Ausgabe 
28.8.1928
 
Einzelbild herunterladen

Sie Beratungen her Znterpartamentarischen Union

Sorgen um den Parlamentarismus. - Minderheitenfragen. - Oer Kellogg-Patt. Schleunige Revision der ZriedensvertrSge".

XU 3n der SamStagvormittag^itzung der Interporlamenlorischen Union in Berlin wurde die Au-sprache über die wärtige Entwicklung dr- parlamentari­schen Regimes fortgesetzt Der ehemalige französische Minister Berthold, der als erster Redner doS Wor! ergriff, führte auS. man habe in den letzten Jahren häufig mit dem Gedanken gespielt, an die Stelle de» Parlamentaris­mus etwas anderes zu letze,-. Was Zrankre.ch betrelfe, so seien dort für die Diktatur k e ine Aussichten vorhanden, denn Frankreich habe in der Vergangen yelt zu schlimme Erfahrungen mit der Diktatur gemacht Die Gefahr einer Diktatur lei aber viel geringer, als die deS Syndikalismus'. Die Weimarer Verfas­sung hab« al- erste einen Au-gleich zwi­schen Parlament und Arbeiterschaft versucht.

Der frühere polnische Minister X h u g u l t regte an, die Parlamente sollten nur gesetzlich« Grundsätze schaffen und die AuSführungSbestim- mungen den Regierungen überlassen.

Der ehemalige ägyptische Minister Ma kram Ebeid wandte sich insbesondere gegen Diktatur- beftrebungen, durch die der frei« BolkSwille ge­knechtet werde 3n Aegypten herrsche zur Zeit die schlimmste Diktatur. Der Redner rief die Mithilfe der öffentlichen Meinung der Welt bei der Beseitigung diese» Zustandes an und empfahl hierzu di« Annahme einer Erklärung.

Abg. Dr. Wirth- Deutschland schlug vor. die vorliegenden Anträge und Anregungen an die Ausschüsse zurückzuwnlen. Er begründete seinen Borschlag damit, bah die gegenwärtige Krise deS Parlamentarismus nur zu verstehen und zu lösen sei, wenn man drn Ein" sluß der wirtscbaitlichen Entwicklung und die poli­tische Willen soildung berückstcht g?. Der moderne Parlamentarismus muffe eine Synthese finden zwischen politischer Führung eines BolkeS und der groben Bewegung der modernen Arbeitnehmerschaft. Wenn in allen Kreisen drr Union dir Erkenntnis sei. bafo die breiten Arbeitnehmerschichten zur Mitarbeit und Führung mit h.'range- zogen werden mufotzn dann würde damit der cur.«putschen Kullurbrwrgung drr größte Dienst geleistet und eine neue Weltkatastrophr am sicher­sten verhütet werden.

Der irische Abgeordnete Litt le erhob daraus Einspruch gcgev. die Vertagung des ägyptischen Antrages, die geeignet sei. an den Grundlagen deS parlamenloriscAn Systems zu rühren.

Abg. B a st i d - Frankreich erklärte, drr Vor- schlag Dr. WirthS, vom Parlament auS die Uebermacht der Trusts, Kartelle und Monopole zu bekämpfen. erscheine ihm aus­sichtsreich. Das Grundrecht des Parlaments. Vcr- t>esserungSanträge zu Gesetzesvorlagen zu bringen, dürfe nicht cmgclastet weichen.

Dr. O bde n al- Oesterreich hob hervor, daß auch in seiner Heimat Kräfte am Werke seien, den Parlamentarismus zu diskreditieren. Das DolkS- wohl müsse über die Parteiinteressen gestellt werden.

Damit schloß die Aussprache. Dr. Wirth empfahl im Schlußwort di« Zurückverweisung aller Anträge an die politische Kommission. Sine Ausnahme sollte nur mit dem ägyptischen Protest gemacht werden. Dieser Protest solle Hum Gegenständ einer besonderen Sympalhieki.nd- Mbung der Konferenz für die politische Freiheit fflmacht werden.

In der A b st i in in u na wurde der Antrag des ägyptischen Delegierten, M a k r a m Ebeid, mit Zustimmung des Antragstellers dem Rat der Union überwiesen, der dem Plenum seine Vor­schläge unterbreiten soll. Dos gesamte übrige Ma­terial wurde an die politische Kommission ver­wiesen.

Vach der Mittagspause wurden einige Satzungs­änderungen genehmigt. Dann stellten im Romen der deutschen Gruppe der Jnterparla mentarischen Union deren Mitglieder Reichs- tagsprasident L ö b c, Dr. W i r 1 h und Dr. Schnee

folgenden Antrag:Die deutsche Grupoe der Inter- parlamentarischen Union gibt dem Wunsche Aus druck, daß die Bchandlung und Berücksichtigung der durch die Union gefaßten Beschlüsse in den politisch enundgcsetzgeberischcnKor. verschalten der einzelnen Länder als eine der dringendsten Fragen in der Kommission für poli- lischt und organisatorische Fragen beraten und auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz gestellt wirdt'

Ferner war folgender Entschließungsvorichlag des schwedischen Delegierten Lindkagen ringeganger-1. Der Kongreß möge sich aussprechen für die Aufnahme der allgemeinen und un- initlclbarcn Abrüstung in das Ideenpro- gramm des Völkerbundes, für eine Prüfung nid)t nur des Kellagapaktcs, sondern auch des A b ritstungsvorschlages derSowjctunion ur.b für einen unmittelbaren Anschluß an die Ab­rüstung Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens seitens anderer dazu bereiter Staaten, ohne den Zeitpunkt abzuwarten, zu dem andere Mächte sich hierzu bereitfinden! 2. daß der Kongreß sich dabin ausspccchen möge, daß eine durch inter­nationale Uebercinfommen beschlos­sene Weltsprache eine geistige Notwendigkeit für eine geeinigte Menschheit ist und seinen Rat be­auftragen möge, dieses Problem zum mindesten zu studieren und 3. daß der Kongreß sich für eine all gemeine Revision der Völkerbunds alte in dem Sinne aussprcchen solle, daß diese ihren ideellen Zweck besser entsprechen möge."

Abg. Wiksan, der im weiteren Verlaus bei Samstagsitzuiig it. a. das Wort nahm, erklärte als Vertreter der kroatischen und slowenischen Minder­heiten in Italien, nach der neuen Bestimmung der Regierung für die italienische Kammer sei es ausgesthlossen. daß auf künftigen interparlamen­tarischen Konferenzen die deutsche ober die slowe Nische und kroatische Minderheit noch eigene Ver­treter haben könnten. Er stelle das fest, ohne daran irgendeine Kritik zu knüpfen. Bevor die Stimme diefcr Minderheiten verstumme, wolle er den Dank für das aussprechen, was von der Union für die Lösung der Minderheitenfrage geleistet worden sei. Er bat die Union, der Minderheitenfrage auch weiter ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Man müsse diese Frage als eine europäische ® e samtfragc betrachten, die im Interesse der Er Haltung des Friedens gelost werden müsse.

Abg. di S t c f a n i erklärte, er spreche als Führer der italienischen Gruppe, sei aber selbst nicht Faszift. Für Italien sei die Minderheitenfrage bedeutungslos, da aus 1000 Einwohner nur drei Fremdpebürtige kamen. Diese genossen in Italien dieselbe Behandlung wie die Italiener.

Der englische Abg. Pethick Lawrence betonte u.a, der Kellogg-Pakt weif« zwei wichtig« Dor behalt« auf, einmal nämlich die Bestimmung, daß jede Macht das Recht der Selbstverteidigung hoben solle und zum anderen die sogenannte britische Monroe-Doktrin, wonach England, wenn cs dies für notwendig halte, von sich aus zum Krieg« schreiten könne. Das be­deute einen ungeheuren Schritt rück­wärts Dies« Vorbehalte, di« nachträglich in den Kellogg-Patt Hineingetragen worden seien, müßten wieder beseitigt werden.

La Foyer (Frankreich) richtete die beson­der« Aufmerksamkeit der Konferenz auf bie (Sn t» wassnungsfrage. Es sei allerhöchst« Zeit, daß endlich entwaffnet werde. Erne grausam« Enttäuschung für alle Friedens­freunde würde es sein, wenn die für den Herbst in Au-ficht gestellte Abrüstungskonferenz zum fünften Male ins Wasser fallen sollte.

Der Abg. O'Farrcll (Irland) fordert« schleunige Revision der Friedens­verträge, die den Keim zu neuen Ver­wicklungen gelegt hätten. Auch er be­dauerte die Vorbehalte, die in den Kellogg-Pakt hrneingearbeitet worden feien. Auch das ge­heimnisvolle englisch-französische Abkommen müsse bedenklich stimmen. Die FriedrnSverlrage von 1919 und 1920 seien in

Verhängnisse.

Roman von Liesbel Dill.

Copyright by Martin Feuchiwanger, Halle (Saale).

11 Fortsetzung. Nachdruck verbalen.

Charles erhob sich und ging an feinen eisernen Schrank. Er nahm das Geld, das hort feit einigen Tagen in der Kassette lag. und zählte die Scheine dem Freunde aus den Tisch. Es mar in Tausend- franl scheinen gebündelt. Dann fetzten sie den Schuldschein auf, den her Capilainc unterschrieb.

..Ich nehme es nur, wenn ich Mr tatsächlich einen Gefallen damit tue", versicherte Ren-.Du weißt, ich bekomme jederzeit eine zweite Hypothek auf dos Haus."

Ja, ja. Nimm es um Gottes willen, damit ich nichts mehr davon höre."

Im Hausflur übergab Dnpon den Hausschlufjel der alten Artemis und befahl Ihr, v_on Zeit zu Zeit nach feinen Möbeln zu sehen und sie Im Frühjahr Hopsen zu lassen.Man weiß nie, ob man sie doch nicht noch einmal brauchen kann."

Selbstverständlich", sagte die Alte,her Herr Capltaine lann sich verheiraten, und ev lind schone nlt« Sachen." Madame Dnpon war die Tochter eilte» wohlhabenden Seidenfadrilantcn aus Lyon gewesen und halte viel Geschmack gehabt.

Wie sie e» serliggebracht hatten, die Dupons bei der großen Praxis des Advokaten und dem 'Ver­mögen der Fran alle» auszubrauchen, was da roar, das allerdings verstand bie alle Artemis nicht, die jeden Sou in Ihren Bettlack steckte.

Aber das Leden in der Garnison, die Rennpferde und bi« Weiber hatten immer eine Rolle in Herrn Ren-s Leden gespielt. Alle» das mußte man schließlich bezahlen.

Sie versicherte ihm, daß das Haus gut bewacht sein würde, wie zu Zeiten Madame Goniards Er konnte beruhigt abrelsen. Herr Charles brauchte man nicht mit diesen Hausangelegenheltcn zu be­lästigen. Der arme Kerl hatte den Kops sowie- so voll.

Der Eapitaine bestieg den Omnibus, das Geld in der Brieftasche.

Ich hoffe, es dir bald zurück,nven w li'iin. Charles. Und die Zinsen bekommst du tmi; er pünktlich, jedes Quartal.

Bitte, das bot wirklich keine Eile", sagte der arme Charles. Er stand, von schweren Sorgen nie­dergedrückt und gealtert, in der Tür seines verlasse­nen Hauses und sah dem roten Omnibus nach, der über den Marktplatz ratterte.

*

Man hatte die Knaben in ein Internat geschickt. Sie durften nicht wissen, wohin man ihre Mutter gebracht hatte. Man sagte ihnen, die Mama sei verreist.

Ein Onkel nahm sie mit nach Lyon.

Von jetzt ab war ein grauer Schlei-r über Odettes L'eben gefallen, dos vorher jn einfach und ruhig für sie verlaufen war, das sie so oft inhaltslos gefunden halte.

Wenn sie in ihrer Zelle auf und ab ging, die Hände auf dem Rucken, stand der ..Ülondor" vor ihr unter einem jchieferarauen Himmel, und sie hörte das tiefe Rauschen Der Bäume in dem Nach­barsgarten und das Aechzei' der alten morschen Kiefer, das sie immer nachts gehört, ehe sie ein schlief. Und sic sah die alte Artemis an der Tür stehen. Die Hände unter ihrer blauen Küchen­schurze.

Als sie sich von Artemis verabschiedete, reichte sie der Alten die Hand:

..Artemis, bleib mir wenigstens gut und gib acht auf das Haus."

Ja, ich gebe schon acht." Die Alte vennied es, sie anzusehen. und sic reichte Odette zögernd ihre harte Arbeitshand.

Sie alle glaubten es .. das Furchtbare, Unfaß­bare Nur einer roar da, her sic für rein und un­antastbar hielt und für fie eintrat: der gute Charles, Ihr Mann.

Von Vorwürfen gepeinigt, von Gedanken gefol­tert, dachte sic: Wenn ich ycrauskomme, werde ich eine andere fein. Dann werde ich, wie feine Mutter rocr.

Als Charles feine Frau zum ersten Male in der Zelle besuchte. faiJt er sie ruhig und gefaxt. Sic konnte nur absolut nicht uhlnjen, und ihr Pul» ging sehr matt. Er letzte durch, daß der Anstatt», arzt sie uiittrsuchle und sie eine größere Zelle bekam. Und sie bat um cm« Handarbeit, und sie stickte nun von morgen» bi» abend» in ihrer Zelle an einem (Bohdinbfvig, den Ile (ingefangen batte für einen Sefftu. Es roar ein yntiles Muster. <? nbleme und Cyemin-s, au» dem Schlosst von

höchster Eile von Leuten fabriziert worder die von Haß und Abneigung gegen hie Bef regten befeelr gewesen seien.

Rach dem der Führer der rumänischen Abor>- nung D j u v a r a nochmals die Schaffung eines Balkan-Locarno, das Ungarn bisher ab- lehnte, vorgefchlagen hatte, wurde die Weiter­beratung auf Montag vertagt.

Oberheffen.

Landkreis Gieren.

i Mainzlar. 27. Aug Bei der gestern abend stattgehabttrn Versammlung wurd: nunmehr über k-os Fortbestehen des Kinder- aart«.n- endgültig Beschluß gefaßt. Dekan G u ß m a n n hob in feinen Einleitungsworten die Vorzüge der fast überall bestehenden Kinder­gärten hervor und forderte die Anwesenden aus. auch bin hier bestehenden Garten tatkräftig zu unterstützen. Aach kurzer Aussprache erklärten sich auch die meisten der Anwesenden mit dem Weiterbestand« einverstanden, säst sämtliche Be­teiligte schlossen sich hierauf zu einem Verein zusammen, welchem sofort 34 Mitglieder bei* traten Der Vorstand setzt sich vorläufig aus sieben Mitgliedern zusammen, zu Vorsitzenden wählte man Dekan G u h m a n n und Bürger­meister Vogel. Die RechnungSgefchäfte des Vereins versteht Wilh. Wehn. Weiter wurde befchlolsen. zwecks Werbung neuer Mitglieder in den nächsten Tagen an die Einwohnerschaft heranzutreten. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf eine Mark pro Mitglied jährlich festgesetzt. Mil einem Zuschuß der Gemeinde und der Freunde deS Vereins hasst man auf diese Weise - welche zweifellos die beste Lösung war, die Ein­richtung dauernd zu erhallen. Bei der dieser Tage ftattgehabten Versteigerung des Grummetgrases aus den fiskalischen Wiesen in der Sorau waren die Preise fast so hoch wie bei der Heugrasversteigerung. Es kostete der Morgen zwischen 10 und 30 Wk. Der Gras­bestand ist sehr gut. zieht man jedoch seine Qua­lität in Betracht, so sind die Preise als sehr hoch zu bezeichnen.

* Hattenrod, 28. August. Hier machte ein junger, verheirateter Monn am Sonntagabend seinem Leben freiwillig ein End«. Die Schwiegermutter des Verstorbenen hatte ihm aus familiären Gründen Vorwürfe gemacht, die sich der Monn so zu Herzen nahm, daß er tu seiner bedauernswerten Tat schritt. Obwohl man den Monn noch lebend vorfand, gelang es auch unter Heranziehung ärztlicher Hilfe nicht mehr, ihn dem Leben zuruckzugebcn. Die Teilnahme mit der jungen Witwe ist im Orte allgemein.

Wirberg. 27. Aug. Am gestrigen Sonn­tag wurde unser diesjähriges, das 7. Wirker» g er Missionsfest gefeiert. Zum Festpredi- ger war Missionar Walther- Beuern gewon­nen. Da das Wetter wirkliches Festwetter war. hatte sich eine große Zuhörerschar eiligefunden. Ilnsere geräumige, mehr als 600 Personen fassende Kirch« war bei der Feier überfüllt und formte d:e Festgemeinöe, zu der sich nicht nur aus den Kirchspielgemeinden, sondern au- allen Dör­fern der .Umgegend Glieder eingefunden hatten, nicht alle aufnehmen. Missionar Walther pre­digte über den Schluß der Apostelgeschichte und verstand e-, die Herzen warm zu machen für daS Werk der Mission. Der Pofaunenchvr Bersrod, verstärkt durch einig« Mitglieder des Ehores von Oppenrod, wirkte mit und begleitete abwechselnd mit der Orgel den Ge» meindegesana. Rach der Feier fand die ge­wohnte Kaffeepause statt, in der Dte Bewohner des WirbergeS in bekannter Gastfreundschaft die Bewirtung übernommen hatten. Die R och­se i e r sand in dem Sanögarten statt, der Stelle, Ido einst dos Kloster stand. Dieser herrliche Fesiploh mit dem Schatten der allen Bäume war der großen Festgemeinde angenehmer als das Gotteshau- in seiner Ueberfüllung Dekan Schmidt -Gründerg begrüßte namens des De­kanate- die Festversammlung und gab Beispiele für die Rotwendigkeil des Missionswerkes und feine 'Bedeutung für die heimisch« Ehristenheit. Missionar Walther sprach im Anschluß an Worte des 137. Psalms über das Heimweh' seine Beispiele aus der Heidenwelt zeigten da- Ziel des wahren Heimwehs in die ewige Heimat 3m Schlußwort des Ortspfarrers, das zu­gleich ein Dankwort an die Gaste und Mitwirten-

Blois. Ein Salamander und goldene Flammen auf grünem Grunde.

Die Untersuchung hatte in Marseille festgesteltt, daß den eingefchrieocnen Bries an Madame Longc- ville ein flofferträger vom Bahnhof aufgegeben hatte. Dieser behauptete, daß ihm der Bries non einem untersetzten, starken Herrn mit schwarzem Knebelbart, der einen grauen Leinenmantel getra­gen und eine Reisetasche in der Hand gehabt hatte, vor dem Bahnhof zur Besorgung übergeben roar- den fei. Er hatte den Brief zur Post getragen, den Herrn aber nicht mehr gesehen. Herren mit schwarzen Knebelbärten gab e-.- in Marseille viele, iirfb diese grauen Leinenmäntel waren Uniform gc morden, die icbcr dritte Mann im Sommer trug.

Und man kam wieder auf die Richte der gonge- Dille zurück. Man verhörte Odette üocr das Leben ihrer Tante. ihre Reisen, ihre Bekanntschaften, ihren Briefwechsel und diesen Heiratsantrag, von dem sie noch am selben Tage gesprochen hatte.

Je mehr Lichl in diese Affäre komm!, desto mehr twrbcn Sic entlüftet, sagte der Untersuchungs­richter zu Odette. Und sie strengte ihr Gedächtnis an, um sich an alles zu erinnern, was fie immer rät ko etwas Gleichgültiges und Lächerliches gehol­ten patte: diese Heiratsanträge der allen Dame, die im Hause in Pantoffeln herumschlürfte und sich schminkte und mit Schmuck beding, wenn sie aut ging, bekamen plötzlich Gewicht

Inzwischen hatte sich «in Sd)ajfn«r gemeldet, der j an dem Mordabend die Reisenden auf dem Bahn­steig in B hatte aussteigen sehen. E» waren die beiden Soldaten und cm kleiner Herr mit einer Mapoe. Al» er die Türen der Abtelle schloß, fab er plötzlich, daß an einem der letzten Wagen eine Tür offensrand. Da muß noch einer ausgeftiegen fein, dachte er. E» roar ein Abteil erster Klasse, und er halte vorher einen Herrn darin sigen schcn.

..Wie fab dieser Herr aus?" fragte der Richter.

Das wußte er nicht mehr. Er wußte nur, daß er einen hellen eleganten Mantel getragen habe, wie ein Amerikaner.

Und eine Brille?

Nein, keine Brille", er hatte ihn aber für einen Fremden gehalten.

..Und wo roar dieser Herr denn bmgepüngen?" Das hatte er gar nicht gesehen. Er wußte nur, hab er ourgeftiegen war. denn er halt« mehr auf die Soldaten geacht.-i. die angetrunken waren und über die Geleise stolperien.

den war. körn der Wunsch für alle Teilnehmer aut Wiedersehen so Gott will über» 3ahr und das Ziel dos Ehristenlaufes zum Ausdruck. QHit bem Schlußgebet des Ortspforrers schloß bi« Feier und die Klänge der Posaunen begleiteten die Fetzaäste bei ihrem Weggänge. Die Kollek­ten ei nicht-, cfsi ich dem Ertrag der Kirchgabe er­gaben 117 Mk.. dazu 15 Mk. für MisfwnS- schristen.

)( Lich. 27. Aug. Der hiesige Zweig ver­ein des Alicefrauenvereins tonnte gestern fern LOjähr igc» Jubiläum be» gehen. Am Rachmittag versammelten sich etwa 100 Mitglieder auf Einladung der Dorfitzenden. bet Fürstin Warka zu SolmS-^ob«n- s v l m s - L i ch im schönen Schloßpark. Rach einem sinnigen Prolog, den Prinzessin Lhrcftlne zu Eolms-Hohensvlms-Lich sehr eindrucks­voll rortrug. begrüßte der Schriftführer bei Vereins, Stiftedechant Kahn, di« zahlreich er­schienenen Mitglieder, erinnerte an den 100. burtslag des Grünoers des Roten Streng. Henri Dunant, gedachte des Gründers des Licher AlieefrauenvereinS, des Prinzen Fer­dinand zu Solms-Hohen solms-Lich. und forderte zu reger Weiterarbeit im Geist der Gründer auf Sine reizend« Auffühkruov her Prinzessinnen im großen Saal des Schlosses, von den Zuschauern mtt wohlverdientem Beifall auf­genommen. beschloß dl« schön verlaufene 3ubi- läumsfeier.

Mrci» «Friedberg

Bad-Nauheim. 27. August. Die Kauf- mannsfugend von Gießen. Friedberg. Butz­bach und einigen anderen Orten versammelte sich am letzten Sonntag in Bad-Nouhelm zu einem Wandertreffen. Nach dem Gottesdienst und Besichtigung von Bad-Nauhelm unternahmen bk Teilnehmer einen Marsch zur Kapersburg. Dort wechselten Leldesubunaen mit anderen Turnspielen, sowie sonstigen Unterhaltungen für die Iungkauf- leute ab. Im Mittelpunkt des Treffen» stand eine Stunde, dem deutschen Kaufmann gewidmet". Da» ganze treffen, da» den Kausmannsjungen und ihren Führern nkl Anregungen gab. verlies zur vollen Zufriedenheit aller Teilnehmer sehr har- monisch.

:: Kirch-Gon». 27. Aug. Unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und zahlreicher auswärtiger Gäste feierte der Zweigoerein Butzbach der Guftao-Adolf-Stiftung am Sonntag hier fein 3 a b r c »f c ft. Im Gottesdienst und in der Nachoersammlung sprachen Pfarrer K n a b (®u stavsbura) als Festprediger und Pfarrer Modus (Oftheim) als Präsident de» Vereins. Beide Redner verstanden es, die Zuhörer mit ihren Ausführungen zu fesseln, was an der ungeteilten Aufmerksamst<t sich zeigte, mit der alt und jung in größter Stille den Reden zuhorie. Die Kollekte ergab den schönen Betrag von 93 Mark.

1 oteinfurtb, 27. Aug Am Sonntagnach­mittag fuhr unter Führung unseres Ort »geistlichen die evangelische Jugend nach Rocktnbtrg, um sich dort mit der Rockenberger eoantzelischen Jungschar zu treffen. E» sollte ein gemeinsamer Ausflug nach Münzenberg ftattfinben. Un­ter den zahlreichen Rockenberger Teilnehmern be fand sich als Gast Prälat D. Dr. Diehl. Die beiden Jugendgruppen marschierten nun in Begleitung vieler älterer Jugendfreunde, in ihrer Mittc Prälat D. Dr. Diehl, nacy Münzenberg. Beim gemein- sam eingenommenen Kaffee gab Prälat D. Dr. Diehl interessante Ausführungen über die gefchicht liehe Entwicklung der Rockenberger Kirche. Die Rockenberger Iungschor hatte die Freitreppe in bei Burg zu ihrer Freilichwühne gewählt und führte hier den vielen Zuschauern, die sich im Burghof ge­lagert hatten, einige sehr schone, wohlgelungene Theaterstücke vor, umrahmt von Gesang und (Be- dichtvorträgen, die allgemein gefielen. Die Stein- surlher Iungmädchen marschierten gegen Abend rote der nach Hause. Der schone Jugendsvnntag wird allen noch lange In froher (Erinnerung bleiben.

kreis Büdingen

Lpd. Büdingen, 27. August. Wie der LPD. erfährt, sind gelegentlich einer Revision Im hiesigen Gaswerk schlimme Zustände in der Geschäft», führung aufgedeckt worben. Dte Geschäftsführung des seit siebzehn Jahren ohne jegllchen lleberschuß arbeitenden Unternehmens wird als total verlottert bezeichnet. Man fand weiter, daß etwa 4000 bl» 5000 Mark vereinnahmte Gelder und ohne Gegen­leistung verausgabte Waren fehlen. An baren U nterf chlagung« n konnten bisher etwa

Die beiden Soldaten wurden vernommen. Ader fie hatten in dritter Klaffe Lieder gegröbtt. geraucht und getrunken und auf di« übrigen Mitreisenden gar nicht geachtet. Sie waren oom Bahnhof direkt in ihre Kaserne gegangen.

Der alte Schreiber, der mit ausgestiegen roat, hatte zwar auch biejen Fremden auifteigen sehen, der hinter ihm hergekommen roar. Er wußte aber nicht mehr, wie er au»g«sehen batte. Aber einen .Knebelbart habe er bestimmt nicht gehabt, und Helle Gummimäntel trugen die Herren letzt fast alle.

Wohin dieser Herr gegangen sei, konnte «r nicht lagen. Der Schaffner roar roeicergefahren. er hatte in B. nur die Türen ausgemacht.

i Den Knebelbärtigen beschrieb der Dlenftmn nn in Marseille stark, robust, untersetzt, ein Herkules mit Boxerschulb'rn.

Cs wollte sich sonst absolut niemand sindeu. der einen großen schlanken Herrn im Zuge oder au»- steigen, noch in der Stadt an diesem Abend ge­sehen hätte.

Weder imLion d'or" roar ein solcher Reisender abgeftiegen noch in demArcades". Dir Kutscher waren leer heimgefahren und hallen uvterweg» nicht» von einem solchen Herrn gesehen.

Die Büfettier« de» ..Cafs de ta Lune wurde vor- geladen. Sie erschien zu dieser Vernehmung, ohan- tastisch geschmückt mit einem großrandigen schwär- ,en Tüllhut. einer dicken rosa Zentifolie am Busen und war sehr edjauffkrt von der Tatfache, daß man von ihr einen schwur verlangte.

Was kann ick auifagen, Herr Richter? Ich habe an der Tür gestanden rote jeden Abend und nach den Reisenden geichaut, die mit dem Abendzuge ankommen." Sie batte auch erst die Soldaten ae- sehen, dann den firmen Herrn mit der Mappe, den Bueeauoorsteher de» Advokaten. Und da es sie intereffkrie, wie es dem Herrn Notar ging, hatte fie mit ihm etwas auf der Türfchwelle geplaudert, und d-ibei hatte fie nur ganz flüchtig einen ^roßcn schlanken Herrn mit Hellem Mantel rasch iibrr den Platz kommen sehen, der wk ein Eng­länder au»g«sehen habe eie habe sich noch ge- rminberf. daß ein jrember. Denn fie kannte den Herrn nicht sie war lUcrbing» erst seit zwei Mc- tn hier in Stellung und war aus Sodun, daß"> - r Fremde keinen der beiden Omnibusse ^-.nutzi - be, jonbern zu Fuß in der Richtung nach dcr eiabt gegangen roar

(Fortsetzung folgt)