Ausgabe 
27.6.1928
 
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Vornan von Edgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig.

41. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Tom Tawlers schauerliches Gelächter rief ihn jäh in die Wirklichkeit zurück. Tr beugte sich zu ihm nieder. Er packte ihn an den Schultern, er rüttelte ihn:

Monn, kommen Sie zu sich", herrschte er ihn an.Ich begreife ja Ihren Schmerz, aber das Un- abänderliche müssen wir tragen. Und es mit Würde zu tragen, ist das Vorrecht des Mannes. Klage und -ah weckt Ihren Bruder nicht auf. Wohl ihm, dah er den Frieden fand. Unser« Pflicht ist es, Hilfe zu holen, damit er wenigstens ein ehrliches Begräb- nie bekommt!"

Aber Cawler wollte die Unglücksstätle nicht ver­lassen. Verstummt und verbissen schüttelte er auf Dick Martins gütiges Drängen nur den Kopf. Da muhte er ihn zurückloffen.

Mit unsäglicher Mühe, immer wieder abgleitend, erklomm er die überhöngende Wand des Kessels, und als er noch einen Blick in die Tiefe warf, sah er Tom Cawler am Ufer sitzen und reglos ins Wasser starren.

Er hotte einen weiten Weg vor sich. Endlich tauchten die Kronen der Parkbäume wieder vor ihm auf. Doch was war das? Der ganze Nacht­himmel war rot gefärbt und jetzt flammte es nicht darüber hin wie zuckende Lohe?

Da steigerte Dick seine Gangart zu raschem Lauf, 'und als die ersten schrillen Rufe der Alarmpfeifen ihn erreichten, rannte er mit keuchender Brust und geöffneten Lippen, durch die zischend sein Atem flinfl.

Auf dem Rasenplatz blieb er geblendet stehen.

Das ganze Herrenhaus stand bis unter den Dach­stuhl in Flammen. Beizende Rauchschwaden trieben gegen sein Gesicht. Es war ein Knacken, ein Krachen, ein Bersten, ein Heulen eingesperrter Flammen und Gase, als hätte sich der Rochen eines ungeheuren Hochofens geöffnet. Fensterscheiben zer­splitterten, Explosionen knallten im Herzen der

qualmenden Hölle, und aus jeder Oeffnung schoflen Feuerzungen hervor.

Die Polizei hatte di« Brandstätte in weitem Um­kreis gesperrt. Der ganze Rasenplatz davor lag in der Purpurhelle der ersten Morgenstunde, und die Lust zitterte wie der Gluthauch der Tropen. Eine seltsame Gestalt rannte mit flatternden grauen Haaren und gerungenen Händen zwischen den Posten hin und her. Es war Havelock. Er hatte einen Ueberzieher über den Schlafanzug geworfen und deutete wie ein Wahnsinniger auf die Fenster über dem Mittelportal, vor denen ein undurch­dringlicher Vorhang von Qualm und Rauch stand. Er packte Inspektor Sneed am Arm, der apathisch seine lange Pfeife rauchte und tatenlos auf das brennende Haus stierte.

«Herr Kapitän! Stehen Sie hier nicht herum, als ob Sie das Schicksal der beiden Damen nichts anginge. Lassen Sie die Eisenstäbe durchfeilen. Ich zahle jedem, der sich in das Zimmer wagt, eine yohe Prämie."

Aber Sneed schüttelte nur ratlos den Kopf.

Da wandte sich Havelock an die Polizisten:

,^)ört Ihr cs, Leute, ich setze für jeden Rettungs­versuch eine Belohnung von fünfhundert Pfund aus!"

Da stand plötzlich Dick neben ihm und legte ihm die Hand auf den Arm.

Ihre Aufregung ist überflüssig", sagte er. Weder Mrs. Lansdown noch ihre Tochter befinden sich im Haufe!"

Nicht im Hause? Was soll das heißen?" stammelte Havelock.

Das soll heißen, daß ich den Ausbmch des Feuers bereits am Nachmittag voraussah und die Damen beizeiten im Auto heimschickte. Das geschah während unseres Abendspazierganges im Park. Sie konnten es also nicht wissen!"

Dick fühtte den Arm des anderen unter seinem Griff zucken, doch er hielt ihn wie in eiserner Klammer.

Sie haben eine üble Stunde in Ihrem Leben aehabt, Mr. Havelock, das war, als Sie Staletti in die Hand fielen. Seitdem sind Sie von Verbrechen zu Verbrechen gestiegen, und mit jedem Abstieg kamen Sie der Hölle näher. Seit meiner Rückkehr fühlten Sie, wie sich die Schlinge um Ihren Hals zuzog, und da gab Ihnen die Verzweiflung ein, die

ganze Koalition Ihrer Gegner zu verbrennen. Aber das Schicksal war gegen Sie, Havelock. Heute nach­mittag habe ich Ihre Naphthalinföfler im Keller entdeckt, und ja konnte ich alle warnen, die von Ihrem teuflischen Vorhaben bedroht waren!"

Havelock war aschfahl geworden. Seine Lippen bewegten sich, aber er konnte kein Wort hervor­bringen.

Da hielt Snced den psychologischen Moment sei­ner Amtshandlung für gekommen. Er nahm die Pfeife aus dem Mund, legte feine Rechte mit leich­tem Nachdruck auf Havelocks Schulter und sagte mit feierlichem Ernst:

Arthur Elwood Havelock! Ich verhafte Sie unter der Anklage der Anstiftung und der Beihilfe zum Morde, des Mordversuchs, der Brandstiftung und der Veruntreuung von Mündelgeldern. Ich warne Sie, daß alles, was Sie nunmehr sagen, als Anklagematerial gegen Sie herangezogen wer- den kann."

Havelock entgegnete nichts. Er schloß die Lider, und noch ehe Sneed ganz geendet hatte, brach er ohnmächtig zusammen.

Er wurde ins Pförtnerhaus getragen und gründ­lich durchsucht. An seinem Halse trug er eine gol­dene Kette, und an dieser Kette hingen zwei Schlüssel von seltsamer Form, doppelt gezahnt und mit merkwürdigen Kerben und Rillen am Bart und an beiden Flächen. Dick nahm sie an sich.

Dann flößte man dem Gefangenen ein Glas Kognak «in, und unter seiner belebenden Wirkung kam er zu sich. Er warf einen verstörten Blick auf seine Umgebung. Sein Auge wanderte weiter und traf Dick. Er sah ihn lange an. Dann richtete er sich auf.

Sie haben sehr schwere Anklagen gegen mich erhoben", sagte er mit unheimlicher Fassung.Darf ich Sie hier und jetzt bitten, dafür den Beweis an- zutreten?"

Dick warf einen Blick auf Sneed und empfing ein unmerklichcs Zeichen der Zustimmung.

Da setzte er sich dem Gefangenen gegenüber.

Sie werden sich vielfach erinnern, daß ich ein­mal erwähnte, Lord Selford habe in Kapstadt dem Einzug des neuen Regierungskommissars beige­wohnt?"

Er machte eine Pause, aber Havelock verneinte weder noch bejahte er die Frage. Er starrte Dick

Martin nur schweigend an. Er hatte die Zähne zu- sammengebiflen, und die brutale Linie seines Sinn* hatte sich noch verschärft.

Nun," fuhr Dick aelaflen fort,dieser winzig« Vorfall wurde mein Glück und Ihr Verderben. Denn auf dem Balkon seines Hotels wurde Lord Selford photographiert. Das Bild gelangte in die Zeitung. Ich erkannt« ihn sofort. Es war ein alter guter Bekannter von mir, ein mehrfach bestrafter Meister der Diebeszunst, es war Tom Cawler!"

Inspektor Sneed entschlüpfte ein leisesAh". Havelock biß sich in die Lippen.

Don diesem Tage an", sagte Dick mit schwerem Emst,habe ich unabhängig von Ihnen nach Lord Selford geforscht. Lasten eie mich einschalten, Mr. Havelock, daß ich Ihre Klugheit bewundere. Um ihren guten Glauben zu beweisen, setzten Sie einen Detektiv auf die angebliche Fährte Ihres früheren Mündels und sorgten dafür, daß er ihn nie zu Gesicht bekam. Sie organisierten mit verblüffendem Geichick eine Reise rund um die Erde. Ich aber hatte das Löschblatt in Buenos Aires gefunden. Cody war kompromittiert, Stalettis Anschlag auf mein Leben mißlungen. Da entschlossen Sie sich zu letzten äußersten Schritten. Cody, der auf eigene Faust im Trüben zu fischen begann» und dem Sie nicht genügend Standhaftigkeit zutrauk^K, war ein lästiger Mitwisser und Exponent Ihrer Verbrechen, er mußte beseitigt werden. Mit ihm seine Frau. Aber auch da machte Ihnen das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Codys Hilferuf erreichte mich noch. Da unternahmen Sie, um Ihre Flucht zu decken, einen Mordanschlag auf Inspektor Sneed und auf mich. Keiner Ihrer Schüsse erreichte fein Ziel, obschon Sie zwei automatische Pistolen gleich- zeitig aofeuerten. Nun blieb Ihnen nur noch ein Weg offen: Beseitigung der Erbin Lord Selford» und des Mannes, der schon zu viel um Ihre Ge­heimnisse wußte ich meine mich! Wär' Ihnen da» aeglücki, so hätten Sie als nächsten Selford ver­schwinden lassen und den Gerichten eine letztwillige Verfügung vorgelegt, die Sie zu feinem Erben ein­gesetzt hätte. Unnötig zu sagen, dah dies Testament in der gleichen Handschrift verfaßt gewesen wäre, wie alle übrigen Briefe Selsords, die mir Vorlagen, nämlich in Ihrer eigenen, Mr. Havelock!"

(Fortsetzung folgt.)

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Donnerstag, 28. Juni, 81/* Uhr, Gewerbehaus

Mitglieder Versammlung

Tagesordnung:

1. Verlauf des Gewerbehauses an die Stadt

Der Vorsitzende.

Wider die Lüge von deutscher Schuld!

Mademische Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge rom veranstaltet von d. Gießener Studentenschaft

am Donnerstag, 28. Juni, 20 Uhr pünttl.

in der Neuen Aula der Universität. (Ls wird Oberst a.O.t Lernhard Schwertfeger aus Hannover sprechen.

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