Ausgabe 
23.6.1928
 
Einzelbild herunterladen

Dl,

UQe nach [V

____

WM, gebraut ISH. .

tiinee

'ger.TlesschnMg, unb ßdjnift c wntie preiswert t Wut»

,Telephon io

MM

ifiittll» kOtQ^elarbeüe , kompletten Uekr raonenwagen

) Faber

n / Telephon M erke / Fahnet.

ibeanck

unfljtebtnb.c«.^1 ,593.^091 IffllOIW'- illbt MtlMirt'n taudier.muiir'U.M-, nemütu. «omn not

Ä Ä'SS

-s

. idattiö5 hüS MS Bein du* SdlWarZ?M

h em«"*' a,6aUJ®^' ii*$? trennt 3

-o

M

Nr. 14f> Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 25. Juni 1928

imot atcU

Geschichten aus aller Welt

jetzt totH da- Justizministerium Gericht-Vollzieher nach Rirnburg

tiglcitcn von Trianon da- bedeutet: Volk 0

werben, denn selber einen schicken.

utrnachen würde. Da­ne Kaum wis'cn

jetzt in der Motdau-RepublJ allerorten bäng­lichen Gesichtern und der Befürchtung. .Denn e* nur nicht wieder losgeht! . . .**

Während es in Budapest umgekehrt hißt: .Denn es nur endlich wieder lo-gehr'..Äcin neuer Ärieg natürlich, der für Ungarn selbst b:e allerärgftc Äataftroribc wäre ober doch ein Umsturz von oben, der einen Teil der Ungrrech-

wir in Deuttchlanb. Dir wissen es aber doch nicht, solange wir nicht tnc ungarischen Ver­hältnisse kennen. Zwei Drittel de- Landen wur­den gewaltsam abgetrennt. Und da- tägliche Morgen- und Abendgebet eine- jeden Ungarn: .Ich glaub an bic Diederauserstehung de- tau- sendjäyrigcn Reiches .. .k" klingt den Dersechrcrn de- Status quo um so bedrohlicher in bte Ohren, seitdem nun auch M u s s 0 l i n i e- in sein Brevier ausgenommen hat. Hier scheiden sich die Geister: Status quol heißt die eine Parole. Revision! bte andere. Die erste wird in den nächsten Tagen wieder einmal gehörig strapaziert werden. Denn die Außenminister der Kleinen Sn - lentc sich zu ihrer Besprechung zulammen- sinden. Es ist bekannt, daß diese Besprechungen um so lauter vonstatten gehen, je weniger konkret ihre Resultate sind. Rach dem Vorspiel zu schließen, da- Herrn Titule-eu- Belgrader Besuch darstellt. wird man diesmal besonder- laut sein. 6ie wollen tun. al- ob sie Freunde wären. Und al- ob nicht jeder an seinen eigenen Sorgen so schwer zu tragen hätte, daß für brillante Cc- kundantendienste wenig genug Lust und Energie bliebe!

Am schwersten hat zweifellos Herr Marin- k 0 w i t s ch. der Auhenminister I u g 0 s l a -

Hygiene desBergsteigens

Don Or. Mustat-Äerlin, Facharzt für Orthopädie.

Bai kaum einem anderen Sport sind die Leistunasfähigkeit und die 2lu-dauer so wichtig wie beim Bergsteigen: ist doch der Hochtourist mchr al- jeder anberc völlig auf sich angewiesen. Lin Versagen bildet nicht nur für ihn. auch für hie Gefährten, eine Quelle schwerer Gefahren. Die Dielen Unglücksfalle. welche jedes Jahr die Statistik des Bergsteigens belasten und den herr­lichen Sport al- solchen schädigen, sind zum großen Teil auf ein Verkennen der Gefahren­quellen zu sehen.

Der 'Bergsteiger muß wie ein Jäger sein, geduldig, -äh und unermüdlich: es bars ihn nicht verdrießen, bei ungünstigen Verhältnissen um« iukehvcn und an einem besseren Tage wieder zu versuchen, da- Ziel zu erreichen. Sr muß sich aber auch so in der Gewalt haben, daß er un» rrtoariete Schwierigkeiten, Temperaturstürze und Unbilden des Detters durch Stählung des Kör­pers zu überwinden vermag.

Lin gutes Auge, da- die Sicherheit des drittes uiii) des Ganges verbürgt, ist bei schwie­rigen Touren notwendig. Schftörungen sind durch gute Gläser auszualeichen. Ss ist aber stets darauf zu achten, daß die Gläser nicht beschlagen. Dunkle Gläser schützen gegen die Ueberstrcchlung iurch Sonne, Schnee und Gis.

Gin gesundes Gehör ist natürlich auch dem Wanderer von Vorteil: es gibt aber hervor­ragende Bergsteiger, die taubstumm sind und koch alle Schwierigkeiten überwinden.

Die Beherrschung deS Körpers ist abhängig ton der Seele. Beschwingtheit, Elastizität, Mut, Entschlossenheit sind erforderlich jrcigeben des Lnterbewußtseins von den Sorgen des Alltages. Sssen, Hntertunft, Milieu sind ohne Belang gegen das hohe befreiende Genießen.

Daß man unangenehme Empfindungen wie Schwindelgefühle bis zu einem gewissen Grade Werwinden kann, beweist Goethe, der durch De-

Weil er Pola Negri liebt.

(s) Warschau.

Ein Beamter der Warschauer Steinkohlen- inib Bergwerksgesellschaft in Ben dvin, der fünf­undzwanzigjährige. glücklich verheiratete Ian CiaSk, Vater zweier Kinder, der bei seinen Vorgesetzten als fleißiger und pflichtgetreuer Ar­beiter beliebt war. scheint plötzlich, wie man so sagt, vom Hafer gestochen ux-rben zu fein. Ein»poetischeres Gemüt würde vom Pfeile Amors sprechen. Der brave 3an war eifriger Leser illustrierter Zeitschriften, Magazine und Frlmjournale und ebenso leidenschaftlicher Be­

er der Glut ni4>t mehr zu widerst er faßte den titarnfchen Entschluß. Hei iung Weib und K.nd zu verlassen und die gel ebte Filmdiva am Orte ihrer Drksamkeit aufzusuchen, um ihr fein Herz zu Zützen zu legen. Da Pola 2tcgn. wenn ke nicht gerade wieder damit beschästigi ist, irgendeinen Für- stcn >u betraten, l.ch meistens in H 0 lIdw 0 0 d aufbätt, muhte f a> 3an Sia - k vor allem

steigen des Stratzburger Münster- und Gewöh­nung an daS Hinabblicken in die Liefe fern angeborenes Schwindelgesühl vollständig unter­drücken lernte.

Die Fülle neuer Eindrücke, welche besonder- im Hochgebirge auf den übermüdeten, nervösen, überarbeiteten Stadtmenschxn einbringen, be­deuten schon ein Teil der Erholung. Aber die drei Grholungsfattoren Ruhe, Bewegung und Klirnareiz find mitetnanber in Einllang au brin- aen. Die Aenderung des Klimas und Der Be­strahlung wirken verschieden stark auf den ein­zelnen. Bei zu starker Bestrahlung wird sogar eine f»genannte Hämolyse, d. h. eine Auflösung der roten Blutkörperchen, beobachtet. 3m all­gemeinen nimmt die Zahl der roten DlutSrper- chen. der Träger de- Leben-, in der Höhenlage ebenso zu, wie der Blutfarbstoff, das Hämoglo­bin. 3n der Höhe und beim Steigen erhöht sich auch die Zahl der Pulsschläge, um nach länge­rem Aufenthalt in der Höhe und bei Ruhe wie­der zur Rorm zurückzukehren. Geschieht dies nicht, so ist ein solches Herz nicht mit Sicherheit für das Bergsteigen geeignet. Jedenfalls emp- fiehlt es sich, in den Bergen Pulskontrolle zu üben. 3e geübter der Körper ist. um so größer ist der LeistungSesfekt, um so geringer sind An­strengung und Verbrauch

Lkchnlich geht eS mit der Atmung. Außer der .Kohlensäure, die durch die Lungen entleert wird, ist eine große Dafferabgabe nachweisbar, die je Stunde 17 bi- 34 Gramm beträgt. Je höher man steigt, um so wasserärmer ist die Lust, die WasserauSscheidungen fieiaen, und das Körpergewicht nimmt zusehends ab. Man soll ruhig und tief durch die Aase einatmen, um ein AuStrocknen des Mundes zu verhüten, und tief durch den wenig geöffneten Mund ausatmen. Das Ausatmen ist noch wenig geübt, erleichtert aber die Steigfähigkeit außerordentlich

Sauerstoffmangel verursach in den Höhen die fogenamtie Bergkrankheit. Aach anderen Wis­senschaftlern ist eine Blutstauung in den Lungen durch Verminderung des Luftdruckes dafür ver­antwortlich zu machen. Besonders schädlich ist der zu schnelle Wechsel der Höhe. DaS Hebel­

kntsgefühl, Schwindel, Herzklopfen, Flimmern vor den Augen. Schwäche. Blutungen aus den Schleimhäuten sind Erscheinungen, die zum Glück in tieferen Regionen fast vollständig wieder schwinden. Schrecklich ist es aber, wenn die Er­krankung jemanden auf der Tour an abschüssiger bte le betrifft. Wer also zur Bergkrankheit neigt, bei <ei vorsichtig bei Besteigungen und versuche stet-, sich an Anstrengung. Höhe und Klima an* zupassen.

Der Absonderung deS Wassers bient außer bei Lunge vor allem die Haut, und deshalb ist eine gute Hautpflege schon vor und während der Tour notwendig. Das Verbrennen darf nur langsam unb allmählich eintreten, sonst gibt es schwere Hautentzündung DaS Pudern der Haut vor der Tour ist der beste Schuh. Zu warme, zu enge unb vor allem undurchlässige Kleider hindern die Verdunstung und können durch Was­ser» unb Wärmestauung zu erheblichen Störun­gen führen, zu denen auch der Hcyschlag gehört. Zuführung von Flüssigkeit ist deshalb auch nicht völlig zu unterbinden.

Die Ernährung auf der Tour muh leicht bekömmlich und ausreichend sein, um dem Kör­per nicht allzuviel vom eigenen Bestände zu nehmen. Speck, Butter, Fleisch, Sier, Wurst, Zucker. Schokolade. 03rot, Keks ulw. toerben den Dedarf decken, dazu zur Beikost vitaminhallige Speisen, Hüllenfrüchte. Gemüse und vor allem Obst, ZUronen, Aepfel usw. Eine so gemischte Kost wird die Leistungsfähigkeit erhalten. Don Medi­kamenten, die lediglich der Anregung dienen, soll nur in äußersten Fällen Gebrauch gemacht werden. Tabak in mäßigen Mengen Dürfte nicht schädlich fein, unter Umständen sogar für kürze Zeit die Leistungsfähigkeit erhöhen können.

Die MuSkeln. Knochen unb Gelenke find durch Hebungen vor der Tour lei'tungSfähig au ge­fallen. Es ist ja bekannt, daß jeder Muskel durch Benutzung an Umfang und somit an Kraft zu» nimmt. Hnb nicht nur auf den Deinen geht man. nein, alle Muskeln sind gespannt, besonders wenn es erst ans richtige Klettern geht, wo der Rücken und der Racken sich anstrengen müssen. Der MuSkel nutzt nur ein Drittel in Arbeit

Don dem Zwischenfall ist sofort der zuständigen Stelle in London Bericht erstattet worden unb sowohl dort, wie auch bei der Zenttalregierung in Samberra. der Hauptstadt Australiens, wirb man sich mit der Angelegenheit näher beschäf­tigen.

Tie glücklichste Stabt der Welt.

(s) Prag.

Die kleine deutsch-böhmische Stadt Aimburg dürfte für einen großen Prozentsatz gequälter Zeitgenossen als die glücklichste Stadt ber Welt gelten. Sie hat keinen Gerichtsvoll­zieher, unb dieser .Rotstanb" hat bcizu geführt, daß sich beim Bezirksgericht schon einige Hundert Fälle von Zwangsvollstreckungen unb Pfänbungsurteilen angesammelt haben, bie ein­fach nicht durchgesührt werben können weil eben kein Gerichtsvollzieher vorhanben ist. So glücklich der eine Teil der bei solchen Manipula­tionen betroffenen Menschheit fein dürfte, so sehr zu beklagen ist der anbere, der dieser Art von .Geschäftsverkehr" in der aktiven Rolle befind­liche Teil. Seit Januar nämlich wollen Parteien, die bei ihren Prozessen einen oft nicht un­beträchtlichen Kostenaufwand zu tragen hatten, mittels Pfändung zu ihrem Gelbe kommen -- aber da« Oberlande-gericht hat dem Bezirksge­richt auf sein Ersuchen, ihm einen Gerichtsvoll­zieher als Ersatz deS vor ziemlich langer Zeit verstorbenen DorgängerS zu senden, lakonisch ge­antwortet, eS sei baju nicht in der Lage, es habe keinen Gerichtsvollzieher. Diesem Schulden- ibhll wird nun ober wohl ein Ende bereitet

aus. also brcimal mehr muß man arbeiten, als erreicht wird. Aber durch Training läßt sich noch immer etwas mehr yeraushvlen, und da- ist der Dorsprung, den der Geübte vor dem Anfänger besitzt. Cr leistet mehr unb verbraucht weniger Kraft.

Eine Verbiegung ober Dersteifung der Wir­belsäule ist an sich kein Hindernis für den Berg- lport. doch werden oft dadurch Störungen ni ber Atmung unb im Blutkreislauf hervorgerufen. Hier läßt sich burch rechtzeitige ältliche Bera­tung viel Unheil vermeiden. Die Weichheit ber Knochen, die zur seillichen Wirbelläulenveickrüm- mung. zu dem T-Knie, zum Plattfuß unb anderen Knochenverbiegungen führt, können wir heute, besonders in der Entwicklungszeit, verhüten ober flün'iig beeinflussen. Vorsichtig sollten aber auch ältere Leute fein, da bc: ihnen eine Sprödigkeit ber Knochen in die Erscheinung tritt, die brirnv ber$ oft zum Bruch des Oberschenkelhalles führt, der oft zu wenig beobachtet wird. Der stärkste Feind des Bergsteigers ist ein schlecht gebauter tfufe. Der Futz ist wie ein treuer Diener, der von seinem Herrn schlecht behandelt unb entlohnt wirb. Wer eine wirkliche Freude am Bergsteigen haben will, muß den Fuß schon rechtzeitig vor­bereiten. besonders, da wir in ihm ein außer­ordentlich fein konstruierte- Gebilde besitzen. Der menschliche Fuß ist auS einer großen Anzahl kleiner Knochen zusammengesetzt (25). die all« miteinander in Verbindung steh«i und ein Haupt- gcwölbe bilden, daS einer Feder vergleichbar 'st- Belastung wird die Feder herabgedrückt, um später in die alte Lage zurüchulchnellen.

Kühle Bäder, Einpinseln mit zehnprozentiger Fvrmalin-Lösung, Verwendung von Salicyl und ähnlichen Präparaten, leichtes Sinfetten schützen den Fust vor Schweiß und Druck. Blasen soÄen mit Jodtinktur eingestrichen werden und können mit au^eglühter Äadel angestochen werden. Für kleine Wunden ist auch Jodtinktur empfehlens­wert. Gute, weiche, wollene Strümpfe, weit«, wasserdichte, gut benagelte Stiefel mit niedrigem Absatz werden die Freude am Steigen erhöhen.

genügend Reisegeld beschossen Er griff in die Kaffe feiner Firma enmahm idr 15000 Zloty unb rcrichwand bei 21 acht unb Rebel

Zuerst einmal wanbte er «ich nach bem Ba­deort Zacopane. um Ich mit den Gepflogen- he len mondänen L'cbent* einigermaßen vertraut zu machen. Dieses mondäne Leben aber ge­fiel ihm fo gut, daß er seinen Aufenthalt dort immer weiter verlängerte, seine Zlotvs ver­sendete unb Ichlicßl-ch ali Bettler auf der Straße stand Es bltcb ihm nichts anderes übrig, als die Polizei um Unterkunft unb Ver­pflegung zu bitten, bte fich auch in lieben-wür­diger Weise bereit erklärte, ben ihr schon durch einen Steckbrief amtierten glühenden Verehrer ber Pola Regri unter ihre Fittiche zu nehmen.

Cmnr (fffenbi.

(s) Moskau.

in russischer Journalist, ber eine längere Veise durch tnc Türkei unternommen hatte, be­richtete u. a. von einem seltsamen Zusammen­tressen in Konstantinopel. 3n der kleinen Seiten­gasse eine- Vorortes ber einstigen türkischen Hauptstadt habe ihn der vielsache und auffällige Dust eines Seisenladens angezogen. Vertieft üi bic Herrlichkeiten, die dort im Ädaufenster au*» lagen, fei er plötzlich von einem alten zahnlosen Türken im rcinftcn Russisch angelprvchen worden. Omar Ess en bi. ber Besitzer bei LabenS, lub ihn sreunbllch ein, herzu treten unb ihm au« feiner Heimat zu erzählen Roch ehe ber Journalist seine Ueberrafchung uberwunben hatte, berichtete ihm Omar, früher Graf P 0- t 0 ckv, gchvifKn zu haben unb einer alten pol­nischen Abvotatenfannlie zu entstammen. Peters­burg sei feine Garnison gewesen, in ber cr al- reicher. junger Garbeossizier eine sorglose, gol­dene Zeit verlebt hatte. Vor nunmehr 50 Jah­ren lämpste er bei Plewna gegen bte Türken unb dort, auf einem einsamen Patrouillenritt, hörte er eines Tage-, wie man sich hinter türkischen Schanzen in polnischer Sprache un­terhielt. Alle Vorsicht vergessenb. ritt er näher und stellte :n ber fei üblichen Grabenbesatzung polnische Emigranten fest, bie auf türkischer Seite ben Feldzug gegen bcn russischen Bedrücker mit- machten Das Gespräch mit bcn Landsleuten kostete ihm zwar seine Freiheit, aber binnen weniger Tage hatte ihn bte fanatische Vater- lanbsliebe. bic unter den aus türkischer Seit« kämpfenden Polen herrschte, so ergriffen, daß er Petersburg unb alle-, waS ihn dort nod) fesselte, fein Regiment, seine Kameraden unb seine Offiziers pflicht vergaß unb sich gleichtall- ben Türken an schloß. 3n ber Schlacht bei Plewna würbe er schwer verwundet: nach Kriegsende blieb er in ber Türkei, trat zum Islam über unb nahm sich mehrere Frauen. Da seine Güter in Russchsch-Polen natürlich kon­fisziert würben, mußte er sich nach einem neuen Erwerb umsehen unb durch die Sck^nsts seiner Frauen, eine Araberin, angeregt grün­dete er sich ein kleines Seifengeschäf t. In diesem neuen Berufe hat er eS nunmehr so weit gebracht, bah er als ber alte Omar Sffen- bi für den gründlichsten Kenner der kompli­zierten Seifcnherstellung in ganz Konstantinopel gilt. Auf bie erstaunten Fragen bes rusfischen Journalisten erzählte er von ber großen Kunst, bic in der orientalischen Seifenfabrikation liege, deren Geheimnisse von Priestern uralter Sek­ten bewahrt unb durch Generationen hindurch weiter gehütet würden. Er erzählte von ber geheimnisvollen Debeutung bMfS Aromas, von Vosen, Jasmin und Veilchen, von ber Mutter aller Düste, bem Ambra unb vom köstlichen Weihrauch. .Du siehst, Freunb." so schloß ber Alte seinen Bericht. Graf Potocky ist nicht nur ein Ornat Gffendi, fonbem auch ein Weiser und ein Philosoph geworben!"

Wiens, an leinen Sorgen w tragen Er muß dem ^Parlamente die Ratifikation berR c 11 u n o- Konventionen abtroyen, deren glühendster Gegner er felbcr zur Zeit ihre- Adfchlullcs ge­wesen ist. Damals war er freilich noch Oppv'r- tion-sührer unb in Jugoslawien gehör! e# zum guten Ton. dost jebe Opposition gegen jebe« Abkommen mit Italien Sturm laust, waprenb bic Regierungsparteien die keineswegs bcr.cibtne- werte Ausgabe haben, einer gesühiSmätzig anti- italienisch cingesteilten Oesfentlichkeit die Rol- wenditzkeit derartiger Abmachungen au erklären. V 0 bitsch unb Pribitschewitsch. bie Füh­rer im Streite, haben sich alS Regierungsmii- glieber beibe so eifrig für Rcttuno ciiigclctzt. wie Marinkvwitfch dagegen. Inzwischen ist rechter Hand, linker Hanb alles vertauscht. Man kennt in Deutschland derarttge UnemtDcgic. bic nach Be­darf auf dem Boden der Ta Hatten stehen ober voll und ganz.... Rettuno wirb trotzdem rati- fixiert werden. Unb zwar sehr bald. Die City verlangt ein Adria-Locarno, bevor sie den er­betenen unb vrinzipiell bewilligten Fünfzig- mtllioncnfrebit flüflig macht. Unb bazu gehört nun einmal Rettuno Der Frieden wirb wieder einmal gerettet werben. Unb Wieder einmal unb immer wieder gefährdet. Solange in Mittel- europa unb ben angrcnjcr.bcn Gebißen Nicht völlig verän bette Berhältnisfc Herr, schen. Solange bet Zwang regiert, bcn einmal ein tüchtiger Ministerpräfident und einmal ein Polizeioberst unb einmal ein Londoner Bankier ausübt, solange wirb ein Teil unseres Konti­nents noch immer baS verzerrte Antlitz tragen. baS die .Großen Fünf vor zehn Jahren zur«hl- gefdfrncibcrt haben.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Kür Damen ist hier kein Platz!"

(s) Adelaide (Australien).

Bekanntlich leibet ber fünfte Erbteil nicht gerabc unter einem Ueberfluß an Frauen, unb man weih auch, bah sich biefe dort einer noch viel größeren Bevorzugung vor ben Männern er­freuen, als in ben Vereinigten Staaten von Amerika. Um fo erstaunlicher ist folgender Dorfall, der sich vor kurzein in Adelaide ereignete, unb ber noch einige politische Folgerungen nach sich ziehen dürite. Der Gouverneur, Sir Alexanber Höre Ruthven, gab in Adelaide ein Bankett, zu dem er fämtlidx führenden Politiker unb höheren Beamten einlub. Unter ben Gästen be­fand sich auch die Dizcbütgctmeistetin von Adelaibe, namens Good. Als diese den Bankcttfaal betrat, fiel ihr sofort die Kühle auf, mit bet sie ber Gouverneur empfing. Wie groß war jedoch ihr Erstaunen, alS wenige Llugcnblickc später ein diensthabender Haupt­mann zu ihr trat unb sie also oncebete: .Gnädige Frau, verlassen Sie bitte sosort diesen Raum. Für Damen ist hier kein Platz I" Die 2i.zebürger- meisterin errötete heftig und konnte in der ersten Verwirrung kaum einige Worte stammeln. .Ja, ja", bekräftigte ber Hauptmann feine Aufforde­rung, .dieser Abend deS Herrn Gouverneurs gilt nur männlichen Gästen." Rachdern sich Frau Govg etwas gesammelt hatte, erklärte sie so laut, daß es alle hören konnten: .Rehmen Sie bitte zur Kenntnis, baß ich bie DiAebürgermeisterin btefer Stabt bin. Ich kam nicht als Dame hierher, sondern als Vertreterin der Gemeinde." Mit diesen Worten konnte Frau Good jedoch ben Hauptmann nicht beruhigen, noch weniger aber ihre Zeugen. Gestützt auf feinen Befehl, bot er ihr höflich den Arm und führte sie zum AuSgang. Dieser Dorfall erregte natürlich Sen­sation, unb der Bürgermeister begab fich. als et bie Zusammenhänge erfuhr, sofort zum Gouver­neur. Dieser zuckte bic Achseln unb erklärte: .Debauere sehr, aber auf ben Einladungskarten st arid ausdrücklich: .Rur für Herren!' .Aber meine Stellvertreterin hat ja ebenfalls eine Einladung bekommenI" warf der Bürgermeister ein. .Diele Einladung hätte aber nur bann Gel­tung gehabt, wenn auf bem Platz bes Dizebürger- mcistcrs ein Herr gesessen hätte. So aber..

fucher bet LichHp ettheatcr. Heber all hier trat ihm Pola Regri entgegen unb sein an* '-temenb leicht entzündliche- Herz schlug all­mählich lobemtc Flammen. Dielet Tage wußte rsteyen. unb

Mitteleuropa »Fahrt.

Don unserem Sonberberichtematter JRtne ttraus.

Die Äenllifte. bte in bcn letzten Tagen und Wochen ben Sübosten Mitteleuropa-, genauer ariagt b-c Rachfolgestaaten bet <6ema- ligen Oesterreich-Hiigarlschen Monarchie unb bie ongrenzenben Balta ii stauten erschütterten, find wieder einmal im Abklingen. Geschehen ist nichts 2n Belgrad hat man ein paar Stöcke drohend in der Richtung auf die andere Seite ber Adria hin geschwungen, unb in Budapest hat man. sehr zu Herrn Bencschs Mißvcrgnüaen. Lorb Rothermcre« Sohn so einphatisch begrüßt, daß bie slowakischen GrcnzpNocke ein bißchen in- Wackeln gerieten. 3n Alba Julia ist die rumänische DolkeSleele tot eher einmal ins Kochen gekommen ober bann ist hier doch keine Revolution bar au* geworden. Sommerliche Ruhe besänftigt bie in ber letzten Zeit etwas aufge­regten Gemüter.

Möglich, baß bie Konflikte, die sich nun ein bißchen gehäuft haben, Soifonericheinungen toarern Aber sicher, baß auch ber Frieden, ber toieber einmal gerettet ist, eine Saisoner­scheinung ist unb ganz gewiß, bah es morgen ober übermorgen toieber einmal irgenbtoo loS- gehen ixtrb. Spannungen sinb gelockert aber teine-toeg- befeiHgt Der Zustand krankhafter Hebcthitzung unb ftänbiger SprungdcrciHchafr bleibt. Schaubcrnb merkt ihn ber Besucher, bei­nahe hätte ich gesagt: ber Kriegsberichterstatter, ber in biesen Tagen burch bie Lanbe zieht. Hnb kann es kaum glauben, baß Europa sich eben anschickt. baS erste Jahrzehnt .Welttrie­ben" zu feiern. Hier, im Sübosten, ist von biesen, Weltfriebcn wirklich nicht viel zu spüren. Hier werben immer noch strategische Bahnen gebaut, hier hat man noch Örbfeinbe. hier be­anspruchen Generalstabschef- göttliche Öhren, bie ihnen übrigen- freubig erwiesen werben

Kem Zweifel, bah bie zahllosen Unruhen, bic miteinanber, bei flüchtiger Bettachtung, fo gor keine Berührungspunkte haben, boch innig ^ufammenhängen. Sie haben ihre gemein» fame Wurzel, bie einmal llargelegt werben soll: bie sogenannten Friebensverträge. Da» Wort von ben elf Ölfaß-Lothringen. bie biefe Ter träge an bie Stelle be- einen gesetzt haben, enthüllt sich hier in seiner ganzen grausamen Wahrheit Elf? nein zwanzig, breißig! Kein Fleckchen Lande-, bas nicht seine trrebenttsttfchc Bewegung hätte. Keine Ratton, bie mit bem gegenwärtigen Zustanb ber Dinge wirklich zu- frieben wäiel Kein System von dem man sagen lönnlc: Es ist gefestigt. Unrast unb Unruhe ringsum I

3n der Tschechoslowakei tritt biefe Un­ruhe in ben unauffälligsten Formen in Erschei­nung. Hier spielt sich oct Eristenzkamps eine- Staate- durchaus parlamentarisch ab. Daß eben in diesen Togen man einen bet wenigen slowa­kischen PoHttker, ber nicht seinen Friebcn mit bet Welt und dem System gemacht hat, seitdem bic Slowakische Dolksbank von einem geheim» m-vollen eblcn Spender saniert wurde, mit bem Staatsanwalt verfolgt unb ungeachtet seiner parlamentarischen Immunität als Hochverräter hinter Schloß unb Riegel setzt, ist nur eine Urin« Entgleisung inS Gesteni. 3m allgemeinen ist es gelungen, bie starken nationalen Span­nung«, bie diesen Dlelnahonalen Staat erfüllen, und bec scharfen sozialen Gegensätze, bie fein Gefüge erschüttern könnten, burch ein Regime von Zuckerbrot unb Peitsche, bellen unbestrittener Meister Ministerpräfibent Svehla ist. wesent­lich zu glätten. 3n biesen Tagen freilich be- finbet Prag fich in ernster Sorge. SvehlaS Dc- sunbheitSzuftanb. bet ihn schon viel Mmiate lang an der aktiven Ausübung seiner Regie- rungStätigkcit lerhinbtrt. macht feine Ersetzung nun doch nötig. Unb unter bcn zahllosen An­wärtern auf feinen Posten befinbet fich keiner, ber mit ähnlicher Virtuosität bic Vertreter van acht Rationen unb hundertvierunbvictzig Dich­tungen, bie in biesen Staat hincingezwänat wur­den. z u s a m m e n h a l t e n könnte. Alle diese Kuiiste müßte sein Rachfolger spielen können wie er. Unb ba ein solcher Rachfolger noch nicht geboren ist, obwohl er in ben allernächsten Tagen ernannt werben bürste, begegnet man