Ausgabe 
26.3.1928
 
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Nr. 75 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 25. März 1928

Und was er schon längst gewollt hatte, aber immer noch nicht gekonnt, das konnte er heute: er kroch hin- auf bis zu seinen obersten Stöcken. Hei, wie voll die hingen! Soviel hatte er doch nicht erwartet. Wenn das alles reif war, wenn das alles reif war, das gab einen Wein! Er spitzte die Lippen und zog den Atem wie schlürfend.

In wahrhaft kindischer Hast befühlte er die schon goldig schimmernden Trauben, er pflückte eine Beere, er kostete, sie im zahnlosen Munde zerdrückend: schon süß, schon zuckerbergsüß! Er lachte laut, trunken von der Sonne, die ihn hier oben ungehindert mit ihren tanzenden Lichtern umgaukelte. Plötzlich sah er nicht mehr so recht, seine Augen waren geblendet. Und auf einmal begann es sich um ihn zu drehen, es singen die Weinstöcke alle rundum an zu Hüpfen hei, ein lustiger Tanz ihrer waren so viele, sehr viele! Hunderte, Tausende, Hunderttausende, und alle sein, sein! Sein Weinberg, sein Zuckerberg! Ha, daß er ihn fassen könnte mit beiden Händen! Ihn an sich drücken! Ihm wurde schwindlig vor lauter Glück­seligkeit.

Mit beiden Händen griff Jakob Bremm um sich, er krümmte die Finger: sein Weinberg! Weinberg Zuckerberg Himmelreich wie im Himmelreich! In taumelndem Entzücken lallte er und stürzte rücklings.

Simon Bremm im Warmenberg hatte ihn fallen sehen. Nun lasen sie den Gestürzten auf, sie fanden ihn ganz unten im Weinberg, er war arg zerschla­gen. Mitleidige Stöcke hatten ihn zuletzt festgehalten, sonst wäre er ganz hinabgekollert, bis auf die weihe Chaussee, vielleicht gar bis in die blaue Mosel.

*

12. Kapitel.

Der alte Bremm wurde weiter nicht betrauert in Porten. Man ging mit zu seiner Leiche, damit war es aber auch völlig genug: der alte Geizhals, der batte ja nichts lieb gehabt, der hatte keinem Men­schen etwas Gutes getan. Selbst seinen Verwandten nicht: den Bremms hinterließ er gar nichts. Als man den Verunglückten in sein Haus getragen hatte, fand man darin nur ein elendes Bett, einen wurm­stichigen Tisch, ein paar Stühle, deren Strohsttze die Halme heraushängen ließest wie lange Strähnen, und etwas zerorochenes Geschirr.

Im schwarzen Kirchenrock, der schon zwanzig Jahre alt war, den aber Frau Anna mit Sorgfalt erhielt, ging Simon Bremm hinter dem Sarge h r. Sein Ge­sicht war traurig. Er trauerte nicht um den alten Mann wohl dem, daß der tot war! er trauerte um die Zeit und um sich. Ob es jetzt wohl vielen so ging wie dem Alten hier? Man hatte eine Kammer bei dem gefunden, ganz austapeziert mit Scheinen: Millionenscheine, Milliardenscheine, Billionenscheine sie galten alle nichts mehr. Jakob Bremm, der einst in Porten für reich gegolten, war gestorben als armer Mann. Simon Bremm blickte düster vor sich nieder: und er, der Neffe, wie würde es ihm gehen? Würde es auch ihm einst so gehen wie dem Ohm, daß er auf Kosten der Gemeinde begraben werden mußte, einer Gemeinde, die auch arm war? Nichts blieb zurück, nur ein elendes Bett, zerrissene Stühle, ein wurmstichiger Tisch und der Berg, der Wein­berg. Den wollte keiner. Ob die zu Trier das Ver­mächtnis des Jakob Bremm wohl annahmen? Das war noch sehr fraglich. Wenn nicht, dann würde der Zuckerberg verfallen, niemand am Ort hatte Geld und Lust dazu, den zu kaufen. Es gab Weingüter genug, und weit bessere, die jetzt zum Verkauf standen. Er hatte sogar von Leuten gelesen, in der Pfalz, im Rheingau, im Moselland, die ihr Weingut gern ver­schenken wollten, wenn man ihnen nur eine lebens­längliche, bescheidene Rente zahlte. Aber auch dafür hatte sich niemand gefunden. Und auch das alte Moselhaus mußte verfallen wer sollte das noch erhalten?!

Aus, aus!" sagte sich Simon Bremm, versunken in Trostlosigkeit. Er stand am Grabe und horte die Schollen fallen, sie polterten, von der Sonne gedörrt, so hart auf die schmale und niedrige Lade, als ge­dächten sie den da drinnen noch zu erschlagen. Weih­rauchduft wehte, der alte Pastor zwischen den beiden Chorknaben sprach die vorgeschriebenen Worte, nur Simon Bremm stand noch hier. Da fühlte er sich am Aermel gezupft.

Neben Bremm stand Kaspar Dreis. Was ging den jungen Mann der alte Geizhals an, aber den Bremms zuliebe hatte er sich verpflichtet gefühlt, herüberzukommen nach Porten und mit zur Leiche zu gehen. Die beiden Männer hatten sich lange nicht gesehen.

(Fortsetzung folgt.)

Turnen, Sport und Spiel

und durch

auch weiterhin sehr erfolgreich. 3n der3ev

liner Elf war der Zusammenhang

vollständig

hatte.

Handball.

Hekoga

Nachdruck verboten.

23. Fortsetzung.

Schluß der ersten Spielhälfte leicht überlegen. Ein Strafstoß wurde von Langillier zum

am 29. haben.

Durch teiligten

Februar vollzogenen Gründung erteilt die bei der Gründung der Hekoga be- fommunaten Körperschaften ist in der

Lite gotoenen Berge.

Roman von Clara Viebig.

Eophright bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.

Führungstor für Paris eingesandt, diesen Erfolg ermutigt, spielten die Franzosen

brauchsmenge kann z. B. auch daraus erkaimt werden, daß auch der Verbrauch der Frankfurter Gasgef . llsck, a t keine grö ere Zi.ser auf weist. Durch den Hinzutritt weiterer Mitglieder, hauptsäch­lich aber durch den Ausbau und die Verbilligung des Gasversorgung in dem jetzt schon zusammen- geschlosseneri Gebiet wird es möglich sein, die genannte Derbrauchsziffer weiterhin sehr be­trächtlich zu steigern.

Aus der Spielbewegung im Mittelrheinkreis (D. T.)

«= Die Spielbewegung hat auch im Mittel­rheinkreis gute Fortschritte gemacht. Eine stattstische Zusammenstellung des Kreisspielwarts zeigt, daß die Winterspiele im Kreis in der Verichtszeit 1927/28 von insgesamt 923 Mann­schaften gepflegt wurden, die sich tote folgt ver­teilen: Handball 883, Fußball 14, Hockey 26. Davon entfallen auf den Gau Hessen: auf Handball 35, auf Fußball 3, auf Hockey 3 Mann­schaften. Gaumeister im Handball wurde T.° u. Sportv. Butzbach, während die Kreismeisterschast der Turner Tv. Malstatt (Saar) gegen Tv. Vorwärts Langen mit 6:3 gewann. Die Mittel- rheinrneisterschaft der Turnerinnen erwarb Tgrn. Eintracht" Frankfurt a. M. Die Sommer- spiele wurden im Kreis von 1079 Mannschaften betrieben. Obenan steht das alte Turnerspiel Faustball mit 877 Mannschaften, es folgen Schlag­ball mit 115, Schleuderball mit 17, Trommel­ball mit 64, Barlauf mit 5 Mannschaften. 3m Gau Hessen wurde gespielt Faustball von 138 (darunter 12 Turnerinnen-Abteilungen), Schlagball von 6. Darlauf von 4, Trommelball von 3 Mannschaften, Schleuderball von einer Mannschaft. Das bedeutet für die Sommerspiele insgesamt im Gau Hessen eine Zunahme von 17 Mannschaften.

Auf der in Langen stattgehabten Tagung der Gauspielwarte Äes Mittelrheinkreifes wurde ei.n neues Spielsystem eingeführt, indem für die Spiel­zeit 1928/29 eine Kreissonderklasfe für Handball aus der Taufe gehoben wurde. Die Sonderklasse wird aus den diesjährigen Gauver- bandsmeistern bestehen und damit die gleichen Mannschasten vereinigen, die diesmal in zwei Gruppen um den Kreismeistertitel kämpften. Aach Erledigung der Spiele werden die beiden Letzten der Tabellen wieder in ihre Gauverbände zurück- kehren. während die beiden Ersten zu einer Auf- stiegsrunde. an denen sich die Tabellenführer der Gauverbandssonderklassen beteiligen, auffteigen werden. Die neue Kreisklasse wird von folgenden Mannschaften gebildet: Tv. Malstatt, Tv.Vor­wärts" Langen,Eintracht" Wiesbaden, Polizei­sportverein Frankfurt a. M., Tv. Nied, Tv. Koblenz-Mühlheim.

Deutsch - schweizerischer Kunstturnwettkampf.

Am Samstag fanden im Kasino in Bern Kunst- tumwettkämpse zwischen bem Turnverein Gög­gingen 75 bei Augsburg und dem Berner Turn­verein statt. Göggingen siegte im Gesamtergebnis knapp mit 362 Punkten gegen 3593/4 Punkten der Berner.

Westdeutsche Zußball-Meisterschast.

3m WestdeutschenVerbande bestätigte gestern Preußen Krefeld seine gute Form mit einem 3:2 gegen Köln-Sülz, die aber auch wesentliche Formbesserung zeigten. Ebenso bewegt sich die Spielstarke der Kasseler Vereine auf ansteigender Bahn. Das bewiesen wieder die Kasseler Kurhessen mit ihrem 3:1 gegen Hagen 1872 und S.C.03 Kassel mit seinem 3:0 gegen den V. f. R. K ö In. S ch a l k e 0 4 fertigte BorussiaRheinemit 5:1 Toren recht hoch ab. Auch der Duisbur­ger Spielverein gewann fein Treffen gegen Hagen 1911 mit 5:2 Toren.

Aufstiegspiele

im Bezirk Hessen-Hannover.

S. V. 06 Kassel Spiel- und Sportverein Northeim 3: 0.

Kurhessen Marburg Hessen Hersseld 1:0.

3n Marburg sand das zweite Spiel zwischen Kurhessen Marburg und Hessen Hersseld statt. Die Marburger Mannschaft gewann erwartungs­gemäß, allerdings überraschte das Ergebnis von 1:0, da man allgemein mit einem weit höheren Siege Marburgs gerechnet hatte.____________

Krisenunterstühung nach dem 31. März

Die Krisenunterstützung für Arbeitslose bleibt bis auf weiteres zu gelassen. Bezüglich des Personenkreises wird die gegenwärtige Regelung bis zum 14. April verlängert. Alsdann gilt folgendes: Der Perfonenkreis bleibt für Ausgesteuerte grundsätzlich derselbe (Gärtnerei, Metall-, Leder-, Holz-, Bekleidungsindustrie und Angestelltenberufe). Auf diese sechs Berussgrup- pen wird die Krisenunterstühung im Gegensatz zu der bisherigen allgemeinen Zulassung auch für Arbeitslose mit nur 13wöchiger Anwartschaft eingeschränkt. Krisenunterstützte der letzteren Art, die anderen Berufsgruppen angehören, er­halten die Unterstützung für ihre Person aber weiter, bis sie die Höchstdauer erschöpft haben.

Süddeutsche Zußbattmeisterschast.

Runde der Meister: Der Tabellenerste, BahernMünchen, gewann gestern in Saar­brücken gegen den F. V. Saarbrücken mit 4:2 Toren, der Sieg fiel aber doch nicht allzu leicht an die zuletzt vom Glücke begünstigten Gäste. Die größte Aufmerksamkeit wandte sich dem Treffen in Karlsruhe zu, wo der K. F. V. Karlsruhe und Eintracht Frankfurt zusammentrafen. Man hatte den Frankfurtern auf dem schwierigen Gelände nicht allzuviel Aussichten gegeben. Sie rissen jedoch durch über­legenes Spiel bis zur Pause ein 2:0 an sich und vermochten bis Schluß gegen den mächtig anstürmenden Gegner ein verdientes 2:1 ju halten, wodurch sie weiterhin auf dem zweiten Tabellenplätze verbleiben und das Treffen am kommenden Sonntage zwischen Eintracht Frank­furt und Sp. Vgg. Fürth entscheidende Bedeu­tung gewinnt. Die Sp. Vgg. Fürth gewann ebenfalls ihr Spiel gegen Wormatia Worms. 3:1 lautete das Ergebnis für die Fürther, die einen verdienten Sieg buchen konn­ten, während Worms nur durch einen Elfmeter zum Ehrentore kam. Einigermaßen überraschend kam das Ergebnis aus Mannheim, wo der SP. D. Waldhof gegen die Stuttgarter Kickers 2:2 spielen konnte. Allerdings war Stuttgart durch die Verletzung seines Mittel­läufers Niederbacher ziemlich stark benachteiligt.

3nderRundeder Zweiten und Drit- ten, Gruppe Nordwest, war die wich­tigste Begegnung F. S P. V. 0 5 Mainz gegen V. f. L. Neckarau. Die Mainzer gewannen ganz glatt mit 3:1 und gelangten hierdurch wieder auf den 2. Tabellenplatz. Rotweih Frank­furt verschenkte durch schwaches Stürmerspiel und Leichtsinn seines Torwächters mit 1:2 einen sicheren Sieg an Saar 1905 Saarbrücken. Die Frankfurter sind nunmehr auf den vorletzten Platz gelangt, Borussia Neunkirchen er­wies sich gegen den V. f. L. Neu-3senburg als zu schwach und verlor gemäß den Erwar­tungen 2:3 Tore. Die Gruppe Südost hatte nur zwei Kämpfe angesetzt. Der Sport­verein 1860 München, der am vergange­nen Montag Wacker München^ bereits 3:2 ge­schlagen hatte, triumphierte nunmehr auch mit 1:0 Toren über den Deutschen Meister, den 1. F. C. Nürnberg, der sich trotz aller Anstrengungen gegen Spielende in den Verlust der Punkte fügen mußte. Union Böckingen überraschte durch den hohen Sieg von 4:0 Toren über den Sp. El. Freiburg, der noch vor acht Tagen dem 1. F. C. Nürnberg ein Unentschieden abgetrvtzt

Süddeutschland gewinnt beim handballpokalspiel gegen Brandenburg 13:6 (7:4).

Das Endspiel um den deutschen Handball­pokal, das von den Mannschasten Süddeutsch­lands und Brandenburgs ausgetragen wurde, hatte gestern nachmittag eine Zuschauermenge von 7000 Zuschauern in das Darmstädter Sta­dion gelockt. Der Süden konnte das Spiel für sich mit 13:6 (7:4) Toren siegreich gestalten und wurde dadurch Besitzer des Pokals oer D. S. B., des von Hindenburg gestifteten Ehrenpreises und des silbernen Pokals des hessischen Staatspräsi­denten. Das Spiel verlief äußerst fair. Beide Mannschaften setzten bis zum Schluß ihren Ehr­geiz darein, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Den Sieg entschied die durchschlagträstigere süd­deutsche Stürmerreihe und der ganz hervor­ragende Torwächter im süddeutschen Tor Ben­der.

Pans schlägt Berlin 4:1 (1:1).

Die Berliner Städtemannschaft, die am gestri­gen Sonntag im Pariser Stadion Colombes gegen die Pariser Städteelf zum fünften Spiele antrat, mußte unerwarteterweise eine empfind­liche Niederlage hinnehmen. Paris zog mit dem Anstoß sofort vor das Berliner Tor und führte bereits in der ersten Spielminute durch G o u r - don mit 1:0. Nach fünf Minuten fiel durch Sienholz der Ausgleich. Berlin war bis zum

Mittlere Städte und Hekoga.

Der Hessische Amtliche Pressedienst teilt mit: Wegen des Anschlusses an die neu gegründete Hess is che kommunale Gasfernver­sorgung (Hekoga) waren Vertreter der mitt­leren Städte bei dem Herrn Minister des 3nnern zu einer Verhandlung erschie­nen. Es wurde darauf hinaewiesen, daß die wirtschaftlichen Vorteile aus der Gründung dem gesamten zusammengeschlossenen Wirtschaftsge­biete. also seinen großen und mittleren Städten, wie auch den Landgemeinden zugute kommen sollen. Cs wurde weiter bemerkt, daß die He­koga nicht auf den Kreis der Gründungs-Kör­perschaften beschränkt bleiben solle, daß viel­mehr bei der Gründung der Hekoga der Beitritt weiterer öffentlicher (kommunaler) Körperschaf­ten, insbesondere auch der mittleren Städte aus­drücklich vorgesehen und die Möglichkeit hierzu in der Satzung geschaffen wurde. Es wird eine der ersten Aufgaben der Hekoga sein, die Ver­handlungen wegen des Beitritts der mitt­leren Städte sofort zum Abschluß zu brin­gen, nachdem die kommunalen Vertretungen der Gründungskörperschaften ihre Zustimmung zu der

Wo man sich umhörte, moselaus, mofelab, kein reger Verkehr. Als wüchse hier gar kein Wein, so war es beinahe. Einige ganz große Weine, ganz große Namen hielten sich noch, aber sonst war alles gesunken. Keine Preise, keine Nachfrage. Versunkene Herrlichkeiten, so lagen die goldenen Berge, und m den Weindörfern lagerten die Fuder versunkene Herrlichkeiten niemand fragte nach ihnen.

Wollte denn niemand, niemand ihm sein Fuder abkaufen? Mit einem bitteren Gefühl, das einem verzweifelnden nicht ganz fern war, arbeitete Bremm im Wavmenberg. Es war eigentlich zu ver­wundern, daß man noch Lust hatte, zu arbeiten, den Trieb dazu noch verspürte; aber sie arbeiteten alle.

Auch der alte Jakob Bremm arbeitete noch. Ob­gleich es für ihn wohl an der Zett gewesen wäre, zu feiern. Er hatte jetzt öfters Schwindel; der über­kam ihn so plötzlich, daß er dann hinsiel, wenn er sich nicht rasch genug anhalten konnte. Blutleere im Gehirn. Daß die daher kam, weil er es nicht über sich gewann, sein Essen fetter zu schmelzen, sich überhaupt nichts gönnte, besten war er sich klar o was, es würde auch schon so wieder besser werden! Aber daß des Menschen Leben siebzig Jahre währt, und nur, wenn es hoch kommt, achtzig Jahre, und daß es schnell dahinfährt, als flöge es davon, und daß solches niemals anders war noch werden wird, daran dachte er nicht. Ei, siebenzig Jahre sind doch noch gar nichts, fünfundsiebenzig auch noch nichts, er war erst neunundsiebenzig, er hatte es zu den Achtzig noch weit! Und sein Leben war nur Muhe und Arbeit gewesen, es war so köstlich, daß er ewig leben würde. Die Sonne schien, es grünten die Reben, sie verhießen dieses Mal einen vollen Herbst, warum sollte er nicht in seinen Zuckerberg gehen? Pah, das bißchen Schwindel, das machte doch nichts! Er mußte in feinen Berg, was der Doktor auch

.sagte.

"Simon Bremm sah heute vom Warmenberg aus den Greis in den Zuckerberg gehen. Dessen Gehen

war langsam, aber der ging doch. Er würde es kaum so lange machen wie der da, sagte sich der Mann. Der Ohm hatte ja eine Zähigkeit, die war ohnegleichen. Er war wie ein alter Weinstock; der kann nichts mehr tragen, aber man muß alle Kraft anwenden, um ihn herauszureißen und klein zu machen, wenn man ein neues Gesetz anlegen will. Man muh mit der Axt ihn niederhauen. Ja, der Ohm hatte mehr Lebenskraft, der stammte eben aus einer Zeit, in der es doch bester hier war jetzt war es allzu hart. Und wie würde es mit den Kin­dern einst werden? Ob denen auf diesem fei sharten Boden, den Schweiß, wie Blutstropfen ausgepreßt, düngte, ein Leben erwuchs, das leichter war, oder wenigstens erleichtert wurde? Würde man dann mehr auf den schauen, der unabläffig arbeitet, in härtester Fron, und der doch nicht soviel erarbeitet, um leben zu können, der nicht ein­mal das, was er nach so viel Plagen geerntet hat, verkaufen kann? Was nutzte es ihm, daß in diesein Jahr Trauben genug an seinen Stöcken hingen, was nutzte es ihm, wenn seine Fässer sich füllten? Es war ja niemand da, der den Wein austrinken wollte.

In verbitterten Gedanken arbeitete der Mann. Er trug jetzt Jauche. Beschof um Beschof schleppte er hinauf, die stinkende Brühe beschmutzte ihn, ver­spritzte Tropfen mischten sich mit seinem Schweiß und rannen ihm übers Gesicht, er schüttelte sie un­willig ab. Der Weinstock aber schluckte alles mit Wohlgefallen.

Die Sonne neigte sich schon, als Simon Bremm zum erstenmal wieder hinüber sah zum Zuckerberg: wahrhaftig, da war der alte Mann immer noch! Und war der Ohm heute wohl ganz verrückt? Bis zu den allerobersten Stöcken war er geklettert, den Behälter mit der Jauche auf dem Rücken, und stand nun außerhalb der vordersten Reihe der Stöcke, ganz an der Kante der Untermauerung. Die sprang da wett vor, steilab, abgrundtief gings hinunter; ganz klein drunten das weiße Band der Chaussee und die blaue Mosel.

Plötzlich ein Schrei voller Entsetzen. Simon Bremm stieß ihn aus.

Jakob Bremm war heute sehr glücklich in seinem Weinberg gewesen. Er fühlte sich ganz besonders wohl, die Atömveschwerden, unter denen er oft litt, hatte er heute nicht. Die Luft war sehr warm, aber nicht schwer und schwül, "er könnte leichter atmen.

verlorengegangen. Die ^leberlegenheit der Fran­zosen war schließlich so start, daß die Berliner sich lediglich auf die Verteidigung beschränken mußten. Durch die vorzügliche Abwehr von Gehl­haar im Tor und der beiden Verteidiger tarnen die Pariser bis zum Schluß nur noch zu zwei weiteren Toren.

Berlin KottbusBerlin (260 Klm.)

Die erste große deutsche Straßenprüfung sand am gestrigen Sonntag auf der klassischen Rennstrecke BerlinKottbusBerlin statt. Wett über 400 Fah­rer nahmen an dem Rennen teil. Bei den Berufs­fahrern, die eine schlechtere Zeit fuhren als die Amateure, siegte im Endspurt auf der Wannseebabn der Leipziger Rebe vor Richard Huschte, Re- mold, Rudolf Wolke, Brandes und Koch in 8.19:01,4. Bei den Amateuren blieb Stöpe 1 (Berlin) in 8.11:32,1 vor Siegel und Hahn (Leip­zig) Sieger.

bereits ein Versorgungsgebiet zusammenFeschlossen mit einem derzeitigen Gas­verbrauch von etwa 70 bis 80 Millionen Kubik­meter im 3ahre. Die Bedeutung dieser Ver-

Die Präsidenten der Landesarbeitsämter können Abrundungen des Perfonenkreises vornehmen, in gewissem Umfange ungelernte Fabrikarbeiter zur Krisenunterstühung zulasfen und dem Reichs- arbeitSminifter darüber hinaus örtliche Erweite­rungen Vorschlägen, wo ein langanhaltender schwerer Notstand auf dem Arbeitsmarkt besteht. Auf der anderen Seite haben die Präsidenten der Landesarbeitsämter und die Vorsitzenden der Arbeitsämter die Krisenunterstühung für solche Berufe und Bezirke auszuschließen, in denen sie entbehrlich ist. Arbeitnehmern, die das '40. Lebensjahr überschritten haben, kann die Krisenunterftützung in besonderen Härtefällen über die Höchstdauer hinaus bis zu einer Ge­samtdauer von 39 Wochen gewährt werden.

Wirtschaft.

Sie deutsche Zahlungsbilanz des Jahres 1927.

Der bestimmende Posten für das Bild der deutschen Zahlungsbilanz im 3ahre 192 7 im Gegensatz zum vorhergegangenen 3ahre ist, wie inWirtschaft und Statistik" ausgeführt wird, die um 4 Milliarden Mark gestiegene Wareneinfuhr. Obwohl auch die Ausfuhr um 200 Mill. Mark gestiegen ist, ergibt die © i n - fuhrsteigerung eine Folge der gün­stigen 3ndustriekonjunktur und der ungünstigen Ernte im 3nland einen PassivsaIdo der Handelsbilanz von 2,9 Milliarden Mark im Gegensatz zu dem Aktiv­saldo von 0,8 Milliarden Mark im Vorjahre. Eine gesteigerte Passivität toei'en die Posten Repara­tionsleistungen (1,6 Milliarden Mark gegenüber 1,2 Milliarden Mark) und Zinsen (rd. 400 Mill. Mark gegen 200 Mill. Mark) auf. Verstärkt wird der aus diesen Posten sich ergebende Passiv- saldo durch die seststellbaren Kapitalüber­tragungen im Wanderverkehr, ge­schäht auf 70 Mill. Mark, gegen 75 Mill. Mark im Vorjahre. (Kapitalausfuhr durch Auswan­derer und Kapitaleinfuhr durch Einwanderer; nicht berücksichtigt sind hierbei die auch nicht annährend feststellbaren Sendungen der ausge­wanderten Deutschen in die alte Heimat.) Diesen Posten steht aus den Dienstleistungen nur ein Aktivsaldo von rd. 300 Mill. Mark (wie im Vorjahre) gegenüber. Cs bleibt also durch Kapi­talbewegung ein Passivsaldo von 4,6 Milliarden Mark zu decken. Don den Formen, in denen diese Kapitalbewegung sich vollzogen hat, sind nur wenige einer statistischen Erfassung zugänglich, in erster Linie die Aufnahmen langfristiger Anleihen im Auslande und die Bewegung der Gold- und Devisenreserve der Reichsbank. 3m 1. Halbjahr 1927 waren die Er­träge aus Auslandanleihen durch die Kapital­ertragssteuer belastet, und so konnten solche nur in geringem Umfange auf genommen werden; die Reichsbank mußte erhebliche Beträge an Gold und Devisen (rund 900 Mill. Mark) abgebciu Da sie aber im zweiten Halbjahr ihre Gold- und Devisenreserve wieder auffüllen konnte, belief sich der Rückgang im Laufe des ganzen 3ahres nur auf rund 450 Mill. Mark. Der ausgezahlte Be­trag aus der Aufnahme langfristiger Ausland- anleihen stieg durch die großen Anleihen des 2. Halbjahres auf 1290 Mill. Mark (gegenüber 1400 Mill. Mark im Vorjahre).

Rach Berücksichtigung verschiedener unwesent­licher Posten bleibt noch ein Passivsaldo von rund 2,7 OHiHiarben Mark (für die 3ahre 1924 bis 1927 rd. 4,8 Milliarden Mark Passivi­tät), dessen Deckung im einzelnen nicht festzustellen ist. Sie kann erfolgt fein durch kurzfristige Kapi­talbewegung und durch Vermögensübertragung. Es ist anzunehmen, daß ein sehr erheblicher, viel­leicht der größte Betrag auf die Aufnahme kurz­fristiger Verpflichtungen und die Rückziehung kurzfristiger Guthaben entfällt. Der Anteil der Warenkredite an dieser kurzfristigen Ver­schuldung ist vermutlich nicht sehr hoch gewesen. Zwar ergibt die Bewegung der regulären Waren­kredite wahrscheinlich einen Saldo zugunsten Deutschlands, da die Einfuhr und damit die Auf­nahme von Warenkrediten stärker gestiegen ist, als die Ausfuhr und damit die Hingabe von