffen und daher sehr kostspielig sind. So gibt es ein sehr kost­bares Parfüm, dasAmbre antique heißt. Zur Herstellung dieses herrlichen Duftes aber dient eine Drüse im Leib eines Walfisches, die aber nur dann vorhanden ist, wenn dieser Walfisch an einer bestimmten Krankheit zugrunde gegangen und an Land gespult worden ist. 'Denn nur wenn der Fisch diese Krankheit gehabt hat, befindet sich in feinem Leib baS harte, knorplige Ge­schwür, das unbedingt zur Herstellung des Par­füms nötig ist. Zu einem Parfüm, das .Jasmin de Corse heißt, kann man nur eine ganz be­stimmte Iasminart benutzen, die nur auf Korsika wächst. Um aber der täglichen Weltnachfrage nach Ptohlgerüchen zu genügen, sind große Waggonladungen mitBlurnen von der Riviera und exotischen Pflanzen notwendig.

wirtfchastsrat Bauer vom Ministerium für Ar­beit und Wirtschaft, Bürgermeister Jockel, den Vertreter des Wirtschaftsausschusses der Schule, Landwirt Kahl, Allen-Buseck, sowie die zahl­reich erschienenen Eltern und Angehörige der Schüler. Es prüften in der oberen Abteilung Deterinärrat Dr. Martin über:Währschafts- gesehe und Viehseuchen", Direktor Traut- mann überKleeanbau": in der unteren Llb- teilung Landwirtschaftsassessor Dr. Selzer über: Der Ernährungsapparat und die Derdauung bei unseren Haustieren" und Landwirtschaftsassessor Dr. B ö ch e r über:Der Stickstoff und seine Der- bindungen". Der Schüler der oberen Klasse, Lud­wig Kriep, Geilshausen, hielt hierauf einen Vortrag über:Frühjahrsarbeiten". Die treff­lichen Ausführungen fanden lebhaften 'Beifall. Wilhelm Wagner, Geilshausen, ebenfalls ein Schüler der Oberklasse, sprach in herzlichen Wor­ten den Dank der abgehenden Schüler an das Lehrerkollegium aus. Rach Schluß der Prüfung richtete Ooerlandwirtschaftsrat Bauer an die abgehenden Schüler der Anstalt es sind 20 und an die Eltern herzliche Worte. In ver­ständnisvoller Weise erläuterte er die Rotlage der Landwirtschaft unb wies auf die Rotwendig- feit hin, unserem ländlichen Rachwuchs das Rüst­zeug in die Hand zu geben, damit es ihm er­möglicht wird, den Kampf mit dem Dasein erfolg­reich aufzunehmen. Seine Ausführungen fanden bei Schülern und Eltern reichen Beifall. Bürger­meister Södel gab seiner Freude darüber Aus- druck, daß der Iungbauer bestrickt sei, sich durch Kenntnisse ein besseres Dasein zu sichern. Die Prüfung habe gezeigt, daß die Schüler im ver­flossenen Semester fleißig und eifrig an der Ar­beit waren. Dem Lehrerkollegium gebühre für seine erfolgreiche Tätigkeit herzllcher Dank. Direk­tor Trautmann entlief? bann die abgehenden

Schüler. Rachmittags und abends versammellen sich Lehrer, Eltern unb Schüler zu einem gemüt­lichen Beisammensein. Bei dieser Gelegelchett dankte der Schüler der Obertiasse Otto S ch m i d t, Trohe, nochmals dem Lehrerkollegium. Direktor Trautmann richtete in einer kleinen Ansprache herzliche Worte an die abgehenden Schüler. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Bande der Freundschaft, die zwischen ihnen und dem Lehrer­kollegium geknüpft wurden, nun auch fernerhin ihre Probe auf Beständigkeit bestehen würden. Fröhlicher Sang, Mundartgedichte. eine Verlo­sung unb am Qlbenb Tanz verschönten die wohl- gelungene Schlußfeier.

* L i ch, 29. März. Am Mvntagnachmittag fand unter dem Vorsitz des Oberlandwirtschaftsrats Dauer vom Ministerium für Arbeit unb Wirt­schaft die Schlutzprüfung des Lehrgangs 1927/28 der Hess. Landwirtschaftlichen Schule L i ch statt. Rach kurzen 'Begrüßungs- Worten des Direktors Dr. Lehr wurde mit der Prüfung der Oberklasse begonnen, die über das Thema:Die rentable Gestaltung der Winter­fütterung des Milchviehes" von dem Direktor Dr. Lehr geprüft wurde. Hierauf wurde die älnterklasse von Landwirtschaftsrat Dr. Fischer über:Die Beurteilung des Rindes" und die Oberklasse nochmals von Landwirtschaftsrat Dr. Schneider über:Futterrübenbau" einer ein­gehenden Prüfung unterzogen. Die kurzen Lehr­proben gaben ein recht anschauliches Bild über den erreichten Stand der fachwissenschaftlichen Ausblldung, so daß Oberlandwirtschaftsrat Dauer mit Genugtuung seinen wärmsten Dank an den Lehrkörper unb die Schüler aussprechen konnte. Mit beredten, treffenden Worten er- ermahnte bann Oberlandwirtschaftsrat Bauer die abgehenden Schüler, nach dem Verlassen der Schule die sachttche Wetterbildung nicht zu ver­

nachlässigen, sondern stets jede Gelegenheit äut weiteren fachlichen Ausbildung zu ergreifen. Da­mit der schwere Existenzkampf, den die deutsche Landwirtschaft zu bestehen habe, mit Hilfe der Wissenschaft zum guten Ende durchgeführt werden könne. Auch zu den erschienenen Eltern sprach er mit warmen Worten von der Rotwendigkeit der wissenschaftlichen Ausbildung gerade in Rotzeiten, damit durch die Selbsthilfe, die immer noch zuverlässigste Hilfe fei, der Wie­deraufstieg ber deutschen Landwirtschaft erfolg­reich vor sich gehen möge. An Hand der ab­gelegten Lehrprsben wies er bann noch darauf hin. wie ungeheuer wichtig es gerade in Rot- zetten sei, durch richtiges, wohlüberlegtes Wirt­schaften, das nur durch wissenschaftliche Ausbil­dung möglich sei, die an sich mögliche Rente einzelner Betriebszweige nicht in das Gegenteil umzukehren, tote es leider in nicht gut geleiteten Betrieben häufig der Fall sei. 3ft feiner Ent­lassungsansprache appellierte dann auch Direk­tor Dr. Lehr nochmals an die 'abgehenden Schüler, nicht müde zu werden in den An­strengungen, um die augenblicklich notleidende Landwirtschaft wieder einer besseren Zukunft ent­gegenzuführen, unb bei diesem Bestreben nicht das geknüpfte Band zwischen Schule und Schülern zerreißen zu lassen. Die Schüler ber Unter­tiaffe ermahnte er, nicht auf halbem Wege in der Ausbildung stehen zu bleiben, denn eine halbe Bildung sei häufig schlimmer als keine QluSbUbung. Mit der Ermahnung, weiterhin in ihrem Berufskreife für eine gesteigerte fachliche Ausbildung ber Heranwachsenden landwirtschaft­lichen Jugend werbend tätig zu sein, schloß sodann Direktor Dr. Lehr den Lehrgang 1927/28.

# Aus dem Horlofftal, 29. März. Der Maulwurf hat sich in den letzten Jahren hier sehr vermehrt. Die vielen aufgeworfenen Erd­haufen werden bei dem Mähen des Grases mit den Maschinen lästig und gefährden oft die Arbeü der Maschinenmesser. In verschiedenen Gemeinden hat man Fangprämien auf diefBergmänner" ausge­setzt, die 10 bis 20 Pf. pro Stück betragen. Da­neben lösen die Maulwurfsfänger, meist Jugend­liche, noch für jedes Fell, je nach Grüße und Dichte des Haarslandes, 20 bis 30 Pf. Vereinzelt wird über das starke Auftreten der Mäuse geklagt. Manche Noikleeäcker haben bedeutenden Schaden gelitten.

Kreis Friedberg.

# Wölfersheim, 29. März. Auf dem Ge lände des Berg- und Kraftwerks herrscht gegenwärtig lebhafte Bautätigkeit. Die Firmen Holzmann (Frankfurt a. M.), Blei­ch e r t (Leipzig) und Schmidt beschäftigen zur Zeit über 500 Arbeiter, teilweise in Tag- und Nacht­schichten. Man ist eben daran, das Gerüst des 35 Meter hohen Baggerturmes aufzumvntteren und ein neues Kesselhaus zu errichten. Eine wesentliche Erweiterung erfährt der Ban des llmspannungs- werkes. Verschiedene neue Gleisanlagen in einer Länge von mehreren hundert Meter zwischen Bahn- Hof und Werk werden zur Erzielung möglichster Wirtschaftlichkeit angelegt. Schon lange sind keine Erwerbslosen in der weiteren Umgebung mehr vor Händen, bereits finden auch aus dem südlichen Vogelsberg eine große Zahl Arbeiter lohnenden Verdienst.

Kreis Büdingen.

nb. Ridda, 29. März. Der ßanbeävcr6anb6- vorsitzende vom Roten Kreuz, Geh. Regierungs­rat von Hahn aus Darmstabt, hielt gestern abend hier imGambrinus" einen Lichtbil- bervvrtrag über die Aufgaben unb Ein­richtungen bes Roten Kreuzes, bas keines­wegs nach Beendigung des Weltkrieges jetzt ent­behrlich ist. Gleichzeitig wurde über ben Zweck und die Destirnmungen freiwilliger Sa- nitätskolonnen Aufschluß gegeben mit dem Erfolge, daß sich sofort eine ansehnliche Zahl junger Manner von hier zum Bettrttt zu einer solchen Kolonne bereit erklärten unb diese gegründet werden konnte. Die Aus- bilbung wird durch die hiesigen Aerzte erfolgen. Der sehr intereffante Vortrag war gut besucht unb fanb allseitigen Beifall.

g. Ober-Mock stabt, 29. März. Während eine hiesige Arbeiterfrau im Stalle beschäftigt war, stand ihr kleines Kind am Kaninchen- stall und spielte mit der alten Häsin, die ein Nest roll Junge hat. Auf einmal fing das Kind fürchterlich an zu schreien. Als die Mutter herbeilief. zeigte es fein blutendes Fingerchen. Arn kleinen Finger der rechten Hand btng das letzte Glied lose herunter. Die Häsin hatte es vollständig durch­geb i s s e n. Der rasch berbeigerufene Arzt muhte bas Glied vollends abschneiben.

Kreis Alsfeld.

-er. Homburg a. b.Ohm, 29. März. Am Dienstag machten die Schüler der beiben obe­ren Klassen Ausflüge in Begleitung ihrer Klassenlehrer. Die erste Klasse begab sich nach Marburg, um die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt in Augenschein zu nehmen, während die zweite Schulklasse einen Spaziergang nach Als­feld unternahm, um hier gleichfalls dessen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.

-r. Ober-Ohmen, 29. März. Am Sonntag nach dem Gottesdienst beklagte sich ein zwölf­jähriger Junge über heftige Schmerzen im Kopf unb Genick. Der zugezvgene Arzt stellte Hirnhautentzündung u. Genickstarre fest. Infolgedessen wurden die nötigen gesund- hettspolizeillchen Sperrmaßnahmen angeorbnet. Wieder ereignete sich hier ein Autvunfall. Ein die Ohmtalstraße passierendes Personen­auto suhr in einer Kurve beim pleberholen eines Fuhrwerls gegen einen Baum unb mußte in stark beschädigtem Zustand abgeschleppt werden. Die Insassen kamen zum Glück mit dem Schrecken davon. Um ber ländlichen Jugend Gelegenheit zu geben, einen ihr zusagenden Sport zu betreiben, soll in Kürze ein Deiterver- e in in unserem Dorfe gegründet werden.

Starkenburg.

Lpd. Darmstadt, 29. März. Rach den poli­zeilichen Ermittlungen beträgt die Bevöl­kerung ber Stabt Darmstabt Ende Ja­nuar 1928 42 244 männliche unb 47 609 weib­liche Personen, zusammen also 89 853 Personen, gegen 89 897 Cnbe Dezember 1927.

Brieffasten der Redaktion.

$. K in m. Wir können Ihnen leider in dieser Sache keine Auskunft geben, ^bezweifAn auch, daß die genannten Erzeuger ihr Fo b ri kattonsgeheimnis preisgeben werden. Fragen Sie aber doch einmal in der Gemeinde direkt bei dem Gemeindevorsteher, oder dem Vorsitzenden der Ortsbauernschaft an.