Mm, „
btet V,cn
’fefc Ä* «I.X„crt" 3* ®ttn, i3hie,r<- Luf m, !*»
^e,l fluSL®*W. tf i^j^S ssX ,&s. ”nt«efßn atej"4 Hl1’
Freitag, 29. Juni ,928
Nr. ,5, Erster Blatt
178. Jahrgang
Eriche«»« läghd),aeßei bonwlogs inb Feiertag« Beilage».
«Btebener ^amtfienbUtoer f>etmal tm Bild THe Scholle
mei«ats*Bej»espreU: T Betchemarb anb 20 Reichepfe»nh ftr Träger» U)l)n. and) bei Rtch«erscheinen einzelner Rnmmern twfölge höherer ®ewalt rfern|pred)an|d)IQ|fe: 61, 64 enb 112 a«M)rtfl fflr Drahtnachrichten Anzeiger Gieße«.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Pel|d)ed!onte; Sten Hart cm Main 116M.
Vrvck Zmd Verlag: Vrßhl'sche UulDtrNtäU-Bid?» tmb Stetnöniderd B. £ange tu Gießen. $d?riftlettnng und OeschLftrfteSe: Schullkraße 7.
Annahme Anzeigen f*r die lageenammer di« jum Nachm,nag vorher.
Prell ,»r 1 ram höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auitvarl« 10 Reichapienmg für Re» Kiameanzeigen ron 70n.ni Brette 35 Rklchepfennrg, Pletzvorschn!« 20 mehr.
Chefredakteur
Dr Unebt TEiU) Lange. Terantwonlid) sür Poln K Dr Fr IDilb Lange für Treuillelon Dr H Thvrwt, für den übrigen Teil Ernst Blumfchein- für den An» jcigentell Nur« hiOmann. lämilid) in Bietzen
_”_!B
Tichn,
J - Stbtuat k
11 Morbent »u 0 rsT pari fr«? timä h z,eTt ohne Um, ?on » ÄilonX Lflnj bahna,tiich Jibntf nochjuirnsa « bon einem TU Strecken unin ^ärztlichen linier. 'S bedarf ei jtM m sNerSrziliche Ww«f nachgelviefe» * Zage bereut sprechender gilt bt >oer mit dem M ?t>Utze gegen hc
Wf chic
WnMet hn Jniet. cftantei mit bei«. !«n- Die beiden » r.Ainder vorn »ich. )>e Tiere Am c- urden aber ohne.\ mg auegelakr 7
Vorschriften n*.
« von je 15 Ha!
Malim
: DerbWW ta in«.)
1 u c r: 3üt tut iw cteairias noch unbt-
^forderten Betrag :r.e iingwbr 1925, btt da- ?, noib mfftbtnb.
btm System der nehmer modttnt■ x\ \\\x Vch W, V'ß
Wrt füx bas nfle sicher W« '?.* Hbjügc für benirW.'- Hart für seine Mm rind ebenfalls löfcrf
trichien.
jrotnii
Sojialkmon» Srahtbrrichl des fr oroinihvorfchlag * ebl vor. dahdatZ" Kabine« nur durchs d oerfteien Ifl. **( 15 Ministerium n fall. 6err -
SS srZ,
)<
;u ei
i:
w ?» 15
U
,93
IS5 Ito
,tw K5 ,bi ,6»
|3<
«9.1’ «M» n.s
a.2.
ui./
-r.»
i».*
e».:1
^.1»
1-S
v.l*
y>
it;>
111,63 58.» in'-E Hi.to GS,91 «1,16 U,68
K> i,e> ik.k <1-2 fc«‘ «,/
»r.u
EL
„-tranlferl aWlÜt -----Hum
58,f lll.fr 11'.* lü-1; D>- ü),3<6
IbJ- 68,56 69 03 1,939 ,.is: Ä ift s.oti
bl.fr 8,136 5,< 0» ‘-’S
Das neue T^eichskabineii gebildet.
Gne provisorische Lösung: Hermann Müller-Iranten bilde« eine Llebergangsregierung aus persönlichkeiien der Großen Koalition ohne Bindung der Fraktionen.
Das Ernennungsdekret.
Berlin, 28.3anl. (1DB. Umlüd).) Der Herr Rtld)#pcä|lbenf Hal den Reichskanzler a. v., Reichsminister a. v und Abgeordneten Hermann Müller-Aranken zum Reichskanzler ernannt Auf Vorschlag des neuernannten Reichs- Ian zlers Hot der Herr ReichsprSstdenl die bisherigen Reichsminister Dr. Skrefemann tAuswärtiges), Dr. C u c 11 u • Wirtschaft), Groener (Reichs- mehr), rchöhel (Rrid^pott) In ihren Aemtern bestätigt und ferner den preuhifchen Staotsministcr t. v Abg. Seoe ring zum Reichsminister de» Innern, den Reikhsminlfter a. D. Abg. Dr. h > iser ding zum Reichssinanzminister, den Reichsminifler a. D. Abg. Wissel zum Reiihsarbeitsminister, den badischen Minister a. D. Dielt ld>- Vaden zum Reich»mini,ler für Ernährung und Landm'.rtschost, den Reichsministrr a. D. Koch- Meset zum Reiehs- iustizministet und den Geheimen und Oberregle- rungsrat Abg. v. Gu<totd zum Reichsverkehrs- minislet ernannt. Reiihsmlnlster von Gueratd ist gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte de» Aeich»minifter» für die befehlen Gebiete beauftragt morden.
Die letzten Verhandlungen.
Berlin. 28. Juni. fDDA.) Die neugetoon- T.enc Grundlage, auf der Äbgeordneler Hermann Müller nach seinem 'Bericht beim Reichsprüsi-- Renten am Donnerstagvvnnittag die Verhandlungen über die VegierungSbildung fortsehke. bestand darin, dnft der ZenirumSabgeordnele von Guetard al» Verbindungsmann deS .Zentrums, aber ohne Bindung feiner Fraktion, das Verkehrsministerium und -aS Ministerium der besetzten Gebiete übemeh- nnen soll. 2lbg Müller empfing nach feinem Besuch beim Reichspräsidenten den ZentrumSabg. Dr. BraunS. dann die so-ialdemokratischen Abgeordneten Dittmann und Loebe und daraus die Zentrumsabgeordneten Sieger- v a 1 d und S s s e r. Der Zentrumsobgeordnete p. Guerard btit dem Abg. Müller seine Bereit- Tcilligfcit erklärt, während der Sommerino n a t e alS Verbindungsmann deS Zentrums dem neuen Kabinett anzugehören. 3m Herbst ’oll dann die endgültige VegierungS- Labilisierung erfolgen, voraussichtlich auf der BafiS der Drosten Koalition, weil «zwischen auch die preuftische Frage geklart fein dürfte.
DaS Zentrum vertritt die Auffassung, dah <S durch diese lose Verbindung nicht an doS Kabinett gebunden ist und diesem gegenüber völlig freie Hand hat. — Die sozialdemokratisch« ReichStogösrak- tion hielt dann eine Sitzung ab. in der Abgeordneter Hermann Müller-Franken über daS rrgebnis der Verhandlungen berichtete. Aach kurzer Aussprache gab die Fraktion mit allen gegen neun Stimmen ihre Zustimmung zum Gintriti der sozialdemokralilchen Minister m daS neue Kabinett. — 3n einer Besprechung nit dem Abgeordneten Koch-Weser (Dem.) bot Hermann Müller diesem daS Justiz» nintfterium an.
Die Demokratische Aeichstagöfraktion stimmte 'inmütig der Annahme deS AeichSjustizmini- terimnS durch den Abgeordneten Koch-Weler zu. Der Abgeordnete Koch bleibt zunächst FraktionS- >orsitzender. Sr wird bis zur endgültigen liege- ung durch den 'Abgeordireten H a a S im Fral- tionSvorfitz vertreten. - '2lbg. Müller-Franken «gab sich um fünf Ul>r zum AeichSprä- fioentert, um ihm die bereits bekannten Dor- -chläge für dce Ministerliste zu überreichen. Der Reichspräsident erklärte sich mit diesen Dor- chlägen einverstanden
Das Zentrum und der Reichspräsident.
Das «mt dcö 'vi;ekan;lertz.
Berlin. 28. 3uni. (X.-H.) Aus der Zen- :rumSsraktion des Aeia>stageS wird ofsl.ziös sollende- mitgeteilt: lieber die Unterredung, die der Herr Reichspräsident am Mittwoch, dem 27. 3unt. abends, mit dem sozialdemokratischen Zraktionsführer Müller-Fran.eir hatte, wird in Ser gesamten Press« eine amtliche Mitteilung verbreitet, di« darauf schliehen lästt. dah der Herr Aeichspräsident über die zugrunde liegenden tatsächlichen Vorgänge bei der Regierungsbildung nicht zutreffendunterrichtet worden ift Weder die Zentrumsfrak- non noch eine- ihrer Mitglieder hat jemals daran zedacht, dem Herrn Reichspräsidenten irgendwelche Vorschriften über die Ausübung der Hm durch die Reichsversassung gegebenen Befugnisse zu machen. Der Vizekanzlerposten ist bei den Verhandlungen über die Drohe Koalition von dem mit der Kabinettsbildung beauf
tragten Abgeordneten Müller-Franken dem Vorsitzenden der Zentrumsfraktion angeboten worden. Dies« Tatsache berechtiate die Reichstagsfraktion deS ZenttumS und ihre Unterhändler z u Verhandlungen über den Dizekanzlerposten. wobei ihnen di« Absicht völlig fern lag in die verfassungsrechtlichen Befugnisse deS Relchsprasidenten einzugreisen.
Der Abschied des alten Kabinetts.
Ligen« Drahtmeldung de» ..Giehener Anzeiger»".
Berlin. 29.3uni. Nachdem nunmehr di« Bildung der neuen Regierung gelungen ist, haben sich di« Minister des alten Kabinett» mit Reichskanzler Dr. Marx gestern nach- mitlag noch einmal in dem historischen Sitzungssaal der Reichskanzlei zufammengefuirden, um sich von einander zu verabschieden. Man blieb nur wenige Mimtten beieinander und trennte sich sofort wieder, nachdem Dr. War« einige Worte deS Abschied» gesprochen hatte.
Auch sonst hat da» alte Kabinett bereit» sein Sndc vorbereitet. Der Reichskanzler bat schon vor e inigen Tagen seine Wohnung in der Reichskanzlei verlassen und eine Privattoohnung in der Günzelstrahe in Berlin-WilmerSdors bezogen. Auch die anderen Minister, di« im neuen Kabinett nicht mehr vertreten sein werden, haben zum Teil schon ihren Umzug durchgeführt, so dah das neue Kabinett sofort in seine offiziösen Gemächer ein- ziehen kann. Wa» die Staatssekretär« der alten Regierung machen werden, steht noch dahin. Diese» Problem ift zunächst völlig ad acta gelegt worden. So wird auch der Staatssekretär in der Reichskanzlei. Dr. Pün- d e r, vorläufig noch i m Amt« verbleiben. Auch diele Frage wird, wenn überhaupt, erst in späterer Zeil entschieden werden. Für die nächsten Tage sind dann noch die Verabschiedungen der scheidenden Minister von den Beamten ihrer Ministerien zu erwarten.
Parteien und Regierung.
Erste Pressestimmen zum Kabinett Müller-Franken.
Die Sozialdemokratie.
Der .Vorwärts" betont, dah die Umwandlung der neuen Regierung von einer provisorischen in eine endgültige keine besonderen Schwierigkeiten machen werde. Dah die Parteien freie Hand behalten haben, sei fein Schaden, denn die Regierung könne jetzt die Mehrheit nehmen, wo sie sie finde. Erfolg« im Sinne deS sozialdemokratischen Prograinin» könnten nur a u f dem Wege der Verständigung gewonnen werden. Die Sache stehe so, bah bei dem gegebenen Kräfteverhältnis ohne ein Verhandeln und Sichverständigen praktische Erfolge für die Arbeiterbewegung überhaupt nicht zu erzielen sind. Auch die kommunistischen Klagen können nichts an der Tatsache ändern, dah wir in einer kapitalistischen Welt leben, deren innere Gesetze auch ein sozial- demokratischerArbeitsministernicht auf heben kann. Dellamotion ist leicht, dem Gegner aus dein Wege der Verständigung praktische Erfolge abzuringen, ist schwer.
Oie Demokraten.
Das .BerlinerTageblatt" schreibt, dah daS neue Kabinett ein Kabinett der GrohenKoalition ist. zwar nicht der Form, aber der Sache nach. Dah Wirth «hm nicht angehött. sei bedauerlich, die abwartende Haltung der Fraktionen sei in erster Linie als Druckmittel gedacht. DaS neue Kabinett sei stark, weil eS di« grosse Masse des Volkes Dertritt 3n her Innenpolitik müsse die Regierung zurücksin- den zu der Linie der entschiedenen Demokratisierung, die unter Luther und Marr leider verlassen worden sei. — Auch die .Vossische Zeitung" bezeichnet das Kabinett al» eine Regierung der Drohen Koalition. 3m Herbst werde die Umbesetzung einiger Portefeullles erfolgen müssen, aber daS bedeute keineswegs, dah daS Kabinett ein Provisorium ist. denn wenn der Reichstag in die Ferien gegangen ist, wird für die Regierung gerade die schwerste Arbeit beginnen. Wirth bat eingrohesKapitalan politischem Vertrauen bei der demokratischen Mitte und der sozialdemokratischen Linken verloren durch fein Verhalten bei den Verhandlungen.
Das Zentrum.
Die ^Kölnische Volkszeitung" schreibt unter der ^leberschrift: »Zu spät": Es ist unser gute» Recht, wenn wir den Dorttitt denen überlassen. die aus der bequemen OppositionSstellung heraus unsere Politik immer kritisiert haben und unsere Beteiligung an der neuen Regierung auf das Mass beschränken, das nun einmal nach der Kräfteverteilung im Reichstag unentbehrlich ist. Denn es ist zugleich die Stärke und Schwäche der Zentrumspartei, dah ohne sie keine Regierung arbeiten kann und Hermann Müller bat ja nicht unrecht, als er die Durchführung seines vom Reichspräsidenten erhaltenen Auittages von der Mitwirkung des Zentrums ebbängiq machte. Die ZentrumSvartei form mit diesem Ausgang der Verhandlungen wohl zufrieden sein. Der ursprüngliche Plan der mehr passiven Beteiligung ist im Laufe der Zeit ecwas in den Hintergramd gerückt und hat der ^leberzeugung Platz gemacht, dah. wenn das Zentrum nun doch einmal bei den Dingen dabei sein müsse, ein unpolitisches Ministerium nicht genügt, dah wenigstens eine politisch mah- gebenbe Stelle von einem Zentrumsange» I hörigen besetzt werden müsse Aber dieser Plan hatte den Fehler, dah er zu spät auftauchte | und erst mit Rachdruck verfochten wurde, als
di« Entwicklung schon zu weit gediehen war. Rachdem der Entwicklung aber freien Lauf gelassen wurde, wäre es folgerichtig gewesen, auch jetzt alle Konsequenzen auf sich zu nehmen. Dah diese- schwerer war, liegt auf der Hand und wir wiederholen, dah nach unserer Meinung die Fraktion keinen Tadel verdient, dass sie lieber in eine Umbiegung ihrer Praxis einwllligt. als es zum Drucv der Verhandlungen und damit zur Fahrt inS Ungewisse kommen zu lassen. DaS Gute an der zetzt gefundenen Lösung ist die Möalichkeit der Sammlung der Kräfte der Zentrumsfraktion.
Die „Germania" bemerkt, dah da» Zentrum einen Vertrauensmann entsandte und dah eS abwarten könne, wie die Dinge sich entwickeln. 3n dieser Zeit werde eS sich in seinem eigenen Haus sorgfältig Umsehen und. wo es nötig ift. und eS ist mancherlei nötig, auch aus- bessern oder gar neu aufbauen. Die Reorganisation der Partei fei die dringende Ausgabe, die wir im eigenen Interesse haben. Hermann Wäller sei keine überragende Führernatur. Der Kops der Regierung sei Severing. der sich aus der Zeit seiner Ministerschaft in Preuhcm den Ramen eine» energischen, ziel- iichcwen und zielbewuhten Politikers ertoorben hat. Hilferding sei als Finanzpolittker eine umstrittene Persönlichkeit. 3n einer der „Germania" zugegangenen Zuschrift aus Fraktionskreisen heisst es, dass Dr. Wirth bei den Verhandlungen ausserorderttlich fruchtbar mitgewirkt htt. Es sei erklärlich gewesen, dah die Fraktion ihn auch zum Ministeramt präsentierte und bei seiner politischen Bedeutung gleichzeittg mit dem Gedanken der Ucbertragung des Vizekanzleramtes.
Oie Volkspartei.
Die „lägL Rundschau" nennt das Kabinett Hermann Müller eine Notlösung. Man müsse sich darauf verlassen, dass Im Herbst nachgeholt wird, was diesmal versäumt wurde. Es verstehe sich von selbst, dass die endgültige Lösung nur bann gesunden werden kann, wenn in Preussen die berechtigte Forderung der DDP. erfüllt wird. Koch und Wissel seien nur provisorisch in das Kabinett eingetreten. In der Frage der Amnestie und der Erhebung des 11. August zum Nationalfeiertag werde sich Herausstellen, dass das Fundament des Kabinetts an Festigkeit zu wünschen übrig lässt. — Die „D 213“ behauptet, auch ein Erfreuliches habe die Kabinettsbildung gehabt: Josef Wirth habe sich durch seine geschäftige Ungeschicklichkeit auch bei feinen Neichsbannerleuten s o unbeliebt gemacht. dah er hoffentlich bis a u f weiteres ausgeschaltet bleibt. Das Blatt nennt die Negierung ein Ferienkabinett. Man müsse abwarten, ob der „ZwangsvergleichE zur Sanierung ober zum Konkurs führt. — Die „K ö l n i i ch e Z c i t u n g" begrüfjt es, dass durch die vorläufige Lösung einst- wellen eine Regierungskrise beendet worden sei. Das Blatt wirft aber dem Zentrum vor, dah es bei den Verhandlungen an fraktioneller Macht- Haberei geradezu Unmögliches gelei- ft c t habe. Der Nuf des ZeMrums als einer taktisch meisterhaft geführten Pattei habe eine böje Deein ttächtigung erfahren. Im Zentrum hätten sich materielle Gegensätze gegenüber dem im konfessionellen Interesse liegenden Ausgleich durch eine politisch verständige Führung durchgesetzt. Das Durcheinander in der Zentrumstaktik war io groß, dah man es nur mit Perfönlichkeitsstrettigketten erklären kann und Höften muh, dah sich bis zu den neuen Verhandlungen im gerbst das Zentrum sich innerlich soweit geeinigt hat, dass die bann kommenden Verhandlungen im Interesse einer guten Arbeit der Grossen Koalition glatt verlaufen.
Nie Oeutschnattonalen.
Der »Lokalanzeig«" weist daraus hin, dass dia ersten Schwierigkeiten die Formulierung der Re- gierungserllarung bereiten werde. Die erste K.ife werde bei der Crrorterunfl der kommunistischen Anträge auf Streichung der Kosten für den Paiczer- kreuzer ausbrechen. Wenn daS Hau» ungünstig besetzt ist. würde die offene Krise da fein. Sin 'Vertrauensvotum werde Müller» Kabinett nicht erhalten. Man werde sich mit der Ablehnung des kommunistischen JHibtrauen»antraic< begnügen. oder eine allgemein gehaltene BiUigunas- formel zusammenkompromisseln. ... — -iic .Kreuzzeitung" unterstreicht, dass die Drohe Koalition bis zuletzt der Sehnsucht aller Derslän- digungSbeflislenen Ziel gerne'en sei. aber auch der Gedanke an sich sei sogar all absurdum geführt worden. Der Versuch seiner Verwirklichung unter Müller habe mit einem Durcheinander geendet, bis Müller ein Rotprodukt unsagbar fläglidxn AuSsehenS zur Welt brachte, über dessen Gesundheitszustand überhaupt nicht \u reden ist. — Die »Deutsche Zeitung' meint, alles in allem hcllvn wir in dem neuen Kabinett, vielleicht abgesehen von der Post und in gewisser Beziehung von der Reichswehr, lauter Minister die nach ihrem poliftschen Vorleben d I c t r ü b ft c n Sorgen rechtfertigen. Da» Ucber- gewicht der Sozialdemokraten und Halbmarzisten lasse zudem als sicher erscheinen, dass die Gesamtpolitik de« Kabinett» rot sein wird.
Oie neuen Manner.
Ser neue AeichSkanzler Seemann Müller ist von Hause aus Äaufmaroi. Sn seiner Partei hat er den üblichen Weg über die Rebaftcurlauf- bahn emgeschlagen. wurde von Bebel entdeckt und 1906 in den Parteivorstand berufen. Erst während des Krieges kam er 1916 in den Reichstag und nannte sich bann nach feinem Wahlkreis Müller-Reichenbach. Al» Parteifunktionär hat er den Kampf um den .Vorwärt»" mit durchfechten müssen und eine schwere Schlacht mit den Reinmachefrauen, die auf der anderen Seite standen, auugetragen. Als Scheidemanir nach der Revolution da« Ministerpräsidium übernahm. wurde Müller, zusammen mit Wels, 1919 Vorsitzender der Partei und gleichzeitig auch bc*- Fraktion. Wegen be« Versailler Vertrage« trat das Kabinett zurück. Der Do-ialbemokrat Bauer bildete bas älnterzeichnungskabinett. in bem Hermann Müller toegen seiner französischen Kenntnisse das Auhenministerium übernahm. Er fuhr auch mit dem Zentrum-abgeorbneten Dr. Bell nach Versailles unb leistete Die Unterschrift unter den Friedensvertrag. die Scheidemann mit dem bekannten Flucht ..Die Hand soll verdorren 1" abgelebnt hatte. Heber den Kapp-Putsch fiel daS Kabinett Bauer im März 1920. Müller übernahm die Reubildung, trat aber schon bald nach den Reuwahlen zurück, um bem Kabinett Fehrenbach Platz zu machen. E-eitbem hat er al« Führer der Partei in bet Opposition ge- ftanben.
Oer neue ReichSfinanzminister Or. Hilferding
steht im 51. LebenSjabr. Er ist Oesterreichrr, hat Medizin studiert unb war in Wien als OlrAt tätig. 1907 wurde er in die sozialdemokratische Parteischule berufen, trat dann in die Redaktion des .Vorwärts" ein unb entwickelte sich zum Finarcztheorcliker unb Rationalökonomen seiner Partei. Rach bem Kriege schlug er sich auf bie Seite der Unabhängigen und übernahm die Ehes- redaktion der ^Freiheit", kehrte aber nach bet Abspaltung der Kommunisten mit dem Rest bet Unabhängigen zur Mehrheitspartei zurück. 3n dem ersten Kabinett C trete mann übernahm er das Finanzministerium, schieb aber schon bei der ersten Krise im Oktober 1923 wieder au«. Damals hat er im Finanzministerium H-.c Lorbeeren geerntet, eben weil er nur - , oretifer war. unb es steht kaum zu hoffen, b- , er inzwischen viel angelernt hat.
Oer Innenminister Karl Severing
wurde 1875 in Westfalen als Sohr, eines Zl- garren'DTtiercre geboren, erlernte das Schlosser- Handwerk. um bann Geschäftsführer des Metall- arbe.trrveröandes unb später Rebakteur zu werden. 1907 trat er zpm erstenmal im Reichstag üuf. verlor jeboch 1912 sein Mandat wieder. Eine pv.tti'che Rolle hat er erst nach dem Änege ge- 'pielt, als er zum Re.chskommissar für Rhcin- lanb-löeftfalen ernannt wurde unb bie Verhandlungen mit den Bergarbeitern auch im Kapp-Puttch zu führen hatte. Er ging bann in das preussische Kabinett, bem er, mit zwei Unterbrechungen. bi< 1926 als Innenminister angeböd bat Auch feine Gegner müssen ihm nachsagen, dass er mit erstaunlichem Fleih unb grosser Energie lich in dieses Amt hineinarbeitete, unb bass er einer ber wenigen Politiker war, die ihr Ressort wirklich beherrschten. Das hat sich für bie Sozialdemokraten bezahlt gemacht, da er


