Möglichkeit besitzt, verbitternd wirken. Darauf muh der Staat und müssen die von ihm angestellten Baukreamten gebührend Rücksicht nehmen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 30. März 1928.
Schulschluß.
Gin wichtiger Tag ist am morgigen Samstag für Schüler und Lehrer gekommen. Rach einem langen, arbeitsreichen Wintersemester stehen nun die Osterferien vor der Tür. Ein Schuljahr ist zu Ende, Schüler und Lehrer atmen auf.
Wohl selten fühlen die Schüler ganz, was eigentlich Schulentlassung bedeutet. Fast aue freuen sich, daß sie nun endlich von einem Zwange befreit werden, denn sie sind ia der Meinung, daß das Leben viel freier und schöner sei als die Schule. Ihnen hängt ja, wie der Vvlksmunb sagt, der Himmel noch voller Baßgeigen. Wie ost hört man sie sagen: „Wenn ich erst einmal auS der Schule bin, bann..." Es ist gut so, daß unsere 3ui<jen und Mädchen mit diesem Behagen und mit diesem Freiheitsgefühl die Schule verlassen, und der letzte Tag soll nicht im Zeichen der Trauer stehen, sondern er soll ein Freudentag sein.
Wohl mischt sich in diese Freude bei vielen etwas Wehmut, besonders bei den Mädchen, die in diesem Alter empfindsamer veranlagt sind als die Knaben. Aber die Freude überwiegt doch, wenn auch hier und da Tränen fließen. Haben doch die Schüler von Weihnachten an die Wochen und dann zuletzt die Tage gezählt bis zum 31. März! Uno soll der Lehner ihnen die Freude rauben? Gings ihm seinerzeit nicht auch so?
Da sitzen sie nun noch einmal vereint vor ihm, in dem Raum, der vielen eine zweite Heimat geworden ist. Roch einmal werden gemeinsam einige Lieder gesungen, sie hören die ernsten Abschiedsworte des Lehrers, und barm strömen sie hinaus...
Manchem Lehrer wird bei diesem Abschied das Herz schwer, wenn er daran denkt, wie oft die harte Wirtlichkeil die Träume und Hoffnungen der jungen Menschenkinder zerstören wird. Die Kinder merken ja nicht, daß eigentlich die schönste Zeit ihres Lebens vorbei ist. Erst in viel späteren Jahren kommt ihnen zum Bewußtsein, daß die freieste Zeit die Schulzeit war. Sorglos und leicht lebten sie unter dem Schuh des Elternhauses und der Schule, spielten und freuten sich ihres Daseins. Das hort nun alles auf. Zum letztenmal sind sie mit ihren Kameraden vereint. Rie im Leben kommen sie wieder so froh und glücklich zusammen. Man sieht noch manchmal den einen oder den andern, dann aber kommen neue Gedanken, neue Arbeiten. Erst in späteren Jahren tauchen Schulerinnerungen auf. Sie werden gar oft mit einem Glorienschein umgeben, besonders dann, wenn einem daS Leben hart mitgespielt hat. Wie ein verlorene- Paradies erscheint uns mm die Schulzeit. „Es war damals doch schön!"--
Für die Schüler, die nicht entlassen werden, bringt der morgige Tag auch eine wichtige Entscheidung: Rach den Ferien treten sie in eine höhere Klasse. Wie wird es da sein? Welchen ßefjrer bekommen wir? Gibt es noch mehr zu lernen? All das wird einmal kurz besprochen, dann aber taucht etwas ganz anderes auf: Das sind die Ferien! Die Zeit, in der ein richtiger Junge (und auch ein Mädchen) überhaupt nicht von der Schul« spricht. ■Unb das ist gut so. —
Für einige wird der Schulschluß allerdings ein harter Tag. Das sind diejenigen, die in dem Zeugnis die zwei schweren Worte finden: Richt versetzt! Manche haben es schon lange gewußt, manche hofften und bangten, unb nun ist bie Wirklichkeit ba. Auch den Eltern sind diese Worte gar nicht erfreulich, und viele Bäter brummen: „Ein verlornes Jahr? Warum hat der Lausbub auch nicht mehr gearbeitet?" Meistens sind es die Eltern, die sich im ganzen Schuljahr überhaupt nicht um ihre Kinder bekümmert haben. Diese Eltern haben am allerwenigsten Ursache, sich jetzt am Schulschluß über die Lehrer, oder über ihre Kinder aufzuregen. Manches harte Wort konnte in diesen Tagen unausgesprochen bleiben, wenn man bei Zeiten nach den Schülern gesehen hätte. Ist aber ein Kind krank gewesen, ober sind sonst häusliche Verhältnisse mit schuld, daß es nicht versetzt werden kann, dann darf man erst recht nicht von einem verlorenen Jahre sprechen. Da muß man sich in sein Schicksal fugen.
Es gibt aber auch Fälle, in denen nur die Eltern allein die Schuld trifft, wenn ihre Kinder nicht versetzt werden. Es kommt nämlich vor, daß man unter allen Umftänben verlangt, daß die Knaben ober die Mädchen in eine höhere Schule gehen müssen, ob sie befähigt sind ober nicht. Dieser falsche Ehrgeiz der Eltern ist verbreiteter als man allgemein annimmt. Mögen doch solche Eltern am morgigen Tage erkennen, daß sie ihr Kind gar oft nur nutzlos quälen, daß sie ihm die ganze Jugendzeit mit ihrem ewigen Mahnen unb Schelten verleiden unb verbittern! Cs ist hoch keine Schande, wenn ein Kind nicht gut veranlagt ist. Es Fairn später im Leben schon seinen Wann stellen, auch ohne „Einjähriges" ober „Maturum". —
Der Schulschluß ist nicht nur für bie Schüler unb Lehrer ein Tag des Besinnens, sondern erst recht für die Eltern. * L.
Wohlfahrtsschule für Hessen-Nassau und Hessen.
Die Wohlfahrtsschule für Hesfen- Rassau unb Hessen in Frankfurt a. M. wird durch die beiden Länder und durch deren Städte und Kreise unterhalten. Sie ist auch für Hessen die zuständige Stelle zur Ausbildung w o h l f a h r t spf l e ge r i s che r Kräfte. Sie berichtet folgendes:
Die W o h l f a h r t s s ch u l e hat feit ihrer Umorganifation als soziale Fachschule für die Bezirke Hessen unb Rassau und das Land Hessen im Herkst vorigen Jahres ihren 4. Jahrgang begonnen, seit ihrer Gründung den 15. Wegen der wachsenden Zahl der Schülerinnen muhte sie zu einer Klassenteilung schreiten, so daß zur Zeit b Klassen bestehen. 3m ganzen besuchen gegenwärtig 73 Schülerinnen den Lehrgang, 37 Schülerinnen befinden sich in der Vorbereitung. Die Schule zählt daher zur Zeit 110 Schülerinnen. Etwa vier Fünftel von ihnen entstammen dem Schulbezirk Hessen-Rassau unb Hessen, von diesen etwas mehr als ein Drittel dem Schulort Frankfurt.
Die Bemühungen der Schule, die Schülerinnen nur mit entsprechender Lebens- unb Derufs-
reife aufzunehmen, haben dahin geführt, daß das Durchschnittsalter der einzelnen Jahrgänge seit Jahren zwischen 25 und 26 liegt, im Min- destalter von 20—22 Jahren stehen sehr wenige Schülerinnen. Insbesondere ist der Schule daran gelegen, die künftigen Wvhlfahrtspflegerinnen auf eine gute Vorbereitung in der Kranken- und Säuglingspflege hinzuweisen, da nach hygienisch gut ausgebildeten Familienfürsorgerinnen im Bezirke zur Zeit noch ein Bedarf besteht. Cs haben unter den gegenwärtig im Lehrgang befindlichen Schülerinnen zwei Drittel Kranken- und Säuglingspflege-Ausbildung, das übrige Drittel sozialpädagogische als Kindergärtnerin und Hortnerin, oder eine anders längere Berussausbildung unb Berufserfahrung, insbesonbere Dureauarbeit.
Seit einem Jahr hat die Schule außer ihrer nebenamtlichen Dozentenschaft eine hauptamtliche Lehrkraft unb ist daburch imftanbe, die eigentliche Ausbildung in der Wohlfahrtspflege unter einheitlichen Gesichtspunkten zusammenzu- fassen unb die praktische Ausbildung ftäder in den Vordergrund zu rücken.
Es arbeiten von den in der Wohlfahrtsschule für Hessen-Rassau und Hessen ausgebildeten Schülerinnen 78 im Schulbezirk, darunter 24 im Dienste der Stadt Frankfurt, 11 an anderen Arbeitsstellen in Frankfurt, 22 im Land Hessen, 21 im Bezirk Hessen-Rassau.
Ist -er Siadireisen-e Angestellter oder Agent?
DaS Landesarbeitsgericht in Frankfurt <l M. hatte am 22. Dezember vorigen Jahres eine Entscheidung getroffen, nach der ein als Stadt- reisender verpflichteter Kaufmann kaufmännischer Angestellter im Sinne der Tarifverpflichtungen ist, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen: Ein Kaufmann wird als Stadtreisender zunächst probeweise mit befristetem Vertrag angestellt: Dieser Vertrag wird mehrmals als Hrvbeverttag verlängert, und es wird dem Stadtreisenden ein täglicher Spesenzuschuh von sieben Mark und eine Umsatzpcovision von drei Prozent gewährt. Dieser Kaufmann ist von seinem Arbeitgeber fristlos entlassen worden, weil feine Leistungen nicht befriedigten. Cr klagte auf Zahlung der Differenz zwischen dem ihm gewährten Spesen- zuschuß und dem für Frankfurt a. M. geltenden tariflichen Satz für Stadtreisende. Seine Klage hatte Erfolg, der Arbeitgeber wurde zur Rach- zahlung verurteilt. Man könne wohl Handelsagenten beschäftigen, heißt es in Iren Gntschei- dungsgründen, ohne daß man für sie tari'llche Verpflichtungen eingehe. Man könne auch diese Handelsagenten auf die Einhaltung bestimmter Dureaustunden verpflichten und sie zu kaufmännischen Arbeiten heranziehen, deshalb seien sie immer noch nicht Handlungsgehilfen im tariflichen Sinne. Wenn man aber einen Mann als Stadtreisenden einstelle und ihm einen täglichen Spesenzuschuß von sieben Mark gewähre, so müsse man diesen Zuschuß alS Garantiegehalt ansehen, unb seine Zahlung sei bie Anerkennung, daß der Angestellte gegen Gehalt arbeite. Der Satz von sieben Mark bedeute aber nichts anderes als eine Um* gehung der tariflichen Bestimmungen, man wolle einen Angestellten haben, ohne ihm das tarifliche Entgelt gewähren zu müssen, das aber sei unstatthaft.
Das R e ichs a rbe i ts geeicht hat sich in seiner Sitzung vom 21. März 1928, in der die vom Verurteilten gegen bie vorgenannte Entscheidung eingelegte Revision zur Verhandlung kam, durchaus zu den Ausführungen des Landes- arbeitSgerichts Frankfurt a. M. erkannt und hat die Revision kostenpflichttg verworfen. (Aktenzeichen R. A. G. 21/28 Entscheidung vom 21. März 1928.)
Daten für SamStag, 31. März.
Sonnenaufgang: 5.39 Uhr, Sonnenuntergang: 18.31 Uhr. — Mondaufgang: 13.04 Uhr, Monduntergang: 4.28 Uhr.
1596: Der Philosoph Ren6 Descartes in La Haye geb. (geft. 1650). — 1809: Der Schriftsteller Rikolaj Wassilij Gogol in Sorotschinzy geb. (geft. 1852). — Der Chemiker Rob. Wilh. Dunsen in Göttingen geb. (geft. 1899). — 1814: Einzug der Verbündeten in Paris. — 1926: Ausfahrt des Flettner^Rotvrschiffes „Baden-Baden" nach Amerika.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadt- theater: 8 Uhr, „Madame Pompadour" (Ende gegen 10.30 Uhr). — Volkshochschule: 8 Uhr, Katholisches Vereinsyaus, Schlußabend des Wintersemesters. — Iohanneskirche. 8 Uhr, Filmvorführung „Der hillige Born". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „So küßt nur eine Wienerin . — Astoria-Lichtspiele: „Belphegor".
** Wiedereinführung der Rettungsmedaille in Hessen. Das hessische Gesamt- Ministerium hat die Wieberverleihung der Rettungsmedaille beschlossen und Grundsätze für bie Verleihung ausgestellt. Mit der Ausarbeitung der Medaille wurde ein Offenbacher Künstler beauftragt.
te Kein Sport am Palmsonntag und Karfreitag. Das Polizeiamt weist nochmals ausdrücklich darauf hin, daß zufolge Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 5. April 1924 am Palmsonntag (Landes-Buß- und Bet» tag) unb am Karfreitag die Veranstaltung jeglicher Wettspiele, auch Fuß- unb Handballwett- spiele, verboten ist.
ee Von bet Straßenbahn. Vom nächsten Sonntag ab wirb der Strahenbahnverkehr zum Reuen Friedhof verlängert. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Strahenbahn- bireltion ersichtlich.
" Das Wohnungs- und Mieteini- g un g 8 a m t befindet sich vom 4. April ab in der Lonhstraße 2. Wegen de- Umzugs sind die Amtsräume am 2. und 3. April geschlossen.
ee Geschäftsjubiläum. Am 1. April kann der Inhaber der Gießener Stempelfabrik Kreuter, Fabrikant Joseph Kreuter, auf das 25jährige Bestehen feines Unternehmens zurückblicken. Die Firma wurde am 1. April 1903 gegründet und hatte zuerst ihren Sitz in gemieteten Räumen In der Bleichstraße. Im Jahre 1905 machte sich die Errichtung eines eigenen Fabrikgebäudes erforderlich, das von dem Firmen- Jnhaber in der Frankfurter Straße erstellt wurde. Durch rastlose Tättgkeit unb strenge Einhaltung guter kaufmännischer Grundsätze, sowie durch ständige Steigerung der technischen Leistungen war es bent Jubilar möglich, sein Unternehmen in diesen 25 Jahren aus ganz kleinen Anfängen zu einem der angesehensten Betriebe feiner
Branche zu entwickeln. Das ftaric Aufwärtsstreben des Geschäftes, besonders in den letzten Jahren, veranlaßte Herrn Kreuter, seine De- ttiebsgebäude Anfang 1926 um das Doppelte zu vergrößern unb auch die technische Ausstattung in weitgehender Weise den neuzeitlichen Anforderungen anzupassen. Sowohl in der Branche dieses Unternehmens, wie auch bei der Gießener Geschäftswelt und bei der Kundschaft im Jn- und Auslände erfreut sich die Firma Kreuter des besten Rufes, der ihr ein guter Leitstern für das nächste Vierteljahrhundert fein wird. — Am gleichen Tage kann auch der Meister der Abteilung „Bureaustempel-Fabrikation", Herr P e t. Schäfer, Hillebrandstrahe wohnhaft, auf eine 25jährige treue Dienstzeit bei der Firma Kreuter zurückblicken.
•• ObermeisterJubiläum. Morgen, Samstag, begeht der Obermeister der Gießener Schlosservereinigung, Schlossermeister unb Stadtverordneter Karl Krailing, die 25. Wiederkehr des Tages, an dem ihn seine Kollegen zu ihrem Obermeister erwählten. Aus diesem Anlaß hat bie Vereinigung beschlossen, den Jubilar, der gleichzeittg Mitbegründer des Zusammenschlusses der Schlossermeister in Gießen ist, zu ihrem Ehren-Obermeister äu ernennen und ihm eine künstlerisch hergestellte Ehrenurkunde zu überreichen.
,e Städtische Brennholz versteige- r u n g. Bei der gestrigen letzten Brennholzversteige- rung aus verschiedenen Abteilungen der Waldungen der Stadt Gießen wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Buchenscheiter 15,60 Mk., Kiefernscheiter 13 Mk., Birkenscheiter 13 Mk., Fichtenscheiter 10 Mk., Duchenknüppel 13 Mk., Eichenknüppel 10 Mk., Kiefernknüppel 12,50 Mk., Fichtenknüpoel 7 Mk., alles pro Raummeter; Buchenwellen 30 Mk., Eichenwellen 15 Mk., Kiefernwellen 12,50 Mk., Fichtenwellen 12 Mk. je 100 Wellen.
** Rentenzahlungen. Vom Monat April ab sind die Pfennigbeträge auf Unfall-, Invaliden-, Waisen-, Witwen-, Alters- und Krankenrentenquittungen auf durch fünf teilbare Pfennigbeträge aufwärts abzurunden. Die Zahlungen finden am Montag, 2. April, statt.
* Reu« Briefmarken mit dem Bilde der deutschen Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hat die Ausgabe von Briefmarken mit dem Bilde der deutschen Reichspräsidenten genehmigt. Die neuen Briefmarken, von denen die Marke zu 15 Pfennig daS Bild des Reichspräsidenten v. Hindenburg, die Marke zu 8 Pfennig das Bild des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert tragen wird, erscheinen voraussichtlich am 1. Juni.
•• Wellentausch deutscher Sender. Durch die Jnbettiebnahme des neuen Rundfunksenders in Gleiwitz am 30. März wird ein Wellentausch verschiedener deutscher Sender erforderlich. Gleiwitz erhält bie Welle von Königsberg (Preußen) 329,7 Meter, Königsberg (Preußen) die Welle 303 Meter (bisher Nürnberg), Nürnberg bie Welle 241,9 Meter (bisher Münster in Westfalen) unb Münster bie Gemeinschaftswelle von Gleiwitz 250 Meter-.
* • Neue Beitragsklassen In der A n - gestelltenversicherung. Vom 1. April an treten zu den bisherigen Beitragsklassen A—H hinzu bie für bie freiwillige Höherversicherung bestimmten Beitragsklassen J (Geldbetrag 40 Mk.) und K (Geldbetrag 50 Mk.). Jeder Versicherte ist zur Höheroersicherung berechtigt. Die neuen Beitrags- klassen geben den Versicherten die Möglichkeit, sich durch höhere Beiträge entsprechend höhere Leistungen zu sichern. Die neuen Marken werden vom 1. Avril an verkauft. Sie gleichen in Form und Aussehen des Markenbildes den Marken der bis- herigen Beittagsklassen A—H, unterscheiden sich indes von ihnen durch ihre Ausführung im Zweifarbendruck.
• * Darlehen an erwerbslose Angestellte. Der Reichsarbeitsminister hat Mittel zur Verfügung gestellt, aus denen erwerbslosen, über 40 Jahre alten Angestellten Darlehen gegeben werden formen, die es ihnen erleichtern sollen, sich wirtschaftlich selbständig zu machen. Voraussetzung ist, daß die Rückzahlung irgendwie sichergestellt werden kann. Sie muß grundsätzlich in Monatsraten binnen zwei Jahren erfolgen. Die Hochstfumme der einzelnen Darlehen beträgt in der Regel 1000 Mk. Darüber hinaus kann nur beim Vorliegen besonderer Umstände gegangen werden. Die Maßnahme wird von der Kredit- gemeinschast gemein.’.ü^lfl x Eelbsthil Sorga, ifatio- nen, Berlin N 24, Monbijouplatz 3, im Zusammenwirken mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durchgeführt. Anttäge sind bei den Landesstellen für Kreditgemeinschaft (LandeSwohlsahrtsämter) einzureichen.
• * Eine Kuh gestohlen. Wie der Polizeibericht mitteUt, wurde auf dem jüngsten Gießener Viehmarkt eine 6 Jahre alte Kuh (Gelbscheck mit Blesse) im Werte von 340 Mark gestohlen. Aufklärende Mitteilungen über den Verbleib des Tieres nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen. Richt ganz ausgeschlossen ist, daß auch eine Verwechslung dieser Kuh mit einem anderen, ähnlich aussehenden Tiere vorliegt.
ee Arbeitsgemeinschaft der Akademischen Uebersehungs- und Dolmetscher-Bureaus. Seit Jahren bestehen an vielen größeren Universitäten und Hochschulen akademische Uebersehungs- und Dolmetscher- Bureaus, in denen sprachkundige Studenten ileberfetiung&arbeiten aller Art ausführen, um sich daourch Geld zum Studium zu erwerben. Zur Förderung dieses wichttgen Zweiges der studentischen Selbsthilfe unb zur Steigerung bet Leistungsfähigkeit „Akübos" hat die Wirtschasts- hllfe der Deutschen Studentenschaft jetzt eine Arbeitsgemeinschaft der Akademischen Uebersetzungs- und Dolmetscher-Bureaus ins Leben gerufen. In dieser Arbeitsgemeinschaft wird der Wirtschaft, dem Verkehr unb der Wissenschaft auf dem Gebiete des Uebersehungs- und Dolmetscherwesens eine Organisation zur Verfügung gestellt, die den höchsten Anforderungen gerecht werden kann. Der Arbeitsgemeinschaft gehören schon jetzt an: bie „Akübos" in Berlin, Dresden, Frankfurt, Köln, München und Leipzig mit einem Ueberseher- unb Dolmetscherstab von etwa 500 Mitarbeitern für mehr als 50 Sprachen unb alle Fachgebiete. Sitz der Arbeitsgemeinschaft ist Leipzig. Die Leitung liegt in den Händen von Dr. T r i tz s ch l e r , dem Begründer und langjährigen Leiter des ersten „AküdoS". (In Gießen hat bet der hessischen Landesuniversität eine gleiche Einrichtung bestanden, sie mußte aber mangels Inanspruchnahme leider toterer aufgelöst werden. D. Red^
Erweitertes Schöffengericht Gießen.
" Gießen, 28. März. Dem bei dem Kreis* amt Friedberg als Kreiskassengehilfe an* gestellten St. war Anfang vorigen Jahres die selbständige Führung der Kasse des Arbeitsnachweises übertragen worden. DaS damit in ihn gesetzte Vertrauen hat er aber gleich sehr schwer mißbraucht. Als er im Rovember plötzlich nach der Schweiz flüchttg ging, von wo er bann später ausgeliefert wurde, ergab eine sofort vorgenommene Revision, baß er aus der ihm anverttauten Kasse des Arbeitsnachweises mehrere tausend Mark nach und nach entnommen und unterschlagen hatte, unb daß er, um diese Verfehlungen zu verdecken, die von ihm geführten Bücher verfälscht und (Sin» nahinebelege unterdrückt hatte. In der heutigen Verhandlung legte er ein umfassendes Geständnis ab. Er gestand außerdem ein, auch aus der Kreiska sse einen ganz erheblichen Betrag entwendet zu haben. Das Gericht hatte keinen Zweifel darüber, daß der Angeklagte De- amteneigenschaft hatte, wenn er auch nicht fest angestellt war, da er zur Ausübung öffentlich- rechtlicher Funktionen ordnungsmäßig bestellt war. Er wurde daher wegen Verbrechens im A m t und wegen Diebstahls zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 9 Monat Gefängnis verurteilt. Mit Rücksicht auf feine bisherige Un» bestraftheit unb sein offenes Geständnis wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt.
Aus trer Untersuchungshaft vorgeführt wurden zwei erheblich vorbestrafte Arbeiter, von denen der eine aus einem Lagerraum, den er mittels Rachschlüssels geöffnet hatte, einen Ballen Schürzenstoff gestohlen hatte, während der andere der Hehlerei angeklagt war. Während der letztere mangels ausreichenden Beweises freigesprochen wurde, erhielt der andere wegen schwerenDiebstahls eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren.
Ein noch nicht 20jähriger Arbeiter hatte sich wegen schweren Diebstahls, Urkundenfälschung und Unterschlagung zu verantworten. Da ihm seine Geldmittel zur Befriedigung seiner Ansprüche nicht ausreichten, schlich er sich abends heimlich in die W'hpmng eines Bekannten ein unb stahl dort eine Äajette, in der sich unter anderem 20 Mark befanden. Einige Zeit später versuchte er auf dieselbe Weise in einem untreren Hause sich in den Besitz von Geldmitteln zu setzen, wobei er aber ertappt wurde. Kur^e Zeit vorher hatte er seinem Dienst- Herrn Milchgelder unterschlagen und, um diesen zu täuschen, die Milchzettel entsprechend abgeändert. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde er insgesamt zu 5 Monat Gefängnis verurteilt.
Preußen.
• Kreis Wetzlar.
-S- Lützellinden, 29. März. Während die Wohnungsbautätigkeit in unserem Orte im vorigen Jahre nur ganz gering war (es wurde nur ein Wohnhaus erbaut), verspricht sie in diesem Jahre etwas stärker zu werden. Es sind bereits Vorbereitungen getroffen für den Dau von zwei Wohnhäufem, wovon eines von der Darmstädter Dau- und Siedlungsgemeinschaft erstellt werden wird, ferner dürften wieder landwirtschaftliche Umbauten unb Reparaturen den zahlreichen hiesigen Bauarbeitern Gelegenheit zu längerer Beschäftigung bieten. Die Bauarbeiten am neuen Gemeinbebullenstalle finb in diesen Tagen wieder aufgenommen worden, so daß mit der Fertigstellung des Baues in einigen Wochen zu rechnen ist. Die Bauarbeiten werden ausgeführt von dem Bauunternehmer Z ö r b von hier; zu den Baukosten, die auf nahezu 20 000 Mark veranschlagt sind, erhält unsere Gemeinde einen Zuschuß vom preußischen Staat in Höhe von 8000 Mark. In dem neuen Gebäude sollen die Bullen, Eber und Ziegenböcke der Gemeinde, die bisher in Mietställen untergebracht finb, Unter* fünft finden. Mit dem Beginn der diesjährigen Bausaison hat die Zahl der Erwerbslosen in unserer Gemeinde eine erhebliche Verringerung erfahren.
Kreis Limburg.
Lpd. Limburg, 29. März. Heute abend ft a r b hier, nahezu 82 Jahre alt, der bis zur hohen Würde eines apostolischen Protonotars und Geheimkäm. merers ausgestiegene Prälat und Ehrendomherr Hilpisch nach kurzem Krankenlager an einer Lungenentzündung.
Vermischtes.
Der erste deutsche Pullmann-Exprehzug „Rheingold'.
Vor Monaten war angeregt worden, den deutschen F e r n s ä; n e l l z ü g e n in den verschiedenen Teilen des Relches besondere Namen zu geben, ähnlich wie es teilweise auch im Ausland üblich ist. Die damaligen versuchsweisen Ergebnisse waren indes alles andere als sachschöpfend, ober gar für den Ausländer leicht eingehend. Man hat dann auch weiter nichts von der Umsetzung dieses Versuchs in die Praxis gehört. Nunmehr tritt die Idee dieser besonderen Namensgebung mit der Schaffung des ersten deutschen P u l l m a n n - Expreßzuges, der die Bezeichnung „F F D 101/10 2" führt, wieder in den Vordergrund des Interesses. Der erste deutsche Zug dieser Art, der bekanntlich mit ausgesprochenen Wettbewerbsgründen gegen die westlichen Inflationsbahnen gefahren wird, soll den Namen „R h e i n g o l d" führen, unter dem er auch in den Fahrplänen erscheint, ein Name, von dem erwartet wird, daß er sich auch international einbürgert.
Großfeuer in einer Eisengießerei.
In der pommerschen Eisengießerei und Maschinenfabrik A.-G. in Barth brach ein Feuer aus, das bei dem starken Winde rasch um sich griff und innerhalb einer Stunde die Tischlerei und die Stellmacherei vernichtete. Das Verwaltungsgebäude, die Schmiede, die Gießerei und das Modell-Lager konnten gerettet werden. Dagegen sind u a. eine wertvolle Kartothek, das Ergebnis oieljähriger Arbeit und sämtliche Werkzeugmaschinen mitoerbrannt.
Berliner Börse.
B e r [ i n, 30. März. (WTB. Funkspruch) Im heutigen Frühverkehr ist es sehr ruhig unb die Tendenz bleibt im allgemeinen abwartend. Kurse werden noch nicht genannt. Der Zahltag dürste kaum Schwierigkeiten machen. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,40, Madrid 29,02, London gegen Kabel 4,8815 bis 4,8820 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1810.


