Ausgabe 
28.8.1928
 
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Nr. 202 Erster Blatt

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Dienstag, 28. Augvst 1928

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lek^rtfl fftx Drahtnach­richt^ 3w)dgrr »fetze». PoMefloHlo:

flti flirt am Mein 1 IM.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Pnd nb Dtria«: BritPf*« nt> Stditrxdetd H. £«xg< m Mete*. Sdjaftldtxng nnt> 6«(*äfts#tik: SOjnlWraM 7.

ln0M m« lojetoew ftr btt lagtsnuwwrtr ot» 52M Nachmittag vorher.

Preis für l mm Höst« ftr 3*jieiyni von 27 mm Brett, örtlich 8, cismArt» 10 Reichrpsenmig. ftr Re. hlamtan sogen von 70mm Stritt 35 Reichspsennig, Piatzvor schritt 20'. mehr.

Thefredaltteur.

Dr. Friede. WUst. Lange verantwortlich ffirToIlttk Dr. Fr. Will; Conar; ft; Ftnmtton Dr. tz.2chtzriot, ftr den übrigen Teil Ernst Blumfchetn: ftr ben le- yeignrtftl tturt Ain manu, sämtlich in Dietzen.

Oie Unterzeichnung des Kellogg-Paktes.

<5trefemann außerordentlich herzlich begrüßt. Briant> spricht vom Erwachen einer großen Hoffnung. Konferenz Stresemann« mit poincare.

Der Ari-gsächtungspakt ist gestern im Uhren saal d«, Quai d'Orsay unterzeichnet worden. Poincars bat zum erstenmal von einem deutschen Staatsmann erfahren müßen, wie sich Deutschland die Loge denkt. Ein deutscher Miniti.r bot zum erstenmal noch dem Kriege Pariser Boden betreten und Ist außerordentlich herzlich von der dortigen Bevölkerung ausgenommen worden. Der französische Äutzenminister Hot sich wieder einmal noch langer Zeit mit dem deutschen Reichsaußen. Minister unterhalten tonnen. Im Rheinland« gehen die Vorbereitungen für die f r a n z o s i f ch e n Herb st manvver ihrem Ende entgegen.

Das ist das Motto des heutigen Tages. Ss toäre aber wohl verfehlt, den Ion doch allzu sehr auf den letzten Satz zu legen, denn damit würde der Tag der Unterzeichnung des Äel- logg - Paktes in seinem Werte flärfer herab- gefegt, als es notwendig ist. Man soll Io gut es nur irgend möglich ist. immer versucht sein, THt positiven Seiten der Ereignisse in den Vor­dergrund zu stellen. Trvtzbem kann man nicht umhin, gerade jetzt auf die Diskrepanz hx den Srlcheinungen der Politik hinzuweisen. Gewiß bedeutet der Tag, an dem Dr. Stresemann in Paris den Passt der Kriegsächsung persönlich unterzeichnete, und an dem er mit Poincars unter vier Augen sprach, nach jeder Richtung bin einen bedeutsamen Wegstein in der Entwick­lung der deutsch-französischen Beziehungen Man weist zwar noch nicht, was die beiden Staats­männer in ihrem Gespräche vereinbart haben, positive Resultate werden wohl kaum gesunden foorben sein. Vielleicht wird das Positivste an der U Überredung die Tatsache sein, daß es nun einwaudfvei scst steht, daß der französische Ml- nisterprösident die Aheinlandräumung nur unter dem Gesichtspunkt eines möglichst guten ® e f 4>ä f t e 6 für Frankreich durch­fuhren will. Es wäre jedenfalls schon viel er­reicht. wenn damit der Boden für die Verhand­lungen um bte Ahemlandrstumung vorbereitet tm-rbe. Aber bis jetzt liegt noch kein Grund zu einem derartigen Optimismus vor.

Die Staatsmänner, bl« gestern mit dem golde­nen Federhalter den Vertrag der .striegvüchtung un­terzeichnet haben, werden sicherlich alle von dem lSefiihl erfüllt gewesen lein, dost te sich hierbei um rin bedeutsame« Ereignis in der ® c schichte handelt. Ob sie sich aber alle bewußt waren, welche Rückwirkungen diese« (Freig­uts nach jeder Richtung hin eigentlich von ihnen verlangt, ton mutz noch sehr dahingestellt bleiben, ltzerade wir in Deutschland erwarten viel von dem Pakt. Dabei wird von Deutschland nichts ge­fordert, wozu e« nicht berechtigt märe. Trotzdem wäre es versehlt, die Erwartungen an den Pakt allzu hoch zu spannen. Erstens einmal lafKn sich die Probleme eben alle nicht so ohne weiteres losen. Man muftaud) mit Rücksicht aus die anderen Etaaten onerlestnen. bafj auch sie ge nusse Prestigesragen haben. Die Unterweid) nung de- Frieden« Paktes must ober und hier setzt die erste positive Ruckaürkung dieser Tatsache ein -- zuin Äusgangspunkt für die weiteren Schritte genommen werden Die Mächte sollten sich und muffen es auch alle klar werden, dost derartige Ereignisie nur bann ihren Wert behalten, wenn sie and) noch jeder Richtung hin ausgewertet werden.

Der deutsch« Austenminister wird Pari» heute wie der verlassen. In Genf wird der Reichskanzler mit Briand weiter beraten. Diesen Verhandlun- sten werden wohl alle in Deutschland mit größter «Spannung entgegen,eben, ohne dabei in ihrem U,teile rmjubijieren zu wollen. Nach Pari« wird aber hoffentlich nunmehr bald ein Ihoirn kommen, ein I b o i r i), bas den (F n b ft e i n in der Lösung dieser politischen Fragen bringt. Es muh jedenfalls kommen, wenn nicht die neuerliche Entwicklung mir- der einen Rückschlag erleiden soll, der vielleicht noch schwerer zu überwinden fein wirb

Die weltgeschichtliche Stunde

Pari», 27. Aug. (DIB.) Kurz vor Z LHr fuhr das Tlutomobl des Aeichsaustenmmisters Dr. Stresemanns vor. N*r m Begleitung des Botschafters v.Hoesch sich in bas Arbeits­zimmer B r j a n d s begab. 3m Uhrensaale bat­ten sämtliche Mitglieder der französischen Ae- gterung, das Diploinansche Z^orps. der Kammer- x:nd bei Senaispräfident. sowie zahlreich« Parla­mentarier Platz genommen. Die Press« war in o«n aakbi^bent^ Bolschasterfaal rmtergebracht, offcngclalfene Flügeltüren ben Journalisten erlaubte. Die Zeremonie zu ver- fo^en. Die Prelle wurde jedoch in ch:er Beob- 5)ktmg ^urch die in der ersten Reihe befmb- Uwn Xino-Oberateurc unb Photographen etwas vehmbert.

n?118 bie llbr drei schlug, erschienen in feier- 4*01 Zug unter Dorantritt von Brianb bie Delegierten. Zur rechten Seite B r i a n b s tmhm Aetchsaubcnmmtfter Dr. Sirefcmann. zu £ .®laol6k!rciar Kellogg Platz.

r3rlanZ> unb verlas feine n r ftlI*uxigenb angebört wurde. Die Stellen ferner Tiusfübrungen. in denen er die Paktes kennzeichnete, wurden in besonders feierlichem Tone vorgetragen. Als-

bairn wurde eine englische llebersetzung her Lebe Briands von dem Dolmetscher bes Quai d'Orsay. Lamr.rlink, verlesen. Darauf erhob fid) Drland nochmals, um den Text des Paktes in franzöfischer Sprache zu verlesen. Hieraus trug ebenfalls Dolmetscher 6 a merl inf die englische MeberfcOung des Paktes vor. Unmittel­bar bar auf forberte Briand die Bevollmächtigten der Grstunterzeichnung auf, in alphabetischer Reihenfolge der Länder in französischer Benen­nung den Pakt zu unterzeichnett. Ds unter­zeichnete zuerst Leichsauhenminister Dr. Stresemann für Deutschland, und dann folg­ten: Kellogg (Amerika). Hymans (Bel­gien). Briand «Frankreich). Eushendun lönglanb), Mackenzie Ring (Äanaba), March- l an (Australien). Parr <Leu-Deeland), Smith (Südafrika). Eosgrave (3rland). Manzoni (3taiien), Udjiba <Japan), 3a- leski (Polen), Denesch (Tschechostowakei). Bei jeder neuen Unterzeichnung wurde von den im Saale Anwesenden Beifall geklatscht. A1S- bann begaben sich die Bevollmächtigten in den Salon be la Lokonde, wo ihnen ein Tee serviert wurde.

81» Dr. Stresemann sich erhob, um sich zu dem Tisch, auf dem der Vertrag niedergelegt war, za begeben, wurde er von den Anwesenden mit auster­ordentlich starkem Beifall begrüßt. Wäh­rend er mit der goldenen Jeder die Unterzeichnung vollzog und auch bei seiner Rückkehr an seinen platz, an der rechten Seite Briand», wiederholten sich diese Kundgebungen in verstärk­tem Maste. Loch eindrucksvoller gestalteten sich die Ovationen, die die vor dem Quai d Orsay war­tende Menge dem Reich«aahenmlnister dar­brachte, al« er nach Schlust der .Zeremonie zur deut- s«hen Botschaft zurückfuhr. Ein Teil der vor dem Quai d'Orsay versammelten Menge Nakschte in die Hände, andere riefen: Bravo! Die Sympathiekund­gebungen wirkten noch stärker al« die bei der An­kunft Dr. Stresemann« am Lordbahvhose.

Lange vor "Beginn bcS Unterzeichnung Saftes batte sich eine große Menschenmenge, nicht nur vor bem Gitter. baS bie Vorgärten des Quai d'Orsay umrahmt, eingefunben. sonOern auch längst des Deim-RaiS Stellung genommen, um die An­fahrt der Minister unb Bevollmächtigten zu verfolgen. Als erster fuhr Staatssekretär Kel­logg vor. bet von der Menge unb in ben Äorriborcn unb Dorsälen des Ministeriums von ben Anwesenden lebhaft begrüßt würbe. Spater erschien PoincarH. zu dessen Ehren sich bie Anwesenden im Saale erhoben, als er in der ersten'Leihe Platz nahm.

Vriands Weiherede.

Paris, 27. Aug. (DTB.) Pünktlich um 15 Uhr hielten im Uhrensaal des Quai d Orsay un­ter Führung des Außenministers Briand die Delegierten der Staaten zur Unterzeich­nung des allgemeinen Rriegsäch- tungspaktes ihren Sinzug Der feierliche Akt nahm alsdann in Anweienheit der Mit­glieder der sraizzöfischen Legierung. beS gelern­ten diplomatischen KorpS und vieler geladener Parlamentarier seinen Anfang mit einer

Begrüßungsansprache Briands-

.Meine Herren! 34) bin mir vollauf bewußt, daß eine Feierlichkeit wie diele durch Schwelgen gewinnen würde. Ich möchte lieber, ohne viele Mvrte zu ma4>en. jeden von Ihnen sich einfach im Lamen lemeS Landes erheben sehen, um seine Unterschrift unter bie bebeutenbftc aus dem Frieden geborene Sollet- tivakte letzen zu sehen. Aber tch würde Frank­reich gegenüber meiner Aufgabe mich schlecht ent­ledigen. wollte ich nicht sagen, wie geehrt es llch dadurch fühlt, die Delegierten zwecks Unter­zeichnung eines allgemeinen Paktes zur Aechtung des Lrieges zu empfangen.

Menn man als Ehrentitel bie moralische Stel­lung. bie sich Frankreich durch feine ständigen Bemühungen im Dienste des Friedens gcschai'en hat, anerkennen will. Io nehme i.ch eine derartige Ehrung im Lamen der Legierung der franzoli- fchen Lepublik an unb gebe der (Genugtuung meines ganzen Volkes Ausdruck, Nw glücklich ist. sich endlich im Innersten seiner nationalen Psyche verstanden zu fühlen.

Indem ich Sie willkommen heiße, meine Herren, beglückwünsche ich mich dazu, hier mit Ausnahme derer, bie durch Gesundheitsrücksichten ober durch bie auf ihnen lastenden Obliegenheiten gebiete­risch fern gehalten wurden, alle Staatsmänner zu sehen b.c m ihrer Eigenschaft als Außen­minister persönlich an der Schöpfung Vor­bereitung oder Ausarbeitung des neuen Paktes mit tcilgenonunen hoben

Mir Ichulden besonderen Dank denen, bie sich ber Mühe einer langen Leise unterzogen, um an dieser Kundgebung teilzunehmen. Ich zwevle nicht daran, baßic sämtlich bereit lind, sich mir im gleichen Gefühl ber Dankbarkeit gegenüber dem­jenigen unterer Kollegen anzulchliesten. b:r nicht zögerte, uns hier mit ber vollen moralischen Autorität fernes LamenS unb des großen von

ihm vertretenen Landes die Versicherung seines Glaubens an bk Bedeutung des Paktes, den wir unterzeichnen werben, zu überbringen Unter uns im gleichen Saale fttzenb. in dem fein berühmter Vorgänger, Präsident Wilson, bereit» an ben Frkbensarberten m hohen Bewußtsein der Loste seines Landes teilnahm, kann der verehrte Herr Kellogg mit gerechtfertigtem Stolz ben ganzen sv durchlcn>fene7i Weg ermessen, seitdem wir iKibe die Möglichkett dieses gewaltigen diplomatischen Begiruiens prüften Liemand war mehr quali­fiziert, an der heute zu gutem ®nbc geführten Verhandlung ben hervorragenden Anteil, ber ihm Airfonnnt, unb ber ihm stets in ber Erinnerung der Menschheit zu Shren gereichen wird, zu über­nehmen. Sein Optimismus unb seine Zähigkeit haben über ben menschlichen Skeptizismus ben Sieg ba hon getragen. Seine Lodastta! unb sein ehrlicher Glaube unb ber gute Wille, mH bem er durch klare unb deutliche Erklärungen berechtigte Besorgnisse zu zerstreuen sich bemühte, haben ihm das Vertrauen aller Teilnehmer eingetragen. Sern Klarblick endlich hat ihm gezeigt, was man von den Regierungen erwarten kann, bie durch eine aus ber Tiefe kommende Sehnsucht der Doller geleitet werden.

ftann der zivilisierten wett eine besiere Lehre geboten werden al» diese« Schauspiel einer Zu­sammenkunft. in der zur Unterzeichnung eine» Pakte« gegen den Krieg Deutschland au« freien Stucken und ohne Zögern zwischen sämtlichen anderen Signataren, seinen früheren Gegnern, Platz nimmt? Gibt e« noch eine schlagendere Illustration, wenn auf diese weise dcm Ver­treter Frankreich», der zum erstenmal seit mehr al» einem Jahrhundert einen deutschen Außen­minister auf dem Boden Frankreich« empfängt, Gelegenheit gegeben wird, ihm den gleichen Empfang zu bereiten, wie oll feinen auslän­dischen Kollegen? Ich füge hinzu, meine Herren, da dieser Vertreter Deutschland« S Ir «fe­rn a n n heißt, kann man glauben, daß Ich be­sonder» glücklich bin, dem ausgezeichneten Geist und 2Tlu( dc» hervorragenden Staatsmann«» Anerkennung zu zollen, der während dreier Jahr« nicht gezögert Hal, sich unter seiner Ver­antwortung dem Werke der europäischen Zu­sammenarbeit für di« Aufrechterhaltung de« Frieden» zu widmen.

Meine Herren! Da ich mich habe verleiten lasten, Nomen zu nennen, werden Sie es mir nicht übel- nehmen, unb Lord Cushenbnn wirb mir ge­wiß bafür Dank wissen, wenn lch unter uns ba« brübertidje (Bebenfen an Sir Ä u ft e n Cham­berlain wachrufe, bem alle unsere Wunsche für schnelle unb vollständige Wieberherstellung ber Geslindheit gewidmet sind. Wenn ich an die uner müdtiche Hingabe denke, die die Sache des Frie­dens stets in dieser so edlen Seele wochgerusen hat, kann ich nicht umhin, mir bie Freude oorzu- stellen, bie ein so entschlossener Gegner des Krieges an dem Schauspiel einer derartigen Zusammenkunft empfunden bärtc.^ Wir werben von keiner Kund aebung für ben Frieden feine Anwesenheit, ob un­sichtbare ober wirkliche, fortbenfen können.

Zch glaube nicht, meine Herren, über bie Ansicht irgendeines von Ihnen hinauszugehen, wenn ich erkläre, baß

da» (Ereignis diese» läge» ein neue» Datum in der Geschichte ber Menschheit barfleOt.

Zum ersten Male tut auf einem allgemeinen, sämt­lichen der Nationen ber Welt zugänglichen Gebiet ein Friedenskongreß etwas anderes, als politisch die unmittelbaren Bedingungen eines Sonderfrieden» zu regeln, so wie sie sich au» ben Entscheidungen des Krieges ergeben. Zum ersten Mole stellt auf einem allgemeinen und ab­soluten Gebiet ein wirklich der Errichtung des Frie- den» errichteter Vertrag, der ein neues Recht inau­guriert unb von allen politischen Erwäguiiaen be­freit ist, Prämissen anstatt Konklusionen. E» han­delt sich hier nicht um eine Liquidation be» Kriege«.

Der Pakt von pari», geboren au« dem Frieden and durchdrungen von einer freien juristischen Auffassung, kann und maß ein wirklicher Ver­trag der Eintracht sein.

Deshalb hat zweifellos Herr Kellogg, als er Wert darauf legte, der französischen Regierung das Vorrecht, sie zu empfangen, oorziibehalten, in zar­ter Weise bem Botschafter Frankreichs angebeutet, baß bie Nachbarschaft bes Place de la Concorde ihm für die Unterzeichnung des Paktes ongezeiat ju I sein scheine. DieAbkommen von 2 ocarno nachdem Dawesplan hatten bereits von diesem neuen Geiste, ber ßoirc leinen Ausdruck I nder. Zeugn.s ab- g«icg.r. Derrn, wie es in einerBofdxift vom 6. April 1927 an das amcrifanvdjc Volk hieß, war den ^Interze.chnern d.e'er^ommen der Ckbcnfe dcS Verzichts auf den Ärieg als In­strument nationaler Politik vertraut. Aber bte<e ConbcraWommen, die dazu bestimmt find, po­litisch den Frieden in einem be­stimmten Teil der europäischen Welt au garantieren, konnten n ch! aus den univer­sellen Etzarakrer Anspruch machen, der die Be­

deutung de« allgemeinen Paktes gegen den Krieg ausmacht

Der Völkerbund, ganz durchdrunaen vom glc.chen Deist, hatte auch eine Formel befür­wortet. die in der Tat aus das gleiche End­ergebnis. wie der neue Pakt, abztelt. Aber ab­gesehen davosr. daß der Völkerbund die 'Bet- einigten Staaten nicht mit cekTschloß, foiuUen seine Auslastung und seine Tietßoben mcht die gleichen sein wie diejenigen, zu benen mir für einen so allgemeinen unb In absoluten Pakt, tote ben neuen Pakt, greifen können. Der Völkerbund, ein toeitgchendes Dersicherungsunter- nehmen gegen den Äncg, eine mächtige Insti­tution des organisierten Friedens, ein sämt­lichen neuen Unterstützungen, sämtlichen neuen Antrieben offenstehender Lahmen, kann sich mir über die Unterzeichnung eines internationale Paktes freuen, au« dem er Lutzen zieht, da ja dieser neue Pakt, weit davon entfernt, m irgend­einer Beziehung, mit irgendeiner der aus bem Vötterbunb sich ergebenben Verpslichtungen un­vereinbar zu fein,

dem Völkerbund im Gegenteil eine Art allge­meiner Bückoerficherung reserviert.

Deswegen werden auch diejenigen Dölkerbunds- mitQLieber. bie bie Verpflichtungen, bie sie heute unterzeichnen, dem VSsterbund zur Legistrierung unterbreuen können, das Bewußtsein haben, ihm en wertvolles Pfand ihr« 'Verbundenheit und ihrer Treue zu überreichen.

Welches ist also letzten Ende» die neue Aus- sassung, die ba« wesentliche Lharatteriftikum de« Patte« gegen den Jtrleg barfterft?

Zum ersten Male nHrb vor der wett In einem feierlichen Akt. der die Ehre ber großen Mo­tionen, die alle «Ine schwere vergangcnhett poli­tischer Kämpfe hinter sich haben, verpflichtef, den Krieg ohne Vorbehalt al« Werkzeug nationaler Politik verurteilt, b. h. in seiner spezifischen und fürchterlichsten Form. b. h. bet egoistische, ber gewollte Krieg.

Ein solcher Krieg, der früher al» ein Au«sluß gött­lichen Rechts galt unb in der internationalen Ethik als ein Vorrecht der Souveränität fartlebte, wird endlich von Rechts wegen besten entkleidet, rot» feine größte Gefahr darstellte: seiner Legitimität. Don nun an al» rechtswidrig gedrand- markt, unterlieat er dem vertraglichen Regime einer wahren Rechtslostgkeit, die den Rechtsprecher der sicheren Berleugnung, der wahrscheinlichen tieindschast aller seiner Mitkontrahenten, aussetzt. Die Inanspruchnahme eines Krieges als solche wird so unmittelbar in ihrem eigenen Wesen angegrisfen. Es handelt sich nicht mehr lediglich um eine Defen- sioorganisation gegen diese Geißel, sondern um die Bekämpfung des Uebels an seiner Wurzel. Somit wird die Berechtigung der Inanspruchnahme des Krieges als Mittel willkürlicher und egoistischer Altion aus Horen, mit ihrer latenten Drohung aus dem wirtschaftlichen, pollt'ichen und sozialen Leben der Völker zu lasten. Befreit von einer solchen Knechtschaft werden die Völker, die den, neuen Vertrag beigetreten sind, sich nach und nach daran gewöhnen, den Begriffnationales Prestige', nationales Intereste' nicht mehr mit dem der (Bemalt zu verbinden Unb diese eine psycholo st'sche Tatsache wird nicht den geringsten Geimnn in ber notroenbigen Entwicklung zu einer wirklichen Stabilisierung des Friedens barftrüen. Dieser Pakt ist nicht realistisch? Fehlt ihm bie r z w i n g b a r- k e i t? Aber ist es wirttich realistisch gebacht, aus bem Gebiet ber Tatsachen die moralischen Kräfte, darunter diejenigen ter öffentlichen Meinung, aus zuschließen?

3n der Tat, der Staat, der sich üster die Miß­billigung aller seiner Tllitkontrahente« hinweg­sehen wollte, würde sich der posiUven Gefahr aussetzen, nach und nach sreiwilllg eine Art all­gemeiner Soübotlläf entstehen zu setzen, deren fürchterliche Wirkungen er bald verspüren würde.

Und in welchem, dem Pakt atigehörenden Lande mochten leitende Staatsmänner bie Verantwortlich­keit für bie heraufbeschworuna einer laichen Gefahr übernehmen? Das moderne Gesetz der Inter efsenoerflcchtung der Nationen macht es jedem Staatsmann zur Pflicht, sich di« denkwür- bigen Worte des Präsidenten (£ oolibgc zu eigen ui machen:(Eine Kriegshandlung, wo immer in ber lüelt sie auch ftattfinbet, ist eine Handlung, die die Intkresten meines Landes schädigt."

Tarin, meine Herren. Liejt ote ganz Ded?u- tung. bie sich an bie 2uubct rnng die'rs grv''.?n Stromes moralischer Sollbarität knüpft, dcsien -.d-ales Ziel die Universalität beä Paktes ist. 2llS

am 20. Juni 1928 die Ehr? fyatte. Herrn Kellogg bie Formel vorzuschlagen, bie er ange­nommen unb in feinem Entwurf eines mehr- leittgen Paktes zum AuSbruck gebracht ha: habe ich keinen Augenblick baran gedacht, baß die an­geregte Verpflichtung lediglich auf Frankr^ch unb bie Vereinigten Staaten beschränkt bleiben folüe. Ich habe immer gedacht, daß in der einen ober in ber anderen Fvm' durch Lachahrnuni ober durch Enveiterung. die vorgefcklagenL Ber- Vllichtung in sich «elbst eine genügenbe A.sdeh- nungskraft enthätt. um ralch alle bi e j en t g c n