Nr.s75 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag. 27. Juli 1928
Mit dem Linienschiff „Hessen" auf der Ilotienausbildungsreise nach Norwegen.
Don Korvcilenkapifän Strachlcr (Linienschift Hessen).
Der Iahredausbildungdplan der in der Flotte zusammengefaßten Seestrcitträste fah auch in diesen, 3a$rc cm< Audlandausbilbungsrestc. und Arnar diesmal nach Norwegen, hör. In den beiden letzten Jahren hatten d.e Fahrten nach dem Mittelmeer. nach spanischen und portugiclischen Häsen de« Festlandes und der Atlantischen Inselgruppen gesührt. Für d.e d'cSjähr'.gc Reise standen im Rahmen der Desamtausb'ldung nur knappe drei Wochen zur Bersaaung. m denen die Besatzungen neben der ®rfü:iunq von 2Iuf- gaben. to'.c sie nur die hohe See stellt. Rude und Erholung für anstrengende W'ntcrarvcit geboten roerden sollte Der 2tlanhl mit leinen Ltürmen und mit seiner langen Ounung gibt die Veste Schule für den schweren und nur durch Vie Trani tu erlernenden Dienst deS Seemannes; d,e weite See stählt seinen Tharakter. Der De- such lremder Häsen. daS Austreten unter den be- obachtenden Augen anderer Rationen weitet den Blick und stärkt das Ratwnalbcwufrtsein. D.e Freude an fremdländischer Ratur vertieft daS Derftändnis für die Schönheiten der deutschen Heimat.
Diese Ausgaben und Gesichtspunkte geleiteten die Flotte auf ihre Dorwegenreise. die sie. unter Führung deS Flottenchefs. Vizeadmiral Olde« kop. am Morgen de« 1. Juli 1928 von Kiel auS antrat. Den Linienschiffen ..SchleSwig- H v l ft « i n". ..Hess« n“. „Elsa 6" und „S ch l c- |ic n“ folgten die Kreuzer ..Amazone" und ..Rymphe". während die Torpedoboots- Halbflottillen für sich sammelten und den Kieler Hasen verliehen. Rur zeitweise brach die Sonne durch die schweren Regenwolken und gab dem nach dem unglücklichen KriegSauSgange seltenen Bilde ein sreundlicheS Gepräge, zu dem sich zahlreiche Zuschauer aus dem Strandwege eingefunden hatten.
Rach Verlassen deS Kieler HafenS begannen die ersten Hebungen, den Verband als Ganzes zusammenzuschweihen. Der Marsch durch den Drohen und Kleinen Belt wurde von den Ostsee- und Rordsceschiffen getrennt durchgeführt und zur Schulung von Schiffen und Torpedobooten über die Ravigation durch diese schwierigen Gewässer auSgenutzt. Rach dem Sammeln im Kattegat, am 2. Juli morgen«, wurde geunkt t. um die als Decksladung in Säcken auf den Linienschiffen mitgeführten Kohlen an die Torpedoboote abAUgeben. DaS Kohlen mit seinem Schmutz ist stets für den Seemann eine unliebsame Tätigkeit. Die Kohlenabgabe an die längsseit- liegenden Boote lieh sich diesmal besonder« unfreundlich an. da ein feiner Rebelregen den Kohlenstaub als schwarzen Brei Über die Decks schwemmte zur besonderen Freude deS Ersten Offizier« und deS Bootsmannes. Die ..Schwarze Waffe" ist an solche äußerlichen Unschönheiten gewöhnt. Rach dem Anker-Lichten wurde mittag Kap Skagen. dessen Leuchtturm nur unklar au« Dunst und Rebel zu erkennen war. umfahren und durch daS seit dem 31. Mai 1916 weltgeschichtliche Skagerrak die R o r d s e e erreicht. Zunehmende Südwestbrise mit starker Dünung warfen die Linienschiffe schwerfällig hin und her; hier und da erkletterten die Seen Brücken und Aufbauten. Die weit über 25 Jahre alten Kreuzer ..Rnrnphe" und ..Amazone" hatten unter der unruhigen See fast noch mehr zu leiden, al« die Torpedoboote, die sich leicht und gewohnt den Seen anpahten.
Rachdem die Torpedoboote nach den gemeinsamen taktischen und sahrtechnischen Hebungen in die näherliegenden norwegischen Häsen entlassen worden waren, erledigten Linienschiffe und Kreuzer am 3. Juli im Atlantischen Ozean Artillerieschieben. Diese Schießübung nach mitgenommenen Scheiben, die sich die Schiffe
gegenseitig schleppen muhten, gab nicht nur den Geschützführern die seltene Gelegenheit, ihre ^chiehkunft vom schlingernden und stampfenden Schiff gegen die aus- und niedertanzende Scheibe z» erweitern, sondern stellte auch den übrigen Seeleuten bei der Handhabung der Scheiben in See und Dünung schwere seemännische Ausgaben.
Rach Deend.gung aller für die Hinreise vorgesehenen AuSbridungSübungen wurden am 3. 3uh nachmittag« die Schiffe einzeln nach den norwegischen Fjorden entlassen. Linienschiff ..Hessen" trat gemeinsam mit dem Zlottenflaggschiss . Sch l e « w i g - H o l st e i n' den Marsch nordwärts nach dem Drontheim-Fjord an. Bei SkudesnäS am Eingang nach Stavanger kam zum ersten Male die norwegisch« Küste in Sicht. Die jedoch immer wieder in Regenwolken verschwand. Der 4. Juli führte unS näher an die norwegischen Schären und die Felsenküste heran, die uns nunmehr dauernd mehr oder weniger deutlich in Sicht blieb. Düster-ernst begleiteten unS kleine Felseninseln und Klippen mit den hohen Felswänden dahinter, auf denen hier und da von der die Wolken durchbrechenden Sonne beleuchtete Schnee- und Vletfcherfelder Leben und Farbe hervorzauberten. Al- um 9 ülhr abend« bic Einfahrt zum Drontheimer Fjord erreicht war und bei Grip-Leuchtturm der norwegische Lotse an Bord kam, hatte e« unter schweren Regenböen zu einem Südweftsturm mit Windstärke von 5—6 ausgebrist.
Während der Rächt, die fast taghell blieb, durchfuhren wird den Drontheim-Fjord. der sich durch niedriges Land windet. Allmählich tauchten grüne Flächen und Waldland auf den Inseln und an der Küste aus, bi« gegen 7 llhr morgen« zwischen zwei Vorgebirgen an einer Bucht der Südküste de« hier 15 Kilometer breiten Fjordes die Stadt Drontheim vor unS lag. Rach dem Feuern de« LandeSsaluteS durch ..Schleswig-Holstein" wurde an der auf einer Klippe liegenden alten Feste Munkholmen vorbei auf den Ankerplatz dicht unter der Stadt gesteuert Don der durch die Wolken brechende Sonne beleuchtet, bot die Stadt mit ihren bunten Häusern zwischen Wald- und Wiesengrün ein anmutige«, farbenfrohe« Bild.
Drontheim ist mit 60 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Rorwegen«. Sie liegt auf einer durch den Ridelo und den Fjord gebildeten Halbinsel. Im Mittelalter war sie Landes- stadt und Grzbischofssitz mit Hauptsitz de« Olaf«- kultes. des Schutzheiligen Rorwegen«. Roch jetzt befindet sich der Bischofsfitz hier in Anlehnung an die au« dem 11. bi£ 13. Iahrhmchert stammende Dombrche. der KrönungSkirche RorwegenS. Die alte Königsstadt Ridaros war einst die Hochburg feiner Bildung und adeliger Erziehung. Jetzt verbreiten Technische Hochschule und Gesellschaft der Wissenschaften Studium und Gelehrsamkeit. In der Stadt herrschen Holzhäuser vor: di« Straßen sind, als Schutz gegen Feuersbrünste. breit angelegt. AIS besondere Schönheiten weist Drontheim außer dem Dom ein wundervolle«, auf hoher Säule den Brennpunkt der Stadt, dem Torvet, überragendes Denkmal deS alten König« Olav Trygvessönstötten auf. Handel wird in erster Reihe mit Fischen. Kupfer und Holz getrieben.
Während der ganzen Liegezeit vor Drontheim wurde der Besatzung durch Urlaub und Ausflüge reichlich Gelegenheit geboten, die Stadt und vor allem die schöne Umgebung kennenzulernen. Rur die Kohlenergänzung am 6. Juli unterbrach mit anstrengender Arbeit die Zeit der dienstlichen Ausspannung. Gute Straßen, elektrische Bahn oder Autobus ermöglichten, auch die entfernteren Raturschönheiten kennenzulernen und in Ruhe zu genießen. Die Umgebung der
Was Fremdenbücher erzählen.
Don Artur Iger.
Nachdruck verboten.
WaS rn die Fremdenbücher der besuchtesten Bade- und Touristenorte eingetragen wird, strotzt nicht immer von Geist. Darum unterhalten viele Hotelbesitzer und Pächter berühmter .Punkte" auch zwei Fremdenbücher: eines für die große Mass« (in das Her» Müller aus Frankfurt ruhig ein tragen mag. daß er hier ein Setzei mit Spinat mit Wohlbehagen verzehrt babe) und ein zweite« für .Prominente". WaS natürlich nicht aus- scWcßt. daß sich auch unter der Spreu de« Massen-Fremdenbuches dann und wann ein goldenes Weizentorn findet.
Menschen mit reichem Innenleben handeln oft unter einem inneren Zwange, wenn sie unter der Einwirkung großer äußerer Eindrücke das Erlebte niederschreiden Hätte es schon im Jahre 1780 auf dem Kickelhahn im Thüringer Wald ein Fremdenbuch gegeben. Goethe hätte es sicherlich vovgezogen. fein unsterbliche« Gedicht: _ lieber allen Gipfeln ist Ruh..." in dies Buch und nicht auf die Wand deS DretterhäuSchens als Mahnung für den einsamen Wanderer zu schreiben Uno das Originalmanuskript wäre auch nicht neunzig Jahre später durch Feuer zerstört worden Denn auch von einem wohlbehüteten Fremdenbuch beißt es: .Was man schwarz auf weih besitzt, kann man getrost nach Haufe tragen."
In diesem Sinne hat es Karlsbad besser mit Goethe getroffen, dessen sieben Gedichte aus .da« vxÄbewachsene Tal, das so mancher Fremde segnet, weil mit heilsam heißer Schale die Genesung ihm begegnet und ihm frisches Leben schafft." im Original erhalten sind. Unb auch, was der berühmten Stadt an der Tepl der unlängst verstorbene Ma? Vorbau ins Fremdenbuch schrieb, bewahrt sie getreulich auf. Doller Begeisterung bekannte er nämlich:
-Man hat es immer als das höchste Raffinement der chinesischen Küche bezeichnet, daß sie in glühendheißem Blätterteig gebackenes Eis kennt, bei dessen Genuß man sich zugleich den Daumen verbrennt und die Zunge köstlich kühlt. Ich hatte eine verwandte Empfindung, wenn ich auf den Waldwegen über dem Tepttal stand. Bon unten tönt Musik herauf, über meinem Kopfe rauschen die Äronen alter Baumriesen und üben die Vögel der Wildnis ihren Wettgesang. Zu
meinen Füßen liegt heißcttmend die Wettstadt kleinen Formats. Eine Viertelwendung, und der Blick umspannt nicht« al« Laub und Dickicht. Himmelsbläue und weiße Wolkenflocken."
Da« schlesische Bad Reinerz darf sich rühmen. eine Einzeichnung HufelandS, des Anfang vorigen Jahrhundert« berühmten und voll«- tümlichen Berliner Arzte«, zu besitzen. Sie lautet:
.Durch die drei größeren Agenzien Luft, Mineralwasser und Wollen ist Reinerz ein Luftkurort einzig in seiner Art und von ganz vorzüglichem Wert."
Der auf Reisen befindliche Dichter ist meist be« .trocknen Tones satt", darum laufen seine Fremdenbuch-Eintragungen fast stets in BegeisterungS- hymnen aus. So schreibt Herbert Eulenberg über das ehemals fürsttiche Bad Pyrmont im Teutoburger Walde:
.Man glaubt auf einer stillen Insel zu leben, auf dem glückseligen Eiland Cythera. zu dem man sich zu Wallteaus unb Mozarts Zeil, da diei'e greifen Bäume, die uns jetzt umfrieden, noch jung und flern waren, gern im Traume ein» zuschiffen pflegte. Ober auf der entrückten 3nfcl Vaduz ober Orplid, von der die romantischen Geister träumten."
Von den Schönheiten des Harz, d« von Heine. Julius Wolfs, dem Sänger des .Wilden Jägers", ©leim. Bürger unb von anderen verherrlicht wurden, weiß auch manche poetische Eintragung zu erzählen. Als der berühmte Asrikareiiende Gerhard Rholss Ende der siebziger Jahre auch ins Bvdetal kam unb über die Iungfembrücke ging, schrieb er voller Enthufia«- mus ins Fremdenbuch des nahegelegenen Hotels:
.Ich habe fast die ganze Welt gesehen. aber einen überwältigenderen Anblick als diesen hier habe ich noch nicht gefunden."
Auch der Anblick der Raturfchönheit an der See drückte manchen Poeten die Jeder zur Verewigung im Gästebuch in die Hand. Karl Strecker schrieb in Sellin auf der Insel Rügen den .Sang von Monchgut": M
.O Meer mit deinem Silberfchilde.
Du klarer unermeff'ner Raum, Du altes Lieblingsspielgefilde Für Menschenseimfucht. Wenschrntraum". und das von .Smfveblcr* Alerander Sttenburg geführte Fremdenbuch der Rügen benachbarten Insel Hiddensee, allwo Gerhart Hauptmann feine .Versunkene Glocke" vollendete, weiß u. a. zu vermelden:
Stabt *cigt mit ihren niedrigen Bergen und ihren sanft nach der See zu auSlausenden Hügel» landschaft die charakteristische Gestaltung des nördlichen RorwegenS. Den besten Einblick in ihr« Schönheiten boten zwei Ausflüge nach Süden zu den beiden Lerfofsen-Dassersälien und nach Westen über die Höhen nach dem etwa 558 Meter hohen Graakallen. Der Graakallen ist d.e höchste Erhebung in der näheren Umgebung Drontheim« Wett schweift von dort der Blick über einen großen Teil de« FjorbeS. über die Täler. Höhen und ostwärts b:6 zu den gewaltigen Bergen der schwedischen Greife, wo an klaren Ta^e über dem Fjeid fre Schneegipsel be« Snehatta unb be« Trolbheimgebirge« zu sehen fmb. Sehenswert waren die Hohen, künstlichen Ski-Sprung- schanzen unb Ausläufe an den sübl.chen oberen Hängen de« Graakallen. Dort finden im Winter die berühmten Ski-Wettbewerbe Rorwegen« statt.
Dis zum 9. Juli früh blieben beid? Schiffe vor Drontheim. Dankbar unb voll sreunbl.cher Erinnerungen verließen ..Schleswig-Holstein" unb ..Hessen" die norwegische KönigSstadt. dem Sogne- sjord entgegen. Für den 10. Juli früh war der Besatzung Eric Durchfahrt durch die Schären des VaagsfjordeS. durch die Engen deS RordfjordeS unb manch anderer schöner und navigatorisch interessanter Stellen in Aussicht gestellt worben. AIS alle« erwartungsvoll und noch srüher. als sonst schon im täglichen Dorddienst üblich, aus Koje ober Hängematte kletterte, arbeitete da« Schiff schwer gegen einen über Rächt aus gekommenen Südweftsturm mit knapp 8 sm Fahrt an. Am Frühnachmittag, gerade zum richtigen Zeitpunkt. wurde e- geller unb die Sonne brach zeitweilig durch, um uns die Ansteuerung des Aspö-FjorbeS zu erleichtern. Don diesem Heinen Schärenfjorb führte und der Rord-Süd verlausende stellenweise nur 300 Meter breite Krak- helle-Sund in den Sogne-Fjord, bad Reiseziel unseres 2. Llbschnittes.
Der Sogne-Fjord ist der längste Fjord Rorwegen«. etwa 185 Kilometer lang mit feinen inneren Verzweigungen und Ausläufern. Er ist fast nirgend« über 2 sm breit, bi« zu 1200 Meter tief und im Fahrwasser unticfenfrei. Die ihn umfassenden Berge nehmen an Höhe nach innen bi« zu 600 bis 1500 Meter zu. ihre Böschungen fallen steil und an vielen Stellen fast senkrecht in« Wasser ab. Die höchsten Gipfel haben bad ganze Jahr Schnee. An der Mündung ist die Landschaft eintönig; die Höhen sind kahl und abgeschlifsen. In der Mitte ändert sich das Landschaftsbild und zeigt großartigen, wenn auch düsteren Charakter. Die Berge, von denen zahllose Wasserfälle unb Dergbäche silbern herab- rauschen. nehmen malerische Formen an, im Sommer sind sie vielfach bis oben mit Grün bewachsen. Kornfelder. Gärten und bunt gemalte Holzhäuser, vor denen meist die lebhaften Farben Rorwegen« von den Flaggenmasten wehen, an den Hängen von Schneeseldem gekrönter Berge geben ein farbenfrohe« Bild. Gan.; anders fiept e« hier au«, al« bei Drontheim unb im Rord- lanb. Immer enger wurde das Fahrwasser zwischen 900 und 1200 Meter hohen Felswänden, die steil in« Wasser abfielen, al« sich die „Hessen" dem südlichen Arme, dem nur V/$ Kilometer breiten Qlurlanbdfiorb zuwandte. Seltener würben die Siebelungen; allenthalben stürzten Wasserfälle die kahlen Hänge herab. Den Raerö-Fjord, der sich beim Vorgebirge Beiteln abzweigt. südwestlich lassend, folgen wir dem oberen AurlanbSfjord, bi« gegen 11.30 Uhr abend« unterhalb bed Haupttores Aurlanb vor. dem Hotel Fretheim. am Ende deS sich toeiten- ben FjorbeS, geankert wurde.
Die nächsten Tage standen in der Hauptsache unter dem Zeichen kleinerer unb größerer Ausflüge, die teils von ben Divisionen unter Führung der Offiziere, teil« in kleineren Gruppen selbständig unternommen wurden. Die meisten Ausflüge führten in bad enge, wildromantische FlaanrStal aufwärts zum KaarbalSwasserfall. unb für die besseren Fußgänger weiter in 16 steilen Kehren hinauf zum 867 Meter hohen Mhrda l. Eine elektrische Eiserckahn ist in diesem Tal in Bau. al« Anschluß an die über Mhrdal gehende
Hauptbahn Rorwegen«. die Dergensbahn. die Bergen mit Oslo verbindet. Mvdtal befindet sich an der technisch und landschaftlich interessantesten Strecke der Bahn, der Hock?ged rg«strecke, die von Voß b;0 Vinte, auf etwa 85 Äiiometcr, 1200 Meter steigt und damit in Finse. mitten in der Schnee- und Dletscherwelt. die höchste Sisen- bahnstanon Europa« erreicht. Zahlreiche Tun- nei unb fast ununterbrochene Holzüberbauten und Sch'irmwände. durch die Im Verein mit große,» rotierenden Schneepflügen der Verkehr im W o ter ermöglicht wird, stören auf der von gc- watt.gen Bergen unb Firnseidern eingefaßten Geb.rgSstrccke vielfach bic Aussicht.
Zu einem der großartigsten Punkte Roru>egens. ncch Stahl he im. 1342 Meter hoch, ging es über Gudvangen m Rärödal-Fjord. trobin ein Boo. d.e Ausflügler brachte. Im licbLdxn. von dunklen, senkrecht aufragenbeix Steilwänden eingefaßten Rärödal. dessen wildrauschender Fluß von unzähligen Wasserfallen gespeist wird, langsam ansteigend, stand man nach etwa 2 Stunden der Stahlhe.mfklev gegenüber, die mit 250 Meter steilem Absturz den Abschluß des Tale« bildet. Aus der von zwei gewaltigen Wasser- sällen flankierten Höhe blickte da« Hotel Stahl- heim herab, da« man in 16 steilen Kehren erreichte Die Aussicht in dos tiefe, dunkle Rärö- tai und auf die rechts unb links gewaltig auf- ragenben. weißlich-grauen Dyenttberge. die in der zwischen Sonnenschein unb Regendnnkel lämpsenben Beleuchtung ein eigentümliches Landschaf tsbi Id ergaben, wird unvergeßlich bleiben.
Am 14. Juli morgen« würbe Anker gelichtet unb Fjärdal t Hotel Mundal). dem letzten Ort der Rorwegenreise. zugedampst. Fast ununterbrochene t Regen unb tiefhängende Wolken verhüllten Berge unb Täler auf dieser Fahrt. Balholm entzog sich saft vollkommen hinter einem Rebelschleier bet Sicht, al« die ..Hessen" sich dort nörblid) in den FjärlandSsord wandte, an dessen Ende Fjärdal, ein kleiner Ort von wenigen Häusern, liegt. Der FjärlandSsjord ist 28 .Kilometer lang. 1 bis 2 Kilometer breit und bietet in seinem nörlichen Teil, in dem Mundal liegt, herrliche Landschaften. Gute Fahrstraßen zu dem Böjums- unb dem Suphelle-Gletscher. die bis tief in« Tal von dem sich vom Rordfjord bi« zum Sogne-Fjord erstreckenden IostedalS-Bre herabkommen. ermöglichten der Besatzung, einen eindrucksvollen Blick in bic Gletscherwelt Rorwe- gen« zu tun. Die letzten beiben Tage ber Reise brachten bessere« Wetter. Don morgen« bi« abend« war alle«, wa« nicht bienstlich an Bord festgehalten würbe, unferweg« und bewunderte die von ber Sonne leuchtenden Schneefirne und bic bläulich schimmernden, zerrissenen Glettcher.
Am 16. Juli abends fand der Aufenthalt ber deutschen Schiffe in Rorwegen sein Ende. Froh der gefundenen Erholung unb Abwechslungen, dankbar für die neugewonnen Eindrücke und Erinnerungen. nicht am wenigsten aber voll stolzer Wiedersehrndfreude auf die schöne deutsche Heimat. strebten wir durch ben nächtlichen Sogne- Fjord dem Atlantischen Ozean unb bem befohlenen Sammelplatz ber Flotte zu. Aus bem Rückmarsch in bic Rordsee brachten Tag- unb Racht- übungen ben wieber vereinigten Seestreitkräften in (trirtnerung, bah bic Fahrt noch Rorwegen eine AuSbildungSreise sein sollte. Ausbildung unb Sicholung sollten gleicherweise den Wieberaufbau ber Reich-marine fötbem. Am 19. Juli mittags würbe ber UebungSverbanb bei Helgoland aufgelöst; bic einzelnen Schiffe unb Fahrzeuge würben in ihre Heimatshäfen entlassen.
Sprechstunden der Redaktion.
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Anzeigenauslräge sind lediglich au die Geschäftsstelle zu richten.
Für unverlangt eingesandke Manuskripte ohne beigefügte« Rückporto wird keine Gewähr übernommen.
Don einem unbekannten Menschenfeind: .Wenn ich so denke, ganz allein Fern von den falschen Leuten.
Dann möcht' ich auch .Einsiedler^ fein, Unb Hiddensee erbeuten",
und Ernst v. Wolzogen:
.Wenn alle« Hoffen dir zerfällt. Ringsum nur Trug und Herzeleid, So flieh' au« dieser lauten Wett In stille Zweisamkeit.
.Ginsiedlett üben sich zumeist
Doch nur im Grillenfangen:
Zur Harmonie kann erst der Deist Im 3 toi eg cf an fl gelangen.“
Ein seltsames Spiel ber Dichterlaune führte Schiller dazu, in das Fremdenbuch ber Wartburg ein — Rätsel einzutragen. Es lautet:
.Das ganze war. solange Menschen lebten. Sin Setnb des Lichts, doch hold der Poesie; So viel cd auch zu unterdrücken strebten. ES wandelte sich oft, doch starb cd nie. In seinen Formen lag der treue Spiegel. Die Bildung und der Sitten aller Zett.
Ja, es entschließt fern mitternächtig Siegel Dir selbst bic Ahnung der Unendlichkeit.^
Die AuflösuT« dnese« Rätsel« ist .Aberglaube". Sv mancher Wartburggaft mag sich darüber, wenn er sich oben auf der Burg eine kleine Muhe gönnte, den Kopf zerbrochen haben
Den größten freiwilligen und unfreiwilligen Humor zeigen die alten Fremdenbücher der Schneeioppe Don den recht urwüchsigen Eintragungen seien einige hierher gesetzt.
.Al« ich anno 1716, beim ich weiß nicht wievielten Tag. auf bic Schneekoppe reifete, so soff ich mich toll und voll, unb hätte dabei bald den Hals gebrochen und dazu all mein Geld verspielt, daß ich mir sogar ein gröschel zum -ehren lehnen muhte, und bie<c« schrieb
Christ. Ludw. Barthold von Drünberg."
.Du Teuffels Rübenzahl, du hast mich nah gemacht! Hat ich nur dieks Ding ein wvhnig vor bedacht. Sv hätte ich dir auch ein ander 2ieb gelungen. Weil ich mir unterwegs das rechts dein Der- sprungen. Ich wünsche dir bic hell und alles Wohlergehen, Daß du in etoigfeit magst betz den teuffcl« stehn.
Dieses hat hierher gesehet &i<*germmb Ruth Schola, in Lieynitz 1727."
Man sieht, die sonst mit Lobliedern auf die Ratur so reich gesegneten Fremdenbücher können mitunter auch zum - beschwer debuch werden. Interessante Dokumente iyrer Zett bleiben sie aber auf alle Fälle.
Oer Film,<£afanoDo*.
Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße bekommt man zur Zeit einen neuen Monumentalfilm zu sehen, der in zwölf großen Akten von Leben, Taten und Meinungen des weiland berühmten Chevaliers von Seingatt handelt, dessen Biographie zu den seltsamsten und romantischsten Dokumenten des 18. Jahrhunderts gehört, und dessen schillerndes, von Anekdoten und Legenden umrahmtes Bild eben in unseren Tagen wieder in den Vordergrund des ltterarischen Inter- esies zu rucken scheint. Dieser töroßjilm „Casanova" ist in der Tat eine sehenswerte, zum Teil bewundernswerte Schöpfung, über bic, als stilreines Filmtunstwerk, nur Gutes gesagt werden kann. Uebrigens müssen Regieauswand und Ausstattung dieses wahrhast großzügig angelegten Werkes ein Vermögen gekostet haben. Das Manuskript von Norbert Falk und Alexander W o l k o s s ist nach den eigengültigen strengen Gesetzen des Films geschrieben, die Regie Wolkosss erzielt mit verschwenderischen Mitteln imposante Wirkungen, ausgesprochen dramatische Spannungen entwickeln sich innerhalb der in romanhafter Fülle sich oufbauenden und ausbreiten- den Szcncnfolge. Das Werk ist mit einer ungemein geschickten und geschmackvollen Technik inszeniert und ausgenommen. Ein Film, der Tempo, Stimmung, Farbe und Leben hat, der Gefühl für den Stil und die Atmosphäre eines weitabliegenden kutturkreises aufbringt und das sprunghaft abrollende Einzel- schicksal im Mittelpunkt der Szencnreihe in die man- nigfachen Beziehungen einer geschichtlich ungeheuer bewegten Zeit ein.;ugliedern weiß. Die Besetzung mit meist unbekannten Schauspielern ist ausgezeichnet; neben Iwan M o s j u k i n, einem brillanten Charakterspieler, der der Gestatt des verschollenen Glücksritters mit großer Einfühlungsgabe Profil und Um- riß gibt, vor allem eine Reihe schöner und regle- mäfcig gut placierter Damen, von denen wir Diana Äarenne, Jenny Iugo und Susanne Blanche 11 i besonders heroorheben. Auch Klein- Rogge (Zar Peter) und Paul G u i d 6 (Orlofs) machen eine gute Figur. — Man sollte sich biejen Film, den wir entschieden empfehlen können, nicht entgehen lasten. —r—•


