Ausgabe 
25.4.1928
 
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Hr. 97 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsenf Mittwoch, 25. April 1928

DE - amerikanischer Konkurrenzkampf in der Auiomobilindustrie.

Gebotene Zurückhaltung gegenüber dem plan eines europäischen Schuhkartells. - Typisierung und Normung, die Kampf­mittel der deutschen Industrie.

Die europäsche Autvmvbllindustrie, durch Amerika- übermächtige Äonturrent in ihrem Bestand bedroht, hat beschlossen, gemeinsame Maßnahmen zu ihrer Sicherung zu ergreifen. 3m Anschluß an die italienische Anregung eine- europäischen 2utomobtl - K ar­te l l » befragte unser H. K.-M i t ar­beitet führende Männer der deutschen Automobilindustrie über die Umgestaltung, die dieser wichtige Wirtschaftszweig in der nächsten Zeit erfahren wird.

Mit Recht betrachtet man in bcn maßgebenden Streifen der deutschen Automobllindustrle den Elan Mussolini«, ein europäische« Automobil-Kartell zu bilden, mit gro­ßer Skepsi «. Schon seit mehreren Jahren l»urde in maßgebenden Kreisen der Plan er- ßrtert. die internationale Automobil-Industrie m einer Art von Interessengemeinschaft zu- Mmmenzufassen: aber niemand hatte dabei die Absicht, ein Kartell zu gründen, da« fo. wie dle Dinge nun einmal liegen, ausgesprochen anti­amerikanisch eingestellt fein mühte. Die Führer der Wirtschaft sind kühle Rechner. die auch durch hochtönende Phrasen nicht in ihren Entschlüssen beeinflussen lalsen, und so dürste ßa« von Italien geplante Kartell ein Zu- kunst«traum bleiben. Um eine solche Kar­tellierung durchzuiühren, mühte zunächst einmal eine europäische Zollunion geschaffen Verden; wie weit wir aber davon entfernt sind, yigen die augenblicklich geltenden Tarife. Ita­lien, Frankreich und die Tschechoslowakei er­geben aus ausländische Automobile einen Einfuhr- y>fl von 45 und Belgien sogar von 65 Prozent H Wertes, den der eingeführte Wagen besitzt. Auch dürsten nur wenige Staaten es wagen, Einer Bereinigung beizutreten, die eine ausge­sprochen feindliche Haltung gegen Amerika, ßen Geldgeber der Welt, einnimmt. Troy- fcm bleibt selbstverständlich für die Autornobil- ikbustrie die Notwendigkeit bestehen, sich vor ver übermächtigen amerikanischen Konkurrenz zu schützen. Sie kann daS auch durch weitgehendste internationale Dereinbarungen über die Normung und Typisierung im Autv- mobilbau erreichen.

Unter der ParoleDienst am Kunden" hat die amerikanische Geschäftswelt einen unge­ahnten Aufschwung genommen; diese« ge­schickte Schlagwort verleiht dem Käufer die Ueberzeugung, bah sich der Geschäftsmann tat­kräftig darum bemüht, die Ansprüche seine« Ab­nehmer- durch höhere Leistungen zufriebenzu- kleilen. EinenDienst am Kunden" stellt nun die Normung dar, deren Dortelle für die In- Diifttie auf der letzten Leipziger Messe dem Publi­kum vor Augen geführt wurde. Die Automobil- iudustrie ist bestrebt, für möglichst viele Bestand­teile der verschiedensten Automobilthpen gleich- mLhige, genau festgesetzte Abmessungen elnzu- sühren. Die Dorteile sür den Kunden liegen aus ter Hand: Der Fabrikant kann genormte Autv- nobulclle serienmäßig und daher billiger 6er ft eilen, und dem Autobesitzer ist die Möglich­keit gegeben, sede« zerbrochene Stück schnell durch ein anderes zu ersetzen, daS er überall erhalten kann. Die genormten Autoreifen geben ihm die Gewißheit, auch in bem kleinst en Städtchen Er­satzreifen zu finden: andererseits bieten die ge­normten Teile auch dem Händler recht bedeutende Kartelle. Er braucht nicht mehr die verschiedensten Gröhen und Qualitäten auf Laaer zu halten, sondern führt nur eine, nänllich die genormte Horte und spart dadurch Arbeit und Kapital. Welche Wirkungen die Normung auf das ge­samte deutsche Wirtschaftsleben ausübt. kann man leicht an einem Beispiel erkennen. Werden doch

allein bei der Normung der Schraubenmutter, also eines kleinen ArtckelS. in Deutschland jähr­lich 70 000 Kilometer D.winde gefpat*. Würde man die ersparten Gewinkt zu einer Kette an- einanderreihen, so würde diese säst zweimal den Aequator umspannen, unb die Anfertigung würde Vv ArbeitSjahre erfordern.

Die Dorteile der Normung sind von der deut­schen Automobil-Industrie rechtzeitig erkannt wor­den. Schon feit mehreren Jahren bestehen lür die Normung der Automobile eine Arche von Kommissionen, die seit kurzem in dem ..Fach- Normenausschuß der Krastfahr-In- d u st r i e" zusammengefaht sind. Dieser Zentral- ausschuh. der der technischen Abteilung deS .AeichsvorbandeS der Deutschen Automobil-In­dustrie" 'angegliedert ist. hat sich in letzter Zeit besonders mit der internationalen Seite deS Aormungsproblems beschäftigt. ..Wit Aecht kann man sagen, daß Deutschland heute a l S A u t o r i- t ä t tm Dormungswefen der Automobil-Industrie gilt," erklärt der Leiter der technischen Abteilung. Diplomingenieur Sommer. ..Erst wah­rend der internationalen Konferenz, die im Ok­tober 1927 in Stockholm stattgesunden hat, teilten die italienischen, schwedischen, tschechischen und Schweizer Delegierten mit, daß ihre Ausschüsse nach deutschem Muster arbeiten. In diesen Tagen hat auch Frankreich einen solchen Nor- mungSauSschuß gebildet, und in den versandten Prospekten wird ausdrücklich betont, daß man sich Deutschland zum Dorbild genommen hat. weil eS so führend und bahnbrechend in der Normungssrage wirkt. Wir find bestrebt. Werk­stoffe, Bereifungen, Wagenkörperteile und Fahr­gestelle international zu normen, also für all diese Bestandteile ganz bestimmte Maße feft- zusetzen, die bei der internationalen Fabrikation berücksichtigt werden müssen. Wichtige Etappen haben wir bereits auf diesem Wege zurückgelegt; schon heute gelten Internationale Dereinbarungen für die Größe der Aeifen, der Gewinde und der Kugellager. Besoirders wichtig aber bleibt die Normung des sog.PassungSsystem S". der DerbindungSteile. mit denen die einzelnen Ma­schinenteile aneinandergeschraubt werden. In steter Zusammenarbeit mit Vertretern der Behör­den. der Wissenschaft und der Werkstofsfindustrie hofft man, europäische Dereinbarungen durch­führen zu können, man ist sogar der Ansicht, daß sich die europäische 2Iutomobil-3nbuftric, wenn sie nur einig ist und nach vorher erfolgtet Derständigung produziert, ein Absatzfeld in Südamerika schaffen können wird. Auch der Umftanb. daß sich Südamerika in absehbarer Zeit vom englisch-amerikanischen Maßsystem der Zoll­einheit abwenden wird, um da« europäische me­trische System anzunehmen, bestärkt die euro­päischen Fabriken in ihren Erwartungen.

Leider weih das Publikum bisher wenig da­von, daß es auS der Normung Nutzen zieht; nur weil die Automobilreifen genormt worden sind, konnte jetzt ihr Preis stabil gehalten wer­den. trotzdem der Rohgummi ganz bedeutend teurer geworden ist. Bis jetzt haben die NormungS- beftrebungen zu greifbaren Ergebnissen bei der Herstellung von Schrauben. Rohrverschraubungen und Zündkerzen geführt; es ist auch gelungen, die Zahl der Flanschendichtungen, die früher in 180 verschiedenen Größen hergestellt wurden, durch Normung auf neun Größen heraozudrücken. Die Keilriemen sind ebenfalls einheitlicher ge­staltet worden: statt der 20 verschiedenen Aiemen, die früher üblich waren, brauchen nur noch sechs hergestellt zu werden. Hand in Hand mit der Normung. daS ist das nächste Ziel, muß. haupt­sächlich bei den Lastkrastwagen, eine weit­gehende Typisierung erfolgen. Es ist ganz über­flüssig. daß so viele Arten von Fahrzeugen ge­

baut werden. Auch hierzu smd bereite Besuche tm Gange Fachleute beraten mit den Groß­abnehmern für Lastwagen, und gemeinsam mit der Reichspost, der Reichsbahn und den OmnibuS- gesellfchaften soll ein neuer Typ geschaffen werden, der alle Dorzüge der verschiedenen Systeme in sich vereinigen wird. Einen wichtigen Fortschritt in der internationalen Zusammen­arbeit bedeutet auch die Gründung einer inter­nationalen Gesellschaft für Beschaffung von Ersatzteilen. dieses Unternehmen trägt den Namen .International Standards Assvcia- iion". Die unbestrittene Führung, die Deiüsch- land auf dem Gebiet deS Normungswe'ens inne- hai. gibt unS die Gewißheit, daß die inter­nationale europäische Automobil-Industrie die Ergebnisse der deutschen Arbeiten übernehmen wird."

Auch Direktor Klefzewer von der Na­tionalen Automobil-Gesellschaft ist der Anficht, daß die Rationalifierungsmaßnahmen in der Automobil-Industrie fortgesetzt werden müs­sen. und gerade die Normung bildet einen we­sentlichen Teil dieser Maßnahmen. Personenkrast- wagen sind heute ungefähr ,4 0 Prozent bil­liger als vor dem Krieg, doch dürfte unter dieser Preissenkung selbstverständlich nicht die Qualität der Fabrikate leiden. In nächster Zeit wird sich die deutsche Industrie vor weitere Schwierigkeiten gestellt sehen. Deutschland besitzt sog. »Abbau zölle". die vorläufig noch einen guten Zollschutz gewähren, aber vom 1. Juni 1928 an auf Fahrzeuge mittlerer Preislagen nur noch ungefähr 15 Prozent auSmachen. Nur burd)03er­bt H l g u n g ihrer Erzeugnisse kann die deutsche Automobilindustrie diesem Zollabbau begegnen. Normung und Typisierung werden also immer mehr auSgebaut werden müssen.

Der Krieg im Fernen Osten.

Von Otto Corbach.

Es ist ein Unglück für das kriegSmüde Abend­land, daß die Völker Asiens, die eS ans einer jahrtausende alten friedfertigen Kultur aus ge­scheucht hat. um sie zu modernisieren. sich für nichts gelehriger erweisen, als für die moderne Kriegskunst. Die Japaner sind mit ihrem Beispiel vorangegangen, die vielmals zahl­reicheren Chinesen sind auf dem besten Wege, ihnen kriegeriich ebenbürtig zu werden. Die Stärke der Truppen, die bei den letzten Kämpfen in Schantung aufeinanderstießen. die Menge der ton den Siegern erbeuteten Kanonen, Ma­schinengewehre, Aeroplane. Gewehre ufto. die große Zahl der von ihnen gemachten ©efangenen, alleS daS zeugt von Riefenfortschritten, die das chinesische Kriegswesen in den letzten Jahren gemacht hat. Selbst mit Giftgasen ist man In beiden Lagern auSglebig versehen, und man wird sich baber auf einen mörderischen Verlauf der größeren Kämpfe gefaßt machen dürfen, die sich bei dem weiteren Dordringen der siegreichen Kuomintang- und Kuomlntschun-Heere unter der Führung TschlangkaischetS, FengyuhslangS unö Denhaschans entwickeln werden. Sie werden mit den Kem truppen TschangtsolinS, deS Dik­tators über Nord-Ehina, weniger leichtes Spiel haben, als mit denen seine« Satrapen Suntschu- ansang in Schantung. Indessen sind die Aus­sichten für die nationalistischen Armeen auch gegenüber TschangtsolinS an und für sich g ü n ft i g. Eine Masseneinwanderung, die tm Jahre 1927 allein gegen eine Million Menschen auS dem eigentlichen China in die Mandschurei strömen ließ, hat viel politische Unruhe mit sich gebracht. Tschangtsolin und seine Unterge­nerale fühlten sich unter dem Druck auswiegleri-

fcher Mallen gedrungen, japanischen Einflüssen zu widerstehen und immer anspruchsvolleren na­tionalen Forderungen zuzustimmen. Trotzdem konnten sie da« Umllchgretsen der grvßm ge­heimen revolutionären Organisationen der .Großen Schwerter nicht verhindern, deren be­waffnete Banden hd) größtenteils aus ent­lassenen oder entlaufenen Soldaten zusammen- 'cyten. Sie werden bei weiterem siegreichen Vor­bringen der nationalen Armeen den Zusammen­bruch der Front bet Nord-Generale durch einen allgemeinen Ausstand zu beschleunigen suchen.

Sie Herstellung der 2 i n h e i t Chinao erschiene damit wieder einmal nur mehr eine Frage kurzer Zeit, wenn eS d i e fremden Möchte, die nur darauf zu warten vorgeben, wirklich zuließen. Unter denen gab und gibt cs aber immer eine ober einige, die nicht« mehr fürchten, als ein einige«, starkes China und die dem Staatsmann, bem jeweils ein solches Werk zu gelingen scheint, im rechten Augenblick Knüppel zwischen bie Beine werfen. Japan hat Trup­pen in Tsingtau gelandet und will tm ganzen 10 000 Mann nach Schantung werfen. Tas geschieht tzcwiß nur. um .Leben und Eigentum japanischer Bürger zu schützen". Im­merhin liegt zunächst kein Anlaß vor. anzu- nchmen. daß Japan bie Operationen der na­tionalen Armeen stören wollte. Tschangtsolin hat sich die Widerspenstigkeit gegen Japan, zu der ;bn bie Stimmung in ber Bevölkerung Nord- China- drängte, obendrein noch von England bezahlen lassen, und man scheint nun in Tokio geneigt, ihm jeden Rückhalt im Kamps gegen die Truppen Tschiangkallcheks und Fengyushiang« zu versagen, wenn diese sich den japanischeiH Machtinteressen in der Mandlchurei nicht wider­setzen. Dabei scheint man auf javanischer Delta nichts geringere« im Auge zu Haden, als die Derwandlung der Dlandschurei in ein japanisches Indien. Die südman- dschurische Eisenbahn-Gesellschaft soll eine ähn­liche Rolle spielen, wie einst die .ostindische Gesellschaft" in Indien, die eine« Machtappa­ra teS, der allmählich das gesamte Wirtschis'.s- lebcu des Lande« in eine milchende Kuh für die Kolonisatoren verwandelt. ES ist sogar davon die Rede, die Mandschu-Dynastie in ihrem Stammlande unter japanischem Protektorat wieder aufzurichten. Japan könnte bann fürS erste auf jede Einmischung In die Inneren Angelegenheiten de« eigentlichen China lachend verzichten, ist doch die Mandschurei an dem Gesamthandel Thina« heute schon mit dreißig Prozent beteiligt, mit einem Eisenbahnnetz, das fast so umfangreich ist, wie daS aller anderen Telle des Reiches der Mitte zusammengenommen, nod) unbegrenzt entwicklungsfähig.

.Wer auf einem Tiger fitzt, kann nicht ab- ftelgen", lautet ein chinesische« Sprichwort Der Tiger der nationalen Revolution ist mit Tschiangkaischek m Kanton durchgegangcn und hat ihn nach Wtchan, Schanghai und Nan­king geführt. Dort haben Tiger und Reiter .vor fremden SchisfSkanonen und Truppen das Fürchten gelernt, ihre Wildheit verleug­net unb der traditionellen, von den Fremden geschaffenen Ordnung in den DertragShälln Menschenopfer au« den Reihen ihrer kommuni­stischen Mitverschworenen gebracht. Dann mußte der Wohlstand einiger der reichsten Provinzen Chinas herhalten. den Tiger bei guter Laune zu erhalten. Damit Ist eS zu Ende; der Tiger braucht auch den Norden China« als Jagdgebiet.

Jede Revolution lebt von der Ausplünderung des eigenen Lande«, solange sie nicht ihre äußeren Gegner Überwunden hat und au« dem Handelsverkehr mit dem Auslände die Mittel zur Ausrichtung eine- neuen Staatswesens zu

Lleberfall im Gelben Meer.

Don Hans Leip.

Wahrend eine« Übeln Taifuns hatte der Heine deutsche Frachtdampfer .Eu lense iS" die Ducht »cm Lio an der Küste des Gelben Meere« an- aufen müssen. SS gelang ihm, in Verhältnis- -näßig ruhigem Wasser unter dein Schutze eines Vorgebirges Anker zu toerfen, und die Mann- >chast war dabei, die beim Derrutschen der Ladung Rei« entstandene Schlagseite durch Um­tauen wieder auSzugleichen. al«, es war heller vormittag, und der Kapitän hatte sich mit dem ersten Offizier gerade xum Frühstück nieder­gelassen. plötzlich zwei schnellsegelnde Dschunken sich näherten und lautlos zu beiden Seiten des Dampfers anlegten. Jin Nu die Ungetümen Mattensegel reffend, kletterte auch schon ein Schwarm halbnackter gelber Kerle an hinauf- aeworfenen Tauen backbord wie steuerbord über bie Reeliivg. einige sogar sprangen wie Assen doch aus ber Takelung ihrer Fahrzeuge an Deck, 'o daß die paar dort befindlichen Leute nicht )aran denken konnten. Widerstand zu leisten, son- bern, wo man sie erwischte, an Winschen, Stag- tauen ober sonstwie angebunden wurden. Das­selbe Schicksal erfuhren der Kapitän unb der erste Offuicr oben auf der Brücke. ®o man sie nach kurzem Kampfe an das Kompaßhaus fesselte, während man den Meßjungcn. der bei Tisch aufgewartet hatte, unter Drohungen mit­nahm. damit er aL8 Führer durch die Räume Diene. Inzwischen hatte sich eine Abteilung ber Seeräuber wie eine schmutzige Sturzwelle in die offene Ladeluke ergossen.

Hier nun kam es durch die älnbedachtheit eines Matrosen namens Possel zum Handge- menga. indem er mit seiner Schaufel einem Der Eindringlinge die Hirnschale einschlug. Der zweite Offizier, der unten die Aufsicht führte, wurde durch einen Schulter!chuß verletzt, und auch sonst noch färbte sich ber Rangoonreis hier und da rot, bis schließlich, da die Gelben den Zuzug ihrer Kumpane von oben erhielten, Die gesamte Belegschaft in den Maschinenraum flüchtete, wo trotz der Gefahr, verbrüht zu wer­den. einer der Heizer ein Rohrventil öffnete, welches sonst, bei leeren Kesseln, nur zu Rei­nigungszwecken bient Nunmehr aber, während er sich mit bcn anderen in den Äcttentaitm des

Dorschiffes retten konnte, wo es gelang, das Schott zu schließen, füllten sich die übrigen Unterräume mit dem heißen Dampf, ber neben­bei unter gehörigem Druck stand, da das Schiff schon eine Welle lag. ohne daß die Feuerung abgestoppt war, wollte man doch so rasch es ging weiter. Die Angreifer waren gezwungen, sich nach oben zu verziehen, unb da sie fürchten mochten, das Schiff würde in bie Luft fliegen, begnügten sie sich mit einer ziemlich oberfläch­lichen Plünderung der Offizierslabinen. wobei namentlich einige Aktzeichnungen, die der Kapi­tän in freien Stunden aus bem Gedächtnis an­zufertigen pflegte, in ihre Hände fielen, sowie sämtliche Taschenuhren und die Trauringe, dte sie in der Eile von den Fingern der Betreffenden herunterwürgen konnten, toic auch einiges Geld und eine silberne Tabaksdose. aus dem Mann- schastslogis selber aber raubten ste nur einen Oclmantel unb aus der Kombüse die dem Koch gehörige ,Anweisung zu sämtlichen Karten^pi:-- ten, unb das wohl wegen des Goldschnittes; er hatte es von seiner Braut zu Weihnachten bekommen. Einer ber Hunde benutzte zudem der Reihe nach einige Kochtöpse in einer unaus­sprechlichen Weise vor aller Augen

Dann jumpteri sie in ihre Bootc. hißten die Segel unb hielten sich in respektvoller Ent­fernung von bem aus allen Oessnungen weih- qualmenben Dampfer, dessen Untergang sie an­scheinend erwarteten, um vielleicht noch dabei ihre Deutegelegenhett zu ergattern. Sie mochten nämlich Witterung davon haben, daß außer dem Reis sich eine Ladung wertvollen Stück­gutes an Bord befand, verschiedene Kisten sehr teurer Seidenschals. dazu auch Gegenstände aus Bronze und Porzellan, echte Museumstücke, wie sie in Revolutionstagen eben zu haben find, und tvas alles sie wegen des Dampfes nicht hatten antaften tonnen.

Liebrigens war ihnen inmitten des Gerangels im Laderaum auch der Mehjunge, der ihr Führer sein sollte, abhandengekommen, er hatte sich näm­lich bis über die Haare in dem losen Reis ver­krochen. Halb erstickt, mit Brandblasen an Stirn und Nacken, gewann er noch eben die Leiter und das Deck, als die Räuber es gerade in Hast verließen. Er befreite die oben Befindlichen von ihren Stricken, was ungeachtet deS schützen­den Qualmes und aller Dorsicht zur Folge hatte, baß von den Dschunken ein lebhaftes Feuer

auf jedes sich nur Bewegende eröffnet wurde: auch näherten sie sich tDicber, unb die Loge war höchst ungemütlich.

Aber auf einmal nahmen sie den Wind voll in ihre Lappen und machten sich Hals über Kopf davon. Aus bet Höhe der Bucht, das stellte sich bald heraus, war nämlich zum Glück eines jener englischen Kanonenboote in Sicht gekommen, die in der Zeit des chinesischen Bürgerkriegs zahl­reich in bcn Gewässern kreuzten. Der Kapitän, der lchon SOS hatte funke i wollen, verschmähte dieses mm, und der Engländer, wohl den un­getrübterer. Handelsbeziehungen des Deutschen nachlinnend. verhielt sich abwartend, fuhr einen großen Dogen unter Land und verschwand, ohne daß von einer ber beiden Seiten ein. Derbin- bung angeftrebt worden wäre. J:nmerhin waren mehrere Stunden vergangen, in denen man an Bord des Dampfers nicht müßig gewesen war. Man hatte von oben Wasser in den Heizraum gepumpt und damit die Krsselfeuer gelöscht. Aber erst gegen Abend war man soweit, daß man die ins Kettengatt Geflüchteten, mit denen man sich durch den engen Dentilator indessen schon verständigt hatte, aus ihrem dunklen, engen unb heißen Gefängnis befreien konnte, unb es ist ein Wunder zu nennen, daß selbst die Der- tounbelcn sich später erholten, als man ohne weitere Belästigungen erchlich toieber auf ber freien See Ichwamm. Bemerkenswert ist auch, daß die Reiö.abung in ihrer Oberschicht durch bcn Wasferdampf wohl zehn Zentimeter tief vollkommen gargekocht war, so daß man ohne weiteres seine Mahlzeit davon nehmen tonnte, was auch geschah bi« auf die vorn Kampf be­sudelten Stellen. Ja, wären Kannibalen cm Bord gewesen, sie hätten sicher auch den Leichna'.n des von ber Matrosen schau sei Erschlagenen, fer­tig gesotten, wie er war, verspeist, was nunmehr die Haifische besorgten.

Tiere, die Werkzeuge benutzen.

Don Karl Gras Miackowstroem.

jlnlängft berichtete ein Beobachter von einer Ziege, die sich eine« Aststückes bediente, um sich an einet Stelle des Rückens zu kratzen, die sie Inrii den Hörnern nicht erreichen konnte, der­artige Beobachtungen, die gar nicht vereinzelt stehen, werden nicht mit Unrecht gern zur Prü­

fung der Frage von tierischen Jntclligenzdan?" lungen herangezogen. Wichtiger noch ist die weitere Frage, ob es Tiere gibt, bie künstlich verbesserte, alfo zum besonderen Zweck zurecht- geformte Werkzeuge benutzen, und ein Kenner wie Wilhelm Ddlsche Ist sogar geneigt, diese Frage zu bejahen. So baut sich z. D. eine auf Ceylon lebende Ameisenart ein Dlattuest mit Hilfe deS Gespinstes ihrer Larven, die geradezu als Spinnrocken benutzt werden. Doch trifft hier die Doraussetzung eine« gebesserten Werkzeuges noch nicht zu, ebensowenig wie beim Ameisen­löwen. ber die am Rande seines Sandtrichter« erscheinerrden Insekten durch Bewerfen mit Sand zmn Absturz bringt, oder beim Affen, der Nüsse mit einem Stein aufschlägt. Näher kommen wir der gestellten Frage schon beim Arararakakadu von Neuguinea, der steinharte Nüsse mit feinem starken Schnabel erst ansägt unb dann knackt. Damit aber die glatte Nuß in seinem Schnabel nicht gleite, umwickell er sie mit einem Stück Baumblatt Hier hätten wir also schon eine zweckmäßige Derbesserung an sich; nur handrlt e8 sich nicht um ein regelrechtem Werkzeug, das verbessert wird. Unser Buntspecht klemmt harte Kieferzapfen in Astlöcher, um sie bequem?r öffnen zu können. 6r verbessert sogar solche Klemmen, die er öfter« wieder benutzt, tote wir ein fertiges Werkzeug, durch Zurechthacken oder stellt sie durch Lochmeißeln überhaupt zum Zwea erst her. DaS sieht doch schon fast wie eine bewußte Zweckhandlung aus. Auch derOfen- DogeF, das Talegallahuhn, ein Bewohner Au­straliens und Neuseelands, scharrt sich einen Brutofen zusammen, der ihm das lange Still­sitzen und die damit verbundenen Gefahren und Mühen erspart. Mit ihren starken Füßen scharren diese Dögel eine Unmasse welker Blätter und verwesenden Pflanzenmaterials zu mächtigen Hausen zusammen und legen in kreisförmiger Anordnung ihre Sier hinein. Da« sich zer­setzende Laub und Gras liefert die nötige Drut- toärmc. Die Talegallamännchen besuchen von Zell zu Zeit die großen Komposthaufen, reaeln die Drutwärme und sind den ausgeschlüpften Jungen behllflich, aus der Masse, unter der die Eier vergraben liegen, herauszukommen. Das Junge wird übrigen« nicht gleich aus dem Brut­ofen entlassen, sondern muß darin bleiben, bis fein Federkleid völlig entwickelt ist.