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Ur. 281 Erstes Blaff

178. Jahrgang

Donnerstag, 29. November 1928

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein, für den An­zeigenteil Kurt hillmann, sämtlich in (Biegen

Rüsiungsdebatte in der pariser Kammer.

painlevs verieidrgi den französischenHeereseiai.-OieRadikalen f ordernRüstungsbeschränkung.

Reichswehr und Schutzpolizei bedrohen die Sicherheit der französischen Ostgrenze.

Paris, 28. Rov. (WB.) Die Kammer hat die Beratung des Budgets des Kriegsministe- rimnS begonnen. Der Berichterstatter, Abgeord- rreter Boutlloux-Lafont (Radikale Anke), stellte fest, daß der Heereskredit sich auf mehr als 65 Milliarden Franken belaufe, wozu man etwa eine Milliarde Franken hinzurechnen müsse, die dem neuen Luftschisfahrtsministerium überant­wortet würden. Die Effektivbestände des franzö­sischen Heeres betrugen 1912 638 000 Mann, 1913 692 000 Mann, 1914 845 000 Mann. 1928 582 000 Mann und würden 1929 566 000 Mann betragen. Don den durch die Einführung der einjährigen Dienstzeit neu anzuwerbenden 100 000 Mann Be­rufssoldaten sind bis jetzt 83 000 Mann anaewor- ben. Man muh also für diesen 3ti>ed noch wei­tere 320 Millionen Ausgaben voraus sehen. Frank­reich ist auch gezwungen, die Verteidigung feiner Grenzen zu verstärken. Dis jetzt ist in dieser Beziehung beinahe nichts getan worden.

KneßSminister painleve erklärte, man habe Ziffern angeführt, die nicht nur in Frankreich, sondern auch im Auslande eine gewisse Erregung ausgelöst hätten. 3n Wirk­lichkeit würde die Zahl der Streitkräfte des Heeres mit einjähriger Dienstzeit um 130 000 Mann hinter denen des Heeres von 1913 zurückbleiben. Aach Abzug der Ausgaben für das Desatzungs­heer, das von Deutschland bezahlt werde, und nach Abzug der Kosten für die Tlnterhckltung der Kolonialtruppen, die in den früheren Bud­gets nicht unter dem Kriegsbudget aufgeführt worden seien, komme man auf eine Dudgetziffer von 7305 Millionen für 1929. Selbst unter Hinzu­rechnung der Kosten für die Befatzungstruppen käme man bei einem Papiersrankenbudget von 7800 Millionen auf ein Goldfrankenbudget von 1560 Millionen, also 20 Mill, mehr als 1913,

Painlevs betonte, man habe Unrecht, wenn man den ftriegeminifter in Gegensatz zu bringen suche mit dem Außenminister. Er habe sich stets mit dem Auhenminister in voller Uebereinftimmung befunden. Lr habe mit Vriand zufammengearbeitet, als Frankreich in Genf das Friedenvprotokoll vorgefchlagen habe, er habe mit ihm zusammengearbeitet, als er den Locarnopakt unterzeichnete, keine Maß- nahme fei getroffen worden, ohne vollständige Uebereinftimmung beider Minister, (poincars ruft dazwischen:Aller Minister!")

PainlevL erllärt schließlich, es sei notwendig, die neue Grenze zu organisieren. Aoch nichts sei getan worden. Die französische Militär­politik entspreche der Politik von Locarno. Frank­reich wisse, daß seine Ohnmacht eine Ber- suchung darstellen würde. Gewiß werde ein Tag kommen, an dem ein Krieg zwischen zwei euro­päischen Staaten ebenso unwahrscheinlich erschei­nen werde, wie zwischen zwei amerikanischen Staaten. Aber dieser Tag sei noch nicht ge­kommen. Frankreich bewahre seine nationale Ver­teidigung, seine Friedensstruktur. So stelle seine Berteidigung im Frieden einen Damm gegen die Lleberschwemmung dar. Es sei nicht mög­lich, diesen Damm zu zerstören, solange die Lleberschwemmung noch kommen könne.

Abgeordneter D a l a d i e r erklärt bann im Aamen der Radikalen Partei, daß der Aufbau des französischen Heeres nicht den Lehren des Krieges Rechnung trage, wie es deutscherseits geschehe. Dem Einwand, die Mi­litärausgaben zugunsten einer Erhöhung der so­zialen und wirtschaftlichen Ausgaben zu vermin­dern, werde man den Grundsatz entgegenstellen, daß die nationale Sicherheit vorgehe. Gewiß! Aber die Erfahrungen hätten bewiesen, daß die Dichtigkeit des Eisenbahnnetzes, die Tüchtigkeit und Produktionsfähigkeit der Fabriken für die nationale Berteidigung von größter Wichtigkeit seien.

Man stehe am Vorabend schwerer und heikler Verhandlungen. Man möge daran denken, daß Präsident Eoolidge erklärt habe, eine neue Anstrengung Ameri­ka» könnte nur gleichzeitig mit einer neuen Herabsetzung der Rüstungen ins Auge gefaßt werden. Gewiß könne man als Gegenargument die militäri­schen Ausgaben Amerikas anführen. Richls- destoweniger aber fei es wahr, daß Amerika die Regelung der großen Probleme, mit denen man sich beschäftige, gebiete. Beim gegenwär­tigen Stande der internationalen Politik könne Frankreich ohne Gefahr seine Rüstungen herabsehen. Marschall Fach habe sogar erklärt, daß man die Kölner Zone räumen könne.

Man habe den Locarnopakt, den Kelloggpakt und viele andere Pakte abgeschlossen. Entweder bedeu­teten die diplomatischen Verträge nichts oder sie Itützten die Sicherheit Frankreichs nicht, sondern eien nur ein Vorwand für offizielle Reden. In liefern Falle handele es sich um eine recht g e - fährliche Heuchelei, die schließlich die Ent­rüstung der Hintergangenen Volksmassen nach sich ziehen werde. Aber die Regierung selbst habe doch

erklärt, daß die geschloßenen Abmachungen eine Steigerung der Sicherheit bedeuteten. Deshalb glaube er, daß man zusammen mit den anderen, die die heeresreform vorbereitet hätten, und in Zusammenarbeit mit ihnen zu einer Be­schränkung der Rüstungen werde gelangen können.

Oie deutsche Gefahr.

Der Vorsitzende des heeresousschusies der Sam­mer, der Abgeordnete Oberst Fabry (Rep.-dem. Linke) lenkte die Aufmerksamkeit auf die Beachtung der Grenzdeckung während der ersten Sriegs- wochen, damit im Jnlande in aller Sicherheit die fi raffe organisiert werden konnten. Frankreich würde zur Grenzdeckung am Mobilisierungstage 240 000 Mann, eingeteilt in zwanzig Divisionen, bereit haben, denen 140 000 Mann durch die Verträge erlaubteR e i ch s we h r t r u p p e n gegen- übcrstehen würden, zuzüglich 110 000 Mann Schutzpolizei, Streitkräfte, die in Europa

nicht Ihresgleichen hätten, weil jeder Mann Gruppenführer sei oder sogar noch einen höheren Rang bekleide. Diese 250 000 Mann könnten rasch aus 4 0 0 000 Ma an erhöht werden. General von Seeckt habe die Reichswehr so organisiert, daß sie beinahe sofort entscheidende Schläge aus- führen könne, um den Krieg in drei Wochen zu entscheiden. An dem Tage, an dem der deutsche Generalstab sich in der Lage glaube, den Krieg in drei oder vier Wochen zu regeln, würde eine sichere Gefahr vorliegen. Er frage daher, ob es nicht möglich sei, die Anzahl der fran­zösischen Divisionen herabzusehen, sie aber näher an die Grenze;» legen. Die unverzügliche Rheinlandräumung würde er begrüßen, aber ihr mühten gewisse Verhandlungen voraufgehen. So­lange Frankreich im Rheinland stehen werde, werde Deutschland dies nicht zum Schlachtseid machen wollen.

MeEmbemsimgderRepMtioMKmßäMseii.

OieRolle derReparaiionslommission. Englands Antwort ans dieBerlinerNote

London, 29. Rov. (2BIB. Funkspruch.) Ein französischer Korrespondent de»Daily Telegraph" meldet aus Paris zu den Reparafionsverhandlun- gen: Am Dienstag hat der britische Botschafter auf dem Quai d'Orsay formell vorgefchlagen, dah In Zukunft zwecks Erleichterung der Verhandlungen die fünf beteiligten Regierungen England, Frank­reich, Italien, Belgien und Japan den notwendigen Meinungsaustausch untereinander In Pa­ris vornehmen sollten. Kurz gesagt, es wird er­wartet, dah P o i n c a r 6 schliehlich Vorschläge entwirft, die die Ansichten der Mächte ver­körpern und die von jeder der Mächte bei Beant­wortung der deutschen Rote benutzt werden. Die» bedeutet aber nicht, dah eine Kollektlvnofe nach Berlin gesandt wird. Es scheint, dah die bri­tische Regierung keinen Einwand gegen die formelle Ernennung der Sachoer st ändigen durch die Repara­tionskommission erheben würde, vor­ausgesetzt, dah die deutschen Dele­gierten in dem Ausschuh vollkom­men gleichberechtigt sind.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" sagt: Der britische Antwort- enfwurf auf die deutsche Rote vom 30. Oktober ist das Werk Churchills und des Schatz­amtes und nicht des Foreign Office. Ls verlautet, dah die Antwort kurze und direkte Antworten auf die fünf in der deutschen Rote erwähnten Punkte enthält. Sie vermeidet es aber, zu sehr auf Einzel­heiten einzugehen, um dadurch nicht gewissermaßen

geringere Unterschiede zwischen dem britischen und dem deutschen Standpunkt, bzw. zwischen dem deutschen Standpunkt und dem der anderen alliier­ten Regierungen unnötig hervorzuheben, und dadurch eine Verzögerung herbeizuführen. Als Ort der Zusammenkunft der Sachverständigen wird jetzt von Parker Gilbert und den anderen Persön­lichkeiten Paris bevorzugt. Es wird gehofft, dah die Meinungsverschiedenheiten wegen der von der Reparationskommission zu spielenden Rolle unverzüglich erledigt werden können, da sie mehr technischer Art und nicht von wesent­licher Bedeutung ist.

Meinungsverschiedenheiten.

P a r i s, 29. Rod. (WTD Funkfpruch.) Pariser Morgenblätter charakterisieren den Entwurf der Antwortnote, den die englische Regierung in der Frage des Zusammentritts der Sachverständigen- konferenz der französischen Regierung hat übermitteln lassen. Sie meinen, dah es sich mehr um eine Auszählung der Punkte handele, in denen London und Paris nicht einig seien. So behauptet dasEcho de Paris", die Sfische Regierung habe dem Quai d'Orsay ein-

ein. E^poss darüber überreicht, nach welchen ichtspunkten die Antwort an Deutschland er­teilt werden könnte. Es sei jedoch nicht allzu kühn, zu behaupten, daß zwischen dem englischen und dem französischen Standpunkt bedeutende Verschiedenheiten bestanden. Erst wenn diese Meinungsverschiedenheiten be" gelegt seien, werde die Antwort an Deutschland erteilt wer­den können.

Aexe SeiniihiiiWn um eine Menverständigung.

Schon nach dem Scheitern der Genfer Ab­rüstungskonferenz schien es ziemlich aussichtslos, zwischen den Bereinigten Staaten und England eine Verständigung über eine Rüstungs­beschränkung zur See herbeizuführen. Wenn den­noch vielleicht irgendwelche Möglichkeiten vor­handen waren, beide Rationen später einmal an den grünen Tisch zu bringen, so sind sie endgültig durch das Dekanntwerden des englisch-französi­schen Flottenkompromisses zunichte ge­macht worden. Das hat denn auch zu einem Vorprellen der Washingtoner Regierung in der Richtung der Schaffung einer riesigen Kriegsflotte geführt, wie sie die Welt noch niemals gesehen hat. Das bereits vorliegende Flottenprogramm ist aber dem amerikanischen Parlament noch nicht vorgelegt worden weil man sich augenblicklich darüber streitet, ob es nicht zweckmäßiger sei, zuerst an die Ratifizie­rung des Kelloggpaktes heranzugehen. Die Befürworter einer starken amerikanischen Marine fürchten aber, daß dann das allgemeine Interesse an Ler Flo .enaufrustung re t?ren gehen und vielleicht ein Teil des Flottenprvgramms ins Wasser fallen könnte.

In diesem Augenblick hat nun der Vorsitzende des Marineauöschus.es des Repräsentantenhauses, Admiral Britten, dem englischen Minister­präsidenten Baldwin den Vorschlag gemacht, dafür einzulreten. dah sich Mitglieder des Unter­hauses mit Angehörigen des Repräsentanten­hauses trä,en, damit die Parlamentarier denWegzueinerVerständigung ebnen können. Die amerikanische Presse ist über diesen Schritt Drittens sehr ungehalten, ihm wird vor­geworfen, dah er sich über die Regierung hinweg mit einer auswärtigen Ration in Verbindung gesetzt und somit gegen das Gesetz ver­stoßen habe. Dritten hat aber sicherlich vorher mit Washington Fühlung genommen, so daß man wohl annehmen darf, dah die Regierung der

Vereinigten Staaten jetzt noch einmal einen letzten Versuch unternimmt, um die Eng­länder dazu zu bringen, sich mit ihnen zu ver- ftänfrigen,

Oie Aktion Brittens.

Bon der komischen Seite genommen.

London, 29. Rod. (WTD.-Funlspruch.) Der liberale Abgeordnete Kenworthy wird am Mon­tag im äln.el.haus den Premierminister fragen, welche Antwort er auf das Telegramm des Vorsitzenden des amerilanischen Ma.iaeausschus- ses, Admiral Dritten, erteilen werde, der, wie bekannt, eine Zusammenkunft des von ihm geleiteten Ausschusses und eines Ausschusses des englischen äln.erhuuses zur Erörterung der Frage der Seerüstungen angeregt hat. Der Washingtoner Berichterstatter der Times" meldet: Dei den amtlichen Stellen Washingtons hat die Anregung Drittens Ver­blüffung hervorgerufen. Den Presseverlre- tetn gegenüber wurde es in gereiztem Tone abgelehnt, sich über diesen Vorschlag zu äußern. Der Derichterstatter weist daraus hin, daß es nach dem Strafgesetz eine Strafbare Hand­lung ist. ohne Ermächtigung der Re­gierung direkt oder indirekt mit anderen Regierungen oder fon,Ilgen am lichen S.el- len in Verbindung zu Ire en, um die auswärtige Politik einer fremden Regierung zu beeinflussen. Der Derichterstatter schlieht, der Vorschlag Brft- tens werde zwar nicht von Eoolidge, Kellogg und den Marinebehörden, aber sonst allgemein von der komischen Seite genommen werden.

Pazifismus und Wehrhastigkeit.

Neichswehrminister Grocner über die Zukunft von Heer und Marine.

Berlin, 28. Rov. (Privatmeldung.) 2n der Deutschen Gesellschaft hielt Reichswehrminister (Sroencr einen Vortrag, den er mit einem Rück­blick auf die Kämpfe um den Panzerkreuzer einleitete. Die Gegner des Panzerkreuzerbaues seien mit ihren Gründen zu sehr an der Ober­fläche geblieben. Wenn einer der Artikelschreiber den Sah prägte:Die Lebensinteressen des Rei­ches lassen sich durch ein paar Panzerkreuzer nicht verteidigen," so könne er darauf nur er­widern, dah daran auch niemand denke, daß es sich vielmehr nur um eine Verstärkung der Landmacht handeln könne. Jedenfalls fei der neue Panzerkreuzertyp eine hervorragende Leistung. Er könne mit keinem anderen zur Zeit aus dem Meere schwimmenden Kreuzer verglichen werden. Ausgezeichnet fei d ie Disziplin bei der Marine, die aus freiem Geist und freiem Willen geboren werde, ebenso das harmo­nische Verhältnis zwischen Heer und Marine, wie man es in Friedenszeiten nicht gekannt habe. Der Minister beschäftigte sich dann mit unserer Reichswehr, für deren Ausbau man noch heute dem ersten Reichspräsiden­ten Ebert dankbar sein müsse, der damals nach der Revolution das sogenannteVolksheer" a b g e l e h n t habe.

Der Minister verweilte einige Zeit bei den Waffengattungen, die durch den Weltkrieg eine ge­waltige Vermehrung erfahren haben: Flugzeuge, Kampfwagen, Gas usw. Von dem sog. chemischen Krieg halte er nicht viel, er bestehe nach seiner Ansicht mehr in der Literatur. Welche Stellung der L u f t k a m p f in der Strategie einnehmen werde, sei noch unklar. Zum Schluß seiner Ausführungen betonte der Minister nachdrücklich, daß er auf dem Boden eines gefunden Pazifis­mus stehe, der auf dem Wehrwillen und der Wehrhaftigkeit basiere, wahrend der ungesunde Pazifismus im Unterwer­fungswillen und Wehrlosigkeit be­stehe. Dieser ungesunde Pazifismus mußte zum ideellen Landesverrat führen, der in den Folgeerscheinungen sehr viel schlimmer fei, als der materielle Landesverrat. Ebenso wie vor dem un­gesunden Pazifismus muffe er auch vor dem Illu­sionismus warnen, der auf der U e b e r f d) ä t - zung der ideellen Kräfte beruhe. Die Ein- drücke, die der Minister auf feinen mehrfachen Truppeninfpektionen gewannen habe, ließen sich dahin zufammenfaffen, daß die guten Eigenschaften der alten Armee noch gesteigert seien. Trotzdem könne man nicht sagen, daß die Reichswehr ein be­drohliches Kriegsinftrument und eine Modellarmee der Welt fei. Diese müsse anders aussehen.

Industriespionage

und Rheinlandbesetzung.

Das Wirken der franzöfifchen (Geheimpolizei

WSR. B e r l i n , 28. Rov. Die Deutsche Volks­partei hat eine Interpellation im Reichstag eingebracht, in der es heißt:

In einem bei dem Landgericht Frankenthal schwebenden Strafverfahren ist durch das über­einstimmende Geständnis zweier der Angeschul- digten ermittelt worden, daß Beamte der S ü r e t e (der geheimen französischen Polizei im besetzten Gebiet) dauernd bemüht sind, von wichtige n chemischen Verf a hren , mit denen die I.-G.-Farbenindustrie A.-G. und deren Unternehmungen zur Zeit sich beschäftigen, ein» ge hend Kenntnis zu erlangen. Es be­steht für diese Industriespionage ein besan­derer Dienst, dessen Leiter mit den mili­tärischen und anderen Dienststellen des französi­schen Desatzungsheeres in Verbindung steht. Die 'Beamten der öürete versuchen sich an die Be­amten und Angestellten derjenigen Werke, gegen die sich die Industriespionage richtet, her­anzumachen. Die Spionage erstreckt sich in der Hauptsache auf die besonders wichtige neuartige Entwickelung auf dem Gebiete des Kohlenverflüssigungsverfahrens und des Hochdruckverfahrens. Es ist bekannt, welch außerordentlich wichtiger Wert für die deutsche Volkswirtschaft gerade in dieser neuesten wissenschaftlich-technischen Arbeit der deutschen chemischen Industrie ruht. Wenn also die franzö­sische Regierung erklärt, die Besetzung des Rheinlandes diene ihr nur als ein Pfand für die Erfüllung des Dawesplanes, so beweist das Verhaften derSürete" in diesem Falle, dah im Rheinland weit darüber hinaus- gegangen und die Machtstellung dort dazu benutzt wird, um der deutschen Wirt­schaft schwerste und dauernde Schä­den zuzufügen. Was gedenkt die Reichs­regierung zu tun, um an maßgebender Stelle dahin zu wirken, daß eine weitere Fortsetzung der von den Desatzungsbehörden im besetzten Gebiet ausgeübten Spionage alsbald unter­bunden wird?"

Oer Fehlbetrag im Reichshaushalt.

Berlin, 29. Rov. (Priv.°Tel.) Rach einer Meldung der ,D. Z." macht das Gleichgewicht für den kommenden Reichsyaustzalt noch immer einige Sorgen, obwohl es inzwischen dem Reichs- sinanzminister durch Abstriche gelungen sei. den rechnungsmäßigen Mehrbetrag b.r Ausgaben ron 600 Millionen Mark auf fast 3 0 0 Mil­li o n e n M a r k Herabzudrücke n.T tefer Be­trag jedoch könne nur durch Steuer er Hö­hungen aufgebracht werden. Hier fei vornehm-