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törichten Bor solchen Ausritten schaudert die Seele eine- empfindsamen Weibes mehr zurück, al» der Mann, und daher die Angst, die Stätte aufzusuchen, an der solcher Kampf möglich ist.
Nehmen wir einmal den Fall, dah eine Frau als Angeklagte erscheint. Häufig steht ihr ein Verteidiger zur Sette, den sie für gutes Geld angenommen hat, und der sie in jeder Beziehung gegen Angriffe und Beschuldigungen schützt, die ihr drohen. Das ist auch die Amtspflicht des Richters: ja, ioaar der Staatsanwalt hat die Pflicht - als Mensch und von Amt» wegen —, auch alles daä zu berücksichtigen, was zugunsten eines angeklagten angeblichen Missetäters und Rechtsbrechers spricht.
In einem anderen Falle erscheint eine Frau als Zeugin. Schon die gesetzlich vvrgeschriedene Verwarnung auch des anständigsten und gewissenhaftesten Menschen vor einem Meineid oder auch vor nur einer fahrlässig falschen Aussage vermag einschüchternd zu wirken. Vei dieser „Bc- lehrung" lommt cs sehr auf den Takt des Richters an. Dann kann die Zeugin in ein Kreuzfeuer von Fragen geraten. Es werden solche an sie gerichtet, an die sie bisher niemals gedacht) hat, deren Beantwortung ein mehr oder minder geschickter Anwalt geradezu aus ihr herauszupressen sucht. Antworten, die für viele sehr unangenehm werden können. Der Praktiker kennt solche Fälle. Immer wieder wird deshalb die sehr beachtliche Forderung erhoben: Mehr Schuh dem Zeugen! Es ist, ich scheue den Ausdruck nicht, oft eine Schande, wie von einer Partei, die sich durch eine Aussage belastet fühlt, mit Zeugen -- und natürlich erst Recht mit einer fast wehrlosen Zeugin - umgesprungen werben soll, die doch nur die reine Wahrheit sogt. Davon weiß jeder Dichter ein Liedlein zu sinyen. Er sollte und möchte helfen und kann es oft nicht, weil sonst der Angeklagte mit Gewißheit behaupten wird, er sei in seiner Verteidigung beschränkt worden, was natürlich auch wieder nicht geschehen darf. Aber deshalb begreift der Kundige doch die Furcht vieler, besonders der Frauen, den Gang ans Gericht anzutreten. Bevor sie dort Schutz finden kann, mag sie von böswilliger Seite schon tief gekränkt worden sein.
Da ist es nun auch Sache der Frau, sich selbst nach Möglichkeit zu helfen. Wäre es möglich? Bis zu einem gewissen Grade: Ia! Man hört in neuerer Zeit so häufig das Wort: „Rur die Ruhe kann eS machen. Oft scherzhaft gebraucht, steckt doch eine Fülle von Lebensweisheit in ihm. Es ist eine Schwesterweisheit zu der des Sprichworts: „Reden ist Silber, Schweigen ist Doldl" Sein Sinn ist ein ganz anderer als die politische Forderung der vormärzlichen Zeit: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, eine Ruhe, die der des Friedhofs gloichen sollte. Nein, die Ruhe, die wir hier meinen und die zu bewahreir ich jeder Frau empfehle, die das Gericht aufsuchen muß, ist gleichbedeutend mit dem Vorsatz, unter allen Umständen innerlich fest zu bleiben, nach außen hin keine Gemütserregung zu zeigen und dementsprechend in Wort und Tat vor Gericht auszutreten. Wer in der Wahrheit steht, steht immer im Recht, und wer sich überall, in jeder Lage des Leben-, seiner inneren Würde bewußt bleibt und darnach handelt, bleibt Herr über viele, und sei er nur Knecht oder Magd.
GS kommt so häufig vor, daß eine Frau, die vor Gericht erscheint, sofort anfängt zu schluchzen und gar reichlich Tränen vergießt. SS kann sein, daß solche Tränen echt sind. In ungezählten anderen Fällen aber sollen sie nur das Mittel zum Zwecke fein, daS Herz der Gerichtspcrsonen und deS zuhörenden Publikums zu rühren. DaS Weinen vor Gericht ist grundfalsch. Es kann sein, dah es auf einen Nervenzusammenbruch beruht. Dann sind die Tränen echt und werden entsprechend gewertet. Sind aber die Tränen künstlich erzeugt — Krokodilstränen nennt sie bekanntlich der VolkSmund —, so können sie nur Unheil an* richten. Dann kommt gar das vielfach so häßlich gebrauchte Wort zur Geltung: An Weiber- zähren soll sich niemand kehren. Weil Tränen einer Frau unrichtiger Auslegung fähig sind, eben d^halb sollen sie am falschen Orte vermieden werden.
Wäre ich eine Frau, und erhielt eine ßabung vor Gericht, so machte ich folgendes: Erstens, ich striche mir den Tag im Kalender rot an, damit ich die Tagfahrt nicht versäume, und jede Unannehmlichkeit vermeide. Zweitens, ich riefe mir die Sache, um die es sich handelt, in aller Ruhe ins Gedächtnis zurück. Drittens, vor Gericht machte ich dann, unbekümmert um die Folgen, wahrheit-mäßige Angaben nach bestem Wissen und Gewissen.
Falsche Zeugen — Gott behüte uns alle vor ihnen! Unb zum letzten, ich bewahrte vor ®e*, richt, so gut es irgend ginge, die Ruhe. Nur in der Ruhe kann ein Mensch richtige Gedanken fassen. Wir alle müssen unsere Nerven zu bändigen lernen. Wer Würde und Ruhe vor Gericht zeigt, hat viel gewonnen. GS glaube keiner, daß etwa die Frau deS Arbeiters vor Gericht in der Wahrung ihrer „Würde" vor- der sog. vornehmen Dame zurückstehe. Mit hundert Beispielen könnte jeder Äermer der Verhältnisse das Gegenteil beweisen. Der äußere Schein darf nie» mal- trügen.
Ruhe und Wahrheit sind, wie immer im Leben, die besten Helferinnen einer Frau vor dem leider so gefürchteten Throne der Göttin „Iustitia", die seit alten Zeiten mit Waage und Schwert in der Hand dargestellt toirb, und die um der Unparteilichkeit willen — ohne Ansehung der Person — eine Binde vor den Augen trägt. Ruhe, Würde und Wahrheit sind die Symbole dieser Frau, in der sich göttliches und menschliches Recht verkörpern.
prämiierungtmorff in Gedern.
| Gedern, 22. Mai. Gestern wurde bei gutem Wetter der diesjährige Prämiie- rungsmarkt mit einem Pferdemarkt eröffnet. SS waren insgesamt 74 Pferde ausgetrieben. die etwa zur Hälfte in andere Hände übergingen Der Han del ging fchläppend: man merkte die finanzielle 2lotlagc deS Bauernstandes. Denn gar mancher hätte gerne von dem prächtigen Dferdematerial cingehandelt. wenn ihm nicht die Lasten für seine Verhältnisse zu doch geworden wären. Heute früh um 7,30 Hör begann mm der Auftrieb zum Rinder». Zreaen- und Schweinemarkt. UcberaU lierrfchtc geschäftiges Leben und Treiben. An Großvieh waren 216 Stück aufgetrieben, von denen 76 der Vogelsberger und 140 Stück der Simmentaler Rasse anotierten. Zur Prämiierung waren 75 Tiere der Vogelsberger und 73 Tiere | der Simmentaler Rasse anocmelM. während der i Rest Händkervieh war Die Preisrichter batten s
einen äußerst schwierigen Stand beim Au-wählen der besten Tiere. Man merkte, daß nur gutes Zuchtmaterial zum Markte gebracht worden war: mittlere und geringere Qualitäten fehlten. Während auf dem Rindviehmarktder Handel mittelmäßig war. dürfte er aus dem Schweinemarkt alS flott und lebhaft zu bezeichnen sein. Es waren 744 Schweine aufgetrieben. Die Preise für 6 Wochen alle Ferkel bewegten sich zwischen 8 und 10 Mk.: 8 Wochen alle kosteten 12 bis 14 Wk., für 10 bis 12 Wochen alle Läufer wurden je nach Qualität 18 biS 26 Mark bezahlt. Mit dem Markte war eine große Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte verbunden, die starkes Interesse weckte. Eine in Tätigkeit befindliche Strohseilflechtmaschine verdient unter der Menge der Ausstellungsgegenstände besonders hervorgehoben zu werden. Die Landwirtschaft-» fammer hielt im Anschluß an die Prämiierung eine Auktion von männlichen und weiblichen Zuchttieren beider Rassen ab. Nachmittags fand auf dem Marktplatz eine öffentliche B erlosung statt.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
X Wieseck, 22. Mai. Seit dem 14. Mai be- steht im Saale der Gastwirtschaft von G e r l a ch in der Gießener Straße ein Privatkindcrgar. t e n, der zur Zeit von 37 Kindern, 18 Knaben und 19 Mädchen, besucht wird. Fräulein Emmy Kimpel aus Gießen und Luzie Schäfer aus Hungen, z. Z. in Gießen, betreuen in der Zeit von 8 bis 12 und 2 bis 6 Uhr (außer Samstag nach- mittag) die Kleinen mit viel Liebe und Sorgfalt. So jung diese Einrichtung der Kinderhilfe in unserer Gemeinde auch noch ist, so wird sie doch schon als eine große Wohltat empfunden, besonders von den durch Haus- und Favrikarbeit stark in Ansvruch genommenen Müttern. Hoffentlich erlaubt bald das Wetter, daß die beiden Kinder- gärtnerinnen mit ihren Pflegebefohlenen den Saal verlassen und den ihnen zur Verfügung gestellten schattigen Spielplatz in dem Gerlachschen Garten benutzen können.
CO Klein-Linden, 22. Mai. Nach langer Pause fand gestern, Montag abend, wiever eine Gemeinderatsfitz ung statt. Aus dieser ist ass bemerkenswert zu berichten: An Stelle des ausgeschiedenen seitherigen Gemeinderatsmitgliedes Wilhelm Zecher wurde Kaufmann Ernst Holler alS Gemeinderatsmitglied verpflichtet und in den Dienst eingeführt. — Der Gemeinderat beschloß die Bürgschaft zu übernehmen für die an die Bezirkssparkaffe Gießen abzutre- tenben Restforderungen der Feldbereini- gungsgefellschaft Klein-Linden biS zum Gesamtbetrag von 15 000 Mark. — Das Ministerium hat den Nachtrag zur Ortssatzung betr. Neuregelung der V e r g n ü g u n g s st e u e r abgelehnt und beantragt an dessen Stelle Neuaufstellung der Ortssahung in dem Sinne, wie sie der Gemeinderat wünscht. Dem Antrag wurde zugestimmt: die Höhe der örtlichen Vergnügungssteuer beträgt mithin in Zukunst für je 100 Quadratmeter 7,50 Mark: bei Maskenbällen und ähnlichen Vergnügungen wird der doppelte Betrag erhoben. Für freie Räume kommt der halbe Betrag in Anrechnung. — Im biS jetzt noch unbebauten Teil der neuen Straße »Am Kirchpfad" sollen in Zukunst Vorgärten von je vier Meter Tiefe auf beiden Seiten der Straße angelegt werden. — Die seither nur vorläufig festgelegten Beträge der Gemeindesteuer für Die Iahre 1925 bis 1927 vom Gewerbeertrag und von der Sondergebaudesteuer sollen als endgültig anerkannt werden. Es wird damit im Sinne der Weisungen verfahren, die der Präsident des Landesfinanzamts auf Veranlassung des Finanzministers an die Finanzämter hat ergehen lassen. — Die Gemeinde übernimmt die Bürgschaft für ein B a u - darlehen von 10000 Mark, das die Ve» zirksspartasse Gießen einem Baulustigen gewährt hat: allerdings verlangt die Gemeinde von dem Interessenten Rückbürgschafl zweier zahlunas- fähiger Bürgen. — An einige Interessenten soll Gemeindegelände zum Preise von 3,50 Mk. für den Quadratmeter abgegeben werden. — Der nächste Punkt, der die Besoldung d e - Bürgermeisters und deS Gemeinderechners betraf, hat den Gemeinderat schon öfters beschäftigt. Da das KrciSamt Gießen mit den vom Gemeinderat feft gelegten Sätzen nicht einverstanden war, der Gemeinderat eine andere Regelung aber nicht vornahm, so war im Der- waltungsstreitversahren die Angelegenheit geregelt worden. Nach dem Beschluß des KrelS- auSschusses soll ab 1. April 1927 der Gehalt des Bürgermeister- 4000 Mark und der deS Gemeinderechners 2800 Mark betragen. Die Gemeinde trägt zwei Drittel und der Staat ein Drittel der Kosten deS Verfahrens. Diese Entscheidung de- KreisauSschusses wurde angenommen und die gegen den Beschluß des Kreis- auSschusseS vorsorglich eingelegte Berufung zurückgezogen. — Die vom KreiSveterinäramt gewünschte Anschaffung eines dritten ® e - meindebullen wurde abgelehnt mit der Begründung, daß sich die Zahl der Kühe in unserem Orte von Iahr zu Iahr vermindert: auch beabsichtigt die Gemeinde, die Bullenhaltung in absehbarer Zeit in eigene Regie zu übernehmen.
n. Gr-oßen-Linden, 23. Mai. Die Zweitälteste Frau Großen-Linden-, Witwe Ka- tharina Wagner, vollendet am morgigen Donnerstag ihr 8 4. Lebensjahr.
* Leihgestern, 22. Mai. Die Vorarbeiten für da- vom 9. bis 11. Iuni hier stattfindende 65jährige Stiftung-fest des Gesangverein- „Qiebcrfrana", das mit einem Gesang-wettstreit und einem Hütten- berger Volks- und Trachtentog ver- bimden toirb, sind in vollem Gange. Eifrig tagen die Ausschüsse, und sie wetteifern untereinander. da jeder Ausschuß die ihm übertragenen Obliegenheiten am gewissenhaftesten und pünktlichsten auSsühren will. Man ist sich im geschästssührenden Ausschuß der großen Ausgabe bewußt, die dem sestgebenden Verein durch diese Veranstaltung erwachsen. Dank der Unter» stühung aller hiesigen Brudervereine, des Orts- Vorstandes und aller Bürger Leihgesterns konnten die etwa 400 Quartiere bcreitaeftellt werden für auswärtige Sange-brüder. Die aus Hagen, Gelsenkirchen und Siegen schon am Samstagabend dntreffen und beim Kommers durch den Vortrag einiger Ehöre das Programm bereichern werden, lieber 1500 Sänger wetteifern Sonniagvonnittag in zwei Sälen und in der 2000 Personen fassenden .Festhalle vor drei Preisgerichten und den Zuhörern, da- Beste ihre- gesanglichen Könnens hören zu lassen.
Außer den 33 wettsingenden Vereinen ist die Zaht der am Fest teilnehmenden Vereins durch die inzwischen noch gemeldeten Gastvereine auf 54 gestiegen. Auch oer von unkrem Sanges- bruber Gg. Heß veranstaltete und mit dem 65jährigen Iubelfest verbundene Volks- und Trachtentag wird am Sonntag. 10 Iuni, durch eine Ausstellung der Hütten- berger Tracht und einen dem Sängerfestzug vorausgehenden historischen Festzug eine große Anzahl Interessenten nach Leihgestern führen. Hiernach ist zu schließen, daß unser Ort vom 9. bis 11. Iuni sich eines besonderen Zuspruchs aus Gießen und ganz Oberhessen erfreuen wird.
• Hausen , 22. Ma:. Unser Mitbürger K o n- raö Schüfe r I.. Veteran von 1870/71, kann am 25. d. M. seinen 8 0. Geburtstag begehen.
gr. Grüningen, 22. Mai. Die Haus- kollekte des Hilfsvereins für die Geisteskranken in Hessen brachte in unserem kleinen Dorfe die recht schöne Summe von 31 Mark. Man sieht hieraus, daß unsere ländliche Bevölkerung, die gewiß nicht auf Rosen gebettet ist, für mildtätige Zwecke noch eine offene Hand hat.
• Münster b Lich. 22. Mai. Am Sonntag begingen im Kreise ihrer Angehörigen Wilhelm D ö l l und Frau Elisabethe. geb. Pfeffer, im Alter von 81 bzw. 75 Iahren das Fest der goldenen Hochzeit. Beide sind noch rüstig. Die Einsegnung des Iubelpaares erfolgte durch Pfarrer S c r i b a - Wetterfeld, der z. 3. Pfarrer Ahlheim vertritt, zu Hause. Bürgermeister Heß überreichte dem Jubelpaar ein Glückwunschschreiben. sowie eine Ehrengabe von 25 Mark von der Staatsregierung und ein Glückwunschschreiben von dem Kreisdirektor des Kreises Gießen. Ferner wurde daS Iubelpaar durch ein Glückwunschschreiben deS Reichspräsidenten erfreut.
g. Holzheim, 22. Mai. Am Himmelfahrttage unternahm der hiesige Geflügelzuchtverein einen wohlgelungenen Ausflug nach Gießen mit Besichtigung des Tierzuchtinstituts „Oberer Hardthof". Unter Führung von Dr. Wetzel unterzog man die Anlage einer genauen Besichtigung, wobei Herr Dr. Wetzel die nötigen Erläuterungen gab. Man war allgemein erstaunt über die praktische Einrichtung. Iedem Tierzüchter ist eine Besichtigung dieses staatlichen Instituts sehr zu enwscylcn. Am Schlüsse sprach der 1. Vorsitzende, Bäckermeister Müller, Herrn Dr. Wetzel besten Dank für die Führung und die lehrreichen (3r- läirterungen aus.
Kreis Friedberg
WSN. Friedberg, 22. Mai. Die hiesigen Steinmctzarbeiter. wie auch die in Bad- Nauheim, sind weg«, Lohnsorderungen, ohne die Dchlichtungsverhandlungen abzuwarten, in den Streik getreten.
4 Bad-Nauheim, 22. Mai. Die heutige Sitzung der Stadtverordneten genelnnigte nach dreistündiger Beraiung den städtischen Haushaltungsvoranschlag für 1928. Aus Grund der eingehenden Besprechungen mit dem Finanzausschuß hatte die Verwaltung den in der Betriebsrechnung in Einnahme und Ausgabe mit 1580 450 Mk. und in der DermögenSrechnung mit 407 500 Mk. abschließenden Voranschlag abgeänbert, und in dieser Form erfolgte die Annahme. Die Aussprache mutzte wiederholt fests!eilen und anerkennen. daß der Voranschlag als Ganzes unantastbar sei und die Grenzen des Möglichen in allen Rubriken im Auge behalte. Es erfolgten deshalb für die Einnahmeseite nur AuS» gleichsanträge, die aber abgelehnt wurden. AlS Ausschlag auf 100 Mk. deS Gebäudewertes wurden 14 Pf. festgesetzt (seither 12 Pf.), während die Gewerbesteuer vom Ertrag von 1.35 Mk. aus 1.10 Mk. herabgesetzt wurde.
Kreis Schotten.
§ Ulrichstein, 22. Mai. DaS Kreis- s ch u l k i n o führte gestern unter Leitung von Kreisschulrat Kinkel, Schotten, den Schulkindern aus dem Bezirk Ulrichstein mehrere Filme vor. die großen Anklang fanden. Um 8.30 Uhr abends war im Saal des Gasthauses „Darmstädter Hof" eine Vorführung für Erwachsene. Der erste Film zeigte die Schönheiten der Winterlandschaft im sch lesischen Riesen gebirge und führte die Zuschauer an die Plätze, wo dort der Wintersport in Blüte steht. An zweiter Stelle stand der Märchenfilm »Tischlein deck dich", der dies schöne Grimmsche Märchen auf dem Boden unseres hessischen Stüdt- chens Schlitz und in feiner nächsten Umgebung vorführt. Schon dieser vielen Anwesenden bekannte, übrigens einzigartig geeignete Schauplatz der Handlung sicherte dem trefflichen Werf stärkste Anteilnahme. Der Trickfilm „Der Schwertfisch und der Kater", eine humorvolle Darstellung des Tierleben- auf dein Meeresgrund, reizte schließlich noch die Lachmu-keln der Versammelten auf- äußerste Zu bedauern war nur, dah der mit viel Mühe und Kosten veranstaltete Abend nicht besser besucht war. — An da- hiesige Postamt wurde Postassistent Heb le r, seither in Sisenach. versetzt. Hebler ist mit feiner Familie bereits hier eingezogen.
Kreis Alsfeld.
V Hom berg a. d. O.. 22. Mai. Bei Gastwirt dran» Wolf dahier hielt der Geflügel», Kaninchen- und Dogelzüchterverein 1921 Homberg a. b. O. und Umgegend eine gut besuchte Versammlung ab. Zwei neue Mitglielxr, Forstmeister Wagner und Ältbürgermeister Spam er zu Homberg, wurden in den Verein ausgenommen. Mit großem Interesse wurde der Bericht von Pfarrer Prätorius über die Vertreterversammluna des DezirkSverbandeS der Geslügelzuchtvereine Grünberg. Laubach. Rieder- Ohmen, Homberg, Alsfeld, Lauterbach und Schlitz zu Lauterbach entgegen genommen Danach findet dellen Ausstellung vom 7. bis 9. Dezember 1928 in Lauterbach, im nächsten Iahre in Rieder-Ohmen statt, während die Prvvinzialschau de- Verbandes hell. Geslügelzuchtvereine in AlSseld 9.—11. November 1928. die Lande-schau in Offenbach 11—13. Ianuar 1929 festgelegt ist. Auf erstgenannter Au-stellung soll nach dem Punktsystem gewertet werden. Für die entfallenden Punkte werden 60 Prozent des Standgeldes außer den gegifteten Ehrenpreisen r-ergeben. Das Standgeld mit 2.50 Mark pro Einzellier wurde als zu hoch empfunden. Einstimmig wurde die Abhaltung einer Sokalausstellung des Vereins in oer hiesigen Stadthalle vom 25 —27. Ianuar 1929 beschlossen, wobei da- Standgeld mit 2.50 Mark pro Zuchtstamm, 150 Mark für das Sin- Ad Her festgelegt wurde. Vier Satz Bruteier von Schwarzen Rheinländern, weißen Leghorn, gofb-
getupsten Thüringer Pausbäckchen und Silber- brafcl. von einigen Mitgliedern gestiftet, wurden ausqelost mit der Bedingung, baß den ausgewachsenen Tieren der Dundesring 1928 angelegt werden soll. Eine Tätvwierzange für Kennzeichnung deS Alters der Kaninchen soll beichaft werden.
Kreis Lauterbach.
Enget rod. 22. Mai. Am Sonntag verabschiedete sich in seinem letzten, überaus stark besuchten Gottesdienste Pfarrer L e tz i n g von seiner Gemeinde, um in dieser Woche an seinen neuen Wirkungsort Ortenberg überzusiedeln. Der Kirchenchor verschönte die feierliche Stunde mit zwei Liedern. Die ganze Kirchengemeinde Engelrod sieht ihren beliebten Seelsorger und tüchtigen Kanzelredner mit großem Bedauern scheiden, hat er es doch verstanden, in der verhältnismäßig kurzen Zeit von nur 5> . 3obren mit allen Teilen der Bevölkerung in ein her,- licheS Einvernehmen zu kommen. Die vor drei Iahren einaeweihte Kricgergedächtniskapdle auf dem Friedhof ist im wesentlichen sein Wert. Im vorigen Iahre wurde aus seine Veranlassung mit der 3nnenrenomcruno ** bw Kirche ein beträchtlicher Ansong gemacht. Der scheidende Geistliche legte der Gemeinde noch einmal ans Herz. die Kirchenerneuerung ja bald toeiter- zuführen. damit \um nächstjährigen Erinnerung?- tag an das 75 jährige Bestehen der Kirche sowohl Aeußeres. wie Inneres der Kirche in würdiger Verfassung sei. Am Abend ließ es sich auch der Männergesangverein nicht nehmen, mit einigen Liedern dem scheidenden Psorrer noch einmal seinen Dank für feine Wirksamkeit und ein herzliches Lebewohl zuzurufen. Leider wird der Wegzug des Geistlichen sich im kirchlichen Leben sehr bemerkbar machen. An beiden Pfingstfeiertagen findet nur Lesegottesbienst statt. Es ist zu hoffen, daß trotz des gegenwärtigen DfarrermangelS die Kirchengemelnde bald wieder den Segen einer geregelten Seelsorge genießen darf.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
<> Dornholzhausen. 22. Mai Am Samstagabend fand in her Gastwirtschaft 9tüt)l Hierselbst eine Derfammlung brr hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Bau und Sieb' lungsgemeinschaft statt, die sich eine# guten Besuches, auch von auswärts, erfreute. Bezirksoertreter (k f f t n g • r (Butzbach) sprach über Die Hergabe von Darichn zur Uebernayme bereits bestehender Wohnhäuser bei erblichen Auseinander- jetzunaen. Da diese Frage bei den Erdfchaflsousein- andersetzungen auf dein Lande eine große Rolle spielt, wurde ec- von der Versammlung außerordentlich begrüßt, daß die Gemeinschaft nunmehr auch Geld für derartige Zwecke zur Verfügung stellt. Zweifellos dürfte' auch die Ausdehnung der Gemcinschaftstütigkeit auch auf diese Fälle der Mitgliederkreis eine weitere Vergrößerung erfahren.
<> Oberkleen, 22. Mal. 3agbauHcbcr Eigenstetter von hier, der erst Anfang biefe# Monats einen kapitalen Keiler zur Strecke brachte, bat in den letzten Tagen im Distrikt 10 de- btefigen GemeindewaldeS weitere sechs Stück Schwarzwild erlegt. Bei den erlegten Tieren handelt er sich um zwei Uebertäufer tm Gewichte von 35 bis 40 Kilogramm und um vier Frischlinge. Ein Uebertäufer hatte sich im reu angelegten Sausang gefangen unb würbe in bleiern abgeschvssen.
Kreis Vicdenkopf.
T WalbairmeS, 22. Wal. Der älteste Bürger unb letzte Veteran unseres Orltf von 1870-71 wurde heute im Alter von 80 Iah- ren unter großer Deiciligung zu Grabe getragen. Es war der durch seinen früheren Beruf im südlichen Hinterland bekannte Schornsteinfeger- meister Philipp Best. Der Ärieaervcrtin. dessen Gründer vor mehr als 50 Iahren und dessen langjähriger Vorsitzender er war. gab ihm das letzte Geleite und würdigte seine Verdienste beim Kranzniederlegen am Grabe. Best hat eine harte Lebensschule durchgemacht. Zwei Frauen unb zehn Kinber hat er vor sich inS Grab sinken sehen, vor fünf Wochen noch einen 33j^h- rigen verheirateten Sohn. Nur ein Sohn überlebt ben Vater. Dest war noch mit ganzer Seele Hesse unb hina mit großer Vorliebe an feinet früheren KreiSstabt Gießen.
e Er um buch, 22. Mai. Trotz des zeittveiliwm RegcnS am Himmelfahrttage wart» uni bis Freude bereitet, die stattliche Iuaenbge- meinbe von Simmersbach bet un- zu Gast zu sehen. Zwei Lastautos mit jungen Burschen und Mädchen, die unser Pfarrer während 6-jährigen B-emühen in seiner früheren Gemeinde gesammelt unb betreut hatte, statteten chrem Seelsorger einen ersten, großen Besuch ab unb sanden dank der Gastlichleit der Trumbacher Gemeinde recht freundliche Aufnahme unb gute Bewirtung. Es war ein für unsere Gegend ungewohnter, ober woPtuender Anblick, fast die gan»e Iugeno einer K i r chen g em ei n ve jugenbfrvh und wohlgesittet um daS Barmer Ml Himmelfahrtkönigs und der Kirche geschart zu sehen: wie es ja doch eigentlich in allen Kirchengemeinden sein sollte. Unb wie da- edelste Tun unb die köstlichste Betätigung darin besteht. Freude zu bereiten, so schenkten unS die lieben, jungen Gäste einen Tag ungetrübter Festessieuhs unb Stimmung durch ihr fdföne# Gingen u* Spielen und durch eine recht eindruck-volle, viel« unvergeßliche Feierstunde in unserem Kirchlet». Recht deutlich trat so unsere Gemeinde. Eltern wie Kindern, die Notwendigkeit unb der Segen einer bewußt christlichen Gesinnmigspsleg? t* unserer Iugend uitage. unb mancher from« Wunsch mag mit Recht bei Vätern unb WüttrtN angesichts den vielen sich bewußt zu Gott n,d Kirche bekennenden jungen Menschenkinder ia- Herz gestohlen haben.
Große Gemäldefalschungen in Frankfurt aufgedecki.
WSN. Frankfurt a. M., 22. Mai. 5V Kriminalpolizei gelang es dieser Tage, eine qh>V Fälscherfabrit aufzubecken. die sich«' ber Herstellung wertvoller ®emäl' be meist alter Meister befaßte. Cd: längerer Zeit wurden derartige BiDer in K» Dell geschickt bzw. durch Anttauitätenhäick^ vertrieben unb zu guten Preisen umaesetzt. Schon nach Dem Verkauf ber ersten JalNflkM kam ber Verdacht auf. bah es sich um aefchiö» Fälschungen handeln müsse, unb nach länget» Ermittlungen verhaftete bfc Kriminalpolizei di*X kleinen Kunst- unb An ti q u i t ä t en hänö ler aus Frankfurt a. M., ber diese Fälschung«! vertrieben hat. Dia Bilder wurde« von «taWW


