Nr. 120 Drittes Blatt
Süeßener Anzeiger (General-Anzeiger für GberheffeiO
Mittwoch, 25. Mai 1928
Aus Natur und Technik.
VomneuenZeppelinL.Z.127
Don Mas Kischer.
Dor einigen Tagen habe ich mir in Friedrichs- faftn vteter einmal den Dau de- größten jemals KergeSellten Zeppelmluftschii eS. te- ß. 3-127 angesehen Da- Schiss ist nahezu lertifl. DaS Geripp« ist -um Teil schon mit brr Außenhaut bespannt und e- werden gegenwärtig die Kabinen ou-gebaut und die Motorrogonteln ein» geeichte! - aus jeter Seite besln-rn sich zwei, und eine itt mitichis!« unter dem Traoekörper ange ordnet Dos Schiss ist so grob, bah vorn und hinten nur noch je ein Meter Plan in d« Halle bleibt und dab e- bis auf 1.83 Meter an das Hallendach reicht. Gewaltig ist brr Anb id. wenn man unten stehend durch da- lichte Gerippe
Terbraud) von Benzin der <yall ist. Man muhte deshalb die bi-heri-en Schisse schon noch kurzer Fahrt mit der Splyt senken, um Ite so durch die Drachenwirkung auf ihre obere Fläche nieder,u- halten. Da- geh: aber nur eine gewisse Zeit lang, weil der Luftwiderstand beim Zunehmcn der Steilheit des Schis es zu stark anwächst und da- Schiff an Steuersähigkcil verliert. Man mußte de-halb von 3rit zu Zeit größere Höhen aufsuchen, in denen da- Traggas durch seine Ausdehnung infolge de» verminderten äußeren Luftdrucks keinen Platz mehr in den Ta Ionen hat und der Lleöerschuh durch die Lieberdruckventile aussträmt. damit das Dhiss wieder in der richtigen Höhenlage fahren kann. Man könnte da» zwar vermeidrn. wenn man an jeder Zelle die oberen Dentale öffnete, durch die man auch in geringen Höhen Da- entweichen lassen kann.
Aufenthalt Sraum
für die Fahrgäste.
schaut 30,50 Meter Durchmesser hat es; sein« Ringe bilden ein regelmäßige- 28-(M.
Darr» besonder- gut au-gestattet wird die wie bei den lefjten Schufen ziemlich dicht hinter der Schiss-spitze liegende Kabine deren oberer Teil teilweise im Schiffskörper liegt. Dorn befinden sich darin der Fuhrerstand. dahinter ein Äatten- »immer. Hieran schließt sich ein wunderschön au»- eeßotteter, 5 mal 5 Meter messender Aus ent- haltsraum für die Fahrgäste. Dahinter folgt rechts — in der Fahrtrichtung link- — der schallsichere Funkraum und gegenüber die Küche mit elektrischen Kochvorrichtungen, da man natürlich im Luftschiff nicht mit Feuer kochen farm. Rechts und links von einem Dang sind bann t« fünf Schlafkabinen angeordnet. von denen jede zwei Betten enthält, so daß Schlafgelegenheit für 20 Personen vorhanden ist. Die Walch- räume für Die 26 Mann betragende Besatzung liegen tm Innern de- Lustschilskörpers. ebenso die ßaderäume für Post und Fracht.
Durch da» ganze Luftschiff ziehen sich zwei Lausgänge, einer unten und einer ungefähr in der Mittelachse des Tragekörper» von vorn bis hinten. Unter diesem Gang liegen die das Irelbga» enthaltenden Zellen; bekanntlich werden ja die Motoren des neuen Schisse» mit Da» betrieben, und zwar mit einem Kohlenwasserstoff gas, das da« Gewicht der Lust bat Die Verwendung dieses Dases zum Antrieb der Motoren hat neben der Erhöhung der Detr'.eb-sicherheit und einer Vergrößerung der Fahrtlänge den großen Doezug. daß da» Schiss durch den Brennstoss- derbrauch nicht leichter wird, wie die« beim
man vermeidet dies aber nach Möglichkeit, weil man Gasverluste furchtet, wenn ein solche» Ventil nach dem Ocffnen nicht wieder dicht schließen sollte. Die Notwendigkeit de» Aufsteigens in größere Höhen erschwert natürlich die SchissS- führung, und da» Abblasen von Traagas bedeutet einen, wenn auch nur geringen wirtschaftlichen Nachteil; muß man doch auf einer Fahrt wie der des Z. R. 3 nach Amerika für ungefähr 10 000 Mark Wasserstoff abblafen. Unerträglich wäre diese GaSverschwendung bei Verwendung von Helium al» TraggaS. da diese» Gas ungefähr zwanzigmal soviel kostet wie Wasserstoff, so daß man ungefähr sür 200 000 Mark Ga» auf einer einzigen solchen Fahrt abblafen müßte. Bei Verwendung de» neuen Triebgases für die Motoren braucht man natürlich kein TraggaS abzublasen, weil eS für da» Gewicht de» Schiffe» gairz gleichgültig ist. ob die TreibgaSzellen voll, halbvoll oder leer sind. So kann da» Schiss, unbekümmert um den DetriebSstoflverbrauch, immer in derselben Höhe fahren. Lim beim Vchwererwerden de» Schiffe» durch Negen-, Schnee- und Eisbelastung oder durch TraggaSverlust einen Ausgleich zu haben, führt man neben dem Treibga» noch einen verhältnismäßig geringen Denzin- vorrat mit Wenn man bann einige Zeit mit Benzin fährt, wird da» Schiff wieder leichter. Sollte eine sehr rasche Gewichtsverminderung notwendig werden, so kann man jeweils den mittleren von drei Benzin tefa lt«n abwerfen. DaS Auslaufenlasicn von Benzin ist nicht ratsam, da dann da» Schiff in einer Benzinwolkc führe, die sich entzünden könnte — beispielsweise am AuS-
pufs eine» Motors —. und da dadurch auch sonst Nachteile für da» Schiff eintreten konnten
Der Tragekörper de» Luft ch'.fss hat einen Inhalt von 105000 Raummeter Die Länge teS Luftschiffes über alle» beträgt 235 Meter, die größte Höhe ist 33.50 Meter. Die fünf umneuer baren Ma bachrnrt^ren von je 530 Pferdestärken treibrn Z>te Triebschrauben unmittelbar an und ver'echen dem Schiff eine Geschwindigkeit von 128 Kilometer in der Stunde bei einem Einsatz von 2650 Pferdestärken. Tot gewöhnlicher Dauer'eiftung werden mit 2150 Pferde- stärken 117 Ki'.omct.r in der Stunde zurückgelegt. Die Ge'an tuubkra t betrugt 124 Tonnen, die Nutzladung für eine Fahrt über 10000 Kilometer mindesten» 15 Tonnen
Der L. Z. 127 soll durch weite Heilen die Möglichkeit eineS Lleaerseelu;t chis eerkehr a bewei en. und man will bei diesen Fahrten üriaßrungen über die Wirt chalt'i hk.it lamme’n und die Der- wendungSmögli^ke.t deS SchifkS al» Forschung»
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Mr ffe //aufgang
ßr enngas für cr/e Motoren
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Unter* Mo torgonffe/ Schematischer Schnitt durch da» Luftschiff.
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(t/erfurr. oct er Wasserstoff)
Unterer Laufgano
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und DermessungSIahrzeuq studieren. Zeitwei e soll da» Schiss an die spani che Ge.ell chaft „Solon" vermietet werden. Und man hosst, den Lustschiffdienst zwischen Sevilla und Buenos Aires im Herbst 1928 eröffnen zu können.
Möge daS neue Schiff dem deutschen Namen in aller Welt Ehre machen! Dann wird eS nicht daran fehlen, daß eS Nachfolger haben wird. Die- wäre dringend zu wünschen, damit tiefe deutsche Erfindung weiterhin deutschen Kopf- und Handarbeitern Brot gibt.
Chilesalpeter und Luftstitkstoff
Von Dr. 3ng. Otto Huppert.
Wie bekannt, war Deutschland zu Beginn deS Kriege», besonders was seinen Stickstofsbedarf an belangte, wirtschaftlich gänzlich ungerüstet. Der Verbrauch an Stickstoff belief sich In dem Düngejadr 1913 14 auf 240 000 Tonnen, die hauptsächlich für die Landwirtschaft verwendet wurden. Davon lieferten die Gaswerke und Kokereien etwa 35 000 Tonnen, 15 000 Tonnen waren Luftstickstoff, und der Nest von 140000 Tonnen wurde in Form von Ehllesalpet« ein* geführt. Sobald England unS die Zufuhr ab- gesp'.rrt hatte, fehlte e» an jedem Ersah für Den Chilesalpeter, der um so nötiger gewesen wäre, als die Kriegführung ungeheure Mengen von Stickstosffalzen zur Herstellung von Schieß- treibmitleln und Sprengstoffen dringend nötig hatte. Den Bemühungen Rathenau» gelang eS bekanntlich dann, innerhalb kurzer Zeit eine
Anzahl neuer Werke zur Erzeugung künstlichen Stickstoff» i.t» Leben zu tu en u.ib die wenigen bestehenden Anlagen zu erweitern, und nur diclem Llmstand ist e» zuzulchr iben. Daß wir nicht schon nach falbjäbr.gcr Krieg ührung den Kamps wegen Stickstof'.ia gel« auf geben mu tn.
Llnscr Luft besteht >cla intlich hauptsächlich au» Stickstoff und Sau t (off im Verhältii» 1 4. Die Pflanze braucht, wie alle Lebewesen, zum Ausbau ihre» Körper» an erster Stelle Sackstoff. Don loeugen Ausnahmen abg 1 h n fa in nut aber die P.lanze mit tem Stickstoff ocr Luit oh e weit r x nch!» anatg n: erst durch Vindu g mit Lau r .off. wie in Salbet r. oder mit Wa fcr'toff. wie im Arnrnonia!. a :n Stick- sto f bvr") die Wurzeln in den Pslanzenkörper gebracht werden.
Zu Kr egSbeginn gab e» drei Ver a rren zur Vindu, g des Lujtstick tosis, die in bescheidenem Umfange zur Anwendung im Großen au-gc- bildet war i nämlich; 1. da» Norg lalp t.r- ver ahr n .ach Dirleland und Eyde, das aui der Orodation dr» StickstoiiS. d.b- fetter Vindu g mit Sau t losf. l»n cle trisch n Licht- bogeit b r ißt. 2. da» ÄolfltitTto ,ixr obren, bei dem ma i die Au aj.itc äh!gleit de» ealciuin- carb.d» gegenüber dem Stickstoff der Lu t genutzt, u d 3. d.e Am.nonialfynt x e nach Haber-Bofch. die darauf beruht, daß die Best ar dleile de» Qlmmo rial». Stickstoff und Wasser'tosf. die seit alter »bet da ür bekannt sind, daß sie in Moleiuior von nicht die geringste Neigung zur 3er.tni.juug veZpüren. chr abstoßende» Tirjaltcn ändern, wenn man sie unter beb’m Druck und hoher Temperatnr zu* fammenbriagt
SS ist se.r interessant, b ute einmal zurilck- »uschauen u d festzustellen, wie man Ur, vor Dem Welt.r.eg übet die Zuiun.tSauSfichten dieser drei damals in Wettbewerb stehenden Verfahren ur.eilte. Selbst Fachleute stellten der Sy.t Hefe nach Hab.r-Bosch keine gute Zukunft in Aussicht. 1913 schrieb der Verfasser eines Vuchcs über die Lujtstickitof.gewinnung folgendes: .Dieses so begeistert au genommene Der^a^ren der Arnmoniariynthese unt*r Hochdruck bur,te vcr.nullich nur lokale Dcd -utung erlangen und gelegentlich in AuSnahmefällen zur Anwcndu g kommen. Die in Bewegung zu feßente Q‘aö- mer.gc ist jedensallS so gewaltig, daß an eine technische und wirtfcha.tltche Brauchbarkeit teS Verfahrens über Spezialsälle hinaus und an eine volkswirtschaftliche Bedeutung kaum zu denken ist."
Wie steht es nun h ute mit der volkswirtschaftlichen Bedeutung d r drei Verfahren? Deutschland erzeugte tm Düngeiahr 1926,27 555 000 Tonnen künstlichen Stickstoff; davon wurden 480 000 Tonnen im Wert von fast einer falben Milliarde Mark in Form von Ammoniak nach dem Hochdruckverfahren von Haber-Bosch durch die Interessengemeinschaft der Farteninduftrie- Aktiengesellschaft hergestellt. Die Firma wird in diesem Iahr vermutlich 600 000 Tonnen, 1928-29 700 000 Tonnen Stickstoff Herstellen können. Diefe ungeheuren Mengen kann die deutsche Landwirtschaft nicht mehr aufnehmen, und schon ira vergangenen Iahre wurde ein Drittel der Vesamterzeugung an das Ausland verkauft.
Man fieht aus diesen Zahlen, welche überragende Bedeutung der Aminoniallynthese nach Haber-Bofch zukommt und wie sehr sie auch da» Kalkstickstosfvcr ahren überflügelt bat. Im übrigen ist der von den Mitteldeutschen und den Bayerischen Stickstoffwerken hergestellte Kalkslick- stoff nach wie vor ein für viele Fälle in den Landwirtschaft beliebtes Düngemittel, dessen Verbrauch sich von 50 000 Tonnen — entsprechend 10 000 Tonnen Stickstoff — im Iahre 1913 anf 300 000 Tonnen — entsprechend 60 000 Tonnen Stickstoff — im vorigen Iahre vermehrt bat.
Das dritte Verfahren zur Luftsticksto fverbin- dung, die Ofydation im elektrischen Flammen-
Technische Rundschau.
Von Or. Hettmut ThomasiuS.
Lieberblickt man die Bestrebungen, das Meer in ben Dienst irr/erer Kraftversoroung zu stellen, so «gib« sich ein merkwürdiges Bild. Verschiedene Weg« sind denkbar, die zum Ziele führen können. Don diesen Wegen ist man bislang aber nur einige gegangen. Meist wurde die Fvage des „ Flutkraftwerks" bearbeitet, das auf der Ausnützung von Ebbe und Flut beruht. Da» während Der Flutzeit ansteigende Wasser wird in einem großen Dehälter aefammclt, aus Hm e» während der Ebbe wieder in» Meer KrtüdfließL Während de» Rückflusses wird die w ihm aufgespeicherte Energie zum Antrieb von Maschinen ausgenutzt. Außerdem sind Dersuche gemacht worden, um den Temperaturunterschied zu verwerten der in den tropischen Meeren zwischen den Wasserschichten an der Oberfläche und denen in Der Tiefe herrscht. Noch mancherlei ander« Vorschläge liegen vor. Merkwürdigerwelse fat man bei der Bearbeitung dieser Frage den Stoß b« Wogen sehr vernachlässigt.
Die Zahl dec Stellen am Meere ist nicht gc- B. wo die Wogen gegen steil aufragend« en »der gegen Klippen prallen. Don der R. di« hi« zur Verfügung steht, geben bie Zerstörungen und Auswaschungen einen ‘Begriff, bie man dort beobachten kann. Auch weiter draußen im Meere ist der Wogen stoß ein erheblicher. Er wurde bisher nur in einzelnen, t» kleinerem Maßstab durchgeführten Versuchen berücksichtigt. Das mag vor allem daran liegen, daß man sich vom Flutkraftwerk bequemere Erfolge vertvvach. C-» liegt in der menschlichen Natur. Schwierigkeiten au» dem Wege zu gehen und immer den scheinbar einfachsten Wea zu wählen.
Dom technischen Ltondpunlt aus ist ja das ,Dogenstoß-Kvafrwerk" tatsächlich keine leicht zu lösende Frage. Beim Flutkraftwerk kennt man alle emzclnan Llmftände auf» genaueste, di« Beiten de» Wechsels, die durchschnittlich« Höhe der Flut, bi« zur Verfügung stehenden Waifer- wngen. Beim Wogen stoß-Kvaf nverk ist alles ungewiß. Manchmal ist der Dogengang nur ein sehr geringer. Manchmal kann er derart an- schwellen. daß mit einer Zerstörung Der jur
Ausnützung angebrachten tcchni'chenEinrichtungen zu rechnen ist. Wann da» eine oder das andere eintritt, läßt sich nicht sagen. Di« untersten und obersten Grenzen der in Betracht kommenden Kräfte sind unbekannt. Sine durchschnittliche Caftung läßt sich nur schwer berechnen. Trotzdem bietet Da» Wasserstoß-Kraftwerk gegenüber dem Flutkraftwerk eine Anzahl von Vorteilen dar. Zur Erzielung einer größeren Leistung sind beim Flutkraftwerk ganz erheblich« Waf^ermengen notig. ist doch die Hohe niemals eine sehr große, auf der man den Wasserbehälter anbringen kann. Die Leistung aber ist das Produkt aus dem Druck der Menge de» zur Verfügung ftc- fanben WasserS. 3« geringer die Höhe, desto gering« der Druck, desto größer muß also die Dassermenge fetn. Steht mai an einem Fellen, gegen den die Wogen anprallen, so erfennt men ohne weitere», di» zu welchen Höhen hi« da» Dass« durch seine eigene Kraft crnpor- gef(bleubest wird. Infolge Der größeren Höhe und de» größeren Druck» benötigt da» Wasser- ftrß-ÄrafttDed bei gleich« Leistung eine gering«« Dasserrneng« als daS Flui-Kraftwerk. Deshalb sind auch — immer die gleiche Leistung vorausge'etzt — Heinere Bauten für die Aufnahme de» DasservorrotS nötig, die Rohrleitungen ob« Kanäle, in denen das Wasser zurück- fließt, können mit geringerem Durchmess« au»- geführt werden. Die Herstellung ter Anlage, ihre Einrichtung und ihre Llntethallung dürften im allgemeinen weniger Kosten verursachen.
Diesen Vorteilen steht eine Reihe schw«- toiegentet Bedenken gegenüb«. Dor allem ist mit ein« Zerstörung ter Anlagen zu rechnen, sobald starke Sturmfluten ein treten. Ist bl« Dogenbeweguna längere Zeit hindurch nur schwach, ter Wvgenstoß allo nur gering, so kann wenig Wals« angefanuneü werden. Will man dah« nicht in Verlegenheit kommen uni) die Sicherheit faßen, daß stet» ein genügenter Vorra! vorhanden ist. so muh man die Anlage doch Dieter ausgedehnter und vor allem die Behälter größer machen. Dadurch geht ein mehr ober minder großer Betrag ter geschilderten Vorteile wieder Der loten.
Wie fich die Derhältniss« tm einzelnen gestalten. kann nur die Ausführung eines entsprechend groß angelegten derartigen Kraftwerkes zeigen. Deshalb wurde von Evrmnander Smith im 3ngcnicurbuteau des Marineministeriums ter
Vereinigten Staaten eia Projekt ausgearbeitet, da» den Dau eines großen Wasfetstoß-Ktaft- werks zum Gegenstand hat. Bei ter Bearbeitung wurde auf die eben «wähnten Schwierigkeiten in weitestem Maße Rücksicht genommen. 3ebe Einzelheit ist bis ins kleinste überlegt.
Lim vor allem bei Sturmflut die Zerstörung groß« Anlagen zu verhüten, was in finanziell« Beziehung einen großen Derlust bedeuten würde, fat man von starken Mauern, umfangreichen Gebäuden und ähnlichen Konstruktionen vollkommen abgesehen. Sin stark« Klotz wird durch die Sturmflut zertrümmert. Ein« Stecknadel vermag sie nichts anzufaten. Deshalb besteht das Krastwerk auS zahlreichen .Stecknadeln", nämlich aus zahlreichen kleinen Einheiten. Die Kraft wird also -«teilt, sie wird aufgelöst. Der einzelne schwächere Tell vermag nicht mehr verheerend zu wirken. 3n ter Nähe ter Küste liegen, weithingestreckt auf ten Wogen, viele verhältnismäßig fleine Trichter. Die Deff- nung eines jeden dieser Trichter ist gegen das offene Meer yi gerichtet, von wo die Wogen Herkommen. Sm festes Rahmenwerk, das durch schlanke Betonsäulen gestützt wird, falt jeden dies« Trichter fest. D« einzelne Trichter fat fein eigenes Rahmenwerk. Große Massen, große Eisenkonstruktionen sind vermieden. Zwischen den Trichtern befindet sich ein genügend breiter Durchlaß. Die hi« hindurchflutenden Wogen üben überhaupt keine Wirkung aus. Die Kraft ist also auf eine beträchtliche Anzahl von Trichtern verteilt.
Damit die Tricht« eine genügende Menge von Wall« aufnehmen können, fat ihre vordere Oeffnung die Form eines viereckigen Schlitze», ter breiter ist al» hoch. Di« Höhe beträgt 3.3 Mei«. Die 03reite 5,3 Met«. Da» Wasser .strömt beim ankommenden Wogenstoß in den Tricht« hinein, ter in ein lange», wagerechtes Rohr endet. Sr verjüngt sich nach hinten zu beträchtlich. Deshalb ist das anschließende Rohr ziemlich eng. Da. wo ter Tricht« in das Rohr übergeht, sitzt ein Luftventil. Die ankommenden Dogen drängen die im Tricht« befindliche Luft vor sich ter. Sie entweicht durch das OSentil nach oben. DaS Dass« gelangt bann, ofa« Luft mit sich zu reißen, tn da» Rohr.
Nach jedem Dogenstoß läßt ter gegen den Trichter und das anschließende Oiohr ausgeübte 'Druck nach. Das Waf^r würde jetzt also zurück
flteßen und wieder in» Meer ablaufen. Lim diese» zu verhüten, ist im Innern de» Trichters ein Klappenventil angebracht, daS sich in ter Richtung gegen die Röhre zu öffnet und sich beim Nachlassen teS Drucke» fofort schließt. Durch diese» Dentil kann also Wasser in die Röhre hinein, aber nicht mehr farau» gelangen. Die Röhre gleitet seternd im unteren Ende de» Trichter», ter sich an ihr etwas hin und her bewegen kann. Sr fat auch etwa- Spielraum, nach oben und nach unten. Durch diese Vermeidung jetet starren und festen Okrbinbung sowie durch die Nachgiebigkeit teS Trichter», durch diese ihm gegebene Möglichkeit, nach oben und nach unten auSzuwsichen, wird gleichfalls ein« Zerstörung durch ten Prall ter Wogen vorgebeugt. Ieder Stoß wird durch Nachgeben nach hinten, oben oder unten bi» zu einem gewissen Grate pariert.
Die ankommende Woge öffnet sich selbst da» OZentil, diese Tür. die zum Rohr führt, und schließt e» hinter sich. Ihr Wasser ist tm Rohr abgesperrt. Die nächste Rohre schiebt e» nach vorne und setzt sich dahinter fest. In dieser Weise geht es unentwegt weiter. Zunächst wird ter wagerechte Aohrstrang gefüllt. Dann ater steigt das Rohr senkrecht in die Höhe. Damit ter Druck der senkrechten Wassersäule nicht zu stark auf das Ventil wirkt und leine Oeffnung erschwert, ist an ter Stelle, wo das Rohr aufl ter wagrechten Richtung in die senkrechte über» geht, eine Entlastung-Vorrichtung angebracht. ES ist ein .hydraulisch« Widder", ein Stoßheter, eingeschaltet, die bekannte Vorrichtung, die ja schon längst zum Heben von Dass« benutzt wird. Allerdings kommt hi« ein Stoßheter besonderer Bauart und von «höht« Leistungsfähigkeit zur Verwendung.
DaS durch die zahlreichen Einheiten nach oben geforderte Waff« wird hi« in einem Behält« gesammelt, aus dem es in da» Meer zurückfließt. Während es dorthin zurückströmt, treibt eS Maschinen an. Die zahlreichen Entnahmestellen für da» Wasser gewähren den weiteren Vorteil, daß bei jedem einzelnen gegen bie Küste gerichteten Wogenstoß große Wassermengen nach oben befördert werten. An ter Ausführbarkeit des Planes ist nicht zu zweifeln. Die Zeit, wo da» «fte größere Wasserstoß- K rast werk d« Welt in Tätigkeit tritt, bürfte wohl nicht mehr fern sein.


