Ausgabe 
28.8.1928
 
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Iir.202 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 28. August (928

Oberheffenfahrt.

Vorspiel in Bad-Rauheim.

.Aus «^cbrib aut ber Zk<c geboren.

Der Lebenden Veiten zu I intern crfonen."

Am öamAlofpnorgen sah efc* au» grauer Himmel, dicke Wollen, strömender TUocn vis tn den Vormittag hinein das schienen üble Vor- zcichen für bie zweite P re f f ef a hrt he* V er- tehrsbundes Obcrhesfeii. aul bk hd> aetmf) jeder, der die rrftc UN hortoen 3abr« mit- machen bürste, leit langem herzlich gefreut hake.

Aber liehe, c* ist unS alten Heil tmterfahven dl* sich am Tladbm.ttoa bte Teilnehmer etwa dveiftig an der öab< tm V a d - N a u hc i m e r SprudelHof zusammen fanden, da brannte bk -Sonne Heist r-nm hohen Himmel herunter. und alle« Hane ein fröhliche« und zuversichtliches Aus­sehen

Du- Bad- und Kurverwaltung und die Stadt Bod-Na heim klblt bähen ihr Möglichste« getan, um bas TJkhbab. ba« ngch dem grvhen Kriege wie- der einen glänzenden Aufschwung genommen hat, vor den Preffeleuten m da» rechte Sicht zu stellen.

ang wurde Mit einem sehr auftchlufi- u'utten Borirag t>on Oberbaurat Bc r ck Ciiigeleitef. der m gedrängt em lleberbfid te« Wichtigste über bie Geschichte der Stadt, bk Entwicklung be« Lade«, bic vielsältige Eigen­art der Heilfachvren von Hau beim zu sagen wuht> anschllcs.end auch einen Einblick tn die technischen Vorausletzungen be« Quellgewinnung«- und Kurbetriebe« vermittelte.

3m 3abre 1823 begannen in Nauheim die ersten Tiesbohrungen. im gleichen 3ahre wurde eine Badczclle mit einer Wanne errichtet - für bk Angestellten der Saline und .allensall« auch für deren Familien aus Grund ärztlicher Verord- mnxi. 3m vorigen Jahre haben nmb 40 000 Menschen tn Nauheim Genesung gesucht- man ahnt schon bei dieser einsachen Gegenüberst. Ilnng. welch eine enorme Entwicklung für Stadt und Bad innerhalb be« letzten Jahrhundert« beschlos­sen liegt.

Am 1. 3ult 1835 fand bie feierliche Eröffnung statt: da« Bad bestand damals au« 9 Badezellen, Küche, Pfannen lokal, Saal und 9 Fremdenzim­mern. Heute ist Nauheim em Kurort, der in der ganzen Welt bekannt und berühmt, au« allen Teilen der Welt besucht ist Thermalbad. Sol­bad und Stahlbad zugleich: ein ernzigartiger Kurort.

Man hörte soviel Merkwürdige« über Boh­rungen. über Quellen, Brunnen unb Sprudel iufcnnmenfetzung und segensreiche Wirkung, über den riesigen, ebenfo toeitläuffaen wie zweckmähig angeordneten tech- nischeii Betrieb der Kuranlagen, dast e« vkl zu wert fuhren wurde, auch nur Einzelheiten heraus- zugreisen imb tn etwa Darauf einzugehen

Aber dem Vortrag folgt sogleich da« lebendige Bild eigener Anschauung. man steigt unter sach­kundiger Führung htnab in die Katakomben von Bad-Nauheim wenn man so sagen darf. in« Herz der eigentlichen Badeanlagen hinein, wandert durch endlose, enge, Heist«. sich kreuzende unb überschneidende unterirdische Dünge, ent­lang an den dicken Bohrsträngen der Fern- heizarckage und der Sprudelzuführung und -Ver­teilung. Man steht staunend, weitofsenen Auge«, unter den Badezellen, vor dem komplizierten Bohr- und Schaltwerk, wo au« der Tiefe da« kostbare Wasser empvrsteigt, man läßt sich die Hand überspülen vom weist schäumenden milchigen Sprudel, der Wissenschaft halber, man betritt die Waschräume, die Badezellen, wo alsbald eine Holzwann« perlend und quirlenh sich füllt, und gelangt schliestlich durch stille Wandelhallen und blumenüberblühte Schmuckhvfe hinau« ins Helle.

Nach der Kafseepausr folgt ein zweiter Nund- gaufl im Freien, der u. a. auch an dem sehr hübsch au«geftattetcn Strandbad, am neuen Medi- zinisch-Wissenschattlichen Institut und am Ko-

nchkh-Stitt vorüber führt, und dann cm« ge­meinsame Besichtiguiigstahrt m bte sanft an­steigende stille und waldreiche Umgebung Bad- Nauhem». die herrliche Ausbllcke in die friedlich im Abendschein liegende goldene Wetterau bietet.

Der Rest be« an Eindrücken überaus reichen Tage« war bet Gefell gkeit gewidmet: eine Abend- tak! vereinigte sämtliche Teilnehmer an der Pressesahrt n dem entzückenden fteinvn Spe >e- saal de» Kurhaule« Bei Tisch erhob sich zunächst Kurbirektor von B öh rne r zu einer Begri.stu.-.gs- antprache. ;n der er bie Pressevertreter im Na­men der Bad- und Kurverwaltung auf da« Herzlichste willkommen hrefi und der Hoffnung Ausdruck gab. dast b;e lebendig werbende Macht der Prelle auch der Stadt unb dem Bade Bau­herrn zu Nun und Frommen sich auswirken möge. Den Willkommensgruft der Stadtverwal­tung übermittelte Bürgermeister Dr A h l. der in tonet Ansprache recht bemerkenswerte Ausfüh­rungen über die kommunalpolitischen Aufgaben bei» verhältn'.smästig kte.nen Nauheimer Gernein- tt>cfcn« unb über d.e erfreulich steigende Fre­quenz des Bade« machte 3m Namen de« Der- fchrsbunte« Oberhefsen sprach dessen 1 Vor­sitzender. Beigeordneter Dr. Hamm. Diesten, Worte des Danke« für b.c ausgezeichnete gast­liche Aufnahme der Fahrtteilnehmer in Nauheim. 3m gleichen Sinne auherte sich Chefredakteur Dr Albrecht. Frankfurt, namens der anwesenden Presfevertreter.

Nach Lisch hat man ein prächtiges Schauspiel vom oberen Stockwerk be« Kurhause« aus: auf bet groben Wiek vor der dicht mit Menschen besetzten Terrasse w.rd ein gewaltige« Feuerwerk abgebrannt: dann überlästt man sich zwangloser Geselligkeit und vollendetem Müßiggänge, wozu man in Nauheim, wie es im groben Kurort auch sein must, mannigsach und abwcchllungsreich Ge- legenheit hat. Man schlendert in den groben Kursaal, riskiert ein Tänzchen, bindet sich wohl gar. wenn einen vollend« der Hafer sticht, einen bunten Luftballon an« Bein und ist, emsig tan­zend. bestrebt, einem nachbarlichen Paare den seinen mit merklichem Knall zu zertreten ... und was dergleichen kurzweilige Dinge mehr sind.

ö« ist jedenfalls, wenn wir recht berichtet sind, bei manchen, die mit von der Partie waren, eine ziemlich vorgerückte Stunde gewesen, als sie in« Bett sanken. Die dem auch fei. früh oder spät, man war in teil groben und modern ein­gerichteten Hotel« vortrefflich aufgehoben. Durch die goldene Westerau

ins Herz des Vogelsberges.

Am anbeax Morgen, sehr früh, fahr vergnügt, bei herrlichem Wetter lassen wir die große Welt von Bad-Nauheim, die allermeist noch im tiefen Schlummer liegt, hinter un«. entern mit Sack und Pack, unser dreistig. da« mächtige Desellschafts- auto unb fahren mit Hupengetön in« ländliche Oberhefsen hinein. Bald knattern wir durch Friedberg, da« auch noch ein wenig verschlasen au«schaut. und dann liegt bald da« weite offen« Land vor un«, erst noch vom Bodennebel ver­schleiert, aber der hebt sich bald, und Sonne, Sonn«. Sonne ist anSgegossen über bi« dampfen­den Felder, die weiten Wälder und die freund­lichen Dörfer, di« wir von Feit zu Zeit, mit Trara und Gelächter und Winkewink« durch­brausen: bie oberhesstsch« Landschaft konnte fich in ihrer schlichten, kernigen und charaktervollen Schönste, t an diesem Sonnensonntag auf das Anmutigst« und Einladendste vor« Auge stellen. Gerade für den Wanderer oder Neisenden. der von weitster kommt und ..alle« schon gesehen" hat. möchte eine solche Fahrt durch bic hessische Kornkammer von starker Werbekraft und «.ne nachdenklich stimmende Anregung sein: bah man nämlich oft um die ganze Welt gekommen sein kann zu Wasser und zu Lande, ehe man durch puren Zufall vielleicht einmal gewahr wird, wa«

Die Aeuyorler Mnschenrohrpost

Don ftrefr (L Dillinger.

Das furchtbare Unglück auf der Neuhorker Untergrundbahn lenkt bic allgemeine Aufmerksamkeit auf das gewaltige L»nterirdische Berkehrsneh der größten Stadt der Welt.

An einer besonder« verkehrsreichen Stelle Neuhork«, dort wo der Broadway mit der Z. Avenue und der 42. S trabe zusammen trifft, erhebt sich zwischen bie'en Straßen 26 Stockwerke hoch, der Wolkenkratzer derNew York Times, der dem Platz den NamenTimes Square gibt SS ist nicht weit zu der berühmten Mctropoliun- Opcr, und in nördlicher Nichtung gelangt man schnell zu dem grasten Astro-Hotel unb dem Paramount-Hotel. An der Kreuzungsecke. die stets von dem Lärm der Automobile erfüllt ist. befinden sich auch die Sin- und 'AuSgäng« von drei grasten llntergrundbahnlinien, deren eine unter der 7. Avenue entlang zum Zentral-Park läuft, während eine andere unter dem Broadway eatlangfuhrt. Die Times Square-Station, die sich dort befindet, war der Schauplatz de« soeben erfolgten furchtbaren Unglück«, da« in der Geschichte der Unter­grundbahnen kaum seinesgleichen hat. Wie selten solche llnglückSfällc sind, geht daraus hervor, dost auch die NeuhorkerSubway*, die die größte bet Welt ist. bisher von ähnlichen Katastrophen verschont geblieben ist. Da« Neuyorker Schnellbahnnetz ist schon im 3obre 1920 runb 1000 Kilometer lang gewesen, wobei aller­dings zu bedenken ist. dast die Strecken teilweise doppelt und dreifach auSgebaut sind, so dast also mancher Weg mehrfach gerechnet wird. Die Lon­doner Untergrundbahn, die bie älteste der Welt ist und bis zum Ausbruch de« Äriege« auch bie gröstte war besteht nur aus ungefähr 500 Kilo­meter Gleis, das Pariser Schnellbahnnetz ist knapp 200 Kilometer lang und die Ber­liner Untergrundbahn, die sich ja ständig ver­gröbert. hat noch nicht einmal bie Ausdehnung ber Pariser Schnellbahnen erreicht, inzwischen baut man aber in Nenvork eine neue Suh- way-Streife, die von Manhattan zur Wa­shington Height führen soll, unb für deren Dau

6 00 Millionen Dollar« ausgegeben wer­den. Sie wird unter Wolkenkratzern ent- langgeführt, die mit einem Druck von 100000 bi« 200 000 Tonnen auf dem Boden ruhen, und man kann sich danach »orftcllen. wie schwer es ist. bie Tunnel ateu steifen bie diesem gewaltigen Druck gewachsen fein sollen Mächttge Bagger, gewaltige Bohrmaschinen arbeiten unter Anwen­dung von komprimierter Luft, bic tn langen Scheuchen aufbewahrt wird unb zischend den Behältern entweicht, um Zementmallen durch Spritzenschi 2ache auf bic Tunnelwänbe aufzu- tragen Ir« ist besonder« erstaunlich, daß man biec Arbeiten ausführt, ohne den Verkehr auf den untertunnelten Strafen lahmzulegen. und während unten bic Maschinen mit furchtbarer Wucht den FelSboden zerfurchen, treten oben m dem New-Amsterdam-Theater bic berühmten Zicgfield-Follics auf. ohne dqb daS Publikum ahnt, daß unter fernen Füßen der Boden wankt, sinkt unb auf mächtigen Elevatoren an bie Ober­fläche befördert wird.

Ueberall in der Welt werden augenbftcki'ch Untergrundbahnen gebaut: Tokio verlangt nach unterirdischen Verlehr »wegen. Moskau glaubt, feine Verkehr«nöte nicht mehr ander« btinol- tigen zu Dirnen, in Athen wird bie Stadt be« Per: kl e« mit dem Pyräu« durch eine Unter­grundbahn verbunden Mailand plant ein unterirdisches Schnellbahnnetz aber keine die'er Städte unb auch nicht London. Pari«,Berlin, Hamburg. Wien. Liverpool. Glasgow. Madrid. Budapest unb Konstantinopel cbenfower.ia bic amerikanischen Großstädte Boston. Philadelphia, Thikago unb Buenos Aires, allo bic Orte, bte bisher schon über ein Schnellbahnney oder we­nigsten« über einige Untrrgrundba^tstrecken ver­fügen. werden es in den nächsten Jahren durch den Ausbau dieser Strecken dazu bringen. Neuyortt gewaltige« Unter^randbabnney an Ausdehnung zu erreichen. Man kann sich nur schwer vor stellen, wieviel Mcn'chen auf, den Gleisen der Neunerlei Untergrundbahn teförtert werden. 3n der Hauptverkehrszeit laufen auf dem Zentral-Bahnhof, der übrigen« nicht sehr weit von der Times Square-Station liegt unb bequem zu Fub zu crreidx-i ist wenn man bic 42. Straße m östlicher Richtung entlangqchi stündlich 12 4 Untergrundbahn züge ein, bic au« je zehn Wagen bestehen: jeder Zug

für eine Fülle ton heimlicher Schönheit es un Herzen ror. Drusch.end zu ftnten gibt, dast es aber cht für all« Ze.ten dem blanken Zufa. Überlaflen 6tobe, die oberhefffchc Lcndfchctt unb

4< re. 1X Kultur kenne i v..

unb dast die Schönheiten, von weichen wir spre­chen und noch sprechen wollen, m : der Ze i jene Hcimnchke.: ' verlieren ics ll, doch - :was dran, an dem berühmtenDrrnröschenschlas dazu tollen Fahrten und Aefebcrichte. w < diese hier ihr Teil beitragen

6c man sich s recht verfuhi. ist man mihe in bübinger wo mir vwn Bürgermeister Hilbnerün altertümlichen Nathausfao! freund iich willkominc. geheißen und von einem kunst­verständigen Führer Dr Labe, alsbalb umher» geführt werden Ta« ist wie ein Helle« Wunder ein ganz köstliche« Stück Mittelalter, kaum be­rührt vorn stürrnifchen Wandel brr Jahrhunderte urwüchsig Itcbengrbhc'rcn rn einer lieblich sich anfchm^ genten Landschaft G« wird allenthalben viel Unsug und Mißbrauch getrieben mitdcm'Vei- wortlein .malenfch'. bas fast schon eine abge­griffene Münze von geringem Gewiot bedeu­tet hier gehört c* wirklich hin Bübingen ist vielleicht bie fchönste ber oberheffifchen Vanbftäbte. ficher auch eine ber ältesten, unb man würde sich bei Gott nicht weiter wundern, wenn statt brr musizierenden Wandervögel cm Fähnlein Berittener aus Luther« oder Wallensteins Zetten mn bie Ecke geritten ober statt unsere« gimstmäch- tigen Ncifcwagcns ein Jciteiug mit Landsknech- teii unb bunten Trost durchs 3crufalcmcr Tor auf ben Marktplatz griahren käme

Unb es hat auch mit ber Bezeichnung .hellifche« Rothenburg" etwa« auf sich: da« merkt man überall, man mag vor bem NathauS stehen oder am Mühltor ober am Lohst eg oder norm Wasser- schloß 3m Schlot?Hof plättchcrl ein Brunnen, rauscht ein mächtiger Baurn, gurten Schwärme von zutraulichen Tauben. 3n der Schlostkapellc. wo die alten, prachtvoll verwitterten und zer­schlissenen Fahnen der QJiciiburgcr Grasen an den Wänden hängen, ist man betroff« diegenen HundwcrkSschönheit dc« m reicher Gottk geschnitzten Lhorgcstühls. von der Feinheit stei­nernen Mastwcrk« an ber Empore und von der ergteifenben Schlichtheit einer Neliesplastik am Portal zwei Männer, kniend vor einem unge­fügen Kreu.z.

Man müßte lange Seiten vollschreiven. wollte man nur flüchtig auf zählen, wa« Büdinge.i birt]t an wohlvewnhitc.i Vcrmächttilllcn alter und edler Kultur, c« ist so viel und oft von fo überwältigen­der Uninittelbarieit. dast man im Wehrgang oder auf dem Ouüberturm der ehemaligen Befestigung am l iebsten ins Horn ft osten möchte wenn man eins hätte, ober eine Feldschlange losbrennen, um dem ungcbeucrli4)cn Gefühl Luft zu machen man sei auf ein paar Viertelstunden über drei ober vier Zahrhunderte hinweg in ein tnaffenflirrenbe«. kunstsrohes Mittelalter zurückgeworicn ..

Wus Büdingen recht ist, sollte schotten billig fein; nennt man Büdingen da» oderhessifche Rothenburg, so konnte für schotten, welche» fich selbst, mit gutem Recht, alsHerz be» Bogels- berge»" bezeichnet, eine nicht minber beziehungs- voll« Umschreibung gesunben merben. Wir halten uns nicht ohne weiteres für zustänbig ober berufen zur laufe, möchten aber immerhin einen zwang­losen Vorschlag machen: ba» Vogelsberger Pisa. 3m Hinblick auf ben nicht unerheblich aus ber Achse geneigten Hauptturm ber stattlichen fünffach bekrönten Slabtkirche.

Da ber Rundgang sich in gebotener Kurze voll­zog, wir auch un vorigen Jahre Schotten bereits auf ber Pressefahrt besucht haben, burien wir uns heute ein wenig kurzer fassen. Es sei uns aber nicht verwehrt, jene bmnals gestammelte Liebeserklärung in gleicher Herzlichkeit zu ivieberholen: an do-- Fachwerk-Rathauc. welches zu den schönsten in Hessen gezählt werden muh, unb welche-: im Ober, stock jenen unvergleichlichen Ratsfool birgt, ber uns unvergeßlich bleiben wirb, wiewohl wir für bic»- mal nicht hmaufsteigen konnten.

Baurai 'Robnogel war uns ein trefflicher S^ührer. Bürgermeister Mcngel hieß uns an ber kittagstasel mit kernigen Worten willkommen.

ist mit f a st 2000 Menschen vollgestopst so d-ah um diese Zeit in jeder Stunde etwa eine Viertelmillion Menschen durch die Station befördert werden. Man muß tabei bedenken dast die Schnellbahnen etoki 65 Prozent be« g:famtr i Per'oncnverkehr« inner- yalb der Stadt bewäi'.ig-cn int Jahre 1925 smd etwa eine Milliarde 703 Millionen Personen durch die Sperren der Neuyorker Untergrund­bahn gegangen. Da« Z ä h l u n g S s h ft e m Ift sehr etnsach: «s gibt keine Fahrkarten und auch keine Abonnements: jeder, der die Untergrund­bahn benutzen wlll. kann nach Einwurf eine« Fünfzcntstückes durch ein Drehkreuz gehen da« fich bei jedem Geldstück nur einmal dreht unb die Zahl der Fahrgäste zahlt. Wer auf diele Weife in das Innere des Bahnhof« gelangt ift. kann dort jeden Zug benutzen unb braucht fernen Ausweis da beim Verlassen der Schnell­bahn feine Kontrolle ftattfivdct. Es werden also Billettverkäufer und Kontrolleure cripar:. da« Personal btftcht leb'glich au« den Zugfüh­rern. Natürlich aibt bei diefern Syftem nur ein« einzige Klaffe. Sin Unterfch ed zwi- fchen Schnellzügen und 'BumnuLjügen kann eben­falls bei der Berechnung hes Fahrpreifes nicht gemacht werden, denn die Neuyorker Untergrund­bahn kennt auch Erprcstzuge. die tn der mitte der drei- bi» vtergleiligen Strecken fahren und nut auf wenigen Stationen halten.

Man we.st. dast ,n Amerika für groste Bauten gewaltig« Geldmittel bereitgeftdlt werden. Aber c« ift doch überrofchend zu hören, dah für das alt« Untergtundbahnnetz P t Mil­liarden Mark ausgegeben worden find, eine Summe, die um fo gröster erschein!, wenn man sich erinnert, dast nicht einmal ber Panama­kanal soviel gekostet hat Um diefes Tunnelnetz zu schaffen mustte man 11 J j Millionen Kubik­meter Fel» und Erde auSheben unb tn« Meer schütten. Diese Malle würde au«reichen. um cm kreisrunde« Loch von einem Meter Durchmeller, da» von e-ficr Stelle an der Oberfläche der Erb« durch ben Grdnii ttelpunki bi« zu ben Antipoden führen würde, wieder au«zufüllen. Zum Bau der llntergrunbbabn werden 700000 Tonnen Eisen gebrauch' zu bereit Tran«fort man einen durchgehenden C fcnh-. Zr vag von Ncuyvrk nach Wethington oder, auf dou^che Verholtaille 'iber­tragen. von Berlin nach Osnabrück benötigen

iritf sich auch frisch en* fttaoier und Ipicltc ur. atll; brnn: e» muh wa» grbobbe wem". < würd' wo» geboten, und bic !Ru[if war wahrhast »t nm eint cnmutige Dreingabe, «r.chide dah unsere Zeit so knapp beme'kn nxir . Van b!aft zum ?-.is- t ach unh entert ben Reifewagen unb sinkst mit er» t-öbter Geichwinbigkeit gen Nidda.

Auch hier waren nwr schon mi poiigcn Jahr. Wir srttchen Ennnerungei' nut und feiern Wie beriehen mit bem berubmfen etoidxiUKlt. non bem mein un* erzählt, e» fei fo gewichtig unb umfang­reich. bah man einen zwenpannigen B<agcn brauchte, um o fortzu«chatten Ü«dlost bei

iibboer jetzt do» Amtigeeicht

3n ber ctabtfitdw, bie eben renoniert wird. i|t ein struzifix und bie reich ornamentierte ctv.fbedc ui veachten libda besitzt auch eine.- ber orlginiU- ften unb gelcknnackvoUsten Äriegerbcnlmäle: tu Bollplaslik nm allen ZohanniteNurm von 1491. einem wuchtig bochgefübttsn Bau unb letzten Zeu­gen der späten (tzot''.

Bevor wir, von Bürgermeister R i n g s h a u s e n begrüfit uns an bk Kaffeetafel setzet', werben mir oon Tr. Straft mnhergeführt unb mit ben Sehen: unb Denkwürdigkeiten der Stabt bekanntgemmstt Seltsame Dinge bekommt man unter ber J^inb zu hören: wie grausame Rot die Stadt im T»r<i(üg- läbrigen Kriege bat ausslehen müssen, wie fliidjtipr . Volk aus dem Marktplatz in leeren Tonnen nach tigen muhte, wie man tmr Zeiten ein gar t)fil- samc» Mittel gegen den schwarzen Tnb zufammen braute, unb wie ber Bolksmund mit einer Wander- sage sich ben Namen der Stadt sinnvoll zu deuten versucht hat.

Roch eine lange Fahrt an der Ruine Münzen berg vorbei, die man da» Wetterauer lintmsah beißt nie ein gutes Wahrzeichen der Landschaft, bnnn sind mir in Butzbach viel )u spat schau, nli dah wir mit Ruhe nur einen Teil bepen sehen könnte, was man von Bittzbach gesehen haben fällte.

Abermals eine alte wtadl, von Vergangenheit vielfältig umwittert, an Büdingen und Alsfeld etwas erinnernd, aber zugleich auch eine Neuzeit Iich ausblühende Stadt; ihr zlelbewustter, totfroher B irgermcister, Dr. 3on|en, ift nach Kräften he müht, feinem (Bemclnroefen das Anfeheii unb die (Heilung zu schaffen und XU erhplten. wie ste einer solchen Vermahlung von ehrwürdiger Tradition unb fleflenroartebrwuhtem etreben nach gesunder Ent inicklung entspricht.

Man steht auf demSchrenzer" oberhalb der Stadt, unweit vom Limes am Waldrand erhebt sich die Nachbildung eine» römischen Wachtturme> nu» der Zeit Domittana und schaut weit hinein in die abendlich verdämmernde Wetterau, zu ben Türmen von Manzenberg hinüber, den Weg zurück, den wir gekommen sind.

Man steht aus bem Marklplasz, um destentwilleii Butzbach von vielen deutschen Städten beneidet w. r den mühte: ringsherum die schönsten alten unh präch­tig erhaltenen Bauwerke, sieben Straften laufen nu* affen Himmelsgegenden zusammen, unh hobel ist hns Ganze von einer Weiträumigkeit unb zugleich Geschlossenheit der Platzwirkung, die als ein städte­bauliches Vorbild bezeichnet werden darf. Am Markt ftnbft sich auch bas sauber hergerichtete vormalige (GasthausZum goldenen Löwen", unb es wird ge­sagt, her Platz lei bas Urbild jenes behäbigen Mark »es, mit dem Goethe In .Hermann und Dorothea" zu erzählen anhebt.

Roch einen Blick aufs Landgrafenfchloft In den trefflichen Ratssaal, auf Stadtmauer. Wehrgang unb Herenturm. in die Markuskirche unb ins stei­nerne Grabgewölbe des Landgrafen Philipp hinein, her da mit feinen beiden Gemahliimen begrabe IieZ.

Beim Abendbrot, währenddessen uns Biüge:-- meister Dr. Jansen im Nomen der Stadt seinen Gruft entbietet, manch tresfliche Rede gehalten und mancher muntere Schwank zum Besten gegeben wird, beginnt sich schon die stattliche Runde ber Ober lusienfahrcr zu lichten. Zeit zur Heimkehr, zum ncr letzten, zum allerletzten Zuge Morgen r^gurt uns wieder der Rotationsmaschine ewig gleichgestellte Uhr; dieweil wir totmüde ms Bett sallen, begleiten uns die farbig wechselnden Bilder tükser beiden Tage, und unsere schlaftrunkenen Gedanken k-.isen schon um diese kleine Chronik, die wir am nächsten 'Mor­gen schreiben müssen. hib.

Würde. Siu Untergrunddahnhos ift unter einem Turmhaus von 22 Stockwerken angelegt roorteo

Die Bahnhof« der Subway werden jeden Euro­päer. der sie zum erstenmal fiebt ht ®rftaunra versetzen. 5Xi sind zunächst die vielen Fel^lreppen imd Auszüge, die auch in London ubli-ch sind, während man sich in Paris durch em ikwiT enger und unangenehme: Treppen nach bem rich­tigen Bahnsteig durchwttiden must: solche Fahr­treppen gibt es auch in einigen deutschen Waren­häusern aber nirgend« in solchen Nleng..u und in so bequemer Ausführung wie etwa auf der Neu- Dörfer Untergrundbahnstalion Park Place. Wer in dem Endbahnhos der Hudson- und Manhattan- Schnellbahn ui ber Churdi-Street cintr/it kann zunächst im untersten Keller einen großartigen Schleifenbahnhos bewundern der ben Zügen da« Umwenden ohne Nangieren ermöglicht 3n dem darüber gelegenen Keller befinden fich die Fahrkartenschalter und die Zugänge zu den Treppen der einzelnen Bahnsteige In dem Stockwerk zu ebener 8rbe ift bann ein Dostumt unb eine groh« Zahl von Verkaufsläden untergebrach«: auherdsn aelangt man im Erd» gefchost zu den Abfahr Mellen eine» and re Bahnfyftvn« In dem darüber errichteten Wollen» krayer arbeiten nicht weniger al» 100>D 'Per» forten. Diefe Kombination von Wolken» kraher und Untergrundbahn Hof ist da« E-.genariige und erschreckt selbst Nci-c nde. d da« sich mehrfach Übcrfchnridende Bahniyltcni am Berliner Vollendorfplctz kenn:Die Bah.i» höfe rnüffen auch de«hald ander« aLi m Deutsch- lanb angelegt werden, weil die meisten Bahn:.! ebenso wie in London sehr tief unter der Srdobersläch« fahren, während bie Terliner Untergrundbah:'. meist nuv durch eine schmale btt:aste: decke von der Oberwelt getrennt ist. Sie ähneln, wie schon erwähnt, den Londoner Tube«, die nun treffend mit einer Nohrpo ! für Menschen verglichen hat und die oft dreistig. in vereinzelten Fällen ogar te.erxig Meter unter der Erdoberfläche dahinfahren. 3n diri« Tiefen werden die Menschen mit Fahr­treppen befördert, von teilen jede in ter Stunde 3603 Pm-'vnen auf den ri7ttergrundbabnb,nl hin­unter oder von dort fn die Oberwelt znrü .. denn kann.