Ausgabe 
25.8.1928
 
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Nr. 200 Erstes Blaff

(78. Jahrgang

Satnsfag, 25. August (928

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Anschrift für Drahrnnch- richte Bnjtiger chletze». pelschecktont»: treiftinaaBUhi nm.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

ttntf iwtDtrief: VrShl'sch« Uitoer^l4t$«Bnd^ Steinöniderti R. fany l» Sßetzeru S^rtftidhixg unö OefchLftrßele: SAantrafrt 7.

2»nah», im iBjetifR fir bk legetnimmer di« iun BachmiNag vorher.

Prell i»r ( mm Wt fix flnjeiqen von 27 mm Br eile örtlich 8, aiernärt» 10 Reichspsennig- fir Re- blcmeenmgen von 70mm Breite 35 Reichspsernit^ Platzoorschrist 20. mehr.

CbefrebaltteMT:

Dr. j-nebt. Wilh. Lange. Veranttpcrthd) für Dolmb Dr. Fr. Mlh Lange; fit .reu.Beton Dr. H.Ihoriot, für ben übrigen Teil Ernst Plum|d>nn; fir ben An­zeigenteil flnrt Hillmann, sämtlich in Sieben.

Keine wetteren Opfer!

Don einen fluten JUnncr brr Verhält- nist« wirb uns aus bem besetzten Gebiete folgendes geschrieben. O.Oteb.

Veit Wochen geht nun wieder einmal das Frage- und AnNoortspiel um Ne Io oft be­sprochene Räumung der noch besetzten deutschen Gebiet«. 3t länger die Qü15- sprache In der deutschen und auswärtigen Presse dauert, um Io deutlicher scheint sich die Tatsache bcrausiulchalen. bah eine Deutschland befriebt- gen de Losung der Räumungssrage. bet*or die fremden Truppen aus der zweiten Zone Der- tragsmützlg zurückgezogen werden müssen, kaum au erwarten Ist Das bietet uns Im besetzten Rheinland, die wir ja die Dinge aus nächster Nähe zu beobachten Gelegenheil haben, keine Kietze rraschung. Dach auhen hin mag «S scheinen, al« ob die Verhältnisse am Rhein durchaus erträglich seien, llnb in ber Tai spüren auch die .Fremden aus den unbesetzten deutschen Gauen und aus dem Auslande, die jetzt wieder erfreu- licherweise den schönsten deutlchen Strom zum Reiseziel sich wählen, von der Besatzung nichts, und nur das unbehagliche Gefühl dürste die deut­schen Reisenden beim Anblick der fremden Trup­pen stören. hast fast zehn Zahre nach dem Frie- densschlust immer noch weite deutsche Gebiet« unter dem Besahungsdruck stehen. Ss soll auch nicht geleugnet werden, hast in den letzten wahren manckxs bei'er geworden ist und das) namentlich die Bevölkerung auf dem platten Lande, ober auch grohe Schichten in den Städten, diese Grleichte- rung spüren. TD er jedoch tiefer schaut, bei dem lösen die gerade in den letzten Monaten lich häuftnden Schikanen und Taktlosigkeiten, die nicht nur von dem fremden Militär. sondern auch von der Rheinlandkommission ousgehen. schwere Be­denken aus. Gs dürste daher von TDcrt sein, dast die deutsche Oessenttichkeit und die des Aus­landes im gegenwärtigen Augenblick, da an die cniHcbcnerrrgenbc Reise des deutschen Autzen- ministers noch Poris unb Gens allerhand Kom­binationen geknüpft werden, auch einmal die Stimmung des besetzten Gebietes selbst kennenlernen.

Wenn auch die Bevölkerung am besetzten Rhein b*« fremden Truppen gleichsam als Luit be- bandelt, |o kommt es doch immer wieder zu Zus a m inen st ö hen, an denen fast immer die übermütige Soldateska die Schuld trägt Roch unersreultcher sind die lieberldllc auf deutsche Krauen und Mädchen, di« von den Militär- geeichten. soweit man die Täter entdeckt, nicht immer durch empfindliche Strafen gesühnt wer­den. Wozu Dummheiten, die von deutscher Seite gemacht werden, führen können. Hot mit er­schreckender Deutlichkeit der Zweibrücker Flaggenzwischenfall gez.-igt Ti- Empö­rung darüber, dost fremde Rkilitärrichter die Auslieferung deutscher Staatsbürger, die in da« unbesetzte Gebiet geflohen find verlangen können, bat zwar vorläufig zu einer gütlichen Beilegung der Angelegenheit geführt, wiroeben aber der Hoffnung Ausdruck, dost die Amnachungen ein für allemal beseitigt werden, die einem solchen Verlangen überhaupt eine gesetzliche Grundlage geben Das Unerfreulichste, da- bei solchen Hätten 'n die Erscheinung tritt, ist die Tatsache, dost die zivile Vertretung der Besatzungsmächte die Rheinlandkommission. dem Militär nicht nur nicht entgegentritt. sondern dessen Mast- nahmen billigt und u n t e r st ü tz t £4 fei nur an das Verbot des Brückenbauer bei Zettingen an der Mosel und der Erweiterung der Rüfsels- beimer Bahnhofsanlagen. an die Abhaltung von Monövern der Befatzungetruppen auf deutschem iGebiete, die die Ernte in den betroffenen Land­strichen stets empfindlich schädigen, und deren Ausdehnung einzuschränken nur selten, wie in diesem Jahre, gelingt, und an das schon längst bekannte S p i o n a g«s y st e in i.i wichtigen Fa­briken des besetzten und unbesetzten Deutschland erinnert. Bei atten dielen Vorfällen handelt es lich um eine Schädigung der deutschen Wirtschaft zugunsten der lranzosilchcm Äonfurren}. und immer steht die Rheinlandkommission hinter den Maßnahmen dcsMilitärs und unterstützt und deckt sie. ohne sich um die politischen Abntachungen zwilchen Deutschland und Frankreich zu kümmern.

Da» Entscheidende für uns im besetzten Gebiet ist die Tatsache, daß die fremden TOihtärbcharben und die Rheinlandkommission bei den meisten ihrer Mastnahmen sich in einen offenbar tzewollten $,f 0 « n (a B zu der non den, ftanzösischen Austen- miiuster B r i a n d seit Jahren verkündeten Politik der Verständigung mit Deutschland stellen, und dast msolgedesscn nom Geiste von Locarno nicht» äu spuren ist, wohl aber vorn Keiste Poin -

" 9 in l»ner schlimmsten Auswirkung. Und das fri,kiLnlLUneJ,?e Hoffnung, daß wir zu einer be- I eoigenben Losung der Räumungsfrage kommen in benn"rnmmroiLr,n<i1 fDflar öarauf ^cfostt, daft man Tnm2,L°mmrn^n Monaten, bevor die französischen

Sone abjichen müf'en, 8<roirtrunfl noch mit aller Scharfe h\t9 » ^O9«l2re-fr,mhf Besatzung zu bedeuten frnti*r/fro,hl® §^kanbni» die maßgebenden Per ?<r ^h-'nlondkommission iür eine wirk- Versöhnung haben, zeigt so fm den der ^Präsident dieser

L^rt,^faBUn9x5bCbDrbe bcr fnrnzösiiche Ober °n Ikn Koblenzer Oberbürger mn « ?tUIf C 1 ror ^r Enthüllung des Denk-

? ° Lt V «ächtet hat. Er stützt sich dnefe auf die innige Freundschaft, bu­ben jungen Gosres er war damals höchstens '

Der Reichskanzler fährt nach Genf.

Bis zur letzten Möglichkeit Hot der Reichs- auhemnmtster mit feinen Aerzten um dieReiI« nach Gent gekämpft. Gr hat sich schlietzlich fügen müssen, weil er wohl selbst cinfap, daß er ben starken körperlichen und geistigen Anstren­gungen einer wochenlangen Verhandlung noch nicht gewachsen Id. hat aber trotzdem auf der Reise noch Poris bestanden, um sich wenigstens nicht völlig ausschalten zu lallen. Wie anders wirkt sein Verhalten als dos seine« Kotteaen Thamberloin, der leine Rrankheit künstlich oulbauschen liest, nur damit er die Möglichkeit hatte, sich um die Reise nach Pari» und Gens zu drücken, was ihn ober nicht abhält. eine um Io längere Reise -- selbstverständlich als Privatmann nach Amerika zu machen. Dabei waren die Auspizien, unter denen Dr. Strefe­rn arm nach Dens fahren muhte, alles andere eher als erfreulich Die inter national« Lag« Hot sich Im letzten halben Jahve erheb­lich zu unseren Ilngun sten verscho­ben, daS enge Zusammen rücken Gnglonds und Frankreichs stellt uns vor dne Gntente. die heute fester ist als in den Tagen vor Locarno, die Aus- fid)ten. sich gegen Inden starken Block irgendwie durchzusetzen, sind also nicht sehr groß, zumal da England mindestens die Vorhand in der Führung aller europäischen Verhandlungen ben Franzosen überlas len Hot unb sich bestenfalls auf den Posten des 'Beobachters ^urückzieh: Die Hoffnungen auf dne englische Ginttustnahme zu unseren Gunsten müssen demnach vottkommcn ausscheiden. Die englische Diplomatie hat sich zwar im Unter Hause öffentlich darauf feftge'egt, dast fie die Räumuna des Rheinlandes lieber heute als morgen sehen würde, sie hat aber nur zu gut gewußt, dost da« eine platonische Liebeserklärung ist, die nur auf den .Mann auf der 6traue" Gindruck machen sott. Denn gleichzeitig wurde die politische Verant­wortung für die RSumungsverhand- lungen auf Frankreichs Schultern geladen. Herr Poincar^ bat einen breiten Buckel, er macht 'ich aus dieser Belastung nichts, solang« er nur die Hoffnung hat, dah er aus der Rhein- landräumung ein Geschäft auf Deutschlands Kosten berauSwirtschosten kann.

Das ist Wohl auch der Grund, weshalb Dr. Strefemann wenigsten« auf die Fahrt nach Pari« bestand, wen er ssth viel davon ver­spricht, wenn er einmal mit Poincars per­sönlich unter vier Auaen die Ansichten aus­tauschen kann Für mehr bleibt bi Paris kdne 3dt. Aber es wäre, wenigsten- um klar zu sehen, schon viel gewonnen, wenn man nun end­lich wützte, was Herr Poincorö will und welchen Preis er für die Zurückziehung bei Truppen fordert Bisher haben die diplomatischen Re­cherchen trotz aller Bemühungen Deutschland» dar­über kein vottständigeS Bild ergeben. Wir be­stehen darauf, dah die Besetzung deutschen BodenS «inen inneren Widerspruch zu den Locarno-Verträgen bedeutet und dah daher die Zurückziehung der Truppen keineswegs ein Geschenk an Deutschland ist Wir lehnen e« deshalb auch ab, ein Han­delsgeschäft daraus zu machen und irgend­welche politische Konzessionen dafür zu geben. Die Franzosen willen, dah die Besetzung mit jedem Tage weniger wert für sie ist Spätesten« 1936 müssen fie den letzten Soldaten zurückziehen, heute haben sie noch die Möglichkeit, dafür Vor­teile auf anderen Gebieten auszutauschen. Aller­dings nicht in der Richtung, dah fie uns mili» törifche Bindungen auf erlegen, die über 1935 hinauSgehen, nicht in der Richtung, dah wir unsere Bewegungsfreiheit im Osten irgendwie ein schränken unb erst recht nicht auf bcr Grund­lage, dah wir auf das Recht der Selbstbestim­mung Oesterreich gegenüber Verzicht leisten. 3m nächsten Jahre ist dagegen die Revision be« Dawes-Paktes ohnehin fällig Bis bahin wird lich herausgestdlt haben, dah in London die deutsche Ldstungsfähigkeit überschätzt worden ist. und mit der endgültigen Festleaung bcr Höhe der deutschen Kriegsentschädigung. Die uns ja auch die Gewihheit gibt, was wir eigentlich zu zahlen haben, und un« die Freiheit läht. wie toir zahlen

wollen, l«he sich die Herausziehung der Truppen schon m einen inneren Zusammen­hang bringen. Das sind die Gedankengänge, wie sie Dr. Strefemann in bcr letzten Kabinetts- sitzung entwickelt hat. wie er sie mit Poincarö und vor allem mit Briand durchfpvochen wollte. Ob er auf Gegenliebe geflohen wäre? Wir haben fett längerer Zeit vor jebem fatschen Optimismus gewarnt und sehen keinen Anlah. unsere Ansicht zu ändern. Aber auch ein negativer Gewinn ist schon etwa« wert. Dann Witten wir wenig­stens, dah alle untere Versuche, durch Entgegen­kommen einen Ausgleich herbeizufchatfen, ge- Icheiterl sind, bann setzen wir den Weg klar vor uns dah wir eben zu warten haben, bi« die Fristen des Versailler Vertrages abgelaufen sind. Und vidleicht überlegen sich die Franzosen bann doch noch ehret Tages, dah sie ein bessere« Gelchäft machen, wenn sie Dor- seitig räumen, ai« dah fie mit Hilfe einer Buch- (taben-3nlerbretatton die Möglichkeit haben, noch 1934 Manöver auf deutschem Boden abhalten zu können.

Oie gestrige Sitzung des Reichskabineiis.

Berlin. 24 Mug. (DIB.) Vas Rclch»- f o b 1 n e 11 hat sich In seiner heutigen Sitzung da­hin entschieden, dost für den durch seinen Gesund- l»cit»;nftand bedauerlicherweise noch behinderten Tkeschsmlnlster des Auswärtigen der Reichs- kanjler selbst die Führung der deut­schen Delegation für die diesjährige Völker- bundsversammlung In Genf übernehmen wird. Der Beichskan;ler beabsichtigt. ,ur kröffnung der Bun­desversammlung. die am 3. S e p t e m b e e ftatt- findek. In Genf einzutreffen. Die Dauer feines dor­tigen Anfenthaltes wird von dem verlauft der Tagung abhängen.

3n politischen «reisen wird Merl auf die Fest­stellung gelegt, dah die Lntschliehung des Reichs­kanzler». selbst nach Genf zu fahren, nicht in erster Linie aus die Jragr der Rheinland- riumnng zurückgeht. Zwar wird Reichskanzler Müller den iluhenminlster naturgemäh auch bei den Besprechungen vertreten, die. wie jedesmal, so auch zweifellos jetzt, neben den eigentlichen Völker­bundsfitzungen stattfinden werden, vor allem aber wird der Kanzler wegen des Völkerbundes selbst nach Genf gehen, weil das deutsche Volk In einer so grasten und wichtigen Versammlung, an der hervorragendste Führer de» Lluslande» teilnehmen, ebensall» durch einen verantwortlichen Slaalemann vertreten fein muh.

Hur für die Vollversammlung.

Berlin. 25. Aug. sPriv.-Tel. be« WTB , Zu ben KabinettSbeschluh über bie Reise de« Reichskanzler« nach Genf tthrb von ben Berliner Blättern betont, bah her Reichskanzler nur für bie Vollversammlung be« Völkerbünde« bie Führung der deutschen Dsle- flation übernehmen werde Für die vorher statt- finbenbe Tagung deS Rate« werde dagegen, tote im 3uni. der Staatssekretär im 2Iu«toärtigen Amt, Dr. v Schubert, der Wortführer Deutsch­land« lehr

Einzelheiten aus dem ftanzösischen Kabineiisrat. Pari», 24 Aug. (TU.) Der .^ntranfige- a n r bringt interessante Einzelheiten über die Steuerungen des fronzösischcn Austen- Ministers im Mini ft errat, soweit siedle Rheinlandfroge betreffen. Aus diesen Leuste- rungen Briands gebe die Erwartung der französi­schen Regierung hervor, dast Dr. Strefemann in den Unterhandlungen mit Befand und P o i n- cor« die Rbeinlandsrage onschneiden werde. Aus ftanzösischee Seite werde man dagegen nichts zur

Herbeiführung einer solchen Luefprache tun. Vriand loQ sich in sehr bestimmter Weise dahin ausgespro­chen haben und hierfür auch die Zustimmung oller seiner Ministerkollegen erhalten buben, dost er die deutsche Erklär una zur Bdeiniandsrage nur entgegennehmen, sich jedoch nicht in Ver­handlungen einlassen werde. Sogar der ftanzösische Pensionsminister Morin, der bekannt­lich auf do» heftigste dieHhelnlanbrdumung be­kämpft, soll sich unter dieser Voraussetzung der Aus- sasiung Briond» angeschlossen haben.

Die Austastung der französischen Regierung, die diese seit längerer )eit hege und deren Vater­schaft Voincar» zukame, sei. dast die Räumung de» Rheinlande» nur im Zusammenhang mit der Revision de» Derer »plane» und einer allge­meinen Schuidcnregelung erfolgen solle, mit an­deren Morten, da» Rheinland solle vor der fest- I gesetzten Zeit nur geräumt werben, wenn eine Herabsetzung der sranzösischen Schuldenlast er­folge. Weitere Herabfetzungen sollen Gegen­leistungen Deutschlands auf dem Gebiete der ' Sicherheit für .Frankreich und seine Alliierten zur Voraussetzung haben.

Da die französische Regierung keineswegs deabfich- titze ihre Forderungen herobzusetzen, sei eine bal­dig« R h e I n I o n d r o u m u n g unwahr­scheinlich. Man rechne jedoch mit der MogUch- reit, dast sich nach den amerikanischen Präsidenten- wählen die Lage ändern werde. Db unb wann die s ran zatsche Regierung erneut um eine Herabsetzung ihrer Schuldenlast die vereinigte» Staaten ongehen werde, sei noch völlig ungewist. Soviel stehe jebod) ftst. dast mit Staatssekretär Kellogg über die Schuldenfrage nicht verhandelt werden könne, sondern, sobald man den rechten Augenblick für gekommen erachte, mit dem amerikanischen Schatzsekretär Mellon.

Den Franzosen zum Nachdenken.

Berlin. 24. August. (Priv.-Tel.j Zu dem wie­der einmal in Frankreich ausgetauchten alten Dorwurf, al» ob Deutschland nach Thoiry die Zügel habe schleifen losten und nergeffen habe, Entschädigungsvorschlöge für die Räu­mung zu machen, bemerkt die® e r m a n I a: Wie man sich erinnert, hat Dr. Strefemann bereit» anläßlich der letzten großen Äammerreöe vriand» diesen Vorwurf zurückgewlefen; waren e» doch in Wahrheit die siranzofen, die bei der bald nach Thoiry einfetzenden verbefse- rung ihrer wirtschaftlichen Lage da» Interesse an der Kontmerziallsierung b e r Obli­gationen verloren. Im übrigen hat sich in den letzten drei Jahren die Lage grunblcgeiib ver­schoben, unb

n kann gar feine Rebe mehr davon Irin, batz Deustchlanb heute noch für eine Räumung zahlt, bie in wenigen Monaten ohnehin fällig ist. unb für die völlige Räumung ein ähnliche» Anerbieten wie zu damaliger Feit macht Sehr bedauerlich ist e» im Interesse einer deutsch- französischen Uebereinkunft, dast e» der franzö­sische Mini st errat für notwendig hielt, gleichsam vorsichtsmastregeln für eine nicht mehr ganz zu vermeidende Rätimungsdebatte su treffen und Dabei jene allgemein gehaltenen Ausführungen Vriands zur Grundlage zu nehmen. Warum sollte die Abwesenheit Chamber­lains in Pari» und in Gens eine Räumung»- Vereinbarung unmöglich machen, über deren Vor­aussetzungen man sich inzwischen doch auf beiden Seiten ziemlich klar geworden sein must. Deutsch­land Hot nicht die Absicht. Kellogg pakt und Räumungsfrage miteinander zu verbinden, aber eine Pariser Diskussion besten, was uns Deut­schen so sehr am Herzen liegt, wirb auch ein M,- nifterrat nicht gut oerhinbern können. Deutschland will endlich klar sehen, was man auf der Gegenseite verlangt, und was es somit von der nächsten Zukunft erwarten darf.

Oie Grtoeiferung der britischen Äesahungszone.

Berlin. 24 Äug. lPrwormeld. de« WTB ) Die Meldung über eine Erweiterung der

20 Jahre alt mit dem französischen General Hoche verband, dm der Franzose den®e f lieber * der Rheinlande unb als einen graften »ero» be- zeichnci, rar n L.iche, als sie von Wetzlar nach WeistentHurm übergeführt wurde, die ganze deutsche Garnison von Ehrcnbreitftein ins Gewehr getreten fei. War das schon allerhand gegenüber dem Ober­bürgermeister der Hauptstadt Der Rheinprovinz, so wurde die Art. in bcr bcr Präsident der Rhein- landkommiision seine Teilnahme an der Gorre-ieier zu begrünben suchte, gerabeju zur Taktlosig­keit. Er, der Lollfranzole, meinte nämlich, ba Görres der gröstte Hasser Napoleons, aber auch der preuftischen Regierung gewesen ei, vor beren Verfolgung er in Frankreich Schutz Hunben habe, seien hier Berührungspunkte ür feine Beteiligung an ber Enthüllung be? Gör- res Denkmals gegeben. Angesiftts dieser unbegreif- l'chen Idftlofigteit rs.ir es dem Koblenzer Ober­bürgermeister natürlich leicht, diese Beteiligung hös- sich, aber entschieben a b z u I e h n e n Die Folge war, baft die Rheinlandkommission in kleinsicher Nachsucht die Verbreitung der bei der Görresfeier ge­haltenen Reden durch den Rundfunk verbot. Man bart es als eine weitere Folge anlehen, baft am 14. Juli b.3-, bem sranz.-siichen Rasional'ftier- tag, am -ockel des Hoche-Denkmals bei Weiften-

tburm neben dem feit jenem Tage stolz bie franzö- lW Trikolore weht, in Gegenwan des Dberfom- mankierenden der Rheinarmee, G u i I l a u m a t, unb be» Präsidenten bcr Rheinlandkommission, T i - rorb, vier Bronzereliefs unter Entfaltung des ubsichm Prunk» enthüllt worben sind

Fügen wir all diesen Vorfällen noch bie Tatsache hinju, baft durch bie Teilnahme eines englischen sta- DoHeTkregiment» an ben sranzLsilchen Manövern beiirier zweifellos England sich zu ber icharsen Richtung des Besatzungsregimes bekennt unb damit bartul, baft es bie Besetzung der rheinischen Gebiete mit allen slonseguenzcn billigt, so wird man im Reiche verstehen, baft bie Bevölkerung am besetzten Rhein allen schönen Reden von Serftänbigung und Versöhnung mit starken Zweifeln gegenüber st eh t. solange Srianb unb feine Anhänger nur re ben, unb bie Militärs unb mit ihnen die Rheinlandkommission handeln, kommt eine wirkliche Verständigung unb vorzeitige Räumung des Rheinlandes im Ernst nicht in ^rage Es hätte auch gar keinen Sinn bas must einmal offen ausgesprochen werden jetzt noch für bie Räumung ber zweiten Zone irgenbwelchc neuen Verpflichtungen einzugehen. Die Monate, die noch in Frage kommen, bis diese Zone

Dertragemäftig geräumt werden m u ft, werden wir hier auch noch überstehen, und wir wollen unter keinen Umständen, hast das Reich für unsere Be­freiung neue Lasten auf sich nehmen must. Auster- dem ist bie zweite Xonc so klein, baft durch ihre Räumung allein bie schwere Lage bcr vjirtschast in den besetzten Gebieten nur in geringer Weise ge- bessert, baft aber dafür bie Rot in ber britten Zone noch wesentlich gesteigert würbe. Denn es würden neue Grenzbezirke zu den alten hmkommen, und niemand nimmt wähl im Ernst an, baft bei einer vorzeitigen Räumung ber zweiten Zone d'e dort liegenden 10 000 Kann fremder Truppen auch wirk­lich zurückgezogen würden. Sie kämen nach der dritten Zone und würden dort den Trierer und .^reuznacher Bezirk, Rheinhessen und die Pfalz nur noch stärker belasten. (Eine befriedigende Losung kann nur die Räumung der ganz enbesetztenGcbieteundbie Rück­kehr des Saargebietes zum Mutter- lande bringen.

So denkt die Bevölkerung des besetzten Gebietes, und sie hofft, baft unsere verantwortlichen Staats­männer bei ben Besprechungen unb Verhandlungen in Paris und Genf sich danach richten und ge­geben enfaUs den Preis bemessen, ben sie für ein« solche Lötung zahlen zu können glauben.