Ausgabe 
25.6.1928
 
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Sprechstunden der Redaktion

12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügte» Rückporto wird keine Gewahr übernommen.

Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.

WehrbeitragSwert von mehr als 100 000 Mk. des Wehrbeitragswertes-

Für die Zukunft ist die Zurechnung zu der Dillen- gruppe davon abhängig, ob das Grundstück nach Bauart und Einrichtung seiner Gebäude Dillen­charakter aufweist. Die Entscheidung der Frage, ob ein Grundstück Dlllencharakter aufweift, richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen.

Die Bewertungssätze haben gegenüber der bis« herigen Regelung eine teils stärkere, tells schwä­chere Erhöhung erfahren. Innerhalb der einzel­nen Grundstücksgruppen hat eine größere Diffe- renzierung der Bewertungssätze stattgefunden. Durch inde Differenzierung dürfte von dem Weg allzugroher Schematisierung abgewichen sein. Es siird folgende Rorrnallähe vorgesehen

a) Dillen:

b) GeschäftSgrund st ücke Aabrikgrundstücke und Lagerhäuser mit 70 Pro­

zent de« Wehrbeitragswertes;

sonstige GeschöftSgrundstücke mit 80 Prozent des Wehr beitragswertes.

c) Mietwohngrund st ücke (wenn sie der Raumfläche ihrer Gebäude nach überwiegend Wohnungen enthalten):

Don 1 bis 2 Wohn-(Schlaf.-Räumen mit 45 Prozent des Wehrbeitragswertes:

von 3 bis 4 Wohn-lSchlaf--Räumen mit 50 Prozent deS WehrbeitragswerteS:

im übrigen mit 60 Prozent des Wehrbeitrags­wertes.

Bei Geschäftsgrundstücken, die überwiegend eine neuzeitliche bzw. überwiegend ein« veraltete Ein­richtung aufweisen, erhöht sich der Bewertungs­satz um 5 Prozent bzw. ermäßigt er sich um 5 Prozent des WehrbeitragswerteS.

Als Geschäflsgrurrdstücke aellen sowohl eigen­gewerblich und fremdgewerbttch genutzte, als auch von öffentlich-rechtlichen Körperschaften zu öffent- lichen Zwecken benutzte Grundstücke.

In bestimmten Gemeinden, die von den Herren Präsidenten der LandeSsinanzämter im Benehmen mit den Landesregierungen zu bestimmen sind, können wegen guter, schlechter oder sehr schlechter Lage Zu- oder Abschläge in Höhe von 5 bis 10 Prozent gebildet werden. Entsprechende Ver­ordnungen sind zu erwarten.

Dient ein Grundstück mehreren Zwecken, z. B. tellweisc Geschäftszwecken, teilweise Mielwohn­zwecken, so wirb jeder Teil für sich bewertet. Entfallen jedoch auf einen Teil nicht mehr als 20 Prozent der Iabresrohmiete, so wird dieser Teil dem anderen Teil hinzu gerechnet.

Die nicht zwangsbewirtschafteten Grundstücke (das sind insbesondere solche Grundstücke, die nach dem 30. Iuni 1918 bezugsfertig geworden sind) sind mit dem Grtragswert jedoch nicht über den gemeinen Wert hinaus zu bewerten. Als Ertragswert gilt der achtzehnfache Betrag des nachhaltig zu erzielenden jährlichen Reinertrags. Bei nicht zwangsbewirtschafteten Grundstücken, die der Gebäude-Entschuldungssteuer (Sonder- steuer) unterliegen, sind di« Steuerlasten bei Errechnung des Reinertrags mit 60 Prozent der derzeitigen Höhe anzusetzen. Unbebaute Grund­stücke sowie Grundstücke, die sich am l.Ianuar 1928 im Zustand der Bebauung befanden, sind mit dem aemeinen Wert zu bewerten. Hierzu »ählen insbesondere Bauplätze, Lagerplätze, Roh­bauten usw.

. Im Hinblick darauf, haß die aus den l.Ia­nuar 1928 festgestellten Einheitswerte wohl auch l für Landessteuerawecke zu Grunde gelegt werden, hat bei der diesiährigen Einheitsbewertung auch F eine Feststellung der Einheitswerte für solch« Betriebe und Grundstücke stattzusinden, bereu Eigentümer nicht der Vermögenssteuer unter­liegen. Durch das neue hessische Gewerbesteuer­gesetz ist bereits bestimmt, daß die auf den l.Ia­nuar 1928 fest gestellten Einheitswerte der ge- werblichen Betriebe als Grundlage für die Ge­werbesteuer dienen.

Oberheffen.

Landkreis Gieren.

: Reiskirchen, 24.Sunt Einem lange geheg- ten Wunsch der Ortseinwohner entsprechend, hat «ich jetz ein Arzt bei uns niedergelassen und seine Praxis schon begonnen. Bor einigen Zähren bereits hatte ein junger Arzt eine feste Wohnung hier ge­mietet, um von hier aus zu praktizieren. Damals scheiterte der Plan jedoch an der Zulassung zur Krankenkassenpraxis. Bei der zentralen Lage unfe» res Ortes und der großen Zahl der nahegelegenen Ortschaften darf angenommen werden, daß nicht nur hier, sondern auch bei den Einwohnern der umlie­genden Dörfer die Niederlassung eines Arztes als willkommen empfunden werden wird.

Queckborn. 24. Iuni. Seit einigen Tagen ist die Heuernte hier in vollem Gange: sie verspricht einen reichen Ertrag. Es ist aber sehr schwer, Arbeitskräfte zu gewinnen, da die Stcininbuftrie in der hiesigen Gegend die sonst freien Hände beschäftigt. Hm so mehr ist zu wünschen, daß die Witterung günstig bleibt, somit nicht noch durch Regenfälle die an sich harte Arbeit erschwert, und die Grnte bedroht wird.

$ (ürünberg, 24. Juni. Die jüngste (9 c - meinderatssitzung bracht« u. a. folgendes - Ein Gesuch des Ludwig Herzberger um kosten­lose Ablassung von Erdaushub von der Käswiese zu seinem Neubau wird vorläufig zurückgestellt, da diese Erde zur Auffüllung in der Theo-Koch-Straße benötigt wird. Dem Stabszatzlmeister a. D. sta a s wird auf sein Gesuch um Räumung eines Grabens zwischen seinem Garten und dem Garten des Karl Keil erwidert, daß dieser Graben nicht Eigentum der Stadt ist und seitens der Stadt keine Veranlas­sung zur Räumung dieses Grabens besteht. Die Entscheidung über die Beschwerde des Bauunterneh­mers Jaeger in Quedbom vom 14.3uni 1928 wird auf Antrag des Gemeinderats Großhaus einstimmig vorn Gemeinderat zuruckgestellt. Diese Angelegenheit soll auf die Tagesordnung der näch­sten Gemeinderatssitzung gestellt werden. Eine Anzahl weiterer Punkte der Tagesordnung wurde in geheimer Sitzung beraten.

0 Münster bei Lich 24. Iuni. Nachdem der hiesige große Stein br uch (Steinet" ge­nannt) eine Zeitlang stillgelegt war. hat man jetzt wieder mit der Arbeit in ihm begonnen. Es steht zu hoffen, daß mit der Zeit der Betrieb wieder in vollem Umfang ausgenommen werden kann, so daß die Arbeiter in nächster Nähe Verdienstmöglichkeit finden.

4 Lich, 24. Juni. Unter Beteiligung von rund 30 Mitgliedern unternahm der Zweigverein Lich des Vogelsberger-Höhen-Clubs gestern und heute eine wohlgelungene Wanderung an die Edertalsperre. Unter Führung des V. st. C.-Bruders Otto Pappe und des Iugend- worts Karl Wahl wurden die schönsten Punkte des Waldecker Ländchens, wie Herzhausen, Vöhl, Wal­deck und steinfurt mit der Sperrmauer besucht. Die Rückfahrt führte über Bad Wildungen und Wabern.

Kreis Badingen.

Lpd. Büdingen, 23. Iuni. Der Gemein­derat befaßte sich in seiner jüngsten Sitzung u. a. mit der Errichtung einer Iugendher- berge auf dem sog.Erlenkippel" und ge­nehmigte den Bau. Das in Frage kommende Gelände wird bis zu 1000 Quadratmeter dem Verbände kostenlos überlassen. Mittel für die Zuführung der Wasser- und Gasleitung, sowie ein Rachlah von 20 Prozent auf den Kauf­preis deS erforderlichen Baubokes wurden be­willigt. Die Arbeiten sollen baldigst in Angriff genommen werden.

Kreis Schotten.

-s- Hartmannshain, 24. Iuni. Heute abend gegen 7 Uhr ereignete sich hier ein Ver­kehrsunfall. Ein Lauterbacher Personen­auto. von Muschenheim kommend, stieß an der Straßenecke von Ruhl mit einem Bad-Rau­heimer Verkehrsauto zusammen. Der Privatwagen wurde von dem OmnibuS zirka 20 Meter weit geschleift, bis es gelang, den Wa­gen zum Stehen zu bringen. Dis auf einige kleinere Verletzungen durch Glassplitter u. dgl. sind Personen glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Dagegen wurde baß Per­sonenauto an feinem Vorderteil sehr stark demoliert, so daß es abgeschleppt werden mußte. Die Schuldfrage ist noch nicht ganz ge­klärt. Zweckmäßig wäre oie Anbringung von Warnungstafeln.

Starkenburg.

WSR. D a r m st a d t. 24. Iuni. Der statistische * Monatsbericht der Stadt Darmstadt ist in den

mit 70 Prozent ___ ----

Wehrbeitraaswert von mehr als 60 000 biß 100 000 Mk. mit 75 Prozent des WehrbeitragS- wertes, jedoch nicht mehr als 70 000 Ml.',

Wehrbeitragswert bis zu 60 000 Mk. mit 80 Pro­zent des WehrbeitragswerteS. jedoch nicht mehr als 45 000 Mk.

Schmetterlinge.

Don Joses Friedrich perfonig.

Aus dem in nächster Zeit erscheinenden Roman Perkonigs »Bergsegen" teilen wir mit Erlaubnis des DolkSverbandes der Bücherfreunde einen Abschnitt mit.

An verborgenen Plätzen feierten die Schmetter­linge ihre Ordensseste. die kaum jemals ein Mensch störte.

Ueber einer erwärmten Wiesenfläche schwebten Wolken von Faltern, als habe sie der Himmel selber anSgesät, als müßten sie schon im nächsten Augenblick wieder zu Tautropfen werden, nieder­fallen und neuerlich in jenen Zustand rückver- wandelt sein, aus dein sie eine geheimnisvolle Laune emporscheuchte. Lebendigere Lust der Krea­tur, an einer Stelle zusammengedrängt, war un­denkbar. dichter beisammen konnten sich alle Far­ben der Schöpfung nimmer finden.

Es schwirrte da Adel und Volk Admiral, Apollo. Schwalbenschwanz. Zitronenfalter neben Weißlingen und Blaufaltern. Ihre schlagenden und taumelnden Flügel füllten die Luft mit ge­lindem Rauschen, als würde Seide auSgebreitet oder riesele Wind durch Espenlaub.

Mitten unter ihnen aber schwebte, ohne Flügel­zucken. in fanften Bögen, daß königlich einsame Paar der Trauermäntel. Ihre dunklen Ränder glänzten wie blauschwarzer Samt.

Felician schwindelte eS. denn solches Zaltcrspiel batte er an wärmsten Tagen und über wind­stillen Lehnen niemals gesehen. Und so sehr er auch hinblickte, die sichtbare Gnade der Wiese zu erspähen, er sand kein äußeres Zeichen ihrer sicherlich inneren Gewalt, die den Falterschwall über ihrem Bereich zu holdem Verweilen bannte.

Graeve setzte sich am Rande des Wiesen- streifenS hin und wartete wohl über eine Stunde lang auf die Auflösung der merkwürdigen Schmet- terllngsgemeinde. aber ihr leidenschaftlicher Tau­mel sollte wohl vor dem Abend nicht enden.

Er muhte schließlich die von keinem Wind­hauch berührte Waldinsel verlassen, ohne sich erklären zu können, warum der Braus der ge­flügelten Tiere hier so stürmisch wogte, ohne daß für ihn eine andere Lösung gab als .Es muß ein Wunder sein."

Aber in seiner Grübelei kam er an eine Stelle, wo ihn dieser Hang zu Ienseitigem nicht mehr be­friedigte. ES gelüstete ihn nach einer natürlichen, näheren Ursache. Und er begann zu enträtseln:

,Es wird an diesem Orte wahrscheinlich ein geheimer Zusammenhang zwischen Boden und Sonne bestehen. Vielleicht zieht nahe der Luft eine Metallader unter der Wiese und fängt die Sonne stärker als metallose Erde. Diesen wär­meren Hauch aber spüren die feinncrviaen Falter, die für Wärmeschwankungen wohl ein besonderes Organ besitzen."

Der Zweifel mengte sich wieder ein.

.Oder aber beruht die sonderbare Erscheinung doch auf einem unaufflärbaren Zusammenhang zwischen Tierseele und Erdenseele".

Er berichtete am nächsten Tage dem Iäger von dem Ereignis, und der horchte auf.

.Eine Wolke von Schmetterlingen, sagen Sie?"

.Eine unheiliche Menge von bekannten und fremden Arten."

.Das war gestern?"

.Die Neugierde trieb mich auch heute hin. tdj fand keine Spur mehr von den Schmetterlingen.'

.Admirale und Trauermäntel sind hier selten wie der Bilch."

.Glauben Sie nicht an eine Srzader nahe der Oberfläche, an magnetische Ströme oder der­gleichen?"

..Wer kann das wissen?" ... der Gläubige mühte sagen, es sei Gott in einer seiner tausend wandel­baren Gestalten gewesen... ilebrigen» gibt es hier in den Bergen eine Prophezeiung, &ab sich einmal die Zeichen mehren werden"

.Wozu?"

.Der Sinn ist dunkel. Ich habe eS auch schon halb und halb vergessen...

letzten Monaten sehr wenig erfreulich gewesen. Er weist im Monat April 1928 eine Bevölke­rungszahl der Stadt von insgesamt 89 310 Per­sonen aus. gegen S9 670 Personen Ende $e- btuar. Die Bevölkerungszah l ist also vom ®nbe Februar bis 30. April um 336 Per- f o n c n gesunken. Bedenklicher ist aber die Tatsache, daß im Monat März die Anzahl der Gestorbenen die der Geborenen um 12 übersteigt. Im Monat Februar überstieg die Zahl der Ge­borenen die der Gestorbenen noch um 18. Auch dieser kleine Geburtenüberschuß ist. nach der be- völkerungspolit/chen Seite bin gesehen, völlig un­zureichend und nicht in der Lage, ohne Zufluß von außen die Bevölkerungszahl von Darmstadt auf gleicher Höhe zu halten.

Michelstadt, 24. Juni. Vor einigen Tagen war durch ein allgemeines Ausschreiben die Fahn­dung auf einen Scheck schwindler bekannt- gemacht worden, der durch Einzahlung kleinerer Beträge sich bei Banken und Sparkassen Scheck­konten eröffnen ließ und auf Grund der Scheckhefte Schwindeleien ausführte. Gestern wurde er mm hier bei dem gleichen Manöver verhaftet. Er soll auch bei verschiedenen Einbrüchen im Odenwald be­teiligt fein.

Rheinhessen.

WSR. Mainz. 24. Iuni. Ein Seltener Fall von Redlichkei t konnte in den letzten Tagen hier fettgestellt werden. Wie derMainzer Anz." berichtet, verlor Ende der vergangenen Woche ein Banklehrling aus Weisenau bei Mainz in Mainz feine Aktentasche, in der sich ein Geld­betrag von 2000 Mark befand. In größter Bestürzung begab er sich zur Polizei, um den Verlust zur Anzeige zu bringen. Etwas später erschien auf dem Polizeirevier ein Herr, der die Tasche mit dem Inhalt brachte, die er a u f der Straße gefunden hatte. Die Kriminal­polizei ist einer aus halbwüchsigen Bur­schen bestehenden Diebesbande auf die Spur gekommen, die schon feit längerer Zeit in Mainz und in der Umgebung Fahrraddieb- stähle ausgeführt hatte. Die Bande war auch noch sehr wählerisch, denn minderwertige Fahr­räder wurden nach der Feststellung ihres ge­ringen Wertes wieder irgendwo hingestelli. Die ausgesuchten Räder wurden umgearbeitet bzw. renoviert und dann an den Mann gebracht. Bis jetzt konnten schon fast ein Dutzend Fahrräder ermittelt und den Bestohlenen zurückgegeben werden.

Lpd. Worms, 23. Juni. In der Stadtverord- neten-Sitzung wurde ein Antrag zum Beitritt der Stadt Worms zu dem zu gründenden Zweckoerband für den Bau einer elektri­schen Bahn Bensheim Lindenfels be­handelt. Dem Antrag des Finanzausschusses wurde nach längerer Debatte beigestimmt dergestalt, daß die Stadt Worms dein Zweckverband b e i t r i 11 und die Garantie für die Verzinsung und Tilgung eines Kapialanteils von 100 000 Mark übernimmt.

Preußen.

Kreis Wetztar.

L Groß-Rechtenbach, 24. Juni. Dieser Tage sand hier die Versteigerung des Heu­grases auf den Gemeindewiesen statt. Ins­gesamt wurde das Gras von 35 Wiesengrund­stücken verkauft. Ts wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Im DistriktGroße Weide" wurden für Wiesengrundstücke in einer Größe von etwa 8/4 Morgen 3249 Mk., im Distrikt Bubenthal" für solche in Größe von etwa V4 Morgen 57 Mk. bezahlt. Die Dersteige- rungsergebnisse sind wesentlich höber als die vorjährigen, was daraus zurückzuführen ist, daß die diesjährige Heuernte im allgemeinen hinter der vorjährigen zurückbleibt und daher eine große Nachfrage nach Heugras entsteht.

Kreis Marburg.

WSR. Marburg. 23. Iuni. Gestern abend beging die Marburger Studenten­schaft bei der auf der Höhe des Lahnberges gelegenen Bismarcksäule, von der die Flammen weithin ins Lahntal leuchteten, die Feier der Sonnenwende. Der Vorsitzende der Mar­burger Studentenschaft, cand. Jur. ®ierltd). betonte in feiner Ansprache, daß die diesmalige Feier die erste Veranstaltung der neugegrünbe- ten Allgemeinen Marburger Studentenschaft nach Auflösung der alten Organisationen sei. Rach dem Gesang des Liedes: ..Burschen heraus..." feierte der Rektor der Universität. Prof. Dr. Frhr. v. Soden, Bismarck als den Schmied deutscher Einheit. Ein imposanter Fackelzug. an dem lich über 3000 Studierende, darunter auch zum ersten Male viele Studentinnen beteiligten, bildete den Abschluß der Kundgebung,

Franklins grauenvoller Rückmarsch.

Don H. H. Houben.

Wir entnehmen die nachfolgende Episode dem im Volksverband der Bücherfreunde «Wegweiser-Verlag. G. in. b. H.). Berlin- Charlottenburg, erschienenen neuen Werke 5> e r R u f des R o r d e n s" von H. H Houben, auf das wir bereits vor einiger Zeit in unfern Spalten aufmerksam gemacht haben. Das Buch gibt eine Schilderung des jahrhundertelangen Kampfes um den Rordpol. von den ersten bescheidenen Ver­suchen bis zu den Flügen von Byrd und Amundsen; obwohl in die wissenschaftlich gegründete Form nüchterner Tatsachen­berichte gekleidet, Heft sich daS Danze wie ein spannender Roman und eine oft er­schütternde Sntdeckergefchichte.

Der Rückmarsch Franklins und feiner Gefährten ist eine der schrecklichsten Episoden in der Ge­schichte der Polarsorschung.

Die kärglichen Mahlzeiten der letzten Wochen hatten die Kräfte der Mannschaft auf gerieben. Unter der schweren Last des Gepäcks brachen sie bald völlig zusammen. Gebet hatte an 100 Pfund zu schleppen: zwei trugen die beiden Kanus, die Offiziere ihr Gepäck selbst. Als hätte sich alles gegen sie verschworen, fetzte nun der Winter ein mit Ream. Schnee und Kälte. Brennholz wurde immer spärlicher: oft mußten unter dem Schnee Weidenzweige ausgegraben werden, um nur ein kümmerliches Feuer zu entfachen. Der Weg führte durch öde Steppe, dann wurde die Gegend bergig: Flußarme und Sümpfe verursachten Aufenthalt: die Uebersahri mit den Heinen Kanus, die nut drei Mann faßten, dauerte endlos lange; wagte man sich über das junge Eis. Io brachen die Leute ein. In Rebel, Sturm und Schneewehen glltten fle auf den vereisten Pfaden aus. Das größere

TilffrctS.

WSR. Roth. 24. 3uni. An der Grerye der Gemarkungen H ö r b ach und Roth fand ein Iäger ein geschossenes Reh. Er begab sich mit dem zuständigen Jagdaufseher an die Fund­stelle. und beide konnten beobachten, wie ein S?unt> das Wild in ein Versteck schleppen wollte, in dem sich die Wilddiebe aufhielten. Die Diebe werden eine exemplarische Strafe zu ge­wärtigen haben.

Maingan.

Lpd. Frankfur a. M., 23.Juni. Am Sams- tagnachmittag um 1.30 Uhr wurde an der Allen- Brücke auf der Sachsenhäuser Seite ein 2 1 jähri­ge r Student aus der Obcrmainstraße von einem Möbelwagen überfahren und auf der Stelle getötet. Der junge Mann hatte über- sehen, daß der Möbelwagen einen Anhänger hatte, in dessen Fahrtrichtung er beim Ueberschreiten direkt hineinlief.

Kleine Strafkammer Gießen.

* @ i e b e n , 22. Iuni. Um einige Amerikaner, die von Bad-Rauheim auS um 61/, Uhr in Frankfurt in die Over wollten, ecd&eitig dort­hin zu bringen, fuhr ein Ehausfeur auf der stark ansteigenden Strecke zwischen Friedberg und Obcr- wöllstadt, wo dar Weg durch KanalilierungS- arbeiten und Lagerung von Baumaterial beider­seits eingeengt und deshalb gesperrt war, ohne Warnungssignale zu geben in sausendem Tempo dahin und überrannte kurz hinter dem Höhe­punkt der Steigung eine Frau, die nicht unerheb­lich verletzt wurde. Das Amtsgericht Friedberg war auf Grund eines Sachverständigengutachtens zu einer Freisprechung gelangt; auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde das Ur­teil aufgehoben und der Mrgeklagte zu einer Geldstrase von 200 M k. Derurteilt Straf­mildernd wurde die bisherige Unbestraftheit deS Angeklagten berücksichtigt.

Ein Auktionator und Taxator hatte auf dem Markt von Groh-Felda neben einem be­hördlich erlaubten Tischkegelspiel ein Würfel­spiel veranstaltet und war deshalb unter Berücksichtigung wegen wiederholter Vorstrafen wegen Glückspiels zu zwei Wochen Ge­fängnis verurteilt worden. Er verfolgte hier­gegen Berufung. In der heutigen Verhandlung stellte es sich heraus, daß er daS Würfelspiel dauernd betrieben hatte, um ein Gewerbe daraus zu machen. Da auch die Staatsanwaltschaft Be­rufung eingelegt hatte, wurde er außer der Freiheits st rafe der gesetzlichen Vorschrift entsprechend noch mit einer Ge ldst rafe be­legt, die auf 100 Mk. bemessen wurde.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 19. Iuni. Sin Kaufmann und seine Ehefrau, die früher in Gießen wohnten, jetzt aber nach Bad Homburg verzogen sind, hatten von einem Weinlieferanten in Frankfurt eine Sortimentskiste Weine und Liköre erhalten. GS wurde ihnen zur Last gelegt, daß fie den Er­lös für die ihnen kommissionsweise überlassenen und von ihnen verkauften Flaschen nicht abge­führt, sondern für sich verbraucht hätten. Ferner hätten lle einen Teil der Ware für sich verbraucht. Die Hauptverhandlung ergab zwar dringende Verdachtsmomente, die jedoch zur Ver­urteilung nicht auSreichten. Die Eheleute wur­den daher von der Anklage der Unterschlagung und Untreue freigesprochen.

Buntes Allerlei.

Oermann Stille f.

In Berlin ist der Kommerzienrat Dr. jur. h. c. Hermann Stille, Inhaber der Verlags­buchhandlung Georg Sttlke. Berlin, im Aller von 58 Iahren an den Folgen eines Schlag­anfalles gestorben.

Professor Karl Drescher f.

In DreSlau ist der Germanist Universitäts- Professor Dr. Karl Drescher, als er das Stadtthcater verlassen wollte, von einem Herzschlage getroffen tödlich zusammen- gefunfen. Der Verstorbene war vor allem durch seine Herausgabe der Lutherschen Bibel­übersetzung betannt geworden.

Schicksal einer Flaschenpost.

Am 22. Mai 1927 wurde von dem am 18. Mai von Bremerhaven auS in See gegangenen ameri­kanischen Dampfer ..Präsident Roose­velt" ans Freude über Lindbergh« gelun-

Kanu ließ der Träger mit Absicht zerbrechen: seine Trümmer waren willkommenes Brennholz. Die Rälle und Kalte bei leerem Magen war nicht mehr auszuhalten. In wenig Tagen war die ganze Expedition wie In Auslosung begrif­fen. und hätten die Kanadier nur einigermaßen den Weg gekannt, sie würden sofort die Eng­länder verlassen und ihr Heil allein gesucht ha­ben. Den Weg nach Fort Enterprise aber kannte Franklin selbst nicht, und keiner hatte geahnt, wie ungeheuer mühsam er fein würde. Schon am 6. September war die letzte Ration Pemmcka« verteilt worden. Die Erträgnisse der Iagd wur­den von Tag au Tag kümmerlicher: die Leute konnten dem Wild nicht mehr folgen, kaum Dir Flinte noch heben. Tagelang gab eS nichts als Tripe de röche, eine Fl«hte, die sich alück- licherweise in Mengen unter dem Schnee sand, aber manche vertrugen diese Speise^t Die rasende Hungerqual überwand reden Widerwil­len: ein Aas, das sich in einer Felsspalte fand, muhte alS Mahlzeit bienen. T.erskelette, die man unter dem Schnee herauSwühlte. wurden zer­schlagen und daS verfaulte Mari auS dem Rück­grat gesogen, obgleich diese elle Slüffigfeit Lip­pen und Daumen zerfraß: Knoche irhousen. die Reste von WolfSmahlzeiten. wurden verbrannt und zu Euppenmebl zerrieben, dazu geröstetes Leder von den Schuhen: lieber barfuß laufen, solange man überhaupt noch einen Fuß vor den andern setzen tonnte! DaS Gepäck blieb am Wege liegen; sogar das Fischnetz hotten die Träger sortgeworsen. die Echwimmhölzer oerbtannt; ka­men sie jetzt an ein Wasser, das von Fischen wimmelte, dann weinten sie vor Hunger ange­sichts deS UeberslusjeS. Am 22. September wei­gerten sich die Leute, das letzte Kanu weiter mit» Auschleppen: nun muhten sie bis an die Hüfte« im eiskalten Wasser durch Fluß und Sumpf waten, Schlassäcke, Zelt, Kochgerät auf Schuller« und Kops balancierend: dazu keine Möglichkeit, am hellen Feuer die steifgefrorenen Kleider z« trocknen und die erstarrten Glieder zu wärmen. Einer nach dem anderen brach zusammen .«