Ausgabe 
25.7.1928
 
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Nr.lN Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 25. Juli (928

Aegyptische Ouvertüre.

Äon Otto Eorbach.

Zwischen der Wiederherstellung de» absoluten Regime» in Aegypten. durch jtomfl Fuad und der gleichzeitig erfolgten end- gültigen Zuft immung England» »um Kelloggschen Anti-Krieg»pakt besteht kein erkennbarer äußerer Zufammenhang. aber man braucht nur die Kommentare englischer Blat­ter zu bndcn Ereignissen zu vergleichen, um «inen solchen Zusammenhang mühelos konstru­ieren zu können. Rur gedanio^e Optimisten, mei­nen die .Time»". können erwarten, daß nach der Hnterze.chnung de- Paktes keme Kriege mehr Vorkommen würden, und die e rge n« a n ö ! ungss reih eit-, allo auch (rtcqcrt-d)c 3ni- uotive. hat sich die englische Regierung rn ihren Vorbehalten für gewisse Regionen, deren Wohl- lahrt und Integrität em besondere« und vitales Interesse für den Frieden und die Sicherheit Englands bedeuten", ausdrücklich auSbe^rngen. Der Pakt verbiete nur. erklären die ..Times weiter. ..den Gebrauch des Krieges al» eine diplomatische Methode In die Deheimlprache des britischen Imperialismus übertragen, bedeu­tet dos daß der Pakt ollen Mächten, die chn unterzeichnen, di« Hände bindet, wenn sie kriegerische Aktionen Englands m jenenge- ttriü«n Regionen" im Interesse des Weltfriedens durch diprnma tischen Druck verhindern möchten.

Der Staatsstreich König Fuads schließt eine Periode langwieriger Versuche ab. die Kontrolle England» über Aegypten auf eine tragbare parlamentorilchc Grundlage zu stellen. Akte Mög­lichkeiten dafür scheinen erschöpft. Zwischen dem seit dem groben Kriege stark gewachsenen ägvp- tischen Rationalbewußtsein und dem britischen Imperialismus gähnt eine unüberbrück­bar« Kluft. England zieht sich auf seine Machtstellungen zurück und verzichtet darauf, sich um das Vertrauen solcher ägyptischen Patrioten zu bemühen, die sich durch materielle Vorteile nicht bestechen lassen. Die zuni erstenmal unver- hüllt zutage tretenden Machtverhältnisse aber öffnen den ägyptischen Rationalisten die Augen darüber. wie wenig ihre Bewegung vorläufig gegenüber dem britischen Koloß zu bedeuten hat. In den Londoner ./Time»" spielt der britische Offiziosu» nicht umsonst den Lieberraschten. aber vorläufig uninteressierten Zuschauer:Mag die .DeschäftS'-Regi erung Erfolg haben oder nicht, wo die .Wafd" (die das Parlament beherrschende Rationalistenpa rtei) scheiterte, ihr Erfolg oder Fehlschlag und die Methoden und Prinzipien, von denen sie inspiriert ist. ftnb vor allem Sache des ägyptischen Volkes. Solange die neue Re­gierung oder irgendeine Regierung, die ihr folgte, die britischen (und anderen» Interessen respek­tiert. wie sie in der britischen Erklärung von 1922 niedergelegt sind, kann eine Einmischung in die innere Politik Aegyptens nicht in Frage kommen. Der Wechsel hat gewiß die offiziellen Kreise in diesem Land überrascht, aber da» ist kein Grund, für oder gegen daS neue Regime Stellung zu nehmen. Die Frage, ob er einen Vruch der Verfassung einichließt oder nicht, mag den ägyptischen Juristen überlassen bleiben. Seine DaueHaftigkelt hängt in letzter Linie nicht von der britischen Meinung, sei es der offiziellen oder inoffiziellen, ab. sondern von dem guten Willen der gebildeten Klassen Aegyptens. Sie sind die besten und in der Tat die einzigen zuständigen Richter."

In mtfer ..Times"-Auslassung hat man in der Rußschale die neueste Taktik deS britischen Imperialismus überhaupt. Man hat. dank dem Kellogg-Pakt. den Rücken frei und kann in dengewissen Regionen" seelenruhig alles drunter und drüber gehen lassen: Wenn britische sund ..andere" 1 Interessen verletzt werden, hat man jederzert wiederum dank dem Kellogg- Pakt freie Hand, mit eiserner Faust einzu- greifen König Fuad ist ein Geschöpf Eng­lands Mit Recht betontDaily Herald". er sei nur in der Lage, die Verfassung umzustohen. wenn er sich auf Polizei und Armee verlassen könne. Polizei und Armee aber unterständen der britischen Kontrolle, auherdem gäbe eS in Aegypten noch eine britische Vesatzungs- arme«. Die englische ZeitschriftRound Tablc" stellt in ihrer letzten Abgabe fest, daß England feit 1882. wo e« Aegypten befehle, nicht weniger als vierundsechzigmal das Versprechen gab, seme Truppen wieder zurückzuziehen. Weil die Kund­gebung. durch kne England im Februar 1922 Aegypten fürunabhängig" erklärte, alle Räu­mungsversprechen annulliert, sehen die äpyptischen Rationalisten m ihr nur einen Fetzen Papier.

Seit der Ermordung des Eirdar öir Le« Stacks im Iahre 1925 wird zudem der Sudan nrcht mehr durch ägyptische Streitkräfte, sondern durch cuk besondere rein englische, auf den britischen Generalgouverneur statt den König vereidigte Schutztruppe beschirmt. 3m Sudan liegen die neuen Staudamme. die den Ril seines betrachtenden Schlammes großenteils berauben, und. wenn sie für den Baumwollbau voll aus- aenützt würden, den ägyptischen Fellachen über­haupt sovrel Rilwaffer vorenthielten, daß über vielen Millionen von ihnen Prakttlch da» Todes­urteil gesprochen wäre. Diele Möglichkeit allein sichert England eine Gewalt über die Geschicke des ägyptischen Volkes, die es mit seinerUn­abhängigkeit" Katze und Maus spielen lallen kann. Trotzdem di« Verwaltung des Sudans Aegypten eigentlich nichts mehr angehl. belastet die Schutztruppe fein Budget jährlich mit etwa 800 000 Pfund Sterling Dafür hat die ägyp­tische Flagge die Ehre, dem Union Iack auf den Regierungsgebäuden im Sudan noch Gesellschaft zu leisten.

Außer der Kontrolle deS Sudans hat sich England in der Erklärung von 1922 Vorbehalten: das Recht zur Verteidigung des Suezkanals. um die Verbindungen des eng­lischen Weltreiche» zu sichern: Recht und Pflicht zur Verteidigung Aegyptens gegen fremde An­griffe und die Aufrechterhaltung der Sonder- gerichtsborkeit für die Fremden. Gegen diese Vorbehalte richtete sich der Kampf, den daS ägyp­tische Parlament und die Regierungen, die in den letzten Iahren aufeinander gefolgt sind. Zaghlul so gut wie Sarwat und Rahas, führten, worüber es im Frühjahr dieses Iahre» zu hestigeii Kon- lllkten zwischen London und Kairo kam. Der Rücktritt des Kabinett» Sarwat Pascha im März war diirch die Ablehnung eines Kompromisses, der England» äußerste Zugeständnisse einschloß. ohne an jenen Vorbehalten zu rütteln, ver­anlaßt. Das Kabinett Rahas, das auf Sarwat» Regierung folgte, beschwor durch ein der ägyp­tischen Freiheitsbewegung entgegenkommendes Versammlungsgesetz einen Konflikt mit dem eng­lischen Oberkommissor Lord George Lloyd herauf. Eine drohende Geste Englands brachte Rahas Pascha zum Einlenken, aber sein Schicksal war besiegelt. Dieunlauteren Machenschaften", mit denen König Fuad feine Ersetzung durch Mahmud Pascha begründete, waren nur ein Vorwand, um sich da» für die Ausschaltung beider Häuser de» Parlaments nötige willfährige Ministerium zu schaffen.

Es ist gewiß nicht ausgeschlossen, daß eine revolutionäre Erhebung König Fuad über kurz oder lang zwingt, abzudanken oder wieder eine verfassungsmäßige Regierung aufzurichten. Man macht sich darüber in London wenig Kopfzer­brechen». Iede wie immer geartete Regierung muß dem Geßlerhut der Erklärung von 1922 Reverenz erweisen: andernfalls hat England freie Hand, ganz Aegypten zu fubmiifieren. Die Erfahrungen, die man dabei tn Aegypten macht, mögen später in den gefährliche«n Regionen Indien und Shina mit Rutzen verwertet werden können. Auch das neue China wird die Anerkennung seiner Unabhängigkeit durch Eng­land nur durch die Billigung von .Vorbehalten" erkaufen können, von denen es fraglich ist, ob sie mit irgendeiner stabilen, ouS revolutionären Er­hebungen der VvlkSmassen gewachsenen Staats­ordnung verträglich sind. Die Vorgänge in Aegypten sind vielleicht nur ein Auftakt für eine Epoche von Kolonialkriegen, bei denen dem Kel- lvggschen Antt^riegSpaft nur die Rolle beschic- den wäre, möglichst au verhindern, daß sie sich zu einem neuen Weltkriege auSwachsen.

Eine Tagung

der Kriegsgefangenen.

Herne. 23. Iuli (X-H.) In Herne fand der dritte Bundestag der Kriegsgefangenen statt, zu dem dieVereinigung ehemaliger KriegSge- fangencr Deutschland» die Vertreter der einzel­nen Ortsgruppen entsandt hat. um erneut das feste Zusammenhalten der Kriegsgefangenen zu bekunden Auf dem Begrüßungsabend führte der erste Bundesvorsitzende Karl Rosenberger au», daß von einer Million Gefangener nur 800 000 zurückgekehrt seien. Es sei erschütternd, daß man von 100 000 Kriegsgefangenen heute noch nicht wisse, wo sie geblieben seien. Die deutschen Kriegsgefangenen seien bestrebt, das Erlebnis des Krieges in ein Erlebnis des Frie­dens umzuwandeln. Ieder müsse dazu helfen, daß diese» Ziel erreicht werde. Unter zahlreicher Beteiligung erfolgte im Stadtgarten die Ent-

Gießener Stadttheater.

ttastfpiel Auguste Prasch-Grevenberg: Die fthtf Arankfurker".

CShc schade, daß die gestrige Vorstellung des berühmt gewordenen Biederrneycridyll» in der FrankfurterIuddegah" nicht besser besucht war: sie hätte au» mehr al» einem Grunde em au»verkauftes Haus verdient.

Lieber da» Stück, das beste und dauerhafteste, da» Röhler je geschrieben hat. find heute nicht mehr viele Worte zu verlieren. Man kennt es. man spielt es immer wieder und man nach auch immer wieder verwundert feststellen, wie wenig c», in all seiner Behäbigkeit und altfränki­schen Verschollenheit, überaltert und verstaubt ist.

Die Ereignisse der drei Akte (ober ihre histori­schen Grundicwcn) liegen um ein gute» Iahv- hundert zurück aber wirtlich altmodisch ent* zückend altmodisch geblümt und geschweift urro gesteift und alles ein wenig vom leisen Lavendel­duft Hrgrohinutterzeft überhaucht wirklich Biedermeyer ist eben bei alledem nur Kostüm und diflurine, Vatermörder und Kapotthut. Möble- ment und Kkmgelzug ... der stilistische Rahmen nrit einem Wort.

Das liegt, ganz einfach, daran, daß sich die Begebenheiten des Spiels in abwechselnd kon- zemrischcm und sich überschneidenden Kreisen um Swei starke und festgefügte Pole bewege,r, welche al» literarische Motive wie al» einfache Wirk- lnhkeit zu allen Zeiten von ungemeiner Attuali- ttrt gewesen und geblieben find. Bis auf den heutigen Tag. Sie heißen: Geld und Liebe.

Alle» um Geld und alle» um Liebe Hm Dell» im tiefsten Grunde und im doppelten Sinne. wenn die fünf Söhne der alten Frau Gudula aus allen Ecken der Welt wieder im

schmalen Gäßchen der schönen Vaterstadt zufam- menkommen. von der kaiserlichen Majestät zu Wien in den Adelsstand erhoben werden

Alle» um Geld, wenn der Salomon al» rechter Wortführer der fünf und Ehes des alten Hauses dem Herzog vom Taunus ein unmenschlich mäch­tige» 5) ar leben anbietet und die Hand ferner jungen und schönen Tochter Eharlotte dazu.

Alles um Geld, wenn der verwöhnte Fürst auf beide Angebote einzugehen geneigt ist. von denen mindestens das eine den übrigen vier Brüdern (die sonst ihrem Salomonältesten nicht unebenbürtig und kaum au» der Art geschlagen sind) doch ein wenig bedenklich erscheint.

Aber alles um Liebe, wenn die alte Frau Gudula mit stillen und klugen Worten die Hand über alle fünfe hält und über ihr Enkelkind, die junge 6-harlotte, zu allermeist. Alle» um Liebe, wenn sie mit schalkhaftem Lächeln jedem der au» der großen Welt heimgekchricn Söhne im engen Vaterhaus den Tisch bereitet und jedem fein Leibgericht zurüsten läßt.

Hnd alle» um Liebe, wenn sie am Ende da» Schicksal ihres Haufe» zum Besten kehrt: wie c» von Herzen» wegen kommen muh. daß der Salo­mon und der vom Taunus auf die Heirat ver­zichten. bei der kein Segen wäre. Hnd wenn statt dessen die Eharlotte und da» Iaköble. Frau Gudulas Resthäkchen und Sorgenkind <da» doch ein wenig aus der Art qcMj lagen sein muh­einander in den Armen liegen und sich lieb­haben und bald Mann und Frau sein werden.

So endet da» Stück, wie es in einem rich­tigen Lustspiel fein muh. in eitel Sonnenkchem und ,c» bleibt doch auch wenigstens alle» ht der Familie": die große Liebe und daS grausam viele Geld.

Run ist c» wohl an der Zeit, de» Gastes zu gebenfen, um dessen willen man eben diese»

büllung eine» Ehrenmal» für die in der Ge­fangenschaft verstorbenen Kameraden. Das Ehren­mal besteht aus einem mächtigen Findling, her auf einer Bronzeplatte die Inschrift tr.i.y .V S. K zum Gedenken der in fremder Erde ruhenden Kriegsgefangenen."

Auf einer öffentlichen Kundgebung fprach Leh­rer Kretschmer-Hhlstädt .über das Krieg»- gräberwesen. Er appellier le an da» deutsche Gewissen, das sich der Dankespfsictzt gegenüber den Gefallenen nicht in dem Maße bewußt fei. wie c» he» dargebrachten Opfer» und einer Kultur­nation würdig fei Von einem 60 Millloneu-Volke hätten sich nur 150 000 im Volksbund für Kriegs- gräderftlrforge zusammengefunden, um stch der Kriegergräber im Feindeslande anzunehmen. Der Redner schilderte sodann den Zustand der Krieger- friedhöfe in Belgien und Frankreich und for­derte. daß man endlich dazu übergeben sollte, die Pflege der Friedhöfe deutschen Händen anzuvertrauen.

Der erste Bundesvorsitzende Rosenberger sprach dann über die Ziele der Bereinigung ehe­

maliger Kriegsgefangener E» sei die höchste und vornehmste Ausgabe, bofur zu sorgen, daß die Menschheit»ttas.a)ien sich in diesem rtuemaß nicht wiederholen. Leider ftänben die Kriegsgefangenen tn der Meinung vieler um einige Grade tiefer als die anderen Frontsoldaten. Auch werfe man ihnen vor, Freunde de» Frieden» und der Aölkeroersöh- nung zu sein, aber da» dürfe die Kriegsgefangenen in der Verfolgung ihrer Ziele, eine Wiederkehr ähn­licher Verhältnisse zu verhindern, nicht beirren. 56 000 deutsche Soldaten leien in Gefangenschaft gestorben und weitere 125 000 würden in den amtlichen Liften unter der Rubrikunaufgeklärte RestsaNe" geführt. Ter Redner bedauerte, daß die Reich»regierung e» auch diesmal nicht für notwendig geholten habe, einen Vertreter zu entsenden. Ter Grund bafür hege darin, daß die Retchsregierting mit der französischen Regierung ohne Wissen der Kriegrgesangenenorgani» sation vereinbart habe, Reklamationen ehe­maliger deutscher Kriegsgefangener nicht an fit weiterzuleiten Tic ehemaligen Kriegsgefange­nen feien jedoch gewillt, ihre Rechte zu verteidigen.

n. Reil- unb Jahrwellbewerb in der Rabenau.

|e Londorf. 24. Iuli. Dom herrlichsten Sommerwetter begünfttgt. fand am Sonntag hier unter starker Beteiligung der Bevölkerung von nah unb fern der unter dem Ehrenprotektorat de» LandftallmeisterS S ch ö r k e . Darmstadt, stehende 11. Reit- und Fahrwettbewerb de» Ländlichen Reit - und Fahrver­eins Rabenau statt. Hntcr den Besuchern de» Wettbewerbe» konnte man viele Anhänger de» edlen Reitsportes au» den benachbarten Stabten Gießen. Grünberg. Alsfeld und Marburg beobachten. Besondere Erwähnung verdient auch, daß die Burschenschaft Alemannia-Gießen in statt- sicher Anzahl den Konkurrenzen beiwohnte. Der landschaftlich reizvoll gelegene Reitplatz, um dessen Schönheit der Rabenauer Retterverein von man­cher Rachbarschaft mit Recht beneidet wird, war bis in alle Einzelheiten vorbildlich hergerichtet. Mit großer Hmsicht und Sachkenntnis war dieser Wettbewerb vorbereitet, und e» ist ein besondere» Verdienst de» 1. Vorsitzenden de» Rabenauer Reitervereins. Rittmeisters a. D. FreihermRoe­der von DierSburg, das er sich an diesem Tage erworben hat.

Der ländliche Reitsport, wie er in den ländlichen Reiterveveinen gepflegt wird, ist in erster Linie dazu angetan, unsere ländliche Iugend zu Ener­gie. Selbstbewuhtsein und Pflichtgefühl zu er­ziehen. Die Ertüchtigung und Widerstandsfähig­keit des Körper» unserer ländlichen Reiter kann nicht bester erreicht werden al» durch sach­gemäße». regelmäßiges und eifriges Reiten. Diese eble Sportart bea,ksprucht, wie kerne Ivette, einenganzen Kerl". Die Fortschritte, die im Öaufc des letzten Iahre» erzielt wurden, find außerordentlich. Das Pf erd« material hat eine wesentliche Derbesserung erfahren, eine Tat­sache. die ohne Zweifel auf die sachgemäße und beratende Tätigkeit der ländlichen Rett- und Zahrvereine mit zurückzuführen ist. Man findet jetzt schon Pferde, die in der Figur proportio­niert und harmonisch herausgebracht werden. Einzelne Exemplare in der Hand der ländlichen Retter zeigten gute schräge Schulter, festen Rücken, viel Tiefe und plastische MuSkeln.

Die Zusammenstellung der Einzelkonkurren»en war geschickt und sehr abwechslungsreich von der Oberleitung getroffen worden. Der Wettbewerb wickelte sich - - mit Ausnahme eines kleinen Un­fälle». der aber keine ernstliche Form annahm ohne besondere Zwischenfälle ab. Besondere Be­achtung fanden da» 100-Mcter-Laufen der Reiter, dem sich auch eine Reiterin de» Vrünberger Reitcrverein» unter dem Beifall der Zuschauer ttoh der ungewohnten Tätigkeit mit Erfolg unter­zog: fernerhin das Sanrt-Georg-Iagdsprlngen und da» Galoppretten.

Die OberleitungdeS Wettbewerbes lag in den bewährten Händen de» Rittmeister» a. D Freiherr Roeder von DierSburg, Hofgutsbesitzer Hermann Reumeyer. Win­nerod. Hofgutspächter Philipp Schudt. Lon­dorf. Philipp Höchst. Londorf. Ernst P f n o r r , Londorf. Oberleutnant Rettig. Darmstadt, ReifinstiiutSbesitzer H. Schott, Darmstadt. AIS Preisrichter waren tätig: Landstallmeister a. D. Schörke. Canbflallmc fter Hertel. Landesökonomierat Müller. Oberst o. D. Bleibtreu, Kammerdirektor Frhr. L ö w v o n und zu Steinfurth. Rittmeister a. D. Graf v. Bredow. Major a .D. Sch a efer . Guts­

besitzer Kleberger. Wolfram Frhr. Schenk zu Schweinsberg.

Bereits am Samstagnachmittag fand der @ c - länberitt. der in die Konkurrenz der Biel- settigkeitsprüfung zählte, zwischen Londorf und Weitershain statt. Der Geländerttt. her zum Teil durch recht schwierige» Gelände ging, ver­lief äußerst anregend und ohne jeglichen Zwischen­fall.

Sin stattlicher F e st z u g an dem sich etwa 80 Reiter beteiligten, bewegte sich um 2.30 llhr unter der Führung de» Herrn Karl Lich-Lon­dorf und unter der ausgezeichneten Marschnrusik des Grunberger Musikverein» (Dirigent Schihel) durch die Straßen Londorf». Den eittzelnen Wettbewerben ging ein Parade­marsch im Schritt und Trab norau», der all­gemein den Beifall der Zuschauer fand.

Di« Ergebnisse der einzelnen Kon­kurrenzen waren folgende: In der Viel­seitigkeitsprüfung. die au» Geländerttt^ 100-Meter-Laus und einer Reiterprüfung Klasse A bestand, erhielten Preise: 1. IuliuS Bock, Abt. Büßfeld. Reiw. AlSfeld: 2. Friedrich Becker, Abt. Büßseld, Reiw. Alsfeld: 3 Willi Zulaus, Abt. Obergleen, Reitv. Al-feld: 4. Karl Erb, Abt. Grünberg. Reiw. Grünberg: 5. Ludwig Schmidt. M>t. Großen-Buseck. Reiw. Ra­benau: 6. Adolf Röcker. Abt. Weitershain, Reiw. Rabenau: 7. Heinrich W a a ne r. Qlbt Geil-Hausen. Reiw. Rabenau: 8. Wilhelm Krug, Abt. Deilshaulen. Reiw. Rabenau; 9a. Karl Rüger, Abt. Oberg [een. Reiw. Alsfeld: 9b. Kurt Peil, Abt. Ebsdorf. Reiw. Marburgs 10. Friede. Esau, Abt. Grvßerv-Duseck. Reiw. Rabenau: 11. August Schaefer, Abt. 06er» gleen, Reiw. AlSfeld.

3m Delänberitt für Kaltblüter er­hielten Preise: 1. Beter Kornmann, Abt. WermertShausen-Rüddinashausen, Reiw. Ra­benau: 2. Heinrich Bock, Abt. Büßfeld, Reitv. AlSfeld: 3. Wilhelm Wagner I., Abt. Geils­hausen, Reiw. Rabenau.

Im AbteilungSvorretten erhielten die Herren Reitlehrer eine Erinnerungsgabe In Form eine» silbernen Bechers. Den vom Grünberger Reit- und Fahrverein gestifteten Wander­pokal errang in diesem Iahre die Abteilung Wermertshausen - Rüddlngshausen (Im Vorjahre die Abt. Weitershain) unter dem bewährten Reitlehrer 2t ö de r - WeiterShain.

Im St. -Georg-Iagdsprlngen erhiel­ten folgende Preise: In Der Gruppe Anfänger (Belgier). 1. Wllhelm W a g n e r I. Geilshausen: 2. Heinrich Bock. Schadenbach: 3. Adolf Loth. Weitershain: 4. Emst Faulstich, Weitershain. In der Gruppe Anfänger (Oldenburger): 1. Karl Rocker, Weitershain: 2. Willi Zulauf, Alsfeld: 3. Heinrich Ko- rell, AlSfeld: 4. Heinrich Wagner. Geils­hausen . 5. Heinrich Weber, Büßfeld: 6. Hein­rich Bock, Schadenbach: 7. HanS Stiefel, Lich: 8. Ludwig Zimmer. Lich: 9. Heinrich Faulstich , Wermertshausen. - In der Gruppe Vorgeschrittene: 1. Iulius Bock. Schadenbach: 2. Karl Erb. Stangenrod: 3. Ludwig Schmidt, Großen-Buseck: 4. Kurt Peil. Ebsdorf: 5. Aug. Schäfer, Alsfeld.

In der Reiterprüfung Klasse A er­hielten Preise A. für Gediente unb Vorgeschrit­tene: 1. Preis Oberwachtmeister August Roe-

Spiel au» uralten Zeiten zu neuem Leben erweckt hat: Auguste Prafch-Grevenberg. Hnd e» gilt unS mehr al» nur die selbstverständliche Geste der Höflichkeit, wenn wir ihr vor den vielen andern, die an der Aufiührung mitgearbeitet haben, den Vortritt lallen.

Was man hier zu sehen bekam, war eine heute leider schon um Generationen zurückliegende Schauspielkunst alten StileS und alter Schule in allerbestem Sinne. In Frau Prafch-Grevenberg ist die ehrwürdige Tradition der Meininger, die einst das deutsche Theater berühmt ge­macht haben, unveraltet lebenbig geblieben. Der erste und letzte Eindruck Vornehmheit und An­mut der äußeren Erscheinung sowohl wie der Art zu sprecherc, zu lächeln, sich zu bewegen, mit einem Dort: eine Rolle zu spielen: solcher Anmut des Spiels aber gesellt sich die mensch­liche Würde, die von dieser greisen FraueTigeftalt ausstrahtte und die Rolle über die Rolle hinaus- hob. Gewinnende Liebenswürdigkeit und mütter­liche Wärme, einfältige Wesensschlichtheit und dennoch auch eine unbestimmbare, patriarcha­lische Heberlcgenheit. die am Ende alle Fäden des Spiels in den Händen fritt solche Züge schienen uns vor allem die Gudula der Frau Prasch-Gredenberg zu bestimmen

Es war überhaupt unter Dolck » Regie eine sehr angeregte, sehr frische, sehr luftige Auf­führung zustande gekommen, an der man Ver­gnügen haben konnte, und an der wir bis auf einige matte Stellen im Mittelakt nichts auS- zusetzen fanden.

Das Quintett der Brüder war wirklich sehenswert und sauber abgestimmt: Doll (Anselm.. Teiekh lRathan), Volck lSalomvn), 03 a fte (6atf) und Wefener (Iakvb): besonders Bvlck Goll und Bast« stellten drei höchst plastisch modellierte und erheiternde EharakterporträtL

Ingeborg Scherer (Charlotte) im Flügel- kleide sah scharmant auS: die halb schelmische^ fcatb rührende Romantik ihrer Rolle stand ihr aller­liebst. Tannert gab der etwa» stiefmütter­lich behandelten Gestalt deS Herzog» welt­männischen Hmriß und eine gewisse, nicht nut äußere Roblesse der Haltung, wa» beide» sym­pathisch und geeignet war, seine Partie ein wenig dem Schlagschatten einer notwendigen Gegen­spiel» und Kontrastfigur zu entrücken.

GS würde zu weit führen, die zahlreichen < Chargen einzeln zu besprechen: wir nennen mit , Anerkennung noch die Damen Koch, Heß und ' Iüng lina, die Herren Garei S. Arz­dorf und Ritter.

Die Aufnahme de» Stückes war von außer­gewöhnlicher Herzlichkeit: insbesondere Fran Prafch-Grevenberg muhte sich, mit Blumenspenden reich beladen, immer wieder zeigen Dr. Th,

Hochschulnochnchien.

Der außerordentliche Profellor tn der Medi­zinischen Fakultät der Hniversität Frankfurt Dr. Philipp Schwartz hat einen Lehrauftrag für Pathologie der Zahnärzte und der Privaö- dozent tn der gleichen Fakultät Dr. Erwin Be­cher einen sorchen für Propädeutik erhalten.

Der Hamburger Philosoph Professor Dr. Ernst Caffircr, der einen sehr Ehrenvollen 3tuf an die Frankfurter Universität als Nachfolger des ver­storbenen Professors Mar Scheier erhalten hotte, hat sich entschlossen, in Hamburg zu bleiben.

An der Berliner Land wirtschaftlichen Hoch­schule i st der rnchtbecuntete a. o. Professor, Ober- landwirtschaftsrat Dr. Kurt Ritter zum ordent­lichen Profellor für BolkSwrrtichaftslehre er» normt worden.