Ausgabe 
26.4.1928
 
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haben, so führt diese bei der immerhin fernen Verwandtschaft drr Arten and dem Mangel an zuverlässigen Anhaltspunkten zu sehr in das Gebiet gewagter Spekulation, als baß man eine beweisbare Lösung erhoffen dürfte. Vielleicht darf ich aber zum Schluß immerhin eine Möglichkeit andeuten. Eine gemeinsame Ahnenform. die wir mal die .11 r s ch w a l b e" nennen wollen, könnte etwa in Nischen von Lehm- und Gipswänden offene Nester gebaut haben. Die Uferschwalbe hat dann eine extreme Nistweise auSgebildet, indem sie diese, von Natur gegebenen Nischen nach innen verlängerte und zur .Grabschwalbr" wurde. Die Hausschwalbe machte sich mehr und mehr frei von den Vertiefungen in den Erdwän­den. verschloß ihr Nest bis aus einen runden Eingang und ging zum Nisten an steilen Fels­wänden über. Die Rauchschwalbe mag die Nist­weise der von uns hypothetisch angenommenen .Urschwalbe" noch am meisten bewahrt haben, indem sie von oben her eine Deckung für ihr Nest verlangt. daS eine flache Mulde bleibt und als Daumatertal auch Halme u. dgl. enthält. Allen drei Arten bot der Mensch neue Nistplätze; leine Kultur schuf in diesem Fall also einmal vielen Millionen von Vögeln Brutgelegenheiten an Orten, wo die Vögel ohne menschliches 3utun nicht nisten könnten.

Wenn die heutigen Verhältnisse besonders in unseren Städten für die Schwalben ungünstiger geworden sind, so entzieht die Kultur den Vögeln nur wieder Vergünstigungen, die sie ebendiesen Vögeln einst einräumte. An dem Rückgang der Schwalben in den letzten Jahrzehnten sind schuld die Zunahme der Reinlichkeit auf den Strasten, die einen Mangel an Dtststoffen bedingt, die Ab­nahme der Viehhaltung, damit der gute Nist­plätze bietenden Ställe sowie das Seltenerwerden der Insekten, schliehlich die veränderte Bauweife unserer Häufer. Deshalb haben die Schwalben den Höhepunkt ihrer Ausbreitung und Häufigkeit in den Kulturländern wohl hinter sich: ob sie sich aber wieder an natürlichen Nistplätzen, die HauSschwalbe etwa an Felswänden, ansiedcln Werden, läßt sich kaum Voraussagen. Immerhin muh eS Ausgabe der Naturfreunde fein, die Schwalben möglichst zu erhalten und anzusiedeln, damit noch recht lange ihre Wiederkehr unS und unseren Nachsabren den Frühling verkündet unb trotz deS Wechsels der Zeit und der Geschlechter immer daS schlichte Dichterwort gilt:

.Doch die Schwalbe singt im Dorf wie einst .. .!"

Feuer aus der Stiefelsohle.

Don Friedrich Koch'Wawra.

Ich habe .Rauchendes Feuer" vor vier Jahren kcnnengelernt. als er noch kein DlockhauS In der kanadischen Reservation bewohnte, sondrrn im Dickicht des Waldes über drciundzwanzig Fa­milien gebot. Damals war ich ein unheimlicher Gast bei den KodjakS. weil ich Feuer au- der Stiefelsohle schlagen konnte. Als ich von ihnen ging, baten sie mich flehentlich um so ein kleine- Hölzchen. aus dem man Feuer streicht. Ich gab ihnen matches, so viel ich entbehren konnte.

Einige Wochen später fluchten sie auf mich. Ein benachbarter Medizinmann war erschienen, und die Kodjaks wollten »Feuer zaubern". Aber die matches gingen nicht los. weil sie die roten Männer am schwitzenden Körper geborgen und ganze Flüsse mit ihnen durchschwommen hatten.

.Er hat unS betrogen", sagte einer, »hat un- Tinefs gegeben. Die bunten Decken hat er mit­genommen."

Jean de Dussy. ein französischer Globetrotter, kam vorbei und wurde von den Kodjaks auch um .Blinkerchen" angegangen. Als ihn die Kodjaks beim Abschied befragten, antwortete der weihe Franzose:

.ES gibt kein Mittel, die Feuerhölzer auf chre Echtheit zu prüfen. Da- einzige Wittel wäre, sie anzuzünden. Vrennen sie. so lind sie allright."

AlS der Franzose von bannen geritten war, probierten die Kodsaks die geschenkten Hölzer. Eie waren alle gut.

Aber nachher gingen sie doch nicht loS. Auch de Vussy schien ein Betrüger...

In diesem Frühling wurden die KodjakS .kana­dische Regierungsindianer", schworen dem .weihen Vater in London" die Treue und bezogen eine Reservation mit Modell-Einheits-Blockhäusern am Bukon.

Vorige Woche war ich bei ihnen und wollte dem .Rauchenden Feuer" wieder mit Brand auS der Stiefelsohle imponieren.

Da kniff der Hundertjährige die Augen zu­sammen und lieh einen Blick über mich gleiten, in dem eine Welt von Verachtung lag:

.Mein weiher Bruder ist recht klug für sein Alter!"

DaS heiht in der indianischen Verkehrssprache etwa so viel alS: .Bei mir (nach Belieben auSzufüllen)!

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Nr 98 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfens

Donnerstag, 26. April 1928

Sind Sie glücklich und zufrieden ... ?*

Nachdenkliche Betrachtungen stellt In der Küche", der in Frankfurt a. HL erscheinen­den Zeitschrift de- 3niernationalen Ver­bände- der Köche, da- Vorstandsmitglied de- Verbandes, Jean Heid, im Anschluß an einen Vorgang an, den er wie folgt schildert:

3n meiner Brigade habe ich seit etwa vier Monaten einen jungen Engländer, für den ich im Austauschvcc ähren einen Deutschen zu einem mir bekannten Hotelier nach Brad orb, England, pla­cierte. D der Tage belam der junge Engländer vom «naUschen Ar.e lSminister ein Schreiben, da- in deutscher Ueber'etzung lau cl:

3 n Dienste Se.ner Majestät!

Arbeitsministerium. Mon agu House, Whltehall, London S. W 1.

8. März 1928.

Herrn 3ad Walker. S,zelsior-Hotel Köln, Deutschland.

Werter Herr!

Der Herr Arbeit-minister ersucht mich. Ihnen K schreiben und mich zu in ormiecen, ob Sie 3hrer Stellung im Hole! Exzelsior Fori- schrttie machen.

Wie Sie wissen, bekamen Sie diese Stellung xuMge eines Arrangement-, durch da- em deut­scher Staatsangehöriger im Austausch eine Stel­lung In unserem Lande erhielt. Der Grund diese« Austausche« ist. Ihnen Ge.'egenl,eil zu geben, sich Kenntnisse in konrinenta.er Hotel- fuhrung anzueignen, sowie die fremde Sprache zu erlernen. Ls ist zu hoffen, dah durch die Kenntnisse, die Sie dadurch erlernen und er­langen, Ihnen eine Stellung in den besten Ho­tel«, wenn Sie w.eder in 3Hr Heimatland zurück- kehren, olfensteht.

Der Herr Minister würde sich freuen, wenn Sie ihm sobald alS möglich einen Brief zukommen lassen, in dem S e ihm Mit eilung machen, ob Vie In 3hrer Stellung glücklich und zufrieden sind, und ob Ihnen auch jetc Möglichkeit ge­geben wird, sich in 3hrem Berufe zu vervoll­kommnen.

Sin Briefumschlag mit Adresse, sowie ein internationaler Postcoupon, für den Sie bei jeder deutschen Postanstalt Drieima ken be­kommen, beige ügt. 3hr sehr e gebener

F. W. Evan«.

Der junge Wann freute sich über d esen Bries, er war überglücklich, und seine erste Frage war. ob sich unser M.nister auch so um den Deutschen, der für ihn nach England ging, kümmert, was ich ihm natürlich verneinen muhte. Man denke sich nur einmal, der Herr ArbeitSminister fragt nach dem Wohlergehen eine- kleinen KochsI Der Stolz de« 3ungcn auf seine Regierung ist zu verstehen, und wohl auch mit Recht: so erzieht sich Mutter Dritannia ihre Kinder zur Heimat- liebe. Nicht zu un erschätzen ist der moralische Halt, den so ein Schreiben auf einen jungen Menschen au-übt. Welche Arbeitsfreude und Lernbegierde wird gesät, wenn er weih, er ist treu behütet und man sorgt sich um fein Fort­kommen! Wenn er auch noch so weit von zu Saufe weg ist, das gibt dem 3unncn Mut. das nrnal Begonnene auch durchzusühren, wenn er auch noch To viel durchzumachen bat; der Bries hilft ihm durch dick und dünn.

Wie ander- ist e8 bei unS. Der junge Mann, der In die Fremde geht, bekommt se nen Pah. und da« erst, nachdem man ihm möglichst viel Scherereien gemacht hat. Wenn er ihn aus- gehänbigt erhaben hat. ist er für die Behörden erledigt, kein Mensch kümmert sich mehr um den 3ungen. ob eS ihm schlecht ober gut geht, das ist seine Sache. Ich erinnere mich bei dieser Ge­legenheit einer Episode, die mir selbst passiert«. Al- 17jährizer 3ungc war ich in London. 3ch kam im Herbst von der Saison aus Schottland

Geschichte und Schicksal unserer Schwalben.

Don Dr. Werner Sunkel, Marburg.

3n jedem Frühjahr sehen wir mit Vergnügen nach den ersten in die Heimat zurückgekehrten Schwalben, die so eng mit dem Gemütsleben unserer Vorfahren verbunden waren, dah sie al- heilige Tiere galten, wir freuen uns an dem munteren Gezwitscher und den kunstvollen Lehm­nestern der zutraulichen Vögel an und in unseren Gebäuden, au- denen später die niedlichen Köpfe der Jungschwalben hervorlugen. Würden wir die- alle- nicht von Jugend aus zu sehen gewohnt sein, so wäre unser Erstaunen über die geringe Scheu und den engen Anschluh der Vögel an den Menschen und seine Siedlungen sicher groh; aber wir verwundern un« nicht darüber, denken höch­sten«: das war immer sol Und doch ist das enge Deisammcnwohnen von Mensch und Schwal­ben nichts Ursprüngliches; denn der Mensch hat ja nicht immer solche Gebäude errichtet. In denen die Schwalben Nistplätze sanden. Es hat die Frage nach der Entstehung dieser Wohngemeinschaft zwi­schen Men'ch unb Schwalben einen gewissen Reiz, unb um so mehr Berechtigung, als biese Vögel al- Schädlingsbekämpfer eine wirtfchaitliche Rolle spielen, unb ihre Geschichte und ihr Schicksal deshalb neben einer idealen auch eine praktische Bedeutung für uns haben.

ES ist selbstverständlich, dah die Schwalben einst unabhängig von den menschlichen Siedlungen ge­lebt und genistet haben müssen. Wir haben da zunächst zu unterscheiden zwischen der Stall- vder Rauchschwalbe, die innerhalb von Ställen und dergldchen brütet und oben offene Nester baut, unb der außen an den Hauswänden bauenden Mehl- oder Hausschwalbe. Eine dritte heimische Schwalbenart. die Ufer- schwalbe gräbt in steilen Sandwänden lange Röhren, die zur Aufnahme des Nestes dienen; sie ist kein Vogel der menschlichen Siedlungen, wenn auch eine gewisse Abhängigkeit der Art vom Menschen besteht in der Tatsache, dah die meisten Nistplätze der gesellig brütenden Ufer- schwalbe von Menschenhand gescha'fene Erd­böschungen (Sand-, Lehmgruben. Steinbruche) sind. Die älteren Vogelsorscher hielten die beiden anderen Arten, also Haus- unb Rauchschwalbe, für ursprüngliche Felsenvögel, die einst an natür­lichen Steinwänden gebrütet haben sollen. Erst

zurück, wohl etwas spät, io dah die Winter­st ellungcn schon ziemlich besetzt waren unb lomii schwer Stellung zu bekommen war Mein Gehalt in Schottland war 10 Schülmg die Wo^. so dah ich auch keine großen Ersparnisse machen konnte. Nachdem ich nun schon über men Monat ohne Stellung war, und Tag für Tag bei dem Placeur Ho tmann um Stellung Schlange ge­standen hatte, belam ich endlich eine Stelle nach Leicester, aber nach Durchsicht me.net Kapi a.ien sand ich, dah mir ba« Geld nicht zur Reis« reichen würde Da kam ich auf den Gedanken, nach dem deutschen Konsulat zu geheir, um mir das Geld zur Fahrt zu leihen. Gedacht getan! Ich ging hin, wurde von einem Beamten emp­fangen. dem ich me n Anliegen vorbrachie. Nach­dem er mich an^ehört hatte, sagte er. ich möchte zu dem P'arrer der deutschen K.cche gehen, dcr eine Unterstützung-kalse te. So ging ich hin. Auf mein K.ingeln öffnete mir ein Mädchen und fragte mich, was ich wünschte. Weder brachte

ich mein Gesuch vor, da sagte mir da- Mädchen, der HerrjP artet träte jetzt nicht zu sprechen, ich möchte morgen w «derkommen; nun war ich immer noch ohne Ge.d und me;n Zug gmg um 6 Uhr.

Was sollte ich tun? Ich ging zurück zu Herrn Ho fmann unb Halte ihm mein Leid. G r schüttelte den Kops ob u n ' c r c r Xu lanboertretung, giif in lerne Tasche unb gab mir das Geld zur Reise. So wäret, un'ete Konsulate vor 23 Jahren gegenüber den S.aatS- angehörigen im Ausland«. GS mag ja heute Dielte Hl etwa- belfer f« n. a. :t auch he le ist es noch nicht Io. wie eS sein soll. Unsere Regie­rung bürte sich ein Bei Piel nehmen in b .* e: Hinsicht unb sich etwas mehr tun ihr« Landes linder im Auslände kümmern. Man kann nicht umhin, dem englischen QkbeiMminbter und des'en Ministerium ein x..-.- v.: sp< . e so um seine Slaa sangehorigen kümmert, wenn es auch nur ein k e ner Koch ist."

Deutschland und Südamerika.

Don Dr. Otto 25oelih, ehcm. preußischem Stoa «Minister.

Der ehemalige preui i ch: Kultusminister | ist erst kürzlich von einer lang.r.n ©tu- bienrei.e durch 0üb.im<rita zurüügekchrt Sübametila steht heute - vor allem mit seiner Staalengrupoe Argentinien. Bra­silien und Ehilc - im Vordergrund der Weltbe.chtung und des Weltinterefses Die ge­waltige Erschöpfung deS europäischen Kon­tinent- nach dem Kriege lenkt di Augen auf drefe an Reichtümern unerschöpflich n Länder, deren landwirtfchaftlicher Export für die Volks­ernährung und Volkswirtfch.ft Europas von allergrößter Bedeutung ist. And neb.n Europa sind cs die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die schon während deS Kriege- die Weltlage In Südamerika sehr zu ihr.m Vorteil auszunutzen verstanden haben, und nach dem Krieg auch Japan, das vor allem in Brasilien mit besonderer Aktivität auitritr. Die genannten wichtigsten südamerikanischen Länder haben eingelehen. dah nur eine rationelle Aus­nutzung des Bodens und eine rationelle Dieb- toirtI<Mt auf die Dauer die Ausiuhr gewinn- bringend gestalten kenn, und sie gerat n neuer­dings mit ihrem Export Kaffee, Kakao, Ta­bak. Mais. Reis. Weizen, ßeinfaat; Gummi. Ba^nwolle, Früchte, Häute. Felle. Wolle, Ge­frierfleisch, Fleifchextrukt mit AuS,uhrländern anderer Erbteile in scharfe Konkurrenz. Dreierlei ist erforderlich, wenn die Staaten mit ihrem Export auf die Dauer konkurrenzfähig bleiben wollen: eine gesunde Finanzwirtschaft, die vor allem In Argentinien den verschuldeten Land- und Viehbesitz wieder unabhängig und selbständig macht; moderne europätsche Arbeit-methvden, die eine größere Rentabilität der Landwirtschaft und eine bessere Ausnutzung der Dodenprvdukte gewährleisten; und schließlich europäische Siedler als ersolgr.iche Träger deS Gedankens der Intensivierung ihrer Landwirt­schaft.

Das Interesse an den Abc-Staaten Süd­amerikas hat sich aber vor allem In den hoch­entwickelten Industriestaaten der Welt gesteigert, seit Argentinien, Brasilien und Ehile selbst den Weg zu sich langsam entwickelnden In­dustriestaaten genommen haben. Schon seit geraumer Zeit ist zu bemerken, wie die diesen Ländern innewohnenden Kraftquellen Kohle, Del, Wasser zu einer Umstellung von reinen Agrarstaaten zu Staaten mit stärkerer industrieller Betonung drängen. Diese Entwick­lung hat ihren Anfang schon vor dem Kriege genommen und steigerte sich. alS alle drei Staaten während deS Krieges von der Einfuhr indu­strieller Erzeugnisse abgeschnitten waren. Wenn auch mit Wiederaufnahme geordneter Han­delsbeziehungen manche der zu schnell aufge-

schoflenen nationalen Industrien wieder in sich zu,ammensanlen, io ist doch das Bestreben in allen drei Staaten geblieb n. mit Hilf« der­bem Lande innewohnenden Krall eine Eigen- Industrie a uszr bauen Diese ganze Entwick- . lung wird ron den übrigen Industriestaaten au iS sorgfältigste verfolgt Bon der einen S ite versucht min. durch Staatsanleihen und vortcil- tMfte Kapitalanlagen die in diesen Staat.n auf­wärts ftrebente Tendenz zum Industriestaat mit der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung s.st zu verknüpfen und sie in eine starke Abhängigkeit von bet eigenen hochsteh nben Industrie zu bringen. So sind schon die Vereinigten Staaten, deren Kapitalanlage in di.'sen Staa­ten seit der Zeit vor dem Kri ge sich vervier­facht hat man berechnet sie heute mit 20 Milliarden Mark, und England in ei..en scharfen Wettbewerb um die B teiligung an in­dustriellen ilnteincljmungin in Subamc.ika ge­raten. Französisches und belgisches Kapital. daS vor dem Kriege eine grö&'re Rolle in Süd. merika spielte, tritt dem g genüber zurück. Andere St :aten versuchen, aus der Basis des Imports bester QuaIilatCarb.it zu konkurrieren, daneben aber auch durch bi.* Be­reitstellung von hochwertigen Intel i z nzen unb Arbeitskräften sich selbst in diese wirtschaftlich? Entwicklung einzugliedern. Diesen letzten Weg geht daS kapitalschwache Deutschland, dessen Ingenieure. Werkmcist t unb Qualitätsarbeiter in der nationalen Industrie dieser Lander allent­halben zu finden sind.

Deutschland ist so der Weg für die Entwicklung seiner zukünftigen wirtschaftspolitischen Bezie­hungen zu Südamerika vorqezeichnel. Es wird den Ländern landwirtschaftliche Sachverständige benennen können und Siedler und Land­arbeiter stellen, die auS der großen Zahl der Auswanderungskustigen durch Beratungs­stellen hier in der Heimat unb durch Aufnahme­stellen drüben über See nur in solche Gebiete ge­leitet werden sollten, in denen deutsche Land­wirte erfolgreich vorwärts kommen können. DaS bedeutet für alle drei Länder sicher die Möglich­keit der Intensivierung der Landwirtschast und der Verminderung der Produktionskosten, die heute noch überaus hoch sind. DaS braucht für unS nicht immer Verlust an Volk-gut au sein, da ja die Aussicht vorhanden ist, daß oct Deutsche drüben im Anschluß an die dort ansässigen deutschen Siedler nicht nur sein Deutschtum bewahrt, sondern auch alS Förderer des deutschen AuSlandhandels von großer Be­deutung sein kann. So schmerzlich die Tatsache der Auswanderung für uns ist, wir müssen mit I ihr rechnen. Sie ist Deutschlands Schicksal ge- I wesen und wird es bleiben. Haben wir seit dem

Kriege annähernd eine halbe Million Deutscher durch d e Auswanderung verloren, so berührt unS daS tief. Für uns stellt sich die Frage wie können wir die harte Tatsache der Auswanderung in irgenbetner Form frucht­bar machen für unS daheim, für die Deutschen braufvn tn der Wett und für die dcu sch« Wirt­schaftGut gc'eitet« Auswanderung kann lehr wohl zu erheb i en Ausfuhrsteigerungen führen, denn dem Auswanderer, der al« Sied­ler drüben wieder auf Deu fche stößt, folgen meist all die Dinge, die zu seinem täglichen Ge­brauch gehören. E« folgen ihm aber auch, wenn er erst zu einem getoif.cn Wohlstand kommt, Geräte und Mas binen. mit denen der Boden bearbeitet und die Produkte des Bodens gc» br.. ch-sertig gemacht werden. Am rott il- ha!testen kann vielleicht die Lage für deu sche Siedler in S ü d - E d i l c und in den Süd­staaten von Brasilien angesehen werden. Voraussetzung ist al erding«. daß die Auswande­rung unter dem Gesichts, untt einer wirklich Planvollen AuSwant« ung erfolgt.

Sehr v.«' schwieriger ist d e Lage Deutsch­lands. sich im Konkurrenzlam >f mit den Ver­einigten Staaten und mit England aktiv an der Ausgestaltung der wirtschastlichen Entwicklung der b;et Länder zu beteil i -en. Schon haben die Bereiniiten Staaten und Eng­land die Hand auf w« tvollste Rohstof gebiete diele? Länder gefe it. und beide haben sich du ch ihre <Xa llalfli IfigleU ve " Absatzgeb eie >ür mbuflric e Produile gesichert. Die deu sche Au - fuhrmögckcp eit nach cubamec.la w rd durch d e schwierigen wirtschastlichen unb soz alen Verhält­nisse der Heimat empfindlich gehemmt u ib die Tetelligung an Kapitalanlagen, die schon vor dem Kriege leider nicht allzu groß war, ist an etnifen Stellen stark z u s a in m e n g e s u n- ken. wenn freilich auch anderwärts wieder er reu't je nl. tz zu Wei erb Id ngei vorban en sind. Trotz der großen Abhängigkeit der süd- amerifaniU.en Länder von der Union hat die deutsche Qualitätsarbeit, wie man sich in allen Staaten Südamerika- überzeugen kann, ihre An­ziehungskraft nicht verloren, und da- wird auch so bleiben, da ja auch die südamerilanilchen Hauptstaaten Deutschland immer noch als wich­tige« Ausnahme and für ihre Lande- robuftc a.i- fclen. Die deutsche Industrie muh_ mit allen Mitteln txrriud>en, stärker inS Geschält zu kom­men. ES wird ihr ge'ingcn. wenn s e nur auf tadellose Qualität unb auf Anpas­sung an bte Bedürfnisse der Ab­nehmer bedacht ist. wie sie c8 früher immer gewesen ist. Daneben sind die deutschen tech­nischen Jntelligeirzen und deulschen Qualität«- arbeiten von höchstem Wert, die gerade bei dem Ausbau der nationalen Industrie vor allem für die hochste'-ende deutsche Maschineninbustrie toerben. Deutsche Ingenieure sink» heute in der ganzen Welt aruulteffen. Fünf ig Prozent aller im Ausland lebenden deutschen Akademile: sind Jngenirure. Wir mögen schmerz­lich bedauern, daß wir für so viele tüchtige Menschen nicht genügend Arbeit-möglichkeiten tn Deutschland haben. Aber andererseits b e b ü r - f e n wir ihrer draußen in der Welt, wenn wir nicht die Möglichkeit verpassen wollen, un« heute nach dem Kriege wieder selbst in die Welt- wirtschast einzugliedern.

Daten für Freitag, 27. April.

Sonnenaufgang: 4 40 il&r, Sonnenuntergang: 19.16 Uhr. Monbaufgang. 10.52 Uhr, Mond­untergang: 2.33 Uhr.

1521: Fernao be MagalhaeS, erster WeLt- umlcgler, auf den Philippinen geft. (geb. um 1480). 1791: Samuel Finley Droese Morse, Erfinder deS Morse^TelegrapI^en, in Eharle- stown geb. (geft. 1872). 1850: Der General HanS von Beseler in Greifswald geb. (geft. 1921). 1874: Der Prähistoriker Otto Hauser in Wädenswil bei Zürich geb.

die geistvollen Untersuchungen be« Ornithologen Schnurre (.Die Vögel drr deutschen Kultur­landschaft") übet die Im Kulturgelände lebenden Vvgelarten und chre Gewohnheiten haben die Schwalbenfrage erhellt; später habe ich in meiner .Vogelfauna von Hessen" diesen Gegenstand aus­führlicher behandelt und die Theorie über die frühere Nistweisc der Rauch- unb Hausschwalbe ergänzt unb zu einer Einheit abzurunben ver­sucht.

Wa« zunächst die Rauchschwalbe betrifft, so zeigte O. Schnurre, bah sie wohl ursprünglich niöyt an Felsen, sondern in Lehmwänden brütete, wo die natürlichen Nischen geeignete Nistplätze bieten. Al« der Mensch anfing, auS Lehm Hütten zu bauen, mag der Anschluß dieses Vogels an den Herrn der Schöpfung erfolgt fein. Die Vieh­haltung de« Nomaden und die damit zusammen- hängenbe Menge fliegender Kerbtiere begünstigte vielleicht auch die Schwalben, die in den Wänden ber primitiven Lehmhütten deS vorgeschichtlichen Menschen nichts anbere« erblickten als zum Nest­bau geeignete Lehmwänbe. So schloß sich bie Rauchschwalbe wahrscheinlich schon sehr früh bem Menschen an. sie ist vielleicht überhaupt der älteste gefiederte Mitbewohner mensch icher Be­hausungen unb hat unter dem einfachen Hütten­dach schon sein Nest errichtet, al« die ehemaligen Zellenvögel vom Menschen rivch keine pafsenden Niftstätten geboten betamen. Diese Tat'ache hat gewissermaßen ihren geistigen Nieder'chlag ge­sunden in der größeren Volkstümlichkeit, der sich die Rauchschwalbe gegenüber der Mehllchwalbe bei allen Völkern erfreut.

Anders liegen die Verhältnisse bei der HauS» ober Mehlschwalbe. bie als ehemaliger GebirgS- unb Felsenvogel sich bem Menschen erst an­schließen konnte. alS er zum Dau steinerner Ge- bäube überging. Aehnlich wie jetzt noch ber Mauersegler hat bie Hausschwalbe wohl bereinft. vielleicht im bürgen- unb kirchenbauenben Mittel­alter. zunächst bie höheren Türme unb Zinnen beflebelt und ist bann a lmählich .herabgestiegen", so daß wir heute ihre langen Nesterreihen nicht selten gerade unter dem niedrigen Dachgesim« der Bauernhäuser finden.

So schlossen sich gewistermaßen die Rauch- und die Hausschwalbe auf verschiedenen Wegen unb zu verschiedenen Zeiten an uns Menschen an; der Steppenvogel drang in die Ställe und Tor­fahrten ein. während der Felsenvogel an den Außenwänden blieb. So nahe bie Frage auch liegt, wie bie Ni st arten ber Ufer-, Haus- und Rauchschwalbe früher einst zufammengehangen