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Ur. 124 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 29. Mai 1928
Hoover und Smith.
Tic Präsidcntschaftstanvibatcn der beiden großen Parteien in dcnVereiniglcn Ltaatcn. Bon unserem ständigen A. O. A.-OSerübtcrftatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Neuyork. Mai 1928.
3n wenigen Wochen beginnen die National» konventc her beiden großen politischen Parteien Nordamerikas, beginnt der Kamps um das Ptä- siLenienamt Die Republikaner versammeln sich zuerst. KansaS City in Missouri ist chrc Konventstadl. Die Demokraten tagen in Houston im Staate TegaS. Die Republikaner entsenden zu ihren» Parteitag 1089 Abgeordnete. 3ur Nominierung des PräsidentschastSkandidaten ist einfache Stimmenmehrheit — 545 Stimmen — nötig; die demokratische Nationalversammlung ist 1100 Kopse stark, und aus ihr kann ein Kandidat nur nominiert werden,wenn sich zwei Drittel aller Delegaten für ihn aussprcchei». Diese viel- umstrittene Zweidrittelmehrheits-Bestimmung hat nicht wenig dazu beigetragen, manche demokrausche Tagung endlos in die Länge zu ziehen, hundert und mehr Abstiminungen zu veranlassen, sie hat auch mehrfach Anlaß dazu gegeben, dast man sich schließlich, um irgendwie aus der Sackgasse herauszukommen, aus einen Kompromiß-Kandidaten — das bewußte . d a r k horst" im Rennen — einigte, der anfänglich überhaupt nicht in Betracht kam, und daß die Bewerber, die ursprünglich die besten Aussichten zu haben schienen und deren Ansprüche wohl auch die berechtigsten waren, in der Versenkung »verschwanden.
3e nach den in den einzelnen Staaten der Union geltenden Bestimmungen über Organisation und Geschäftsgebarung der politischen Parteien wird die Delegation zum nationalen Parteitag entweder durch Volksabstimmung lPrimarwahl, an der sich nur die als Partei- angehörige eingetragenen Wähler beteiligen können) gewählt, oder aber die Parteiorganisation innerhalb des Staates ernennt sie auf dem Staats-Konvent. Die Delegation kann „instruiert" werden, sich für einen bestimmten Kandidaten einzusetzen und bei ihm auszuhalten, bis er selbst Ne von dieser Verpflichtung entbindet; sie kann den Auftrag erhalten, in diesem oder jenem Falle zu einem anderen — bestimmten oder unbestimmten - Kandidaten überzugehen. he kann aber auch die Reise nach der Konventstadt ohne jede Instruktion, ohne Verpflichtung auf irgendeinen der Teilnehmer an dem großen Rennen antreten. Solche Weisung kann den Abgeordneten zum Parteitag natürlich nur dann gegeben werden, wenn sie auf dem Staats- Konvent ernannt werden. nnd das verehrliche Publitum dabei sich einbildet, die Befehle der Parteiführer an die Delegaten repräsentierten seinen ..Willen". Um auch den Wählern solcher Staaten, in denen diese Delegationen durch Plebiszit erkoren werden, Gelegenheit zu geben, sich darüber ouSzulassen, welchen der im Felde stehenden Aspiranten auf die Präsidentschafts-Nomination sie vorziehen, ist dem Stimmzettel der Name des Betreffenden — oder auch mehrere — aufgedruckt, ober aber der Wähler schreibt ihn in eine hierzu freigelassene Rubrik.
Ist mit der Delegatenwahl auch die Aufstellung von Kandidaten für staatliche oder städtifche Aemter verbunden, und herrscht Spaltung innerhalb her Partei, so haben die Stimmgeber gefälligst selber daraus aufzupassen, welche Fraktion für den von ihnen bevorzugten Präsidentschafts-Aspiranten einttiti, und haben dementsprechend zu stimmen. Da aber dem Durchschnitts-Amerikaner, der sich überbauet um Politik kümmert, weit mehr daran gelegen, ist, örtliche A em ter mit den „richtigen' Leuten zu besetzen, die dafür sorgen, hab man daheim nicht zu kurz kommt, gibt solche Abstimmung über den al« künftigen Inhaber des Weißen Hauses in Washington Bevorzugten nicht immer ein liareS Bild, ist nie ganz zuverlässig, und diese Unsicherheit verschafft der Mitwelt den schönsten Zeitvertreib, der ihr beschieden, seitdem sie es müde geworden, dicke Folianten nach passenden Worte»» für die Kreuzworträtsel zu durchstöbern.
Dieser sinnige Zeitvertreib ist das Errrech- n en der Aussichten der Bewerber um die
Schützt Deutschlands Kunstbesih!
Llm den Besitz der Rembrandt, Öürer, Eranach, Grünewald, Holbein.
Don Or. Walther Hötting.
.Die Barbaren aber, die Engländer, laufen alles weg und schleppen es in ihr Land, und bei ihnen sieht es niemand." Als der Archäologe Winckelmann diesen Satz in der Mitte des 18. Iahrhunderts in Rom schrieb, weil ihm die angelsächsischen Kunstfre»mde die kostbarsten Meisterwerke vor der Nase fortkauften, hatte er wohl unrecht, die Engländer als Barbaren zu bezeichnen; aber er sprach doch einen richtigen Gedanken aus, der auch heute noch zutrifft, wenn man statt Engländer Amerikaner lagt; daß fanatische Kunstsammler des Auslands gewaltige Summen auf bringen, um die wertvollsten im Kunsthandel erscheinenden Werke )»rm Schaden der deutschen Galerien °zu erwerben. Auf der großen Kunstauktion, die vor kurzem in Berlin zur Versteigerung der Sammlung Huldschinsky stattfand, sind wieder unersetzbare Kunstwerke aus deutschen» Besitz an Ausländer verkauft worden, und es scheint ziemlich sicher zu fein, daß das Hauptstück der Sammlung, das Bildnis der Hendrihe Stoffels von Rembrandt. durch einen Vermittler für einen amerikanischen Auftraggeber erworben worden ist. Eine holländische F»rma erstand für 200 000 Mark das Gemälde „Das kranke Kind" von Sabricl Mets u. ein größeres und ein kleineres Werk von Tetborch wandern nach London, und besonders bedauerlich ist es, daß dieselbe englische Firma auch das wunderschöne kleine Brustbild einer jungen Frau von Hans Holbein ins Ausland entführen kann.
Betrachtet man die Reihe der Dllder, die in der allerletzten Zeit aus Deutschland ins Ausland txnrfauft worden sind, und bedenkt man ferner, daß gleichzeitig der künstlerische Ausverkauf Europas an Amerika erschreckende Fortschritte gemacht hat, so muß jeder wahre Kunstfreund bedenklich gestimmt werden. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß diese Verkäufe tn
Präsidentschafts-Nominativ:» Mim kommenden Parteikonvent W e viele Delegaten für den und jenen „instruiert" finb, weiß man zwar ganz genair, aber die bekannte Gröhe interessiert u>eit weniger als die unbekannten, die „Sicheren" sind den „Unsicheren", den „Zweifelhaften" gegenüber gewöhnlich stark in der Minderheit, und wenn man für einen hoffnungsvollen Anwärter die nötige Zahl Deiegatenstimmen herauSrechnen will, muh man notgedrungen bei den „Unsicheren" Anleihen machen.
Dis gestern standen insgesamt vierzehn Männer, die sich offen um die Nomination bewerben, im Felde, acht Demokraten und sechs Republikaner. Heute, nach dem plötzlichen, wenn auch nicht ganz unerwarteten Ausscheiden deS Demokraten Wally, sind der Dernokraten noch sieben, nämlich die Gouverneure Smikh von Reuyork und Ritchie von Maryland, die Senatoren Reed von Missouri und George von Georgia, der Kongrehabgeordnete Cordell Howell von Tennessee, und die Er-Senatvren Gilbert M. H i l ch c o ck von Nebraska und Atlee Pomerene von Ohio.
Auf der republikanischen Seite finden wir den Handelsminister Herbert Elark Hoover, den früheren Gouverneur von Illinois Frank O. Lowden und die Senatoren Watson von Indiana. Curtih von Kansas, Norris von NebraSka und (Soff von West-Virginia.
Instruiert, für Hoover zu stimmen, sind bislang 148 Delegaten, von Hoovers Kampagne- leitcrn beansprucht werde,» jedoch insgesamt 396. Lowden. der Agrarier, hat 75 sicher, erhebt aber Anspruch aus 230; Cuttih hat 23 und beansprucht weitere 23; Norris hat 17 und beansprucht weitere 16. und Borah, der als Kandidat der regulären republikanischen Partei kaum in Betracht kommt, hat die Komplementär- Instruktion der elf Delegaten seines Heimatstaates Idaho.
Die große VorkonventS-Diskussion, das allgemeine Rätselraten und Kopfzerbrechen dreht sich jetzt darum, wessen Zahl „beanspruchter" Delegaten die falscheste ist. Nun hat aber Hoover in den letzten paar Tagen einige so überraschende Erfolge erzielt, daß seine Erkürung zum Bannerträger der Republikaner im nächsten Wahlkampf nicht mehr in Zweifel gezogen werden kann. Von den 839 bisher ernannten oder gewählten republikanischen KonventSdelegaten beanspruchen Hoovers Generale rund 400. und wenn toover auch bet den im Mai stattfindenden taalskonventen und Primärwahlen so gut ab- schneidet wie bisher, mühte schon ein Wunder geschehen, wenn er in Kansas City nicht nominiert werden sollte. Und wird er nominiert, dann wird er wohl auch gewählt.
Die Demokraten haben bisher 670 ihrer Konvents-Delegaten erwählt oder ernannt. Hiervon find 185 auf den Neuyorker Gouverneur Smith verpflichtet, feine Freunde machen aber geltend, daß fic alle« in allem 494 Mann in seine Rubrik einreihen bürfen. Von dieser Differenz von 309 machen Smiths Konkurrenten und ihre Feldherren Smith nur 70 streitig, so daß noch immer 424 Mann übrig blieben, auf die der Neuyorker Gouverneur jetzt schon von allem Anfang an zählen kann.
Senator Reed hat bislang nur die Delegaten seines Heimatstaate« Missouri. 36 an der Zahl, er nimmt allerdings weitere 81 für sich in Anspruch. die ihm jedoch samt und sonder« von gegnerischer Seite bestritten werden. Die anderen Anwärter. Pomerene mit 47 und George mit 28 „Instruierten", kommen jetzt um so weniger in Betracht, als Senator Walsh, der allen seinen Mitläufern — mit Ausnahme Smiths — weit voraus war, sich nach dem glänzenden Sieg Smiths in dem so heiß umstrittenen Kalifornien mit der Erllärung um die Bewerbung von der Nomination zurückgezogen hat, der Ausgang der Primärwahl in Kalifornien fei so entscheidend, daß kein anderer als Smith mehr Anspruch auf die Führerschaft der demokratischen Partei in der kommenden Kampagne mehr erheben könne, und daß er Smith daS Feld räume.
Alfred Emanuel Smith, viermaliger Gouverneur von Neuyork, wird bemnadj der demokratische Bewerber um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten vom 4. März 1929 bis 1933 fein. In Kalifornien war Smith imstande, die gewaltige Macht seiner politischen Gegner im eigenen
absehbarer Zeit »richt rückgängig gemacht werden können, da es unmöglich ist, das soviel reichere Amerika im Kunsthandel zu überbieten. Da ist — sozusagen zur Eröffnung des Dürer-Iahres — vor ungefähr fünf Monaten die „Heilige 5a- milie" des Nürnberger Meisters ins Ausland verkauft morben. Don Albrecht Dürer gibt es jetzt in deutschem Privatbesitz nur noch ein einziges Bild, einen in München befindlichen Männerkops. Kurze Zeit darauf wurde ein wertvolles Rembrandtbild, der „Christus und die Samariterin", aus der ehemaligen Sammlung Kappel stammenb, nach Wnerika verkauft. Ein amerikanischer Privatsan»mler ließ es sich — wenigstens wird diese Summe im Kunsthandel genannt — eine Million Mark kosten, ein Dürer - vildnis zu erwerben, das eine Berllner Äunft- handlung aus schwedischem Privatbesitz gekauft batte und von dem man hoffte, daß es nun in Deutschland bleiben würde. Auch aus der berühmten Sammlung des Fürsten von Hohen- zollern-Sigmaringen sind wertvollste Stücke aus Deutschland entführt worden. Besonders zu beklagen ist der Verlust der Cranachs unö des herrlichen Altdorfer. Selbst so kostbare und urdeutsche Werke wie die „Kreuzigung" von Matthias Grünewald scheinen, allen gesetzlichen Bestrebungen zur Erhaltung des nationalen Kunstbesihes in Deutschland zum Trotz, den» Vaterland dos Künstlers auf alle Zeiten verlorengehen zu sollen. Ueberblidt man diese Liste, so muß man zu dem Schluß kommen, daß die Schutzmaßnahmen durchaus ungenügend finb, es allo nicht ausreicht, eine Aufstellung der national wer wollen Kunstwerke anudegen. die eigentlich nicht nach dem Ausland verkauft werden dürften. — wenn dann später die ausnahmsweise in besonderen Fällen zu erteilende Aus- fuhrerlaubnis ganz allgemein bewilligt wird. Es gilt, einer Verschleuderung des deutschen Kunstbesitzes. die schon in vollem Gange ist, toenigftenS von jetzt ab Einhalt zu gebieten.
Wie bedenklich die Lage nicht mir für Deutschland. sondern für ganz Europa ist. geht aus einer Zusammenstellung der allerwichtigsten, im vorigen Iahre über den Atlantischen O^ean gewanderten Kunstwerke hervor. Schließlich ist es
Lager, an ihrer Spitze William Gibbs M c A d o o. der 1924 im Neuyorker Madison Square Garden Smiths Nomination zu vereiteln wußte, mit einem persönlichen Triumph zu überwinden, wie er überwältigender noch feiten in einer Vorkampagne crjielt worden ist.
Kalifornien ist ein ausgesprochener Prohibition s st a a t (die 'Weinbauer machen seit Einführung de« Alkoholverbots ein viel zu gutes Geschäft, als daß sie der Prohibition entgegenzutreten gedächten^ — Smith trat hier als ausgesprochen „nasser", d. h. prvhibitions- seindlicher Bewerber auf. gegen den „trockenen". von McAdoo begünstigten Walsh, der ebenso wie Smith Katholik ist. Und die ReligionS- frage mag bei der Wahl von ausschlaggebender Bedeutung fein. Smiths Primärwablsieg an der Pazifikküste hat denn auch im ganzen Lande solchen Eindruck gemacht, daß z. B. die mit Nägeln und Zähnen für Hoover kämpfende, ultra- republikanische Neuyorker Herald-Tribüne in ihrem redaktionellen Kommentar dazu bemerkt: „Wenn irgendwelche Politiker «Republikaner) davon geträumt haben sollten, daß sie ebenso leichtes Spiel wie 1924 haben würden, und daß
sie sich darauf verlassen konnten, es werbe sich im gegebenen Moment der nötige Kompromiß- kandidat finden lassen, so haben sie ein unsanftes Erwachen zu gewärtigen. In Gouverneur Smith haben die Demokraten einen erprobten Feldherrn mit landweitem Anhang, der voraussichtlich von einem einigen, geeinten Konvent einfttmig nominiert werden wird. Um einem solchen Vorstoß begegnen zu können, müssen die Republikaner in Kansas City den fähigsten, den hervorragendsten überhaupt erlangbaren Kandidaten nominieren, der auf die ganze Nation den stärksten Eindruck macht
Eine Wahlschlacht zwischen Hoover und Smith dürfte sich hoch über daS Niveau der Harding- und der Coolidge-Kampagne hinauS- heden. Beide Männer haben sich Ansehen und eine große Gefolgschaft erworben. Beider Charakter ist ohne Makel. Beide find hervorragend tüchtige Verwaltungsbeamte. WaS in den Augen des amerikanischen Volkes für. was gegen sie spricht, was Freunde und Gegner von ihnen halten, darüber wird sich nach Kansas City »md Houston reden lassen.
Triumph der Eigenbrötelei.
Warum so viele Kandidaten bei der Wahl durchfielen. — Oie Folgen der Zersplitterung.
Es hat bei sehr vielen Wählern Derwunderung hervorgerufen, als sie auS der Veröffentlichung der amtlichen Liste vom Wahlergeb»»is ersehen mußten, daß eine ganze Anzahl Parteien zu keinem Kandidaten gelangten, obwohl ihnen eine recht beträchtliche Zahl von Stimmen zusiel, andere Parteien dagegen, die tneniger oder doch kaum mehr Stimmen auf sich vereinigten, zwei und mehr Kandidaten erzieltem Sehr viele haben sich gefragt: Wie kommt das? Die rein technische Aufklärung soll ihnen nachstehend gegeben werden. Zuvor aber noch einige allgemeine Worte.
Es ist ein alter deutscher Fehler, daß es nicht zwei mit einer, kaum zwei mit einander angenäherter Meinung gibt Nennt einer etwas weiß, so glaubt der andere, blaue oder gelbe Töne darin entdecken zu müssen, und wieder andere, die es noch besser wissen, behaupten, daß es reines Weiß überhaupt nicht gebe, sondern daß jedes Weih ein wenig ins Grau hinüberspiele. Standpunkti Ieder hat einen andern, jeder glaubt, daß allein seiner der richtige sei und alle Welt sich nach ihm richten müsse.
Die Reichstagswahl hat diese Standpunktreiterei In ihrer vollen Blüte gezeigt. Es gehört allerhand dazu, in einem Lande, das gerade wegen des Drucks, der auf ihm lastet, genug damit zu tun hat, sich auf geradem und möglichst raschem Wege wieder ein wenig Luft zu schaffen, einunddreißig Parteien zu einer Wahl vorzuschlagen, und man möchte fast die Spitzfindigkeit bewundern, mit der mai» die verschiedenen Parteiprogramme ausgearbeitet hat. Aber man wird sich von Bewunderung ziemlich fernhalten und dafür zu einem Bedauern um so mehr Anlaß haben. Bedauern zu hegen, haben vor allem die Anlaß, die sich bemüßigt fühlten, solchen Splitterparteien ihre Stimme zu geben. Es war ein Hieb in die Luft, eine Pleite, worauf sie hinarbeiteten. Hunderttausende von Stimmen sind abgegeben worden „für die Katz". Nicht ein Mandat, nicht ein Vertreter im Reichstag lohnt die Mühe, die man sich gemacht hat. den Aufwand, den man zum Stimmenfang trieb, das Vertrauen, das man schenkte. Cs müßte denen, die eine solche Splitterpartei ins Leben riefen, wie ein Schlag ins Gesicht fein, daß ihre Eigenbrötelei einen solch schlimmen Reinfall erlebte. Und die den Lockungen folgten, kann es nicht viel beffer ergehen. Denn sie erhofften doch eine entschiedene Vertretung ihrer Interessen im Reichstag, glaubten, daß das durch die großen Parteien nicht richttg geschehe, meinten, mit einer eigenen Partei besser zu fahren und sind nun ohne Vertretung, ohne Stimme, müssen trachten, irgendwie bei Den großen Parteien Vertretung zu finden, müssen sich aber auch errechnen, daß sie mit ihrer Eigenbrötelei die Schlagkraft der großen Parteien recht bedeutend geschwächt haben.
Man berechnet den Verlust, d.r durch die Splitterparteien entstanden ist, mit 19 Mandaten. Gering gerechnet. Es wird jedem einleuchten, daß 19 Vertreter für eine Sache mehr recht beträchtlich ins Gewicht fallen kann, wenn es um eine Angelegenheit geht, die auf Messerschneide steht. Und so kann es sehr wohl kommen, daß in der nächsten Zeit Entscheidungen gefällt werden, die vielen gar nicht passen. Sie und alle ihre Parteifreunde mögen dann an die Brust schlagen und sich schuldig betenircn. Cs ist ihre eigene Schuld, wenn ihre Wünsche jetzt nicht zur (Seltung kommen, und die Schuld wird um so größer, wenn man berücksichtigt, daß solche Entscheidungen für das ganze deutsche Volk von Nachteil fein können. So betrachtet, habe»» die Splittler nicht nur allen Grund, sich selbst Vorwürfe zu machen, sondern die andern haben zudem Anlaß, sich über sie zu beklagen. Aber kein Recht haben die Splittler, von sich au« Klage zu führen, denn sie haben es nicht ander« gewollt. Gewarnt ist vor der Wahl genug worden, und die früheren Wahlen, wo rund 20 Parteien aufmarschierten, hatten ja schon ähnliche Erfahrungen machen lasten. Man hätte also baran genug lernen können. Aber der Eigensinn ließ es nicht mi, die Eigenbrötelei wollte ihren Triumph. Sie hatte ihn, nur daß es ein Pyrrhussieg wurde, ein Bankrott, der seine Wirk»mgen nicht verfehlen wird.
Wie aber kommt es. daß die Splitterparteien nicht zi» Sih und Stimme kamen? Die Ermittlung das Wahlergebnisses nach §§ 30 ff. des Reichs- wahlgesehes vom 6. Mai 1924 (RGBl. I, 162) gibt die Antwort darauf. Iedem Kreiswahlvorschlag werden soviel Abgeordnetensitze zugewiesen, daß je einer auf 60 000 für ihn abgegebenen Stimmen kommt. Stimmen, deren Zahl für die Zuteilung eineS oder eines weiteren Abgeordnetensitze« au« einem Wahlkreisvorschlage nicht ausreicht (Rest- stimmen), werden dein Reichswahlausschuß zur Verwertung überwiese»». Dieser Ausschuß zählt z»mächst die Reststimmen zusammen, die in den Wahlkreisverbänden auf die verbundenen Kreiswahlvorschläge gefalle»» sind. Auf je 60 000 solcher Reststimmen entfällt ein weiterer Sih. AuS den Reststimmen können jedoch nicht mehr Sitze zu- gewiesen werden, als der betreffenden Partei durch die Stimmen zufallen, die sich aus den oben angegebenen 60 000 Stimmen in jedem Wahlkreis ergeben. Außerdem bleiben die Reststimmen unberücksichtigt, wenn auf einen der verbundenen Kreiswahlvorschläge nid»t wenigstens 30 000 Stimmen abgegeben finb. Die bei der Verrechnung der Reststimmen in den WahlkreiS- verbänden nicht verbrauchten oder nicht berücksichtigten Reststimmen werden ihrem Re ich s- wahlvorschlag »überwiesen. Scharm zählt der Reichswahlausschuß die in allen Wahlkreisen oder
für den deutschen Kunsthistoriker nicht unmöglich, einmal zum Studium besonders wertvoller Gemälde nach London oder nach Amsterdam zu reifen: aber Kunstwerke, die nach Cleveland oder Detroit verkauft worden sind, dürften nur rwch wenigen Europäern zugänglich sein. Unter bei» Meisterwerken, bic im vorigen Iahr nach ben Vereinigten Staaten entführt worben finb, steht wohl an erster Stelle die „Maria bei ber heiligen Elisabeth" von Rembrandt ein hetvorragen- bes Gemälbe, das sich früher im Befih des Herzogs von Westminster befand und nun — übermäßig restauriert und dadurch erheblich entwertet — im Museum von Detroit ausgestellt worden ist. Eine Madonna von Tintoretto aus der Sammlung Alfons von Rothschild hängt jetzt im Museum von Cleveland, Giovanni Bellinis „Santa conversazione“, ein Hauptwerk der englischen Sammlung Benson. ist für 12 Millionen Mark nach ben Vereinigten Staaten verkauft worden, und die wunderschöne, unbeschreiblich lächelnde Madonna von Nino P i s a n o, eine Skulptur von ergreifender Schönheit, hat Fräulein Ethel Ford, die Tochter des Automobilkönigs, dem Museum von Detroit geschenkt. Nun hat zweifellos ber Durchfchnittsamerikaner sehr wenig Kunstverständnis; aber er weiß, daß Kunstwerke etwas sccht Wertvolles finb, und es schmeichelt der amerikanischen Natton, diese Kostbarkeiten zu besitzen. Europa hat allen Grund, sich vor dieser Entwicklung, die offenbar noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, schleunigst zu schützen.
Altertümer.
Von Karl Neurath.
Zu Zeiten, als Helgoland noch wohlgehüteter Besitz Seiner britischen Majestät war, kam eine« Tages ein hagerer, mit irdischen Gütern sichtbar- lich reich gesegneter Engländer auf die Insel. Er trug einen graukarierten Anzug, weihe Gamaschen, grauen Ztzllnberhut, eine blaue Drille auf der Nase, einen graular erten Umhang über dem Arm, eine grobe Reisetasche auf dem Rücken »mb wollte Altertümer kaufen. Er lud bte
Fischer ein zu einem Grog, lieh sein Geld m ber Tasche klimpern unb ettunbigte sich unter der Hand nach Altertümern. Die Schiffer zwinkerten mit ben Augen, sahen sich an unb lachten dumpf daher. Sie waren noch nicht so gewitzigt wie heute, denn es ist schon ein ganzes Ende her? unb so rückte denn mancher mit diesem unb jenem heraus. Der Engländer ging von Haus zu Haus, sah sich die Altertümer an, sagte „Yes!" oder „No!", manchmal auch „Wonderfu!“ ober „Nico, very nice!", lieh sie in seinen Gasthof bringen unb zahlte gut. So kam er auch zu Iasper« Großvater. Der hockte irgendwo am Strande, eine Landungsbrücke gab es ja noch nicht, faute seinen Priem und sah ben Wollen zu. „Abcn er no antiquities?" fragte ber Engländer. Iaspers Großvater staunte auf, Ichob den Priem auf die andere Seite unb rümpfte die dicke Nase. Dann lachte er breit und nickte mit dem Kopse.
„Oh! Ah! Yes! Well!“ gähnte ber Engländer. „Wondcrful! Zeigen er mir antiquities! Zahlen aut, sehr gut." Iaspers Großvater überlegte unb bestellte ihn in seine Wohnung nachmittags um 3 Uhr. Der Engländer verzichtete schweren Herzens auf feinen Mittagsschlaf und eilte auf ben Glockenschlag pünktlich aufs Oberland, schon im Vorgefühl seines Kaufes glücklich. Iaspers Großvater sah auf der Bank vor seinem Hause, kaute seinen Priem unb sah wiederum ben Wolken zu. Tat. als bemerke er ben Engländer gar nicht.
„Uo aben antiquities?"
Iasper beutete mit dem breiten Daumen stumm über die Schulter auf fein Haus und verzog ben Mund ein wenig: m bet Tür stand fein Weib, grau, zusammen gefallen, alt.
„Gratis!“ sagte Iaspers Großvater, „völlig gratis! Sie ist eine wonderful antiquity!“
Hochschulnachnchien.
Die Ernennung des Prof. Dr. Berthold Klatt von ber Hamburger Universität zum orbent- lichen Professor ber Zoologie an ber Universität Halle als Nachfolger von Prof. B. Ha ecket ist erfolgt


