bogen, das für Deutschland ja von vornherein wenig in Betracht kam, weil unS die Wasserkräfte zur Stromerzeugung fehlen, hat sich auch in Borwegen, wo diese Wasserkräfte vorhanden sind, nicht behaupten können: steht doch die Borsk Hydro zur Zeit im Begriff, ihren Betrieb aus das Habcr - Bosch - Verfahren umzustellen. Der Wasserstoff wird dabei elektrolytisch hergestellt. Obgleich das Lichtbogenversahren technisch sehr gut durchgebildet ist, vermochte es die seit einigen Jahren ständig zunehmende Preissenkung des Stickstoffs auf die Dauer nicht zu ertragen.
Das; die chilenisch« Stickstoffinbustrie das deutsche Absatzgebiet ganz verloren hat. hat sie verhältnismäßig leicht verschmerzen können, da der Verbrauch der Welt an Stickstoff stündig zunimmt. Die ständige Preissenkung muhte sie dagegen mehr und mehr beunruhigen. Heute gibt sich die chilenische Salpeterindustrie alle Mühe, sich dem deutschen Wettbewerb gegen- über zu schützen, insbesondere versucht man die Regierung Chiles zu veranlassen, die Ausfuhrabgaben zu verringern oder ganz aufzuheben.
Die Senkung des Weltmarktpreises zeigen folgende Zahlen. 1913 kostete 1 Kilogramm Stickstoff im Chilesalpeter frei Hamburg 1.37 Mk., im Ammoniaksulfat (also dem deutschen Erzeugnis) 1.32 Mk. frei Empfängerstation. Zur Zeit beträgt der Preis für Chilesalpeter-Stickstoff im Mittel 1.55 Mk., für Ammoniaksulsat-Stickstoff 95 Pfennig.
Wegen der Absatzschwierigkeiten liegen heute sehr große Mengen — man schätzte sie anfangs 1927 auf etwa 1,8 Millionen Tonnen — Chilesalpeter unrerkauft in den verschiedenen Häfen der Welt. Da sie schliehlich wegen der Kosten für Lagergeld, Zinsen usw. zu irgendeinem Preise abgestoßen werden müssen, so wird der deutsche Stickstoffmarkt unter Umständen mit Erschütterungen zu rechnen haben.
Die Badische Anilin- und Sodafabrik — heute Interessengemeinschaft der Farbenindustrie — war imstande, den Stickstoffpreis zu einer Zeit zu erniedrigen, zu der alles andere teurer wurde, weil sie einmal eine weitgehende technische Vervollkommnung der Verfahren durchführen konnte, dann aber durch die Vergrößerung der Erzeugung selbst, wegen der damit verbundenen geringeren Unkosten. Hervorzuheben ist besonders die sehr preiswerte Herstellung von Wasserstoff aus Braunkohle, so wie sie heute in Leuna durchgeführt ist. In jüngster Zeit ist gerade dieser wichtige Teil der Ammoniaksa- brik durch die Berwendung eines neuen Gaserzeugers von Kegslform noch wesentlich wirtschaftlicher geworden. Man vergast darin, im Luftstrom oder Wasserdampfstrom schwebenden minderwertigen Rohbraunkohlenstaub oder gemahlene Braunkohle und erzielt dadurch einen ungeheuren Durchsatz bei verhältnismäßig kleinem Querschnitt des Gaserzeugers.
Seit zwei bis drei Jahren ist auf Zechen des In» and Auslandes eine Anzahl von Anlagen zur Herstellung von synthetischem Ammoniak entstanden. Man gewinnt den Wasserstoff dabei aus den Koksofengasen, also als Bebenerzeugnis bei der Herstellung von Koks, durch Zerlegung nach dem sogenannten Tiefkühlungsverfahren. Die auf die übliche Weise gereinigten Kokereigase werden unter Druck so weit abgekühlt, daß alle Bestandteile bis auf den Wasserstoff verflüssigt werden. Der zur Erreichung der tiefsten Temperaturen nötige Stickstoff wird alsdann dem Was- ferstoll im Verhältnis wie 1:3 zugemifcht und das Gasgemisch ohne weitere Reinigung zu Ammoniak vereinigt. Schon die allernächsten Jahre dürften über die Avirtschaftlichkeit deS Der- ' fahrens entscheiden.
Man ersieht aus Vorstehendem, daß es un- 1 ferer heimischen Stickstoffindustrie gelungen ist, j. uns in einem Zeitraum von nur anderthalb Jahrzehnten nicht nur von jeder Einfuhr unab- hängig zu machen, sondern darüber hinaus zu weltwirtschaftlicher Bedeutung zu gelangen — wahrlich eine gewaltige Tat deutschen Erfindergeistes.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• Das Amtsverkündigungsblatt ,B r. 3 7 vom 22. Mai enthält: Bachtrag zur Friedhofsordnung der Gemeinde Lollar. — Polizeiverordnung. — Kriezergräbersürsorge 1929. — Lehrgang für Turnlehrerinnen in Michelstadt i. Odw. — Kursus Über Heilerziehung. — Dienstnochrichten.
MAMOMMWWl.
Vornan von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig
14 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Können Sie mir jetzt die Erklärung geben?" fragte sie.
Dick schmieg.
Da stand Snbil auf und legte der Mutter leicht die Hand auf Vie Schulter.
„Wir wollen Mr. Martin auch ohne Erklärung vertrauen."
Sie heftete ihren klaren Blick auf ihn.
„Mr. Martin, meine Mutter und ich sind bereit, London zu verlassen, wann immer Sie es wünschen. Bestimmen Sie ganz über uns."
Ein Licht strahlte in seinem Blick auf.
„Ich danke Ihnen", saate er leise
Er wollte gehen, da fiel ihm ein:
„Kennen Sie Staletti?" fragte er Mrs. Lons- down.
Sie schüttelte den Kopf.
„Oder vielleicht Mr. Eody?"
Mrs. Lansdown zog die Brauen zusammen und suchte in ihrem Gedächtnis.
..Ich höre den Namen zum ersten Mal", sagte sie endlich.
13.
Als Dick ine Freie trat, überlegte er einen Moment und schlug dann die Richtung zum Bedford Square ein. Beim Gehen beschlich ihn ein seltsames Gefühl. Vorsichtig wandte er den Kops Aus dem gegenüberliegenden Bürgersteig hielt in einiger Entfernung ein Unbekannter gleichen Schritt mit ihm. Ein zweiter Spaziergänger folgte in gewissem Abstand. Am Bedford Square wartete ein leeres Auto auf Fahrgäste. Der Chauffeur winkle ihn eifrig her- an. Eine solche Bemühung stand in |o auffälligem Gegensatz zu dem gewohnten Stoizismus der Autolenker, daß Dick sofort eine Gefahr witterte Er tat, als bemerkte er die Einladung nicht. Aus offener Straße konnte er zur Not mit mehreren Angreifern fertig werden, im geschloffenen Auto nicht.
In diesem Moment näherte sich ihm ein zweites unbesetztes Auto. Eine Handbewcgung brachte den
Buntes Allerlei.
Der Engländer als Reifefchreck.
Die Figur des reisenden Engländers spielt seit über einem Jahrhundert in der Literatur eine wenig erfreuliche Bolle, uni) wohl nichts anderes hat dem Buse der Engländer als Volk so geschadet. wie das rücksichtslose und unhöfliche Auftreten der Söhne Albions in den andern Ländern, die sie als ausgesprochenes Beifevolk so viel besuchen. Jeder, der zuerst nut die Briten auf dem Kontinent kennen gelernt hat, wird bei einem Besuch chres eignen Landes angenehm überrascht von der rücksichtsvollen und zuvorkommenden Art. mit der der Engländer auf seiner Insel auftritt und die so stark von seinem Benehmen in der Fremde absticht. In einem großen Londoner Blatt liest nun ein „fremder Besucher" den Engländern den Text und fragt, warum sie durchaus den übrigen Europäern als „Reifeschreck" erscheinen müssen: „Bach einem alten Wort reisen die Franzosen, um sich zu vergnügen, die Deutschen, um zu lernen, die Engländer, um zu sehen, wie viel besser sie sind, ilnb wirklich gibt sich der Brite nicht die geringste Mühe, sich auf das Doll einzustellen, bei dem er als Gast weilt. Warum ist der Engländer, der sich zu Hause so vortrefslich anzieht, wenn er den Kanal Überschritten hat, gewöhnlich so gekleidet, wie wenn er auf einen Landausflug ginge? Warum zieht er im auffallenden Reiseanzug in den Mittelpunkten der kontinentalen Kultur, in Paris, Berlin oder Rom, die Aufmerksamkeit auf sich? Dagegen erscheint er in den Bazaren von Kairo in der elegantesten Londoner Kleidung, um auch dort wieder von der Bevölkerung abzustechen. Kein anderes Volk ist auf der Reise so leicht erkenntlich wie der Engländer, und damit stellt er sich schon äußerlich zu dem Voll, dessen Gastrecht er genießt, in Gegensatz. Unö warum lernen die Briten keine europäischen Sprachen? Wenn sie auf dem Kontinent auftreten, so erwarten sie als selbstverständlich, daß jeder chre Sprache spricht, und sie werden selten enttäuscht. Aber wie ist es in Aegypten oder Algier? Ihr reist durch die Sahara mit einer Leichtigkeit, die einen andern Europäer überrascht. Ihr sprecht arabisch, ja ihr versteht persisch, koptisch und verständigt euch sogar in
den Sprachen der wilden Stämme von Mittelafrika. Warum, in aller Welt, gebt ihr euch in unzivilisierten Ländern so viel Mühe und oenkt nicht daran, euch einem zivllisierten Europäer verständlich zu machen? Es scheint, als ob ihr auf der Schule nur die Schimpfworle der europäischen Sprachen gelernt habt, die ihr in der gröbsten Weise anzuwenden wißt. In eurem Lande finden wir euch freundlich und liebenswürdig. bas gefälligste und geduldigste Doll, bas man irgendwo antrifft. Ibr leid die besten Wirte der Well, aber die schlechtesten Gäste. Wir Fremden haben schon die Hoffnung aufgegeben, daß chr lernen werdet, euch eines Tages unter un6 so gut zu benehmen, wie etwa in Bairobi oder Timbuktu."
(Ein haar von Lasars Glatze.
Unter allen Reliquien großer Männer scheinen die Locken den größten Preisschwankungen unterworfen zu sein. Wenn im Schubertjahr eine authentische Locke Schuberts, die „nur" 180 Mark kosten sollte, keinen Käufer fand, wie auf einer Auktion in Wien kürzlich geschah, so läßt das auf keine große Begeisterung der Schubert-Verehrer schließen. Aber Musiker sind ja stets ein langhaariges Geschlecht gewesen, und deshalb sind die Locken von Komponisten nicht so teuer wie die von anderen Großen, die mit ihrer Haarpracht weniger verschwenderisch umgingen und umgehen mußten. Wieviel Locken sind z. D. von dem Haupte Liszts abgeschnitten worden, wieviel von dem Jean Pauls, wozu noch die kommen, die er als „eigenes Wachstum" seinen Verehrerinnen von seinem berühmten Pudel Ponto präsentierte! Die Billigkeit ihrer Locken ließe sich auf dem „Antiquitäten-Haarmarkt" noch erklären. Aber wie kommt eS, daß eine Locke Bapoleons einmal 5000 Mark und dann nur 60 Mark bringt, daß man für ein Haarbüschel Belfons 6300 Mark zahlt und für eins von Wellington nur 20 Mark? Die Locken Walther Scotts haben nie mehr als 80 Mark gebracht. Cs ist eben der Seltenheitswert, der auch hier hauptsächlich bezahlt wird, und deshalb würde gewiß ein Haar von Cäsars Glatze, wenn ein solches einmal auf den Markt kommen könnte, den Rekordpreis erzielen.
„Wachtmeister, treet 107 steht ;
sagte er, „das Haus Eoram
Street 107 steht von morgen an unter polizeilichem j Schutz Einer unserer besten Detektive hat sich Mr. Martin zur Verfügung zu stellen. Er wird ihn
tagsüber unauffällig begleiten und nachts in
Mr. Martins Wohnung schlafen."
Der Wachtmeister notierte sich die Instruktionen in feinem Notizbuch.
Kleine Strafkammer Gießen.
* Gieß en, 21. Mai. Ein junger Mann auS Gießen hatte im Sommer vorigen Jahres, als er eines nachts gegen 3 Uhr durch Klein-Linden fuhr, mit feinem Motorrad einen dortigen Einwohner überfahren, so daß dieser erhebliche Verletzungen erlitt. Das Gericht erster Instanz hatte ihn frcigefprochen, da es in der Fahrweise des Angeklagten kein Verschulden erblickte. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft hin hob die Strafkammer das freisprechende Urteil auf und erkannte auf eine Geldstrafe von 75 M k.
Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt hatte sich ein Monteur aus Alsfeld zu verantworten. Er hatte einem Schuhmann, der ihn auf Anruf der Wohnungsinhaberin vom Betreten der Wohnung seiner Schwiegermutter, mit der er in Feindschaft lebte, verhinderte, heutigen Widerstand entgegengesetzt und außerdem beleidigende Redensarten gegen ihn geführt. Er hatte daher eine Geldstrafe von 40 M k. erhalten. Seine daraufhin eingelegte Beru'ung wurde verworfen.
Um sich Kapital für einen Hau verhandel zu verschaffen, hatte ein Hotelangeste Her in Vad- Bauheim bei verschiedenen Leuten um Darlehen
Ausbau des Otz. erges alsZugendJerberge.
WEB. Darmstadt, 22. Mai. Dieser Tage besichtigten Ministerialrat Dr. Petry, Geh. Oberbaurat Paul und Obersinanzrat L u z i u s vom Finanzministerium mit Darmstädter Vertretern des Iugendherbergverbandes, sowie den Vorständen der staatlichen Hochbauämter Dieburg und Bensheim die Burg Otzberg. Die Wanderjugend hatte die Regierung gebeten, b:.efe alte, noch guterhaltene Burg, die schon länger als Jugendherberge bient, jedoch räumlich den Anforderungen der großen Wanderscharen nicht mehr genügt, als stillen Gedenkort für die im Weltkrieg gefallene Wandervogeljugend und als hessische Iugendburg zu treuen Händen zu übergeben. Der Plan wurde von den Herren des Finanzministeriums gutgehelßen und weitgehendste Förderung zugesagt. Im Innern soll zunächst ein Treppenhaus eingebaut und ferner das Dachgeschoß gedielt und verschalt werden. Der Ausbau des sogenannten Korporalhauses als Mädchenbleibe wird nach Möglichkeit in den nächsten Jahren ebenfalls erfolgen. Dom Otzberg ging die Fahrt zum Fürstenlager bei Auerbach. Hm Ausbaukosten zu sparen, soll jjier der Iugendherbergs- verband außer dem ehemaligen Konditorei bau, das jetzige „Hexehaische", ein zweites Häuschen zur Errichtung einer Jugendherberge erhalten. Damit wäre das Herbergswerk in Hessen durch daS verständnisvolle Entgegenkommen des hessischen Finanzministeriums wieder einen wesentlichen Schritt weitergekommen.
Schreckliche Bluttat eines Geisteskranken.
Lpd. Frankfurt a. M.. 22. Mai. In der Bucht zum Dienstag erschlug der 75 Jahre alte Invalide Peter Franz, in der Gmser- straße 34 wohnhaft, feine schlafende 77 Jahre alte Ehefrau mit einem Handbeil. Er brachte ihr eine tief kl affende Kopfwunde bei, die den sofortigen Tod her-
beigeführt haben dürste. Bach der Tat begab sich Franz an die Eisenbahnstrecke Frankfurt—Cron- berg und warf sich in der Bähe des Biegwaldes vor einen fahrenden Zug: er wurde sofort getötet. Franz war früher schon mehrere Male in einer Heilanstalt untrrgebracht worden. In der letzten Zeit machte ihm ein Bervenleiden sehr zu schaffen. Als er kürzlich wieder in die Anstalt gebracht wurde, versuchte er sich aus dem Fenster zu stürzen. Offenbar aus Angst vor einer bevorstehenden Operation entwich der kranke Mann aus der Anstalt, ging nach seiner im Hinterhaus der Emserstraße liegenden Wohnung, tötete seine Frau, mit der er stets in gutem Einvernehmen gelebt hatte, und warf sich bann vor den Zug.
Dick suchte sich einen bequemen Stuhl und lachte laut.
„Ich nehme auch mit Sekunden vorlieb", sagte er und begann einen unbarmherzig genauen, wohl geordneten Bericht. Aber er hatte kaum einen Satz vollendet, da belebten sich die Augen des Inspektors, und er war noch nicht bis zur Mitte ge om° men, da spannten sich seine Züge in lebendigstem Aufmerken.
„Das haben Sie aus einem Detektivroman abgeschrieben", beschuldigte er ihn, als Dick eine Atempause machte. „Sie wiederholen den letzten Sensa- tionsroman Conan Doyles!^
Aber D ck ließ sich nicht beirren, und als er feine Erzählung beendet hatte, waren Sneeds breite Gesichtszüge sehr ernst geworden. Er drückte lang und anhaltend auf feine Klingel. Nach einiger Zeit trat ein Beamter in das Zimmer.
„Morgen früh rufen Sie die Polizeidirektion von Sussex an. Teilen Sie dort mit, daß ich Grund hätte. Unregelmäßigkeiten in Stalettis Besitzung, dem sogenannten Galgenhos, zu vermuten. Ich würde Schlag elf Uhr fünfzehn Minuten abends mit meinen eigenen Beamten zur Haussuchung dort ein« treffen. Ich stelle jedoch der Polizeidirekrion von Sussex anheim, sich ihrerseits dabei zu beteiligen."
Als der Beamte gegangen war, erhob sich Sneed stöhnend von feinem Stuhl.
„Ich glaube, ich tue besser daran, jetzt nach Hause zu gehen. Kommen Sie, ich begleite Sie zu Ihrer Wohnung.
„Ausgeschlossen", protestierte Dick. „Denn man uns zusammen sieht, hat alles Heimlichtun keinen Zweck mehr. Vergessen Sie nicht, Sie sind das Lus- Hängeschild von Scotland Pard. Wer auch meine Verfolger sein mögen, sie dürfen nicht wtsten, daß ich auf der Hut bin."
„Na schön, wie Sie meinen, Martin. Aber laufen Sie bitte noch nicht gleich weg. Ich komme von Ihrem Erlebnis im Galgenhof nicht los» Der
Fahrer an seine Seite. (Er stieg ein und ließ sich zum Bahnhofshotel fahren. Die Fensterscheibe im Fonds gestattete einen Rückblick auf die Straße. Dick spähte unauffällig hinaus. Der Chauffeur, der ihn soeben angernfen hatte, setzte seinen Wagen in Bewegung und folgte. Kein Zweifel, Verfolger waren auf seiner Spur.
Als Dick unter dem Portal des Hotels sein Auto bezahlte, sah er den zweiten Waaen in einiger Entfernung holten. Zwei Männer entfliegen ihm. Dick betrat das Hotel, ließ sich ein Zimmer geben und fuhr im Gift hinauf. Er durchschritt einen Gang und eilte auf einer Settentreppe hinab, die unmittelbar auf den Bahnsteig mündete. Eben wollte ein Zug die Halle verlassen. Er lief neben dem Trittbrett her, erfaßte einen Türgriff und schwang sich trotz der warnenden Zurufe der Beamten in den fahrenden Zug. Er hatte keine Ahnung, wohin ihn sein Schicksal verschlagen würde. Möglicherweise befand er sich im schottischen Expreß, dessen eckte Haltestelle an der Nordgrenze lag. Bald jedoch stellte er fest, daß er einen Personenzug erwischt hatte, den er in Willesden bereits wieder verlassen konnte. Er löste beim Kontrolleur die Fahrkarte nach und sauste bann im Auszug zur Untergrundbahnftation hinab. Eine Stunde, nachdem er die Wohnung der Gans- downs verlassen hatte, stand er auf dem Em- banfnwnt.
(Er legte die kur.ze Strecke bis Scotland Pard zu Fuß zurück. Ein düsterer Bogengang verschluckte ihn. Seine Schritte hallten tönend wieder. Die diensttuende Wachtmeister am Tor erkannte ihn sosott.
„Wenn Sic Inspektor Sneed sprechen wollen, er ist noch oben", sagte er.
Sneed saß wie gewöhnlich in seinem mächtigen Armsiuhl hinter dem Schreibtisch. Ein sterbendes Feuer brannte im Kamin. (Eine erloschene Zigarre hing trauernd zwischen seinen Zähnen. Sein Kops schlingerte im Schlaf wie eine Fregatte bei böigem Wetter. Er befand sich nur deswegen noch zu so vorgerückter Stunde in Scotland Bard, weil er einfach nicht di« nötige (Energie besessen hatte, um auf- (»stehen und sich nach Hause zu begeben. Das geschah durchschnittlich an fünf Abenden in der Woche.
Er öffnete blinzelnd die Augen.
„Ich bin sehr beschäftigt, ich habe keine Minute Zeit übrig", murmelte er im Halbschlaf aewohn- heitsmäßig.
in einer Art und Weile gebeten, die nur affl Bettelei bezeichnet werden kann. Er hatte deshalb einen Strafbefehl über drei Tage Hast erhalt«. Er legte dagegen Einspruch ein, beschimpfte und beleidigte darin aber den Amtsanwalt, der di« Strafe gegen ihn beantragt hatte, derartig, daß er deshalb unter Anklage gestellt und auch vom Amtsgerichr Dad-Bauheirn zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde.
Als im Herbst vorigen Jahres in Giehen ein Arbeiter wegen nächtlicher Ruhestörung zur Wache gebracht werden sollte, wurden die PolizeL- beamten von einer größeren Anzahl junger Burschen bedroht und schliehlich auch angegriffen. Die Hauptschreier waren bestraft worden. Zwei von ihnen hatten hiergegen Berufung eingelegt. Die Strafkammer hielt aber die ihnen vom Gericht erster Instanz auferlegten Gefängnisstrafen von fünf und drei Wochen für völlig berechttgt und verwarf ihre Berufungen.
Zeitschriften.
— Pantheon", Monatsschrift für FreundO und Sammler der Kunst. (Verlag F Bruckmann A.-G., München. Preis vierteljährlich 7,50 Mk. und Zustellkvsten. Einzelpreis Die feit
Januar erscheinende Monatsschrift für ältere und aTte Kunst entwickelt sich in ausgezeichneter Weife. Dem Programm, in der Hauptsache unbekannte oder ganz wenig bekannte Kunstwerke, die sich durch höchste Qualität auszeichnen, an daSTages- licht zu fördern, wird die Zeitschrift in vollendeter Weise gerecht. Bei dem Aprllhest ist die Vielseitigkeit des Inhalts gleich erstaunlich, wie der Reichtum und die vollendete Ausführung der Abbildungen. Dir nennen auS dem Inhalt kurz zwei prächtige Bildnisse von Quentin Massys mit Tert von Geheimrat War 3. Friedländer: einige sehr wirkungsvolle Ausschnitte aus Dürerbildern mit einem Gedeick- oufsatz von Professor A. L. Mayer: franzöfi'che Skulpturen deS frühen 14. Jahrhunderts: einen sehr schön illustrierten Aufsatz über Goya und feine Bachläufer, zum 100. Todestag DoyaS. Sei aktuelle Xeil enthält u. a. eine prachtvolle Antik« und ein sehr schönes plastisches Stück des 15. Jahrhunderts aus Pariser Privatbesitz. Die großen Kunstmärkte in London und Beuhork kommen durch Zeichnungen und Bilder von Rembrandt, Paul Potter, Big^e-Le Brun usw. zu Wort.
— „Die Kun st", Monatshefte für freie und angewandte Kunst (Malerei, Plastik. WohnungS- kunst, Kunstgewcrbe, Architektur ufto ). München, Berkan F. Druckmann A.-G. — Das April- und Maiheft geben ebenso starke Anregung Wie reiche Information Wir nennen kurz: illustrier e Aufsätze über die Maler Teutsch, Willi Schmid. Giacometti, Schulz-Matan. Dazu, in der Hauptsache ebenfalls der Malerei gewidmet, die lehr reichen Aufsätze über die Ausstellungen der Berliner Secession und des Deutschen Künstlerbundes im Hannoverschen Kunstverein. An Werken der Plastik finden wir rei,volle Werke des Hamburger Bildhauers Kuöhl und der Münchner Bildhauerin Esseö, dann die Grustkapelle für den Großindustriellen Thyssen von Emst Haiger. WohnungStunst, ein von der Zeitschrift besonders gepflegtes Gebiet, und Architektur sind repräsentiert durch die schönen Arbetten des Berliner Architekten Salvisberg (auch ein paar schöne Gitter finden wir an dieser Stelle), des Architekten Kurt Frick, des Innenarchitekten Karl Pullich und der Möbelfabrik Dallin in München. An Kunstgewerbe zeigt daS Hell prächtige Gläser von Benini & Eie in Venedig, Beleuchtungskörper von Runge & Swtland In Hannever. Keramik von Der Fabrik in Ve'ten-Dordamm.
— Im Mail et von Velhagen & Kinsings Monatsheften schildert Paul 0<far Höcker im Anschluß an St. Moritz dos Erlebnis der Olympiade. Entzückend plaudert Kasimir Gd- fchmid über zwei Feinschmecker in Küche und Kunst. Sestr lustig sind die farbig illustrierten Pariser Bilderbogen, die Dr. Wolfgang Bruhn veröffentlicht. Mit prachtvollen Zeichnungen von Finetti wird der Aufsatz von Gustav Rau über Jagdspringen erläutert. Eine starke Novelle von Perkonig („Fischer in Qaurana"). eine gemütvolle Erzählung von Schrickel („Der Goetbsche") bilden mit dem Beginn eines neuen, elegant geschliffenen Liebe.romans von Bernhard Gunther („Reif fein ist alled") den belletristischen Teil des mit vielen Kunstbeilagen geschmückten, reichhaltigen Heftes.
Bursche, der Sic im Park angriff, war also tatsächlich nackt?"
„Bis auf einen Lendenschurz — ja!"
„Staletti," sann ber Inspektor, „Staletti mußte er be<feen. Ein heimtückischer, gefährlicher Mensch. Ich möchte wohl wissen, ob er vecslockt genug ist, in seine alten Torheiten zurückzufallen Einmal habe ich ihm bereits drei Monate dafür aufgebrummt."
„Worin bestanden feine Torheiten?" fragte Dick. Sneed stieß den Nouch feiner Zigarre in kleinen blauen Wölkchen an die Decke.
.,9m Heranzüchten einer neuen menschlichen Rasse!"
„Seit wann ist das ein Derbrchen?"
„Vergessen Sie nicht," gab Sneed feinem jungen Freunde zu bedenken, „bei all diesen Dingen kommt es auf das Wie und da» Was an. Staletti glaubt, dah ein Kind, das wild wie ein Tier im Wald auf- wächst, zu einem Wesen wird, bat zwar nicht sprechen und nicht abftraft denken kann, dafür aber tn seiner Leibesentfaltung ein um so vollkommeneres Glied der species humane darstcllt Er bchauvtct, daß die Menschen zehn Fuß hoch und von der Kraft vorweltticher Riefen fein würden, wenn alle Lebensenergie, die heute vom Gehirn absorbiert wird, sich auf Muskel- und Knochenaufbau konzentrierte. Damals hat er sich mit Tierexperimenten begnügt Es scheint, daß er inzwischen zu edlerem Material übergegangen ist. Das ober schwöre ich Ihnen, daß ich den Kerl leben? (änglid) ins Zuchthaus bringe, wenn ich in feinem Haufe einen erwachsenen Menschen finde, der das ABE nicht hersagen kann!"
Dick verließ Scotland Pnrd durch den Ausgang von Whitchall. Das Auto, das vom Bahnhof herangerufen worden war, mußte ihn Im Regent Park abfeyen. Auf Umwegen näherte er sich seiner Wohnung. Er wußte, daß der Pförtner um diese Zeit schon schlafen gegangen war Trotzdem vermied er den Vordereingang Er wählte den Weg durch die Garagen und ließ'sich durch die Hoftür in das Hau» ein. Er stieg schnell die Treppen hinaus und öffnete so geräuschlos wie möglich seine Wohnungvttir, die er fo’-gfcltig von innen verriegelte. Dann ging er von Zimmer zu Zimmer, drehte alle Lichter an und durchsuchte jedes nur denkbare Versteck, jeden unbe» leuchteten Dinkel. Er fand nichts Verdächtige* Alles war, rote er e» verlosten hatte.
(Fortsetzung folgt)


