Ausgabe 
25.4.1928
 
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Die LtatberalMgen im Hessischen Landtag

Darmstadt. 24. April. (Landespressedienst.) Bei der Generalaussprache zum Staatsvoran- schlag, die in der vergangenen Woche vier Tage in Anspruch nahm, wurden vornehmlich die Ka­binettsbildung im Februar und die bevorstehen­den Reichstagswahlen erörtert, wobei das eigentliche Thema, die Etatsberatung. etwas in den Hintergrund trat. Aber ein Gutes hatte die Aussprache, die Bereinigung der poli­tischen Atmosphäre. Die Gegensätze zwi­schen den Rechtsparteien, den Deutschnationalen und der DolkSpartei einerseits und der Volks- partei und dem Zentrum andererseits, liegen offen zutage. Demgegenüber halten die Koa­litionsparteien fester, denn je zusammen, eine Stellung, die sie auch im Wahlkampf nicht aus­geben werden.

3n der DienStagssihung wurde die SinzelauS- sprache fortgesetzt und die Kapitel ,Sied- l u n g s w e s e n" und ^Kameralgüter unter Bauverwaltung" genehmigt. Beim Kapitel .Weingüter" drehten sich die Beratungen hauptsächlich um Zentrumsanträge, wonach wei­tere Ankäufe von Gebäuden und Gelände für die Weinbaudomäne zu unterbleiben haben und ferner 40 000 Mark auS den Erträgnissen der Domäne der HauptstaatSkasse abzuliefern seien. Die Redner der Rechtsparteien unterstützten diese Anträge, doch entschied die Abstimmung für die AuSschuhanträge gegen die Anträge des Zentrums.

Kapitel 5 .Braunkohlenwerk Ludwigshoffnung, Wölfersheim und WeckcSheim" gab den Ver­tretern der Arbeiterschaft Deranlaffung über die schlechten Löhne in den Staats­betrieben zu klagen.

GS kamen dann auch noch die beiden Staats­bäder Rauheim und Salzhausen und doS StaatStheater zur Sprache, wobei namentlich die Person des Intendanten Vbert im Mittel­punkt der Erörterung stand.

Sitzungsbericht.

den Bestimmungen erhielten auch Bedürftige billige Bäder. Wehr als 40 Prozent aller Bäder würden zu verbilligten Preisen abgegeben.

Abg. Schaub (Soz.) unterstreicht die Aus­führungen des Abg. Lllrich. Der Staat haae aber auch ein Interesse an der Errichtung eines Krankenhauses. Bei der Verteilung von Arbeiten seien manche Arbeitgeber bevorzugt worden.

Abg. Heinstadt (Z.) ertlärt Bad-Rauheim ebenfalls als Heilbad. Es gäbe viele Städte, die auch ein Krankenhaus brauchten, das sei aber eine städtische Angelegenheit. Die Reklameausgaben seien hoch aber notwendig.

Ministerialrat Hesse teilt mit. daß eine Spanne von 25 bis 30 Pfennig zwischen Ein­nahmen und Ausgaben pro Bad bestehe, und daß staatliche Zuschüsse erforderlich seien. Eine Herabsetzung der Preise gefährdeten bas Be­stehen des Bades. Die Abstimmung über die Kapitel wurde ausgesetzt. Bei

fiapitd 7: Landeslheater

beantragt Abg. Hamann (Komm.) Streichung des Zuschusses für das Landestheater.

Abg. Kindt (Sn.) erklärt, der General­intendant Ebert lasse seine politische ileber- zeugung auf seine künstlerische Tätigkeit abfär­ben. Er sei ein vorzüglicher Schauspieler, aber als Intendant unbrauchbar.

Staatspräsident Adelung stellt fest, daß das Theater allen künstlerischen Anforde­rungen genüge. Seine Bedeutung werde in Darmstadt nicht recht erkannt. Wenn fein Ruf erhallen bleiben solle, müsse der Zuschuß weiter gezahlt werden. Die Theater in Mainz und Dießen bekämen auch Zuschüsse. Darmstadt könne sich gratulieren zu einem In­tendanten von Gbcrts Qualitäten.

Abg. Storck (Soz.). Die Sozialdemokratie sehe in dem Theater einen Kulturfaktor. Der Redner ist überzeugt, daß Ebert das künstlerische Riveau hochhält. Er müsse anerkennen, daß auch den

Werktätigen der Eintritt ermöglicht sei. darum werbe seine Fraktion dem Etat zustimmen.

Die Abstimmung über daS Kapitel wurde aus­gesetzt, desgleichen bei Kap. 8 bis 14 ohne Debatte.

Aus dem Finanzausschuß.

Darmstadt, 24. April. (WHP- Der Finanz­ausschuß des Hessischen Landtages erledigte am Dienstag zahlreiche Vorlagen uid Anträge. Ein Antrag ö turn feto wird durch die Regierungs- antwort als erledigt erklärt, die eine Rach­prüfung verspricht, ob mehrere überalterte Beamte in eine höhere Gehalts­gruppe eingereiht werden können. Die Regierungsvorlage über die Errichtung einer Warmwasserversorgung in sämt­lichen Gießener UniversitätSveteri- närinstituten (30 000 Mk.) wird bewilligt. Die Dorlage des Wirtschaftsministers, wonach die für den Gemüsebau bewilligten Kredite zum gleichen Zinsfüße wie die vom Reich be­willigten (4 Prozent) gegeben werden, wird an­genommen. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Landwirtschaftsämter möchten im hohen Bo- gelsberg Deispielwirtschaften pach­ten und aus Diehwirtschaft um st eilen, um den Landwirten Anweisung für ümftefiungen zu geben, wird der Regierung als Material überwiesen. Die von der Regierung angeforder­ten Mittel für den Darmstädter S ch l o ß u m - bau werden bewilligt. Mit 7 gegen 5 Stimmen wird der Antrag, die Regierung möge sich mit 250000 Mark an der Kraftverkehrsge­sellschaft Hessen beteiligen, und in Ver­bindung damit ein kommunistischer Antrag sowie eine Eingabe Mainzer Kaufleute abgelehnt. Die Rechnungsablage für 1923 wird vom Aus­schuß genehmigt. Dem Zentrumsantrag, die Be­züge der katholischen Geistlichen bei den Straf­anstalten usw. mit Rücksicht auf die Erhöhung der Beamtengehälter aufzubessern. wird statt­gegeben. Der Ausschuß beriet noch die Gewerbe­steuervorlage, wobei er in erster Lesung bis zum Artikel 3 kam.

Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 11.15 Uhr. Rach kurzer Debatte wurden Kap. 2 und 3 des Voranschlags genehmigt. Beim Kap. 4 Weingüter stimmte Abg. Böhm (Dn) den Zentrumsanträgen gegen den Ankauf von Ge­bäuden und Gelände durch die Domänen zu.

Aba. Stephan (Soz.) erklärte, der rheinische Weinbau habe seinen Wohlstand der Domäne au verdanken. Gs sei ersreulich, daß 25 000 Mk. Ueberschuß an die Staatskasse zurückgesührt wer­den konnten. Er bat die Regierung, für bes­sere Bezahlung der Weinberg«- arbeiter einzutreten. Der vollbeschäftigte Ar­beiter habe am Jahresende nur 1500 bis 1600 Mark verdient. Au<p muffe die Anwendung von arfenhaltigen Mitteln im Wein­bau untersagt werden. 3m Gebiet einer einzigen Ortskrankenkasse seien 15 Vergiftungsfälle vor- getommen. Der Stundenlohn von 50 bis 60 Ps. bedeute kein Aequivalent für die Arbeitsleistung und die Gefährdung der Gefundheit. Wenn be­antragt werde, 40 000 Mark an die StaatS- hauptkasse abzullefern, fo vergesse man, daß die DomSne erst einen AuSgl er chS stock zu sam­meln habe! dann könne man über erhöhte Ab­gaben an den Staat reden; die Domäne müsse erhalten bleiben, da sie sich bewährt habe.

Abg. Blank (Z.) wendet sich gegen den An- kaus von Gebäuden und Gelände durch die Do­mänen. Die Domäne sei heute nicht mehr die Musterwirtschaft wie früher. Die Oppenhei­mer Weinbaufchule bezeichnete er als daS Lehr- und Mustergut. Es fei kein Kunststück, aus den Domänengütern etwas herauszuwirtschaften, da sie alle sehr günstige Lagen hätten. Tergiflangen der Arbeiter feien nur auf Leicht­fertigkeit zurückzuführen. Durch die Ankäufe der Domäne sei es den Kleinbesitzern unmög­lich gemacht, auch nur die kleinste Parzelle sich zuzulegen. Die Regierung möge sich auch einmal Die Frage der Kommerzialisierung vorlegen.

Abg. Schott (DDP.) tritt gegen Erwei­terung des Domänenbesihes ein. Die Einnahmen der Domäne seien gering, trotzdem man die Berge in bester Lage angekauft habe.

Abg. A f t (Drp.) erklärt seine Zustimmung Aum ersten Antrag Blank. Kleine notwendige Ankäufe solle man der Regierung freistellen. Mehrerträge von günstigen Jahren mühten auf ungünstige übertragen werden können.

Die Abstimmung entschied für die Anträge des Ausschusses gegen die deS Abg. Blank. Dann kam zur Sprache Kap. 5,

Braunkohlenwerk Ludwigshoffnung, Wölfersheim und wcckesheim.

Abg. Schäfer (Komm.) warf der Sozial­demokratie als der ausschlaggebenden Partei vor, daß in den Werken ein Drittel sämtlicher Ar­beiter nur einen Stundenlohn von 57 Pf. habe, die Woche also etwa 26 Mark. Auch fehlten in den Betrieben ausgebildete Sanitäter.

Abg. Rechtbien (Soz.) wendet ein, daß b i c Gewerkschaft und nicht die Partei für wirtschallliche Fragen zuständig sei. Die SanitätSverhältnisse seien ihm unbekannt. GS sei Ausgabe der Betriebsräte. Beschwerden vor- zut'agen. 3m Stromtaris wolle man für Klein­verbraucher und Landwirte auch weitere Erleich­terungen gewahren.

Abg. Schäfer »Komm.) verlas den Tarif der Werke, nach dem die Jugendlichen beim Staat nur 77 Proz. erhalten, wahrend sie in der In­dustrie den vollen Stundenlohn erhalten und rügt den schlechte Zustand der Ehräume in den staat­lichen Werken.

Llbg. L u r (Soz.) erklärte, daß der Tarif zwi^ schen Gewerkfchasten und Arbeitgbern ver­einbart worden sei. Denn die Hesrag erst einmal in Wölfersheim ihren Einzug halte, wer­den sich die Lohnverhältnisse bessern. Die kom­munistischen Arbeitgeber zahlten auch schlechte Löhne, sie dürsten also dem Staat keine Dor­würfe machen. In der Abstimmung wurden die kommunistischen Anträge abgelehnt und Kap. 5 angenommen.

Kapitel 6 und 6a:

Salzwerk, 1 abeanftalt und Tiefbauamt

Lad Rauheim und Badeanstalt Bad Salzhausen werden verbunden.

215«. Schäfer (Komm.) wendet sich gegen den Ausbau der Polizei in B a d - R a u - heim. OHan sei bestrebt, das Bad zu einem LuruSbad auszugestalten. Gr verlangt verbis- ligte Kurkarten für Minderbe nitteltc.

Äbg. Ulrich (Soz.i stellt als langjähriger Dad-Rauheimer Kurgast fest, daß Rauheim mehr Heilbad als Luxusbad ist. Rach

Das dritte Plebiszit im Elsaß.

Die französischen Nationalisten, die wenigstens in den ersten 24 Stunden sich an ihrem Siege in der Wahlschlacht berauschten, haben trotzdem nicht um­hin gekonnt, daß die Dinge in Elsaß-Lothringen ganz anders gelaufen sind, als sie erwartet haben, sie müssen anerkennen, dah ihre Politik hier eine schwereSchlappe erlitten hat. Angesichts der zahlenmäßigen Mißerfolge ließ sich dies Einge­ständnis auch nicht gut vermeiden. Gerade weil die amtliche französische Politik mit allen Mitteln ge­arbeitet hat, indem sie rücksichtslos Zeitungen unterdrückte, die Führer verhaftete und in kbochverratsproAesfe verwickelte, ist es für sie um so schmerzlicher, daß trotzdem die autonomistische Bewegung In Elsaß-Lothringen überall anBoden gewonnen hat.

Dabei haben sich in unserem ehemaligen ReichS- lanb ganA eigenartige Parteigruppierungen er­geben. Dre Sozialisten sind ausgesprochen nationalistisch, sie fürchten sich vor jeder Selbständigkeit deS Landes, well sie dann In eine hoffnungslose Minderheit gegenüber dem Zentrum zu geraten glauben und nur In dem vollkommenen Aufgehen In Frankreich eine Ret­tung erblicken. Die Kommunisten dagegen sind ebenso ausgesprochen autonomistisch: der kommunistische Abgeordnete Huber war ge­radezu der Wortführer der Autonomisten ge­worden und dem haben es die Kommunisten zu- zufchreiben, dah sie sehr stark an Boden gewonnen haben, während die drei bis- yerigen sozialistischen 2Ibgeoröneten in eine un­bequeme Stichwahl gedrängt wurden. Die katho­lische Dolkspartei wieder hat zwei Flügel, einen nationalistischen, der vom Klerus eifrig gefördert wurde, und einen outono» mistischen, der sich gegen die Parteileitung und gegen den KleruS auf die breite Masse stützt. Wenn die Bischöfe nicht ihren ganzen Einfluß einsehten, um mit Hilfe ihrer Geistlichkeit der Bewegung entgegenzuarbeiten, dann würde ver­mutlich heute schon mehr als Dreiviertel des ganzen elsaß-lothringischen Dolles der autono- mistischen Parole gefolgt fein.

11 nb das ist nun das Ergebnis einer zehnjäh­rigen französischen ,Be reiungspoli.ik". Die Fran­zosen haben eine noch sehr viel unglücklichere Hand gehabt, alS wir- fie sind bei ihrem Ein­zug jubelnd begrüßt worden, heute sind fie iso­liert und verhaßt. Ihre Versuche, die deutsche Sprache zu unterdrücken, haben lediglich das Ergebnis gehabt, daß der Elsaß-Lothringer sich seines geistigen Kulturkreises erst recht be­wußt geworden ist und jedes Aufgehen in ein einheitliches Frankreich ablehnt. Wenn nicht sehr geschickte Wahlbündnis e zustande kommen, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß eine Gruppe von zehn Mann in der künftigen Kammer auftritt und dort d i e elsaß-loth­ringischen Wünsche öffentlich ver­ficht. was wieder auf die übrigen Minderheiten m Frankreich, auf die Dlamen. und vor allen Dingen auf de Bretonen und Korsen, ein­wirken und den Traum von dem französischen Rationalstaat gründlich zerstören könnte.

Einewenig erfreuliche Lleberraschung".

Der Licq des ' cimaiqevankens

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin. 25. April. Wie uns aus Straß­burg berichtet wird, ist dieelsah-lothrin- gische Presse aller Schattierungen über­wältigt von dem AuSgang der Wahlen Im Lande, bei denen zum ersten Male seit dem Kriege der Heimatgedanke zur Debatte stand. Die französischen Blätter hofien. daß für den entscheidenden zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag alles Trennende zwischen den Gegnern des AutonomismuS zurückgestellt werden wird, um für dennationalen Gedanken" doch noch etwa - zu retten. 2lls besonders peinlich empfindet man die Erfolge der vier Kandidaten die Angeklagte i m Hochverratsprozeh sind, der am nächsten Dienstag In Dolmar beginnt. Zwei von ihnen sicher wahrscheinlich aber alle vier werden an diesem Tage als Gewählte des Vol­kes vor den Schranken des Schwurgerichtes Men: Dr Ri cklin. Prof Ross 6. Paul Schall und H a u h. DaS Mülhauser Blatt der

Autonomistengegner spricht von einerwenig erfreulichen ileberraf$ung und von einemschlechten Tag für das Elsaß". Ein gleichgesinntes Straßburger Blatt, dieRepu- olique", von demtraurigen Ergebnis des dritten Plebiszits im Elsaß", und das aus der Dor- lriegszeit als deutschhasserisches Organ bekannte Journal d'Alsace et de Lorraine . aus dessen Urteil man in Paris leider nur allzu oft hört, rät in seiner Verblendung zu weiterer Der- schärfung der Diktaturmaßnahmen, besonders im Oberelsah. 3m übrigen wird in der Presse nirgends verheimlicht, dah die bisherigen Methoden Frankreichs in Elsaß-Lothringen Schiffbruch erlitten haben und daß eine völ - I i g neue Orientierung nicht mehr zu umgehen sein wird.

Deutschlands Wirtschaftslage.

Ein Gutachten des ReichtzwirtschaftSratS.

Berlin, 25. April. (D. D. Z.) Der Wirt­schaftspolitische und der Finanzpolittsche Aus­schuß des ReichSwirtschaftsratS haben der Re­gierung ihr Gutachten zum Scyluhbericht der Weltwirtschaftskonferenz erstattet. DaS Gutachten stimmt nachdrücklich den Schlußfolgerungen der Konferenz zu, insbesondere der, daß, abgesehen von den natürlichen Folgen deS Krieges, daS Grundübel in dein Aeoerprotektionls- mus der RachkriegSzeit zu erblicken sei, und daß größere Freiheit im Warern- a u s t a u s ch und ausgedehntere internati­onale Arbeitsteilung das wichtigste Mittel seien, um die Schwierigkeiten zu mildern. Das Gutachten prüft dann die Lage Deutschlands im besonderen und stellt fest, daß die Herein­nahme von A u s l a n d s k a p i t a l nicht künstlich abgeschnürt werden dürfe. Der Rattonalisierung der Wirtschaft müsse eine Ra­tionalisierung der öffentlichen Ver­waltung folgen. Statt einer für Deutschland unmöglichen Autarkiepvlitik mühte eine den Export fördernde Wirtschaftspoli­tik getrieben werden: vor allem auch eine Han- delspvlittk, die Zollerhöhungen ver­meidet und bei Positionen, bei denen nach der Erhöhung von 1925 eine Herabsetzung durch Verträge bisher nicht erfolgt ist, autonome Zollherabsetzungen oomimmt

Aus aller Welt.

Ueberschwcmmunqstatasirophe im Lüden Nordamerikas.

Infolge von Wolkenbrüchen sind viele Flüsse in D e st f l s r i d a und Südalabama über die Ufer getreten und haben zahlreiche Ortschaften ab­geschnitten. Die Eisenbahn- und Telegraphenverbin­dungen sind unterbrochen. Der Sachschaden wird aus Millionen Dollars geschäht. Bisher wurden vier Todesfälle gemeldet. Das Wasser steht im Ge- schäflsvierlel von B r e ro t o n bis sechs Fuß hoch, lieber 1000 Einwohner wurden aus ihren Häusern vertrieben.

(General Nobile in Berlin.

Berlin, 24. April. (WB.) General Robile ist heute abend von Stolp kommend, auf dem Stettiner Bahnhof ei i getroffen. In feiner Be­gleitung bcfa.tbe.i sich die Herren, die mit ihm die Rordvvlfahrt in den nächsten Tagen an- treten werden. Zu feinem Empfang: hatten sich außer seiner Ge naylin u.ib seinem Töchterchen, die beide in Berlin Aufenthalt gmommen haben, Mitglieder der italienischen Botschaft u.iD der italienischen Kolonie eingefunfrm. Zu Ehren deS Generals wird im Reichster.ehrsministerium ein Frühstück stattiinden. Für den Abend ist ein Essen im Aerv-Elub vorgesehen. Dem bisherigen Programm zufolge wird General Robile am Donnerstagmittag vom Reichspräsiden­ten empfangen werden.

Margarete Lehm.

Don allen Seiten und von allen Parteien wird der Entschluß iet deutschnalionalen RelchStags- abgeorbneten Frau Ur. h. c. Margarete Behm, sich von der parlamentarischen Arbeit Aurückzuziehen. lebhaft bedauert. Sie ist bekannt geworden durch ihre unermüdliche Arbeit

für die Heimarbeiterinnen, eine» früher so gut wie unbekannten und vernäh lässigten Erwerbszwcig. Ihrer unermüdlichen Initiative Ist es zu verdanken, daß heute soweit es überhaupt sachlich möglich ist, die Heim­arbeiterinnen weitgehend zu verhandlungsfähigen Organisationen zusammengeschlosfen sind. Fast immer wurden ihre Anträge, man denke nur an die Ausdehnung der Kranken- und In­validenversicherung auf die Heimarbeiterinnen 1922 und das Heimaroeiterlohngesetz vom 3uni 1923 mit freudiger Zustimmung der Mehrheit deS Reichstages angenommen.

Was die Reichsbahn besitzt.

Rach einer kürzlich veröffentlichten Statistik der Reichsbahn über die effektiven Sach be­stände verfügt die Deutsche Reichsbahngesell­schaft im ganzen über 53 000 Kilometer Schienen­strang. Richt weniger alS 17 760 Stationen lieg« im Gebiet des deutschen Eisenbahnnetzes. 1151 Wasserwerke. 105 Krattwerke und 43 Gasanstal­ten gehören zum Betriebsbereich der Reichsbahn. Sie verfügt weiter über 1973 Lokomotivschuppen und die gesamten Bauanlagen beherbergen etwa 107 000 Wohnungen. Einen Begriff von dem AuSmah kann man sich machen^ wann man die Zahlen über den Lokvmotiv- und Wagenpark sich vor Augen hält. 26 000 Lokomotiven und Trieb­wagen, 670 000 Güterwagen, 63 000 Personen­wagen und 21 000 Ge 'äckwagen gehören hierzu.

Schweres Verkehrsunglück.

Ein schweres DerkehrSunglück trug sich in dem Essen benachbarten Kettwig zu. Ein Personen­kraftwagen auS Essen fuhr an der Kreuzung Kirch- selb Hauptstraße auf den Bürgersteig und riß dabei eine Straßenlaterne um. Die um stür­zende Laterne begrub zweiStrahenpassan- ten unter sich, die schwer verletzt toutben, Sämtliche Insassen deS Autos wäre» betrunken. Der Besitzer des AutoS. ein Bau- Praktikant auS Essen, ein Fleischer auS Eslen und ein Schlosser auS Düsseldorf sind, ebexfo wie der Chauffeur, in Haft genommen worden.

Elf Arbeiter verschüttet.

Durch Erdrutsch in einen tm Bau befindlichen Tunnel der Linie AostaPrL SaintDi- d i e r wurden 11 Arbeiter verschüttet. Rach vier- Aehnstündiaen Rettungsarbeiten konnten sechs der Verunglückten geborgen werden, d i e übrigen fünf sind tot.

Einsturzunglück in Lyon.

2n Lyon stürzte heute ein im Abbruch be­findliches Haus plötzlich zusammen, wobei auch ein Tas6 im Erdgeschoß in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bisher hat man vier Leichen gefunden. Mehrere Personen, die unter den Trüm­mern lagen, haben Verletzungen erlitten. Die Ur­sache des Einsturzes ist anscheinend auf mangel­hafte Abstützung der Außenwände de» Hau- ses zurückzuführen.

Line Familie durch Gas vergiftet.

3n Rydultau, Kreis Rybnik, wurde eine fünf- köpfiae Familie durch Gas vergiftet aufgefunden. Der Vater und zwei Kinder waren bereits tot, wäh­rend die Mutter und ein Kind noch schwache Lebens- zeichen von sich gaben, aber auch nicht mehr gerettet werden konnten. Die Ursache der Tra­gödie konnte noch nicht ermittelt werden.

Statt Hefe Arsenik.

In der Ortschaft Cutro am Genfer See sind sieben Personen zweier Familien n a ch dem Genuß einer Torte unter Vergiftung»- erscheinungen schwer erkrankt. Drei von ihnen, zwei Männer und eine Frau, sind bereits gestorben. Vier Kinder liegen noch schwer krank darnieder. Zur Zubereitung dieser Torte war aus Versehen statt Hefe Arsenik verwendet worden.

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ttiettcrvoiauefage.

Das zentraleuropäische Hochdruckgebiet hat sich rasch nordostwärts nach Rußland hin verlagert und das umfangreiche isländische Tiesdruckgroict nach dem Äontinent weiter ausgebreitet. Die an der Südseite des Hochs auSfliehenden Luft­massen erhalten zunächst noch daS schön« Wetter, aber noch im Lause des morgigen Tages dürfte unter dem Einfluß des ISlandtiesS auch bei unS Bewölkung auf ziehen.

Wettervoraussage für DonnerS- t a g: Zunächst noch heiter, warm und trocken, später Bewölkung.

W i 11 e r u n g S a u S s i ch t e n für Frei­tag: Wolkiges Wetter, etwaS kühler, vereinzelte Riederschläge wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 24 April: mittags 14,4 Grad Celsius, abends 4,1 Grad Celsius, am 25 April: morgens 6,2 Grad Eelsius. Mazimum 15,5 Stab Eelsius, Minimum 1 Grad Eelsius. Erdtcmpera« turen am 24. April: abend» 10,9 Grad Eelsius: am 25. April: morgen» 6,4 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer 11 Stunden.