Ausgabe 
29.10.1928
 
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der die Sünder zu Provinzen eine- zenttalisti- r sehen 'Reiches herabdrücken würde. Wenn man | Deutschland außenpotttisch nutjen wolle, so sei es > notwendig, einen einheitlichen nativ- | nölen Willen unter starker Führung zu lassen. Es sei nicht zu vergessen, daß das Problem Preußen unb Reich ernst sei. ^Dieses Problem zu lösen, sei nicht Sache der süddeut­schen Länder, die dadurch erst berührt würden, wenn durch die Lösung eine Kraftver- s ch i e l, u n g im Reich eintrete, die sie in ihren Rechten schmälern würde. Er sei überzeugt, datz nicht nur die süddeutschen Länder, sondern auch die nord- und mitteldeutschen Einzelstaaten mit eigenem Staatsbewuhtsein sich jedem Versuch einer Lösung über den Kopf der Länder h-inweg durch Beschlüsse des Deichsrates und Reichs­tages, mit denen man heute schon drohe, ent­gegenstellen würden. Es sei die Stärke D ntsch- lands, daß wir heute eine ganze Rei tz von deutschen Kulturzentren haben, die dura- ihre Eigenheit zum Ganzen trieben. Die Mängel der Weimarer Verfassung müßten auf der Grund­lage dieser Dersassung behoben werden. Diese Deuordnung müsse es auch Oesterreichs möglich machen, mit den übrigen deutschen Brüdern in einer einheitlichen deutschen Stoatsorganisa.ion zusammenzukommen. Wer ein größeres Deutsch­land wolle, könne eine zentralistische Entwicklung nicht -mitmachen.

Aussichten für die Reichsreform.

Der Reichsinnenminister über dasErgebnis der Länderkonferenz.

Berlin, 29.Olt. (Priv.-Del.) Ein Mitarbei­ter desVorwärts" hatte mit dem Reichsinnen- Minister Severing eine Unterredung über die Ergebnisse der letzten Reichsreform­konferenz. Der Minister erk.ärle, die in den letzten Iahren gepflogenen Erörterungen hätten manches Mißverständnis beseickgt und die strei­tenden Gruppen einandernähergebracht. Die Arbeiten der Länderkonferenz und ihrer Organe hätten die älnhaltbarkeit des jetzigen Zustandes so überzeugend nach­gewiesen, daß sie auf die Oeffentlichkeit und auf die polirischen Parteien nicht ohne Wirkung blei­ben würben, und diese Wirkung könne nur in einer Ausdehnung und Stärkung der Front der Freunde des Einheitsstaates bestehen. Trotz der versöhnlichen Verhandlungssormen, die die letzte Konferenz auszeichneten, sind die sachlichen Gegensätze noch sehr groß. Die Zu­sammensetzung der Ausschüsse, die elwa zur Halste aus Vertretern des Reichs und zur Hälfte aus Vertretern der Länder bestehen, läßt einstweilen nur unzulängliche K o m p ro m i ß Vor­schläge erwarten, die bestenfalls eine ideelle Annäherung ausdrücken, aber noch keine ma­terielle älebereinstimmung ergeben werden. Im­merhin ist zu erwarten, daß die Ausschüsse die Möglichkeiten der Lösung konkreter ins Auge fassen und den zuständigen Stellen die Wege zur Reform deutlicher als bisher begutachten werden. Zu einer parlamentarischen Behandlung sind die Deformfragen aber noch nicht reif.

3d) bin überzeugt, fuhr der Minister fort dah neben den Arbeiten der Unterausschüsse die nächsten zwei 3ahre deutscher Finanz- Misere und die Vorbereitungen zum endgüt- tigen Finanzausgleich uns ein gute» Stück aus dem Wege einer wirklichen Reform Vorwärtstreiben. Die größte Schwierigkeit liegt darin, im Horben Deutschlands den neuen Typ von Ländern zu finden, die Preußen ablösen sollen. Preußen kann unmöglich seiner Zerschlagung zustimmen, ohne die Garantien zu schaffen, dah die neuen Länder oder da» Reich die bisherigen festen Bande, die nicht nur Preu­ßen. sondern auch das Reich zusammengehalten haben, ungeschmälert bestehen bleiben. Preußen aber kann auch in keine Regelung ein- willigen, die darauf hinausläuft im Süden alles beim alten zubelassen und nur aus den preußischen Provinzen Reichsländer zu machen.

Auf die Frage, ob das Anschlußproblem eine Rolle gespielt hat, sagte der Minister: Ich glaube, es gibt keinen Konferenzteilnehmer, der nicht auch O e st e r - reich bei Umbau des Reichsgebäudes sofort einbe­ziehen würde. Aber abgesehen davon, daß die In­struktionen an die Länderkonferenz und ihre Unter­ausschüsse eine Einbeziehung dieses Fragenkomplexes nicht zulassen, wäre es nach den Erfahrungen der letzten Monate auch politisch nicht gerade zweck­mäßig, in einem offiziösen Organ Wünsche zu dis­kutieren. die einstweilen doch keine Erfüllung form» gen können. Der deutsch-östereichische Anschluß kann, wie die Dinge heute liegen, praktisch am besten dadurch betrieben werden, daß wir in der An­gleichung von Verwaltungsgebieten nicht bei der Justiz stehen bleiben.

Haupiausschußtagung -es V. Ö. A.

Der Verein für das Deutschtum im Ausland in Kaffci.

WSD. Kassel. 26. Olt. Unter zahlreicher Beteiligung der Vertreter des Hauptvorstandes, der Landesverbände und verschiedener Grenz» und Auslandgebrete fand in Kassel die Haupt- ausschuhsihung des V. D. A. statt. Oberbürger­meister Dr. L u k a s ch e k (Hindenburg) erstattete Bericht über die Lage in Oberschlesien diesseits und jenseits der Grenze. Er hob hervor, daß, obwohl zunächst 47 000 Kinder in Ostober­schlesien zur deutschen Schule anaemeldet worden waren, Polen durch besondere Maßnahmen diese Schulen jetzt auf 22 000 herabgedrückt habe. Die deutschen Katholiken Ostoberschlcsiens stöhnten unter dem schweren Druck. Das deutsche Kapital werde aus der Industrie mit Hilfe ausländischen Kapitals herausgedrängt. In dem westpolnischen Gebiet hänge seit Abschaffung der Unabsetzbar- keit der Richter durch Pilsudski als Damokles­schwert die völlige Rechtlosigkeit und juristische Willkür über den Deutschen, die auch in der Wirtschaft systematisch zurückgesetzt werden. Immer unhaltbarer würden die Verhält­nisse im Schulwesen. 30 v. H aller deutschen Kinder in Posen, 46 v. H. in Po-merellen genießen keinen deutschen Unterricht. Senator Strunk (Danzig) ergänzte die Ausführungen Dr. Luka- scheks und wies auf die Bedrohung der Wirt- schaftsstelluna DanzigS hin. Dr. R o h r b a ch überbrachte die Grüße der Deutschen Akademie.

Weiter wurde im Laufe der Verhandlungen die Lage in Eupen-MalmedH einer Be­sprechung unterzogen.

Der geschäftsführende Vorsitzende, General a. D. Seebohm, erstattete dann den Geschäftsbericht. Die Werbewochen hätten sich als ständige Einrichtungen bewährt. Das finanzielle Ziel des Voranschlages werde erreicht werden. Die wich­tigste Frage sei die der Gewinnung des schulentlassenen Nachwuchses. Der Redner wie« auf den Iugendaustausch. die Wanderfahrten in die betreuten Gebiete den Aus- bau der akademischen Ortsgruppen, Stipendien­verleihungen, den Lehrmittelversand an ausländische Schulen und die Ausbildung und Versorgung der Auslandlehrer in Zusammen­arbeit mit allen berufenen staatlichen und pri­vaten Stellen hin. Der Dücherversand ins Ausland ist sachgemäß auszugestalten. Etwa 35 000 Bücher wurden allein von der Hauptstelle aus verschickt. Das auslanddeutfche Turn- und Sportwesen soll allmählich durch den Verein und durch Fachberater einheit­lich zusammengefaßt werden.

Am Vorabend waren die Delegierten des Hauptausschusses des V.D.A. zu einem Bei- sammensein von der Stadt Kassel ringelnden, an dem auch OberpräsidentDr. Schwän­de r teilnahm. Oberbürgermeister Dr. Stad­ler betonte bei dieser Gelegenheit, daß die Av- beit des V.D.A. geeignet sei. in unserer Zeit der Zerrissenheit und schwerer Rot, bas Ge­fühl der Zusammengehörigkeit aller Deutschen über die Grenzen dos verkleinerten Vaterlandes hinaus zu stärken. Oberpräsident Dr. Schwander führte u. a. aus, daß es gelte, mit allen Kräften gemeinsam zu arbeiten und alle Kräfte einzuseyen. um einen neuen Staat des deutschen Volkes in der deutschen Republik aufzubauen. Der Vorsitzende des V.D.Ll. Fhr. Von dem Busche antwortete, daß der V.D.A. alle Deutschen in der Welt kulturell zusammen führen und den Dsutschen da draußen, die in schwerem Kampf stehen, nach besten Kräften helfen wolle. Er gedachte rüh­mend des Reichspräsidenten v. Hin­denburg, der immer wieder die Deutschen zur Einigkeit ermahne.

Um die Erhaltung der Technischen Nothilfe.

Berlin, 27.Okt. (DDZ.) Im Reichstag ist ein Antrag derDeutschnationalen rin- gegangen, der die Reichsregierung ausfordert, zu veranlassen, daß auch in den Haushalt des kom­menden Etatsjahres bei dem entsprechenden Ka­pitol für Zwecke der Technischen Rothilfe ein Betrag in der bisherigen Höhe ein­gestellt werde. Bekanntlich trägt sich das Reichs­innenministerium mit der Absicht, die Mittel für die für die Inganghaltung lebenswichtiger Be­triebe unserer nationalen Volkswirtschaft während sozialer Kämpfe, Naturkatastrophen usw. sich als dringend notwendig und sehr segensreicherwiesen« Technische Aothilse zu streichen.

Oer Arbeitskonflikt in der nordwestdeutschen Metallindustrie.

Essen, 28.Okt. (WTB.) In einer Delegier­tenkonferenz des Christlichen Metallar- beiterverbandeS kam man nach eingehen­der Stellungnahme zu dem Entschluß, den Schiedsspruch für die nordwestdeutsche Eisen­industrie anzunehmen. Der Beschluß wurde mit großer Mehrheit gefaßt. Auch der Deutsche Metallarbeiter-Verband nahm in einer Delegiertenkonferenz den Schieds­spruch an. Die Gewerkschaften Werder, jetzt die Verbindlichkeitserktärung beim Reichs- arbeitsminrsterium beantragen.

Frankreichs Forderungen.

Eine Rede PoincarsS.

Paris, 28. Ott. (WB.) Ministerpräsident P o i n c a r 6 hat in Eaen und älmgegend In­stitute, die der Förderung der Hygi-ene und der Gesundheitspflege dienen, besucht und mittags einem Bankett beigewohnt. Pomacre hielt eine Rede, in der er zu der Kriegsschulden­frage erklärte, daß die Ratifizierung der Schul­denabkommen mit England und Amerika habe vermieden werdm können dank der Erfüll- lung desDawesplanes durch Deutschland, dessen Zahlungen trotz nicht erfolgter Ratifizie­rung, die Zahlungen Frankreichs an England und Amerika ermöglichten. Eine Andeutung zur be­vorstehenden Ratifikation dieser Abkommen hat PoincarH nicht gemacht. Zur Reparations - frage erklärte Poincarö: Ich habe in Chamböry gesagt und ich wiederhole eS wieder daß wir für unser Teil nichts anderes wünschen, als die loyale Erfüllung der Verträge und diplomatischen Abkommen. Bei jeder Verhandlung, deren Gegenstand unser Gut­haben bei Deutschland darstellt, haben wir weder das Recht, unsere Pfänder blindlings aufzugeben, noch das Recht, eine Kombination anzunehmen, die nicht die Wirkung hätte, uns neben der Mög- lichkrit, restlos unsere eigenen Schulden zu bezahlen, einege recht «Entschädigung zu gewährleisten. Das ist die Stellung, die wir beibehalten werden. Die angekündigten Verhand­lungen, die. wie ich hoffe, baldigst eingöleitet werden, verlangen von uns neben dem aufrich­tigen Wunsch, uns mit allen Interessierten und brionders mit unseren ehemaligen Alliierten zu verständigen, scharfe und unablässige Aufmerksamkeit, besonders des Quai d'Or­say und des Finanzministers. Riemals wird die Regierung es nötiget haben, sich auf eine starke, vertrauende, treu ergebene Mehrheit zu stützen, niemals bedarf sie mehr der Sicherheit, klar im Ramen des Landes und seiner erwählten Ver­treter sprechen zu können. Die Kammer muß uns bald Mitteilen, ob sie der Ansicht ist. daß wir ihrer Unter st ützung sicher sind.

Sechs Fahre Faszismus.

Eine Botschaft Mussolinis.

9t o m , 28. Oktober. (WB.) Aus Anlaß der sechsten Wiederkehr des Jahrestages des M a r f ch e s auf Rom richtete Mussolini an die Faszisten eine Kund­gebung, in der er u. a. ouskührte: Das sechste Jahr der faschistischen Revolution schließt mit einem eindrucks­vollen Aktioum. Es werden 802 öffentliche Werke eingeweiht werden, um das große Unternehmen zu feiern, das das italienische Volk im Oktober 1922 befreite und ein neues Regime schuf. Nach einer

Aufzählung dieser Werke erinnert Mussolini an drei Ereignisse des verflossenen Jahres: die Wäh­rungsreform, das Gesetz des f a f ch i st i f ch e n Großen Rates und die unbeschränkte Urbar­machung des Landes. Dos Regime werde seine Grundlagen immer breiter machen, so daß man schließlich erkennen werde, daß unter dem Zeichen des Liktorenbündels das ganze italienische Volk seine politischen und gewerkschaftlichen Formationen in verantwortungsbewußter Disziplin zusammenschließe.

Schweizer Wahlen.

Bern, 29. Okt. (WTB.) Die Wahlen zum Schweizerischen Rattonalrat sind im ganzen Lande, fotorir bisher bekannt, ruhig verlaufen. Die Wahlbetri igung war gegenüber den . letzten Wahlen eher etwas stärker. Sie betrug in den größeren Städten durchschnittlich 70 bis 75 Proz. Größere Verschiebungen der Parteien haben sich nicht ergeben. Dagegen sind bei den Ständerats- wohlen, die gleichzeitig mit den Äattonalrats- wahlen in 14 von 25 Kantonen vorgenommen wurden, in der Partrigruppierung einige wesent­liche Aenderungen zu verzeichnen. Sv verloren x D. bei der Dolkswahl zum Ständerat in Bern die Sozialdemokraten ihre zwei bisherigen Vertreter. Die 44 Mitglieder dieses Rates ge­hören jetzt nur noch den bürgerlichen Parteien an. Ebenfalls wurde inGenf der sozialdemokra­tische Ständerat nicht mehr gewählt. Im abtreten- den Rationalrat besaßen die Parteien folgende Verireterzailen: Freisinnig-Demolrattsche Partei 59, Sozialdemokraten 49, Katho isch« Dolkspartet 42, Dauern-, Gewerbe- und Bürterpartei 31, Liberal-Demokratische Partei 7, Sozialpoliliker 5, Kommunisten 3, Parteilose 2.

Aus aller West.

Die Raubmörder Heidger auch in Gießen gewesen.

Frankfurt a. M.. 27. Oft. Aus der Ver- nehmung Karl Lindemanns geht hervor, daß er und Die Brüder Heidger nach der Erschießung eines Beamten ein unstetes Leben führten. Von Essen flohen sie mit der Straßenbahn nach Bochum, zu Fuß nach Wetter und von da mit der Bahn nach Gießen. Dort haben sie in der Rächt in einer Gartenlaube geschlafen. Von da aus sind sie nach Frankfurt gefahren. Drei Wochen lang haben sie in Schrebergärten in der Umgebung von Frankfurt übernachtet. Am Tage sind sie durch die Stadt gebummelt und haben auch mal Kinos aufgesucht. In Frankfurt hat Lindemann seine Genossen verloren, weil er eines Abends einen Bummel machte, der 800 Mark kostete. Es war für den Fall einer unvorhergesehenen Trennung vereinbart, sich in München wieder zu treffen. Rach 14 Tagen haben sich dann auch die drei Verbrecher in München wieder getroffen, wo sie dann drei Wochen in einer Pension gewohnt haben.

Sie mieteten sich bann unter falschem Namen in Seehausen am Staffelsee ein und verblieben dort bis zum 19. Juli. Sie vertrieben sich die Zeit, wie Lindemann angibt, mit Gebirgstouren, Paddeln und Tanz. Am 23.Juli erklätten sie, sie müßten nach Haufe zurückkehren, da sich ihre Eltern um f i e sorgten. Sie fuhren auch in einer Kraftdroschke weg. Ob sie München damals wirklich verlassen haben, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls waren sie am 29. August wieder in München, wo sie auf der Polizeidircktion halb­fertige Passe, Paßformulare und Stempel stahlen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die drei auch bei den elf schweren Einbrüchen in der Zeit vom 31 August bis Mitte September in Bogenhaufen und vor allem in Schwabing in Erdgeschoßwoh- nungen als Täter in Frage kommen.

Wie dieKöln. Zta." berichtet, hat der Raub­mörder Iohann Heidger noch kurz vor seinem Tode durchaus deutliche Auskünfte ge­geben. Rach seinen Aussagen verlief die Flucht in der Rächt zum Dienstag wie folgt: Rach dem Ue&erflcttern der Gartenmauer turnte der Mör­der an einem Regenrohr in die Höhe bis auf das Dach eines Rachbarhauses. Dort legte er sich in die Dachrinne, de sehr breit und ziemlich tief ist. Daher konnten die suchenden Spiegel der Feuerwehrschrinwerfer ihn nicht fin­den. Don feinem ho'ten Deobachtungspunlt aus konnte Heidger al e Bemühungen der Polizei genau übersehen, und sah auch das Publikum den ganzen Tag Über rings um den Dillenblock ziehen.

Am Dienstagabend stieg Heidger auf das benach­barte Dach der Colonia-Dersicherung und klemmte sich dort hinter einenSchornstein. So blieb er hocken bis Mittwochabend. Dann glitt er herun­ter zur Dachrinne und schlich auf dieser bis z u m geöffneten Fenster des Fremdenzimmers im Hause des Generaldirektors Dr. Derlei. Entsetz­licher Durst quälte ihn mehr noch als Hunger. Vom Durst gepeinigt hielt er das Dienstmädchen an, das am Donnerstagmorgen heraufkam. Er verlangte Wasser und streckte dem Mädchen gleichzeitig die Pistole entgegen, Ruhe heischend. Die Brieftasche des Heidger mit 4000 Mark Raubgeldern ist noch nicht gefunden. Der Koffer, in dem sich das Geld befand, war geöffnet, als man ihn im Gebüsch ent­deckte. Wahrscheinlich hat ein Finder aus dem großen Zuschauerkreise in jener Belagerungsnacht das Geld an sich genommen.

Verbandstag des Reichsverbandes deutscher Post- unb Telegraphenbeamlen.

In Anwesenheit von fast 200 Delegierten aus allen Teilen des Reiches sowie von Vertretern aus dem Saargebiet, der Danziger und der österreichi­schen Beamtenschaft nahm am Sonntag in Berlin der 17. Derbandstag des Reichsoerbandes Deutscher Posd und Telegraphenbeamten feinen Anfang. Der Verbandsvorsitzende Kugler brachte zum Aus­druck, daß der Organisation zur Zeit über 150 000 Mitglieder angehören und daß man in Verhand­lungen mit der Reichsregierung zu erreichen strebe, die Härten, die sich bei der Neuregelung d e r Besoldung ergeben haben, zu beseitigen. Die Beamtenschaft wolle sich aber dagegen wehren, zum Objekt patteipolitischer Bestrebungen gemacht zu werden. Sie würde vielmehr ihre berechtigten For­derungen durch einiges Zusammenstehen in ihrer berufenen Organisation und unter Führung des Deutschen Beamtenbundes zu erreichen suchen.

Sturmfafjrt derDerengaria".

Der PassagierdampserDerengaria" traf mit zwölf stündiger Verspätung, die auf die am Mon­tag und Dienstag auf dem Ozean herrschenden schweren Stürme zurückzuführen ist, in Reuyork ein. Die Reis« war so schlimm, daß

einige Passagiere währmd der ganzen Äe^erfayri in den Kabinen geblieben Warrn. Renn dicke Fensterscheiben auf d:m Promenad.ndeck wurden durch eine Welle eingedrückt. Eine andere Welle zerbrach die Lule des Gepäckraumes, doch wurde infolge sofort vorgenommener Ausbesserungen nur geringer Schaden an den Gepäckstücken ange­richtet.

Der falsche Aekherwellen-Professor und Iuwelendieb.

Der im Berliner Eden-Hotel verhaftete junge Russe D j o u n k o w s k i, der im Auftrag der bel­gischen Kriminalpolizei festgenommen worden ist. weil er in Brüssel einen raffinierten Einbruch in ein Iuweliergeschäft gemacht hat, bei dem er Iuwelen im Werte von ung^ähr drei Millionen Framen erbeutete, wird voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche an die belgischen Behörden ausgeliefert werden. Dsounlowfti hat ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Er ist niemand geringeres als der Sohn eines früheren russischen Innenministers, der nach­dem er aus Rußland geflohen war, fast aus­schließlich von Betrügereien und Schwindeleien sein Dasein fristet«. In Berlin, wo er sich die letzte Zett aufhielt, hat er zudem noch als Er­finder der Aetherwellenmufik debütbert, weswegen ihn allerdings der wirkliche Erfinder, der Qeningrader Prvfeschr Theremin, wegen Be­truges angezeigt hat.

Beschießung eines Schmugglerautos.

In der Rähe von Aachen an der Forster Kirche wurde ein Personenkraftwagen von Zollbeamten angerufen. Als der Wagen nicht hielt, vielmehr mit erhöhter Schnel­ligkeit weiterfuhr schossen die Beamten auf den Führer, trafen aber dabei ein neben ihm sitzendes Mädchen, das einen le­bensgefährlichen Bauchschuß und einen Knie- schuß erhielt. Im Auto befanden sich Pakete mit geschmuggelten Waren. Das Mädchen war vom Fahrer zur Mitfahrt eingeladen worden und hatte keine Ahnung, daß bei dieser Fahrt Schmuggelwaren befördert wurden.

Schweres Automobilunglück.

In der Rahe des hart an der mecklenburgischen Grenze in der Priegnih gelegenen Gutes Gerdshagen ereignete sich ein schweres Auto, Unglück. Es handelt sich um einen Berliner Kraft­wagen, in dem sich die Berliner Künstler Frau Wilma H a r m i n g und Werner P i 11 s ch a u befanden. Die beiden Insassen fanden den Tob. Der Wagen geriet bei einer Geschwindig­keit von 80 bis 90 Kilometer, etwa zwei Kilometer von Meyenburg entfernt, inS Schleudern und sauste gegen eirleN Baum. Die Insassen wurden aus dem Auto herausgeschleudert. Der Arzt konnte nur noch den infolge schwerer Schädelbrüche eingettetenen Tod feststellen.

Radioecho im TBelfcnraum.

Der norwegische Prof. Stürmer stellte einige außerordentlich interessante Radioversuche an, die das Ergebnis hatten, daß in den Weltenraurp hin- ausgefunfte Radiosignale nach einem Zeitraum von drei bis zwölf Minuten von einem Punkt, der weit außerhalb der Mondentfernung liegt, au f die Erde zurückgeworfen wurden. Die Entfer­nung des Punktes, von dem das Echo aus in den Weltenraum zurückkehtte, kann ausgerechnet wer­den, denn man weiß, daß die Radiowelle eine Ge­schwindigkeit von 300 000 Kilometer in der Sekunde entwickelt.

Oie Wetterlage.________

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Sonntaa, Okt. 1928,:

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Lröettervv. Aussage.

Bon Nordwesten rückt eine neue Störung heran, deren Warmluftstaffel über den britischen Inseln ein ausgedehntes Regengebiet mit sich führt. Später er­folgt kräftiger Luftdruckanstieg von Südwesten her, so daß West- und Mitteleuropa im Bereich höhere« Drucks liegen. Sehr wahrscheinlich durfte sein Einfluß vorherrschend sein und das neue Schlechtwettertzebi« in unserem Bezirk nur Bewölkung und verernze« Niederschläge bringen, sich aber stärker in dem nord» liehen Deutschland und dem Küstengebiet bemertbai machen. Die Temperaturen werden besonders nach« bei stärkerem Aufklaren mehr als seither zurückgehen..

Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig mit Aufheiterung, noch etwas frischer, nach« stellenweise Gefahr leichten Bodenfrostes, meist trocken.

Witterungsaussichten für Mittwo<^: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 28. Oktober: mittags 13 ®rfl2> Celsius, abends 10,4 Grad Celsius, am 29. Dttober morgens 7,4 Grad Celsius. Maximum 14,5 @ra3 Celsius, Minimum 7,1 Grad Celsius. - Erdtemper» turen am 28. Oktober: abends 10,9 Grad Telsius: <M 29. Oktober: morgens 9,5 Grad Celsius. Riedes ichlaa 0,4 Millimeter. Sonnenscheindauer drs, Viertelstunde n.

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