Ausgabe 
25.9.1928
 
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Nr. 226 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Vienstag, 25. September 1928

V

Oie Forderungen öc* deutschen Handwerks.

Don CS. Geifert (JharloHcnburg.

Die Mrijäbrigc 28 Xagunq M Deutschen Hand- werkt- und Gewerbekannneri^ges in Köln bat mit 2U4t gelt eigene Beachtung in der Oesfentlichkett gesunder' 3n den einzelnen Verhandlungen unb VvNrügen ist die Stellung des deuilchen ^and- Werts yi den wirtschaftlichen und sozialen Fragen mit einer Klarheit zum Ausdruck gekommen, wie he für die schwebenden Probleme und ihre ®nt' ' heidung nur zu begrüben ist. Denn der Haupt­redner der Tagung, der Generalsekretär M Rcichsverbandes des deutschen Handwerks Sr Mensch, in seinen umfangreich.Ausführungen über die Ausgaben des Handwerkerstandes die -Forderung in den Mittelpunkt stellte, das Hand- toerk müsse sich sreimachen vom fatalistischen Sich- lügen m den L'auf der Dinge, so hat er damit cmc crsolgverfprechendc Zielsetzung gegeben .Rnca uiro Revolution haben grobe Teile des gewerblichen Mittelstandes zermürbt und die Inflation hat ,hm die wirtschaftliche Kraft geraubt, der mar- riftischen Flut genügende Abwehr entgcgenzu- letzen. Srft der langsame wirtschaftliche Desun- dungsprozeb der letzte vier Jahre hat im.Hand- werk wieder die Straft erstarken lassest, ftch der Aufgaben des Staates im Rahmen des Bolls- ganzen zu entsinnen. So bekennt sich das Hand­werk heute erneut zu seiner alten Ausgabe, den breiten Kulturgrund zu baden, einen gesunden, produktiven OTittelUanb. der den Nährboden bildet für die Schuht der Geistesarbeiter Rur wenn das Handwerk tat dte Lage kommt wieder fein: Wirtschaftlichen und kulturellen Funktionen zu erfüllen, wird Wohl- stand und Stabilität unterer Entwicklung mdgltch sein, wird Deutschland sein reicht geistiges und wissenschaftliches Leben sorlsehen können. Fehlt die Mittelschicht, so ist die Menae der Akadc- ;ntter, wie sie heute Lebt und arbeitet, für uns incht mehr tragbar. Werkstatt und Fa­milie des deutschen Meisters sind Fak- toten, ohne die wir auch in Zukunft nicht Kultur­volk und Staat sein können. Die Erkenntnis dieser Aufgaben und die Selbstbesinnung darauf sind ein verheißungsvoller Ansang.

Hand in Hand damit gebt die Klärung der Frontstellung un wirtschaftlichen Kampf. Die Köl­ner Verhandlungen haben erneut dir bewußte bürgerliche Einstellung deS Handwerks er­wiesen. eine Einstellung. die sich gegen die immer stärker in Erscheinung tretende Tendenz der De- werkschaften und der sozialistischen Funktionär: richtet, die mit der Sozialisierung nicht nur die Großindustrie, sondern auch den kleinen Gewerbe - betrieb bedrohen Aus dem freien Meister, der seine ganze Lebenskraft, seine Initiative in den Dienst seine» Gewerbes und damit auch seiner Efisten,^ stellt, will übertriebene marristische Dog­matik einen abhängigen Stunden arbeit er machen, dessen Geschick und Wohlergehen nicht Fleiß und Strebsamkeit, sondern Tarif und Lohnkämpfe re­geln. Mit Recht wurde in Köln die Forderung aut einen stärkeren Schutz der freien Wirtschaft und deS freien Gewerbes innerhalb der gesamten WirtschastSpolülkerhoben. Dewitz verlangt der Gewerbestand nicht, daß ihm nach feiner Struktur irgendwelche Sonderrechte ^ugcbilligt werben, aber eine staatliche einheit­liche Winfchaftspvlitik muß doch alle Heber» griffe der öffentlichen Hand aus- schalten, bi: eine die Arbeit fördernde Kon- lurrenz unmöglich macht. Monopolstellungen, wie sie ein beträchtlicher Teil kommunaler Un­ternehmungen auf Kosten de« Steuerzahlers itxnc hat. sind eben solche schwere Gefahr wie die immer noch seststellbarc zu starke Zurückhaltung des Staates den Handwerksinteressen gegenüber. Der Mittelstand hat wie alle anderen Volks- schichten ein sittliches Recht darauf, daß der Staat ihm die Existenz nicht erschwert, sondern mit aus- seichenden Rechtsmahnahmen erleichtert.

Diese Sorge des Staates darf sich natürlich nicht zur Bevormundung 'auswachsen. Die Er­haltung der Selbstverwaltung ist der beste Weg. um die Schaffenskraft deS einzelnen organisch mit dem politischen Leben des Volks- ganzen zu verbinden. Will der Staat alle Streife des Volkes für die Arbeit am wirtschaftlichen

Wiederaufstieg erfassen dann muh er die beruf», ständische Selbstverwaltung gelten lallen, die eine eigene WillensbUdung und Interessenwahrneh- mung de« gewerblichen Mittelstandes gewähr-

Die gleiche Ablehnung der sich heute geltend machenden LozialiflcrungsbestrcbungeT'. und der Bestrebungen auf Einschränkung der berulsstän- dischen Selbstverwaltung zeigte auch die Einstel­lung der Kölner Tagung zu einzelnen Fragen der Sozialpolitik. Die übermäßige Schema­tisierung der Regelung der Arbeitszeit insbesondere, ist eine untragbare Belastung des Gewerbes nur ein Hebereinkommen zwischen Ar­beitnehmer und -gebet für einzelne Gewerbe­zweige kann hier eine be.dcn Teilen gerecht wer- dende Aenderuna schaffen. Ganz abwegig sind die Tendenzen, daS fiel amte soziale Fürsorge» wesen der Selbständigen in die allgemeine Kranken-, Invaliden- und Angestelltenversiche- mng einzubeziehen. Daraus zi: lende Maßnahmen lind unvereinbar mit der Selbständigkeit deS Handwerkerstandes. Hier steht das freie Ver- sicherungsprin.zip dem staatlichen Bet» sorgungSprinzip gegenüber. Selbsthilfe ist gerade auf diesem Gebiet der zwangsläufigen Staatsfür- forge unbedingt i orzuziehen. Eine eigene Ver­sicherungsanstalt bietet nicht nur den Vorteil der freien Wahl der DersicherungSart, sondern steht auch im engsten Zusammenhang mit dem Be­streben, das vom Handwerk aufgesparte Kapital dem eigenen Stand aus dem Wege deS mittelständischen Kreditwesen« wieder dienstbar zu machen.

Von den weiteren Thmten der Tagung - be­rufliches Schulwesen. Kredit- und Steuerpolitik und andere Fragen fanden Besprühung fei nur noch die Einstellung zur Staats- und Verwaltungsreform herauSgegriffen. Die lleberzeugung von der unumgänglichen Rotwen­digkeit dieser Reform hat sich im Handwerkerstand genau so durchgesetzt wie hx allen anderen VolkS» (reifen. Man erkennt auch die Schaffung eine« Forum« für die Vertretung der wirtschaftlichen Berufsintsresfen nach der ihnen zukommenden Bedeutung als notwendig an. Die endgültige Ge­staltung deSReichswirtschaftSrates muß aber noch stärker der wirtschaftlichen Kraft deS Berufszweiges, weniger der in ihm beschäftiglen Menfchenmasfe entsprechend, dem Gewerbestand Geltung und Einfluß auf die wirtschaftliche Gesetz­gebung verschaffen. Die in Köln ausgestellten Erwägungen über die Schaffung einer ReichS- stänoekammer. die al» Gutachterinstanz unb in wirtschaftspolitischen Fragen als zweite Kam­mer neben den Reichstag treten soll, dürfte da­neben al« wohl au weitgehnxd und noch zu un­klar, erhebliche Bedenken auSlösen. Hat sich doch der Begriff _Gutachterinstanz" schon bei der Bewertung der 'Beschlüsse des Reichsrats als problematisch genug erwiesen. 3n der Frage einer zweiten Kammer spielen noch erheblich mehr Dinge hinein als nur die berufsständische Ver­tretung. Man sollte baber mit solchen Plänen vorsichtig sein. Will sich da« Handwerk politischen Einfluß verschaffen, bann kann es das nicht burch ein: weitere Stärkung der Splitterparteien. son­dern nur durch den Anschluß an große bürger­liche Parteien, bei denen e« auch bisher eine wirksame Vertretung seiner Interessen gefun­den hat.

Vas Reichsbodenreformgeseh

Entgegen mancherlei pefsimiftischcn Voraus­sagen hat sich der Wohnungsbau im ersten Halbjahr 1928 doch wesentlich besser entwickelt. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, dürste die Bautätigkeit im ersten Halbjahr 1928, soweit sie sich biS jetzt schon schätzen läßt, um 25 bis 30 Prozent größer als im Jahre 1 927 sein Dieser Zuwachs dh Reu­baut en würde ein PluS von rund 70 - 80 000 Wohnungen gegenüber der Ziffer vom ersten Halbjahr 1927 bedeuten. Diese Entwicklung ist um so erfreulicher, als man an ha« diesjährige Wohnungsbauprogramm ursprünglich mit dem größten Pessimismus heranging. Selbst der jetzige ReichSarbeitSminifter Wiffell hat sich noch vor wenigen Monaten in dieser Richtung äußerst zurückhallend geäußert, da wohl auch er nicht glaubt, daß auf dem innerdeutschen Ka-

Selb fällt vom Himmel.

Roman von Paul Sndcrling.

Copyright by Carl Duntfer, Verlag. Berlin. Nachdruck verboten.

Al» Kurt (Brotterf aus der fahrenden Trambahn sprang, wäre er fast unter ein Auto geraten. Der Bruchteil einer Sekunde stand zwischen diesem Augen blick und dem nächsten, wo er sich auf das Trittbrett dis Magens schwang und lachend in zwei erschreckte Mädchenaugen blickte.

J) Gott! rief Inae Prodersen. Dann ftimnUc sie in fein glückliches Lachen ein. Rot schoß in ihre Dan­gen. Ihre Hände flogen ihm entgegenCs ist also nichts geschehen?"

Der Wagen hielt mit einem Ruck. Kurt Grotteck drückte einen wildledernen Handschuh und sagte: .Leider darf mein Besuch diesmal nur kurz fein, xie Pflicht ruft. Rein, sie schreit durchs Mikrophon. Aus Wiedersehen!"

3m Torbogen des Rundfunkbaus blieb er sieben und sah dem grünlackierten Dagen nach, der eben um die Ecke bog. Inge sah sich um und winkte herüber. Die schön war sie doch, mein Gott, wie fmon .

.letzt erst fiel ihm ein. daß sie allem im Dagen saß. nicht wie sonst im Schatten ihres Batexs. des massi­gen. finsteren Brodersen. Saß er nicht immer wie oer Hüter einer Gefangenen neben ihr? xa? Sub baue ihn jedesmal an irgendeine Illustration ju einer romantischen Ballade erinnert, etwa der Gorilla oder der Waldkönig und das geraubte Mädchen ober so.

Er stand noch immer, als der Wagen langst ent­schwunden war. Doch er lachte nicht mehr, xie kleine 3ornaber über der Schläfe glühte auf. Inge Bro- berfen war allein gewesen sie hatte um ibn ge zittert sie hatte ihm die Hand cnigegcngcltrcai, unb er war abgcfpnmgen. Dar das 3u begreifen. Ah, es mußte eine Wonne ohnegleichen fein, sich vor einem get geschliffenen Spiegel lelbcr zu obreren.

Seine Laune wurde nicht bester, als ihm eine fettige Stimme zurief:Schon da, Baron?" mw als «r an der großen, von zwei Majolikaputten flankierten Uhr ersehen mußte, daß er um eine halbe Stunde ui früh gekommen war .

Nie war er Inge so nahe gewesen, in all diesen Monaten nicht, und er hatte nichts damit anfangen

können. Und c« wäre so Einfach gewesen, den uom Neroenschok Erschlagenen zu spielen, sich von ihr trösten zu lasten unb ihre Hand noch eine Weile zu fühlen

Ein untersetzter Herr mit einem käserunden Ge- icht lachte ihn an.Der erste in der Schlacht o ist's rcchl. Der Dortrag drinnen steigt noch. Du olliest ihn übrigen# anhören, du Agrarier: Die Bedeutung des Regenwurms für den Humus. Misten ist Macht."

Guten Tag. Fährmann! Haft du mich er­wartet?'

Selbstverständlich Ich wollte dir bas Kämpen- fieber ausreden. Du spielst ja heute zum ersten- mal.'

.^ampenfieber? Unsinn. Ich sehe doch mein Publikum nicht."

Fährmann meckerte: ..»last du es denn bei bei nein letzten Konzert gesehen?" Sein« kleinen Aeug- lein zwinkerten vergnügt aus den Fettpölsterchen.

..Rein", sagte Grotteck versonnen. .Dann wäre ich nicht hier."

..Sondern Hosoianist beim Prinzen von Sstra- chan. ich weiß. Aber mache dir nichts draus. Quatsch mit Rosinen. Ein Genie bist du doch. Zum minde­sten glaube ich an dich, und die Damen tun es ja auch, du Glücklicher. Trinken wir nachher ein Glas Wein zusammen7 Vielleicht im Alcazar? Ich lade dich ein "

..Ich glaube nicht." Er kannte die Einladungen Fährmanns. Sie waren teuer und füllten die Rächt bis zum Morgengrauen mit Alkohol.

.,Du beziehst ja halb schwere Gelder. Hoffentlich vergißt du im Glück nicht den Freutzb deiner Armut."

Grotteck verabschiedete sich lachend unb ging ins Sünstlerzinimer. Drinnen saß Ida Jester, die ^än- Serin, die er beute begleiten sollte. Sie schlug die lugen mit etwas zu viel -Schwermut auf. Tlst das ein Leben!" hauchte sie.

Wieso? Ich finde es herrlich Ich möchte jeden Morgen, den Gott wachsen läßt, eine Tarantella tanzen ober so was Aehnliches. Ich mag nämlich nur die allen Tänze, in denen Feuer mittanzt, nicht die mit dem Knie, lieber Hans." -

..Spielen Sie wenigstens Schach?" fragte sie nvinerlid). Es klang, als fei es der einzige Aus- weg aus einem Gestrüpp von Rot unb Summemis.

pttalmarkt die Mittel für ein gegenüber hem Vorfahre wesentlich vergrößertes Bauprvgramm zu finden fein würden

Das un Zusannnenhana mit bet brutschen Dohnungsdanpol ittk wichtige Gesetz ein« Reichsbobenresornt scheint nun endlich feste Gestalt zu getDtnncn. Wie wir von unter» richtetet Seite hören, wirb iwch im Oktober der ständige Heimstättenbeirat eine Sitzung abbaltcn. von der man hofft, daß in ihr das Reichsbod.nresormgesen soweit gefördert wird, hast das Geletz noch in absehbarer Zett dem Reichstag zugebritet werden kann. Der ständige Heimstättenbeirat, der uriprüngltch von dem Mi­nister Schlicke gegründet wurde, und der. von Damaschke geleitet. Vertreter her Gewerk­schaften. der Städte ufw. umfaßt, hat sich be­reit« verschiedentlich mit diesem Gesetz beschäf­tigt. Sein erster Entwurf wurde ün Jahr 1920 ausgearbeitet, blieb aber dann biS zum Mai 1927 liegen. Damals ist da« Gesetz vom ständigen Bei­rat erneut durchberaten worden, so daß jetzt nur noch eine Revision einzelner Teile notwendig ist. ehe der Vorschlag zusammen mit dem ReichS- arbeitsministeriuin endgültig formuliert werden kann Auf baf Ergebnis dieler Beratungen kann man mit Recht gespannt fein, denn da« Gesetz wird, wenn es wirklich den Absichten de« Bei­rates entsprechend gestattet wird, sehr stark in die Lebensbedingungen des deutschen Volke« ein- greifen.

Teuerung in Frankreich.

Die seit Wochen in Frankreich festzusicllende neue Preissteigerung für die irricbt.gfien Lebens­mittel erfüllt die Regierung mit schwerer Sorge. Das Kabinett unb besonders der Innenminister suchen nach Mitteln, um der für den Winter drohenden Teuerung vorzubeugen. Die Polizei- btretHonen, die Präfekten und Sonderkommissare im Lande find mit der Beobachtung der Preis­bewegung beauftragt worden unb fenden ihre Berichte regelmäßig der eigxn« für die Beob­achtung der Preissteigerung gebildeten Zentral­stelle zu. AuS den Berichten her Provinzial­stellen geht bcrüML daß dringende Maßnahmen zur Eindämmung der Preissteigerung erforderlich sind. Die BeobcMDckngen des MintsieriumS er­strecken sich vor allem auf Milch- unb Viehpreise. Die von den Milchproduzenten für tric Preiserhöhung verantwortlich gemachte

Trockenheit wsii man an den tiiahgebcnbcn Stel­len n cht in vollem Um'ange gelten lassen 'Be- y spekulation und den nötigen Ztt.'chenhandek unterdrücken. In den Departements tollen Aicht» pieiie tür ileifch üu<geicllt werden, die den Pottzeiprä e.ten rcgeUnafug d e xv ''Atzung bei .wie imxrlau«pre tief im Verhältnis zu dem

Grosiverkautsprei« ermöglich.n tollen^ Dtele Richtpreise müfien den Bürgermeistern nutge- teilt und in ben Verlaut«'teilen ausgehängt werden. Ein Gelen, das bie Präsekten zur Fest­setzung von Preisen ermächtigt, wird die Re­gierung der Kammer bei ihrem Wieder Zusammen­tritt unterbreiten ö« ist allerdings zweiselhasi. ob dieses neue von der Regierung l^abtichttgte Gelca einen andere: £r»lg hat. al» b.e früheren, da« he.ßt der Preissteigerung einen Riegel t*m- fcknebt

Oie schwedischen' Wahlen.

Tic Dahlen zur zweiten schwedischen Kammer, die in den letzten Jagen erfolgt lind und mit ben Wahlen in Stockholm Ende voriger Woche ihren Abschluß gefunb.-n haben, zeigen man kann schon lacen. zur allgemeinen lleberraschung einen 'ein kräftigen Ruck nach rechts auf Kosten bet Sozialpnnokratte. Die Svzialdemo» kratm erwecken so gern den Glauben, daß ihre Macht sich von Wadi zu Wahl steigert. Für II« ist deshalb ein Rückschlag besonders peinlich, weshalb fi? denn auch ba« schwedische Grgebni« mit einem Sieg des .Qplehlnirgertum«' abtun möchten So einfach liegen bie Dinge nicht. Wenn man mehr al« ein Dutzetrd Mandate verliert unb abgibt, dann ist ba« doch ein Zeichen der Zeit ba« nicht übersehen werden darf, ba« aber auch in andern Ländern Rachesierung finden sollte, ba bc« «LrgebniS h.rvor gerufen ist durch eine sehr starke Beteiligung der Bürgerlichen. Die Soziafbemorraten haben mit den Äommuniftcn gclieMugelt. woraus von den bürgerlichen Parteien der Ruf zur Sammlung gegen bie Rote Front au«geg.'bcn wurde. Dieser Parole sind die Wähler gefolgt, unb zwar so zahlreich, daß die Wahlbeteiligung gegen 1924 um 30 bi« 4 0 Proz. gelt legen ist Q< ist nicht unmöglich, dast Schweden durch .den AuSgang der Wahlen in eine Regicrung-krife bmclnfteucrt und die neue Regierung von den Konservattven gebildet wird.

Industrie- und Sandeiskammer Gießen

für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Heber die Beratungen in der fünften Zahress ttzung wird un« berichtet

Zur Vorbereitung der am Ende dieses Jahres ftattflnbenben

Ergänzuugswahlen

toerben die erforderlichen Beschlüsse gefaßt. Bei dieser Gelegenheit gibt der stellvertretende Vor­sitzende. Herr Kommerzienrat Grünewald- Alsfeld. die Srllärung ab. daß er sich aus Gesnndb.itsmckncküen genötigt sehe, fein Amt al« Mitglied der Kammer niederzulegen. Linker Zustimmung der Versammlung gibt der Vor­sitzende. Arre Kommerzienrat Schirmer, in warmen Worten dem großen Bedauern über diesen Entschluß und zugleich der zuversicht­lichen Erwartung Ausdruck, daß Herr Kom­merzienrat Grünewald auch in Zukunft seinen werwollen Rat der Kammer nicht versagen werde. 3n unmittelbarem Anschluß hieran macht Herr Kommerzienrat Schirmer brr Versammlung die völlig überraschende Mitteilung, daß auch er unwiderruflich sich entschlossen habe, mit Ab­lauf diese« Zobres aus der Kammer gänzlich auszuscheiden. Für triefen ihm nicht leicht ge­wordenen Entschluß sei einzia unb allein der Umstand maßgebend gewesen, daß es ihm an der erforderlichen Zeit mangele, um das Amt eines Kammrrvorsitzenden so zu versehen, wie es im Interesse der Sache unbedingt notwendig sei. Die an bide Erklärung sich anschließende Aus­sprache gestaltet sich zu einer eindrucksvollen

Vertrau»nskuirdgebung für Herrn Kommerzienrat Schirmer, der schließlich auch verspricht, feine Entschließung noch einmal zu über denken

Der Ablauf des Wahlzeitraum« 1926 28 für die Mitglieder des

Landeseisenbahnrat« Frankfurt a. W.

hat der Kammer Veranlas ung gegeben, die not­wendigen Schritte einzuleiten, damit den ober- heslifchen Kammern eine der VerkehrSbedeutung der Provinz Ober Hessen axtfpredbenbe Vertre­tung in biefem Gremium emgeräumt wird

Zu der Anregung bes Verbandes der freien Schulen unb Erziehungsanstalten Hessen« auf Einführung von

Geschäftsmafchinenschreiber-Prüfungen

spricht sich bie Versammlung dahin au«, daß diese Fra",e in Gemeinschaft mit den übrigen hessischen Kammern eingehend geprüft wer­den soll.

Die schon feit Jahren von den amtlichen Be­rus «vertret ungen von Handel unb Industrie vor- getragenen Klagen über die zu hohen

Eichgebühren

haben endlich jh der Vorlage de» Entwurf« einer Verordnung über Aenderung der Eich- gebührcnordnung geführt. Wenn nun auch der Entwurf den gewünschten 2lbbau der Eichgebüh­ren in e.iger Anlehnung an die Vortricgszeit noch nicht bringt, so zeigt er doch offenkundig bas Beftrcbcn ixt Reichsregierung, der Wirtschaft

..Gewiß, wir haben ja noch Zeil." Er hing Hut und Mantel an und zitierte lachendWir spielen immer. Wer es weiß, ist klug."

Schnitzler. Paracelsus. Ich bin nämlich nichts so ungebildet, ro.e Sie glauben. Hier, kommen Sie Ich habe schon ausgestellt."

Während Grotteck die Partie mit dem König bauer eröffnete, erzählte et die Gcsch.chte von dem litcraturfunbigcr. Mann, der nur xtoei Dichter mit* einander verwechselte: Tolstoi und Resiroy.

Ida Jester lächelte mühsam, sog an einer An- ginatabktle und entrüstete sich über das Programm des Rundfunks. ..Schumann und Schubert und Schubert und Schumann kann es denn nicht mal etwas Neues geben?"

Warum? Jeder freut jud doch, wenn er jagen rann: die Melodie kenne ich. Uedrigens steht Ihr Springer falsch." Ida Jester mogelte gern.

Der Ansager raste in das Kunsllerzimmer her­ein. Seine langen schwarzen Haare liebten schweiß­feucht an ben Schläfen.

Gott fei Dank!" rief er autalmcnb.Sie sind wenigstens da. Aber Haberfeld fehlt wieder mal. Und der Dortrag ist m einer Viertelstunde aus."

..Er wird schon kommen. Gardczk"

Er wird nicht kommen", sagte der Ansager er bitterl.Diese Herren von brr Geige glauben im­mer. sie seien lenörc und hätten t- nicht nötig. Größenwahn einfach!"

Dann ersetze ich ihn. Ihr Turm ist bedroht."

Ida Jester schrie leise auf. Der Ansager lies mit verzweifeltem Sachen hinaus.

In das schläfchWk Sesickn der Sängerin kam eine kleine Anspannung.Sie spielen wie ein^Gott. Sie find der einzige, der mir gewachsen ist."

.Bch bin der einzige, der auf Ihre Schliche paßt." Er zündete sich eine Zigarette an und be­merkte betrübt, daß es die vollste war. Er würde sich heute keine mehr leisten können. _

sie dürfen mich nicht beleidigen. Sonst werfe ich da- Spiel um. Unb rauchen dürfen Sie auch nicht. Meine Stimme.' Dafür sage ich jetztz aber

löschte er die Zigarette.Wie ist der Läufer hierhergekommen?" fragte er streng.

Roch ehe sie erbittert antworten formte, raste der Ansager herein. .Bmmer noch nicht ba? Man wird diesen Herren noch ein Flugzeug zur Verfü­

gung stellen mästen, wenn man auf ihr Erscheinen rechnen will."

3ft der Regenwurm denn schon erledigt "

Der Regenwurm?" klang e» beleidigt zu ruck. ..Wollen Sie Witze machen? Da» für ein Regen- wurm?"

..Der Vortrag.'

..Er ist doch literarisch. Die Kneifer der Roman­tik. ZUM st'-ickuck. Sie sollten mehr da» Programm studieren. Herr Grotteck. Aber ok haben da.- wohl auch nicht nötig."

(Betroffen, Verehrtester. Fährmann hat mich reingelegt. Schach."

Der Ansager warf einen hoffnungslosen Blick auf die beiden Spieler, dann auf die Uhr und

raste hinaus.

Ida Jester war in die Enge getrieben und kippte ihren schwarzen König um.Ich bin heute schlecht aufgelegt. Bor dem Auftreten zittern meine Jletptn immer so. Uedrigens ist e» ungalant, solche Schwäche

Qusyunup/r..

Stimmt Aber es führt zum Ziel." 2n ihr em­pörtes Gesirbt lachend, packte er bie Figuren ein. Dann verließ er sie, ging ben Gang entlang bis zum Aufnahmeraum, über dessen Tür das Iran9- porentRuhe!" leuchtete, unb öffnete die Tür.

Drinnen stand rin älterer Herr mit weihen, alt­

modischen Bartkoteletten, der einen betipplen Bogen

am Mikropl

endet habe.Aus Wiederhören m zwei Minuten

in der Hand hielt und eben las:lieber Elernens Brentano werde tch das nächste Mal sprechen."

Der Ansager drängte ben Herrn von dem Platz am Mikrophon fort und bestätigte noch einmal.

vffor Soundso seinen Vortrag be

Dann stellte er den Apparat cb.

Baberfeld ist noch nüht da", stellte Grotteck fest. Soll ich nicht doch einfpringen''"

Der Ansager rang verzweifelt die Hände

.Es konnte ja ein kleines Ätmritriolo afs Ersatz steigen, wie? Ein Rottumo von Chopin oder so wa-. Roten sind doch da?"

Drei Minuten später spielte Kurt Grotteck, be­staunt vom Ansager, der die Hände faltete, als ob er ein Dankgebet spräche, und sogar oon Ida Jester, die die Blätter wendete.

Während aus den Tasten die icmperamentvoll» Schwermut Chopins quoll, sah Grotteck die Ezen« oon vorhin vor sich: Inge Brodersen, wie sie es»