Ausgabe 
28.11.1928
 
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2Ibg. Dunkel (WP.) erklärt, seine Freunde hätten munch: Bedenken gegen den Entwurf, vor allem wegen der unzureichende Berücksichtig ? des erwerbstätigen Mittelstandes. Ci: würden aber im Ausschuß sachliche Mitarbeit zur Verbesserung der Vorlage leisten.

Abg. Meyer, Berlin, (D). Für die Demo- kraten sei das Einkammersystem kein Dogma, aber der Hinweis auf daS alte preußische Herrenhaus sei wirtlich keine Empfehlung! denn diese preu­ßische Kammer sei immer ein Hemmschuh für den Fortschritt in Gesetzgebung und Verwaltung gewesen. Die Demokraten würden eine stärkere Vertretung der Hausfrauen, der Han­delsvertreter. der freien Berufe und des Beamtentums eintreten.

ALg. Hepp (Chr.-Ratl. D.P.) äußert schwere 'Bedenken gegen den Gillwurf. Der Landwirt­schaft sei eine ganz unzureichende Ver­tretung eingerau.nt: sie müßte mindestens ein Drittel der Vectretersihe im Reichswirtschaftsrat einnehmen. Seine Freunde würden sich ihre Stel­lungnahme zu der Vorlage Vorbehalten.

Der Gesetzentwurf wird dem volkswirtschaft­lichen Ausschuß überwiesen.

Es folgt die erste Beratung der H a n d - werksnovelle zur Gewerbeordnung. Aach der Vorlage soll vor allem an die Stelle des bisherigen indirekten Wahlrechts zu den Handwerkskammern die unmittelbare, geheime und gleiche Wahl treten. Alle Handwerksbetriebe werden in eine »Handwerksrolle" eingetragen, die gleichzeitig die Wählerliste für die Handwerks­kammern darstellt. Die Avvelle ändert weiter zahlreiche Vorschriften über das Wahl- und Stimmrecht zu und in den Innungsversamm- langen. Die Vorlage wird dem volwwirtschaft- lichen Ausschuß überwiesen.

Günstiger Zolllang der Einigungs- Verhandlungen im EisenkonflM.

Düsseldorf, 27. Aov. (WTD.) Die heutigen Einigungsverhandlungen der beiden Tarif­parteien beim Regierungspräsidenten Dergemann sind gegen 8r/2 Uhr abends abgebrochen worden und werden am morgigen Aachmittag um SUbr fortgesetzt werden. WLHr:nd der Verhand­lungen ergaben sich nochmals Schwierigkeiten, zu einer gemeinsamen Dergleichsba is zu kommen. Die Arbeitgeber wollten die heutige Verhandlung zu einer Einigung führen. Jedoch erklärten die Gewerkschaftsvertreter, an dem Vorschlag des Regierungspräsidenten Dergemann vom 19. Ro- vember und an ihrem Grgänzungsvorschlag hierzu fest halten zu müs'en. Sie baten die Arbeit­geber, im Laufe des Mittwochs hierzu nochmals mit ihren Mitgliedern besonders Stellung zu nehmen. Die Gewerkschaften glauben, daß di:ser Vorschlag die beste Grundlage sei, die Bewegung für beide Telle zu einem günstigen Erfolge zu führen. Wie dasD. T." hört, sind die Gewerkschaften bereit, den Vorschlag des Re­gierungspräsidenten Dergemann anzunehmen, der für die Wiederaufnahme der Arbeit eine Zwi­schenlösung vorsieht, wonach die Arbeiter zu den alten Bedingungen die Arbeit wieder aufnehmen, bis das Reichsarbeitsgericht entschieden bat. 3n einer vom Christlichen Metall- arbeitnwerband einberufinen Mitgliederrersamm- lung wurde seitens der Mitglieder ebenfalls zum Ausdruck gebracht, daß der Rechtsstreit auch dann ausgefochten werden könne, wenn die Detriebe unter den alten Dedingungen geöffnet würden. Eine Entschließung wurde nicht gefaßt.

Oie Unterstützung der Ausgesperrten.

Die Bolkspartei kritisiert die Art der Verteilung.

Berlin. 28. Rov. (Priv.-Tel.) Aach der Dörsenzeitung" wird heute eine von der Deut­schen Volkspartei angeregte Sitzung des Reichskabinetts stattfinden, in der die Be­denken der Deutschen Vollspartei gegen die Verteilung derRuhrunterstützungs- gelber durch den preußischen Wohlfahrts­minister Hirtsiefer zur Sprache gebracht werden sollen. Aach dem Sozialdemokratischen Presse­dienst richtet sich die volksparteiliche Kritll an der llnterstützung in erster Linie gegen den Wegfall der D e d ü r f t i g k e i t s p r ü- f u n g. Die Kritik wird in der Kabinettssihung vom Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s vorgetragen werden. Zu der volkspartellichen Kritik bemerkt dieGermania": Dieser Vorstoß kommt deshalb etwas unerwartet, weil die von Minister Hirtsiefer herausgegebenen Richtlinien im Reichskabinett im wesentlichen vorher bekannt waren, und auch dem entsprechen, was der preußische Ministerpräsident Braun der Reichsrcgierung in einer gemeinsamen Be­sprechung als die Absichten der preußischen Re­gierung milgeteilt hatte. Die preußische Re­gierung vertritt dem volkspartellichen Vorstoß gegenüber die Auffassung, daß die von ihr im Auftrage des Reiches durchgeführten Unter­stützungen eine Sonderaktion darstellen, die den Bestimmungen der Fürsorgepflichtvervrd- nung nicht unterliegt.

Weitere starke Zunahme -er Arbeitslosigkeit.

Berlin, 27. Noo. (WB.) Die zunehmende, durch die Jahreszeit bedingte Einstellung der A u ß e n o r b e i t e n in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, in den Baunebengewerben und in den anderen Saisongewerben hat in der Zeit vom 1. bis 15. November zu einer weiteren erheblichen Steigerung der Arbeitslosigkeit geführt. Auch die A u s s p e r r u n g in der nordwestdeutschen Eisen­industrie machte sich auf dem Arbeitsmarkt bereits in gewissem Umfange vemerkbar. Die Gesamtzahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeits­losenversicherung ist iu der Berichtszeit von rund 671 000 auf 805 000 (davon 630 000 männliche und 175 000 weibliche), d.i. um 20 d. 5)., aestie - 9e n- Steigerung betrug bei den Männern 114 000 oder 22,1 v. H. Die Hahl der unterstützten Frauen, die in den vorhergehenden 14 Tagen nach langer Zeit wieder zum ersten Male gestiegen war, und zwar um 4,3 v.H., hat diesmal um 20 000 oder 12,9 v. H. zugenommen.

Bauernunruhen in Sowjetrußland.

Warschau, 27. Aov. (Privatmeldung.) In Wilna sollen Aachrichten über einen 'Bauern­aufstand tn dem svwjetrussischen Bezirk Wi- t e b s k verbreitet werden. Die Dauern ermorde-

Eine falsche Prinzessin vor Gericht.

E r f u r t, 27. Noo. (WB.) Im überfüllten Schwur­gericht fand heute die Verhandlung gegen das Dienst, mädchen Martha Barth statt, das in der Maske einer angeblichen Prinzessin Margarete von Preußen zahlreichen Bewohnern von Erfurt und Ilmenau Geldbeträge und Waren herausgelockt hat. Es handelt sich um 26 Fälle des Betruges und Urkundenfälschung. Die Angeklagte ist bereits im Jahre 1921 mit einem Jahr Gefängnis wegen Ur- kundenfälschung und später zweimal wegen Betrugs und Diebstahls bestraft worden. Martha Barth ist die uneheliche Tochter eines adeligen Forstassessors. Sie hat in verschiedenen adeligen Familien, so beim Grafen Berg, beim Fürsten Lippe und beim Hof­meister von Wangenheim als Zofe gedient.

Die Angeklagte, die 41 Jahre all ist, ober erheb­lich jünger aussieht, ist die Mutter zweier unehe- licyer Kinder, von denen eins bereits 16 Jahre alt ist. In der Sitzung kamen zunächst die Betrügereien zur Sprache, die die Angeklagte an den beiden Fräuleins Herold, den Inhaberinnen eines Putz- aefchäftes in Erfurt, zwei älteren Damen, begangen hat. Ihnen gegenüber hat sie sich als die außerehe­liche Tochter der Schwester des Kaisers, der Prin- zeisin, späteren Königin von Griechen­land, mit dem Prinzen von Asturien, ausgegeben. Sie hat im Verlauf einer sehr abenteuerlichen Schilderung Ujrer weiteren Lebensgeschichte den Ge­schwistern Herold erzähll, daß sie mit dem deut­schen Kronprinzen, allerdings nur zur lin­ken Hand, verheiratet gewesen sei. Bemerkenswert ist, daß die Mutter der Angeklagten in Erfurt an- [affig ist- Den Geschwistern Herold gegenüber hat die Angeklagte deshalb u. a. auch erzählt, sie sei von ihrer wirklichen Mutter in aller Stille in Bad Berka zur Well gebracht worden. Die Frau, die als ihre Mutter gelte, sei nur ihre Amme.

Die Putzmacherin Fräul^n Fri.-da Herold bekundet, sie habe der Durch u. a. eine Wäsche- ausstattung für über eine Million Paprer- mark geliefert. Für den »notleidenden Kronprin­zen" allein habe die Barth 6000 Papiermark von der Herold erhalten. Einmal sei der Kron­prinz sogar nach Angabe der Barch in Erfurt überfallen worden und hätte 200 Mk. gebraucht. Ein anderes Mal hätte man ihm 30 000 Mk. zurückerstatten müssen. Die Zeugin bekundet wei­ter, sie habe ihren Schmuck und andere Dinge nach dem L e i hh a use getragen,, bloß um der Barth Geld zu verschaffen. Sie I

habe auch Briefe gesehen, die angeblich vom Kronprinzen stammten und mit dem Kosewort Muscherrch" unterschrieben waren.

Zwei weitere Zeuginnen erllären, die Ange­klagte habe sich ihnen gegenüber a l s Groß­fürstin von Rußland oder als Gräfin R i t t b e r g ausgegeben. Der Zeuge Eidam, Gast auf dem Auerhahn bei Ilmenau, sagt aus, er habe anfangs nicht geglaubt, daß die Barth eine Fürstlichkeit fei. Die Dar h habe in Krampf­anfällen phantasiert, es kämen Rot­gardisten. Einmal habe sie bei der lln er Haltung einen Anfall bekommen, sie habe geschrien, das Kind müsse in Sicherheit gebracht werden. Der Zeuge hielt die Anfälle für ernst, da sie sich des öfteren ereigneten. Der Zeuge Förster Voigt aus Gießhübel ist mit der Ange.lagten in Aeustadt bekannt geworden. Er hat sie mit nach Erfurt ins Kino genommen. Er sei als ihr Adju­tant vvrgestellt worden.

Aach Vernehmung einiger weiterer Zeugen wird das Gutachtendes Sachverständi- gen Dr. Rohde gehört. Er erklärt, daß von einem eigentlichen Schwachsinn bei der Ange­klagten nicht die Rede sein könne. Ihre Traum- erscheinungen seien wahrscheinlich hysterischer Art. Ihre ethischen Begriffe seien mangelhaft entwickelt, sie sei psychopathisch mit hysterischem Charakter und habe Aeigung zu phantastischen Lügen. § 51 komme nicht in Frage. Berücksichtigt müsse aber werden, daß sie minderwertig und degeneriert sei.

Die Angeklagte wurde wegen Rückfallbetruges in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung, wegen Betruges und wegen Unterschlagung zu2Iahren Gefängnis unter Anrechnung der Unter­suchungshaft verurteilt. Nach sechsmonatiger Haft tritt Strafaussetzung von 3 Jahren ein un­ter der Bedingung, daß sie sich gut führt und zeigt, daß sie arbeiten kann. In der Begründung wird als belastend bezeichnet, daß die Angeklagte kalt und herzlos besonders im Falle Herold vorgegangen sei. Sie habe dies einfällige Opfer bis aufs Blut ausgesogen und einen Pfarrer durch ihre Drohbriefe und -karten beinahe um seine Stel­lung gebracht. Zugunsten der Angeklagten sprächen die ungewöhnliche Leichtgläubigkeit ihrer Opfer und die Inflationszeit, in der die Begriffe Recht und Unrecht verwischt ge­wesen seien.

ten m dieser Gegend Sowjetfunktionäve und die Redakteure der kommunistischen Zeitungen, äleberdies wurden in mehreren Dörfern die Ge­bäude der Sowjeteinrichtungen demoliert und die Lenin-Dilder vernichtet. Rote Truppen sollen den Aufstand niedergeworfen und 60 Per­sonen verhaftet haben. Auf feiten dcr Auf­ständischen werden viele Tot« und Verwundete gezählt.

Das Gaargebiet bekennt sich erneut zum Reich.

Ein Appell

an Frankreich und den Völkerbund.

Saarbrücken, 27.Noo. (WD.) In der heuti­gen Stadtverordnetenversammlung wurde anläßlich der zehnten Wiederkehr des Tages, an dem französische Truppen das 6aar gebiet besetzt gaben, eine vaterländische Kundgebung veranstaltet. Es wurde eine Re­solution angenommen, in der es nach einem Hin­weis darauf, daß durch die Besetzung die tausend­jährige Zugehörigkeit des Saargebietes zum Deut­schen Reiche unterbrochen worden fei, heißt:Nach­dem die Bevölkerung zehn Jahre lang die Auswirkungen Des Versailler Ver­trages erfahren hat, erklären die Stadtverordne­ten von Saarbrücken als die gewählten Vertreter der Bürgerschaft: Die Aufrichtung eines politisch und wirtschaftlich autonomen Gebietes hat sich l n ° folge der organischen Zugehörigkeit des Saargebietes zur deutschen Wirtschaft als undurchführbar erwiesen. Sie würde ebenso dem politischen Willen der Bevölkerung widersprechen und in Europa dauernd einen Herd politischer Kampfe und Streitigkeiten aufrechterhalten. Die Stadt Saarbrücken hat nur den einen Wunsch, sobald als möglich wieder mll dem Deutschen Reiche und dem preußischen Staate, und zwar ohne Vorbehalt und ohne jede Beschränkung verei- n i g t zu werden. Von der Presse aller Länder er­wartet die Beoöllerung der Stadt Saarbrücken eine offene und starke Unterstützung ihres Strebens nach Wiedervereinigung mll dem Mutterlande. .Don dem französischen Volk erwartet sie, daß es zu einer friedlichen Verständigung mit dem Deutschen Reich über die Saarfrage die Hand bietet. Sie erwartet weiter von dem R e ch t s s i n n der im Völkerbund vertretenen Nationen, daß sie zur Vermeidung eines nutzlosen politischen und wirt­schaftlichen Kampfes im Saargebiet f ü r eine schleunige Lösung der Saarfrage im Sinne des Willens der Saarbevölkerung eintreten.

Oer Finanzausschuß berät den Stellenplan.

DaS Kapitel Volksschulen.

Darmstadt, 27. Nov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags setzte die Beratung des Stel­lenplanes bei Kapitel 42 (Landesheil- und Pflegeanstalten) fort. Unter Ablehnung eines in ähnlicher Richtung gehenden Antrages Kel­ler (D. 23p.) wurde ein Antrag Storck (Soz.) ange­nommen, wonach die Kasseninspektoren an den An­stalten in Gießen und Alzey in die Gruppe 4a ein­gestuft werden, doch kann die Regierung sinngemäß auch für Heppenheim verfahren. Abgelehnt wird ein Antrag Widmann (Soz.), die Zahl der Pflegcmeister und Oberpfleger von 26 auf 60 zu erhöhen unter Streichung von 34 Abteilungspflegern und = Pflege­rinnen. Angenommen wird dagegen ein gleichlauten­der Antrag Donath-Reiber (Dem.), statt 26 44 Stel­len einzusetzen. Auf Antrag Widmann (Soz.) wird für 5 Werkführer die Einstufung nach der Gruppe A 7 genehmigt. Unter Ablehnung sämtlicher kom­munistischer Einträge findet das Kapitel bann Zu­stimmung.

Bei Kapitel 53 (Kultus- und Bildunas- wesen) wird auf Antrag Reiber (Dem.) ein Mi- nifterialoberfetretär zu den Ministerialreoisoren nach der Gruppe 4b eingestuft. Die beantragte Versetzung eines Rechnungsrates in die Oberrechnungsrats- gnippe dagegen abgelehnt. Das Kapitel wird geneh. migt.

Zu Kapitel 57 (Volksschulen) verlangt ein Antrag Glaser (Bbd.), daß statt 528 nunmehr 720 Stellen für Lehrer in besonders gehobenen Stellen und stall 126 nunmehr 250 Stellen für Lehrer in gehobenen Stellen und stall 2525 Stellen für Lehrer nur 2209 Stellen geschaffen werden sollen. Dieser Antrag wird gegen 3 Stimmen bei einer Stimment­haltung abgelehnt. Dagegen wird ein Antrag der Koalitionsparteien einstimmig angenommen, wonach statt 126 nunmehr 201 gehobene Stellen und statt 2525 2450 Stellen geschaffen werden sollen. Bei den Berufsschullehrern werden statt 30 Stellen in Gruppe 3c 36 Stellen, statt 92 Stellen in Gruppe 4a 121 Stellen und stall 183 Stellen in Gruppe 4b 147 Stellen geschaffen. Von den laut Anmerkung erst ab 1. April 1929 in Kraft tretenden 104 Stellen für besonders gehobene Stellen wurden nur 87 be­willigt. Das Äapitel wird genehmigt. Sämtliche dazu gestellten Eingaben von Verbanden und Personen werden durch die Beschlußfasiung für erledigt er- klärt.

Die Artikel 59 und 60 (Taubstummen- und Blindenanstalt Friedberg) werden ange­nommen. Dabei wird eine Eingabe Schäfer (Fried­berg) für erledigt erklärt.

Amerika lädt zu einer parlamen- tarischenFottenkonserenz ein.

Bemühungen um eine Verständigung mit England.

Washington. 28. Rov. (WTD. Funk- spruch.) Der Vorsitzende des Marineausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses hat a n den britischen Premierminister Daldwin ein Telegramm gesandt, in dem er anregt, es sollte eine gemeinsame Kon­ferenz von Mitgliedern des britischen Par­laments und des Marineausschusfes des Re­präsentantenhauses abgehalten werden, um die Frage der Gleichheit der Seestreit­kräfte beider Staaten in allen Kriegsschiff- klassen, die von den Beschlüssen der Washing­toner Konferenz nicht berührt worden find, zu prüfen. Das Telegramm schlägt vor, daß die Konferenz nach dem 3. März in Kanada zu­sammentreten sollte. Rach Beendigung der Be­ratungen würden die beiden Delegationen ihren Regierungen Berichte vorzul.'gen haben. 3n einem Interview erklärte er, er habe sich zu diesem Telegramm entschlossen im Hinblick auf die Rede des Premierministers vom 13. Rovember, die den Wunsch nach häufigeren versöhnlichen Un­terredungen zwischen britischen und amerikani­schen Vertretern zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses ausgesprochen habe.

Aus aller Welt.

Die Trauerfeier für Admiral Scheer.

Die Trauerfeier für Admiral Scheer findet am 30. Rovember, 13,30 älhr, in Weimar statt. Die Vertretung des an der Teilnahme verhinderten Reichswehrministers wird derChefder Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Rae- der, übernehmen. Don dem LinienschiffElsa h", dessen Kommandant der Verstorbene in den Jah­ren 1907 bis 1909 war, wird der Kommandant und eine Abordnung der Besatzung teilnehnnen. Auf Befehl des Reichswehrministers setzen am Tage der Beisetzung die Schiffe und Fahrzeuge der Reichsmarine H a l b m a ft. Der Marine- attache bei derKgllbritannischenBot- schäft hat heute vormittag im Ramen des Chefs der englischen Admiralität dem Chef der Ma­rineleitung das Beileid ausgesprochen.

Kem Ueberlebender

auf dem Wrack derSalento".

Zandvoort, 27. Hob. (WTD.) Heute früh wurde noch ein letzter Versuch zur Ret- tung etwaiger Ueberlebender des gestrandeten italienischen DampfersSalento" unternommen. Da die Detttmgsstcttionen von Zandvoort und Pmuiden nur über Riemenboote verfügen, die sich als völlig ungeeignet erwiesen hatten, um das Wrack derSalento" zu erreichen, war je

ein Motor rettungsboot auS Den Helder und Scheveningen angeiotbert worden. Als diese beiden Doole heute am Schauplatz der Kata­strophe «intrafen und das Wrack derSalento" mehrmals aus nächster Rähe umkreuzten, war auf diesem kein Leben mehr zu ent­decken. Es kann nunmehr keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die gesamte Desahung. die nach neueren Feststellungen nicht aus 25, sondern aus 27 Mann bestand, bei dem Schiff­bruch umgekommen ist. Weitere Rettungs­versuche sind als aussichtslos eingestellt worden» Disher wurden drei Leichen an Land gespült.

Verhandlungen zwischen Luftschiffbau Zeppelin und Aero-Arktis.

Die unter Leitung des Reich Zverkehrsministers v. Guerard zwischen dem Lu tschif.bau Zepre- lin und dem Vorstand der Inlernationalen S u- diengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff (Aero-Arktis) geführten Verhand­lungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß der Luftschifibau Zeppelin der Aero-Arktis das LuftschiffGras Zeppelin" im Jahre 1930 zu zwei arktischen Fvrs ch u n g sf a h r t e n gegen angemessene Kostenerstattung zur Ver­fügung stellen wird. Dr. Eckener wird r unmehr in den Vorstand der Internationalen Studien­gesellschaft zur Erforschung der Arktis, mit dem Luftschiff eintreten.

Auf einem Hebungsritt tödlich verunglückt.

Dei einem älebungsritt in Rürnberg ge­riet das Pferd des Leutnants W ü ch n e r vom Ausbildungsbataillon des Irrfan t eri eregim rnts Rr.21 in das Aad eines Automobils und stürzte. Wüchner wurde unter das Auto­mobil geschleudert und so schwer verletzt, daß er alsbald nach seiner Ginlieferung in das älnioer- sitätskrankenhauS Erlangen starb.

General Doolh außer Gefahr.

Wie verlautete, haben die Aerzte erklärt, daß Ge­neral Bo o t h , der Kommandant der Heilsarmee, außer Gefahr ist, und sie Hoffnung auf eine völlige Wiederherstellung haben.

Die Schweizer Berge im Schnee.

Mit den heftigen Stürmen der letzten Tage ist in den Mittel- und Höhenlagen der Schweiz der Einzug des Winters enbaültia Tatsache geworden. Die Neuschneeschicht hat durchweg eine Höhe von fünfzig Zentimeter und darüber.

Die Erbschaftsansprüche der angeblichen Großfürstin Anastasia.

Wie aus Reuyork gemeldet wird, hat die an­gebliche Großfürstin Anastasia, Frau Tschar- towskv, ihre Vermögensansprüche nach dem Tode der Zarin-Mutter Maria Feo­dor o w n a von Rußland nunmehr durch den be­kannten Rechtsanwalt Eduard Fallos ange­meldet. Fallos selbst, der als Fachmann für Erb­schaftsprozesse gilt, hat erllärt, daß er an der Echtheit dieser angeblichen Zarentochter Ana­stasia nicht zweifle. Gleichzeitig wird der Dttef eines Russen D o 111 n, dessen Vater Leib­arzt des Zaren war, veröffentlicht, in d:m er die Großfürstin Tenia beschuldigt, genau zu wissen, daß Frau Tschaikowsky dre Großfürstin Anastasia s« und sie trotzdem nicht an­erkenn«.

vier Sinder bei lebendigem Leibe verbrannt.

In Kartini bei St. Leonhard (Steiermark) sind in einem Winzerhaus vier Kinder im Alter von drei Monaten bis zu vier Jahren verbrannt. In Abwesenheit der Mutter nahm eines der Kinder aus dem Herd glühende Kohles und legt« sie auf daS Bett, das sofort in Drand geriet. DaS Feuer dehnte sich auch auf die übrigen Einrichtungsgegenstände aus. Als die Mutter nach Hause kam, lebten die drei ältesten Kinder noch, starben aber bald darauf an den erlittenen Brandwunden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Mit dem Zustrom der Kaltluft gewinnt gleichzei­tig der hohe Luftdruck über dem atlantischen Ozean nach dem Kontinent an Ausbreitung. Die brlliichen Inseln zeigen bereits Barometerstände von über 770 Millimeter. Im Bereich hohen Druckes steht für die nächsten Tage trockenes Wetter in Aussicht. Nächtliche Wärmeausstrahlung läßt die Temperatu­ren vielfach unter Null Grad zurückgehen.

Wettervorhersage für Donnerstag; Nach stellenweisem Frühnebel, tagsüber aufheitern des Wetter, trocken, leichte Nachtfrostgefahr.

Witterungsaussichten für Freitag: Außer verbreiteten leichten Nachtfrösten wenig Aenderung der Wellerlage.

ßufttemperaturen am 27. November: mittags 4,8 Grad Celsius, abends 4,3 Grad Celsius; am 28. Noo.: morgens 4,3 Grad Celsius. Maximum 5,8 Grad Cel­sius, Minimum 3,4 Grad Celsius. Erdtempera­turen am 27. November: abends 4,9 Grad Celsius; am 28. November: morgens 4,3 Grad Celsius. Niederschlag 0,3 Millimeter.