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Annahme des Etats im Reichstag
von Weimar beseelt habe. — ES fand eine eingehende Aussprache allgemeiner Art statt, die sich auf Fragen der Weckung des politischen Verantwortungsgefühls des deutschen Staatsbürgers, auf die Betonung und Vertiefung des sozialen Charakters der Demokratie, auf den Aufbau unseres Volkstums auf den geistigen und sitt- lichen Kräften des Christentums und schließlich auf die Ziele unserer Außenpolitik bezog. Grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten ergaben sich dabei nicht. Der Parteivorsihende Dr. Marx, wie auch der derzeitige Führer der Reichstagsfraktion Dr. S t e g e r w a l d, stellten mit Genugtuung fest, daß die Versicherung Dr. Wirths, sein- weitere politische Wirksamkeit i n - nerhalb der Partei und der Fraktion zu betätigen, die Kampfesfront für die Wahlen völlig geschlossen habe.
Ohne sine Stärkung der Macht des Finanzmini- sters im Sinne unserer Forderung muh dos parlamentarische System an der jetzigen Parlamentarischen Ausgabenwirtschast zugrunde gehen.
Abg. Dietrich-Baden (Dem.): Die größte Sorge bereitet der Fraktion djy Fortsetzung des finanziellen, verwaltungsmäßig imb wirtschaftlich untragbaren Verhältnisses zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Die Länder sind zu einer Ausgabenpolitik verleitet worden, die in dem Augenblick katastrophal werden muß, in welchem infolge peränderter Wirtschastslgge die Steuereinnahmen des Reiches zurückgehen. Für das Reich war die Folge dieser verhängnisvollen Politik, daß ihm die Mehreinnahmen nicht zur Verfügung standen, um die notwendige Steuersenkung durchzusühren. Die Finanzpolitik hat sich unter dem gegenwärtigen Finanzminister mehr und mehr in bureaukratisch- fiskalische Dahnen verlegt. Schließlich sind unhaltbare Zustände dadurch herbeigeführt worden, daß nach dem Zusammenbruch der Koalition der Etat noch durch einen schwerwiegenden Er, gänzungsetat erweitert wurde. Die dL.no» kratische Fraktion ist daher nicht in der Lage, dem Etat für 1928 zuzustimmen.
Abg. Dr. Cremer (D. D.) erklärt, die Volks- Partei sei sich bewußt, daß sie mit der Zustimmung zum Etat eine große Verantwortung über» nehme. Es komme nun darauf an, ob sich das Rotprogramm tatsächlich im Rahmen des Er- gär zungsetats durchführen lasse. An der Spitze der Finanzpolitik müsse jetzt der Grundsatz stehen, die Steuerkraft der Wirtschaft zu schonen, damit sie den Wiederaufbau aus eigener Kraft und nicht durch dauernde Abhängigkeit vom Auslandkapital vornehmere kann.
Reichsfinanzmimster Dr. Köhler erklärt sich einverstanden mit den Ausschuhanträgen, die eine solide Zinanzwirtschast und klare Etatsverhältnisse verlangen. Es komme weniger auf Paragraphenbestimmungen über die Zuständigkeit an als auf die Gesinnung, mit der das Parlament seine Ausgabenwirtschaft treibt. Die von Dr. Hilferding angeführten Zahlen könnten irreführend wirken, weil sie nicht die
Ministers so stärken, wie sie im alten Preußen mit seiner ausgezeichneten Finanzwirtschaft war.
Unser eigentlicher innerer Etat wird ja immer mehr vermindert, weil der Löwenanteil unserer Mittel als Reparationslast ins Ausland fließt. 2Nit dem Vorredner bin ich der Meinung, daß wir nicht weiter von Jahr zu Jahr die Ueberweisungen des Reichs au die Länder steigern können. Die Länder müssen sich e i u s ch r ä n k e n. Es ist aber der Gipfel der Verlogenheit, wenn die Entente uns vorwirft, wir brächten einen gerechten Finanzausgleich nicht fertig. Dieser endgültige Finanzausgleich ist nicht möglich, bevor nicht unsere Dawesoerpslichtungen endgültig geregelt sind. Das Ausland hindert uns also am endgültigen Finanzausgleich. Diese Blut- steuer ans Ausland lastet aus jedem einzelnen Deutschen. Jede einzelne deutsche Familie ist mit 600 Rlart an den Auslandsschulden beteiligt.
polnischen Problems wenigstens Wege findet, die eine einigermaßen günstige Entwicklung der polnisch- litauischen Beziehungen gewährleisten.
Die beiden Führer. Woldemaras und Zaleski, werden sich wohl dieser Schwierigkeiten bewußt sein. Beide versprechen eine aufrichtige Absicht, zur Einigung zu kommen. Dazu kommt noch, daß auch der Völkerbund seine Bereitschaft eventuell vermittelnd mitzuwirken, zuge» sags hat und Herrn Deelaerts van Blök- land, den holländischen Außenminister, schon jetzt zur Verfügung hält, um ihn, wenn es notwendig werden sollte, nach Königsberg zu schicken. Entscheidend dürfte schließlich auch sein, daß sich doch alle dessen bewußt sein werden, daß bei einem eventuellen Scheitern der Königsberger Kompromißverhandlungen die Verantwortung für die Konsequenzen, die sich daraus ergeben würden, zu groß wären, als daß sie einer aus sich nehmen könnte. Es steht deshalb zu erwarten, daß auch Herr Zaleski versuchen wird, Mittel für ein derartiges Kompromiß, das wenigstens einigermaßen den Ansprüchen der beiden Länder gerecht würde, zu finden. Woldemaras wird sicher nicht mit der radikalen Forderung nach einer sofortigen Rückgabe Wilnas auftreten, vielmehr versuchen, entsprechend seiner Regierungserklärung vom vorigen Jahre so viel zu erreichen, wie nur irgend möglich. Ganz Europa aber wird diese Konferenz mit Interesse verfolgen, handelt es sich doch schließlich um ein Problem, das wohl in der Lage ist, eine Beunruhigung des ganzen europäischen Erdteils zu verursachen, wenn sich diese beiden an und für sich kleinen Staaten nicht einigen könnten, und der Konflikt zwischen ihnen eventuell Maße annehmen würde, die in ihrer Auswirkung noch gar nicht zu übersehen sind. Mag Königsberg ein Wegstein der polnischlitauischen Verständigung werden im Interesse der beiden Länder, im Interesse von Europa.
gebenden Einfluß erreichen können und ihr parteimäßiger Aufbau auf einer Verkennung des Wesens des politisch-parlamentarischen Symstems beruht.
Wirth und das Zentrum.
Berlin, 29. März. Die „Germania" teilt varteioffiziös u. a. mit: In einer Besprechung des Parteivorsitzenden Reichskanzler Dr. Marx mit Mitgliedern des Parteivorstandes ergab Jid) völlige Einmütigkeit in dem Sinne, den Wahlkarnpf in größter Geschlossenheit durchzusühren. Dr. Wirth nahm Gelegenheit, die Beweggründe darzulegen, die seine von der Reichstagsfraktion abweichende Haltung in den letzten Jahren bestimmt hatten und betonte, daß seine politische Einstellung der Sorge entsprungen sei, es möchte die deutsche Demokratie dem Geiste untreu werden, der die Arbeit
in dem der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Q u e s s e l sich gegen die Schaffung neuer Stellen und neuer Ausgaben in Hessen wendet. Ohne persönlich werden zu wollen, müsse man doch erst den Rachweis der Qualifikation des Vorgeschlagenen verlangen. Er fordert, daß von den in höhere Stellen Steigenden, die nicht aus der Beamtenlaufbahn hervorgegangen sind, eine gewisse Vorbereitungszeit durchlaufen werden müsse. Man habe bisher in Hessen nur die Mittelmäßigkeit hochgezogen. Er lehnt die Vorlage ab.
Abg. v. d. S ch m i t t (Komm.) wendet sich zunächst gegen die Ausführungen des Vorredners. Sachlich müsse er sagen, baß bei der gegenwärtigen Rot der Kleinbauern und Kleinhandwerker es ungerechtsertigt sei, neue Stellen zu schaffen. — Abg. Werner (Dn.) erklärt die Ablehnung der Deutschnationalen gegen die Vorlage. — Die Vorlage wird darauf gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, des Bauernbundes, der Dolksrecht- partei und der Kommunisten angenommen. — Rach kurzer Pause folgt
die Beratung eines Steueroorausz ihlungsgesehes für 1928.
Abg. Dr. Aiep 0 th (D. Dp.) lehnt das Gesetz als Ganzes ab. Rein agitatorische Gesten der Koalitionsparteien dürfe er nicht unterstützen. Er erkennt an, daß die endgültige Erledigung der Vorauszahlungen für 1925 und 1926 auf die Sondergebäudesteuer zu begrüßen sei. Sie entspreche den Wünschen unb Anregungen seiner Partei. Ganz anders sei es mit dem Vorschlag der Regierung aus Regelung der Gewerbesteuer 1927. In Konsequenz der Haltung vom Sommer vorigen JahreS verlange er Veranlagung für 1 9 27. Wenn die Regierung im Finanzausschuß erklärt habe, die Kräfte der Finanzämter reichten dazu nicht aus, sei das nicht stichhaltig: denn die Regierung habe für die nachträgliche Veranlagung für 1925 und 1926 die Beamten ja auch parat gehabt. Er wäre mit der Vorlage einverstanden, wenn für 1927 Nachlässe einträten, falls sich die Veranlagung für 1928 niedriger stellt. Die ganze Vorlage sei eine glänzende Rechtfertigung der Politik seiner Fraktion.
Abg. Angermeier (Kom.) lehnt die Vorlage ab. Die Zahlungen seien für die Kleinbauern und kleinen Gewerbetreibenden einfach unmöglich. Er führt dann Beschwerde gegen das Landesfinanzamt Darmstadt, das sich gegen Steuernachlässe stets ablehnend verhalte.
Abg. Lux (Soz.) legt kurz dar, daß das Gesetz angenommen werden müsse, weil spnst ab 1. April ein gesetzloser Zustand eintvete und die Regierung keine Mittel in die Hand bekomme zur Besoldung.
Abg. Leuchtgens (Dauernbd.) erkennt an. daß die Regierung sich bemüht habe, die Voraussetzungen für den endgültigen Abschluß der rückständigen Vorauszahlungen zu schaffen und auch in ihrem Rundschreiben an die Finanzämter verschiedenen Wünschen nachgekommen sei. Lediglich gegen die Forderung der Regierungsvorlage, auch die Steuersätze für das kommende Jahrnach den jetzt geltenden Sätzen zu erheben, müsse er sich wenden. Falls die Koalition seinen diesbezüglichen Anträgen abgeneigt sei, müsse seine Fraktion die Vorlage ablehnen.
Abg. Kindt (Dn.) lehnt die Vorlage einer Regierung, die sein Vertrauen nicht habe, ab. Ihr könne er nicht Helsen.
Abg. Wolf (Vrechtspt.) lehnt im Ramen seiner Fraktion die Vorlage ab. Die Regierung habe Vollmacht, alles zu tun, waS sie wolle.
Abg. A x t (Vrechtspt.) fragt wegen der rückständigen Vorauszahlungen aus dem Jahre 1924. Ein Regierungsvertreter erklärt, daß es sich hier um festgesetzte, nicht gestundete Steuerbeträge handle. Härten beim Einzug würden vermieden werden.
Die einzelnen Artikel werden darauf mit den . Stimmen der Koalitionsparteien unter Ablehnung aller Aenderungsanträge angenom - m e n. In der Gesamtabstimmung wird das Gesetz in erster und zweiter Lesung genehmigt gegen die Stimmen der Rechten und der Kommunisten.
Fortsetzung: Donnerstag.
Aus dem Finanzausschuß.
Darmstadt. 29. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages erledigte in seiner Sitzung am Mittwochnachmittag die noch ausstehenden Gehälter der Besoldungsgruppe „feste Gehälter". Bei Gruppe la (Staatspräsident) und Gruppe Ib (Minister) wurden je 2000 Mark jährlich gestrichen. Diese 2000 Mark werden jedoch als Aufwandsentschädigung eingesetzt. Die Gruppen 82, 83 und 84 werden um je 1000 Mark gekürzt. Es handelt sich um Ministerialdirektoren, Staatsräte, Generalstaatsanwalt und Landgerichtspräsidenten. Die Regierungsvorlage, wonach im Pathologischen Institut in Gießen Anbauten vorgenommen werden sollen, wird in Höhe von 85 000 Mark und 23 000 Mark g e nehmigt.
Berlin, 28. März. Aus der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushaltes der «Allgemeinen Finanzverwaltung". Der HauS- hqltsausschuß legt Entschließungen vor, in denen u. a. eine Reform der Reichshaushaltsordnung und eine klare Scheidung zwischen den Posten des ordentlichen und außerordentlichen Etats entsprechend ihrer wirklichen etatrechtlichen Bedeutung gefordert wird. Aba. Dr. Hilferding (Soz.) weist darauf hin, daß 1924 1,10 Milliarden Üleberschuh in der Reichskasse waren. Die Steuersenkung durch Reinhold sei berechtigt gewesen. Die folgenden Etats seien nur mit Hilfe des Lleberschusses von 1924 in Ordnung gebracht worden. Im außerordentlichen Etat von 1927 sei ein Defizit von l1 /, Milliarden gewesen. Jetzt seien noch 853 Millionen Defizit vorhanden, für die keine Deckung vorhanden sei. Dabei haben sich die Einnahmen um rund 2 Milliarden in diesen Jahren gesteigert. Diese Einnahmesteigerung ist im wesentlichen von den breiten Massen aufgebracht worden. Sie tragen 3/s, der Besitz 1/3 der Lasten. Die in der Lex Brüning enthaltene Zusage einer Herabsetzung der Lohnsteuer ift nicht eingelöst worden, die Zusage einer Erhöhung derDermögens- steuer auch nicht. Darin zeigt sich die antisoziale Tendenz unserer Finanzpolitik.
Wir wollen nicht die Bewilligung von neuen Ausgaben von einer Zweidrittelmehrheit abhängig machen lassen. Das würde einer Minder- heit die Macht geben, jede positive Politik der Mehrheit zu hindern, das wäre eine Aufhebung des gleichen Wahlrechts von hinten herum.
Die Balancierung des ordentlichen Etats ist nur scheinbar. 3n Wirklichkeit weist dieser Etat e i n Defizit auf. Im neuen Etat wird ein Defizit von einer halben, wahrscheinlich von dreiviertel Milliarden zu decken fein. Wir erwarten vom Minister eine offene Erklärung über die Regierungspolitik in der Frage der Auslandanleihen. Die Bilanz der Rechts- regierung ist auch finanzpolitisch nicht erfreulich. Wjr werden unserer Opposition gegen diese Politik Ausdruck geben durch die Ablehnung des vorliegenden Etats.
Abg. Qua atz (Dn.): Es ist kein erhebendes Bild, wenn eine kommende Koalition durch ihren Sprecher sich bemüht, die Arbeit der vergangenen Koalition auf dem neutralen Gebiet der Finanzpolitik vor den Augen des Auslandes her- abzusehen. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Wollen Sie toirflid) behaupten, wir hätten durch verschwenderische Wirtschaft das Defizit verschuldet? Wir hatten das Minuserbe der vorausgegqngenen Regierung anzutreten. Das bezog sich besonders auf die Sozialpolitik. Es war ja nichts getan für die Desoldungsreform, für die Sozial- und Kleinrentnerfürsorge. Gerade Sie (nach links) behaupten ja immer, es sei auf diesem Gebiet noch nicht genug geschehen. Die notwendigen Mittel dafür hatte Finanzminister Dr. Reinhold nicht hinterlassen. Er hatte die Steuern gesenkt nicht einmal zugunsten einer Stärkung der Produktion, sondern zugunsten eines kleinen Teils des Handels. Der jetzige Reichs- finanzminister hat das Defizit dauernd vermindert. Wir wollen die Stellung des Finanz-
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 29. März. Auf deutschem Boden in der altehrwürdigen Ostpreußenstadt wollen sich also nun am 30. d. W. Woldemaras, der litauische Ministerpräsident, und Zaleski, der polnische Außenminister, treffen, um Mittel und Wege zu finden, den nun fast zehnjährigen Konflikt zwischen Polen und Litauen aus der Welt zu schaffen. Die Haltungsweise in diesem Konflikt während der letzten Zeit im Anschluß an die bekannte Resolution des Dölkerbunds- rates vom Dezember vorigen Jahres ist nicht gerade vielversprechend. Ein außerordentlich heftiger Hptenwechsel setzte bald nach Genf ein, der fast zu einer Verschärfung der Lage geführt hätte, wenn nicht Professor Wolde- maras im letzten Augenblick den Vorschlag vorgebracht hätte, am 30. März d. I. in Königsberg zusammenzukommen, um eine Bereinigung des Konfliktes zu versuchen.
Wie dem auch sei, es ist immerhin erfreulich, daß man zunächst einmal den Entschluß gefaßt hat, überhaupt zusammenzukommen. Das bedeutet natürlich noch keinerlei Aussicht auf eine Lösung. Man fängt auch zunächst noch recht vorsichtig an. Die großen politischen Probleme, die W i l n a f r a g e im besonderen, Hai man vorläufig in den Hintergrund gedrängt. Wirtschaftliche Fragen sollen in erster Linie behandelt werden, Fragen also, die an sich ganz harmlos aussehen, die aber, da sie notwendigerweise mit den politischen Problemen verbunden werden müssen, zu außerordentlich ernsten Verwicklungen fuhren können. Wilna ist entscheidend. Zwischen Polen und Litauen gelegen, bildet es gleichsam die Brücke des Wirtschaftsverkehrs. Die Bahnlinien führen über Wilna, der Njemen durchfließt diese Stadt, auf die die Litauer mit historischer Begründung Anspruch erheben. Hier gilt es also, eine Taktik einzuschlagen, die unter Vermeidung der kompliziertesten Stelle des litauisch-
Eine polnisch-litauische Konferenz
Zusammenkunft Zaleskis mit Woldemaras in Königsberg.
Das Handwerk gegen berufsständische Splitterparteien TerNeichsverband des deutschen Handwerks zu den kommenden Wahlen.
Berlin, 28. März. (WTB.) Der Reichsverband des Deutschen Handwerks teilt mit: Angesichts der bevorstehenden Wahlen machen sich im Handwerk erneut Bestrebungen geltend, die durch die Aufstellung besonderer Handwerkerlisten eine bessere Berücksichtigung des Berufsstandes durchsetzen wollen. Der Reichsverband des Deutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag als die maßgebenden Spitzenorganisationen des gesamten Berufsstandes lehnen diese Verquickung berufs ständischer Interessenvertretungen mit politischen Bestrebungen ab, da jede Verbindung mit solchen Zielen die unabhängige freie Willensbildung in den Spihenverbänden wie auch die entsprechend notwendige freie Vertretung der Interessen gefährde und die berufsständische Geschlossenheit des Handwerks zerschlagen müsse. Grundsätzlich nehmen die Spitzenverbände des Handwerks auch gegenüber den Plänen zur Gründung besonderer Handwerkerparteien eine ablehnende Stellung ein. Sollten tatsächlich neue Parteien auf berussständischer Grundlage einige Vertreter in die Parlamente entsenden, so wird deren Tätigkeit unfruchtbar bleiben, da sie niemals einen ausschlag
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gesteigerten ReparativnSlasten und viele andere zwangsläufige Ausgabenposten berücksichtigt hätten. Don einer verschwenderisch« Wirtschaft könne nicht gesprochen werden. Der Aetto-Etat des Reiches sei vielmehr wesentlich herabgesetzt worden. Der Grundsatz der Sparsamkeit darf auch bei der Aufnahme von Anleihen nicht verlassen werden. Auslandanleihen der Länder und des Reiches sind zur Zeit nicht zweckmäßig. Allein die Reichs- regterung trägt die letzte Verantwortung für di« Finanzgebarung der öffentlichen Körperschaften: von dem Bewußtsein der Verantwortung ist auch bei ihren Entscheidungen die Beratungsstelle getragen, die jetzt beschäftigt ist, sich ein Bild über die Höhe des bestehenden Gesamt- bedarfes an Anleihen zu machen und zu prüfen, wieviel und was von den vorliegenden Anträgen tragbar ist. Die Prüfung ist soweit fortgeschritten, daß wir binnen kurzem mit ihrem Abschluß rechnen können. Dann wird di« endgültige Entscheidung über das als berechtigt anzuerkennende Maß der Anlechen sowie über Art und Form ausgesprochen werden, in denen die Verhandlungen freigegeben werden können. Dabei wird geprüft werden, für welchen angemessenen Zeitraum der Bedarf der öffentlichen Körperschaften an Anleihen als gedeckt angesehen werden kann. Mit Genugtuung ist festzustellen, daß die Länder und Gemeinden bemüht sind, mit der Aeichsregierung auf dieser Grundlage zusammenzuarbeiten.
Der Haushalt wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten angenommen. Angenommen wird weiter das Haushaltgeseh, das gewisse Stärkungen der Stellung des Reichsfinanzministers bringt. Ferner der Ergänzungsetat mit dem Teile des Rotprogramms, der 25 Millionen für die landwirtschaftlichen Genossenschaften einsetzt und die zum Rotprogramm gehörende Rovelle zum Gesetz über die Rentenbankkreditanstalt. In allen drei Lesungen wird ein Jni- tiativgesetzentwurf angenommen, wonach für die Durchführung des landwirtschaftlichen Rotprogramms ein 28glieö tiger Reichstags- auss chuß eingesetzt wird, der das Recht erhalten soll, seine Tätigkeit bis zum Zusammentreten des neuen Reichstages durchzuführen.
Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit.
Berlin, 28. März. (WB.) Auch in der ersten Märzhälfte ist die Arbeitslosigkeit nur in dem gleichen geringen Umfange zurückge- gangen, wie in den vorhergehenden Wochen: dies dürfte in der HqupHache auf die kalte Witterung zurückzuführen sein, die bis Mitte März angehaften hat. In der Arbeitslosenversicherung betrug die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger am 15. März 1928 rund 1200 000 gegenüber 1 237 500 zu Anfang des Monats: sie hat also um rund 37 500 oder um 3 Prozent abgenommen. Der Rückgang machte hei den männlichen Arbeitslosen 3,3 Prozent, bei den weiblichen dagegen nur 1,1 Prozent aus. Die Krisenfürsorge zeigte für den gleichen Zeitraum nur einen geringen Rückgang von 1,2 Prozent oder rund 212 300HauPt- unterstützungsempfänger am 15. März gegenüber 215 000 am 1. März 1928. Die Zahl der Rotstandsarbeiter hat in dem Berichtszeitraum wieder um 4,5 Prozent zugenommen und betrug am 15. März insgesamt rund 70 800.
Oie Wetterlage.
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Wettervo raussage.
Ein T«-ilwirbel, der heute morgen über Ostdeutschland lag, brachte dort verbreitete und ercji«= bige Niederschlage. So meldet Magdeburg 18 Millimeter, Berlin 9 Millimeter Niederschlag. Kühlere Lufkmassen an seiner Rückseite haben auch unser Gebiet erreicht und Temperaturrückgang herbeigeführt. Das nordwestliche Druckfallgobiet hat sich noch weiter vertieft und sein Bor-erseiteneinfluß dürfte uns neben starker Bewölkung auch Niederschläge zuführen. Dabei steigen die Temperaturen zunächst wieder an.
Wettervoraussage f ü r Freitag: Zeitweise stärker bewölkt, Temperaturen wieder ansteigend, später mehrfach Uebergang zu Niederschlägen.
Witterungsaussichten für Sams» t a g: Wechselnde Bewölkung, allmählich wieder etwas kühler, strichweise noch Niederschläge.
Lufttemperaturen am 28. März: mittags 10 Grad Celsius, abends 5 Grad Celsius; am 29. März: morgens 4,2 Grad Celsius. Maximum 13,5 Grad Celsius, Minimum 2,2 Grad Celsius. — Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 28. März: abends 8,9 Grad Celsius: am 29. März: morgens 5,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: 2% Stunden.
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