Ausgabe 
29.3.1928
 
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15000 Villsteller schreiben an Hindenburg.

Phantasten. Querulanten und Narren. - Lustiges aus Minister-Papierkörben.

Von Legatuee.

die Regierung, zwei weitere Hufbeschlag» Lehrschmieden zu errichten. Ein volks­parteilicher Antrag, der bereits bekannt war, betrifft die Wiedereinführung des Ehren­zeichens für Lebensrettung im Bolks- staat Hessen. Ein ebenfalls schon bekannter so­zialdemokratischer Antrag ersucht die Regierung, im hohen Vogelsberg Beispielswirt­schaften zu pachten und auf Viehwirtschaft umzustellen. Weiter ging dem Landtag der bekannte Landbundantrag betreffend Ermäßi­gung der Steuern zu, und schließlich noch eine Regierungsvorlage betreffend Errich­tung eines Anbaues am Pathologi­schen Institut der Landesuniversi- k ä t Gießen, sowie bauliche Veränderungen an diesem Institut, wofür insgesamt 85 000 Mk. für das Bauvorhaben und 23 000 Mk. für Innen­einrichtung erforderlich find.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Garbenteich, 28. März. Unser Dahn- hossbeamter Adam Gast kann am I. April auf sein 25jähriges Dienstjubiläum auf der hiesigen Station und auf eine 32 j ä h r i g e Tätigkeit bei der Reichs-Eisenbahn zurück­blicken. Der Iubilar erfreut sich infolge seines zuvorkommenden Wesens des allgemeinen Ver­trauens unserer Gemeinde, die ihm wünscht, daß er noch lange Iahre seine Dienststelle be­kleiden möge.

: Alten-Duseck, 28. März. Vor bald zehn Iahren ist unsere Volksschule einklassig ge­worden, und seit dieser Zeit kann sich der Unterricht nicht in der geordneten Weise voll­ziehen; denn die vier Klassen müssen in drei Sälen unterrichtet werden. Ein Schulhaus­neubau ist schon seit Iahren geplant und be­schlossen worden, mußte aber umständehalber immer wieder hinausgeschoben werden. In diesem Iahr soll nun der Bau in Angriff genommen werden. Die Plahsrage ist insoweit gelöst, als das Gebäude in der Nähe des Pfarrhofes zu stehen kommt. Die Gemeinde steht mit dem Frei­herrn v. R a b e n a u, dem das Gelände gehört, gegenwärtig in Verhandlungen, um den Bau­platz zu erwerben. Eine weitere Schwierigkeit ist die Geldbefchaffungsfrage, und erst wenn beide Fragen gelöst sind, kann mit den Arbeiten be­gonnen werben.

§ Grünberg, 28. März. Die jüngste Ge­meinderatssitzung brachte u. a. folgendes: In Anwesenheit des Präsidenten Silier vom Landesfinanzamt Darmstadt wurde der Bau von zwei Beamtenmiethäusern bera­ten. Präsident Tiller referierte über den augen­blicklichen Stand dieser Angelegenheit. Die Reichsbauabteilung am Landesfinanzamt in Darmstadt vertritt die Ansicht, das; die Bauten nach einheitlichem Plane und nach ein­heitlicher genauer Baubeschreibung vergeben und ausgeführt werden sollten. Der Gemeinderat beschloß demzufolge, daß die Baugruppenleitung des Landesfinanzamtes in Darmstadt gebeten wird, eine genaue Daubeschreibung und Bau­berechnung über die Bauten anzufertigen und baldigst der Bürgermeisterei Grünberg zu über- senden. Der Freiwilligen Feuerwehr wurde die Anschaffung von 100 Meter neuer Schläuche genehmigt. Der Aufwertungs­betrag zum Bahnbau der Bahnlinie Grün­bergLondorfLollar in Hohe von 350 Mark wurde, nachdem die Bürgermeisterei mit der Vertretung der Dezirkssparkasse diese Verein­barung getroffen hat, genehmigt. Fernerhin wurde beschlossen, daß die Aufwertung der R e st s ch u l d , die die Gemeinde Grünberg nach dem Stichtag (14. Iuni 1922) an die Hessische Landeshypothekenbank in Darmstadt im Betrage von 26 209,39 Mk. zurückgezahlt hatte, nunmehr mit 5000 Mk. aufgewertet und in zwölf gleichen Monatsraten zurückbezahlt wird. Dieser Ver­gleich kam durch eine gemeinschaftliche Sitzung zwischen Kreisamt, Bürgermeisterei und dem Vertreter der Landeshypothekenbank Dr. Bausch am 13. Ianuar zustande. Die Wasserlei­tung soll in der Schul st raße bis an die Reubauten weitergelegt werden. Es sollen hier dieselben Bestimmungen gelten wie früher.

± Grünberg, 28. März. In der hiesigen Turnhalle fand eine Schulfeier der Ober­realschule statt, zu der Eltern und Ange­hörige der Schüler, sowie eine große Zahl von Freunden und Gönnern der Anstalt erschienen waren. Oberstudiendirektor Angelberger gab in einer Ansprache einen ileberbltd über das abgelaufene Schuljahr. Die Schülerzahl ist im Laufe des Schuljahres auf über 300 gestiegen. Anna Pfeffer zu Grünberg hatte das Glück, das dritte Hundert aufzufüllen. Sie erhielt ein Erinnerungsgeschenk in Form eines Buches. Einem an anderen Lehranstalten schon üblichen Brauch, die besten Schüler mit Prä­mien auszuzeichnen, wurde diesmal zum ersten Male nachgekommen. Es erhielten Prämien: Oberprima: Ernst Ziegler (Kesselbach); Anter- prima: Wilhelmine Angelberger (Grün- berg); Antersekunda: TillaRömer (Grünberg); Obertertia: Elisabeth Repp (Grünberg) und Georg Reih (Lehnheim); Untertertia: Wilhelm Eimer (Treis a. d. Lda.) und Heinrich Ger­hardt (Grünberg); Quinta: Irmgard Peters (Flensungen); Sexta: Marie Repp (Grünberg) und Heinrich Hilbert (Winnen). Gedichte, Ge­sänge, Darbietungen des Schülerorchesters, eine Aufführung des zweiten Aktes ausMinna von Barnhelm" und ein TheaterstückchenWer kommt?" unter der Spielleitung von Fräulein Studienassessor Kühner umrahmten bie schön verlaufene Schulfeier.

K eis Friedberg.

sf. Friedberg. 28. März. Im Gebäude der BankfürHandel, Gewerbeund Land­wirtschaft sand jetzt deren diesjährige Hauptversammlung statt. Sie wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Rotar Iöckel, geleitet. Bankdirektor A. Weber er­stattete den Geschäftsbericht, aus dem eine er­freuliche Entwicklung deS Unternehmens zu er- sehen war. Einige Zahlen daraus feien hier genannt. In Klammern stehen die entsprechenden Zahlen vom 1. Ianuar 1924. Die Mitglleder-Gut- haben betragen 150 708 (15 020) Mk. 1308 Mit­glieder haben Stammanteile erworben. Die Ge- samtreserven ohne die Aufwertungsreserven be­tragen 44 982 (27141) Mk. Die Spareinlagen haben die stattlicke Höhe von 345 716 (2629) Mk. erreicht; eine sehr erfreuliche Erscheinung Das Konwkorrent-Kreditgeschäst ergab einen Abschluß von 624 345 (4570) Mk. Verluste In diesem Ge­schäftszweig sind nicht entstanden, vorsorglich wurde jedoch hierfür eine Sonderreserve von

Von den vielen tausend Briefen, die täglich in den Ministerien der Wilhelmstratze in Berlin abgegeben werden, laufen nicht alle durch die Instanzen des Verwaltungsweges und enden schließlich in der Registratur; sind sie an die lei­tenden Persönlichkeiten selbst gerichtet, so findet sie der Minister auf feinem Frühstückstisch und übergibt sie seinem Sekretär. In diese Kategorie gehören zunächst die anonymen Briese, deren Zahl heute sreilich sehr abgenommen hat, wenn man sie mit Briefstößen vergleicht, die in den leidenschaftlicheren Zeiten vor einigen Iahren alle Regierungstische zu überfluten drohten. Die Drohbriefe, die früher für besonders um» kämpfte Persönlichkeiten eine alltägliche Erschei­nung waren, sind heute sehr selten geworden; wohl die meisten anonymen Zuschriften, die einen drohenden Ton anschlagen, laufen heute im Reichsfinanzmini st eriu m ein. Man droht dem Minister zwar nicht persönlich schließlich weih heute fast jeder, daß er nicht an allem die Schuld tragen kann aber man kündigt ihm zuweilen in wenig liebenswürdiger Weise an, daß manseine" Finanzbeamten nach Berlin zurückschicken werde. Meist machen einzelne Steuer­pflichtige ihrem gequälten Herzen in solchen Briefen Luft, nachdem sie sich lange und erfolglos mit der lokalen Behörde auseinandergefetzt haben; aber es ist gelegentlich auch vorgekommen, daß eine ganze Versammlung in ihrer Entrüstung einen solchen Entschluß gefaßt und ihn der Wil- helmstraße brieflich mitgetcilt hat ohne daß der Finanzminister oder seine Beamten eine nutz­bringende Verwendung für die Resolution oder dengeharnischten" Protest gehabt hätten, und in den allermeisten Fällen ist der energischen Entschließung auch keine entsprechende Tat gefolgt.

Manchmal kann ein anonymer Dries dem Emp­fänger auch Vergnügen bereiten. Dr. Strefe- mann erzählt gern von einem solchenSchrift­stück", das er eines Morgens unter seiner Post fand; auf dem Dlatt sah man die Zeichnung eines Schiffes, an dessen Heck der Rame des Reichsaußenministers prangte. Als Taufspruch des Schiffes stand darunter ungefähr:Du wirst nach rechts und nach links steuern, die Wogen werden dich hierhin und dorthin werfen darum taufe ich dich auf den Rainen ©frefemann. Der Minister hat Humor genug, um keinen Stachel in einer Kritik zu finden, die in so witziger Form geübt wird. Er sieht auch mit Gelassenheit und selbst mit einem Lächeln die Karikaturen, die von den Zeitungen über ihn gebracht werden, und von denen die Reichspressestelle nicht nur über Stresemann, sondern über jeden Minister eine ziemlich vollständige, meist recht reichhaltige Sammlung besitzt. Reben der Aufmerksamkeit der Pressestelle sorgt aber das Wohlwollen der guten Freunde" in und außerhalb der Wilhelm- straße dasür, daß der vom Stift des Karikatu­risten Verhöhnte in kürzester Frist das kritische Porträt seiner Person zu Gesicht bekommt: stets gibt es Leute, die sich beeilen, dem Dargestellten die Karikatur anonym mit oder ohne eigenen Kommentar zuzuschicken.

Die persönlichste Färbung weist die Korre­spondenz auf, die der Reichspräsident empfängt. Zu Friedrich Eberts Zeiten liefen täglich ungefähr hundert "Briefe im Präsidenten­palais ein; heute sind es mit ziemlicher Regel­mäßigkeit 400 bis 500 am Sage. Der Rekord wurde an Hin denburgs achtzigstem Ge­burtstag mit 25000 brieflichen und 5000 telegraphischen Glückwünschen er­reicht. Etwa der zehnte Teil der Zuschriften, die der Reichspräsident gewöhnlich erhält, sind Gnadengesuche; doch sind die meisten an die falsche Adresse gerichtet, da der Reichspräsi­dent nur in gewissen Fällen wenn es sich nämlich um Urteile des Reichsgerichts handelt das Begnadigungsrecht besitzt. Das Bureau des Präsidenten trägt dieser alltäglichen Ver­wechselung dadurch Rechnung, daß es die Gesuche den zuständigen Landesregierungen meist ist es das preußische Staatsministerium über­mittelt. Anter den Briefschreibern befinden sich jeden Tag viele Kinder; die meisten möchten

4000 Mk. gebildet. Der Scheckverkehr brachte eine Einlage von 250 263 (.) Mk. Im Wechselkonto, das sich hauptsächlich aus kleineren Summen zusammensetzt, kommt ein Bestand von 166 210 Mk. zum Ausdruck. Im ganzen wurden im Berichtsjahre 4 595 688 Mk. zu Diskont ge­geben. Der Wertpapierbestand der Bank, der noch nicht ganz aufgewertet ist, beträgt 12 970Mk. Das Effektengeschäft war den Verhältnissen ent­sprechend nur sehr gering. Der Bankverkehr mit der Bankausgleichstelle der Dresdner Bank in Frankfurt war sehr lebhaft, ebenso zeigte die Be­schäftigung auf Reichsbankgirokonto und Post­scheckkonto eine erfreuliche Zunahme. Das Bank­gebäude steht mit 56 000 Mk. Buch. Der Amsatz der letzten drei Iahre hat die Summe von 19 611 367 Mk. erreicht (auf einer Seite des Hauptbuches gerechnet). Die Dilanzziffer betrug 889010 (51 436) Mk. Der Reingewinn ist jährlich gestiegen; er beträgt dieses Iahr 26 363 Mark und erlaubt die Ausschüttung einer zehn- prozentigen Dividende. Die Garanlie- mittel der Bank betragen im ganzen 886 000 Mk. In der Aussprache machte Oekonomierat Spieß einige Vorschläge, die der Vorstand möglichst be­rücksichtigen will. Rach dem Prüfungsbericht des Aufsichtsrates durch Rotar Iöckel wurde die Bilanz genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt, ebenso wurde der Reingewinn nach seinem Vorschläge verteilt. Die Geschäftsanteile der Mit­glieder wurden von 120 auf 300 Mk. erhöht und müssen innerhalb der nächsten sechs Iahre erworben werden. Als letzter Punkt der Tages­ordnung wurde die Ergänzungswahl der aus­scheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates vor­genommen; sie ergab die einstimmige Wieder­wahl von Rotar O. Iöckel, Dr. W. F e r t s ch und W. Schwarz.

---Friedberg, 28. März. Die Haupt­versammlung des Kreisziegenzuchtver- einS Friedberg sand unter Leitung von Oekonomierat Spieß statt, der feit 20 Jahren Vorsitzender des Vereins ist. Es nahmen etwa 200 Züchter an der Tagung teil; als Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Ober­hessen hatte sich Oekonomierat Breidenbach (Dorheim) eingefunden. Der Jahres- und Rech­nungsbericht zeigte ein sehr günstiges Bild, der Verein zählt 35 Ortsgruppen mit rund

Hindenburg einmal sehen und dabei ist das Kind ost der geschickte Vorwand für den gleichen Wunsch der Eltern. Die Knaben möchten alle so werden wie Hindenburg, und der eine ober andere fragt ihn kurz und bündig, wie man Generalfeldmarschall werde. Die Briese, die die Kinder unbeeinflußt schreiben, sind immer natür­licher und erfreulicher als die, welche ganze Schulklassen auf Anregung ihrer Lehrer schicken. Da schreiben zwei Mädchen vom Land heimlich beim Gänsehüten mit Bleistift einen Brief, in dem sie Hindenburg in buntem Wechsel Reichs­präsident, Landesvater und Maje- st ä t nennen und ihn vertrauensvoll bitten, ihnen zur Erlernung eines vernünftigen Berufes zu verhelfen. Andere Briefschreiber wollen sogar eine Stellung im Palais der Wilhelmstratze 73 bekommen; der Reichspräsident erhält täglich 10 bis 20 solcher Angebote von Köchen, Köchin­nen, Ehaufseuren, Gärtnern, Dienstmädchen, Steno­typistinnen. Als die neue Kleiderordnung im Äeichspräsidentenpalais einaeführt wurde, nach der die Diener einen gelben Frack erhielten, steigerte sich die Zahl der Bewerbungen sofort beträchtlich. Einige der 15000 Bittsteller, die jährlich um materielle Hilfe nachsuchen, kann der Reichspräsident nach sehr sorgfältiger Prü­fung in beschränktem Ausmaß aus einem für diesen Zweck errichteten Fonds Unterstützern

Ein starkes Kontingent unter den täglichen Briefschreibern stellen die Phantasten und Querulanten. Cs sind meist Leute, die jeden Matzstab für die Wichtigkeit ihrer Angelegen­heiten verloren haben und nicht beurteilen kön­nen, was für Aufgaben der Reichspräsident zu erfüllen hat; sie wollen ihn zum Einschreiten in nebensächlichen Fragen bewegen, deren Erledi­gung niemals in seinem Bereich liegen kann und breiten ihre persönlichsten Angelegenheiten vor ihm aus. Jeden Tag laufen eine große Anzahl von Briefen mit Beschwerden über Ge­meindevorsteher, Finanzbeamte, Vorgesetzte und private Arbeitgeber ein, und der Reichspräsi­dent wird gebeten, nach den entlegensten Pro­vinzen und Ortschaften zu kommen, umn a ch dem Rechten zu sehen" und der Gerechtig­keit und der Ordnung zum Siege zu verhelfen. Anderekluge Leute" warnen vor einem Staats­mann oder einem hohen Beamten, den sie nur vom Hörensagen kennen, besten Einfluß sie aber für verderblich halten oder vor irgendwelchen dunkeln und geheimen Mächten. Bei Regierungs­krisen, Regierungsbildungen und Ministerernen­nungen schwillt die Zahl dieser Zuschriften be­sonders an: da gibt es Leute, die die unbekann­testen oder ungeeignetsten Personen als Mi­nister Vorschlägen und ganz unerwartete Mi­nisterlisten aufstellen, da werden verblüffende Programme für dieRettung Deutschlands" aus­gestellt., Gewisse Briefschreiber berufen sich dabei auf Visionen, die sie gehabt haben wollen; überhaupt ist eine religiöse Einkleidung phan­tastischer Vorschläge beliebt. Auch gibt es Frauen, die die intimsten Familienverhältnisse darlegen und sich z. B. über die Schwiegertochter beflogen. Die lange Reihe von rückhaltlosenBeichten" von Frauen erinnert fast an die Frauenbekennt­nisse, die der Romanschriftsteller Balzac er­halten hat. Ein bayerischer Bauer hat einmal den Reichspräsidenten zu einer-"Briefalbe- sprechung geistlicher und leiblischer A n I i e g e an den Chiemsee eingeladen und ihm empfohlen,die Rückkehr in die Heimat auf etwas unbestimmte Zeit abzumelden"; vier bis fünf Betten, so schrieb er, habe er zur Verfügung.

Zahllos sind die Gesuche um Hebern ahme von Patenschaf ten bei Kindern armer Familien und um die Ausübung des Protektorates bei irgendeinem gemeinnützigen Werk; schließlich trifft hier und da auch der Brief eines Ar­beiters oder Dienstboten ein, der mitteilt, daß er 40 oder 50 Jahre bei demselben Arbeitgeber in Stellung ist und dadurch das Recht auf ein Anerkennungsschreiben des Reichspräsidenten er­worben hat. Einen solchen "Brief beantwortet der Reichspräsident selbst.

850 Mitgliedern. Im abgelaufenen Vereinsjahr wurden die Ortsgruppen Bad-Rauheim und Rieder-Rosbach neu gegründet und für 18 000 Maick Ziegen und Lämmer durch den Kreisverein verkauft. Am 22. Iuni feiert der Verein sein 25jähriges Jubiläum.

' Friedberg, 28. März. In der hiesigen Blindenanstalt erfreute der oberhessische Mundartdichter Georg Heß aus Leihgestern am Freitagabend die Anstaltsbewohner durch einen wohlgelungenen oberhessischen Hei­matabend. Herr Heß las den aufmerksam lauschenden, erblindeten Zuhörern aus seinen oberhessischen Heimatdichtungen vor und berei­tete ihnen mit den vielseitigen Gaben des Abends einen dankbar begrüßten Genuß. Der reiche Beifall, den die Vorträge des Herrn Heß fan­den, brachte den Dank und die Freude der Blin­den in herzlicher Weise zum Ausdruck. Der Abend hat wiederum gezeigt, daß man den Blin­den mit derartigen Veranstaltungen einen schö­nen Dienst erweist, denn man weckt und stärkt in ihnen dadurch immer wieder das Bewußt­sein, daß sie als gleichwertige Menschen geachtet und geschäht werden.

2$. Bad-Rauheim, 28. März. Im hiesigen Geflügel-, Vogel- und Kaninchen- zuchtverein hielt Dr. Lang vom Sier« zuchtinstitut der Gießener Universität einen sehr lehrreichen Vortrag überZeitfragen in der Geflügelzucht". Der Redner kam zunächst auf die Krise zu sprechen, die die deutsche Geflügel­zucht noch zu überwinden habe, um bann die Forderung zu erheben, daß nicht Liebhaber-, sondern Leistungszucht das Gebot der Stunde sei. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr, die zur Zeit 149 aktive und 414 unterstützende Mit­glieder zählt, konnte im letzten Iahr dank der ihr von der Stadt und von privater Seite ge­wordenen Unterstützung ihre Ausrüstung weiter vervollkommnen, zahlreiche Geräte wurden an­geschafft oder ergänzt. Die Rechnung der Wehr schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4384 Mark ab.

* Butzbach, 28. März. Am Montag fand an der Landwirtschaftlichen Schule Butz­bach dleSchluhprüfung des diesjährigen

Lehrganges statt. Den Vorsitz batte Oberlandwkrt» fchaftsral Bauer vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft in Darmstadt. Ferner zeigten Kreis- direktor Gebhardt, Bürgermeister Dr. Jan­sen, Altbürgermeister Köhler und Fabrikant Heil durch ihr Erscheinen ihr Interesse an der Weiterentwicklung der hiesigen Anstalt. Zuerst prüfte Landwirtschaftsassessor Dr. Schmitt überDie Bedeutung und die technischen Grundlagen der Ent­wässerung", worauf Landwirtschastsrat Dr. Dienst über dieChemie der wichtigsten Pflanzennähr- ftoffe" prüfte. Im Anschluß hieran hielten die Schü­ler Karl Kremer (Nieder-Mörlen) einen Vortrag überDie Verbreitung des Fleckviehs" und Wilhelm Klotz (Holzheim) überBodenbearbeitung". In feiner Ansprache wies Oberlandwirtschaftsrat Bauer darauf hin, daß die Schüler auch draußen in der Praxis durch Beobachtung sich weiterdilden sollten, denn ein Hauptzweck der Schule sei auch der, zum Denken unb Beobachten zu erziehen. Das geistige Kapital sei das einzige, das'-der Landwirt in unserer Notzeit zur Produktion noch verwenden könnte. Kreisdirektor Gebhardt forderte mit kurzen Worten, daß alle Schüler mitl;elfen sollten, um den Besuch der Landwirtschaftlichen Schule weiter zu fördern. Bürgermeister Dr. Jansen sprach alsdann ebenfalls seine Anerkennung aus und versprach im Namen der Stadt, alles zu tun, um die Landwirtschaftliche Schule Butzbach weiter auszubauen. Mit einigen ermahnenden Worten durch Dr. Dienst und mit der Zeugnisoerteiluna schloß die Prüfung.

Kreis Büdingen.

Nidda, 28. März. Die Landwirt­schaftliche Schule Nidda hatte gestern nachmittag zu einer Schlußfeier in denGam- brinus" eingeladen. Dort versammelten sich mit den Lehrern und Schülern der Anstalt als Ver­treter des Ministeriums Oberlandwirtschastsrat Bauer aus Darmstadt, der gesamte Stadtvor­stand, die Mitglieder des Wirtschaftsrats der Schule, die Vertreter der hiesigen Schulen und die Eltern und Angehörigen der Schüler. Die Er­schienenen wurden vom Leiter der Anstalt, Land- wirtschaftsdirektor Dr. geifert, in herzlichen Worten begrüßt. Bei der darauffolgenden münd­lichen Prüfung wurde die Oberflaffe vom Direktor in Betriebslehre überDie Ruhtierhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben" und von Landw.- Assefsor Rau überKünstliche Düngemittel für den Ackerbau" geprüft. Die Unterklasse prüfte Landw.-Assessor Dr. Günther überDie Merkmale der Milchleistung einer Kuh" und Landw.-Referendar Göbel über denAufbau der Pflanzenzellen". Zuletzt hielt ein Schüler der Oberklasse, H. Karpf aus Stornfels, einen Vor­trag überKalkstoff zur Ernährung der Pflanzen" und zeigte dadurch, daß die Schule auch ihre Schüler befähigen will, sich klar und bestimmt über irgendeine Berufsfrage auszudrücken. Recht beherzigenswerte Worte richtete hierauf Ober- landwirtschaftsraf Bauer an die Eltern, An­gehörigen und Gäste über die Rotwendigkeit und Möglichkeit der Steigerung der landwirtschaft­lichen Erträge in Feld und Stall durch Anwen­dung der wissenschaftlichen Errungenschaften auf diesem Gebiete. Zu letzterem ermahnte er beson­ders die zur Entlassung kommenden Schüler, be­tonte aber auch, daß dabei das gute Alte nicht sofort weggeworfen, sondern erst nach und nach durch besseres Reue ersetzt werden solle, also aus goldenem Mittelwege. Rach herzlichen Abschieds­worten des Direktors an die abgehenden 25 Schü­ler der Ober klasse und nach der Verteilung der Zeugnisse hatte die offizielle Schluhfeier ihr Ende erreicht. Es folgte noch ein gemütlicher Seil, der lange die Schüler mit ihren Angehörigen und vielen jugendlichen Gästen bei Musikvvrträgen, fröhlichen Liedern, Sheateraufführungen und Tanz zusammenhielt.

Kreis Schotten.

Laubach, 28. März. Aus den nächsten Sonntag ist die Stichwahl um den Posten eines Beigeordneten zwischen Landwirt Pitz und Kaufmann Emmelius festgesetzt. Da beide Kandidaten Mitglieder des Gemeinde­rats sind, werden andere Herren ihre Stelle im Gemeinderat einnehmen. Für Landwirt Pitz würde Lehrer i. R. Weil, für Kaufmann Cm- melius der gräft. Bediente i. R. Hermann Stotz im Stadtparlament nachrücken.

(=) Köddingen, 28. März. Das "Bun- desfest der Schwalm-Antrift-Felda- Sängervereinigung, das 14 Sage nach Pfingsten anläßlich der Fahnenweihe des hie­sigen Männergesangvereins hier stattfindet, be­schäftigt unsere Einwohner schon jetzt mit den Vorbereitungen sehr eifrig. Der Kreisdirektor, Geh. Regierungsrat Boeckmann, hat das Pro­tektorat über das Bundesfest übernommen. Außer den Bundesvereinen haben sich bereits zahlreiche namhafte Gastvereine zur Seilnahme angemeldet. Die Festmusik wurde dem Musiiverein Lauter­bach unter Leitung des Herrn Rönneck über­tragen. Die Festwirtschast haben die drei hie­sigen Gastwirte übernommen. Man darf dem Feste mit besonderem Interesse entgegensehen.

Ulfa, 28. März. Der vorgestrige Ferkel- markt zeigte das jetzt übliche Bild: st a r k e n Auftrieb, ungenügende Nachfrage. Die Preise für 68wöchige Tiere bewegten sich zwischen 20 und 25 Mk., was etwa den Frühjahrspreisen des Friedens entspricht. Der Markt wurde nicht ganz ge­räumt.

cP Dom Oberwald, 28. März. Während in früheren Iahren ein Zurückbleiben der Vegetation im oberen Vogelsberg um mehrere Wochen zu konstatieren war, kann man jetzt feststellen, daß die Pflanzenwelt ziem­lich gleichen Schritt mit der Wetterau, mit der Frankfurter und der Gießener Gegend gehalten hat. .Ueberall fängt es an zu grünen, und schon längst sind die Knospen aufgebrochen. Man führt die Erscheinung darauf zurück, daß diesen Winter nur wenig Schnee lag und daß die Sonnen­wärme dem Boden sofort zugute kam, während sie in früheren Iahren wochenlang dazu be­nötigt wurde, die Schneemafsen zur Schmelze zu bringen.

Kreis Alsfeld.

=r. Ober-Ohmen, 27. März. Bei den gestern und heute in den hiesigen Gemeinde-» Waldungen unter Zulassung auswärtiger Inter­essenten und reger Kauflust stattgehabten Rutz- unb Brennholzversteigerungen wur­den 540 Festmeter Holz zu folgenden Preisen verkauft: Nutzholz: Eichen 16,60 bis 35 Mk., Kiefern 24 bis 24,20 Mk., Lärchen 43 bis 43,50 Mark. Fichten 34,40 bis 74 Mk. pro Festmeter, Fichteaderbstangen von über 14 Zentimeter Durch­messer 0,65 bis 3,40 Mk.. Bohnenstangen 0,12 bis 0,34 Mk. pro Stück. Brennholz: Eichen- scheiter 12 bis 20 Mk., Knüppel 16 biS 1635 2KL,