Ausgabe 
26.7.1928
 
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Aus der Provinzialhaupistadt.

Stehen, den 26. 3ult 1928.

jort mit den Superlativen!

Lolche fiortwrunfl tritt) in diHen 5"o«n man lollte ei fawn glauben Th den 6t reinigten Staaten von Slmetifa erhoben. asto in einem Lande. da» mehr als irdes andere in Super- lativen -u schweigen pflegte, ^umal wenn es sich um die ÄennAeübnung amerikanischer Leistun­gen. amerkkan sicher Tugenden ufw handelte, in einem Lande, das sich selbst als eine Art Super­lativ unter den Ländern fühlte Allerdings tft es noch nicht daS ganze Nordamerika, das die Superlative über Bord werfen will, es sind vor­erst nur einige bedeutende U. S 2 -Watenhäu- ler. die sich das Motto Fon mit den Super- lativen! zugelegt haben Aber auch das in schon viel wen bei dem Einfluß. den sie in b«r vxtttrxt- lichkeit Haden S» wär- natürlich verfehlt wollte man annehmen. bah bei diesem an unb für sich recht ane Nennenswerten ^egmnen tut Die y 6 A.-Watenhäufer Gründe der Wahrhtlts- !iebe oder der Ethik ausschlagaebend gewesen irdren. C nein, sie haben vielmehr die nüchterne ddabrung gemach« hab die unerhörtesten De- legenbettafäufc dte .elegantesten Anlage die henfbar niedrigsten' Preise, die .allerhöchsten Preisherabsetzungen auf die Dauer auf bat Pu- Wilum feine Zugkraft mehr ausübten, es viel- mehr mihtraulfd) machten und abstumpfend auf es wirkten. _ _

Da wir in Deutschland »u einem guten Teil gewohnt sind, in allem enb jedem, was von Amerika lammt, ein nachahmenswertes Vorbild erblicken, so wäre es nur lebbdft zu Kgrufv-n, wenn wir uns auch in diesem Falle von Amerika bevmfluifcn liehen und dem blöden, markt­schreierischen Superlativismus. der sich auch bei uns in einer sch,er auf die Nerven fallenden Weise breitmacht. den Krieg edierten, und zwar zunächst im Geschäftsleben Gs wäre recht schön, wenn die alten einsachen Worte wieder 3nhalt unb Geltung bekämen, wenn bie Bezeichnungen einer Ware alsgut und .preiswurdig' in den Augen des Publikums wieder genug des Lobes enthielten, während sie heute als geradezu nichts­sagend erscheinen, sich unter den Superlativen kaum hervorwagen dürfen, ja von ihnen geradezu erdrückt werden.

Aber nicht nur in unserem Geschäfts-, sondern auch im gesamten Privat- und gesellschaftlichen Leben wäre bie Abkehr von den Superlativen und den superlativahnlichen Worten und Rcde- sloskeln zu wünschen. Sie tmirbe auch hier gleich­bedeutend sein mit einer Rückkehr zu grifft er er Einfachheit imb Hhr'.ichse't. Welcher Mißln-auch wird nicht täglich, stündlich getrieben mit den Worten .herrlich' . .wunderbar", .furchtbar ", katastrophal ufw.' Gerade Mr gegenwärtig« Neise- und Uriaubszeit bietet eine Unmasse höchst bezeichnender Beispiele. Die bescheidensten Som- mersrrschen und .Luftkurorte' überbieten sich förmlich in bombastischen Anpreisungen ihrer Reize Was wird da nicht alles alsherrliche Lage als .wunderbarer" Fern- und Ausblick, als prachtvoller' Hochwald, alsköstliches", fand- IchastlichesKleinod", als unvergleichlichePerle uftP. usw. gerühmt! Gewiß, der Superlativ mag bestehen bleiben, wo er berechtigt unb angebracht ist im sehr rieten Fällen kst er es nicht), er verschwinde aber, wo das einfache, imflcftctgcrtc Eigenschaftswort vollauf genügt ober vielleicht sogar noch zuviel sagt. <3t ist überdies sehr wohl denkbar, daß die Abwendung von aufregenden, nervenaufpeitfchenden Superiatrvismu« als Rer- venbemhigungsmiktel wirken könnte, was gerade in unseren Tagen, wo die Nerven sowieso schon den stärksten, unauswrichlick'en Belastungsproben ausgesetzt sind, von wohltätiger Wirkung sein würde.

Deutsche Oorfkircheniagung in Bietzen.

ch Di e h e n , 26. Juli.

Der Deutsche Dorskirchenverdand hatte für Mittwoch und Donners lag seine Mit» glieder unb Freunde zur Haupttagung in unsene Stabt cmfldaben. Recht zahlreich hatten viele Gönner der Einladung Folge geleistet, aus allen Teilen unseres Vaterlandes waren Vertreter der einzelnen Bereinigungen gekommen.

Mn dner Andacht von Pfarrer Mahr. ®leben, über 1 Joh 1,7 wurde gestern Mittwoch nn Restaurant der Liebigs höhe eröffnet Der Vorsitzende der Vereinigung. Probst Kohn aus Mecklenburg, begrüßte im Auftrag des Bor­st an des alle Erschienenen herzlich unb übergab das Dort an Pfarrer Rühl, Reichelsheim, zu einem Vortrag über;D i e Bedeutung der Volkskunde für bie kirchliche Ar­beit". Aach einem grichichtttchen Rückblick über Vrskskur.be deutete er bie Begriffe Wissenschaft- lichc und angewandte Volkskunde. Der Staat hat bre Psticht. feine Führer unb Dvlkserzieher volksknnbsich auszubllden Tiefste Bevdachnrng der BoikSfeete tft nötig zur Erforschung des Volkes. Volkskunde ist eine dringende Notwendig­keit für untere Kirche m Stobt und Land. Auch über die Erhaltung der Trachten und Sitten sprach 'M» der Redner eingefrmb aus. Professor Dr. Koch. 9*-eben, der die Aussprache eröffnete, gab etne scharfe Abgrenzung des Begriffs Volks­kunde nach dem ästhetischen Gedanken und nach der pädagogischen Seite hin. Sin rechter Volks- erzieher must mit dem Volke verbunden fern, er darf nur Bruder des BeEkes sein. Seme Ideale bar* er nicht in den Vordergrund stellen, sondern mich sich persorrlich gänzlich ausschalten. llnincr<ität*t*rt>MfDr Dr 01 ie berg all, Mar­burg sprach sich über bk beiden Fragen aus: ..Was leistet religiöse Volkskunde bet Kirche? und ..Das leistet bet Pfarrer der Volkskunde?. Dr von Lüdke, Göttingen. der geistige Leiter der Zeit­schriftDie Dorfkirche verlangt in unserer Feit Erfüllung des Urchristentums. Universitätsprw- sellor Dr. Eordier, Diesten, sprach von dem guten Deist, der in unserer Theotogk studieren­den Sugenb steckt. Damit auch unsere evange­lische Kirche den Aufgaben der Jugend ge­wachsen ft. fordert: Probst Köhn (Mecklen- burg> Volkskunde in unseren Universitäten und Predigerfeminarien. Meälenburg geht bereits voran auf diesem Gebiet Aach einem Schluß- loott von Pfarrer Bühl. Reichelsheim. wurde in die Mittagspause eingetreten

Olm Rachmittag hielt Obcriobrer Dr. Dietz. Oberlenningen in Württemberg, einen Vortrag über das ThemaGemeinschaf tspflege im sozial gemischten Dorfe'. Er un- terfcheistot zwei Arten von sozial gern richten 'Dor- fern, bie stadtnahen Dörfer unb bie 3nbuftricbör- ser. 3rt Herden must versuch: werden. Gemein- schastsgefühl zu bflegcn. Pfarrer unb Lehrer

Das neue Gesetz über Schußwaffen und Munition.

Durch das ReichSgefetz vom 12. April 1928 über Schusswaffen und Munition ist der Erwerb, der Bell« und bat Tragen ton Schußwaffen neu ge­regelt worden. Sei:her war mastgebend bie Leichsverotkmung über Wasienbesitz vom 13. 3a- nuar 1919 unb Die Heische Okrorbnung baS Hcrbct bes Tragens von Waffen betr. vom 17. Dezember 1918. Aach der Hessischen Verord­nung war her Verkauf und da- Tragen von Stoß- Hieb- oder Dchustwaffen sowie von ORuni- tton verboten, ausgenommen für solche Personen bie Ärafi ihres Amtes ober Berufes zur Füh­rung von Waffen berechtigt finb, sowie für IaA»scheinbesiyer Wer sonst eine Walle obiger Art tragen will, must einen Waffenschein be­sitzen. ber von der Ortspvlizeibehörde ouszu- stellen ist DaS neue AeichSgefeh vom 12. Apml 1928 besaht sich nur mit den Sänkst toasten unb deren Munition. Tamifi) bedarf die grwetbs- mästigc Herstellung von Dchustwaffen und OHuni- tion ber Genehmigung Diese darf nicht von ber Prüfung der Bebürfnisfragc abhängig gemacht werden. Der gewerbsmäßige Handel mit Schuh - Waffen oder Munition bedarf ebenfalls der Ge- nehmiguna Derbsten ist der Handcl mit Schust- waffen oder Munition im Umhcrzrehen. auf Jahrmärkten Schü von festen uftr Dchustwaffen

oder Munition können künftig nur erworben wer­den gegen Aushändigung eines Waffen- ober MunitionSerwerbscheineS. ber auf bie Dauer eines 3ahroS gilt. Eines Waffen- ober Munition-- erwerbfchemes bebürfen nicht bie Behörden bes Reiches, der Länder unb bie Deutsche Reichs- bahngesellfchaft. sowie Gerneinbebehörben. denen ber Erwerb ohne Erwerbschein gestattet worden ist. ferner nicht biejenigen Gewerbetreibenden, die gewerWmästig Schußwasien verkaufen. fosern Ttt sich durch eine behördliche Bescheinigung au8- weisen. Eines Wafsenerwerbscheines beburkn fer­ner nicht bK Inhaber eines Waffotstcheine« Man must alfo unter! leiben 8w i- schen OL a s s e n e r werbf chein unb Waffenschein. Einen Waffenschein müst ha­ben. wer außerhalb feiner Wohnung, feiner De- schästsräume ober feines befriedeten Besitztums eine Schustwaffe führt. Diesen Waffenschein must er bei sich tragen. Der Waffenschein gilt, wenn nichtr anderes darin vermerkt ist. für bas ganze Reichsgebiet. Dr gilt für die Dauer eines 3ah- reS vom 21u6ftcllunfl2taflc ab gerechnet. Wassen- crwerbschcine oder Wassenscheine dürfen nur an Personen ausgestellt werden, gegen beton Zu- hcrläffigfeit keine Bedenken bestehen Dasien- schomc austorbom nur bei Vach weis eines Bo- büTsnisses. An Personen unter 20 3ahren bür­gen keine Scheine verabfolgt Werben. ebenso nicht (in Personen, bie wogen gewisser Delikte norfre- ftr<fftinb Personen, denen ein Waffenerwerb-

frnb dazu berufen, dicfe A«fg rbe zu lösen, aller- bmgS mühten diese in BolrSkmrde ausgebildet werben ;Yn Pfarr- unb Schulhäusern müstten vorbildliche Feiern zu Gemenischattspsicge an- regen. Auch die Pflege guter Rachbarschaft. als Ausdruck chiistlichei RSchstenlrebe. ist geeignet Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Die Erziebun« aut (Aemernschaftspflegc must schon in der Schule beginnen Schnl- imb AltevSkamorabfchaf t sind mich zu pflegen. Als einen Haupifaktor be­trachtet der Redner bie Erhaltung der Demein- schaftsschule auf christlicher Grundlage Dio Kirche must versuchen, allo, auch die abfoits Stehenden, wie der zu vereinigen, Ytc must sich in den Dienst aller stellen und Spannungen unb Dogen fotze ausgleichen Mit einem warmen Ausruf an alle Dorilirchonfiounbe. mitzuholfon an dem grosten OSkrt, fchlos, der Vortragende ferne AuSsüh- rimgcn. Pfarrer Mahr, Diesten, ergänzte den 0*ortrag. namentlich vom dorfkirchlichen Stand­punkt aus. Er will anknüpfen an das noch vor­handene Demoinfchaftsgefühl, namentlich auf kirchlichem Gebiet und denkt dabei, Äonfirmation, avkrosdien st liche Foslfpiele. Kirchen «fern. Demein- Debfätfer, Hoimatmufeen u. bgl. m den Dienst der (Aememschaftspllogo zu stellen. Auch gab er Winke, dem Ausetnandetsallen der ®emcmf<ha'- ton zu begegnen. An der nun folgenden sehr fruchtbaren Aussprache beteiligten sich Dekan Balzer, Dotzh.-im bei OvieSbadon. ferner bas Oberhaupt bei Hessischen Lo7S>e«irche, Prälat D. Dr. Diehl, Darmstadt, D von Lüpke, Göttingen. Dekan Vogel, Bruchrnbiuckon. Pfar­rer Maurer aus Riodethessen. Pfarrer Ä1 & - r e aus ber Altmark, Dekan Gustmann, Ärrchderg-Lollar. Pfarrer Lic. Holtz aus Meck­lenburg und Pfarrer Petri, Hohensolms, ber S?ritvr der borti^en Vollschoch'chule. Kurz nach fi*cn Ubr fand bei erste Tag ber sehr arbeits­reichen Tagung fern Ende

Taten für ^rcttnq, 27.3ü

Sonnenaufgang 4.17 Ut)r, Sonnenuntergang

Uhr. Mondaosgang 15.56 Uhr, Monduntergang 0 Uhr

1830: Beginn ber Pariser Iulirovolution, 1S41: her russische Dichter Michael Lermontow gestorben: 1914: Moviimachuna in Serbien und Monte- negro; 1924: der italienische Musiker Feruccio Dufoni in Berlin gestorben

<»icsrcncr Wochcnmarttprcife.

GS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 180 bis 180. Matre 30 biS 35. Käse (10St.) 60 bt» 140. Wirllng 15 biS 25. W«stkraut 20 bis 25. Rottraut 20 di» 35, gelbe Rüben 18 bi» 25. rote Rüben 15 bis 20. Spinat SO. Rötstkfchkohl 15. Bohnen, grüne 50 bis 60, gelbe 60 bis 70 Erbsen 20 bis 25. Mifchgemüfe 20. Tomaten 20 bi» 80. Zwiebeln 17 bis 20. Rhabarber 10 Vis 15. Pifffk 40 Kartoffeln 6 bis S Birnen 30. Kirschen 25 bis 55. Heidelbeeren 60. Stachelbeeren 25 bis SO, 3obanntflbceren 30 dis 40. Himbeeren 70 biS 60. Honig 40. junge Hähne 100 bis 120 Suppen­hühner 100 bi» 120 Ps. das Pfund Eier 13 bis 14. Blumenkohl 10 dis SO. Salat 10 bis 15. Salatgurken 20 bis 40. Eirrmachgurken 6 bis 12. e-nfriricn 10 biS 20. Ober-Äoblradi S 10. Rettich 5 bis 15 Pf. bat Stück: Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Lichtipielbaus, Bahnhofstraße.Casanova". 2.sio- ria-Lichtspiele:Düchie urb Lasio". 5. unb 6. Teil.

" Vorsicht! Alles Silbergcld. Die 'Versuche, altes Silberpefb, daS bestmntlich keinen dem heutigen Silbergeld gleichwertigen Kurs- wen besitzt, an Dumme lc»s zuwerben wollen nicht aufhören. Namentlich bei Viehmärkten im Odenwald war es wiederholt rorgefommen. daß

schein oder Wästenschein nicht ausgestellt wer­den darf, sind auch zum Belitz von Schustwaffen oder TIunHion nicht berechtigt Personen du zum Besitze van Schuhwaffen nicht berechtigt Imb. haben bie in ihrem Betih befindlichen Schuh­waffen und Munition unverzüglich der zuständi­gen Behörde m Verwahrung zu geben Die Be­hörde kann ausnahmswelle den weiteren Bekrtz der Dosten gegen icderzcitiaen Widerruf ge- statten, wenn die Gewähr besteht, dah kein un- guläffiger Gebrauch gemacht wird Eines Wasfen- erwert^cheines oder Waffeufcheines bedürfen nicht die Hoereoangehöriaen. die Polizei- und Zoll- bcaTTTTcn Beenme oder Angestellte, denen bas Recht zur Ä'ibrung von Schustwoffen bei bestimm­te,i Anlässen verliehen ist oder gesetzlich zusteht. Der Aohrestagdscheln eines deutschen Landes be­rechtigt ,m flefoTTTT-rr. Reichsgebiete während der Dauer keiner Gültigkeit den Fsthaber zum Er­werb von Iagdwassen nebst Munition. Verboten ist b»e Herstellung sogenannter W.lbdiebsgewehre. ebenso deren 'Besitz und daS Führen derselben, b. b- solcher Schustwasfen. bie zum sofortigen Zerlegen über den üblichen ilmTang hinaus be­sonders ein gerichtet, oder in Stöcken, Schirmen. Röhren usw verborgen sind. Das G<fev enthalt verhältn'smähig strenge Strasbefiimmunaen bei Zuwiderhandlungen gegen feine Vorschriften So wird z. B. mit Gefängnis biS zu brei Zähren unb mit Delbstrafe oder mit einer biefet Stra­fen bestraft, wer der Bestimmung des Gesetzes zuwider Schuhwassen. Munition erunrht. seilhäll oder führt Die zur näheren Durchführung des Gesetzes erforderlichen Dorschristen erlabt die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrot». Daz> Gesetz tritt am 1 Oktober 1928 in Kraft. Die aus Grund der scicherigen landesrechllichen Bestimmungen ausgestellten Bescheinigungen \mn Erwerb ober zur Führung von Schuhwassen verlieren mit Ausnahnre ber Zagdfcheme spä­testens 6 Monate noch hem Inkrafttreten deS Gelehes ihre <8ültigleit.

Der Zweck des neuen Gesetzes geht dahin, den Waffenbesitz und den Daffengebrauch mbalichst einzuschränken, andererseits waren aber aud) bie Interessen der ohnehin schon schwer aeschädigten Wallen Industrie zu bcntdlicfitigen. Ohne Zweifel wäre die beste Kontrolle übet Waffen und Muni­tion erzielt worden, wenn man schon den blosten Belltz von Waffen zur Vermeidung von Mifi- bräuchen von einer polizeilichen Erlaubnis ab­hängig gemocht hätte, was aber unter den ge­gebenen Verhältnisfen nicht durchführbar erschien Dadurch, dost man von der Einführung eines Waffen bei itzscheins im Gesetze abgesehen hat. ist man allerdings zu einer wesentlichen Ab­schwächung des zur Zeit geltenden Rechtszustan­des gekommen.

bei den Geschäften derartiges Fellschgelb gezahlt worden war Jetzt konnte die Polizei einen Händler aus Reuttchhenn und seine Gehilfin, eine Frau aus Käferthal, bei der Verausgabung dieser alten Münzen während des Weinheimer Marktes ertappen und dingfest machen. Bei der Durchsuchung wurden noch grössere Altsilber- beträge im Besitz der beiden sestgestellt.

Drei schwere Unglückssälle Im Bohnhos ReuhauS ereignete sich gestern ein schwerer llnglückssall. Der 18 Jahre alte Ar­beiter Karl Dietz aus Zell bei Alsfeld wollte den um 4.37 Uhr aus Reubau« bei Hom­berg an bet Ohm fahrenden Güterzug, der auch einen Personenwagen mit sich rührte, zur Heimfahrt benutzen. Er kam aus dem Bahnhof an, als der Zug sich in Bewegung setzte Do der Personenwagen ziemlich weit vorne war. wollte Dietz ein Btemfethauschen eines Güterwagens in der Mitte des Zuges zur Mit­fahrt benutzen. Beim Aufspringen strauchelle er jedoch und geriet unter bie Räber des fahrenden Zuges, dabei wurden ihm der rechte Oberarm unb ber linke Unt« r schenke! abgefahren. Ein von Honibetg a. b. Ohm herbeigerusenet Arzt leistete bie erste Hilfe unb sorgte für bie Einlieferung zur Chirurgischen Klinik in Diesten, wo bet Verunglückte ver­schieb. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr wurde ber Schaffner R« twich im Giehener Bahnhof von einem Zuge angefahren unb an Atm unb Bein schwer verletzt, so dost er sofort in bie Chirurgische Klinik gebracht werden mußte. Der Vetunglüctte ist inzwischen gestorben. In Rodheim a. d. Hvrioss er­eignete sich gestern vormittag gegen 10 Uhr beim Einfahren von Getreide ein schwerer Unglücks- fall. Die Pferde des Landwirts Otto Krv ll scheuten und ftteften mit einem hoch beladenen Erntewagen gegen einen Telegtaphenpsahl. Auf dem Wageii befand sich die 27jährige Paullne Müh I. toffibrenb der LenEer des Gesährts neben dem Wagen ging. Durch bat plötzliche Stoppen de« Wagens wurde das Mädchen vom Wo­gen geschlendert, wooe. es schwere Kopfverletzungen unb einen Bruch des linken Fußes erlitt. Roch Anlegung eines Rotvetbonoes durch einen Atzt wurde dos be­dauernswerte Mädchen der Chirurgsichen Kl.nik in Gießen zugesührt. Wie wir heule morgen erfahren, ist das Befinden der Patienri.n ver­hältnismäßig gut; Lebensgefahr besteht zur Zeit nicht.

" Böswillige Berunre in i guna btt Lahn. Das Pvi.zeiamt tchveibt uns. GS ist festgestellt worben, daß vor einigen Tagen das Sahnwalfer mit einet Oelmaffe derart beschmutzt Worden ist. daß em Baden m der Lahn kaum möglich war. Die Quelle der Verunremiaung konnte noch nicht einwandfrei sestgestellt werden. Fetner ist em enthäutetet Kleintierkadaver an einer seichten Stelle bet Lahn innerhalb bet Stadt Di-ßen vvrgefunden worden. Weitet wer­den von Kbringartnern oft größere Mengen Un­kraut in die Lahn aewotfen Es liegt im 3nter- effe ber Allgemeinheit, baß bidem Unfug ge» ftöng entgegengetreten wirb. Erwun'chi ist es auch daß diejenigen Pedonen, welche eine Ver­unreinigung bet Lahn durch andere wahr­nehmen. bet Polizei Mitteilung machen. Das E nwepfen von Kadavern in Fmkse sowie jede Verunreinigung berfetben ist strafbar Das Po­lizei- und Ferbsthutzperional wirb füt bie Folge auf Ne Bef.inteinigung des Lahnwattets em besonderes 2tugenmm richten.

D i e Staatsangehörigkeit ehem E Ifaß-Lothringer. Rach ber bisherigen Rechtsausiaifunq Haden E.fab-Lo:l7rmger. deren Reichscngehörigkeii rare durch den Besitz der k<fah-lvthringllchen Landescmc^hörigkeit vermit­telt wurde und bk nicht auf Grund des Ver­fallet Vertrage« sraTrzösifche Staatsangehörige

geworden sind bi folge des votergange« bei dfaß-lothrrngisthen Staaisweferw unb de« Aus- dorens der etzafi-lotbr'iigifchen Landesongehöng- feu bk deutsche Reichsanguhörigseii nedocen; 3k sind stoarios geworden, und zwar mit Wir­kung vom 11 Rvvembet 1OT8. da nach Art. 51

1 des Vertrages von Versailles Ellaß- Lvthrrnaeu von btern Zeitpunkt ab unter Ne französische Souveränität zuruckgefallen ist. Die ein Ruiider'.ast des preustitchen Ministers de« Innern mitteür bat kickr die Aufsallung, daß solche Ellaß-Lvrdrmger die deutsche Staats- angekongkeil verloren hoben und staotlo« ge­worden finb. «es: auch bas lieichsgeticht sV. Zivisienat» in feiner Entschridung vom r. Ja­nuar 1928 zu eigen gemach!

w E i n zweiter Ferieufvnberzug nach Berlin, Am 1. August verkehrt ein wei­terer Feriensonberzug von Trier unb Saav- brückei' nach Berlin «Potsdamer Bahnhofs. Der Zug tähtt m Grnsien ab 2101 Uhr Bersin an 6 26 Uhr Zu Ne »cm Zuge werden von brr Fahr^ kartenausgade Giehen ehre beschränkte An zähl Fahrkarten <u«geaebcn Der Fahrpreis betrügt 33,40 Mk. ernschl Rückfahrt Für den Ferkn- londerzug gelten die bekannlgegebeneii Driörkw- tungibdtrmmungen über die Feriensonderzüge

" Verkehr i m Speifewagen Vielfach Reifende unb besonder« bei kürzeren Reifen, bei einer Tasie Kaffee oder sonst einer Klebrigkeit für die ganze Dauer der Fahrt im Speisewagen sest Diese Re>senbev weigern sich häusig, ihre Plätze nach angemesfeiwr Zeit aus Ersuchen de« Speisewagens rlr-nais für ihre Gäste freizumachen. Hierdurch werden andere Reiseube an der Benutzung de« Spevewagen« außerhalb ber Hauptmahlzeiten gehindert, toa« nnrner wieder zu Vefchwerden denttcher und ans- IfrnMAer Resienben Anlasi gibt. Dte beukfche Reichsbahngesellfchast möchte zunächst von ein­schneidenden Maßnahmen zur Beseitigung des MißstanNs abfehen, da anzunehmen ist. das; es bei tatkräftigem Zusammenwirken des Zug- unb Speisewagenpersonais möglich sein Witt», dem Be­streben der Reisenden, den Aufenthalt im Spekfe» wagen ungebührlich aussudehnen entgegenzu­treten. Es wirb ober auch von allen Reifenden erwartet, daß sie hn Speisewagen nur so lange verweilen, wie es zum Berzehren des bestellten Cbeträrrfc* oder ber Speist? erforderlich ist

Reue internationale Fracht- briefformuiare Vom 1 CTtdbcr d I ab Mi den mit dem Inkrasttreten des neuen inter* nationalen Uebereinkornmens über den Orten- bahnsrachrverkehr die zur Zeit gültigen inter­nationalen Fracht brkse nicht mehr verwendet werden; eine AufbraiZchssrist füt diese Fracht­briefe über den 1. Oktober 1928 hinaus kommt keinesfalls in Betracht. Den Verfrachtern wird .niplohlcn, den Vorrat an allen Frochtbr 'fen ent sprech enb zu bemessen.

Das Au-nehmen von Raubvogel- Horsten gilt leider heute noch säst allgemein als nützliche Tat. Es ist leider viel zu nxitte bekannt, daß Ne Mehrzahl unserer Raubvögel rrxxjen ihrer Selbenbeit unter aesedlichen Schutz gestellt werden mußten Dk Zerstörung einer jeden Brut bringt bi.- Art dem An «sterben noch näher Die befannkftvn Raubvogelarten, Mäuse­bussard unb Turmsalke, sind für bie Landwirt­schaft aus^rordentlich nützlich. Sie find deshalb >rnch brirch Gesetz geschützt. Das Ausnehmen ber Jungen ist strafbar. 0>cm5hn!ich verkommen die Jungen, mit denen niemand etwas Rechtes an- Anfängen weiß, oder sie toerben zuletzt halb ver­hungert einem Zoologischen Garten gebracpt wo man über Me zum Cbddxnf ober gar zum Kaus engebotenen Inrrgvögel. bie zu bestinnnten Zeiten in beängstigender Menge erscheinen, nicht sonder­lich erfreut ist.

" Die Maul- unb Klauenseuchc in Hessen. Kastezu VA Monate war Hessen frei von der Maul unb Klauenseuche. Zn ber Bcrichtswoche zum 15. Juli sind jedoch in ber Gemeinde Mzei) zwei Gehöfte von der Seuche frisch befallen worden.

Auftrieb zum heutigen Frankfur­ter Schlacht viehmarkt: Kühe 1, Färsen 1, Kälber 1167, Schafe 66, Schweine 835.

(Gießener Hochschulsport.

Die Faustballspiele um bie Uni- verfitäts-Meislerschast gewann nach harten Endkämpsen Ne kath. Skudentrnverbinbung Rassovia gegen bk kath. ©tubcntenocrNnbung Hasso-Rhenania. Den dritten Platz briegte bie Akad. TarnverbindunaR he ln f r an k e n".

Zu den deutschen Hochschulmeisterfchas- ten im Schwimmen hatte Ne Universität Gießen zwei Teilnehmer gemefbri. Beide waren erfolgreich Für Studenten stud. mcd. Rvthmann wurde Dritter im 200-Meter- Brustschwimmen und ebcnall« Dritter im 100- Mcter-Bratzfchwimmen (129>. Für ©tubentinndt: Frl. stud. mtd. Lotte Brill belegte im 100- Meter-Brustschwimmen den 2. Platz In der guten Zeit 1:47,6.

Berliner Börse.

Berlin, 26. Iüli. (DTB. Funkspruch- 3m heutigen Früh verkehr ist es twttiufig noch sehr ruhig. Kurie Wersten noch nicht aenaimt, si> daß eine Tendenz nicht erkennbar ist. Man ist aber bei den Barmen schon rein bvrientechntsch eher freundlicher .^stemmt, zumal Reu- horf gestern einen ziemlich fester- Verlaus ge­nommen hat unb man von dem heute erichrinen'- den R ei chsbankauSweis eine Anregung erwartet.

Zeitschriften.

.Das Theater <Herausgeber. Arthur Kürichner, Verlag Beriin-Schönedergf bringt m feinem zweiten Juli-Heft eine ungewöhnlich inter­essante Aüfzerchnung der großen Tänzerin Isa­dora Duncan über die Begegnung ber Düse mit bem Theaterrcsormator Gvrdon (Staig. Rubols K Goldschnnt besaßt sich erngehenb mit den Hei­delberger Festspielen unb stellt sest, baß ber Hei- briberger Festspielgebanke nicht etwa nur bie Ab- llcht bedeutet, .hrche Leistungen heutiger beut- fcher Regie- und Schaulpiellunst aus ungewohn­ten Spielstätten in zufällig-schöner Umgebung zur Anschauung zu bringen; sondern er ist au« dem Willen zu Fest unb Spiel in einem ursprüng­licheren Sinn geboren". Auch bie Aufführungen von Wagner-Opern aus der Zoppoter Waldbüync erfahren durch Earl Lange eine verständnisinnige Würdigung. Au» der Reihe der übrigenBei­träge feien die Aufsätze über »Revue unb LPerette in Paris von Hanns Herrsimd. baS Theater in Polen" von Eugen Weller, Darm­stadt von Ma, Strerie. Baden-Baden von Stoerf, und über den Tänzer-Kongreß in Essen, l2lcHan- nes Günther) hervorgehvben. - '/