Ausgabe 
23.4.1928
 
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Nr. 95 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Montag, 25. April,928

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Lietzener ^amtlitnblättei Heimat im Bild Die Scholle

monati-BeingiFttls;

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General-Anzeiger für Oberhesfen

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Sranfiurtam main 11686. Dnid Ditö Dtrlag: vkühl'sche Unioe» sitäiL-buch und Stcinörudcrd R. £ange in Sietzen. Sdfriftleihing und Geschäftsstelle: Zchnlttratze 7.

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Thefrebakteur

Dr Jnebr. Dich Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Dich Lange für Feuilleton Dr HTHynot, für ben übrigen leil Ernst Diumschein: für ben An­zeigenteil Kurt Hivmann, sämtlich in Gießen.

Die Kammerwahlen in Frankreich.

Der Wahltag.

Paris, 22. April. (WB) Die Dahlen haben sich in ganz Frankreich, soweit bis zum späten Nach­mittag Nachrichten oorliegen, ohne Zwischen­fälle vollzogen. Der Wahlakt begann um 8 Uhr und wurde um 18 Uhr geschlossen. 3n Paris zeigte sich vor den einzelnen Wahllokalen im Laufe des Nachmittags die übliche Tätigkeit, die im fjcran- schleppen der säumigen Wähler besteht. Im übrigen haben die verschiedenen Parteien im Lause der oer- Sangenen Nacht durch auffallende Plakate für ihre andidaten geworben. Die Wahlbeteiligung soll sowohl in Paris als auch in der Provinz eine stärkere gewesen sein als im Jahre 1924. Der Präsident derRepublik, der in Rambouillet weilte, hat sich heute vormittag in aller Frühe nach 'Parts begeben, um (Ine Wahlvflicht zu erfüllen. Er hat sich kurz nach halb neun Uhr nach dem Wahl­lokal des Bezirks des Elysse begeben und ist bann nach Rambouillet zurückgekehrt P o i n c a r 6 hat im Maasdepartement, in der Gemeinde Samplgny, In der sein Landsitz liegt, sein Wahlrecht ausgeübt.

Das vorläufige Wahlergebnis

Paris, 23. April. (1DIB. Junffprud).) Vas Innenministerium läßt durch die havasagenlur fol­gende Uebersicht über bas Wahlergebnis veröffent­lichen, bie ble Ergebnisse von 602 brr 612 oorzu- nehmenben Wahlen enthält. Ls stehen noch aus ein Ergebnis au» Korsika und neun aus ben Ko­lonien. Bon ben 602 vorliegenden Ergebnissen sind 175 endgültige, d. h. Abgeordnete, die i m ersten wahlgang gewählt wurden. 3n 427 Fällen hat Stichwahl ftallzuslnben. Die 175 Sitze oer­teilen sich aus die einzelnen Parteien wie folgt:

Rechtsstehende 13,

Rechtvrepubiikaner (Warin) 72, ClnferepubHfanet 41, Rechte Radikale (Coudjeur) 15, Radikale 16,

Sozialrepublikaner 4.

Sozialisten 14, Kommunisten 0.

E» werden gemeldet die Wiederwahl von vriand, f) c r r l o t und Iardieu , hanbels- minifler Vokanowvki, der radikale Abgeord­nete w a I v y , die sozialistischen Abgeordneten L h a st a n e t und Vincent A u r i o l, der katho­lische Abgeordnete Lhampetier» de Ribe». Unter den Wiedergewählten befinden sich weiter der Abgeordnete FIandln von der Fraktion Bo- kanowski, der sozialist sche Abgeordnete Paul- B o n c o u r , der elsässische Abgeordnete P l o eg e r. Reu gewählt wurde der frühere radikale Senator und Minister Francois Albert. Ls bestätigt sich, baß der sozialistische Führer Leon Blum in Stich­wahl gegen den kommunistischen Abgeordneten Vuclos steht, und bafj ebenfalls der kommu­nistische Abgeordnete L a ch i n in den zweiten Wahlgang gehen mutz. Auch der Abgeordnete Coudjcur und der Vorsitzende der Radikalen Partei, V a l a d i e r, werden ihre Wandate im zweiten Wahlgang zu verteidigen haben. Pensions­minister Warin wurde wiedergewählt, ebenso Kammerpräsident B o u i s s o n. Unter den Gewähl­ten befindet sich ferner der warineminister £ e t) - gues. 3n Stichwahl steht der radikale Wirtschafts- Minister Queuille. Einer der Gegenkandidaten des sozialistischen Abgeordneten Blum, der Radikale Franklin Bouillon, lätzt bereits durch ha- va» erflären, datz er im zweiten Wahlgang zu­gunsten Blum» z u r ü ck t r i t t. Kriegsminister P a i n l e v s steht in Savoneu in Stichwahl Ls haben ihm siebzig Stimmen an der absoluten Mehrheit gefehlt.

Die Wahlen

in Elsaß-Lothnngen.

Tie Haltung der -lulonomislcn.

©traftbutg, 22. SlptU. (LU.) Die bisherigen Meldungen über die Wahlergebnisse aus Ellaft- Lothringen lassen erkennen, datz, wie erwartet, in den deutschsprachigen Wahl­kreisen fast durchweg Stichwahlen notwendig sein werden. 3m Wahlkreis ©traft- burg-©tadt I erzielte der Herausgeber der seit Monaten unterdrückten autonomistischen Wochen­schrift »Die Zukunft". Paul © ch a 11. obgleich er selbst seit Monaten wegen angeblicher®o* führ düng der Staatssicherheit" in Unter­suchungshaft ist, 3634 Stimmen, während der gleichfalls heimatlich (autonomistisch) einge­stellte Kommunist Haas 5368 Stimmen auf sich vereinte. Ihnen gegenüber stehen in dem­selben Wahlreis der Sozialist (Antiautonomist) P e i r o t e s mit 6293 Stimmen, der gleichfalls antiautonomistische Radikalsozialist Oe finger mit 620 Stimmen und der französische Nationalist © t a e h l i n g mit 5437 Stimmen. 3m Wahlkreis Straftburg-Stadt II erreichte der Sozialist Weill 4847 Stimmen und der Demokrat (Antiautonom.) <A a r c i n 3427 Stimmen. 3hnen gegenüber der Kommunist Wahrer mit 4527 Stimmen.

Lehr beachtlich ist von den Ergebnissen im Lande bisher die überraschend hohe Anhänger­schaft des im Gefängnis befindlichen Führers der Autonomiebewegung. Dr. Ricklin, der im Kreise Altkirch über 5000 Stimmen ohne jede

Wahlvorbereitung und ohne jede Presseunter- stühung erlangte. Dabei ist zu beachten, daft auch der offizielle katholische Kandidat Silber- m a n n von der französischen Presse als An­hänger der Autonomicbewegung bekämpst worden ist, so daft auch seine 4000 Stimmen als Be­kenntnis zum Heimatgedanken gelten können.

3n Mülhausen im Eisaft hat der Sozialist G r u m b a ch , der in Stichwahl steht, die höchste Stimmenzahl erlangt. An zweiter Stelle steht der aus dem Haegyprozeft bekannte Advokat K r a e h l i n g (Autonomtst). Der Autonomist Buchdrucker H a u ft . der in Eolmar in Hast sitzt, erzielte im Wahlkreise Gebweiler 5932 Stimmen und steht in Stichwahl mit dem bisherigen Ab­geordneten Michel Walther, der 7000 Stim­men erzielte. Der Autonomist Bosse, der sich gleichfalls in Haft befindet, brachte es in Eolmar auf 8500 Stimmen. Der kommunistische Kandidat in diesem Wahllreis brachte es auf 4000 Stim­men. Bon bekannten Elsässern sind wieder- gewählt worden: die Abgeordneten Ober­kirch und Seitz, wiedergewählt ist auch der ehemalige Kriegsminister Abgeordnete OH a gi­ltst.

Der Ruck nach rechts.

Die Pariser Presse zum Ergebnis des ersten Wahlgangs.

Paris, 23. April. (WTB. Funkspruch.) Die CHIorgenblälter besprechen die bisher vorliegen­den Ergebnis e des ersten Wahlganges und stellen einmütig fest, daft die Voraussage, datz nur eine relativ geringe Zahl von Man­daten i m er ft en Wahlgang erworben würde, sich bestätigt hat. Die .Victoire" schreibt, daft die Zahl der zweiten Wahlgänge so be­trächtlich sei, daft man sich vor jedem über­stürzten Urteil hüten müsse, jedoch sei der erste Eindruck nicht so schlecht, wie der, den

man am 11. Mai 1924 gehabt habe. Der.Popu- lairc" erklärt: der Buck nach recht- ist offenbar, die Reaktion gewinnt unter den verschiedenen Hamen, die sie angenommen hat. »Matin' führt auS: Erst am 30. April wird man sich mit voller Sicherheit über das Wahlergebnis aussprechen können, aber der gestrige Tag gestatte alle Hoffnungen. Er ebnet den Weg zum Sieg der nationalen Kräfte unter der Aegide deS Ministeriums Poin- c a r 6, und er bedeutet die fast nicht wieder gut zu machende Riederlage der Bande, die im Dolde von Moskau steht. ,3ournal" schreibt: Die Mehrheit der künftigen Kammer wird es ohne Zweifel Ministerpräsident Poin - c ar 6 erlauben, seine Politik der finanziellen Sanierung fortzusehen und zu vollenden. Wenn die Kommunisten auch in den groben Arbeitervierteln ziemlich viel Stimmen erhalten werden, so ist doch keiner ihrer Führer im er ft en Wahlgang gewählt worden. .Quotidien" sagt: Wenn die republikanische Diszi­plin sich überall betätigt, so wird die neue Kam­mer politisch nicht sehr verschieden von der alten sein. Das Schicksal der kommenden Legislatur­periode ist also in den Händen der Führer der Demokratie, sie mögen sich verständigen.

Oie Zusammensetzung der alten Kammer.

Zu Vergleichszwecken geben wir in folgendem die Zusammensetzung der bisherigen Deputiertenkammer. Nach einer amtlichen Statistik sind 612 Kammerplätze au vergeben. Durch die Rückkehr zu dem Eincrwahl- faftem hat sich die Zahl der Abgeordneten um 28, also von 584 auf 612 erhöht. Die 584 Sitze waren auf die Parteien wie folgt verteilt: Reaktionäre 11, Rcchtsrepublikaner, darunter die Gruppen Marin und Maginot, 28, Linksrepublikaner 85, Radikale Linke (Louchcur) 48, Radikale 135, Sozialrepubli- taner 48, Sozialdemokraten 102, Kommunisten 27.

9er französische pakientwnrf in Berlin überreicht.

Ungefähr eine Woche nach ilebcrgabc der amerikanischen Rote über den Entwurf eines internationalen Vertrages zur Vermeidung aller Kriege ist auch die französische Rote mit einem entsprechenden Vertragsentwurf denselben fünf Großmächten überreicht worden. Gleichzeitig hat die französische Regierung den Vertrags­entwurf in Paris veröffentlicht. Um die Haupt­sache vorwegzunehmen, läftt sich nur sagen, daft der französisch« Entwurf keine Ueberraschungen bringt, sondern im wesentlichen nur das be­stätigt, was bereits aus der Vorgeschichte des Vertrag- bekannt ist.

Wenn man die beiden Vertragsentwürfe mit­einander vergleicht, dann findet man im fran- Aösischen die Vorbehalte eingefügt, die bereits in der amerikanischen Begleitnote geschildert worden lind. Frankreich will, daft die vertragschließenden Parteien sich verpflichten, sich eines Krieges als Mittel der nationalen Politik, d. h. als Mittel einer persönlichen politi­schen Handlung nicht zu bedienen, falls sie nicht zu einer derartigen Handlung durch die Ausführung eines Vertrages, wie beispielsweise des Völkerbundspaktes oder anderer beim Völkerbund eingetragener Ver­träge, gezwungen sein sollten. Für den Fall, das) eine Der unterzeichneten Parteien ihre Ver­pflichtungen verletzen sollte, sollen alle übri­gen dieser Macht gegenüber volle Hand­lungsfreiheit zurückerhalten. Durch die Srnseitigen Vereinbarungen dürfen die Rechte

Verpslichtun -en, die auf internatio­nalen Abmachungen ältern Datums beruhen, nicht berührt werden.

Die franzö ifche Rote bringt auch geschickter­weise den alten Zankapfel vomrechtmäftigen Verteidigungskrieg" wieder hinein, der zur Siche­rung derbestehenden Verträge", soll heiften des Versailler Diktats, erlaubt sein soll. Der ganz kurzen klaren Fassung des amerikanischen Entwurfs gegenüber bedeuten diese Sätze der Franzosen also eine Reihe von juristischen Spitz­findigkeiten und Vorbehalten, die aller­dings, wie die Amerikaner gleich richtig erkannt haben, nur den Zweck verfolgen, den Schein der Friedfertigkeit zu erwecken, im übrigen aber alles beim Alten zu lassen.

Selbstverständlich wird die Reichsregierung auch den französischen Entwurf sehr sorgfältig prüfen, wie sie es mit dem amerikanischen ge­tan hat. Zwischen den Mächten wird sich nun auch ein reger Gedankenaustausch über die beiderseitigen Vorschläge entwickeln, und des­halb wird es eine Weile dauern, bis man zu irgendwelchen Ergebnissen gelangen kann. Aber gerade der französische Entwurf müftte die Reichsregierung veranlassen, ihre bedingungslose 3uftimmung zu dem amerikanischen Vorschlag so bald wie irgendmöglich in Washing­ton mitzuteilen.

Der Veriragsiext.

Berlin, 22. April (TU.) Der am 20. April 1928 von dem französischen Botschafter de W ar­ge r i e im Ramen des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Driand dem deutschen Außen-

Minister überreichte Paktentwurf hat folgenden Worllaut:

Der d.e u t s ch e Reichspräsident, der Präsident der Vereinigten Staaten von Ame­rika. der Präsident der französischen Re­publik, Seine Majestät der K)nig von Eng­land, 3rland und den britischen Dominien. Kaiser von 3ndien, Seine Majestät der König von 3 t a l i e n. Seine Majestät der Kaiser von 3 a p a n, in gleicher Weise von dem Wunsche beseelt, nicht nur die glücklicherweise jetzt zwi­schen ihren Völkern bestehenden friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen dauerhaft zu gestalten, sondern zugleich die Gefahr eines Krieges zwischen allen Mächten der Welt zu beseitigen, darüber einig, in einem feier­lichen Akt ihren äufterft förmlichen und klaren Beschluft festzulegen, den Krieg als Werk­zeug der nationalen Politik zu ver­werfen und auf dir friedliche Regelung inter­nationaler Konflikte hinzuarbeiten, schließlich der Hoffnung Ausdruck verleihend, daft alle an­deren Rationen der Welt sich diesen im 3nteresse der Menschheit gelegenen Bestre­bungen anschlieften werden, um das Zu­sammenwirken der zivilisierten Völker in einem einheitlichen Verzicht auf den Krieg als Werk­zeug der nationalen Politik zu verwirklichen, haben beschlossen, einen Vertrag zu schließen, und zu diesem Zweck zu ihren Bevollmächtigten ernannt: der deutsch? Reichspräsident (usw. wie oben), die nach Austausch ihrer in guter und gehöriger Form befundenen Vollmachten, die fol­genden Bestimmungen vereinbart haben:

Artikel 1.

Die hohen vertragschließenden Parteien erklären feierlich, ohne damit die Ausübung ihres Rechtes auf rechtmäßige Verteidi­gung beeinträchtigen zu wollen, so wie diese in den bestehenden Verträgen festgelegt ist, besonders, wenn solche Beiträge d i e Verletzung gewisser darin enthalte­nen Bestimmungen einem feindlichen Akte gleich st eilen, daß sie die Inanspruch­nahme des Krieges verurteilen und auf ihn als Werkzeug der nationalen Politik verzichten, d. h., zur Ausführung einer persönlichen, spontanen und unabhängigen politischen Handlung, die sie aus eigenem Antriebe vornehmen würden, ohne sich dazu durch die Anwendung eines Vertage» wie der Völterbundssatzung ober irgendeines anderen beim Völkerbund eingetrage­nen Vertrages veranlaßt zu sehen.

Artikel 2.

Die Regelung oder Entscheidung aller etwa zwischen den hohen vertragschließenden Parteien entstehenden Streitigkeiten oder Konflikte, welcher Natur oder welchen Ursprungs sie auch sein mögen, wird von dem Beteiligten niemals anders als auf friedlichem Wege angestrebt werden.

Artikel 3.

Denn eine der hohen vertragschließenden Par­teien diesen Vertrag verletzten sollte, würden die anderen vertragschließenden Mächte dieser gegen­

über von Rechts wegen von ihrem in dem Ver­trage übernomemnen Verpflichtungen befreit sein.

Artikel 4

Die Bestimmungen dieses Vertrage» beeinträch­tigen in keiner Weise die Rechte und Pflichten, die sich für die vertragschließenden Mächte aus frü­heren internationalen Uebereintom- men, an denen sie beteiligt sind, ergeben.

Artikel 5.

Alle Mächte werden zum Beitritt zu diesem Vertrage aufgefordert werden: der Vertrag wird erst in Kraft treten, nachdem er allgemein an­genommen fein wird, es sei denn, daß die unten bezeichneten Signatarmächte in Ucbcrcinfttm- mung mit den inzwischen beigetretenen Möchten sich darüber verständigen, das Inkrasttreten des Vertrages trotz des Fehlens einzelner Beitritt­erklärungen zu beschließen.

Artikel 6 enthält technische Bestimmungen über die Ratifizierung de» Vertrage».

Enttäuschung in Amerika.

W a s h i n g t o n, 21. April. (WB.) Der erste Ein­druck, den der sraiizöfische Eintwurs eines Antikrieps­paktes im Staatsdepartement hervorries, war eine gewisse En11 äuschung und Ueberraschung dar- über, daß Frankreich aus die Einfügung von Klauseln bestehe, deren Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit man hier nicht anerkennt. Zum Beispiel wurde im Statsdepartement erklärt, selbstverständlich habe jeder souveräne Staat ein Recht auf Selbstverteidigung, wenn man diese Be­stimmung aber in einen formellen Vertrag auf- nehme, so würden sofort Streit und Zwei­fel über ble Definition des Begriffes 6 c l b ft o e r t e l b t g u n g" entstehen, unb jeden falls würde das Gefühl der Sicherheit vor künfti­gen Kriegsgefahren vermindert werden. In den Kreisen des Staatsdepartements geht bie all- gemeine Meinung babtn, daß feiner der in dem französischen Entwurf für die Kriegsächtung ent­haltenen Vorbehalte annehmbar erscheint.

Den Nordpol überflogen.

Kühne Tat zweier Amerikaner.

Berlin, 21. April. (Hl.) Wie au» Oslo be­richtet wird, ist dort eine Nachricht von den amerika­nischen Fliegern Milkins und L y e l s o n. die vor sechs lagen von Alaska abgeflogen waren, aus 5 o a l b a r b auf Spitzbergen einge­troffen, wonach die Flieger dort vor fünf lagen nach 21flünblgem Fluge gelandet sind. Die Flie­ger sollen ben Nordpol überflogen haben. 3hre Landung war in ödester Milbnis er­folgt, so baß sie erst von norwegischen Kolon stcn geborgen werden konnten, die zufällig In die Einöde gekommen waren, wie Berichte au» Green Harbour (Spitzbergen) besagen, wurde da» Flugzeug des Kapitän» wilkins durch Schnee st ürme zur Landung gezwungen. Green Harbour ist die südlichste Bucht von 3ssourd. wilkins und sein Be­gleiter haben dort in einem Dorf, da» von Berg­arbeitern bewohnt Ist, Unterkunft gefunden. Sie wer­den gezwungen sein, hier bis zur Lis- unb Schneeschmelze zu bleiben. 3n Green Har­bour, da» die Flieger nunmehr erreicht haben, be­finden sich zur Zeit nur fünf Personen zur Bedienung der drahtlosen Regierungsstation und möglicherweise einige Wachleute. Green Harbour hat in den letzten Tagen bis zu 25 Grad Kälte gehabt. Auch Schneefall war zu verzeichnen.

Aus englischer Seite, wo man an dem Rord- Polslug großes 3nte:esse bekundet, wird als das Ziel Witkins bezeichnet, die von Amundscn, Robile und Ellsworth bei Llebersliegung Rordpols mit dem Luftschiff .Rorge" im Mai 1926 unbeachtet gelassenen Aufgaben zu löten. Kapitän WittinS hat bereits die dritte Po - larexpedition unternommen. 3m 3ahre 1926, während die .Rorge über den Rordpol flog, machte er verschiedene Lufterkundungsslüge. Von einem dieser Flüge kam er nicht zurück und wurde erst nach dreizehn Tagen mit seinem im Eise eingefrorenen Flugzeug befreit. 3m Vorjahre unternahm Wilkins mit seinem diesmaligen Begleiter einen vierzehntägigen Flug in unbekannte arktische Gebiete, wobei sie durch einen jede Sicht unmöglich machenden Schnee- fturm, hundert Meilen von Point Darrow (Alaska) entfernt, zur Landung gezwun­gen wurden. Rach abenteuerlicher Reise trafen die beiden Flieger damals vierzehn Tage später in Point Beechey ein. 3m 3anuar vorigen 3ahres unternahm Wilkins einen dritten Ver­such, der wiederum scheiterte.

Auch in Reuhork wird die Uebersliegung deS Rordpols durch WilkinS und Eyleson in 211 , Stunden als ein Ereignis bewertet, das bisher alle Expeditionen ähnlicher Art in der Polarregion in den Schatten stellt. Der Direktor der amer.ikar.i chen Eeographi chen G. el chast Tr. D o w m a n, der den Flug förderte, erklärte, daft er eine kurze Radio- und Kabelmeldung von Kapitän Wilkins erhalten habe, die besage, daft die Flieger, kein Land seftstellten. Als den Hauptzweck deS Fluges bezeichnet Dvwmcm