spiel aus fernen Ländern genannt: die schon im Alten Testament erwähnten Rissenschwärme der Wanderheuschrecken welche in Aegypten, in Syrien, in Mesopotamien der Schrecken der Landbevölkerung sind und durch ihren Fraß schon Hungersnöte verursacht haben, welchen nicht weniger Menschen zum Opfer fielen als der Malaria oder der Pest. Wir brauchen aber nicht so weit zu greifen, um uns von Insekten-Massen- vermehrungen und ihrer Wirkung auf die menschliche Wirtschaftsführung ein Bild zu machen. Geyt es auch nicht um Menschenleben, so geht es doch um Milliardenwerte, die in Forst- und Landwirtschaft. in Haus und Vorratsraum allein bei uns In Deutschland alljährlich eine Deute von Insekten werden. Ich sage Milliarden — und diese Zahl ist nicht übertrieben! Genaue Aufstellungen der jährlichen Gesamtverluste in Deutschland liegen zwar bisher nicht vor. während z. D. das französische Ackerbauministerium die jährlichen Ernteverluste durch Insekten in Frankreich aus 4—5 Milliarden Goldmark schätzt. Wir greifen nicht fehl, wenn wir allein den jährlichen Schaden der Kleidermotte in Deutschland auf 2—300 Millionen Mark, denjenigen der Obstmade (ebenfalls einer Kleinschmetterlingsraupe), durch welche etwa Iweidrittel unserer Apfelernte verlorengehen, auf 100 Millionen QUarf veranschlagen, And noch eine dritte Kleinschmetterlingsraupe sei genannt: der „Heu - und Sauerwurm", der z. D. im Jahre 1926 Zweidrittel der zu erwartenden Weinernte in der Rh^rnpsalz im Werte von ungefähr 20 Millionen Mark vernichtet hat. Denken wir daneben noch an den Maikäfer und seine Larve, den Engerling, an die Dorkenkäfer, an Rönne, Forleule und Kiefernspanner, an Frvstspanner und Kohlweißling, an Messing- käfer und Aagekäfer. Blattwespen, Maulwurfsgrillen, Reblaus und Blutlaus, so werden wir das Wort eines unserer bekanntesten Forscher aus dem Gebiet der Schädlingskunde. Professor Stellwaags. zu würdigen wissen, daß wir nicht das ernten, was wir säen, sondern b a S, was uns die Insekten übrig lassen.
Als ernsthafte Forderung steht hinter diesem Worte das Gebot, alles, was in unserer Macht liegt, zu tun. um die Beruhte nach Möglichkeit emzuschränken und das älebel nicht noch größer werden zu lassen. Denn wie Pros. E scher i ch. dem wir den Aufschwung unserer Wissenschaft, der „angewandten Insektenkunde" oder „angewandten Entomologie", in Deutschland verdanken, hervorhebt, sind die gewaltigen Massenschäden durch Insekten in den letzten Jahrzehnten tatsächlich im Zunehmen begriffen — eine Tatsache, die jeder Forstmann bestätigen kann, älnb nicht nur die großen Betriebe m Land- und Forstwirtschaft, auch der einzelne scheint heute wett mehr durch schädliche Insekten in fernem Haushalt, seinen Vorräten, seinem Garten bedroht zu srrn. als wir es von vergangenen Iah^ehnten wiss.n. Als Beispiel dafür sei nur der Messingkäfer genannt, der in den letzten Jahren geradezu Mode — wenn auch eine sehr unfreiwillige und unerfveuliche — geworden ist: ein kleines Insekt, das fast in jedem Haushalt, in jeder LcbenSmittelhandlung in wenigen Stücken anzutreffen ist. hin und wieder aber sich so stark vermehrt, daß man sich schon zu dem verzweifelten Mittel, entichlossen hat, gcmze Gebäude niederzubrennen. um den Plagegeist wieder loszuwerden und nicht in fortschreitender Ueberhandnahme auf benachbarte Gebäude übergveifen zu lassen. Die moderne Technik hat manchs Wege ersonnen, solchen Wirtschaftsfeinden mit chemischen oder mechanischen Bekämpfungsmitteln beizukommen, und die Verwendung von Giften, vor allem Arsenverbinduiigen und Blausäure, gegen Insekten spielt heute eine große Rolle. Sie er- fördert freilich streng sachgemäße Ausführung und muß in vielen Fällen (Dlausäurel) den Händen von Fachleuten anvertraut bleiben, um nicht selbst wieder eine Gesahr für den Menschen zu werden. Auch ist ein solch radukales Be- kämpfungsverfahren nicht in allen Fällen anwendbar.
So kommen wir wieder auf die schon erwähnte soziale Pflicht für jeden einzelnen zurück, nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch in dem seiner Mitmenschen alles zu tun, um durch vorbeugende Maßnahmen das Hebel überhaupt nicht hochkommen zu lassen oder da, wo ein schädliches Insekt einmal aufgetreten ist und §u gefährlicher ^leberhandnahme neigt, rechtzeitig und energisch ein weiteres Anschwellen zu unterbinden. Im großril und ganzen kann, wie in der menschlichen Hygiene, auch im Verhalten gegen schädliche Insäten der beste Weg einer grundsätzlichen Vorbeugung in einem einzigen Wort ausgedrückt werden: Reinlichkeit! Wie die Reinlichkeit am eigenen Körper, ist auch die Reinlichkeit in Wald und Feld, das Entfernen abgestorbener Pflanzen und Pflanzen- terle, die als Drutstätteii von Insekten dienen können, die Reinlichkeit im Hause, das Beseitigen von Abfällen, das gewissenhafte Bedecken von Lebensrnitteln, das Abschließen von Mülleimern, Dunggruben, Aborten, das häufige Lüften und Ausklopfen von Kleidern die gegebene Vorbeugung von Insektenschäden. Aber wie der Mensch durch Reinlichkeit allein nicht unbedingt von Krankheiten verschont bleibt, ist sie auch kein unbedingter Schutz gegen das Auftreten von Insekten, deren Lebens- und Erttwickllrngs- bedingungen noch dazu in vielen Punkten unve- kannt oder ungeklärt sind. Die ärztliche Wissenschaft trägt durch ihre Aufgabe, die Ursachen menschlicher Erkrankungen zu erforschen, zum Volkswohle bei, und eme ähnliche Aüfgabe obliegt auf dem hier behandellen Gebiet der angewandten Entomologie.
Die Organisation der Schädlingsbekämpfung, die besonders in den Vereinigten Staaten — unter der Führung von Dr. H o - ward — vorbildlich ausgebaut worden ist, hat auch in Deutschland erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen, wenngleich wir erst am Anfang einer aus den Zeitbedürfnissen gebotenen Ent- toufhrng stehen. An landwirtschaftlichen und forstlichen Hochschulen, an über das Reich Der* teilten Versuchsanstalten und amtlichen Pfmnzen- schutzstellen und vor allem an der Zentrale dieser gesamten Organisation, der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem, wird eifrig an der Erforschung der Lebensweise und der besten BekämPfunaSmSglichkeiten schädlicher Insekten gearbeitet: die gewonnenen Ergebnisse werden in die Praxis umgesetzt und damit in den Dienst des Volkes gestellt. Aber die für diese Arbeit zur Verfügung stehenden Kräfte reichen bei Wettern nicht aus, die ungeheuere Fülle von Aufgaben zu bewältigen, welche das Schädlings- Problem als Ganzes birgt. Kommen dazu noch Hemmungen, welche in der Verkennung der Wich-
tigteif einer sachgemäßen, wissenschaftlich fundierten Insektenbekämpfung liegen, so droht die Gefahr, daß auch die vorhairdenen Kräfte sich nicht voll auswirken können und die Maschine zum großen Teile leer läuft. Das Verständnis Der Allgemeinheit für die Bedeutung des Problems ist darum von besonderem Wert.
Paul Rohrbach.
Der Ortsgruppe Gießen des Vereins für das Deutschtum im Ausland ist es gelungen, den be- kannten politischen Schriftsteller Paul Rohrbach am Freitag, 30. November, zu einem Vortrag zu gewinnen. Obwohl Paul Rohrbach in Gießen kein Fremder ist — er hat bereits vor Jahren hier gesprochen, und seine ständige Mitarbeit bei der Behandlung außenpolitischer Fragen im „Gießener Anzeiger" haben chn in allen Kreisen unserer Leserschaft bekannt gemacht — dürfte es angezeigt erscheinen, in einigen kurzen Daten feinen nicht alltäglichen Lebenslauf zu schildern. Paul Rohrbach ist, jetzt bald ein Sechziger, geborener Livländer. In Dorpat, Berlin und Straßburg studierte er Theologie und Philosophie. Schon wenige Jahre nach vollendetem Studium führten ihn weite Reisen nach Sibirien, Turkestan, Persien und in die Türkei. 1903 wurde er kaiserlicher Kommissar für das Ansiedlungswesen in Südwestafrika. Später bereifte er Ostafrika und Ostasien. In der Nachkriegszeit auch Nord- und Südamerika. Außerordentlich bekannt geworden ist sein aufrütielnbes Buch „Der deutsche Gedanke in der Welt" und eine kurze geistvolle „Geschichte der Menschheit"; beides in den „Blauen Süajcrn" des Langewiesche Verlages. Auch die Ergebnisse der Amerikareise fanden in einem wertvollen Werk ihren Niederschlag.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
QJ Lollar, 28. Rovembrr. Eure öffentliche Sitzung des Gerneinberats sand gestern abend statt. Aus ihr ist als bemerkenswert u. a. zu berichten: Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1928 schließt in Ausgabe ab mit 136 598 Mark. Hiervon gehen ein aus Waldungen, an Reichssteue.n usw. 92122Mk., so daß ein Restbetrag von 44 420 Mk. verbleibt, dem 17 840 Mk. Einnahmen aus der Gebäude- sonderst euer gegenüber stehen. Der fehlende Betrag mit 26 720 Mk. muß durch ilmlage aufgebracht werden. Das Kreisamt Gießen schlägt folgende Plmlagesätze vor: Auf 100 Mk. Steuerwert für Gebäude und Bauplätze 18 Pf. (im Vorjahre 17,5 Pf.), für land- und forst- wirtschafllich genutzten Grundbesitz 40 Pf. (39). für gewerbliche Anlagen und Betriebskapital 48 Pf. (43), für Gewerbeertragssteuer 75 Pf. (73). Der Gemeinderat stimmte zu. Die geringe Erhöhung der Sätze ist erforderlich geworben, da die Einnahmen aus der Gebäudesondersteuer um etwa 1000 Mk. geringer als im Vorjahre find. — Für die Lumdastraße wurde die Pflasterung einer einseitigen Gosse von 70 Meter Länge beschlossen und der erforderliche Betrag von etwa 700 Mk. genehmigt. — Die Kirche In Lollar besitzt keine Heizung. Gottesdienste finden jeden zweiten Sonntag statt und werden insbesondere von den älteren Gemeindegliedern besucht, die den Weg zur Kirchspielskirch« nach Kirchberg nicht gut machen können. Das Pfarramt hat nun um den Einbau einer Heizungsanlage nachgesucht. Es schlägt elektrische Heizung vor, da diese keinerlei Bedienung erfordert, für etwaige Ofenheizung auch kein Kamin vorhanden ist. Der Bürgermeister hat einen Kostenvoranschlag fertigen lassen; hiernach käme die Anlage auf 570 Mark. Die gesamten Heizungskosten für die Wintermonate sind auf 46 Mark für Heizstrom berechnet. Die Abstimmung nach längerer Aussprache ergab die Ablehnung der Vorlage bei S.immengleichheit (7 :7) mit den Stimmen der sozialdemokratischen Ge- meindevertveter. — Der Bauunternehmer Lern* mer, der vor einiger Zeit den Dausterschen Steinbruch am Lollarer Kopf übernommen hat, sucht um Abtretung von Gelände zum Zwecke der Ausbeutung nach. Während das erste Gesuch auf Abtastung von 10 030 Quadratmeter (etwa Vs des Lollarer Kopfes) lau'ete, hat L. inzwischen, da dieses Ansinnen keinerlei Aussicht auf Genehmigung hatte, seine Forderung auf etwa 1 Morgen (2500 Quadratmeter) ermäßigt, was etwa 11—12 Meter in der Breite ausmacht. Rach eingehender Aussprache, wobei auch die Berichte in der Tagespresse behandelt wurden, ergab die Abstimmung mit 12 gegen 2 Stimmen die Genehmig ung zur pachtweisen Ablassung eines 11—12 Meter drei en Geländestreifens, insgesamt 2500 Quadratmeter nicht übersteigend, zum Preise von 4 Mk. für den Quadratmeter, zahlbar mit Inkrafttreten des Pachtvertrages. Weitere angeregte Bestimmungen sollen in den Pachtvertrag auf genommen werden. Wenn es auch nicht möglich ist, alle Einzelheiten der Aussprache hier wiederzugeben, so sei doch zu den die (S? bVtung des Lollarer KvXes eiöre.nden <ei ungsbe ichten aes g‘, daß der Geme'urderal in s.ine. ^verwiegenden Mehrheit nicht der Ansicht ist, daß die Zustimmung zur Abllstsung von etwa 10 Meter den Bestand des Lollarer Kopfes gefährdet, das abgetretene Gebiet dazu vollkommen außerhalb des Gesichtsbereiches liege, andererseits die finanzielle Lage der Gemeinde eine Ablehnung und damit den Verzicht auf einen größeren Geldbetrag nicht gerechtfertigt erscheinen lasse. — Unter Verschiedenes teilte der Bürgermeister mit, daß sich unter äußerst günstigen Bedingungen die Beschaffung einer Motorspritze ermöglichen lasse. Die Spritze mit einer Minutenleistung von 800 Liter ist erst im Jahre 1925 geliefert uird seither von der Werkfeuerwehr einer Mannheimer Grohfirma, die eine Autosprihe gekauft hat, nur zu Uebungszwecken benutzt worden. Eine Kommission, bestehend aus zwei Herren der Ortsfeuerwehr und dem Kreisfeuerwehr* inspektor Dickore (Gießen), hat die Spritze besichtigt und erprobt, wobei in jeder Hinsicht volle Befriedigung sich ergeben hat. Die Spritze mit entern Reuanschaffungswert von etwa 8000 Mk. wurde auf Grund der Feststellungen der Prüfungskommission zum Preise von 3100 Mark gekauft. Seitens der Landesbrandkasse sind der Gemeinde als Zuschuß zur Anschaffung 830 Mk. zur Verfügung gestellt worden. Gemeinderat Rohrbach regte an, daß die Ortsfeuerwehr auch mit Schaumlöschgeräten ausgerüstet werden möge.
t Treis a. d. Lda., 28.Rov. Wie zäh sich auf dem Lande oft alte Gebräuche erhalten, zeigt hier die alljährliche Feier des sog. „Mllärt-Owends. Dis vor etwa 50 bis 60 Jahren wurde hier am Donnerstag der auf
den sog. DickelcheSmarV zu Allendors a. d. Lda. folgenden Woche ein Gelier Krämermarkt ab» gehalten. Auf der »Zeil", der Straße um die alte Schule herum, waren einige Derkaufsstände mit allerlei Gebrauchsgegenständen des ländlichen Haushaltes, Holz- und Wollwaren. meist aber Erzeugnisse der Grünberger Schuhmacher aufgestellt, die von den Dorfbewohnern und benachbarten Landleuten zum Einkauf benutzt wurden. Abends kamen die Burschen und Mädchen bet Kaffee^ Kuchen und eigens zu diesem Tage von den Dorfbäckern gebackenen Marktwecken tn den Spinnstuben zusammen, um einige vergnügte Stunden zu verbringen Heute gehört der »Märt" der Vergangenheit an, da er sich überlebt hat, aber die Feier des „Märt-Owends" in den Spinn st üben und das Backen der Marktwecke sind geblieben und recht beliebt.
• Hausen bei Gießen, 28. Rov. Am Samstag veranstaltete die hiesige Einheit des Jung- deutschen Ordens einen Vortragsabend, der sehr gut besucht war. Der erste Redner des Abends, Profefor Heymann (Gießen, sprach über »Gemeinschaft und Rachbar chaft im jung- deutschen Staatsaufbau: Er führte u. a. aus: Im Tierreiche sind Gemein'chaftsbildungen eine häufige Erscheinung. Sie dienen dem Erwerb der Rahrung und der Sicherung des Lebens; sie erstreben nur stoffliche Güter. Der Mensch hat außer solchen Gemeinschaften noch andere geschaffen, welche die Pflege geiftiger Güter und Werte bezwecken. Bei den wirtschaftlichen Vereinigungen unserer Zeit, wie politischen Parteien, Ring-, Trust-, Konzern- und Syndikatsbi.düngen, ist die Pflege geistiger Güter geschwunden. Sie erstreben nur noch wirtschaftliche Sonderzwecke. Das Ergebnis ist die Spaltung und Zerreißung unseres Volkes nach Ständen und Kasten. Die Lehre von der jungdeutschen Gemeinschaft und dem jungdeutschen Staatsaufbau erkennt die Rot- Wendigkeit wir.schaf lief er Vereinigungen an; sie betont aber, daß nur die Pflege wertvoller geistiger Güter imstande ist, eine seelische Verbundenheit zwischen 2Hen,eben verschiedener Stände und Berufe zu schaffen. Ein Beispiel für eine solche Volksgemeinschaft war die deutsche Volksgemeinschaft von 1914. Ihr hohes Ziel war die Erhaltung und die Verteidigung von Volk und Vaterland. Das ist auch die Aufgabe der jungdeulfchen Volksgemeinschaft. Der Grundbestand teil der jungdeutschen Dollsgemeinschaft ist die räum iche Rach- barschaft, die keine Zerreißung nach Ständen und Kasten und nach sozialen Unterschieden kennt. Was eine solche Gemeinschaft auf Rachbarschaft gegründet leisten kann, zeigen die einstige Mark- genos enschasten unserer Heimat. In der Volksgemeinschaft stehen die Pflichten obenan; dann erst kommen die Rechte. Aus der Mitarbeit in der Rachbarschaft ergibt sich die Mitverantwortung am Schicksale von Volk und Staat. Mitarbett und Mitverantwortung des einzelnen Staatsbürgers verwirllichen die Sleinsche Forderung: »Volk und Staat müssen eins fein!“ Rach reger Aussprache legte der zweite Redner, Studienrat Dr. Gebhardt (Gieß n), die Stellung des Jung- deutschen Ordens zu der Frage, ob Monarchie oder Republik, dar und gab einen kurzen lieber» blick über die Gliederung und den Qlufbau des Jungdeulfchen Ordens. Die recht zahlr:ich erschienenen Zuhörer folgten allen Ausführungen mit regster Anteilnahme.
h. Hungen, 28. Rov. Gewerbelehrer Karl Hübner auS Langd, der bisher 5 Jahre lang an der Gewerbeschule in Ridda tätig war, ist an die hiesige gewerbliche Fortbildungsschule versetzt worden. Er ist der erste Fachlehrer, der an der Schule in Hungen angestellt ist, un*? hat auch den Fachunterricht an der gewerblichem Fortbildungsschule in Laubach zu erteilen.
s. Utphe, 28. Rov. Bei der kürzlich durch des Kreisarzt vorgenommenen Untersuchung der Schulkinder wurde bei einer Anzahl Kinder Kropfbildung durch vergrößerte Schilddrüse festgestellt. Man bekämpft die Schilddrüsenschwellungen durch Iodtabletten, die wöchentlich durch den Lehrer kostenlos in der Klasse verabreicht werden, und erzielt dadurch in den meisten Fällen eine Verkleinerung der Schilddrüse.
Kreis Friedberg.
WSR. Friedberg, 28. Rov. Gestenr abend gegen 7 Uhr entstand in dem Hintergebäude per Hahnsteinschen Autovermietung in der Haagstvaße ein großes Schadenfeuer. Das Feuer nahm feinen Ausgang m der dort untergebrachten Werkstätte der Polsterei Baum und verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit über das langgestreckte Gebäude, das früher als Scheune biente. Der dicht aneinandergebaute Häuserblock um die Brandstelle schien im ersten Augenblick auf das schwerste gefährdet. Dank des unverzü^ichen Eingreifens der Feuerwehr gelang es, die Gefahr von den Rachbargebäuden abzu- wenden. Der Brand konnte nach einer Stunde mit Hilfe der Motorspritze auf feinen Herd be» chränkt werden. Das Gebäude brannte ast vollkommen aus. Der Schaden ist ehr groß.
Kreis Büdingen.
lst Ridda, 28. Rov. In der jüugften Ge - meinderatssitzung wurde der Landwirt Louis Bechtold an Stelle des durch Wegzug ausgefchiedenen Schlossers Emil Schambier in den OemeinberaH eingeführt und verpflichtet. — Dem Postschaffner Otto C h i o u t wurde ein Bauplatz an der Beunde, dem Arbeiter Heinrich Edelmann ein Bauplatz im Iohanniterhof neben der Feldfcheuer und dem Arbeiter Rudolf Klaus ein solcher in der Abellstrahe zugesagt. Im Hinblick daraus, daß es sich in allen Fällen um Bauplätze zur Errichtung von Wohnhäusern handelt, wurde der Kaufpreis auf 2 Mk. bzw. 1,70 Mk. bzw. 0,50 Mk. pro Quadratmeter festgesetzt. —Aus Vorschlag der Feldkommission werden etwa 90MorgenWiesen auf der Schar- Hege, Dürre Hege, Bauernweid, Bruch, Breit, Tag- und Rachtweid usw. demnächst auf 12 Jahre öffentlich verpachtet. — Als Rektor der Volksschule wird der Lehrer Mer- gott in Vorschlag gebracht. — Gelegentlich der diesjährigen Bachschau ist der Vorschlag gemacht worden, zum Zwecke der Verhütung ober doch wesentlichen Herabminderung der Gefahr der lleberflutung bet Stadt bei Hochwasser das Durchlahprofil der alten Brücke au erweitern und aufterbem zur Verhütung der Heberschwemmung der Aecker und Wiesen unter der Stadt eine Erweiterung des Riddaprofils mit Anlage von hochwasser- freien Dämmen vorzunehmen. Das letztgenannte Projekt ist bereits während des Felbbereinigungs- verfährens Gegenstand von Verhandlungen in der Vollzugskommission gewesen. Die Ausfüch- rung scheiterte damals an dem Kostenpunkt. Das
Projekt wird mm wieder auf gegriffen, und zwc» soll zunächst festgestellt werden, ob es sich als Rotstandsarbeit durchführen läßt unb gegebenen* falls welche Darlehen unb Zinszuschüsse au8 Mitteln der Erwerbslosenfürsorge in Betracht kommen. Die Durchführung der Erweiterung des Durchlaßproftls der allen Drücke steht natürlich im Vordergrund des Interefles. Es soll deshalb das Kulturbauamt alsbald um Ausarbeitung unb Vorlage eines Projektes ersucht werden. — ■3ur Bestreitung der Kosten für die bereits aus- gcsührten Wasserleitungsarbeiten in der Gemarkung M i ch e l n a u wurde die Aufnahme eines Kapitals von 30 000 Mk. beschlossen. — Die Gemeindehundesteuer kommt auch im Jahre 1929 in der Stadt Qlibba zur Erhebung, unb zwar in Höhe von 8 Mk. pro Hund.
ED Nidda, 28. Noo. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses des Zw eckv erb andes Ridd a-lllf a wurde u. a. der Fa hrpl an für bte 3eit vom 1. Dezember bis 1. April unter Berücksichtigung der Erweiterung der Linie nach den Orten Bad Salzhausen—Geiß-Ridda fest- gelegt. Der neue Fahrplan bringt keine wesentlichen Aenderungen. da beabsichtigt ist, den V e r- kehr Ulfa —Ridda über Bad Salzhausen—Geiß-Ridda zu leiten und nur im Bedarfsfälle eine besondere Linie Ridda— Bad Salzhausen unb Geiß-Ridda einzurichten. Die Gemeinden Bad Salzhausen und Geiß-Ridda haben sich entschlossen, mit den Unternehmergemeinden Ridda unb Ulfa auf der Grundlage des mit den Gemeinden Wallernhausen. Fauerbach. Schwicka.tshausen. Ob r ß_U und Michelnau abgeschlossenen Garantievertrages ebenfalls einen Garantievertrag auf bie Dauer von vier Jahren abzuschltthen. Es wär für die Gemeinden Bad Salzhausen und Geiß-Ridda nicht schwer, sich für den Abschluß eines Garantie- Vertrages zu entscheiden, da an Hand der Bilanz für bie Zeit vom 1. Januar bis 30. September der Rachweis geführt wurde, daß die nach dem ©aranlieDertrage garantierte Fahrgeldeinnahme von 70 bzw. 55 Pf. pro Kilometer Fährstrecke tatsächlich nur die reinen Selbstkosten darstellt. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Wunsch geäußert, daß es gelingen möge, sämtliche beteiligten Gemeinden recht bald zu einem Zweckverband »Ridda und Umgegend" zu- sammenzuschllehen. Die Weiterführung der Lin« nach Dauernheim ließe sich im Rahmen des Fahrplanes ohne Schwierigkeiten ermöglichen, sie muß aber vorerst zurückgestellt werden, bis die Straße; sich in einem oesseren Zustande befindet. D«n Wunsche eines Teiles der Bevölkerung von Fauerbach, Ober-Lais und Glashütten um Durch*. sichrung der ßinte bis Hirzenhain, kann zur Zett nicht entsprochen werden, da in diesem Falle die Anschaffung eines größeren Wagens, an Stelle des 16-Sitzer-Omnibusses notwendig wäre. Der Deickchr zwischen Ridda—Bad Salzhausen—: Geiß-Ridba wird bereits am 1. Dezember aufgenommen, die Arbetterbeförderung dagegen erst am Montag, 3. Dezember.
-!- Ortenberg, 28. Nov. In stark besuchtem Gottesdienst wurde am vorigen Sonntag der Toten gedacht. Eingeleitet wurde die Feier durch das Lied „Es ist bestimmt in Colles Rat", gespielt von der hiesigen Feuerwehrkapelle. Der Ortsgeistliche, Pfarrer L e tz i n g, sprach auf Grund des Textes „Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir über irdische unb. himmlische Heimat". Die Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkriegs am Altar war umrahmt von Liedern des Männergesangvereins und des Schülerchors unter Leitung des Dirigenten, Lehrer Karl. Während b?s Verlesens der Namen der Gefallenen der Gemeinde läuteten die Glocken. Äie - Fahnen sämtlicher Vereine senllen sich zu Ehren der toten Helden, während die Kapelle nun das Lied „Ich hall' einen Kameraden" erklingen ließ.
* Unter-Schmitten, 28. Rov. Die Firma . Staffel, Besitzerin der hie.igen Papierfabrik, hat bie ihr früher gehörige Villa Diana bei Kohden von dem seitherigen Besitzer, bem Fab.ik* bireftor Sauter, wieder zurückgekauft. Der feit etwa 2 Monaten toieberaufgenommene Betrieb bec Fabrik wird von unserer Gemeinbe freudig begrüßt, da er vielen Arbeitern bet Gegend einen sicheren Winterverbienst gewährt.
rl. D l e i ch e n b a ch , 28. Rov. Im Dienste der Vogelwarte Helgoland wurden hier seit Frühjahr 1927 etwa 8 0 0 Vögel aus etwa 20 Arten beringt. Die Arbeit, bie natürlich schonenb unb gewissenhaft ausgeführt werden muß, hat schon viel Freude gebracht, unb auch biefe unb jene Frage über Vogelzug, Winterquartiere, Heimattreue unb Lebens«llter der Vö- gei beantwortet. Die Bachstelzen aus unserem Dorf unb auch zum Teil bie Stare ziehen gen Südwesten durch Rheingau und Rahetal über die Metzer Gegend (Thiaucourt) nach bem südwestlichen Frarckteich, wo sie den Winter übet in den Tälern der Garonne und ihrer Rebenflüsse verbleiben. In den Departements Lot et • Garonne unb Tarne et Garonne, sowie an verschiedenen Orten auf bem erwähnten Wege dorthin find hier beringte Bachstelzen und Stare gefunden worden. Manche Stare sind auch in der näheren und weiteren Umgegend von hier gefunden, was wieder beweist, daß der Star Strich- und Zugvogel ist. Damit diese Arbett nicht in Spielerei ausartet, sollte sie nur von gewissenhaften erwachsenen Vogellennem getan werden.
I Hirzenhain, 27. Rov. In den letzten Jahren, ganz besonders aber 1928, ist die Bautätigkeit hier sehr rege gewesen. Seit Frühjahr 1926 entstanden nicht weniger als zwölf neue Wohnhäuser, von denen einige zur Zell noch im Rohbau stehen. Die meisten der Neubauten sind Einfamilienhäuser; ein von der Gemeinde erricht tetes Haus enthält sechs Wohnungen, und mehrere- der neuen Häuser bieten Raum für zwei Familien. So sind insgesamt in dieser Zeit geschaffen bzw. noch in der Entstehung zwanzig neue Wohnungen. Damit ist die Wohnungsnot, ole sich in unserer ■ Jndustriegemeinde besonders stark fühlbar gemacht hatte, zwar nicht ganz behoben, aber doch mefenb lich gemildert worden. — Nun hat auch die Bü- dinger Autolinie die Beförderung von Arbeitern des hiesigen Eisenwerkes ausgenommen. Sie befördert täglich mit zwei Autobussen die Arbeiter aus den Orten Bindsachsen und Gelnhaar zur Ar- heüsftätte und wieder nach Hause. Don den Arbeitern wird die neue Verbindung bemüht. Die Ortenberger Autolinie, die bie Arbeiter aus Usenborn befördert, darf die Beförderung der Arbeiter aus Bergheim vorläufig nicht durchfuhren, obwohl der Wagen zu jeder Fahrt das Dorf Bergheim passieren muh. Schuld daran ist die Reichsbahn, die gegen die Beförderung der Bergheimer Arbeiter Einspruch erhob, weil diese Leute bisher die Bahn bis Ortenberg benutzt hätten. Es sind Schritte unternommen, um die Reichs-


