Ht. 227 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen) Mittwoch, 26. September 1928
Vie Reform des Strafverfahrens. Von Seb. Zustizral Dl. W. DüHermaier, o. Professor der Hechte an der Universität Gießen.
Du: deutsche und die österreichische Strospro»eft- ordnung '.nd ®eM)®iftcr. beide gut ein halbe» Iahrhund.rr alt. Beide sind die letzten Cörolk» einer Reform, die etwa 1848 «infetzte. 3n Deutsch- land hielt man von vornherein die Pro,.Hord- nung für verbefserungsbedürftig. Besonder» laut wurde die Einführung der Berufung auch gegen pi« damals nicht lehr beliebten Fünfmännerftras- kammern gefordert 6o letzt schon gleich nach 1880 eine Flut von Entwürfen ein. 1909 wurde eine ganz neue Prozeftvrdnung entworfen, die raus Finanzgründen!' 1912 scheiterte Ein groh- zügiger Entwurf 1920 wurde leider ziemlich all* gerne.n verworfen. Dann folgten TeUreformen, vor allem die Emmingeriche Notverordnung 1 9 2 4. die alle Straflachen dem Schöffengericht zuwie». damit die Berufung allgemein machte (mit Ausnahme der groben Berbrechen- 'chöfsengerichte. die man falsch Geschworenengerichte nennt!), die den Slnzelrichter lchui. das Strafbefehlsverfahren und die Privatklage erweiterte. und die Damit ein ungeheures .lbfinken der Strafprozesse und «ine weitgehende Ausschaltung der Schössen erzielte. Dann kam noch die Aenderung de» DerfahrenS bet Der Unter» luchungsha't und besonders auch daS Sonder- verfahren gegen Jugendliche
Aber daS ist alle- Stückwerk! Wir müssen «ine Reform an Haupt und Gliedern fordern. Schon deswegen, weil ein neue- sozial gerichtete» Strafrecht ein neues Verfahren braucht. Freilich wird feine Desehesänderung die Der- trouenifrik überwinden, höchstens sur Heber- Windung Helsen : Da» kann nur eine Gcistes- änDerung aller im Staate bewirken! Aber Die Reform muh diese Frage de» Vertrauens deS Volle» in Die Rechtsprechung sich überlegen! — Run hat — wieder einmal — Der Deutsche Iuristentag in Salzburg über die Rcsorm- frage ticsprochen. Gr tut das regdmäftig daim, wenn eine Reformfrage so weit gediehen ist. daft man einen Abschluft wün'chk Wan (oniUe die Frage entweder nur grundsätzlich behandeln, oder in 'technischen Sinzelheiten. die Juristen wählten den zweiten Weg Damit kamen die Grundgedanke» nicht recht scharf betau»; und dock) steckt in den 'Beschlüssen de» IuristentageS sehr viel grundsätzlich Reue«. Dor altem aber u't zu beachten, pah die Grundlage jede- Verfahrens die Gerichtsverfassung ist. Und merkwürdig' über Die waren Die Juristen nicht einig! Für unD gegen Die allen Geschworenengerichte! Darüber soll in zwei Jahren — wieder einmal — verhandelt werden. Hm die Frage deS Einzel- richtet» gehen heute Die Juristen meist etwas still herum. So blieb tatsächlich DaS Fundament noch unsicher. Ich bin kein Freund deS Einzel- richters; aber ich gestehe, Daft ich an eine Wiedereinführung des alten Geschworenengerichts nicht mehr glaube. 3n einer heutigen Demokratie können Juristen und Richtjuristen sehr Wohl an einem Tisch sitzen, beraten, urteilen.
In der Reform sind einige Punkte von grundsätzlicher Bedeutung: einmal öic Stellung der Staatsanwaltschaft. Der Iuristen- tag wollte sie - mit Recht! — nicht vom Justizministerium ablösen; tatsächlich sind heute schon die Staatsanwälte unabhängig; eine Zen- trallcitung aber ist nötig. Die Pflicht der Siaats- nnwaltschaft grundsätzlich überall einzuschreiten i Legalitätsprinzip) soll mit Recht grundsätzlich bleiben; Die Ausnahmen bedürfen sorgfältiger Heberlegung und Formulierung Ich billige daneben die Möglichkeit für Den einzelnen, selbst anzuklagen, wenn es Die Staiktsanwalt schäft ab» lehnt. Gruitdsählich soll auch nur Die Staats- anwaltschast flogen: leider wurde Die maftlose Hebertragung der Klage an Die Privaten, die ich für eine Zerrüttung der Strasrechtspflege
halte, gar nicht erörtert. — Natürlich bedarf jede» Strafverfahren einer Vorbereitung und einet Hauptverbandlung. in der da» Urteil gefällt wird Bisher ist im Vorverfahren noch weitgehend ein Richter al» Untersuchungsrichter tätig: das soll abgefchafft werden, nur der Staatsanwalt bereitet Die Sachen vor. Dah der Iuristentag diesen Gcdanten annahm, ist cm vor zehn Jahren noch ganz undenkbarer Fortschritt!
Der heutige Untersuchungsrichter ist für mich längst eine veraltete Figur Aber viel wichtiger ist. Daft die Rechte de» Befchul- folgten schon im Vorverfahren genau geregelt und geschützt werden. Der Iuristentag kam vielleicht nicht zu voller Klarheit über Dick so unendlich wichtige Frage, aber er suchte ihr doch gerecht zu werden! Und dah bei diesem 'Verfahren endlich die Kriminalpolizei ganz auder» als heute mit der Staatsanwaltschaft zu verbinden ist. daS wurde auch nicht schar! genug betont. —
Der schwierigste Punkt ist der der Gestaltung der Hauptverhandlung. Heute leitet sie der Richter an der Hand der Vorakten; Damit muh er mehr oder weniger voreingenommen sein. Künftig sollen Der Ankläger und fein Gegner wie im Zivilprozeft Den Fall erörtern und Die Beweise vorsühren; da» Gericht hört zu. kann natürlich eingrei'en. wenn es eine Klärung verlangt; aber der Richter bleibt so viel unbefangener. Wir Dürfen aber nicht vergessen, das, für unsere heutige Strafanschauung eine ganz andere psvchologisch vertiefte Aufklärung nötig ist al» sie bisher üblich war; sie kann aber nur im Vorverfahren geschehen, Da» atto eine erhöhte DeDeutung erlangt, in Dem z. B. Die neue leider noch viel zu wenig auSgebUdeie Gerichts- H.Ise tätig ist. In Der Verhandlung aber muh der Angeklagte viel mehr dabei mitwirlen können, dah feine RÄte auf Aufklärung gewahrt werden.
Und fchliehlich kann nur eine ganz sorgfältige Urteilsbegründung Die Güte der Entscheidung gewährleisten. — Endlich stimmte der Iuristentag dafür, dah die Berufung beibehalten werde. Ich Halle Da» nicht für richtig; d>e Sicherung einer guten Entscheidung must in der ersten Instanz liegen! Da» Volk verlangt nicht die Berufung, sondern gerechte, sozial richtige, seelisch veriandliche Entscheidungen!
Wer d -’c Anschauungen und Forderungen b,r Juristen liest, wird glauben, dah Damit doch die groben Refvrmgedanlcn nicht genossen feien. Aber er irrt: in solchen feinen technischen Formen stecken die Gedanken. Die wir heute verwirklichen wollen' Wir wollen eine fozial und psychologisch richtige Beurteilung der Lira fälle, eine möglichst rasche Justiz, eine möglichste Schonung aller Beteiligten, einen vertrauenswerten Richter unD eine an gemessene Beachtung Der Interessen de» Verletzten Da» alle» kommt in vielen technischen Einzelheiten zum Ausdruck. Die Juristen müssen f»ch klarmachen, was da» Volk vom Strafverfahren verlangen darf; unD dann müssen sie eine Einrichtung fchasien. d e ein unendlich verwickelte» Gebilde ist. die mit taufen Derlei Schwächen der Menschen und Der Verhältnisse rechnen muh. die dem einfachsten und Dem venoickeltsten Fall gerecht werden soll, in Der über Geringfügigkeiten und über Leb. re* schickfale entschieben wird Und da muh man sich überlegen, dah eine solche Einrichtung gar nicht ideal fein kann, dah es schliesslich doch auf die Art der Menschen ankommt, die sie handhaben. Das eine aber ist sicher, dah die Juristen Deutschland» und Oesterreichs mit lebhastcr Anteilnahme Daran arbeiten. Da» Strafverfahren gut neiyugcftalten, Der Salzburger Iuristentag hat Da» bewiesen Aber wieweit sind wir doch noch von einer vollen Lösung Der Frage entfernt!
Der Madrider Theaierbrand.
Madrid. 25. Sept. (Gig. Drahtmldg.)
Entsetzen lagert über Madrid! Durch Die Galle Mayor eilen Sanität» kvlonnen und Feuerwehr. Auf Bahren werden verftümmelte Leichen und stöhnende Verwundete g: tragen. Durch Den Torbogen der Plaza Mayor, auf Der einst Die Autodafe». abgehalten wurden und auf Die Die Calle Toledo mündet, ist der Verkehr gesperrt. 'Beraub. Die Toledostrahe hinunter bis zum Rastro. dem Trodelmarlt. auf dem es neben antiken Herrlichkeiten Lumpen und jeden Abfall zu kaufen gibt, sammeln fich die erschreckten Hmwohner. die sluchtartig ihre Häuser verlassen. Da das Feuer auch auf ihre ärmlichen Behausungen herüber- ^greifen droht. Das Theater Rovebades ist zu- sammengebrochen und über Den rauchenden Trümmerhaufen. unter denen noch manche Leichen liegen mögen. Die eS nicht zu bergen gelang, arbeitet noch Die Feuerwehr.
Madrid ist Die Stadt der Gegensätze. Neben Den moDerncn Palästen Der Gran Via und Der Calle Alcalä. neben den herrlichen Strafen an der Castellano und am Retiro. Die jcDer Grohstadi als Schmuck dienen würden, hat Madrid noch halb zerfallene Strahen- züge. Häuser. Die zufammenzubrechen Drohen. unD enge, düstere Gassen, Die aus einer längst vergessenen Zeit zu stammen scheinen. Da» gan»e Stadtviertel uni Die Calle Toledo, an Der das volkstümliche Theater Rovebades lag, gehört zu den ältesten Teilen Madrids. Die sich au» Dein Zeitalter Der Romantik noch nicht in da» 20. Jahrhundert hineinzufügen verstanden haben. Cs liegt zwar ganz nahe dem Zentrum, nicht weit von der Puerto Del Sol, aber der moderne Verkehr hat e» seitab liegen lassen und vergessen Die neuen Straftenzüge. die an Stelle der alten aufgebaut wurden haben diesen Teil des alten Madrid nicht berührt.
So paftte denn auch das Theater Rove- da de» nicht in eine moderne Großstadt. Die elektrischen Leitungen zwischen den vergoldeten Logen und Die hübschgemalten, aber veralteten Vorhänge waren ein AnachroniSmu?. Das Theater mag in Den alten Zeiten feuersicher gewesen sein. alS es noch Äerzenbeleuchtung und keine gcfäbrltd)en Delorationen gab. Zu Der Zeit war eS vielleicht auch nicht notwend'.g. Rotausgänge zu schassen. Cs ist natürlich SchulD Der Stadtverwaltung, dast Da» veralteke Theater nicht schon längst geschloffen und nieDergerissen wurde. Ader man ist in Madrid wenig vorsorglich. unD nur so ist eS zu erklären, dast Die furchtbare Katastrophe, die jetzt in Der ganzen Welt ihren WiDerhall findet, sich ereignen konnte.
Ein Kurzschluft konnte unberechenbare Folgen hoben. Das trockene und morsche Holz der Bühne und Der Logen. Die Vorhänge und Dekorationen muhten wie Zunder aufflanimcn nnb DaS Publikum - es waren 3300 Zufchauer im Saal — konnte in der Dunkelheit in Der Panik unter dem fahlen Leuchten der auSbrechen- den Flammen keinen Ausweg finden. Cs ist in Den volkstümlichen Theatern Spanien» Sitte. Die kleinen Kinder, ja selbst Säuglinge, mit in Die Vorstellungen zu nehmen, und gerade Die Anwcf.nheit der Kinder und Der entsetz en Mutier lieh die Katastrophe noch furchtbarer tn?rDei, alS fic es an sich schon war. Man spricht von 300 Toten und von zahlreichen ‘BertounDcten. Die Zahlen müssen ungenau fein, da noch nicht alle Leichen unter Den Trümmern geborgen ItnD. unD da es gerade unter den ärmeren Schichten schwer ist, eine genaue Statistik aufzustellen Der Brand im Theater Rovedade» Wird für Madrid eine Warnung sein, auch die übrigen zahlreichen Theater der Hauptstadt, in denen es zum Teil gleichfalls an Vorfichtsmasiregeln mangelt, einer genauen Prüfung zu unterziehen.
Heimat.
Äou Hermann Hesse.
Zwischen Bremen und Neapel, zwischen Wien und Singapore habe ich manche hübsche Stadt gesehen, Städte am Meer und Städte hoch auf Tkrgen, und au» manchem Brunnen habe ich al» Pilger einen Trunk getan, au» dem mir später das sähe Gift de» Heimweh» wurde.
Die schönste Stadt aber von allen. Die ich leime, ist Calw an Der Nagold, ein kleines, alte» fchwä- dische» Schwarzwaldstädlchen.
Denn ich jetzt etwa wieder einmal nach Calw komme (es ist freilich feit manchen Jahren nicht mehr geschehen). Dann gehe ich langsam vom Bahnhof hinabwäri». an Der katholischen Kirche, am Adler und am Waldhorn vorbei und durch die Bischofstrahe an der Nagold hin bi» zum Weinst eg oder auch bis zum Brühl, Dann über den Fluh und durch die untere Ledergasse, durch eine der stellen Seitengassen Aum Marktplatz hinauf, unter der Halle De» Rathauses durch, an Den zwei riesigen alten Brunnen vorder, tue auch einen Blick hinauf gegen Die alten Gebäude Der Lateinschule, höre im Garten de» St armen- wirte» Die Hühner gackern, wende nncd wieder abwärts, am Hirschen unD Röhle vorüber, und bleibe Dann lang auf der alten Brudc fiebert C» ist die schönste Brücke der Welt. Hnd dies ist wir Der liebste Platz im Städtchen: Der Dom- platz in Florenz ist mir nichts Dagegen.
□Benn ich nun von der schonen Iteuicrncn Brücke aus Dem Fluh nachblicke, hinab unD hinauf. Dann sehe ich Häuser, von Denen ich nicht weih, wer m ihnen wohnt. Hnd iperm a’-i» etnan Der Häuser ein Mische» Mädchen blickt i die rö in (Salto stets gegeben hat). Dann weih ich utcht, wie sie heiht. , , „
Aber vor Dreißig Jahren. Da sah hinter allen Diesen vielen Fenstern kein Mädchen unD ton Mann, keine alte Frau, kein Hund und ktne Katze. Die ich nicht genau gekannt härt -lebet Die Brücke lief fein Wagen und trabte rem Gaul, von Dem ich nicht wußte, wem er UnD so kannte ich alle». Die vielen öd ul buben nnb ihre Spiele und Spottnamen, die Bäckerladen und ihre Ware, die Metzger und ihre Hunde. Die Bäume und Die QHaifäfer und Vögel Darauf, Die Stachelbeersorten in den Gärten.
Daher kommt e». dah die Stadt Calw diele merkwürdige Schönheit hat. Zu beschreiben brauche ich sie nicht; das steht fast m allen Büchern, Die ich geschrieben habe. Ich hätte sie nicht zu schrei- den brauchen, wenn ich in Diesen, schönen Calw fttzengeblicben wäre. Da» war mir nicht bestimmt.
Aber wenn ich jetzt (toie es bis zum Kriege alle paar Jahve einmal geschah) wieder eine Viertelstunde auf Der Bruckenbrüstung sitze, über die ich al» Knabe tausendmal meine Angelschnur hinabhängen hatte. Dann fühle ich tief und nnt einer wunderlichen Ergriffenheit, wie schön und merkwürdig diese» Erlebnis für mich war. einmal eine Heimat gehabt zu haben! Einmal an einem fieinen Ort Der Erde olle Häuser unD ihre Fenster unD alle Leute Dahinter gekannt zu haben! Einmal an einem bestimmten Ort dieser Erde gebunden gewesen zu fein, wie Der Baum mit Wurzeln unD Leben an seinen Ort gebun- Den ist. ..
Wenn ich ein Baum wäre, stunde ich noch heute Dort. So aber kann ich nicht wünschen, das Gewesene zu erneuern. Man kann, wenn man sich an Die Kälte Der Welt gewöhnt hat, nicht wieder Heimat haben. Man kann, wenn man ein Tlann geworden ist. nicht wieder ein Kind sein. Ich tue Dies alles in meinen Träumen und Dichten zuweilen. ohne es in der Wirklichkeit tun zu wollew
Ietzt habe ich hie unD Da eine Rächt Heimweh nach (Salto. Das ist nicht schlimm. Da» ist sogar sehr schön Wohnte ich aber Dort in meiner einstigen Heimat, so hätte ich jeDe Stunde des Tages und Der Rach! Heimweh nach Der schonen alten Zeit. Die vor dreißig Jahren war. unD Die längst unter Den Bögen Der alten Drücke hinweg- geronnen ift DaS wäre nicht gut Stritte, die man getan hat. und Tode, Die man gestorben ist, soll man nicht bereuen. __
Rian Darf nur zuweilen einen Dick Dortfo-nein tun. durch die Ledergasse schlendern, eine Viertelstunde auf der Brücke stehen, sei es auch nur im Traum. unD auch Da» nicht all zu oft.
Ich versuche es mit Smith.
Don Alfred Corl.
Ich hatte keinen Verdienst und lag schief tote •ein Sechsragefahrer in Der Kurve.
-Bei Dem Versuch mit Adolphus Sm ich au» Pittsburg konnte ich also nur gewinnen. Aus der 3e.:ung erfuhr ich. er sei Drüben der Mann an der Spitze bei irgendeinem Trust und besuchte imkre Stadt zu Studienzwecken.
Natürlich schrieb ich chm nicht und steh mich nicht durch den HotelDortier melden, well ich den Mann durch gijigfeit und Pfiffigk«t überrennen wollte. Seme Zimmernummer verschaffte ich mir durchs Telephon; zehn Minuten später betrat ich nach feLftbewußtem Anklopfen den Salon, j _
Bi ster Z n ch :
Der Halle, aber ich könnte ja warten, meinte da» straffe, biegsame Mädel mit Den bl« Den Den Zähnen unD dem erstaunlich sihenden. fporlS- mäßigen Strickkleid.
Sie gefiel mir ausgezeichnet, und ich glaubte. Smith wäre der richtige Mann für mich, wer sich eine so erfreuliche Sekretärin aussuchte. nmftte menschlichen Regungen zugänglich km.
Meine Sache wäre von ungewöhnlicher Tragweite. crtlärtc ich und lieh mein Mienenspiel Wichtigkeit ausstromen. Ich würde Mr. Smith allo erwarten.
Wenn man es versteht. Die Gegenwart einer Sekretärin mit blitzenden Zähnen aus^unuhen, kann c.nc Wartezeit sehr unter hallend sein.
Ich fragte also zuerst, ob ihr unsere Stadt gefiele.
Bkl hätte sie leider noch nicht zu sehen bekommen. man wäre ja erst zwei Tage hier.
Bei Sekretärinnen soll man sich beliebt machen, eS ist ein empfehlenswerter Hinweg; deshalb bot ich eifrig meine Führer Dienste an.
Es folgte eine eingehende Mustemmg meiner Perfon; dann meinte sie mit entzückender Bereitwilligkeit sie hätte nichts Dagegen.
Ich weih nicht, wie es kam. Dast ich über ihren blitzenden Zähnen plötzlich Adolphus Smich au» PittSbürg vergast. 3cfocnfall» führte ich ei.ie Schwenkung au», lieft Den Hmtoeg links liegen und begann auf gerobern Weg nach einem neuen Ziel zu starten.
Ich bevorzuge e». von Anfang an etn höllische» Tempo rorsukgen. Ich lieft also noch ein haar Redensarten über unsere •rtabt fallen. Dann ging ich bald zu Dem Thema über. Dast gewisse Dmie zwilchen jungen Leuten in Pittsburg kicher nicht anders wären al» bei uns. und da fte Dieser Gesprächsstoff zu fesseln schieii. h-ell ich Die Zeit zum Finish für gekommen, nahm sie in Die Arme und füfttc sie
In diesem Augenblick betrat Adolphus Smith bLs Zimmer. Er füllte Den Türrahmen rech: gut aus und Dcrbrcitoe um sich die Aimo phäre jener Leute, Die überall Die erste Geige spielen. Infolgedessen fah ich mich veranlastt. schleunigst wieder in Richtung auf mein ursprüngliches Ziel an den Ablauf zu gehen. .
.Ich must Sie in einer wichtigen Angelegenheit sprechen, Mr. Smith.'"
..Ich sehe" quetschte er heran». „Bitte." Die Tür zum Nebenraum flog auf.
..Leider habe ich nicht viel Zeil," begann er, aü wir allein waren. „Wir mästen un» also kurz fassen. Sie wollen meine Tochter heiraten? Was hoben Sie unD wer smd Sie?"
Obecheffen.
Oie $tkinfinhcrfd>u(c in Lich.
Lich 24. Sept Bei Der Sinweihung unkrer neuerbauten Kleinkinderfchule gab Bürgcrmethcr Geil, toie am Freit.ig schon be- nchtcr. in feiner Anspruch.' einet Hebcrbhd über Die fast hundertjährige Geschichte Der Klein!inderichule. Aus Dreier Schilberung. Die ein interessante» Stück Licher eimatge- schichte bracht, sei folgcnfo.*» h er triebet gegeben Die Kleinkind, rfchub in Lich war. wie 'o viele» in Lich urfprüngUch eine Stiftung des fürstlichen Haus.» und wurde gegründet von der Fürstin Henriette, geb. Prinzessin zu Benfobeim Der Mutier De» Fürsten Ludwig. Di» Fürstin betrog Die Damals 14jährige Liisa- b c l b Reger, Kuidergürinerin au werde.' Diele eröffnete die Schule am 4 Ottol*r 1834 mit acht Kind.-rn ,n dem Brodt'schen Haufe in der Hüttengasse das brüte von Schudmacher- meifier Fink iKirobnt wird. Die Zahl Der Kinder nach Dem Sianfo her Oltcrn. zw.. bi» Drei Kreuzer wöchentlich. Die in einer Büchse gesammelt, in einer Tabelle verzeichnet und monatlich tm Schlosse abgerechnet murforn. F. aulcin Neger erhielt al» Berg itung 35 Gulden im Jahr, Die Hausmiete für Die Mi et raume im Broht leben Hause betrug jährlich 5b Dulden. Da die xf*ibl der Die Schule b.fuch.nden Kinder immer mehr anwuch», tvurDm bald hie Räume im Brodt schen Haufe zu llrin. Die Stadt Lich baute daher tm Jahre 18M her Äinherldbulc ein eigene» Hau« in her Butzbacher Strafte, das ,etzt verlassene, alle Kleinkinderschulgebäude, ha» für Die Damaligen Verhältnisse mit seinem grosten Dartei ein sehr schöne», 'weckentsprechende-' Heim war. Hier blühte Die Schule immer mehr auf. Die 3obl her KinDer erreichte und überschritt 100. Auch eine groftc Zahl damals in Lich untergebrachter WarfenkinDer besuchte Die Schule. Infolge her grosten Kinderschar reichten die Krälle der ersten Kinderschulsehrerin Frl. Reger nicht mehr aus. Cs wurde ihr Deshalb eine Gehilfin l>e>gegeben Am 6. Juni 1883 starb Fräulein Reger nach Mt 50|äbriger segensreicher Tätigkeit Sehr viele letzt noch lebcndr Licher und ßiebcrinnen find bei dieser ersten verdienten Lehrerin zur Schule gegangen und bewahren ihr noch heute em dankbar c- G:denken. Ihr Bild ist an einem Ähren- platz des groben S lale» Der Schule angebracht. Cin von Dem Fürsten Reinhard zu Solms- Hohenfolms-Lich au» Anloft der Sintoeihung. gefliflek» Bild Der Gründerin. Der Fürstin Henriette, wirD in kürzester Frist ebenfalls an Diesem Chrenplatz angebracht werben. Anstelle von Fräulein Reger kam eine andere Lehrerin, bald Darauf, am 25. März 1884. wurde die erste Dannstädter Diokoniffe, Fräulein M a r- garcte Schmidt, hierher berufen. Die zunächst mit Der Lehrerin Aufammenarbettete. In Dcm- feiben Iohrr, am 1 Oktober 1884. feierte Die Schule ihr 50jährige» Destehen. Die Stadt schenkte ihr hierbei D?n Betrag von 100 Mark. Heber Di< Organisation und Verfassung Der rileinkinderfchule in Der ersten Zeit ihres Be- stehmS sinD Aufzeichnungen nicht vorhanDen. Offenbar ist sie eine Stiftung gewesen, denn sie befaß eigene Kapitalien, hatte eine eigene Kasse unD einen Vorstand Am 22. November 190Z berichtete D:r Vorstand der Kleintinderfchule Bürgermeister- Dormer, Fürstin ö m m a zu Solms-Lich und Dechant Klingelhösfer an Den Gemeinderat Der Stadt, dast die Säle keinen genügenden Raum für die Kinderzadl mehr bntvn und Die ganze Einrichtung nicht mehr Den neuzeitlichen Anforderungen und der Schulhygiene entsprächen. Am 24. Juli 1908 bat Bürgermeister Börm er die Bürgermeisterei Wöllstein um die Pläne Der hort neucr- banten Kleinlinderfchule unD schreibt .Auch wir hier in Lich stehen vor Der (hbauung einer neuen Kleinkinderfchule Die seitherige
Ich war Adolphu» Smrlh aus PittSburg gewachten und überspurtete ihn sofort.
..Das, was Sre au» mir machen werden Ich glaube, e» wird nicht wenig fein. Sie Dürfen es auch glauben, Mr Smrth."
Mit hiefer Antwort hotte ich dos Rennen gewonnen.
..Well. Ich mache meinet Tochter keine Vorschriften. Ich werde fit, fragen"
Mit einem Dreimeierfprung schnitt ich ihm den Weg zur BerbmDungötür ab , Richt mehr nötig. Mr Smith. Sie wirb Ihnen sofort Die Antwort geben."
„Sie Haven nicht getouftt, wer ich bin." meinte Margre Smith, „unD deshalb nehme ich Sie."
Diese Kurzge'chichte schickte ich einem Magazin mit dem Vermerk, sie wäre nach einem eigenen ErfebniS berichtet und ich würde sie vor meiner Abreise nach Pittburg gern veröffentlicht sehen. Sie erfchien in der nächsten Rümmer — natürlich ohne Den Vermerk.
Aber das war alles ein Irrtum. Ich muft ehrlich sein Ganz ehrlich. In Wahrheit hatte sich die Sache wie folgt abgespielt
Ich hatte Die ehrliche Absicht, es mit Adolphus Smith aus Piltsburg zu versuchen, well e» mit Literatur nicht recht gehen wollte.
Das biegsame Mädel mit den blitzenden Zähnen empfing mich im Salon; in Wirflichkeit war sie aber Die Sekretärin, nicht Die Tochter — Ich habe sie nämlich gefragt, well mein Wunsch, ihr unsere Stadt zu «teigen. tatsächlich lehr lebhaft war. Ich glaubte, dah eine Sekretärin mehr Interesse für mein Angebot haben würde
Getühr habe ich sie auch, aber nur einmal unD ziemlich slüchtig, well Die Ohrfeige. Die ich pon tportgewandter HanD bekam, meine Unter- nehmungslust einfrieren lieft.
Was Adolphu» Smllh anoeftt, so betrat er wirklich im gleichen Augenblick da» Zimmer und ich sand muh zwei Sekunden später an Der Wand her Korridor» wieder. GS muhte Smith sehr gegen Den Strich gegangen fein, Daft ich seine Sekretärin tüftle; sonst Härle er vielleicht Daran gedacht. Daft Der Nierenschlag verboten ist.
Trotzdem habe ich mir selbst Den richtigen Tip gegeben, al» ich es mit Adolphu» Smllh aus PittSburg versuchte; von diesem Tage cm ftabe ich heraus, nne man au» eigenen Erlebnissen Kurzgeschichten macht.


