berkulos« der oberen Lustweg« schreit« rüstig vorwärts. Damit dies« Heilstätte einen kurzen Damen erhal.e, empfehle der Vorstand, sie nach einem Vorschläge des Direktors dieser Heilstätte, Pros. Dr. Vrüggemann, kurz und schlicht „Heilst ä t t« Seltersberg" zu nennen. Der Vorstand hosfe, daß diese Heilstätte im Herbst nächsten Jahres fertig werde.
Auf dem Gebiete der Fürsorgetätigkeit sei der Verein sehr rege tätig. In ganz Hessen beständen jetzt 31 Fürsorgesteilem Als hauptamtlich^: Fürsorgearzt sei Dr. Sell tätig. Diese Fürsorge stellen mühten noch weiter ausgebaut werden, da die Erfordernisse bedeutend angewachsen seien. Im Jahre 1927 feien 759 Heil- stättenfälle bei den Fürsorgestellen behandelt worden. Der Verein habe hi:rsür rund 60 003 Mk. Kurkostenzuschü se gegeben. Im Jahre 1928 seien es bis jetzt schon ebensoviel Fälle, wie im vorigen Jahre. Die Ausgaben seien im Anwachsen begriffen. Die Durchführung dieser Fürsorge sei nur möglich dank der grohzügigen BeN-i'fe des hessischen Staates. Die gesamten Mitgliederbeiträge des Vereins würden heute fast ausschließlich für diese Fürsorgemahnahmen verwendet. Diese Tätigkeit des Vereins bedeute eine starke Entlastung der öffentlichen Körperschaften. Erfreulicherweise seien die Bestrebungen des Vorstandes nach Ausdehnung dec Beiträge erfolgreich gewesen: die Mitgliedrrbeiträge seien im ständigen Anwachsen begriffen. Im Jahre 1927 seien 28 145 Mk. an Beiträgen eingegangen, für das nächste Jahr schütze man die en Eingang auf über 40 000 Mk., die restlos den Fürsorgemahnahmen zugute fämen. Hessen stehe damit an der Spitze aller deutschen Landesverbände zur Bekämpfung der Tuberkulose.
Der Redner dankte zum Schluß allen Mll- arbeitevn und Helfern des Hellftättenvererns, ganz besonders aber dem Hessischen Staat für die bedeutenden Zuwendungen, den Vorstandsmitgliedern für ihre eifrige Mitarbeit und den Aerzten für ihr unermüdliches Mühen im Dienste der Vcreinsau gäbe. Geheimrat Balzer (Darmstadt) dankte in warmen Worten dem Vorsitzenden, Präsident Dr. Reumann, für seine hingebungsvolle, unermüdliche Arbei". und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Kraft dieses Vorsitzenden noch lange segensreich an der Spitze des Vereins wirken möge.
Mit lebhaftem Bei'all nahm die Versammlung den Bericht des Vorsitzenden ert'gegen und dankte dem Berichterstatter ebenso herzlich für seine außerordentliche Mühewaltung.
Die Rechnungsoblage für 1927.
Präsident Dr. Reumann berichtete hierauf über den Rechnungsabschluß für 1927. Der Verein verzeichnete in seiner Bilanz auf der Cinnahmeseite den Betrag von 544 162,61 Mark, aus der Ausgabenseite den Betrag von 501 501,91 Mark, so daß ein Bestand von 42 660,70 Mark verbleibt. Davon entfallen auf die Eleonoren-Heilftätte an Einnahmen 202919,01 Mark, an Ausgaben 206 437.93 Mark, mi hin eine Mehrausgabe in Höhe von 3518,92 Mark. Auf die Lupus- Heilstätte in Gießen entfallen an Einnahmen 245 476,48 Mark, an Ausgaben 230,129,81, mithin eine Mehreinnahme von 15 346,67 Mark.
Der Vermögensnachwets für 1927 verzeichnet di« Heilstätten des Vereins mit 1 401 060,70 ML. an Hypothekenschulden 456 919,80 Mark, mithin ein Reinvermögen von 944140,90 Mark. In dieser Aufstellung ist jedoch die neue Kinderheilstätte Almfrieden noch nicht einbegriffen. Wird diese hinzugerechnet, so ergibt sich bei vorsichtiger Dewerttmg ein Reinvsr- nrögen des Vereins in Hohe von etwa iy4 Millionen Mk.
Genehmigung von Hypothekanleihen.
Ein Antrag des Vorstandes aus Genehmigung von Hyvothekanlethen für die Kinderheilstätte „Almfrieden", für die Lupus- Heilstätte (Reumannhaus) und für die neue Heilstätte für die Tuberkulose der oberen Luftwege (Heilstätte Seltersberg) in Gießen wurde einstimmig angenommen. Danach sind an Hypotheken aufzunehmen: für „Almfrieden" 400 000 bis 450 000 RkL, für das Reumannhaus der Lupusheilstätte rund 300 000 Mk. und für die Heilstätte Seltersberg rund 200 000 ML Die Hypotheken erhäll der Verein zu 4 d. H. Zinsen.
Präsident Dr. Reumann teilte in diesem Zusammenhange mit. daß der Bau des Re u - mannhausesder Lupusheil st ätte rund 484000 ML kostete: davon seien durch Beiträge und freiwillige Spenden 184 000 ML gebeat, so daß sich als Hypothek der obengenannte Be-
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Vornan von J. (Schneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Feßmann hatte alles beobachtet, das Staunen und dann das rasche Beschauen ihrer eigenen Person. Er las vollkommen klar in der Seele seines Weibes. Arme Hilde!
Als er nach einer Viertelstunde für ein paar Minuten allein mit Hettingen sah, sprach er resigniert ermüdet: „Du hättest uns nicht hierherbringen sollen, Achim! — Bei mir zu Hause dieses Elend und hier das Gegenteil davon. — Es ist nicht meinetwegen, aber meine Frau, fürchte ich, findet sich nicht ntehr so leicht zurecht. Ich kann ihr nichts bieten, als was ich ihr bisher geboten habe: Meine Liebe!"
„Ist die nicht mehr wert als all der Tand?" frug Joachim gütig.
Im selben Augenblick kam Hilde zurück, mit einem Glänzen in den Augen und einem hauchzarten Rot auf den Wangen. Eine Sekunde später öffnete der Boy die buntbemalte Glas- türe und ließ eine Dame in weißem, mit Silber- spitzen besetztem Kleide eintreten, die wie wchnee- kristalle im Lichtges unkel der vielen tausend Kerzen aufflammten. Sie nickte dem Herrn, in dessen Begleitung sie sich befand, lächelnd zu.
„Poldi! rief Hettingen.
Dann bereute er.
„Verzeih! Ich habe nur an mich gedachtI" sagte er leise abbittend zu Feßmann gewandt.
„Mach dir keine Sorgen deshalb, Achim!" Der Doktor erhob sich, ging Maria Richthofen einige Schritte entgegen und führte deren Rechte an seine Lippen. „Gestatten Sie, Schwester Brunhild«," sagte er zu seiner Frau geneigt: .. Fräulein Richt pofen und deren Bruder, mein Freund Leopold."
Ein sekundenlanges Forschen von Aug zu Aug, dann sprang Richthofens gesundes Lachen über den Zwang der Minute hinweg. „Schwester Brun-
trag von 300 000 Mk. ergebe. Die Baukosten der Heilstätte Seltersberg seien auf rund 1 Million ML geschätzt: durch Beiträge Und freiwillige Spenden seien bis jetzt rund 304 000 Mari eingegangen. ebie Landesversicherungsanstall Hessen habe aus 'Schuldschein für diesen Dau 500 000 Mk. zur Verfügung gestellt, mithin seien durch Hypothek noch etwa 200 000 Mk. oufzu- b ringen.
kleinere Angelegenheiten.
Eine Satzungsänderung, durch die der Damen des Vereins von der bisherigen Bezeichnung „Heilstättenverein für Hessen" in „Hessischer Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heil- stättenverei n)" umgeändert wird, fand einstimmige Genehmigung. Die bisherigen Rechnungsrevisoren wurden durch Zuruf wieder- gewählt.
Lin bedeutsamer Vortrag.
Anschließend hielt der Oberarzt der Lupushellstätte Gießen, Dr. Bommer, einen bedeutsamen Vortrag über „Diätkuren nach Gerson - S a u e r b r u ch in der Lupusheil- st ä t t e". Der Vortragende machte dabei aufsehenerregende Mitteilungen über ganz neue Wege des Lupusheilverfahrens, wobei die Lupuskranken durch Diätkuren in geradezu erstaunlicher Weise und mit größtem Erfolge — wie man an einer Reihe von Patienten sehen konnte — von ihren Leiden befreit werden. Wir hoffen, in Kür^e aus der Feder des Herrn Dr. Bommer näheres über diese neue Heilmethode, die geradezu eine Umwälzung der ärztlichen Wissenschaft auf diesem Gebiete bedeutet, bringen zu können.
Aach einer kurzen Aussprache mehrerer Aerzte über diesen Vortrag schloß der Vorsitzende mit Dankes Worten die Tagung.
Anschließend besichtigten die Mitglieder die Heilstätten des Vereins, insbesondere die noch im Bau begriffene neue Heilstätte Seltersberg.
Bor dem Birderfä'schungsprozeß in Frankfurt a. M.
WSD. Frankfurt a. M, 27. Dov. Frankfurt ist an Sensationsprozessen nicht gerade arm. aber der Prozeß gegen öie Bilderfäl- scher Müller, Baumann und Genossen, der anfangs Dezember beginnt, dürfte wohl die Sensation des Jahres werden. Er ist nicht nur wegen feiner Begleiterscheinungen und seiner Vorgeschichte von besonderem Interesse, sondern auch vor allem deshalb, weil er in eine ganz« Anzahl Großstädte des In- und Auslandes hin- überspielt — wir nennen nur Düsseldorf, Köln, Essen, Bochum, Wiesbaden, Mannheim, Hannover, Stuttgart —, und mancher „glückliche" Besitzer eines modernen Meisters ärgert sich heute über ein« unnütze Geldausgabe: es sei denn, daß die Frankfurter Polizei den Gegenstand des Aer- gers, nämlich das gefälschte Bild, schon vor Monaten „asserviert" hat. Der große Schwurgerichtssaal wird den Eindruck einer Bildergalerie erwecken. Otto M ü l l e r. em ehemaliger Mufi- kalienkommis, nach der Inflation Kunsthändler, hat mit einer Anzahl Genossen Bilder nach allen möglichen Großstädten verkauft, die di« ge- schicktesten Fälschungen sein sollen, di« je fabriziert wurden. Der Hersteller, «in begabter Maler namens Baumann, hat die Kopien nach Originalen, die Müller verschaffte, gemalt, will allerdings der Meinung gewesen sein, daß dies« Dü.der auch als Kopien verkauft wurden. Die Fabrllation und der Vertrieb der BilderfälscherÄ. m. b. H. spielte sich derart ab, daß Müller als Jnteo- elfem bei den Besitzern der echten Bilder auftrat und sich di« Gemälde einige Tag« „zu treuen Händen" an Hand geben liefe. Während dieser Zeit stellte Baumainn eine Kopie her, die mitunter besser gewesen fein soll, als das Original. so daß Müller in manchen Fällen di« Kopie an Stelle des Originals zu- rückgab. Im Lauf« der Jahre soll Baumann Diele Dutzend derartige Kopien hergestellt haben: fte wurden später von Müller und seinen Helfershelfern als sogenannte „billige Gelegenheiten" vertrieben, ohne daß auch nur einer der Käufer den Verdacht hatte, mit einer Fälschung her-eingelegt zu sein. Wie so oft im Leben, spielte auch hier der Zufall die ausschlaggebende Rolle bei der Aufdeckung der Fälscherfabrik, denn «in Kunstkenner in Düsseldorf glaubte in einem ihm ungebetenen Bild eine geschickte Fälschung zu erkennen und tiefe die Verkäuferin festnehmen. Zwei Tage später saß auch Müller in Frankfurt hinter Schloß und Riegel. Dur der Maler Dau-
hild! — Hast du nicht so gesagt, Hans? — Da werd ich gleich morgen krank! Meinetwegen zum Sterben. Wann man von solchen« Handerln pflegt wird, nachher kann man leicht still haltn, eine Wochen oder zwei."
„Sie sind wohl noch nicht lange bei Herrn Doktor Feßmann tätig?" hörte Hilde Maria Richthofen fragen. Ein leiser Spott Hang in den Worten mit, der die Wangen der jungen Frau in eine rofenfarbenc Glut tauchte.
Der Arzt fühlte, wie das Blut in feinen Adern pulste. Durchschaute Maria Richthofen seine Lüge? Es war ja soviel wie an^gefd&Dffen! Riemand wußte von seiner Ehe. Sie trugen keine Ringe und gaben sich auch sonst nicht wie verheiratete Leute. Das ftinunte ihn wieder sicher. Sein Blick ruhte kühl und überlegen in denen Marias. „Hettingen hatte die Güte, uns beide für den Abend einzuladen. Schwester Brunhild« braucht notwendig ein bißchen Ablenkung und Ausspannung nach dem ewigen Einerlei bei mir!"
Der Baron fühlte, wie ihn der Blick des jungen Mädchens streifte. Für einen Sekundenbruchteil verschoben sich ihre Mundwinkel zu feiner Ironie, und die langen Seidenwimpern senkten sich zur Hälfte über die tiefblauen Sterne.
Zch möchte sie küssen — dachte Hettingen, und wußte nicht, wie weltverloren fein Blick an ihren rofenfarbenen Lippen hing.
Maria fühlte fein Anstarren und verglich in raschem Schauen ihre mit Hilde Feßmanns Person. „Sind Sie immer bei Herrn Doktor beschäftigt?" wandte sie sich an die junge Frau.
Ein scheues „3a!“
Der Doktor hätte so gerne feine Hand auf die des armen gequälten Weibes gelegt Aber es ging nicht. So sagte er nur in aller Gelassenheit: „Schwester Brunhild« ist mir unentbehrlich."
„3a, das glaub ich!" fiel Richthofen lachend dazwischen und begann, seinen Kaoiar aus den Russeneiern zu löffeln. „Ich mein, man könnt dem Hans gar keinen größeren Possn spteln, als bafe man ihm die Handerln da wegschnappt —Er neigte sich über den weißen Damast und küßte Hildes bebende Fingerspitzen. „Wetm er Ihnen schlecht behandelt, Fräuln Brunhild«,
mann war trotz bcS Steckbriefs nicht zu fassen. Während die Polizei, und zwar vor allem die Frankfurter Polizei, schon mit der Möglichkeit rechnete, daß Baumann ins Ausland geflüchtet fei, faß dieser ruhig in Frank- furt und ärgerte sich über die ausführlichen Veröffentlichungen in Frankfurter Tageszeitungen, die seiner Meinung nach in den Hauptpunkten unrichtig waren. Eines Tages erschien er bei einem Frankfurter Schriftsteller und bat um die Veröffentlichung eines wahrheitsgetreuen Se- richts. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, daß er sich selbst dem Gericht stellen wolle. Tatsächlich hat er sich dann am Sage nach Pfingsten freiwillig gestellt. Zu dem interessanten Prozeß sind über 60 Zeugen geladen worden.
Aus Der provinzialhaupista-t.
Gießen, den 28. Dovember 1928.
Oer Müllwagen ist da!
Eine Reuerscheinung in unserem Straßenverkehr, die vorerst als eine Mahnung zur Be- fchaffung der hier und da noch fehlenden bor» schriftsmäßigen Abfallbehälter angesprochen werden kann, ist der neue Müllwagen, dem die Aufgabe zufällt, alles, was im Haushalt entbehrlich, lästig, für Auge und Rase widerlich wurde, in seinem weiten Bauch aufzunehmen. Die bisher verwendeten alten Körbe und Kisten, Pappschachteln, Fässer usw. ließen in mancher Beziehung recht tief blicken in das Wallen und Wirken mancher Hausfrauen, und gestatteten ein nicht immer schmeichelhaftes Urteil über deren wirtschaftlichen Sinn. Verfaultes Obst, Gemüse. Kartoffeln z. D. sind stumme Ankläger der Frau, die es zum Verderben dieser Nahrungsmittel hat kommen lassen. Zigarrenkisten, Zigarettenschachteln, zerbrochene hölzerne Küchengeräte, Wasch- llammern, Holzwolle, zerstörtes Kinderspielzeug usw. gehören ebenfalls nicht in den Mülleimer, sondern als Ersatz für Anmachholz in den Ofen. Die Kriegs- und Rachkriegsnöte, die zur Verwertung von Abfällen zwangen, scheinen heute schon wieder vergessen zu fein. Mehr oder weniger erbaut von der Reuerung sind die Haushaltungsvorstände, denn die neuen Kehricht- befjälter kosten Geld, und es wird noch manchen behördlichen Rippenstoßes bedürfen, bevor die Säumigen in die Tasche greifen. Es gibt aber noch andere „Interessenten", bei denen die neuen Mülleimer keine Freude auslösen: das sind die Hunde. Sie konnten bisher, soweit ihre soziale Lage dazu zwang, ihre Rasen recht tief in die offenen Gefäße und Kisten vergraben und manchen noch genießbaren Happen erwischen. Sie beschnuppern eben schon die neuen Zinkgefäfee mit Mißtrauen und — behandeln sie nach ihrem Empfinden.
Wau, wau, die schöne Zeit ist aus Und nix hilft Heule und Delle, Seit der Stadtrat vor jedem Haus En Eimer liefe uffstelle, Der streitig uns das Stöbern macht Rach manchem schönen Happe, Sagt Leut' — ist das net ungerecht, Wenns nix mehr gibt zu schnappe. Die Bröckchen aus den Küchetöpp War'n immer uns Willkomm«, Die Knöchelcher und Hinkelsköpp Sein uns nun weagenomme.
Auch armem droht der Hungertod, Ja8 sind die armen Katz«: .Und von den annern leide not Die Hinkel und die Spatze.
Wau, Wau, was war n die Zelle fchee, Was fein das jetzt für Posse?
Wir müsse all' zugrunde geh', Weil die Eimer fest verschlösse!
E.
Gießen im Lichi.
Vom Verkehrsverein Giefeen wird uns geschrieben: Die Vorbereitungen für die Werbe- woche sind in vollem Gange. Wie feststeht, wird es eine Deranstaltuna ersten Ranges werden, die sich in ihrer Aufmachung gleichartigen großstädtischen Werbewochen würdig zur Seite stellen kann. Gießen wird, wie das Motto sagt, im Lichterglanz erstrahlen. Das wird zweifellos viele Fremde veranlassen, während her Werbeveranstaltung die Stadt aufzusuchen. Theater und Lichtspielhäuser werden mit besonderen Programmen aufwarten: Konzerte der Kapelle unserer Garnison an verschiedenen Punkten der Stadt werden die Veranstal- tuna unterstützen. In den Cafes und Gaststätten werden Konzerte und Künstlerabende für reichhal-
dann brauchn S' mir s bloß z' wissen tun. Nachher komm ich und brenn mit Ihnen durch."
Hettingen warf ein „Oho" über den Tisch. „Ich habe ältere Rechte. Ich kenne Schwester Drunhilde schon sell heute nachmittag."
„Ah, zwcgn die paar Stünderl, Joachim! Daö macht nix mehr aus! Ret toajr, Fräuln Drunhilde. Und der Hans, der kommt überhaupt nicht in Dettacht. So ein Doktor, der hat ja eh net Zeit, daß er sich a Weiber! sucht"
Hildes Blick irrte hilfesuchend erst zu ihrem Manne, und als dieser ins Leere sah, blieb er flehend an Hettingens Augen hängen. Er konnte nicht anders, als chr mit einem lieben Lächeln über die Finger zu streichen.
Eine dunkle Glut stand langsam in ihren Wangen auf, während die Maria Richthofens urplötzlich in marmorfarbener Weiße lagen.
„Mizzerl, du machst Augn als wie ein Geheimdetektiv!" scherzte Richthofen und hiell der Schwester sein frisch gefülltes Weinglas entgegen. „3s kein Mensch da, der ein schlechtes Gwissn hat! Höchstens der Rittmeister 'Dernauer brübn in der Eckn! Der hat statt feiner Frau a Dame vom Ballett dabei!" Er lachte veralten auf. „Weißt es noch, Feßmann, wie wir allwell gschwärmt ham von der Else Karstenauer, der Dramatischn von der Staatsoper? Und nachher hat f an bulgarischen Prinzn gnommen! 3essas na! Die Plan, die wo wir gmacht haipl 3ch heirat amal keine unter einer Million! hast allemal gfagt“
Feßmann sah verstohlen nach seiner Frau hinüber. Sie saß ruhig, mit in Schoß gefalteten Händen. Diesmal ging ihr Blick ins Leere, wie vorher der seine. Rur ein leichtes Vibrieren der ginget liefe erkennen, daß sie erregt war.
Maria Richthofen trug ein rätselhaftes 2ä» cheln um die Lippen. „Und Sie Baron? — Kommen bei Ihnen auch nur Millionen in Betracht?"
Statt von Hettingen kam ihr die Antwort von ihrem Bruder selbst. „Weißt Mizzerl, der 3oa- chim, das war allawell schon ein Außenseiter. Der is von klein auf schon bloß nach der Liab gangen. Rach gar nix anberm."
Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahaussiattung werSem isit dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf!
tige 'Abwechslung sorgen. Eine Lotterie, für die Freilose beim Einkauf von einer Mark an in allen Geschäften zur Ausgabe kommen, und bei der bedeutende Preise zur Ausspielung gelangen (vorgesehen sind u. a. ein Automobil, ein Schlafzimmer) wird wohl zahlreiche Einheimische und Fremde ba- zu veranlassen, ihre Weihnachtseinkäufe bereits während der Derkehrs-Werbewoche „Gießen im 2icht" vorzunehmen. Weitere Veranstaltungen sind vorgesehen und werden noch durch Anzeigen bekanntgegeben. Man beachte die heutig« Anzeige.
Wer macht den Kriegsblinden eine Weihnachtsfreude?
Der Bund erblindeter Krieger, Untergruppe Oiefeen, bittet uns um die Aufnahme folgender Zeilen:
Frieden im fersen, Lebensfreude und Lebensmut sind Schätze, die auch den Kriegsblinden zutell werden sollen. Sie ,ind vom Krieg« durch den Verlust ihres Augenlichtes zu hilflosen Menschen geworden. Schwer drückt die Last, die chnen ein grausames Geschick aufgebürdet hat. Hart ist aber auch der Kampf, den sie zeitlebens zu führen haben.
Obwohl unsere Kriegsblinden ihr Bestes für das Vaterland hingegeben haben, geraten sie immer mehr in Vergessenheit. Wir halten es schon aus diesem Grunde für notwendig, auch in diesem Jahre für die Kriegsb.inden eine stille und ernste Weihnachtsfeier zu veranstalten. Durch Ueberreichung eines Geschenkes soll jedem Blinden eine Weihnachtsfreude bereitet und ihm gezeigt werden, daß auch heute noch mitfühlende Menschen «ich seiner erinnern.
Leider können wir die zur Durchführung der Veranstaltung nottoenbigen Mittel nicht aus eigener Kraft aufbringen. Vielmehr bedürfen wir der Hilfe unserer sehenden Mitmenschen, die es als eine Ehrenpflicht betrachten sollten, den Kriegsblinden eine Freude zu bereiten, um sie dadurch im Ringen mit ihrem Schicksal zu stärken. Wir richten daher an alle Sehenden die herzlich« Bllte, uns einen kleinen Beitrag zur Bescherung der Kriegsblinden zu überweisen.
Gaben nimmt die städtische Oberfürforgerin Schwester Anita Herma nny zu Gießen (Stadthaus), Gartenstrafee 2, Zimmer Rr. 12, gerne entgegen. Geldspenden können an die gleiche Adresse, oder auf das Konto dec erblindeten Krieger bei der Bezirkssparkasse Giefeen (Konto Rr. 7389) eingezahlt werden.
Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde.
In der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde sprach dieser Tage Dr. Hans Maier (Leipzig) über das Thema: „DieMandschurej, Land, Volk, Wirtschaft". Der rnedner nahm im Sommerhalbjahr 1927 als Geograph an der Erpe- dition Waller Stötzners in die NordmandsMrei teil. Er aab zunächst einen kurzen und doch vielseitigen Ueberbüd über die gatue Mandschurei, in dem er besonders den klimatischen, pflanzen» und tiergeographischen Uebergangscharakter dieses zwischen der innerasiatischen Mongolei, dem russischen Vordasien und den peripheren Monsunaebieten (Sichotaalin, Korea, Nordchina) gelegenen Erdraumes betonte, einen Uebergangscharakter, der sich auch in der rassischen und völkischen Zusammensetzung seiner Menschheit zeigL Rassisch unvermischte Mandschu gibt es nur noch einige Zehntausend, die paläasiatischen Südtungusen sind dem Aussterben nahe, Russen und Japaner leben nur je 300 000 bis 400 000 im Lande. Die Mandschurei, die vor 1905 langsam in russische, noch 1905 in japanische Hand hinüberglitt, wird jetzt von dem Volk de facto zurückgewonnen, dessen Souveränität auch in jenen Jahrzehnten aufs empfindlichste geschwächter Macht nie aufgehört halle, den Chinesen. Das Mittel dazu blldet die Unterwanderung. Die Zahl der jährlich aus China, besonders den durch die inneren Kämpfe und Mißernten in schwere Bedrängnis geratenen Nordprooinzen, Einwandernden
„Verleumder," sprach Hettingen dazwischen und horchte gedankenverloren nach dem Pußtawalzer. den das Orchester spielte.
„Ist ein Wörtgl llnwahrs dran, Feßmann?" ereiferte sich Richthofen. „A Madrrl, a nette! A Hascher! a gschamigs — wann's oa kein Kreuzer Geld nichck ghrbt hat — das hat er an- gschmacht — da hat er sich stundenlang in Prater nuntergfteUt und hat gtoart drauf und is im Himmel gwesn, wenn er a Busserl davon kriegt haL"
„ilnb jetzt?" riß Marias Stimme den Baron aus seinen Träumen.
„Macht er's grab noch a so!" lachte Richthofen.
Joachim schüttelte den Kopf. „Jetzt trau ich mich nücht mehr! Aber wenn ich freiwillig eilte krieg, wie zum Beispiel neulich! —"
„Ra sowas! Aber bitte! Also freiwillig hat dir eine 's Goscherl hinghaltn I" trumpfte Leopold.
„Richt hingehaltn, Poldi! Sondern auf den meinen draufgedrückt! Ganz fest!"
„JessaS na!“
„ilnb bann war sie auf einmal weg — und wie sie mich wieder gesehen hat, hat sie nichts mehr dergleichen getan, grab so, als ob ste's gar nicht gewesen wäre, und ich auch nicht, sondern zwei ganz andere! Das htt weh getan!“
„Das glaub ich!" kam s unter RichthofenS kicherndem Lachen. Der Doktor forschte aufmerksam in Hettingens Gesicht. Das hatte so verdammt ernst geklungen, daß ihm ein Wort deS Scherzes gar nicht angebracht erschien.
Hilde bemerkte, wie Marias Wangen bis zurück an die Schläfen in brennendem Rot standen. — War sie es gewesen, die ihre Lippen auf die Joachims gelegt hatte?
Herr Leopold lachte gut gelaunt vor sich hin. „San eh recht durchtriebne Dinger, di« Modln heutigentags! 3s eine wie die andere! Der- druckn dich in einer Stund und in der nächsten schütten s' dir an Kübel Erswasser übern Kopf, daß d' den schönsten Stockschnupfn davon hriegn kannst. Geht die andern auch net besser wie dir. 3vachim."
(Fortsetzung folgt)
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Taten fü. omrnito
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