stellt hat Die deutsche Auffassung ist seinerzeit von dem Reichsaußenminister in seiner Reichstagsrede am 19. November dargelegt worden. Er hat damals
der deutschen Regierung volle Entschließungs- freiheit für den Zeitpunkt nach Erstattung des Sachverständigengutachtens ausdrücklich Vorbehalten und festgefielll. daß eine wirkliche Lösung der Reparotionssrage nur dann vorliegen könne, wenn sie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands nicht übersteigt, wenn sic uns die Erfüllung unserer Verpflichtungen dauernd aus eigener Wirtschaftskraft und ohne Gefährdung der Lebenshaltung unseres Volkes ermöglicht.
Es ist beabsichtigt, diesen Austausch von Memoranden im Einvernehmen mit den übrigen Regierungen zur gegebenen Zeit zu veröffentlichen.
Amerika fordert völlige Llnab- hü'ngigkett der Sachverständigen.
Paris. 22. Dez. (WB.) Die Havas-Agentur meldet aus Washington: 2m Weihen Hause erklärt man, oatz die o m e r i k a n i s ch e R e g i e- rung über die Absicht der europäischen Natto- nen, die Vereinigten Staaten zur Teilnahme an dem Experten-Ausschuh zur Regelung der Reparationsfrage aufzufordern, wohl unterrichtet sei, bisher aber keine entsprechende Aufforderung erhalten habe. Die Persönlichkeit des amerikanischen Präsidenten sei für die Entscheidung ausschlaggebend. Seine Ansicht sei, daß die amerikanische Regierung die An- regungnatürlichaufnehmen werde, baß sie es aber, da die Frage einzig und allein Europa betreffe, vorziehen würde, wenn die Europäer die europäischen Angelegenheiten selbst regeln. Wenn sie dies in diesem Falle nicht könnten, würde die Beteiligung der Vereinigten Staaten wünschenswert sein.
Die Sachverständigen mühten in voller Unabhängigkeit diskutieren und sich ein Urteil bilden können und dürften nicht von vornherein Anweisung erhalten, die geeignet seien, das Urteil zu beeinflussen.
Die Aufgabe der Sachverständigen sei, den Betrag der Zahlungen festzusetzen.
Reuter berichtet aus Washington: Sehr großes Interesse wurde durch die Erklärung des Präsidenten Coolidge hervorgerufen, daß die amerikanische Regierung einer Einladung der europäischen Regierungen zur Teilnahme an den Beratungen des Sachverständigenausschusses sympathisch gegenüberstehen würde. Etwas jedoch könnte, wie angenommen werde, die amerikanische Regierung verhindern, an den Verhandlungen teilzunehmen, nämlich die Haltung Frankreichs. Präsident Coolidge vertrete nachdrücklich die Ansicht, daß die Sachver- st ä n d i g e n auf der Konferenz frei ihr Urteil ab geb en müßten. Er sei der Ansicht, daß cs zwecklos für Amerika sein würde, Ver- tveter in irgend einer Eigenschaft zu entsenden, wenn die französischen Delegierten vorher an irgendeine endgültige Reparationsgesamtsumme gebunden wären, unter die sie nicht gehen durften.
Die Vereinigten Staaten nicht formell beteiligt.
Paris, 24. Dez. (WTB. - Funkspruch.) Der „Chicago Tribüne" wird aus Washington berichtet: Es ist offiziell bekanntgegeben worden, daß die Vereinigten Staaten nicht formell an der Beratung über die Repara- tionsregclung durch wirtschaftliche Sachverständige teilnehmen wollen. Wenn Europa die amerikanische Mitarbeit benötigt, muß es selbst die amerikanischen Sachverständigen ernennen, wie schon bei dem Dawesausschuß. Die Vereinigten Staaten wollen sich lediglich Vorbehalten, die Auswahl, die Europa trifft, zu billigen oder zu mißbilligen, ohne jedoch irgendeine Verantwortung zu übernehmen.
Amerika würde es vorzieh?n, wenn Europa seine eigenen Probleme allein regeln würde, weil es befürchtet, daß bei der Reparationsfrage auch unvermeidlicherweife die Schuldeu- frage erörtert werden wird.
Als Männer, die in den Augen der europäischen Regierungen das größte Ansehen genießen und daher als amerikanische Sachverständige in Frage kommen könnten, wären zu nennen; der Vizepräsident Charles ®. Dawes, Owen D. Boung und Charles Evans Hughes. Natürlich ist nunmehr die Frage zu klären, welcher Weg zur Ernennung der amerikanischen Delegierten eingeschlagen toerben soll, nachdem die Vereinigten Staaten diese Ernennung nicht vornehmen wollen.
Gin Kommentar desFemps".
Paris, 23. Dez. (TU.) Der „T emp s", der dem Reparationsproblem einen ausführlichen Artikel widmet, schreibt, daß das Abkommen der sechs Mächte günstig ausgenommen worden sei, da es die Rechte jedes einzelnen aufrechterhalte und wirkungsvoll die Tür für nützliche Verhandlungen öffne. Die im Kommunique festgelegten Bedingungen entsprächen vielleicht nicht ganz den Erwartungen, besonders hinsichtlich der strengen Begrenzung der Vollmachten des Stomitees, doch sei festzustellen, daß unerläßliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu sein scheinen gegen jeden Fälschungsversuch der Debatte. 3m Grunde genommen habe die Frage der Verhandlungen nur eine relative Bedeutung, da es wohl klar sei, daß die Regierungen die Freiheit behalten würden, die Vorschläge der Sachverständigen anzunehmen oder zurückzuweisen. Deshalb habe die französische Regierung sehr passend auf die Ausführungen PoincarSs in Ehambsry und Caen hingewiesen. Wenn man in Berlin demgegenüber das Argument von der verlangten Notwendigkeit einer neuen Untersuchung der deutschen Zahlungsfähigkeit anführe, so sei das eine Taktik, die kaum recht behalten werde, wenn man eine Fälschung der Gegebenheiten des Problems in der Mitte des Sachoerständigenkomitees selbst vermeiden wolle.
Die Verhaftungen in Mainz und Koblenz.
Mainz, 22. Dez. Rechtsanwalt Dr. Führ, der die Verteidigung von deutschen Angeklagten im besetzten Gebiet allgemein übernimmt, ver-
Die Reaktion in Afghanistan.
Von E. Mukden.
Aus Afghancstan dringen zu uns Alarmnach- richten. Der König und die Königin, die erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit, gleichsam als Symbol des Eintritts Afghanistans in die Gemeinschaft der zivilisierten Welt, eine Triumphreise durch Europa unternahmen, sollen nach sich allerdings einander widersprechenden Meldungen jetzt aus der Haupt st adt Kabul geflohen sein. Das Land ist in Hellem Aufruhr und das Leben bei Herrfcherpaares vielleicht in Gefahr. Ein tragisches Schicksal scheint über diesem Lande zu walten. Es sind erst neun Jahre her, seitdem der heutige Emir Afghanistans A manu l l a h die Regierung angetreten hat. Sein Vater war unter rätselhaften Umständen auf der 3agb erschossen worden: Engländer und Russen schoben sich gegenseitig die Schuld an diesem Mord zu — was uns sogleich die echt orientalische Atmosphäre von internationalen Intrigen veranschaulicht, die Kabul umgibt: an die Stelle des Vaters schob sich ein Onkel Amanullahs und erst nachdem es diesem gelungen war, die Armee auf seine Seite zu ziehen, wurde er auch Herr der Staatsmacht. Der Friede, den bald darauf (am 8. August 1919) England mit dem jungen Emir schloß, dessen indische Truppen sich im Kampfe mit den afghanischen Grenzstämmen erfolglos erschöpften, legte auch die Basis zu einer neuen außenpolitischen Entwicklung: England muhte auf die diplomatische Vormundschaft verzichten, die es bisher über Afghanistan aus- übte.
Welche Ideale beseelten nun den jungen Herrscher im Beginn feiner Tätigkeit und drückten seiner ganzen bisherigen Regierung ein charakteristisches Gepräge auf? In erster Linie war es das Ideal einer nationalen Unabhängigkeit. „Ich werde mich eher zum Selbstmord entschließen, bevor ich das Land wieder unter das britische Protektorat stelle", erklärte er auf der Vollversammlung (Durbar) des Iahres 1919: „und ich gelobe feierlich, mein Leben nur meinem Volke zu widmen". Wir haben hier im Kern das Regierungsprogramm Amanullahs — den aufgeklärten Ab so- l u t i s m u s. Denn aus der Idee der nationalen Freiheit ergab sich ihm die Rotwendigkeit, die Idee der Reformen wie, umgelehrt, das bisherige geschichtslose Dasein im Schatten einer fremden Macht mit den noch mittelalterlichen Zuständen im Lande eng verknüpft schien.
Man kann sagen, daß Amanullah seinen Staat aus dem Mittelalter in die Reuzeit hinüberführen wollte: und nun ist es abermals das Mittelalter, das gegen ihn rebelliert. In der Tat: die neuzeitlichen Reformen, die er ein- zusühren bestrebt war, waren ohne einen Bruch mit dem bisherigen Feudalsystem kaum denkbar — schon mit Rücksicht auf die äußere Macht des Staates. Das gilt vor allem von der Unterdrückung der Macht der Stämme, deren Verhältnis zu dem Emir vor Amanullahs Regierungszeit so sehr an das Verhältnis zwischen den Ständen und den Monarchen in unserem Europa im Mittelalter erinnert. Die Stämme stellten, allerdings eher freiwillig als pflichtmäßig die Truppen und genossen dafür verschiedene Steuerprivilegien. Die Erstarkung der Staatsmacht war aber auch hier ohne allgemein« Wehrpflicht unmöglich: das reguläre Heer wurde vielfach mit Hilfe türkischer Instruktoren unter Leitung des ehemaligen türkischen Ministers Djemal Pascha organisiert, was, nebenher ge° .sagt, den Gedanken des Panislamismus kräftig förderte: aber mit der Schaffung eines ständigen Heeres wurde die bisherige Stellung der Stämme völlig untergraben. Man mutz sich das deswegen vor Augen halten, weil sich aus allen bisherigen Nachrichten immer mehr die eickscheidende Rolle eben der kriegerischen Derg- stämme bei der gegenwärtigen Umwälzung herauskristallisiert.
Aber es gab noch andere Elemente der Opposition in Afghanistan, und zwar die Mullahs. Vertrug sich denn die europäische Bildung, die Amanullah, wie wir eingangs gesehen haben, inaugurierte, mit dem bisher geltenden System, da aller Unterricht in den Händen der Geistlichkeit lag? Auch hier war also der Bruch mit der Tradition, in der Form der Einführung weltlicher Schulen offenbar rmvermeidlich. Und wenn Amanullah auch die Mullahs nicht ganz des Rechts des Unterrichts beraubte, so stellte er doch, eben darum, neue und größere Ansprüche an ihre Vorbildung. Er verstaatlichte ferner den Wakuf, d.h. das Kirchenvermögen: und wenn ihn dazu vor allem auch die Wirtschaftsnot des Staates zwang, so stellte doch di? neue Maßnahme einen empfindlichen Eingriff in die alten Rechte der Geistlichkeit dar. Obendrein sagte man ihm nach, daß er an seinem Hofe Schauspiele, in denen Mullcchs vom alten Schrot und Korn verspottet wurden, nicht ungern sah.
Weniger gefährlich waren solche Elemente. wie bte allen Würdenträger oder Vornehme (S r r - dars). deren ehemalige Privilegien durch die neu« staatliche Ordnung beschnitten oder gar ab» geschafft wurden, und die an sich gleichfalls ein Element der Opposition Ratten bllden können. Hier erwies sich Amanullah als Diplomat, indem er da manchen hohen Posten in der von ihm ge- schaffenen Staatsbureaukratie mit Ministerien, einem Staatsrat imb sechs Gouvernements eben jenen Vertretern der vornehmen Familien über-* lieh.
Um so weniger zeigte er sich als Diplomat in seinem sonstigen Reformwerk. Er ging hier vielmehr geradezu mit Sturm und Drang an seine Aufgabe, vom Standpunkt eines (Semem» wesens, bai bisher jahrhundertelang im Mittelalter lebte. Als eine Art Revolution wurde es z. B. empfunden, datz er in Kabul eine öffentlich« Frauenschule einführte. Ueberhaupt „die Ehre der Frau und der Schariat" (Herkommen) ist das Leitmollv der gegen Amanullah erhobenen Klagen, das auch in manchem Flugblatt bei. einzelnen Unruhen (so im Iah re 1923 in der Provinz Kabul) wiederkehrt. Erst recht nach der Rückkehr des Herrscherpaares von seiner Reise durch Europa nahm aber sein Europäisierungs- eiser noch mehr zu. Der König zwang all« Abgeordneten, sich die Bärte abrasieren zu lassen und europäische Kleidung anzulegen: die Königin ging als moderne Frau ohne Schleier den afghanischen Frauen mit einem Beispiel voran, das nachzuahmen sie sie anspornte, das aber den Anhängern der Tradition als religiöse und sittliche Entweihung erschien!
Schon an diesem letzten Beispiel erkennt man, daß, trotz aller äußeren Machtentfaltung, die Stellung Amanullahs innerlich lange nicht so stark war, wie die eines anderen ihm im Geiste verwandten orientalischen Reformators, nämlich Kemal Paschas, der dieselben und noch weitergehende Reformen siegreich verwirklichte. Zieht man eine Parallele zwischen dem politischen Regime der beiden, so merkt man allerdings einen großen Unterschied: Kemal hat nach dem anatoli- schen Aufstand alle aufständischen Elemente rücksichtslos, physisch ausgerottet. Im Reiche Amanullahs -aber gab es von 1920 bis 1924 fast ununterbrochen Unruhen (1924 sogar einen Thron- prätendenten in der Person Abdul Kerims), ohne daß man von solch exemplarischen Strafen wie die von Angora etwas gehört hätte. Und dazu gesellt sich noch ein Unterschied, der zwar äußerlich scheint, aber wohl nicht ohne Wichtigkeit ist: Kemal ist es bisher nicht eingefallen, seine reformierte Türkei zu verlassen, während die lange Abwesenheit Amanullahs auf Reisen den ihm feindlichen Elementen die Möglichkeit der Organisation nur erleichtert haben mag.
Daß nun, nach wechselndem militärischen Geschick die rebellierenden Bergstämme die Oberhand in den letzten Kämpfen gewannen, entschied, wie in solchen Fällen üblich, auch die Ausdehnung der Bewegung auf einen Teil der Arme« und des Hofes. In den von den Aufständischen aufgestellten Forderungen: Thronverzicht Amanullahs zugunsten seines älteren Bruders, Verlangsamung der Europäisierung, Entlassung aller europäischen Instruktoren, spiegelt sich aber deutllch der ganze Charakter dieser Bewegung als Reaktion gegen die Reformen und deren Verkörperung im Regime Amanullahs, wobei zugleich auch dynastische Motive nicht ausgeschlossen erscheinen.
Besserung der Lage für den König.
London, 22. Dez. (WTB.) Die afghanische Gesandtschaft in London erklärt, daß die Aufständischen aus allen Höhen der Umgegend Kabuls vertrieben und daß alle zur Hauptstadt führenden Stratzen gesäubert worden sind. Di« Verbindung zwischen der Stadt und der außerhalb liegenden britischen Gesandtschaft ist wieder hergestellt. Die allgemeine Lage, sowohl in Kabul wie in den östlichen Provinzen ist bedeutend besser geworden. Der Luftverkehr zwischen Kabrll und Taschkent ist gestern wieder eröffnet worden.
Abbeförderung von Krauen und Kindern aus Kabul.
New Delhi, 23. Dez. (WB.) Reuter. Vier Europäerinnen, drei Kinder und vierzehn Frauen indischer Staatsangehörigkeit wurden heute früh mit Flugzeugen von Kabul nach Peschawar abbefördert. Andere Gesandt- schastcu haben Großbritannien zu dem gleichen Zweck um ihre Dienste ersucht. Es sind Gerüchte im Umlauf, der afghanische Hof werde nach Kandahar übersiedeln, wo Amanullah größere Unterstützung durch di« südlichen Stämme findet.
suchte, vom französischen Kriegsgericht in Mainz wiederholt Auskünfte über die Verhaftungen zu erhalten. Es wurde ihm dabei aber in höflicher Form erklärt, datz er auf gründ der gesetzlichen Vorschriften keinerlei Einsicht in die Akten nehmen könne. Es handelt sich also um ein Verfahren wegen Spionage verdacht es, und nicht nur, wie in manchen Blättern angenommen wird, um einen Einbruchsdiebstahl. Di« Verhafteten sind nach wie vor von der Umwelt gänzlich abgeschnitten. Die Untersuchung dürste wohl noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Die Schüsse aus Fachst.
Die gesamte Pariser Presse bringt spaltenlange Berichte über das Attentat auf den Generalstaccks- anwalt Fachot, ebenso auch über die Gründe, die den Elsässer Benoit veranlaßt hatten, auf Fachot einen Mordanschlag zu verüben. Es läßt sich natürlich von hier aus nicht nachprüfen, ob die Angaben stimmen, daß Benoit ein elsässischer Auto- nomist ist, und daß er Ricklin uno Ross 6 habe rächen wollen. Die ganze 21 rt aber, wie man in Paris diesen Vorfall behandelt, zeigt doch, daß die Franzosen innerlich recht zufrieden mit dem Attentat sind, weil sie nunmehr eine Handhabe besitzen, um auf dem schnellsten Wege in der Kammer die Annahme jenes Gesetzes zu erzwingen, das sich gegen autonomistische Bewegungen richtet, in oer Hauptsache aber die Heimattreuen Elsässer treffen will. Daß man sich gar nicht bemüht, zu unter
suchen, ob im Elsaß Fehler gemacht worden lind, und ob nicht durch eine Aenderung des Systems eine Aussöhnung mit der elsässischen Be- oölEerung herbeigeführt werden könne, zeugt davon, wie roemg die Franzosen doch aus der Vergangenheit gelernt haben.
Fachot zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt.
Paris, 22. Dez. (WB.) Das Befinden des ehemaligen Generalstaatsanwalts Fachot wird als befriedigend erklärt, wenngleich die Aerzte noch keine definitive Prognose stellen können. Fachot wurde im heutigen Ministerrat zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt.
Deutscher Protest gegen pariser Blätter
Berlin, 24. Dez. (Priv.-Tel des WTB.) Wie die „Voss. Ztg." erfährt, hat die deutsche Botschaft in Paris beim französischen Außenministerium gegen die Sprache mehrerer Pariser Blätter, die in ihren Kommentaren Hu Dem Attentat auf den ehemaligen Colmarer Oberstaatsanwalt Fachot eine moralische Mitschuld D«u tschlands zu konstruieren versuchten, nachdrücklichsten Protest erhoben.
Haussuchungen in Straßburg.
Paris, 22. Dez. (WTB.) Havas meldet aus Straßburg: Auf Antrag der Pariser Staatsanwaltschaft sind in autonomistischen Kreisen von Straßburg Haussuchungen
vvrgenvmmen worden, um testzustellen, vb George Benoit, der das Attentat auf Fachot verübt hat, Beziehungen zu den Führern der AutonolÄstenbewegung gehabt hat. Es ist das Gerücht verbreitet, daß ein von dem Täter nach der Tat geschriebener, stark kompromittierender Bries beschlagnahmt worden sei, der Bericht gebe über die Ausführung der Mission. Der Vater des Täters soll übrigens Bürgermeister des Heimatortes Walburg sein.'
Ein Mftnbrand in Veuyork.
In dem prachtvollen, noch nicht fertiggestellten Dau der neuen Vaptiftenkirche in Reuyork, die in der Rahe der Eolumbia-Univerfity am River Sibe Drive errichtet wird, brach in der Rächt ein Brand aus, der sich rasch ausbrcitete und schließlich das gewaltige, den Reubau umgebende hol;- gerüst in einer riesigen, fünf Meilen weit sichtbaren Jlammcngarbe auflodern ließ. Der Brand, der einer der gewaltigsten ist, von denen Reuyork heimgesucht wurde, hatte viele Taufende aus Reuyork und Reuyersey angelockt.
Vas Jener ist wahrscheinlich durch einen der offenen Koksöfen entstanden, die zum Austrocknen des Gebäudes aufgestellt worden waren.-. Obwohl die Jeuerwehrzüge selbst aus den entlegensten Stadtteilen herangezogen worden waren, erwiesen sich alle Bemühungen, den Brand zu löschen, als erfolglos, da das Wasser sofort gefror und das Gerüst um den 110 Meter hohen in normannischem Stil gehaltenen Turm, der zweite, der vom jüngeren R o ck e f e l l e r zum Andenken an seine Mutter errichtet worden war, von den Jeuerwehrleuten nicht mehr erreicht werden konnte. Schließlich loderten die Jlammen 200 Meter hoch über dem Turm empor, so daß die Jelswände des Hudson-Afers und die in der Rahe liegenden Ortschaften hell erleuchtet waren. Die Kirche war mit einem Kostenaufwand von vier Millionen errichtet worden. 3n dem Rockefeller-Ge- dächtnis-Turm sollte das größte Glockenspiel der Welt untergebracht werden. Der Brandschaden wird vorläufig auf eine Million Dollar geschäht. Wahrscheinlich wird er aber sehr viel größer sein, da die Erdgeschoßmauern des Gebäudes, das schließlich einem riesigen Hochofen glich, durch die Einwirkung der Hitze stark beschädigt worden find. Durch die brennenden Gerüstteile, die wie Raketen durch die Luft flogen, wurden in den den Reubau umgebenden vornehmen Wohnvierteln zahlreiche kleinere Brände verursacht, die indessen rasch gelöscht werden konnten.
Aus aller Welt.
Tumult um Weihnachtsbäume.
Im Berliner Norden ist es am Sonntag- nachmittag wegen zu hoher Preise für Weihnachtsbaume zu schweren Tumultszenen gekommen, die ein Eingreifen der Polizei note wendig machten. Gegen 16 Uhr gerieten in der Eberswalder Strafte zahlreiche Personen mit den Verkäufern von Weihnachcstannen in Streit, da sie mit dem geforderten Preis nicht einverstanden waren. Erne Anzahl junger Burschen schürte den Streit und schließlich fielen die Hunderte, tote auf Kommando, über die Tannen- b äume her und schleppten den gesamten Dor- rat, etwa 4 5 0 Stück, weg. AIS die Polizei erschien, waren die Weihnachtsbaumräuber verschwunden. Rur ein Ibjähriger Bursche konnte fest genommen werden. Außer dem Raub m der Eberswalder Straße wurden in der Nähe des Nordbahnhofs von einer zahlreichen Menschenmenge zwei mit Christbäumen voll beladene Wagen geplündert. Die Polizei war gezwungen, mit Gummiknüppeln vorzugehen, um die Ordnung wiederherzustellen. Bei Eintritt der Dunkelheit rottete sich in der Danziger Straße eine Menschenmenge zusammen und bemächtigte sich eines Wagens mit Christ» bäumen. Als das Lieberfallkommando erschien, flüchteten die Leute mit ihrer Deute.
25 Millionen Geldstrafe für Sprilschmoggler.
Einer der größten Schmugglerprozesse der letzten Jahre ging nach ungefähr fünfwöchiger Dauer vor dem Hamburger Schwurgericht zu Ende. Nicht weniger als 5 9 Anaeklagte , darunter sechs Zollbeamte, zierten die Anklagebank. Die Angeklagten hatten seit geraumer Zeit unverzollten Sprit in das Zollinland geschafft und hier weiter- verkauft. Da der Zoll auf Sprit lehr hoch ist, wur - den bei diesem Geschäft außerordentliche Gewinne erzielt. Wie hoch sie waren, geht schon daraus hervor, daß für das einzelne über die Grenze geschmuggelte Faß 100 bis 200 Mark Destechungs- gelber an die Zollbeamten gezahlt wurden. Die Strafen find entsprechend dem Ausmaß der Verfehlungen und der dabei erzielten Gewinne außerordentlich hoch. Der Haupträdelsführer erhielt eine Gefängnis strafe von 2 Jahren und eine Geldstrafe von annähernd 5 Millionen Mark zudiktiert. Insgesamt wurden 10 Jahre Gefängnis und etwa 2 5 Millionen Gelöst r a f e verhängt.
Eisgang auf der Elbe.
Wie aus Magdeburg gemattet wird, ist die Schiffahrt auf der Elbe infolge des ftarfeit Eisganges eingestellt worden.
Wettervoraussage.
Das Frostwetter geht seinem Ende zu. Warmluftmassen des Inlandtiefs sind südwärts vorgedrungen und haben auf den britischen Inseln kräftigen Lempecaturanstieg hervorgerufen. Beim Aufgteiten der Warmluft hat sich dort ein ausgedehntes Regengcbict entwickelt. Allmählich wird sich auch bei uns der Einfluß des Inlandtiefs bemerkbar machen, so datz mit einem Ansteigen der Temperaturen zu rechnen ist. Hierbei werden auch Niederschläge auftreten, die zunächst noch als Schnee, später als Regen niedergehen.
Vorhersage für Dienstag: Meist bedeckt. Temperatur ansteigend, vereinzelt Nieter- schlage-
Aussichten für Mittwoch: Ber werter ansteigenden Temperaturen vereinzelte Regensälle.
Winlerfportnachrichlen der Hess, Wetterdienststelle.
Vogelsberg (Hoherodslvpf): Wetter: Leichter Nebel, Temperatur minus 3 Grad Celsius. 30 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski und Rotel sehr gut.
Odenwald (Neunkirchener Höhe): Wetter wolkig, Temperatur minus 2 Grad Celsius, 14 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut


