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Aus der Vrovinzialhauptsiadt.

Giehen, den 29. Rovrmber 1928.

<Der Elekirizitäistarif in Gießen.

Zu demßingefanbt" in unserer vorigen Samö- togausgade über den Siebener Elektri- zitätstarif erhalten wir von der Direk- tion der städtischen Elektrizitäts­werke die nachstehende Aufklärung mit der Ditte um Veröffentlichung:

Dorweg soll bemerkt werden, daß von einer Strompreiserhöhung leine Rede sein Fann. Der Umstand, der den betr. Einsender zu seinen Ausführungen anscheinend veranlagte, ist aus ein Rundschreiben von uns an die Geschäfts- inh.cber zurückzusühren, in dem wir die Ge- schäflsinh der zur Auswahl von zwei unterschiedlichen Tarifen aus o.de. en. Dies: zur Auswahl gesteh en Tari.e sind einmal ein Doppeltarif, bei dem, tote bisher, die Kilowattstunde auberhalb der LichtsPitzenzeit 10 Pf., innerhalb der Lich.spihenzeit 45 Pf. kostet, und ein Dre i fa cht a r i f, der von 22,00 Uhr bis zum Beginn der Lich spitzen,eit am anderen Tage einen Kilowattstundenpreis von 10 Pf., während dar L ich. s pitzenzeit, aber nur bis 19.00 Uhr, ein an Kilowattstundenpreis von 45 Pf. und von 19.00 bis 22.00 Uhr einen Kilowatt- stundenpreis von 30 Pf. vorsieh!. Der lrh'ere Tarif ist baup.sächlich für Geschäftsinha­ber gedacht, die ihre Schaufenster ab 19.00 Uhr zu ermäßigtem Preise beleuchten wollen. Bei dem Doppeltarif ist eine Mindestabnahme von jährlich 1500 Kilowattstunden zu gewähr­leisten, bei dem Dreifacktarif ist für die Zeit von 19.00 bis 22.00 Uhr eine monatliche Mindestabnahme von 4 Kilowattstunden für jede angeschlofsene Drennstelle zu garantieren.

Was der Einsender anscheinend als Verteue­rung ansieht, ist dir Tatsache, dah die Seschästs- inh.Der bisher dieselbe jährliche Abnähmever- pslichtung von 420 Kilowattstunden einzugehen hatten, wie sie bei den Privathaushaltungen bestehl, die Strom nach dem Doppeltarif beziehen Daß eine Mindestabnahmein der jetzt ver­langten Höhe gefordert werden muß, sollte dem Einsender als Geschäftsmann klar sein. Denn wenn man eine Ware bisher für 45 Pf. ver­kauft hat und will sie dann für 10 Pf. abgeben, so kann diese Mindereinnahme nur durch ent­sprechend erhöhten Umsatz wieder aus­geglichen werden. Dah ein Unterschi^> in der Höhe der - Garantie zwischen Geschäftsinhabern und Haushallen vorhanden ist, dürfte allgemein nicht anders als rech' und billig empfunden wer­den, wenn man zudem berucksich.igt, dah die Hauptabnahme der Geschäfte für Licht- zwecke eriotgt, während im Haushalt die Qlb- nchme zu größerem Teile für Wärme- und Kpchzweae, also zu belastungs ärmer en Stunden geschieht.

Anscheinend ist dem Einsender auch entgangen, daß bei dem Doppeltarif, wie bisher, Jahresabrechnung erfolgt. Dies bedeutet, daß, wenn beispielsweise der Verbrauch in einem Monat nicht die verlangten 125 Kilowattstunden erreicht, in anderen Monaten dieser Verbrauch aber überschril en wi.d. der Mehrverbrauch für die Monate mit Minderverbrauch aufgerechnet wird. Selbst wenn aber die 1500 Kilowattstunden im Jahre nicht erreicht werden würden, sondern beispielsweise nur ins­gesamt 1000 Kilowa tstunden, so müßte für diese 1000 Kilowattstunden der Betrag von 150 Mk. bezr.hlt werden: und die Kilowa'tstunde wurde dann 15 Pf. losten, was immerhin gegenüber dem Vormalstrompreis von 45 Pf. eine ganz wcsm.liche Ermäßigung bedeuten würde.

Was den Dreisachtarif betrifft, so soll dieser, wie bereits oben erwähnt, in der Haupt­sache für Geschäfte in De rächt kommen, die vor 22.00 Uhr auf einen ermäßig en Strompreis zu Schrusenfter- und Verlamebeleuchtungszwecken rechnen. Wir brben bei einem hiesigen größeren Ladengeschäft diesen Tarif probeweis eingeführt und hierbei festgestellt, daß bei richtiger An­wendung des Taci'es sich der beim früheren Dop­peltarif als Durchschni tsprcis gefundene Kilo­wattstundenpreis von 33.5 Pf. beim Dreifachtarif auf einen durchschnittlichen Satz von 29 Pf. ermäßigt hat.

Ferner sei bemerkt, daß der Gießener Strom­preis sich gegenüber den Strompreisen in ande­ren Städten hinsichtlich seiner für die Abnehmer günstigen Gest^l unz wohl sehen lassen kann. Wir verweisen auf die Rachbarstäd e Marburg, Frankfurt a. M., Darmstadt und Mainz.

Besonders unverständlich erscheint uns das Vorgehen des Einsenders int Hinblick auf das bevorstehende Lichtfest, das übrigens in er­ster Linie nicht den 3n*ereilen des Elektrizitäts­werks, sondern den Interessen gerade der Ge­schäftswelt dienen soll. Das Elektrizi­tätswerk ist hier anerkanntermaßen ganz besonders weit entgegengekommen, indem es den Geschäftsinh.bern für besondere, zum Lichtfest geschaffene Anlagen einen Son­de r ra ba t von 50 Prozent auf die Strom­preise einräumte.

Wenn schließlich der Einsender meint, daß durch die Aenderung des Geschäststarifs die Verwen­dung von Staubsaugern, Bügeleisen und anderen elektrischen Appara en eingeschränkt werden würde, so glauben wir, daß eine Verwendung derartiger Appara e doch wohl in der Haupt­sache nur in Haushaltungen erfolgt. Da eS sich aber bei der mi.geteilten Änderung des Tarifs lediglich um die Sondertarife für Geschäfts­inhaber handelt, so weisen wir nochmals auS- drücklick darauf hin, daß der Tarif für Haushalte, sei es der Doppel'arif oder der Dreifach'arif, der noch besonders für Speicher- ^ppara.e einen 'Rach Strompreis von 6 Pf. vor- 'icht, nach Vie vor unverändert bestehen bleibt.

Die Anwartschaft in der Angestelttenversicherung.

Alle Anwartschaften in der An- qestelltenversicherung gelten bis ein­schließlich 1925 als aufrechterhalten, ohne Rück­sicht darauf, ob für einzelne Jahre zu wenig (Bei­träge, oder kein Beitrag entrichtet wurde. Erst vom Jahre 1926 an greifen die allgemeinen Dor­fchristen Platz, nach denen der Versicherte vom 2. bis 11. Kalenderjahre seiner Versickerung jährlich mindestens 8, vom 12. Kalenderjahre an jährlich mindestens 4 Beitragsmonate zur Erhal­tung der Anwartschaft Nachweisen muß.

Die Vachzahlungsfrist für freiwil­lige Beiträge für das Jahr 1926 endet mit dem 31. Dezember 1928. Jeder berufs­fähige Versicherte, der von 1913 bis Ende 1925

Die Karioffelsammlung der Gießener Studenienhilfe.

Don dem Vorstand der Gießener Studenten­hilfe wird und mitgeteilt:

Die Gießener Studentenhilfe, die es als ihre vornehmste Aufgabe ansieht, begabten und strebsamen, aber unbemittelten Studenten mit Vat und Tat zur Seite zu stehen und ihnen das Studium in wirtschaftlicher Hinsicht nach Möglichkeit zu erleichtern, unterhält wie all­gemein bekannt ist die Studentenheime Durggraben" undSchöne A u s s i ch t", in denen neben anderen gemeinnützigen Einrich­tungen auch die munsa academica untergebracht ist. ES ist den Studierenden hier möglich, ein Mittag- bzw. Abendessen zum Preise von nur 55 Ps. einzunehmen. Das geringfügige Entgelt für das Esten konnte bisher nur deshalb so niedrig gehalten werden, well in der hochherzig­sten Weise von allen Seiten der Devöllerung Lebensmittel gestiftet wurden. An diesen Unter- stühungen hat unsere hessische Landwirt­schaft von jeher regen AntÄl genommen, ist sie es doch, die über 5 0 v. H. des jähr­lichen Kartoffelverbrauchs der St u- dentenheime durch freitoilligeSpen- den deckt. Bisher trat die Stubentenhilfe in jedem Herbst an einen der Kreise mit der Bitte heran, in den Gemeinden eine Kartoffel- s amm lung zugunsten der mensa academica der Landesuniverfität zu veranstalten. die auch jedes­mal von vollem Erfolg gekrönt war. War es im Vorjahr der Kreis Alsfeld, so hatte man sich diesmal an die Kreise Schotten und Lauter­bach gewandt. Die Sammlung, die dieser Tage ihr Ende sand, hat die erfreuliche Menge von rund 7 40 Zentner ergeben, wovon etwa 330 Zentner auf den Kreis Schotten und etwa 410 Zentner auf den Kreis Lauterbach entfallen. Der Winterbedarf der Studentenheime ist damit gedeckt.

Kein Außenstehender weiß, welche Schwieria- keiten bei solchen Sammlungen zu überwinden sind. Trotzdem hat der Aufruf der Studentenhilfe unge» achtet der Schwere der Zeit und der mißlichen Lage der Landwirtschaft bei den meisten Widerhall ge­sunden, wenn der Gemeindebote mit der Schelle durch das Dorf zog, und um eine Kartoffelsamm' lung bat. Ein kurzer Ueberblick über den Ver­lauf der Sammlung ei hier gegeben. Kurz nach Schluß des Sommer emesters wurden die ersten Vorbereitungen getrof en. Wir wandten uns Öan die Kreisämter mit der Bitte um gütige lfe, die auch bereitwilligst zugesagt wurde. Von dort aus wurden Rundschreiben an die einzel­nen Gemeinden gesandt, die zur Sammlung auffor­derten, so daß uns alle Wege hierdurch geöffnet waren. Bei der Durchführung der Sammlung in den letzten Jahren hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, daß die Herren Lehrer der betreffenden Gemeinden durch Schulkinder von sich aus schon die gesocndeten Kartoffeln sammeln ließen, und so unser Lnstwagen in kurzer Zeit alles verladen konnte, was natürlich eine starke Zeitersparnis gegen früher bedeutete. In diesem Jahre wählten wir einen zentral gelegenen Ort an den Bahn­

stationen für unser Auto, um von hier aus, in Be­gleitung von Studenten, die tägliche Sammlung vorzunehmen. Deshalb waren wir außerdem noch an die Lehrer der einzelnen Gemeinden persönlich herangetreten und hatten um ihre Mithilfe gebeten, die mit wenigen Ausnahmen sofort zugesagt wurde. Mit großer Freude lasen wir die mit der Post ein­treffenden Antworten, die von größter Bereitwillig­keit zeugten:Zur Hilfe bereit",Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit ..." oder gar die knap­pen, aber vielsagenden Worte:Wird gemacht"!. So konnten Mllte Oktober die Lehrer benachrichtigt werden, mit der Sammlung zu beginnen.

Die l tz en F h. en sind b:e :b t, die Fahrt» bericht der einz.lnen i5.ubm.tcn, bi: unser Auto beglcite'en, liegen vor. Fast überall heißt es, daß Bürgermeister und Lehrer in auf­opferndster Weise g e jj olfen hab n, daß das Verständnis und das Interesse für dir Landesuniverfität an den meisten Orten viel reger getoefen ist. al3 man anfangs angenommen hatte: «Man wollte doch für die Stuben en auch etwas tun. Manche Berichte toer'en aber auch ein grelles Licht in die Zustände unserer Zeit. Manch' irrige Ansicht herrscht immer noch auf dem Lande über den heutigen S-ubenken und das 6tub ntentum übe -Haupt. ES würbe zuwell füh.en, alle hochin'.eressan en Berichte hier tote» berzugeben. Kurz sei nur ein Bericht eines Bürgermeisters veröflen licht, der uns die Ver­bitterung der Landwirtschaft den lich vor Augen führt:Wir berichten, daß wir nicht mehr Kar­toffeln zusammenb' ingen konnten, die meisten wollten keine geben, sie sind zu sehr verbittert, weil sie keine Arbll er bekommen könnten und doch Millionen für Arbeitslose ausgegeben wür­den."

Trotz aller Rot, die unsere hessische Land­wirtschaft drückt, Hai sie es sich doch nicht nehmen lassen, noch freiwillige Gaben zu spenden. Allen Gebern sind wir zu größtem Dank verpflichtet: aber nicht jedem einzelnen, der an dem großen Werke mitgeholfen hat, kön­nen wir persöillich danken, so gerne wir es auch möchten. Wir wählen daher diesen Weg, und sagen allen Behörden und Pri­vatpersonen, ganz besonders aber denjeni­gen, die durch Gaben selb st mitgeholfen haben, unseren tiefgefühltesten Dank. Sie alle habe x dazu beigetragen, daß den S utzenlen, die nur unter großen Entbehrungen ihr Studium durchführen können, über die schwierigsten wirt­schaftlichen Röte und Alltagssorgen hinweggehol- fen werden kann.

Es wäre als ein beträchtlicher Fortschritt zu begrüßen, wenn durch die Samm"ungen, bei denen die Devöllerung in engste Fühlu;g mit den Stu­denten selbst kommt, die Vorurteile, die hier und ba noch in der Bevölkerung leben, beseitigt wür­den. So bedeutet denn diese Sammlung auch einen weiteren Schritt zu der allgemeinen großen Volksgemeinschaft, die wir alle erstreben.

mindestens 4 Pflichtbeitragsmonate Nachweisen kann, hat bis zum Schlüsse des Jahres 1928 noch die Möglichkeit, seine Versicherung wieder auf leben zu lassen. Wer im Jahre 1916 ober später In die Angestellten Versicherung eingetreten ist, muß für 1926 acht Beitragsmonate Nachweisen. Für die bereits 1913 bis 1915 eingetretenen Versicherten genügen für 1926 vier Deitrags- monate.

Freiwillige Beiträge sind für die Zeit vom 1. April 1928 an in der dem jeweiligen Ein­kommen entsprechenden Gehaltsklasse, mindestens aber in Klasse B zu entrichten. 3n Klasse B können Beiträge nur von solchen Versicherten geleistet werden, die ohne Einkommen sind, oder deren Einkommen im Monat den Betrag von 100 Wk. nicht übersteigt. Für die Zeit vor dem 1. April 1928 sind freiwillige Beiträge mindestens in der Gehaltsklasse zu entrichten, die dem Durch­schnitt der letzten 4 Pflichtbeiträge entspricht ober am nächsten kommt. 3n einer niedrigeren Dei- tragsklasse ist die freiwillige Weiterversicherung für diese Zeit dann zulässig, wenn diese Gehalts­klasse dem Einkommen des Versicherten entspricht.

Es ist nicht ratsam, die Entrichtung freiwilliger Beiträge bis zum lehtzulässigen Zeitpunkt auf­zuschieben. Denn regelmäßig ist nach Eintritt des Versicherungsfalles die Äachentrichtung frei» williger Beiträge unzulässig. Zeder freiwillig Versicherte regele daher möglichst lausend, we­nigstens aber bis zum Schlüsse jeden Kalender­jahres seine Versicherung.

Die zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft ersorderl.chen Beiträge für arbeitsloseVer- sicherte sind nach § 129 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927 während des Bezugs der Hauptunterstühung vom Arbeitsamt in Klasse B zu entrichten. W. Bs.

Daten für Freitag. 3tt. November.

©ottnenaufgang: 7,41 Uhr, Sonnenuntergang: 15,56 Uhr. Quonbaufgang: 18,25 Uhr, Mond- untergang: 11,25 Uhr.

1667: der englische Satiriker .Jonathan Swift in Dublin geboren (gestorben 1745); 1796: der Balladenkomponist Karl Löwe in Löbejün geboren (gestorben 1869); 1817: der Seschichts- fareiber Thodor Mommsen zu Garding in Schleswig geboren (gestorben 19 1835: der amerikanische Humorist Marl®nn in Florida geboren (gestorben 1910).

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,10 bis 2,20; Matte 30 bis 35; Wirsing 12 biS 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 20; rote Rüben 10 biS 20; Spinat 25 bis 40; Unter-Kohlrabi 8 biS 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bi« 60; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 biß 20; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Dirnen 10 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 90 bis 1,20; Aüsse 60 bis 80: Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 1,20; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 20; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bi« 50; Wirsing Zentner 10 bis 12; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 12 bi« 15; Aepfel 20 bi« 35; Dirnen 10 bi« 20; Kartoffeln 4,30 bi« 4,60.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Hauptversammlung, 8.30 Uhr abends, im Hörsaal des Forstinstituts. Gießener Rudergesellschaft 1877: Lichtbildervortrag überRudern, der Sport für alle", 8.30 Uhr, im Großen Hörsaal der Uni­versität. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Marter der Liebe". Astoria-Lichtspiele:Ein Bandit von Ehre".

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Für Freitag, 30. Rov., und für Sonntag, 2. Dez., sind zwei Operettengastspiele des JJranEfurter Reuen Operettentheaters vorgesehen. Am Freitag findet die erste Wiederholung von ..Eine Frau von Format" statt. Diese Operette hat bei der Erstaufführung in Gießen einen Pub.ikumsersolg gehabt. Dre populäre OperetteDie Dollar- Prinzessin" hat eine ungeschwächte Zugkraft beim Theaterpublikum seit ihrem Entstehen. Dieses klassische Operettenstück wird auf vielseitigen Wunsch der Th:aterbesucher nochmals als Frem- denvvrstellung am Sonntag, 2. D^.. gegeben.

Vortrag Paul Rohrbachs im V.D. A. Gießen. Man schreibt uns: Paul Rohrbach ist uns Gießenern ein alter Be- fannter. Wie wenige vr steht er drrch daS leben­dige Wort zur Verantwortung für die Zukunft der Volkheit auszuru en. Er wird diesmal über: »Amerikanismus" sprechen; er wird die Hellen und die dunklen Seiten biS nordamerika­nischen We'ens und seine Wirkung auf dir Welt barlegen; er wird im zweiten Teil seines Vor­trags über den Amerikanismus bei uns spre­chen und Dom Standpunkt itn eres Do'ks'ums aus Au ihm Stellung nehmen. P. Rohrbach zu hören ift nicht nur Genuß, es ist bleibender Gewinn. Der Vortrag findet am morgige i Freitagabend statt. (Räßeres siehe heutige Anzeige.)

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**AbnachBerlin! Gestern abend gegen 9.30 Uhr marschierte die 1. Kompagnie unserer Garnison unter dem Befehl ihres Chefs, Hauptmann von Stackhausen, mit klingendem Spiel von der Kaserne durch das Zentrum der Stadt zum Bahnhof, von wo heu.e früh gegen 3 Uhr die Abfahrt nach Devlin erfolgte. Eine große Menschenmenge gab den Soldaten in flottem Marschtritt das Geleite zum Bahnhof, viele andere Bürger brachten den Truppen in den Marschstraben ihren Gruß dar. DaS ausgezeichnete Verhältnis zwischen Bürger­schaft und Garnison trat bei dieser Gelegen hell wiederum in schönster Weise zutage. Die Kom­pagnie wird bekannttich bis zum 2. März n. 3. der Wachttruppe zu Berlin angeboren.

* Schulpersonalien. Ernannt wurden die Schulamtsanwärter Heinrich D ö p p au« We­nings, Kreis Büdingen, zum Lehrer an der Volks­schule zu Kefenrod, Kreis Büdingen; Karl Roth aus Langsdorf, Krei« Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Durgbracht, Krei« Büdingen; Rudolf Schmalz aus Hungen, K.'eis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Rieder-Mock­stadt, Kreis Düdinaen.

** Unbegründete Anschuldigungen. Dor einiger Zett wurden von einem früher in Gießen wohnenden Metzgermeister Anschuldigun- gen gegen den Hallenmeister Malkomesius vom hiesigen Schlachthof erhoben, der sich nach den Angaben des Metzgers dienstliche Verfehlun­gen habe zuschulden kommen lassen. Um den

Sachverhalt völlig emtixmbfrel zu klären, übergab die Stadtverwaltung die Untersuchung der An­schuldigungen der Staatsanwaltschaft. Runmehr hat die Staatsanwallschaft der Stadtverwaltung die Mitteilung zukommen lassen, daß das Ver­fahren in dieser Sache eingestellt worden ist. Demnach kann man die Vorwürfe gegen den Beamten als unbegründet ansehen.

D ie neuen Mülleimer sind, kaum daß sie einige Zeit ihrem Zwecke bienm, bereit« zu einem beliebicn Ob'ekt diebischer Zeitgenossen geworden. 3n verschiedenen Straßen wurden in den letz'.en Tagen neue Müllgefäße entwendet, neuerdings wieder in der Schulstraße, Ecke Wagengasse, der neue Mülleimer Rr. 1334 und im Wetzlarer Weg der Eimer 439. Personen, die über den Verbleib der Eimer und über die Diebe Angaben machen können, werden ge­beten, sich mit der Kriminalpolizei in Verkün­dung zu sehen.

** Rowdytum in einem Caf6. Wie der Polizeibericht meldet, sind in der letzten Zell in einem hiesigen Cas6 wiederholt Toilettenspiegel ent­wendet und die noch vorhandenen zertrümmert wor­den. Die Spiegel waren aus geschliffenem ©la», hatten einen weißen Rahmen und eine Größe von 40 X 40 cm

** Gin Aushangkasten gestohlen. In der Zeit vom 24. bis 26. November ist in der Bahn­hofstraße der Ausbangkastcn der hiesigen Volksboch. schule mit Gewalt abgemacht und dann fort­geschleppt worden. Der Kasten ist 40 mal 70 Zenti­meter groß, hat gelben Anstrich, ist mit Glasscheibe versehen und trägt die AufschriftVolkshochschule". Die Kriminalpolizei bittet um Mitteilungen, die zur Aufklärung des Diebstahls geeignet sind.

** Dieostahl aus dem Sportplatz. Wie der Polizeibericht heute erst bekanntgibt, ist am 8. Rooember nachmttlagS auf dem Sportplatz de« Männerturnvereins einem Schüler eine silberne Taschenuhr mit der (Hummer 8540 gestohlen toov- den. Angaben über den Verbleib der stlhr wer­den an die Polizei erbeten.

**EinRoller und Kinderwagenwäsche gestohlen. Zn der Senckendergstraße, Ecke Ost­anlage, wurde vorgestern einem 6jährigen Jungen von einem größeren Bengel ein Roller gestohlen. Das Spielzeug hat schwarzlackierten Metallrahmen, gelb­liches Holztrittbrett und ist mit Gummirädern ver­sehen. In der Nacht zum 22. November wurden von einem Kinderwagen, der im Hofe eines Hause» im Leihgesterner Weg stand, zwei Daunenkissen und eine Daunendecke entwendet. Der Ueberzug war weiß (Hohlsaumbezug).

** Auftrieb auf dem heutigen Frank- furter Schlachtvieh markt: 1107 Kälber, 411 Schafe, 389 Schweine.

Kirche und Schule.

Oekanalök-inferenz des Evangelischen Dekanats Gießen.

* Die Konferenz am Dienstag im MnrkuS- saal zu Gießen hatte einen besonderen Charakter dadurch, dgß sie sich an die Dekanatsvifi- tation durch den Oberhirten der Provinz an- schloß. Rach Schriftlesung und Gebet von Pfarrer A u s s e l d begrüßte und eröffnete Dekan Guß- mann die Konferenz. Der Superintendent,Ober* kirchenrat Wagner, Verbreitete sich über die Bedeutung der Dekanatsvisitatton von einst und jetzt und den Wert des Amtes der Dekane. An­erkennung zollte Ar der Dekanatsbibliothek de« Dekanats, dre nunmehr im Pfarrhaus der Luther- gemeinde eine gute Unterkunft gefunden hat.

Rach Besprechung einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten hielt Pfarrer Ausfeld einen Vortrag über das vom Landeskirchrnamt ge­wünschte Thema: Ziel, Stoff und Anord- nungdes Konfirmanden Unterrichts. Der Redner wünscht als Stoff zweites, viertet und fünftes Hauptstück, Psalmen, Gesangbuch­lieder und Beginn mit der Heiligen Taufe; beim ?wetten Hauptstück hämische Kirchengeschichte; den Abschluß bilde B.ichte und heiliges 2ll>enL- mahl. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an den Vortrag an, in der u. a. betont tourSe, daß weder das religiöse, noch das kirchliche Ziel zu einfeitig verfolgt werden dürfe. Ausschlaggebend für die Stoffwahl ist auch, ob der Pfarrer die Kinder noch in der Schule unterrichtet. Viel­fach kann das erste Hauptstück nicht entbehrt werden. Empfohlen wurden von xtoei Setten mehrmalige Prüfungen vor der Gemeinde in der Konfirmandenzett. Wichtig sei auch die An­leitung zu praktischer Bibel- und Gesangbuch­benutzung. Eine einheitliche Ordnung erscheine nicht angebracht, doch die Herausgabe eines hes­sischen Konfirmandenbüchleins, tote es Württem­berg schon besitzt, sei erwünscht.

Eine von Dekan G u ß m a n n vorgelegte Ein­gabe an daS Landesftrchenamt, bett. Heran­ziehung der Konfirmanden zu öffentlicheir Ver­anstaltungen Im letzten Teil ihrer Dorberettungs- zett, sand einmütige Annahme.

Rach einem Schlußwort des Vortragenden schloß die Versammlung.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

*DasAmtsverkündigungsblattNr.85 vom 27. November enthält: Straßensperre. Das 23< .lgen der Blutlaus.- Staatsexamen der Bolts- sck)ulanwärter. Merkbuch über die Verhütung des Stotterns. Ueberweisung der Fortbildungsschuler. Feldbereinigungen Großen-Buseck und Nonnen» roth. Dienstnachrichten.

Berliner- Börse.

Berlin, 29. Äov. (WTD. Funkspruch.) Auch im heutigen Frühverkehr ist die S.immung Wetter günstig. Besondere Anregungen liegen zwar nickt vor. und das Geschäft bewegt sich wieder in sehr ruhigen Bahnen, für Speziatwerte scheint aber weiter Interesse zu bestehen. Man taxiert vor­läufig die geftrigen hohen Frankfurter Abend­kurse. Am Devisenmarkt nennt man: Mark gegen Paris 124,08. Mailand 92,59, Spanien 30,09, oa« Pfund 485,20, und den Dollar 4,1945.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Religlonsgemeiude. Gotte'dienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 1. Dezenwer 1928. Vorabend 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4.40 und 5.20 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 1. Dezember 1928. Freitag abend 4.05 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgong 5.20. Wochengottesdlenst morgens 7; abends 4 Uhr,