Ausgabe 
29.10.1928
 
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Nr. 255 Erster Blatt

178. Jahrgang

Montag, 29. ©Hoher 1928

6r|d)etwi itiglidt,ms^tt Sonntags anb ^«tertags. Beilagen.

Vletzener JamtltenhUttta g cf mal im DUd Die Scholls

OtonatfBepgsprtts: 2 Reichsmark und 20 Reichspfenntg für Tröge» lohn, auch bei Richter» scheinen etnjelnerShimmeni infolge höherer Gewalt. Fern,prechan|chlülfer 51, 54 und 112 «pfchrift für Drahmach- richten: Anzeige, «tetz«.

pofr|d)e<flonte;

Jrcnffnrt am Mots 1188t.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnttk Md Verlag: vrühl'sche Uirtverfltittr.vuch* und Stehtörnderd TL Lange ht Sieben, rchristiettnng und Seschästrftelle: rchnMraße 7.

Anuahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur

Dr. Friedl. Will) Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dt H.THyrivt, für den übrigen Teil Ernst Dlumschcln; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Giehen

Zur politischen Lage.

Von Rechtsanwalt Eduard Oingeldey, M.d^L llnfcre Außenpollttr steht fett fünf Jahrein unter dem Zeichen der Entsagung. Wir haben Snttäuschungen erlebt und Hoffnungen begraben müssen und haben Rückschläge erfahren, di« aber den Kenner der Verhältnisse nicht überraschten. Stresemann selbst hat auf dem Kölner Partei­tag« der Deutschen Volk spartet, alS er von Lhoiry tarn, erklärt, daß er vor allzu gvoßen Hoffnungen auf Locarno und Thoiry warnen nüff«. Dicht er und fein« Partei haben also "ich In uferlosem Optimismus betätigt, sondern -jerad« diejenigen, die heute allzu leicht geneigt "fcnb, von dem Zusammenbruch der Derständi- -guna-politll zu sprechen. 3n Genf wurde erst- 'nalig die RäumungS- und Repavationsfrage offiziell vor das Forum der Mächte ge­bracht. Wir konnten nicht annehmen, daß daS Auftreten des Reichskanzlers Müller dcyu süh­nen könnte, innerhalb einiger weniger Wochen das Rheinland zu befreien und di« Reparationsfrage «endgültig zu lösen; wir konnten aber ebensowenig «erwarten, dah Driand dies« beispiellos auS- Jatlerche Rede als Antwort geben würde, die Äei unS allen Empörung hervorgerufen hat und tatsächlich berechtigte Zweifel darüber aufkommen lassen konnte, ob tatsächlich Driand der Frie- LenSfreund ist, als der er sich ausgab. Eines Gat jedenfalls dies« Genfer Verhandlung mit Jositiver Sicherheit ergeben, dah es nämlich ein Ärr^laube ist, anzunehmen, dah eine sozialistische ^Regierung mehr Entgegenkommen bei unseren «hemaligen Feinden finden würde, als irgend- «ine ander«.

Die Genfer Verhandlungen sind trotz allem nicht ergebnislos für uns verlaufen. Die großen zu lösen­den Fragen sollen in einer Sachverständigenkommis- ffion gelost werden. Die daneben von Frankreich ge­plante sog. Vergleichkommission, die unter Umstän­den über 1935 hinaus ein fremdes Organ auf deut­schem Boden erhalten will wird einmütig von Ollen Parteien abgelehnt. Wir halten daran fest, daß die Räumung keine Angelegenheit ist, die wir durch Konzessionen erkaufen muffen, sondern daß mir ein Recht auf die Räumung der besetzten Ge- biete haben. Wir müssen auch verlangen, dah die Riäumungsfrage unabhängig von der Re- paratlonsfrage gelöst wird. Die Gegner des «egenwärtigen außenpolitischen Kurses behaupten, Saß es besser gewesen wäre, statt dieser Kommission Luzustimmen, zu warten, bis der Dawesplan au- s^mmengebrochen fei, dadurch die Unmöglichkeit sei­ner Aufrechterhaltung erwiesen wäre und unsere Gegner von selbst dann zu einer Aenderung der Aieoarationsoerträgc kommen würden. Diese Auf- fasfung wäre nur dann richtig, wenn man die Ge- «Weit hätte, daß in den nächsten zwei Jahren sich die Unmöglichkeit der Durchführung des Dawes­planes ergeben würde. Wir können aber heute nicht iüdersehen, wie die Wirtschaftslage in zwei Jahren (»ein wird, und ob es tatsächlich dann selbst für un- j*re Gegner offenbar werden könnte, daß wir die lHsrrende Jahreszahlung von 2,5 Milliarden nicht lösten konnten. Dor zwei Jahren hätte es wohl k. mm jemand für möglich gehalten, daß wir im September dieses Jahres bereits wieder einen Meinen Ausfuhrüberschuß aufweisen. Es ist in die- fain Zusammenhang auch darauf hinzuweisen, daß (i in wichtiger Bestandteil des Daroesplanes der sog. Wesse rungsfchein ist; er besagt, daß Deutsch- locnb unter Umständen noch mehr als 2,5 Mil- lüarben bezahlen muß, wenn die Prüfung seiner Wirtschaftslage das als möglich erscheinen läßt. Es M angesichts dieser Verhältnisse unmöglich, die Singe einfach weiter treiben zu lassen und schließ­lich es auf eine Katastrophe ankommen zu lassen. Ms dünkt, daß gerade jetzt der psychologische Mo- irrtent zur Aufrollung der Reparationsfrage gekom- tran ist. Frankreich soll im nächsten Jahr 400 Mil­li vnen Dollar an Amerika zahlen. Es ist vielleicht a'djo jefet wo es s e l b st in Zahlungsnöte kommt, ge­neigter, mit uns eine gemeinsame und vernünftige Söfung des Reparationsproblems zu suchen als in jabem anderen Zeitpunkte. Es ist die Frage aufge- mtorfen worden, ob wir nicht Gefahr laufen, den im Earocspaft feftgelegten Transfer-Schutz preiszu- flltben, der tatsächlich ein wirksames Schutzmittel zur Erhaltung unserer Währung darstellt. Wir konnten uns darauf natürlich nur etnlaffen, wenn eine an- bitte starke Gegenleistung uns die Erhaltung unserer Währung gewährleistet. Ein Reparationsabkommen, bvs uns nicht wesentliche Entlastungen bringt, ist für uns natürlich wertlos. Einem solchen würden mir die alten Verträge mit Transfer-Schutz vor- ziichen.

Wir sind über dis weiteren Verhandlungen mit Sicherster Skepsis geloben, müssen aber immer wieder büi Frage aufroerfen: Ist eine andere Außenpolitik imiglich? Wir sind für die Verständigungspolitik nicht nnr eingetreten, weil wir roaffen- und wehrlos sind, looibern weil wir angesichts der weltpolitischen Ent- tnecflung erkennen, daß ein friedliches Zusammen- anbeiten der europäischen Staaten eine unbedingte 9S)troenbigfeit ist, denn nicht nur die besiegten Staa- j te?i, sondern auch die sog. Sieger in Europa leiden unter den Nachwirkungen des Krieges. Stresernann fanb deswegen in steigendem Maße die Anerkennung »titefter Kreise in Deutschland für seine Politik, weil m:m erkannte, daß es andere Wege nicht gibt. Wenn m m eine bessere Lösung darin sieht, daß Deutschland jid zum Anwalt der kleinen Staaten machen müßte, Iio muß man sich doch wundern. Kann man wirklich rr isthaft glauben, daß ein Schutz- und Trutzbündnis m;it den Kleinstaaten uns die Gegnerschaft der großen Mionen kompensieren könnte? Und wenn des wei- lenen geraten wird, man sollte sich stärker an Musso­lini anleh-n verlangt man damit nicht zuviel von unserer nationalen Entsagungsfähigkeit, daß wir uns

Eine denffchnalionale Kundgebung für Rhein und Saar.

Godesberg. 27. Ott (X-U.) 3mAenn- chen" m Godesberg veranstaltete die Deutsch­nationale DolksPartei eine stark besuchte Rhein- und Saarkundgebung, die von StaatS- mlirister Wallraf eröffnet wurde und auf der der Dbg. Dr. von Drhander daS Hauptrefe­rat hielt. Auch der Führer der deutschnationalen Reichstagsfraktion,

Graf Westarp

hielt eine Ansprache, in der er u. a. etwa fol­gendes auSführte:

Riemand anders als Vriand habe festgesteUt, dah von Rheinlandräumung aus Grund der Lo­carnoverträge und der Dölkerbundszugehörigkeit nicht die Rede sei, sondern dah sie durch neue Leistungen Deutschlands erkauft wer­den müsse. Die Deutschnationalen erkennen billi­gend an, daß der Reichskanzler inGenf, obwohl der vorher angekündigte Schritt bereits diplomatisch mit einem Rein beantwortet war. ausdrücklich den Abrüstungs- und Räumungs­anspruch erhob, um die deutsche Politik aus dem Helldunkel Unbestimmter und trügerischer Er­wartungen herauszuführen. Sie könnten es je­doch nicht billigen, dah er a uf halbem Wege stehen blieb und das den klaren Tatbestand verschleiernde Abkommen über weitere Derhand^ hingen geschlossen hat. 3n dem französischen Ge­schrei nach Sicherheit liege ein tiefer politischer Sinn. Wer kenne eigentlich in Deutschland das Versailler Diktat in allen seinen Punk­ten? Artikel 429, Dbs. 4, sieht ausdrücklich vor, dah, wenn nach Ablauf der 15 3ahre »d i e Sicherheiten gegen einen nicht herausyefott- derten Angriff Deutschlands von den alliierten und assoziierten Regierungen nicht als aus­reichend betrachtet werden, die <3ntfcrramgr der DesatzungStruppen in dem Mähe a u f ge­schoben werden kann, wie dieS zur Errei­chung der genannten Bürg sch asten für nötig erachtet wird. Das sei der Rechts- tl t ei { für dessen Anwendung daS SicheryeitS» geschrei den Vorwand schaffen soll.

Man fordere n. a. deutsche Zahlungen für dir Tilgungsdauer der amerikanischen Forderungen von 62 Jahren und lasse den Artikel 233 des Versailler Vertrages in der Versenkung ver­schwinden. wonach der Zahlungsplan die Aus­lösung der Gesamlschuld innerhalb eines Zeitraumes von 3 0 Jahren, beginnend mit dem 1. Mai 1921, versehen soll.

All bas stehe mit der JRäumuna von Rhein unb Saar in engstem Zusammenhang. Man rech­net offenbar damit, daß die deutsche Linksregierung sich durch leere Räumungsgesten und unsichere Ver­heißungen zu neuen Vorleistungen bewegen lassen werde. Es müsse alles geschehen, damit endlich ein­mal solche Auffassungen der anderen zur Illusion werden. Zu beutschnatlonaler Rheinlandpolitik ge­höre der Hinweis darauf, baß an unseren O st - grenzen gleiche Not hunberttausende Deutsche belaste, Gelinge es uns nicht, Ostpreußen, altes deut­sches Kulturland, wie der Rhein, geaen politische Eroberung-)- und Vernichtungswillen Dem Deutsch­tum zu erhalten, den Korridor dort für uns zu öffnen, versäumen wir es, in unserer verarmenden und sich entvölkernden Ostmark gegen die slawische Flut und die polnische (Befahr f e ft e Dämme lanbgefeffenen deutschen Volkstums zu errichten, so werde für die gesamte Nation, so werde auch für bas Rhelnlanb bic Stunde der Be­freiung nicht schlagen. Der Mangel jedes wirklichen Verständigungswillen auf Frankreichs Seite in Ver­bindung mit Deutschlands Wehrlosigkeit und innerer Schwäche hemme jeden außenpolitischen Fortschritt und gebiete, daß Deutschland in stolzer Zurückhal­tung der Stunde und der Gelegenheit harre, sein

ausgerechnet mit dem Land einigen sollen, das unser Deutschtum in der brutalsten Weise knebelt? Schließ­lich Darf man doch auch nicht vergessen, daß die Bun- desgenossenschaft Italiens sich schon einmal als über­aus trügerisch erwiesen hat. Wir sind wirtschaftlich stark auf die Westmächte angewiesen und können von uns aus es nicht auf Experimente in dieser Richtung ankommen lassen.

Die großen Aufgaben der Innenpolitik verlangen gebieterisch die Herstellung einer Regierung, die sich auf eine große Mehrheit stützt und die Gewähr einer langen Dauer bietet. Die Deutschnationalen kommen dafür nicht mehr in Frage. Wir haben es nach den Erfahrungen der Vergangenheit schon längst einsehen müssen und erkennen jetzt, nachdem Hugen- berg Führer der Deutschnationalen Dolkspartei ge- worden ist, erst recht die Unmöglichkeit der Zusam- menarbeit mit Rechts. Mit Hugenberg ist das Haupt einer mächtigen Organisation, die Presse und Film beherrscht, Führer der größten bürgerlichen Partei geworden. Das ist ein Warnungszeichen' Hugenberg verlangt die rücksichtsloseste Opposition gegen den derzeitigen Staat, das bedeutet die Ausschaltung der Deutschnationalen Partei aus der aktiven Gegen­wartspolitik. In diesem Zusammenhang muß man auch mit Bedauern der Entwicklung im Stahl­helm gedenken. Der Stahlhelm hat seine historische Aufgabe, ein Sammelbecken der nationalen Elemente aus allen Parteien zu werden, nicht erfaßt und ist Partei geworden. Er ist die Schutztruppe der Deutsch- ntionalen, wodurch sich unsere Einstellung zu ihm von selbst ergibt.

Erkennen wir also, daß Die Deutscynatwnale Partei heute und morgen hin Koalitionspartner für uns sein kann, so ergibt sich zwangsläufig die Rotwendigkeit des Zusammencncheitens mit der

Recht zu fördern. Während dieser harten Wartezeit aber dürfe nichts unterlaßen werden, seine innere Kraft zu stählen. Dom Gesichtspunkt der Rheinland- Politik gesehen, soll die deutschnationale Forderung eine Stärkung des inneren Marktes da­zu bienen, der Industrie des Westens die Ernäh- rung aus dem deutschen Boden und einen gefestigten Absatzmarkt zu gewährleisten. Gerade da Dem Rheinlande ohne eine stetige und kraftvolle Führung der deutschen Politik die Stunde der Befreiung nicht schlagen werde, müße durch die Derfassungsreform dem Absolutismus der Parteiherr­schaft ein En e gemacht werden, denn durch die fortgesetzten Krisen, in die er das Land stürze, ist seine Regierunasunsähigkeit erwiesen.

Dte Kundgebung fand ihr Ende mit der An­nahme einer

Entschließung

in der es u. a. heißt: Die Voraussetzungen, unter denen man Locarno abschloß, haben sich als irrig erwiesen, deshalb sind auch die erhofften Folgen ausgeblieben. Deutschland steht allein. England und Frankreich sind enger ver­

knüpft denn je. Der Pole droht im Osten. 3m besetzten Gebiet herrscht Militärdiktatur. Man treibt Mobilmachungsmaßnahmen auf deutschem Grund und Boden. Dabei sitzen wir alsGroß­macht" in Rat und Völkerbund, deren Ausgabe es doch ist,die auf Ehre und Gerechtigkeit gegründeten Beziehungen der Völker zu pfle­gen". Das besetzte Gebiet harrt aus, bis die Besatzung an ihrer wachsenden Unmöglichkeit zu­grunde geht. Es darf aber auch erwarten, daß Die Stärkung seiner seelischen und wirtschaftlichen Wider st andskraft als wichtigste Aufgabe jeder nationalen Politik anerkannt und betätigt wird. DieEinigung" von Genf erfüllt uns mit schwerster Sorge. Wir warnen davor unser Recht auf Räumung verdunkeln zu lassen. Wir warnen davor, die Räumung zum Handelsgeschäft zu machen. Wir protestieren auf das schroffste gegen irgendwelche dauernden Kontrollorgane. Riemals darf Deutsch­land um gegenwärtiger Vorteile willen auf feine Zukunft im Osten verzichten. Deutschlands Auf­gabe in der Gegenwart ist allein, zu warten und sich für bessere Zeiten vorzubereiten.

Gras Zchpelm" zum Rückflug ausgestiegen

c a k e h u r st . 29. Oktober. (WTB. Funkspruch.) Da» LuftschiffGras Zeppelin" ist um 1.58 llhr (7.58 llhr mitteleuropäische Zelt) 3 u m Rückflug nach Deutschland ausge st legen. Um 12.30 Uhr waren die Tore der Luftschiffhalle geöffnet wor­den. Die Umfahrenden wurden anfgeforderl. einzu steigen. Um 1.25 Uhr amerikanischer Zelt wurde das LuftschiffGras Zeppelin" an» der Halle her­ausgebracht. Um 133 Uhr war das Luflfchiss Gras Zeppelin" vollständig ans der Halle heraus­gezogen und zum Abflug bereit. Um 1.58 Uhr er­

folgte der Start Das Luftschiff erhob sich maje­stätisch in der monderhellten Rächt und war bald den Blicken der Zurückbleibenden entschwunden. Ls wird erwartet daß das Luftschiff den nördlichen Kurs nehmen wird. Ulan rechnet damit, daß cs bei jeg­lichem Detter inetwa60 Stunden die Strecke bewältigen wird. Um 3.16 Uhr nachts (9.18 Uhr vor­mittags mitleteuropäische Zeit) befand sich derGraf Zeppelin" bereits über Neuyark. Lr war in der Mondnacht deutlich zu erkennen.

EüddeuWand und die Reichsrefom.

Oos Reich und die Länder.

Eine süddeutsche Zentrumskonferenz.

Augsburg, 28. Oft. (WTB.) Auf Einladung des Landesverbandes der Presse der Bayerischen Volkspartei fand heute hier eine Konferenz der Presse der Bayerischen Dolkspartei und der süddeut­schen Zentrumspresse in Gegenwart hervorragender Parlamentarier und Politiker beider Parteien statt, lieber 100 Teilnehmer aus Bayern, Württemberg, Baden und Hessen waren erschienen. In der Aus- spräche kam zum Ausdruck, daß die Deutsche Zen­trumspartei vor allem im deutschen Süden mit der Bayerischen Volkspartei zusammen arbeiten möge, um auf dem Boden der Richtlinien, die der Reichsparteivorstand der Deutschen Zentrumspartei im März 1920 ausgestellt hat, eine gemeinsame Stel­lungnahme der beiden Parteien in dem Meinungs­streit über das Verhältnis des Reiches zu den Ländern zu erzielen. Ferner, daß man a u f dem Boden der geltenden Reichsver­fassung aktiv und positiv an einer 23 e r b e He­ran g bes Verhältnisses von Reich und Ländern mit­arbeiten soll. Beide Parteien sollen initiativ vor­gehen und eigene positive Vorschläge machen. Dabei wurde betont, dah die Rechte, die die Länder nach der Reichsverfassung haben und die ihnen kraft eigenen Rechtes zustehen, nicht a n g e t a ft e t werden dürften, daß vielmehr dringend

zu wünschen ist, daß weitere Angelegenheiten, insbesondere solche, die in der Reichsverfassung als Bedarfsgesetzgebung und als konkurrierende Rechte dem Reich zustehen, den Ländern zur eigenen Verwaltung überlassen wer­den sollten. Die Konferenz war weiterhin der Mei- nuna, daß auch der deutsche Süden lebhaftes Inter­esse Daran habe, wie künftig das Verhältnis Reich- Preußen gestattet werden soll.

Helds Programm.

Föderalistischer Ausbau der Weimarer Verfassung.

Augsburg, 28. Ott. (WTB.) Auf einem Heimatabend der Bayerischen Vollspartei nahm auch Ministerpräsident Dr. Held in längerer Rede zu dem Problem Reich und Länder Stel­lung, wobei er u. a. erklärte: Der Kampf gelte der deutschen Ration in ihrer Einheit, die dadurch besonders gewährleistet sei, dah man das ge­schichtlich Gewordene respektiere und den deutschen Stämmen und Staaten ihre Selbständig.eit laf;e. Ein jeder Schematismus bedeute eine Ge'ähr- dung der gewaltigen Kräfte, die bisher in deut­schen Vaterland wirk am waren. 3etzt stehe Bayern mit Süddeutschland auf, um die Wei­marer Verfassung gegen diejenigen zu schützen, die einen neuen Umsturz herbei.ühren wollten.

Sozialdemokratischen Partei. Es ist notwendig, diese Massenpartei zu posittver Auf­bauarbeit hcranzuzi?hen und sie immer mehr aus der Verantwortungslosigkeit zur Verantwortung zu bringen. Zweifelsohne bst ein großer Teil der sozialdemokratischen Führerschaft schon heute voll­kommen staats- und nationalpolitifch eingestellt, wie ja das Verhalten der sozialdemokratischen Reichsminister zur Panzerkreuzr-rfrage genugsam beweist. Wir sahen hierbei, dah sie nicht nach der Gunst ihrer Wähler ihre Entschlüsse faßten, mußten aber auch angesichts des Verhaltens der Prooinzpresse und Organisationen andererseits erfcchren, daß in der Provinz noch allerhand an Erziehungsarbeit an der Sozialdemokratie zu leisten ist.

Zwei große Aufgaben, die Verfassungs- und die Finanzreform harren der Lösung. Rachdem durch die historischen Ereignisse und den Sturz der Dynastien ein tiefer Einschnitt in unser DerfassungS- und Verwa'.tunasleben ge­schah, müssen wir ernsthaft daran geyen, auch in unserem staatlichen Dasein die Rationalisierung eintret en zu lassen, die dbe Wirtschaft schon hat. Es ist ein stlnding, daß jeder Ministerpräsideitt z. D. glaubt, seine eigene Außenpolitik machen zu können. Gerade diese Aufgaben der Verfassungs- und Finanzrefvrm verlangen, da sie nur in Zäh­ren gelost werden können, die Schaffung einer Regiermrg, die die Gewähr einer längeren Dauer bietet.

Die Deutsche Volkspartei erhebt die Forde­rung, dah mit der Drohen Koalition im Reich auch die in Preußen geschaffen wird. Man darf uns natürlich nicht etwa eine Preisgabe grundsätzlicher Anschauungen zumuten. Das in

Preußen beabsichtigte Konkordat ist für uns unaTmehmbar, wenn es Bestimmungen über die Schule enthält. Wir hoffen, dah es in einem solchen Falle scheitern wird, denn wir haben noch so viel Vertrauen zur Demokratischen Partei, dah auch sie alles vermeiden wird, was einem Verrat liberaler Grundsätze gleichkäme. Wir ver­kennen allerdings nicht, dah der preußische Staat ein gewisses 3nteresse an einem Vertrag mit der katholischen Kirche hat; nach der Bulle vom 3ahre 1821 hat der Staat ein Mitbestim­mungsrecht bei der Ernennung der Bischöfe; in der Verfassung steht aber, dah die katholische Kirche selbst über ihre Angelegenheiten zu bestimmen hat. Es besteht also die Gefahr, daß unter Umständen der Staat bei wichtigen Er­nennungen ausgeschaltet wird. Kreise der evan­gelischen Kirche stehen einem Konkordat nicht ganz unfreundlich gegenüber, weil sie glauben, dah dieselben Vorteile, die ein Konkordatsver- trag der katholischen Kirche bringt, auch der evangelischen zufallen körmten. Wir möchten wün­schen, dah die evangelische Kirche in dieser Frage: eine engere Fühlungnahme mit uns herstellt. Wir in Hessen haben es sehr bedauert, dah unsere Landtagssraktion vor kurzem von der evangelischen Kirchenregierung nicht im gering­sten über die Schwierigkeiten der Pfarrerbesol­dung unterrichtet wurkte. Wenn es zu spät ist, können auch wir nicht mehr Helfern Unsere Lage ist nach innen und außen schwierig und erfüllt uns mit ernsten Sorgen. Wir werden als Verantwortungsbewuhte Männer dem Staats unsere guten Dienste zur Verfügung stellen und stets bestrebt sein, unsere liberalen Ideen immer mehr durchzusetzen.