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Sreitag, 50. März 1028

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 77 Zweites Blatt

was teilweise auch durch den deutsch-französi-

gefühlsmäßigen Gründen, die nach dem aus­gezeichnete i Gutachten von Professor F'.nger auf dem 31. deutschen Juristentag gerade bet den Gegnern der Todesstta e nachzuwüsen^ sind, wenigstens der eine Wegfällen, der die Todes­strafe ablehnt als vermeintliche Konsequ-mz eines politischen Parteiprogramms. Möge jeder tue ernste und schwere Frage nach seinem eigenen Gewissen und seiner freien Heberzeugung beant­worten. ilnö möge man nicht Vorbeigehen an dem Empfinden des Dolles, daZ sesthält an der tiefwurzelnden Heberzeugung der Zusammeii- gehörigleit von Schuld und Sühne, und das, selbst wafsen- und schutzlos, vom Staate den wirksamsten Schutz gegen Schwerverbrecher er­wartet und erwarten darf. Das deutsche Doll läßt sich an Menschlichkeit von keinem Volk der Erde übertreffen, aber es hat keinen Sinn für Humanität im Dienste der. Raub- und Lust- morder.

Zur Bautätigkeit beamteter Architekten.

Die Dolkspartei hat beantragt, die Regierung zu ersuchen, alsbald geeignete Maßnahmen zu treffen und dem Landtag mitzuteilen, durch die verhindert wird, daß staatliche Dau­beamte durch private Arbeiten in Wettbewerb mit den freien Archi­tekten. die bekanntlich gegenwärtig sich in schwerem Daseinskampf befinden, treten. Es geht, namentlich angesichts der schweren Rot­lage der privaten Architekten nicht an, daß die staatlichen Daubeamten in den Konkurrenzkampf mit den privaten Architekten eintreten. Erschei­nungen. die in normalen Baujahren der Frie­denszeit nicht als mißliebig empfunden wurdm, müssen heute in einer Zeit, in der eine große Zahl der privaten Architekten kaum die Existenz-

Abschaffung der Todesstrafe?

Don Or. Gerhard Eckert, Staatsanwalt in Gießen.

Zur Geschichte des Schachklubs Gießen.

Don Or. August Zoeschen.

Der Schachklub Gießen feiert Ostern sein 70. Stiftungsfest.

Gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die praktische Hebung des Schachspiels neu angeregt durch die Einführung von »Tur­nieren". Das erste internationale Turnier wurde in London 1851 abgehalten. Der deutsche Meister Anderssen erstritt nach heißem Kampfe mit dem Engländer W Y v i l l dm ersten Preis. Dieser Sieg brachte den deutschen Schachkreisen eine leb- haste Anregung. ,

3m 2-chr- 1858 ist der Schachklub Gießen" gegründet worden. Er kann die C-Ote beanspruchen, einer der ältesten des Deutschen Reiches, der zweitälteste in ganz Sud- d e u t s ch l a n d zu sein. Rur München gegr. 1836) ist älter, dagegen selbst Hankfurt 1874. Darmstadt (1875), Mainz (1872). Offenbach (1880), Worms (1878) wesentlich jünger.

Im Oktober 1858 trat eine beträchtliche Anzahl von Schachfreunden zusammen und übte eine eifrige Spieltätigkeit im Cafe Ebel aus. Die Geschäftsführung wurde von Postsekretar Otto v Ä e l m o l t und Gustav Schmid k b o r n aus- aeübt. Im Oktober des folgenden Iahres gab sich diese Gesellschaft eine straffere Organisation, wählte einen Vorstand und setzte regelmäßige Spielabende fest. Zum Vorsitzenden wurde Postsekretär v. Helmolt, zum Schriftführer Kommis Schmidtborn, zum Rechner Hofoer.-Gehllfe Lieb- rich gewählt. 28 Mitglieder begründeten diese Schachvereinigung, die sich nunmehr offiziell

Schach-Klub" benannte. Im Jahre 1860 besah sie schon ein ansehnliches Inventar (11 Schachbretter und ein Drett für Vierfach), sowie eine Reihe wertvoller Schachwerke: auch hielt sie bereits die »Deutsche SchachMtung. Im Iahte 1860 veranstaltete man auch em T urnier, tootan lich 22 Mitglieder beteiligtem W d.e drei stärksten Spieler zeigten sich Otto v. Hel niolt Akzessist Weidig und Kaufmann Schmidtborn. 1865 wurde..Advokat Ottnar Weidig zum Präsidenten gewählt, er bekleidete 41/ Jahrzehnte dieses Amt und war ein halbes Iahrhundert lang Mitglied. 1867 wurde er ein Turnier veranstaltet, woran sich 17 Mit glieder beteiligtem 3n d-n I°lg°nd-n 3°hr°n mich man einen Riedergang des Schachklubs feststellen,

Die nachstehenden Ausführungen, die vor I einigen Tagen in der »Deutschen Allgem. Ztg." enthalten waren, möchten wir ange­sichts des allgemeinen Interesses, das dieser Frage zur Zeit wieder entgegenge­bracht wird, unseren Lesern nicht vor­enthalten. Die Red.

Ein Derliner Dlatt hat kürzlich einen Aufsatz des bekannten Strafrechtslehrers Prof. Dr. Liep- m a n n in Hamburg gegen die Todesstrafe ver­öffentlicht. Es sei einem einfachenFrontoffizier der Justiz" gestattet, die abweichende Ansicht vorzutragen. Für die 2lbschafsung eiiuutreten ist heute freilich dankbarer. Ausnahmslos alle Gegner der Todesstrafe arbeiten stark mit ar- gumentis ad hominem: deren Anhänger die, mittelalterlichen Quälern gleichzustellenden rück­ständigen Darbaren, die Gegner fortschrittliche I Träger des Lichts. Wer Kurt Daschwih' .,Massen­wahn" kennt, wird es zum mindesten nicht un­wahrscheinlich finden, daß diese bewußt oder un­betont Minderwertigkeitskomplexe erzeugende Methode es ist, die den Gegnern den Zulauf zahlreicher Gedankenloser und Aengstlicher sichert.

Dei der Erörterung Pflegt der theoretische Kriminalist den Gegensatz der Theorien in den Vordergrund zu stellen. Auf der einen Seite die vermeintlich veralteten Theorien der Vergeltung, die Sicherung, der Abschreckung, auf der anderen Seite die Erziehung und Desserung.

Wer über das Problem vorurteilsfrei nach­denkt, wird vielleicht erkennen, daß diese viel­fach als unvereinbar geltenden Richtungen in Wahrheit auf einer großen Strecke Wegs paral­lel laufen. Heberall da. wo besondere Mi> derungsgründe zutage treten, mag man. durch Annahme mildernder Umstände und Gnaden­erweise. Milde üben und die Strafzeit nach Mög­lichkeit zu Desserungszwecken benutzen. Dem Sühnegedanken steht das nicht entgegen: kern Mensch verlangt heute mehr mechanische Ver­geltung. ©leidje äußere Erfolge sind auch für das Sühneverlangen durch diesubjektive Seite"

Aber auch wer von einer bestimmten Richtung aus das Problem zu lösen unternimmt, sollte sich dem Gedanken nicht verschließen, daß im Volks­staat. wo nicht mehr im Ramen des Staatsober­haupts. sondern im Ramen des Volks Recht ge­schaffen und Recht gesprochen wird, das Recht volkstümlich sein muß. Dei der Aufklärung schwerer Mordtaten und als Anklagevertreter habe ich die Heberzeugung gewonnen, und Richter wie Staatsanwälte aus großen und kleinen Städten haben es mir aus eigener Erfahrung be­stätigt' heute wie zu allen Zeiten empfindet das Dolk mit Kant und sehr bedeutenden modernen Rechtslehrern - die Strafe in erster Lime als Vergeltung. Es ist für sein instinktsicheres Rechtsgefühl bei gemeinen Raub- und Lust­morden ein unfaßbarer Gedanke, daß der Mörder unter Lebensbedingungen, wie sie

Prof. W e i ß g e r b e r hat das große Ver­dienst. den Schachklub wieder mit frischem Leben erfüllt und zu seiner jetzigen bedeutenden Höhe emporgeführt zu haben, nachdem er 1918 zum Vorsitzenden gewählt worden war und bis zur Gegenwart dieses Amt mit regstem Eifer be­kleidet hat. Er wurde hierbei bestens von Amt­mann R 0 t h a m e l (Schriftführer 1918 bis 1924) und Inspektor Baumert (Schristsührer 1924 bis heute) unterstützt. Eine ganze Reihe von bedeutenden Turnieren, Simultan- und Blind- lingsvorstellungen hervorragender Schachmeister (Spiel mann. Reti, Bogoljubow usw.) sand in diesem Jahrzehnt statt. Sehr ausgezeich­net hat sich der Klub auch innerhalb der hessi­schen Schachbezirke und des Mittelrheinischen

Assessor Hrstadt (geb. 1868 in Alsfeld, jetzt Ministerial-Direktvr). Er warb eine ganze Reihe neuer Mitglieder und begründete den Wieder­aufbau. Präsident wurde wieder Weidig. Hrstadt Sekretär, Weinhändler Austerlitz Rechner. 1898 wurde einErmunterungstur­nier" abgehalten, worin man in zwei Klassen spielte. In Gruppe A der ersten Klasse errang Studiosus Wipplinger den ersten Preis: in Gruppe B dieser Klasse teilten sich Weidig und Hrstadt in den ersten Preis. Im 3ubi- läums-Turnier 1898 teilten sich Assessor Hr­stadt und Studiosus Kölln er in den ersten und zweiten Preis: den dritten errang Weidig. 1904 meldete man den Schachklub mit 30 Mit­gliedern zumDeutschen E ch a ch b u n d" an. Belebt wurde das Schachleben im Winter 1908/09 durch eine Simultan-Borstellung von Altmeister F r i tz und eine Dlindlingsvorstellung des Schach- meisters Mieses. Fritz spielte 23 Partten, von denen er 21 gewann. Mieses spielte 6 Partien, die er alle gewann. Infolge dieser Vorstellungen stieg der Mitgliederbestand auf die Zahl 36. 1909 verzog Rechtsanwalt Weidig nach Hom­berg a.O. und wurde zum Ehrenvorsitzenden er­nannt. Sein Rachsolger wurde Oberlehrer Hr­stadt: Schriftführer wurde Architekt Rico- laus. Hüter der zielbewuhten Leitung dieses Vorstands nahm der Klub einen hohen Auf­schwung. Der Mitgliederbestand stieg auf über 40. Auch fanden 1911 bis 1912 wiederholte Simultan- vorstellungen der Weister M a r s ch a 11, M ie- s e s und Spielrnann statt. Diese gedeihliche Entwickelung wurde jäh durch den Weltkrieg unterbrochen. Gegen Ende des Kriegs wurde die Spieltätigkeit wieder reger. Ein täglicher Ver­kehr von Mitgliedern fand im Cafe Krämer statt, das man seit 1910 als Klublokal benutzte.

arbeitsamen freien Menschen vielfach nicht zu Gebote stehen geschützt und erhalten werden soll. In solchen Fällendie Erziehungsbedürftig­keit des Kriminellen" an Stelle von Sühne (und Sicherung) zu sehen, wird alsHumanitäts­schurkerei" empfunden. Gewiß war es von nicht zu überbietender Schönheit, als Rathenaus Mutter um Milde für die Mörder ihres Sohnes bat: aber der Staat darf nicht selbstverleugnenden Edelmut der Volksgesamtheit als Zwangsein­richtung aufdrängen. Cs wird keineswegsRache" verlangt, sondern gerechter Ausgleich, d. h. Ver­geltung unter Berücksichtigung aller zugunsten des Täters sprechenden Hmstände: und nur too diese nicht oder nicht ausreichend vorhanden sind, wird die Todesstrase gefordert. für deren Berechn» gung übrigens, diese Beobachtung Wulfsens kann mancher Staatsanwalt bestätigen, die meisten Mörder ein besseres Bewußtsein haben, als ihre bänglichen Zeitgenossen".Die Tat kann nur durch mein Blut gesühnt werden." sagte nach der Hrteilsverkündung der Massenmörder Angerstein. Vo.m großen Rechtslehrer Laband stammt das grandios-lakonische Wort, für die Todesstrafe fei die Volksüberzeugung allein der vollauf recht­fertigende Grund. Wer freilich in jedem Ver- brecAt das bedauernswerte Opfer derGesell­schaft" sieht, wer mit dem zur Redensart ernie­drigten. falsch verstandenen WortTout com- prendre cest tout pardonner alles entschuldigen will, der sei an ein gutes Wort erinnert, das

I ein Prominenter des Altertums geprägt hat: Taeitus Annalen XIV, 44:Habet aliquid ex iniquo omne magnum exemplum, quod contra sin- gulos utilitate publica rependitur" in jedem großen Strafverfahren liegt ein Körnchen Ungerech­tigkeit, das im Verhältnis zuw einzelnen durch das Staatswohl aufgewogen wird.

Denn daß die Todesstrafe auch einen bedeuten- den Abschreckungswert hat, ist kaum ernstlich zu bestreiten. Mancher gefährliche Verbrecher hat die Maxime: »Rur nichts, was den Kopf tosten kann!" Im Einzelfall freilich schöpft der Mord- bereite den Mut zu seiner Tat aus der (lewer nicht selten begründeten) Hoffnung, ber @nt- deckung zu entgehen. Gewiß darf man sich die Schuhwirkung der Todesstrafe nicht naiverweise so vorstellen, daß etwa die Kantonbaseler oder Kantonschaffhausener nach Abschaffung der Todesstrafe nun gleich scharenweise zu Mördern Untaten ui jein würden. Die (im einzelnen naturgemäß Nicht

bessern zu können und I nachweisbare) Abschreckungswirkung beruht zum

" ' " t I guten Teil darauf, daß die Rachrtcht von der

mit ihrer uralten, auch die Tierwelt umfassenden Mitleidmoral die Todesstrafe eine Selbswer- ständlichkeit und das europäische Gezeter um sie unbegreiflich ist. In Oesterreich sollen an- gesichts schwerer Mordtaten weite Kreise die Abschaffung bereits bedauern. Ita.ien hat sie auf die von einem Lynchfall begleiteten Atten­tate auf das Staatsoberhaupt wieder eing-eführt und die Mordanfälle haben aufgehört.

Groß ist nachweislich der von den Gegnern gern verschwiegene Sicherungswert der Todes­strafe. Auch die besten Anstalten bieten gegen entschlossene Verbrecher, die nach Abschaffung der Todesstrafe nichts mehr zu verlieren haben, feinen sicheren Schuh, von der Möglichkeit der Massenbefreiung in unruhigen Zeiten ganz ab- gesehen.

Ein billiges Svphisma ist der gern gebrachte Einwand, durch die Todesstrafe bekämpfe der Staat Mord mit Mord. Die Todesstrafe ist so wenig Mord, wie die Tötung eines Menschen in Rotwehr. Rach dieser Logik wäre ©efängnis- strafe Freiheitsberaubung, Aberkennung der bür­gerlichen Ehrenrechte Beleidigung, Zwangsbei- treibung von Geldstrafen Erpressung und Raub.

Schachbundes. Auf dessen Hauptturnier errang Rechtsanwalt Rothenberger den zweiten und dritten Preis geteilt. Im Wettspiel gegen den Schachklub Hanau, der 1925 in Friedberg ausgefochten wurde, hatte Gießen 6, Hanau 5 Ge­winnspiele. Einen glänzenden Ersolg hatte der Schachklub Gießen beim Turnier der hessischen Städte, das beim 50jährigen Stiftungsfeste des Schachklubs Darmstadt abgehalten wurde. Im End­kampf siegte Gießen mit 21/2:1/s überlegen ge­gen Offenbach. Hierdurch kam der vom Schach­klub Darmstadt für dieses Turnier gestiftete G 01 d p 0 k a 1 in feinen Besitz. Zu danken ist dieser hervorragende Erfolg Prof. Weitz- g e r b e r . Rechtsanwalt Rothenberger, Amtmann R 0 t h a m e 1. Das Ehrenmitglied Frhr. v. Holzhausen erstritt 1925 auf dem Kongreß des Deutschen Schachbundes in Breslau den Meistertitel. Am 25. Oktober 1925 siegte der Klub im Wettspiel gegen den Friedberger Schach­klub, wobei an 8 Brettern gespielt wurde mit 6Vr:l'/r- Ebenso hatte er einen großen Erfolg 1926 im Wettspiel gegen den Schachklub Betz­dorf. Das Ergebnis war Gießen + 8, Betzdorf 4- 6. Im Rückspiel siegte Gießen mit 9:5. Im Turnier im Winterhalbjahr errang Architekt Ric 0 lau s den ersten Preis und den Titel ..Klubmeister", sowie den Wanderpreis bis zur nächsten Austtagung: den 2. Preis erstritt Prof. Weihgerber. Im Turnier des Winterhalb­jahrs 1926/27 errang Rechtsanwalt Rothen­berger mit 8V0 Punkten der ersten Preis mit dem TitelKlubmeister" und den Wanderpreis. Pros. Weihgerber mit V/z P. den zweiten. Amtmann Rothamel mit 7 P. den dritten Preis. Ein glänzendes Ergebnis für Giehen hatte das erste Turnier des Hessischen Schachverbandes zwischen den Bezirken Darmstadt, Odenwald und Oberhessen. das am 29. Mai 1927 in Giehen stattfand. Bei Ober­hessen war Giehen mit 6. Friedberg und Alsseld mit je einem Spieler beteiligt. Das Gesamt­ergebnis war: Oberhessen 5*/r. Darmstadt 2Vr- Auch im Winter 1927/28 hatten die Turniere innerhalb der Hessischen Schachbezirke für G i e- h e n ein günstiges Ergebnis.

Diese gedeihliche Entwicklung des Klubs er­mutigte zu einer besonders feierlichen Begehung des 7 0. Stiftungsfestes zu Ostern 1928. Zum erstenmal findet ein internationales Meisterturnier in Giehen statt. Wir leben der Hoffnung, dah der Schachklub Giehen auch in der Folge sich in aufsteigender Linie be­wegen wird.

scharf getrennt.

Jede mit dogmatischer Sicherheit angewandte Theorie zerbricht jedoch an Heberspannung und scheitert an den Aufgaben der Wirklichkeit. Wer glaubt, Massenmörder wie Grohmann, Schumann und Haarmann oder einen Menschen wie den kürzlich Hingerichteten Doppelwörder Böttcher, der am Tage seiner Hntaten in sein Rotizbuch eintrug: heute Mord < * T

seiner ^Meinung^überlassen. Der'Rechtstheoretiker I Verhängung und^ottstrcckung eines Todesurteite könnte einaedenkder Tatsache, -dah das Recht mit ungeheurer Wucht das Bewuhtsein, von der Tausende von Jahren älter ist als alle Theorie, Entsetzlichkeit des Mordes und damit eme meist methodologisch von der neueren Medizin lernen: lebenslängliche Hemmung ^S^^k-DurchIaht^ hier haben um Lehrmeinungen unbekümmerte Hunderte hindurch haben alle ^ohm Kultm aeniale Aetzte denPrimat der Praxis" an- staaten den Mord mit dem Tode bestraft So erkennend und' auf uralte Erfahrungen zurück- ward die Scheu vor der techtewidrigenDn- greifend das Gute genommen, wo sie es finden nichtung fremden Lebens ein den Kutttrnnenschen ÖM ufle.A .... |

der Bewußtseinszusammenhang der Volker wett gröber als man gemeinhin glaubt Hnd so ubt jede durch die Länder laufende Kunde von bei Bestrafung einer Mordtat mit dem Tode einst­weilen ihre psychologische Wirkung auch in den meist unbedeutenden und vielfach keineswe^ auf der Höhe stehenden Staaten, die feit einer vergleichsweise kurzen Zeit die Todessttafe nicht angewandt haben. __

Der Vergleich mit dem Mittelalter, too trotz grausamer Todesstrafen mehr Verbrechen be­gangen wurden als heute, ist ein schwerlich ge- glück ter Versuch der Gleichsetzung unvergleich­barer Gröhen. Bezeichnend ist, daß die großen europäischen Siegervölker mit ihrem ausgespro­chenen Staatsgefühl an die Abschasfung offenbar lischt denken, wie auch den Kulturnattonen Asiens

Oie deutschen Bauernvereine.

Eine Reihe von Hoffnungen knüpft sich an die soeben vollzogene Wahl des ehemaligen Reichs­ministers Dr. Hermes zum Präsidenten der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine. Hm diese Hosfnungen begreifen zu können, scheint es doch angebracht, noch einmal aus die Gesamt- fituation der bäuerlichen Organisationen hinzu­weisen. Gab es bisher nur zwei landwirtschaft­liche Organisationen, nämlich den 1862 gegrün­deten Deutschen Bauernverein als Len ältesten dieser Organisationen und den 1893 ge­gründeten Reichslandbund, so ist in letzter Zeit noch die Deutsche Bauernschaft als eine Organisation mehr politischer Art hinzu­gekommen.

Die Deutschen Bauernvereine legen nunmehr schon von jeher den größten Wert daraus, eine berufs ständische Organisation zu sein. Sie befassen sich in keiner Weise mit Parteipolitik und lehnen auch eine irgendwie geartete partei­politische Einstellung im Rahmen der Wahlen ab. Zumeist sind sie in den katholischen Gebiets­teilen Deutschlands vorhanden, aber auch große Teile des protestantischen Deutschlands, so Schles­wig-Holstein und Württemberg werden von den Deutschen Bauernvereinen umsaht.

Run kam es von ungefähr zu Streitigkeiten im Rheinischen Bauernverein, die zum Teil personeller Art waren und in denen die Ramen Freiherr von Loe, Freiherr v. Kerkerinck zur Borg und der Haiiptgeschäftsführer Dr. Crone (Münzebtock) eine gewisse Rolle spielten. Der Rheinische Bauernverein schied schließlich aus der Vereinigung aus, wie auch Kerkerinck zudem noch das Präsidium niederlegte, so dah die nunmehr stattgefundene R e u w a h l not­wendig wurde. So ist die Lage, die Dr. Hermes als der nunmehrige Präsident vorsindet. An diese Wahl knüpft sich deshalb einmal die Hoff­nung aus einen Wiedereintritt des RheinischenBauernvereins, schließlich auf eine Zusammenschmelzung aller bäuerlichen Organisationen.

Wäre die Todesstrafe ..unchristlich", so hätte die Kirche schwerlich 1900 Jahre gewartet, um sich diesen neuerdings nicht gerade von kirchlichen und religiösen Kreisen erhobenen Einwand vor- wegnehnien zu lassen. Ein religiöses Problem scheint die Frage nicht zu fein; offenbar verhält sich die Kirche dieser Staatsangelegenheit gegen­über neutral: ..Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist".

Aber gerade darin liegt es. Im Kampfe der .Untertanen gegen eine absolute unkontrollierte Staatsgewalt stand der Widerstand gegen die Todesstrafe in erster Linie, und diese, übrigens auf nachweisbar irrigen Voraussetzungen be­ruhende Forderung ist trotz der veränderten Um­stände gewohnheitsmäßig beibehalten und, anders rationalisiert, zum politischen Parteiprogramm gemacht worden, an dem man um so freudiger festhält, als es mit beglückenden Ueberlegenheite- gefühlen über die andersdenkenden Barbaren verknüpst ist. Und wie häufig im polittschen Kampf ist man mit den Mitteln nicht immer wählerisch. An den jüngst verbreiteten Geschichten von den unter Wilhelm 1. unschuldig Hingerich­teten war kein wahres Wort. Seit Menschen­altern ist in Deutschland nicht ein einziger Fall der Hinrichtung eines Unschuldigen bekanntge­worden. Die Detriebsgefahren der Iustiz, nut Recht hat man es bemerkt, sind äußerst gering. Wenn ein Unschuldiger sein Leben oder auch nur seine besten Iahte in Gefangenschaft ver­bringen muh, so ist das Unglück ebenfalls ent­setzlich. Mögliche schwere Folgen fehlerhaften Ge­brauchs einer Einrichtung können niemals deren Beseitigung, sondern nur äußerste Vorsicht bei der Anwendung rechtfertigen.

Ungezählte Menschen in der ganzen Wett hat der traurige Fall Sacco und Van^elti' der sich der sicheren Beurteilung Fernstehender entzieht - wenigerdie Augen geöffnet, welche untragbaren Unsittlichkeiten und Mißstände mit dieser Strafe verbunden sind", als für die trau­rigen Folgen 'einer Massenverhetzung, die für die Amerikaner die Degnadigungsfrage zuletzt zu einer polittschen Prestigeangelegenheit gemacht und zahlreichen, vom aufgestachelten Mob ge­töteten Unschuldigen das Leben gekostet hat. Als aber um die gleiche Zeit in Rußland nach einer Iustizkomöd.e Menschen hingerichtet wurden, die nicht weniger wert waren als Sacco und Van- zettt, da war tiefes Schweigen. Man merkt offenbar nicht, dah man mit solchen Methoden die Geschäfte derer fördert, die wie jüngst so schön gesagt worden istdie Todesstrafe im kapitalistischen Staat bekämpfen", um sie, wenn die Macht in ihre Hände gleiten sollte, im Verwaltungswege" tausendfach zu verhängen und zu vollzieAn.

Zweierlei wird man für die kommenden Be- 1 ratungen wünschen dürfen. Möge von den meist

eben Krieg verursacht wurde.

Um die Mitte der 70er Iahre belebte sich wieder die Tätigkeit des Schachklubs. Man ver­anstaltete im Winter 1875/76 ein Turnier. Die Teilnehmer, 15 an der Zahl, wurden m drei Klassen geteilt und für jede Klaffe em Preis im Werte von 4 Mk. ausgesetzt. Das Turnier der ersten Klasse kam nicht zum Austrag. In der zweiten Klasse errang den Preis Premier- Leutnant Spohr, in der dritten Studiosus Koch. 1876 trat ein stuck, jur. in den Klub ein, der später einer der stärksten Spieler des Kon­tinente werden sollte, Alexander Friß (geb- 1857, jetzt Geh. Iustizrat t R. m Alsfeld). Er belebte alsbald den Geist des Klubs m jeber Richtung. Die Mitgliederzahl erhöhte sich auf 30 bis 35 und blieb während der nächsten Iahre ständig auf dieser Höhe. 1876 siedelte man in das Cafe Klein (jetzt Postkeller), 1873 in das Cafö Ebel. 1879 in Wenzels Garten über. Alexander Fritz zeigte schon im Turnier des Winters 1876/77 seine starke Ueberlegenheit, indem er in der ersten Klasse alle Partien gewann. Wahrend seiner Giehener Studentenzeit (187681) gab Fritz eine ganze Reihe von Dlindlingsvorstellun- gen. Seine glänzendste Leistung war seiii Blind- lingsspiel vom 21. Rovember 1879, wo er 12 Par- tien spielte, die er alle, bis auf 2, gewann. In benDeutschen Schachblättern" (14. Iahrg. S. 1) lesen wir: ..Fritz war seines lebhaften und ge­fährlichen Angriffsspiels 'oegen ein außerordent­lich gefürchteter Gegner, her gerade den starken Ausbildern gegenüber glanzende Erfolge auszu­weisen hatte in Partien, deren Wert die Zett überdauert. Größere Erfolge erzielte Fritz auch tn ernsten freien Partten. wovon unter anderen Gunsberg, Z u k e r 10 r t, T e i ch m an n und Lasker Zeugnis ablegen können... Auf dem Kontinent war er seinerzeit der erste Bttnd- spicler. dem nut in England D1 ackburne und Z u t e 110 r t ebenbürtig zur Seite standen.

Aus dieser Zeit ist noch zu erwähnen der Besuch des Schachklubs Gießen am 1. Februar 1880 beim neugegründeten Marburger Schach­klub. Alexander Fritz gab eine Blindlingsvor- stellung von 8 Spielen, wovon er 7 gewann. In den einzelnen Wettkämpien zeigten sich die besser geschulten Gießener den Marburgern bedeutend überlegen. Vom Iahre 1884 an machte sich Inter­esselosigkeit mehr und mehr bemerkbar. Der Mit­gliederbestand sank auf die Zahl 5.

Das Verdienst, den Schachllub vor dem vol- I ligen Untergang bewahrt zu haben, gebührt I