llr.M Zweiter Statt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Donnerstag, 25. August (928
Sin mohammedanisches königi eich in Europa.
Achmed Zogu will König von Albanien werden. — Oer Herrschertraum des vierunddreißigjährigen Oittators. — Orient in Europa.
Don Dr. Georg Häfner.
Xbanien» Dihaior. Achmed Zogu scheint am Ziele seiner Dünsche angelangt zu Inn. ®rr>fk Teile der Bevölkerung Qu» banirni haben tn gut ocganihvrtm Demonstrationen AU verliehen gegeben, bah sie hie Rückkehr Aur monarchischen Staats- verfallung wünschen. Der ehrgeizige Leiter der albanischen Boittik wirb Iribft- herssänksich einem Auf. hei Königstitel cmZunehmen. nur AU gerne Folge leisten, -eit Anfang 1921, als er die Prälihent- schast des Londes übernahm, geht bereit» Irin streben hahm. seine an sich gesicherte Vefihon Au einer erbfvlgede recht iglen Dl>- noftie au*|ub<iuen Vorzeitig gelangten Ttachr chlen von dieser Absicht In die Oes- snulichkeit ihre Aichtigkeit wurde -war siet» von Achmed 3omi bestritten, aber die Delk gewöhnte sich allmählich an die Dinge, die da im Sn »liehen waren. Cr selbst hat bann die Zähen geknüpft, hinter den Kulissen gearbeitet, um die Voilemeinung so Au beeinflussen, wie sie für seine Absicht erwünscht ist. und da» scheint jetzt gelungen *u sein. — D Reh
Aur durch da» schmale Adriatische Meer ist ha» fterflüheie albanische Bergland von Europa» ältestem Kulturgebiet. hon Italien, getrennt- aber in dem unzugänglichen Land, da» an seiner 300 Ädonieter langen Küste nur über schlechte Häfen verfug» und von seinen Aachbargebieten durch mächnge Bergketten art rennt wird, hat sich, un- beenislustt von Rom» gewaltiger Tradition, der Orient in seiner Buntheit, seinem Schmutz, dem ruhigen 'Ablauf de» täglichen Leben» und der ewigen Freude an Verschwörungen, Revolten. Intrigen, mit seiner Blutrache und seiner gren-en- lofm Gaftsreundschast, mit all diesen dem Europäer unfastlichen Siegens ätzen erhalten Aus 28 000 Quadro Kilometer wohnen 800 000 Albaner, also ungefähr soviel Menschen, wie Köln Einwohner zählt - niemals würde e» jedoch dem Oberbürgermeister einer entsprechend grossen europäischen Stadt einfallen, Machtbefugnisse zu verlangen. wie sie sich der Präsident der albanischen Republik angemaht hat. und niemals würde es die Bevölkerung einer Sladtgemelnde von 800 000 Menschen wagen, so viel in der Welt von lid) reden zu machen, wie diese» Verträge abschlie- hm de, Heere aufstellende. Klotten befehligende kleine Staatswesen, da» durch seine inneren Unruhen und ferne sprunghafte Auhenpolitik die Zeitungen aller Länder zwingt, über interne al- bawsche Vorgänge zu berichten obwohl Albanten selbst über feine einzige richtige Zeitung verfügt. Aus ..repräsentativen Gründen" unterhält der veine Staat eine Kriegsflotte, die au» zwei ehemals deutschen Minensuchbooten besteht- die beiden Schiffe liegen jedoch stet« auf her Reede hon Durazzo vor Anker weil der albanische Staat für teunc Spazierfahrten ferne Kohlen verschwenden will und der Kohlen» verbrauch eine» Minensuchbootes im albanischen (Stal eine gewisse Rolle spielen würde DaS Geld, ha# für militärische Zw«fe verfügbar ist, wird lieber in das Heer gesteckt, das au» ungefähr 6500 Mann regulären und 3500 Mann irregulären Truppen besteht- aber diese Armee wird von einem seltsam zusammengewürfelten Offizierskorps befehligt, das sich aus ehemals türkischen C'fliMercn. au» verabschiedeten österreichischen Kadetten und au» einigen Banden- führern -usammensetzt, die Achmed Z o g u. der sich jetzt nach dem berühmten Albaneriönig de» 15. Jahrhunderts Ska nde rbeh III. nennen will, auf ihre verantwortungsvollen und einträglichen Posten berufen hat. Sie tragen gold- |
strotzende Uniformen, hie freilich verblallen trenn neben tbr.cn die in weihe Seide gehst.Itc Gestalt de» Diktators auftaucht.
Der Monn, von dem man schon vor anderthalb 3abtm behauptete, er wolle König von Albanien werden, ist jetzt 34 Zähre ah ohne seine glän- »ende Uniform wurde man ihn für einen hübschen aber harmlosen Orientalen halten, helfen blondes Haar seltsam genug hei dem braunen, dünke« - äugiqrrt Mairn aussieht Er stammt aus altem albanischen Jürstengetchlecht dem fre dreizehn Stämme der Landschaft Matja leit Zahrhundenc n untertan sind und nur seine Gegner behaupten, er wäre ursprünglich Pferdehändler gerielen. hal-e aber in diesem Berufe keinen Erfolg gehabt, und fei deswegen zu den Oesterreichem als Militär- Ip.tzel übergegangen. Das ist nicht wahr. Achmed Zvgu hat vielmehr eine so gute Erziehung genossen, tzi.' sie eben einem albanischen Aristokraten \u- teu wird- er ist drei 3obre in Konstantinopel auf bie Schule gegangen, spricht albanisch. türkisch und deullch. hat sich auch eine gewisse historische Bildung angeeignet. Was ihm an .Kenntnissen fehlt, erlebt er durch eine natürliche staatsmännische Klugheit, ein grosses Geschick, die Parteien fenice Lande» gegeneinander auszuspielen, und es gibt viele albanische Parteien, denn die Männer, die alle Arbeit von den grauen verrichten lassen, baden unbegrenzt Zeit zum politisieren. Al» Jüngling sah Achmed Zogu den Einzug des Fürsten von Wied, von dem jetzt behauptet wird, dast er noch immer Ansprüche auf den albanischen Thron mache und gegen die Krönung de» neuen Herrscher» zu protestieren gedenke. Achmed verhielt sich dem von den Albanern wenig geliebten Fürsten gegenüber sehr abwartend, im Weltkrieg schloss er sich eine kurze Zeit den Oesterreichem an, die ihn zum Obersten einer albanischen Freischar ernannten, ging dann aber als vorsichtiger Wann, der nicht wusste. wie sich die Dinge in Albanien entwickeln würden, wieder in seine Heimat zurück, wo er sich im 3a&rc 1920 in den Rativnalkonvent wählen lieh. 2ll» Dierundzwanzigjähriger kämpfte er für die aloa- nifche Freiheit, beteil.gle sich an der Vertreibung der Serben und der Italiener, lieft sich dann darauf Zum Innenminister machen, schlug zwischendurch einen der vielen albanischen Aufstände nieder, wurde wiederum Chmcruniniftcr und im Aahre 1925. also im Aller von 31 Jahren, Staatspräsident. Das wäre zweifellos eine ganz au her- ordentliche Laufbahn, die es rechtfertigen würde, dass sich Achmed Zogu gern einen albanischen Napoleon nennen hört - wenn sich der Aufssieg nicht in einem so lächerlich kleinen Staatswesen abgespielt hätte. Aber für Achmed Zogu ist Albanien natürlich von jeher die Welt gewesen, in diesem Land wollte er — wie alle übrigen Albaner aus edlem Geschlecht — Präsident und König werden, und um dres Ziel zu erreichen, opferte er alle Persönlichkeiten, die ihm verdächtig erschienen- man munkelte, dass er an dem Attentat auf fernen Onkel Essad P as cha nichl ganz unschuldig gewesen sei. und es ist sicher, dass der Diktator gute Gründe hat. sein Hau» in Tirana in diesem Land der Blutrache mit einer starken Leibwache zu umgeben.
E» gibt nämlich viele llnzusriedene m Albanien. Die Römisch-Katholilchen des RordenS, die Griechisch-Orthodoren des Südens sind erzürnt über die Bevorzugung Mohammedaner, die zwei Drittel der Verwirrung bilden- die Landbevölkerung. die den Grund und Boden nur gepachtet bat. hasst die reichen Grundbesitzer, die rücksichtslos die Pachtiummen eintreiben, und alle hassen die Bureaukraten. die sich ihre Arbeit nur zum Heineren Teil vom Staat, zum grösseren
Ein Vierieljahrhundert Klugmaschine.
Dem Graf (Karl von Minckowsiroem.
Kaum ein andere» Gebiet Hai in den letzten 25 Satiren so rapide Fortschritte gemacht wir die Flugkunst. Wir Angehörigen der älteren Ge- (teration kennen noch die Zeit, da der alte Traum der Menschheit, es den Bögeln glcichzutun, immer noch nichts als ein Traum war. llnb als in den Fahren 1004 und 1005 die ersten Rachrichten von den fensalionellen Flugleistungen der Brüder Orhi Ile und Wilbur Wright au» Amerika ein trafen, da stiessen sie allgemein auf Unglauben: amerikanischer Humbug, lln» will daS heute mcrftDÜrb-.g bedünken. Allein, man muh sich vergegenwärtigen, dass in den Zähren 1<X)5 und 1906 die französischen mit ihren
tastenden Bersuchen schon grosses Aufsehen erregten.
So wurde es fcreit» mit Begeisterung be- arüsst. al» es dem französischen Kapitän Ferber im Sommer 1905 gelang, mit seinem von einem lechspferdigen Motor getriebenen Aero- plan über einen kleinen Abhang zu .fliegen", und Santo» Dumont ftcTItc am 12. Ro- vember 1906 mit einem Flug über eine Strecke von 22 Meter In 3 Meter Höhe mit seinem Motor-Drachenflieger einen europäischen Rekord auf. Roch im Sommer 1907 kamen Bl6r iot und D e 1 a g r a n g e über kurze Gleilllüge von 60 bis 120 Meter nicht hinau». Da h-.ell man es denn bearelflicherweife allgcmvin für amerifani- Mien Blust. als es hiess. Wilbur Wright dode am 5. Oktober 1905 auf dem älebungsplatz bei Öimmi-Ctation. 17 Kilometer von Dav ton 'Owo), in 38 Minuten 3 Sekunden mit feinem Doppeldecker, den ein Motor von 25 P. S. antrieb. cmc Strecke hon 38.956 Kilometer durchflogen.
Dieses Grgcbm» war aber die Frucht lang- sahrtger svstematitcher Studien und Versuche. Da» mJ*l3u9Cnl>Kf<6orn bezeigte Interesse an Flug- ersuchen wurde bei den Brüden-, Wright zuerst wieder tm Jahre 1396 geweckt, al» die Rachncht von Otto Lilienthals Todessturz IS°‘ 1?* 2lnKr^a gelangte Nach fünfiäbngen Vorveriuchen mit Apparaten, deren Konstruknon auf Lilienchal unb C ban u tc 'uhte b.e Brüder so viele iStfabrungen gefam- nrelL dass sie 1Ä?1 mit einer vergrö^rten Maschine. einem Doppeldecker mit 35 Ouadratmeter
Tragfläche, ernst halt da» Problem des Gleii- fluge» in Angriff nehmen konnten. Sie gaben den Tragflächen eine Krümmung von 1:12, ein Verhältnis, das schon Lilienthal hinsichtlich der Hubkraft als das günstigste feftgeftellt. aber aus 6tabilität»grünben nicht angewcndet hatte. Schon in diesem 3obre gewannen die Brüder Wright soviel Hebung, dass sie 100 Meter weit zu gleiten vermochten. 1902 nahmen sie ihre Versuche auf htm alten Versuchsfelde bei Kitty Haw? wieder auf. Am 17. Dezember 1903 bauten sie erstmals einen Motor von 16 P. S. in den Apparat. Mit einem stärkeren Motor (25 P. S.) begannen sie im August 1904 eine neue Reihe von Versuchen und erzielten ständig verbesserte Leistungen. Diese Versuche fanden in der Rähe von Dayton ganz im geheimen statt. Mit dem oben erwähnten Rekord vom 5. Ortober 1905 wurde diele Versuchsreihe abgeschlossen.
Die letzten Zweilel an der Wahrheit der Berichte über die erstaunlichen Leistungen der Gebrüder Wright schwanden erst, al» der bekannte Luftschiffer Hauptmann a.D. AHildebrandt sich im Jahre 1907 persönlich nach Dayton begab und auf Grund der Vernehmung einer Anzahl vertrauenswürdiger Augenzeugen einen ausführlichen Bericht nach Berlin sandte.
inzwischen waren auch die Franzosen nicht untätig geblieben. 1907 begann Jarman Flugversuche mit dem V o i s i n s ch e n Eindecker. Rach langer Hebung gelang ihm am 15. Oktober der erste Flug über 285 Meter, und ae 31. Oktober 1938 konnte er feine erste längere Luftreise auS- fähren, die ihn über 27 Kilometer von Ehalon» nach Reims führte.
Täbrrnb Orville Wright 1906 in Amerika feine Verbuche wieder aufnahrn, welche die Abnahme der 5Iuflrr.a’d)int durch da» Kriegs mim- ft en nm der Verc-.nigren Staaten 3 um Ziele hatten, folgte Wilbur im Sommer dieses Zahres der Einladung einer durch Harr O Berg und Lazare Weiller gebildeten Gesellschaft. die für die Summe von SCO 000 Franken die französischen Patenie der Wrights ankaufen wollte. nach Frankreich. Am 8. August begann Wilbur Wright auf dem Rennplatz von Hunaudiere <einc Versuche. vertauschte das ungeeignete Fluggelände jedoch bald mit dem Schiessplatz Avours. Hier ftelloc er am 31. Dezember 1906 mit einem Fluge von zwei Stunden, 20 Minuten und 23 Sekunden einen Dauerweltrekord auf. Die zurückgelegte Strecke betrug 124.7 Kilometer 3r gewann damit den von TBL ichelin ausgesetzten Preis von 20 000 Franken.
Teil aber von den Bürgern bezahlen laf'en. von denen sie für jeden Nemen Dienst Be '.echuug»- I um men fordern. 3n Albanien dar' kein Korn geschnitten werden, bevcr der Steueret .inepmcr nicht den örtrofl geschätzt bat: will ...an chm nicht einige grössere Geldscheine m fre Hand drücken, |o hübet er zu dieser Arbeit keine Zeit, und dir Omie kann au* dem Halm verfaulen. Go gibt taufend Möglichstten. Geld tu erpressen, und die brrufvrnähigen Schreiber, die au» der türlifchen Verwaltung übemomm.*n worden sind, kennen alle Mrichoden des Geld- fchropfene. Diese Schreib:r. die dem aas einer Bevöllerung von Analphabeten bestehenden Land unentbehrlich sind, vermitteln den Deriehr mit "e sitzen in allen Amtsstuben sie kennen die Staatsbeamten, und sie vermitteln auch Darlehen, die durchschnittlich mit 38 Pro», tm Jabrc verzinst werden Aber nicht nur diese Parasiten plündern ha» Land aus. auch der Staat beteilig! sich an diesem Geschält, wahrend er es verabsäumt, d'e grossen wirtschaftsichen Möglichkeiten de» Lande» aus^inutzen
Das überlässt er den Fremden, die bi immer grösserer Zah. nach Albanien kommen angeiodt hon 200 033 Hektar Petroleumleldern. die gröss- trnteil» in engl.lchen Händen sind von Mineral» schätze und h. n ungenutzten agrarilchen Reichtum diese» Landes Besonder» Die Italiener bemühen «ich, 2ilbanie. in immer grössere Ab» däng'gkrit ZU bringen, es \um Getreidel,eserantot für da» an Kornerirucht<m arme Italien zu entwickeln und gleichzeitig zu verhindern, dass Jugoslawien einen -jUiega;-j zum Meer be- toramt. Mit Recht hat man Albanien im letzten ^odr wiederholt eine italienische Kolonie genannt, ■^ange bat Achmed Zogu mit dem italkenischen Gesandten in Tirana verhandelt bi» e» ihm. t»dx-rli<t> gegen bedeutende politische Geständnisse. gelungen ist. die Einwilligung M u 11 0 |, n 1» au einer Kenig»krönung zu er- lan»r Ss ist nicht ausgZchlosien. d.ist die Kerbt nbung aus andere Weile fester geknüpft werken soll verlautet doch, dass Achmed 3og:i eine italienische Prinzessin betraten wird
Rider vom Ahön-SegeWg-Welidewerv 1928.
Don einem Giessener Iungslieger.
Lastautos kommen. Flugzeusf werden abgeladen. Zelte entstehen — 19 an der Zahl. Sie sollen oll die grossen und kleinen wertvollen Bogel beherbergt1 n. flirr wird schon eine Maschine ausniontiert, da wird noch lackiert und verbessert, dort macht schon ein Flugzeug die ersten Fluge.
„Die „Teko" kommt!" ülier Herren mit blauen Armbinden betreten das Zelt — die Technische Rom Mission. Das Flugzeug wird auf Herz und Nieren geprüft. Bangen 1)erzcn» stehen die Erbauer dabei. „Wird es abgenommen werden -> Wird unsere Mühe nicht umsonst gewesen sein?" Cs scheint nicht so. Nur Kleinigkeiten sind noch abzuandei n — ein Herr notiert sich da» Nötige, lind dann zieht sie weiter — die gefürchtete und doch meloerlangtc „Teko". — Die gewünschten Abänderungen werden oorgenom- men. — Und wieder kommen die Leute mit den blauen Armbinden. Einer der Herren sieht nach, was er sich für das betreffende Flugzeug notiert hat, die Abänderungen werden kontrolliert, und wenn alles in Ordnung ist, wird ein (Stempel auf das Flugzeug gedrückt — „Es ist abgenommen!" — Manche Flugzeuge werden allerdings auch nicht abgenommen.
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Südwind! — Die „Kanonen" (bekannte Segelflieger) schimpfen zwar, aber für Schulflugzeuge ist es der brauchbarste Wind. Zelte öffnen sich, und ein weisser Bogel nach dem anderen wird non emsigen Iungfliegern zur Kuppe gebracht. Nach erfolgter Startmelbung gibt die Sportleitung den Start „frei", und die ersten Maschinen werden mit dem Gummiseil in die Luft geschnellt, einige zu Prüfung»-, andere zu Abnahmeflugen (ein Flug von 30 Sekunden Dauer), wieder andere, um sich um den ausgesetzten Tagespreis zu bewerben.
Wir stehen am „Dellensealerhang" (benannt nach einer Fliegergruppe, die sich in den ersten Wettbewerben auf diesem Hang eine Halle gebaut hatte), non wo aus man die Flüge non der Kuppe gut übersehen kann. Die meisten Schulflugzeuge landen glatt auf dem „Zuckerseid" bei der weissen Ziel- flagge. (Zuckersetd genannt, well in der Inflationszeit als Preise für Zielflüge auf dieses Feld Naturalien, z. B. ein Sack Zucker ausgesetzt waren!) Doch hie und da verschätzt sich auch mal einer in der Höhe und ist gezwungen, zwischen den Stein- wällen niederzugehen. Das ist eine heikle Geschichte — hierbei gibt es leicht Bruch Da kommt auch schon ein Flugzeug mit einer „Afsenfahrt" von der Kuppe — plötzlich ein weithin hörbares Krachen, Splitter fliegen hoch in die Luft — ein grosser Steinhaufen hat eine glatte Landung vereitelt '
Sanitäter, Polizisten und viele Neugierige erlen herbei, die einen um zu helfen, die anönen um zu staunen. Auch die Photographen sind schon unter- weg». Doch von weitem siebt man schon, wie sich jemand au» den Irümmern heroorarbeitet — der Führer ist unverletzt geblieben. Pr bestaunt seinen „zünftigen Bruch'.
12 Uhr - die Sirene ruft zum Mittagessen. Die Kantine stillt sich Kegen Abgabe non itssmarten erhalt man sein offen Die Kellner haben vollauf ZU tun; sie sind jedesmal froh, wenn diese Schlacht vorbei rft. — Wahrend alles eifrig mit Futtern beschäftigt ist, geht die Türe auf: Ausflügler und vor allem Ausslugsirinnen, fog. Nhbnhaschen, betreten die Kantine. Sofort beginnt ein mächtiges Trampeln verbunden mit lauten Äh- und Oh Rufen. Meist streben die verdutzten Fremden so schnell wie möglich wieder nach dem Ausgang. — Auch wenn „Kanonen" in die Kantine kommen, wird getrampelt.
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.Heute Abend ist Rhönzauber." Die Helden des Tages (ollen ein wenig gefeiert werden Alles steht auf der tiagergaffe in (Irroartung der Dinge, die da kommen sollen Ah, da kommt auch schon der „Rhönvater". (Diesen Namen führt Zivilingenieur llrfinus aus Frankfurt, der die Segelfliegerei nach dem Kriege ms Leben gerufen hat.) stoch zu Rosie, mit einem alten oeitenfteuer, das er sich auf den Rücken gebunden hat, kommt er daher geritten. Die Helden des Tages muffen in ein Auto, der „Rhonvater" reitet vorne weg, bann kommt eine Musikkapelle, die auf „richtigen Blechinstrumenten" spielt, und daran schliessen sich alle anderen Flieger an. So geht e» mit Gesang und Fackeln durchs Lager zu einem grossen Feuer. Dort werden Ansprachen gehalten an die alte Frau Siedel (wohl ein lagen- bafter Rhöngeift) und an die liebe alte Knoose (Ausdruck für Nebel). Dann geht e« wieder zurück zum Lager und in die Kantine, wo es Freibier gibt.
Nacht» nimmt zuweilen der Rhöngeist feinen Weg zur Wasierkuppe, wahrscheinlich sogar während des Wettbewerbes öfter als fonft. Dann wandert er durch das Lager und sucht sich ein Opfer au». Dem einen schmiert er die Nase mit Kaltleim zu, dem anderen baut er vor seine Äabinentur einen riesigen -stausen, bestehend au» alten Flugzeugen, lannrnbäumen, Konservenbüchsen usw Manchmal verrammelt er auch sämtliche Türen de, sogenannten Schlafwagens, so dass die Einwohner am nächsten Morgen nicht herauskönnen. (Der Schlafwagen ist eine lange schmale Baracke, die in ungefähr 30 Kabinen eingeteilt ist, die auf beiden Seiten des Ge-
Damit setzte bald der ausserordentlich schnelle Aufschwung der Flugschisfahrt ein. Man erreicht da» Ziel durch den Einbau immer stärkerer Motoren. interessant ist es, dass die neueste Entwicklung der Flugzeuge in Deutschland insofern wieder gewillermasien an den Ausgangspunkt zurück- gefüstrt hat. als man sich heute wieder besonders um das Leicht!lugzeua mit schwachem Motor (biS zu 20 Pferdestärken) bemüht
Vogelwunder.
Von Paul (kipper.
Die Anmutigen.
Jedes Jahr im Oktober ziehen die Kraniche in strenger Keilordnung von Skandinavien und Deutschland über das Mittelmeer, den Nil entlang, nach dem cuban. Dort überwintern sie auf den langen Sandbänken des tropifchen Flusses, eilen bei Sonnen- aufgang geschäftig über die Durrabfelber und füllen Magen und Hals bis oben mit ftornern, um den Rest des Tages wieder am Wasser zu stehen, zu träumen, zu spielen und zu tanzen.
Es gehört zu den ergreifendsten Schönheiten des Bengt Berg schen Afrikafilms, wenn auf der Leinwand über dem Nil sah die Kranichheere auftauchen, den Himmel verdunkeln und in herrlicher Flugbahn zum Flusse niederftossen, wo Hunderte von Jungfern- kranichen stehen, die — von der gleichen Wanderskhn- fucht getrieben — aus Indien geflogen kamen. Und dann steht auf der Leinwand im magischen Abend- dämmer jenes schmale Inselband, auf dem tausend Äranidjoögel ihren Tan; treten, springen, flattern, mit gesträubten Armichwungfkdem, ekstatisch berauscht von ihrer eigenen Schönheit.
Neunzehn verschiedene Glieder der Kranichfamilie kennt die Disienschaft. Auf der Logelwicse des Dresdner Zoologischen Gartens schreiten Kronenkranich, Halsbandkranich, Vettern aus Europa, Asien und Afrika, Futter suchend, im Kreis. Der Jungfern- kranich, im silbergrauen Federkleid, paradiert mit feinen langen Schwingfedern, die — einer Schleppe gleich — den Erdboden berühren und die Linie dieses Vogels noch betonen. Ein anmutiges Geschöpf mit klugem Auge, das schwarz gEn^enb ziemlich weit vom am verdickten Kopf sitzt
Etwas wetter oben auf der Diese rennt der graue Kranich mit schnell fördernden Sprüngen dahin, trinkt aus dem grossen ©afierbebäücr und benutzt mit einer grotesken Verdrehung des Halses feine Schminktube, die Bürzeldrüse am hinteren Ende seines Körpers
Groteske Schönheit.
3ni Alter!um galt der Pelikan als Symbol der Dpferfahigfeit. Ob dieser Vogel sich tatsächlich seine Brust aufreisst, um in der Not die Zungen mit feinem Herzblut zu nähren — wer weiss es?
Aber irgendein Geheimnis webt um jene Tiere mit den grotesken Ruderfüssen und dem gewaltigen Schnabel, an dessen unterem Teil ein riesenhaft dehn- barer Hautsack hangt
Man ist leicht geneigt, Pelikane hässlich zu finden. Betrachtet man sie jedoch, wie sie — gstichsam aus Stein gehauen — auf knorrigem Baumast fitzen, sich von den fllippen herab im Wasser spiegeln und da» Sonnenlicht über ihr Federkleid flutet, - wenn die rosenroten, weissen, zartgelben, grünlich-schwarzen Farbtöne der einzelnen Spielarten aufteuchten, wenn einer jäh in toller Verdrehung mit der Schnabelfpitze in die Wolken sticht, wahrend der zierliche Zwergenvetter, der amerikanische braune Pelikan, ewig frierend Kopf, Hals und Schnabel in seinem Fcderflaum verbirgt! Ettll wie eine Lotosblume schwimmt der Nashornpelikan über den See, und kaum ein Dellenkreis verrät die rudernde Bewegung.
Würdevoll sind sie, und wenn sie ihre Stellung verändern, geschieht es eigentlich nur, um mit dem Schnabel jedes einzelne Federchen an Brust und Rücken zu waschen, zu kräuseln und zu glatten Und durch windaufjagende Bewegungen der Riefenflügel all das herauszukämmen, was nicht feftgewachfen ist.
Man erlebt oft Ueberraschungen bei der Beobach, tung von Pelikanen. Sie können stundenlang in Ruhe verharren und bann neidisch und gierig zu dreien um em winziges Fifchlein kämpfen.
Das Märchen.
Flamingos find wohl die allerfchonsten grossen Vogel. Sie sehen aus wie japanische Tuschzeichnun. gen, unkörperlich, von einem grossen Meister köstlich stilisiert. Und die Beweglichkeit ihrer Gliedmassen kennt keine Grenzen. Hals, Kopf und Hakenschnabel stiessen rhythmisch in starken Kurven oder steilen feierlich empor, Symbol zeitloser Erhabenheit.
In den ttopischen Heimatländern leben die Fl» mingos zu Abertausenden am Fluh, ein Anblick, der faum zu beschreiben ist. Der Forschungsreifende Hume spricht „von weiten, rofenfarbenen Inseln im Doffer ober von Purpurwolken, die bie fcheidenbe Abendsonne bestrahlt. Denn man sich den Flamingo- beeren nähert, sieht es aus, wie eine Scaffe hell- rofenroten Schnees. Das Ausspannen der Flügel oerwanbett sie in einen riesenhaften, rotglänzenden Schleier, der im Entschwebtn mächtige Falten wirst."
„Eine Feuerlinie am blauen Himmel*, sagt Brehm


