Freitag, 25. Mürz (928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Psychosen
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also ab von gewissen anderen so stimmt doch die Rechnung
Sieht man also ab von
kehrenden Kinder, die Mütter und Großmütter
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ein Kind cm der Hand zu halten.
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jubelte auf und mehr den roten Mond entgegen»
Man mutz deshalb diese Frage doch Prin- ' -chieller betrachten, ohne damit das Verhalten dieser Völler auch nur irgendwie entschuldigen m wollen. Es handelt sich eben im Grunde gekommen um eine grundsätzliche tirnstellung in. der gesamten politischen Auffassung. Datz dies nicht ohne weiteres möglich ist, zumal es |:d) vielfach auch dabei um die Aufgabe lieb- gsDordener Privilegien handelt, erklärt sich eben aus dieser unerhörten Veränderung der Lage. Man wird deshalb in Genf doch noch lange beraten müssen, ehe man zu einem Resultat k»nmt. England wird ebenso nicht gleich zu einer ' arideren Auffassung von seinem Imperium körn- nten. Derartige Maßnahmen aber, wie die Pol- imlche Grenzschuhverordnung und die Hinaus- -.ogerung der Rheinlandräumung sind nur ge-
Lichtspielhaus Bahnhofstraße.
Bajazzos Freude und Leid wird in dem Film „Manege', der eben im Lichtspielhaus Bahnhofstraße läuft, in packender Weise erzählt. Es ist die Geschichte zweier Bruder, der Artisten Flamingo, deren inniges Bru-
reits sichtbar zu fein, da es Rächt war.
Ich wies ihn Donata: sie erklärte, sie wolle jetzt nicht Wolken, sondern dem weißen
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0ßt 19, 1306.
So fabulierte ich für Donata daher: aber mit einem Male merkte ich, daß ich meinen Märchenfaden nur noch für mich weiterspann: für jene andere Donata, die, immer noch ein Kind, in meinem unverbesserlichen Herzen lebt, traumbegierig und wundersüchtig. Die wirkliche Donata hatte nämlich die Augen geschlossen und war. das Köpfchen auf meinem Arm. eingeschlafen. Zwischen wirren Gesichten vom fahrenden Mond und von tanzenden Sternen hatte sie der Schlummer überrascht.
(Berechtigte tiebersetzung von Harry Kahn.)
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Wolken?" . , o. , ,„
.Fünf Minuten, wenn wer rasch gehen, Ltebes.
I^lnd wenn wir oben sind, wie kommen wir wieder herunter?" .
„2lch, da gibt es Lufttreppen: die hast du nur noch nicht gesehen."
..Welche Farben haben denn die Lufttreppen / Sie wußte ganz genau, daß wir „spielten. 2lber sie tat so, auch vor sich selber als glaubte sie daran: es machte chr eben Spatz, lu „glauben." , . ,
Die Wolken entzündeten sich immer mehr, entwickelten und verwandelten sich dabei in die verrücktesten und verzerrtesten Formen: aus Drachen wurden Walfische, aus Walfischen Turme, aus Türmen Adler. aus Adlern Segelboote. Die ganze Skala des Feuers erbrannte in ihnen, von Rauch bis zu Glut. Die Luft, die Dinge und Gestalten in dieser Luft wurden £u Wythengebilden: die auf der Allee heim-
Folgen - Ursachen...
Selten hat ein Prozeß von zunächst ausgesprochen privatem Charakter derart das Interesse und die Meinungen aller Schichten eines Volkes aufgerührt, wie der Kranh-Prv- z e h, jener übermäßig aufgebauschte Abschluß einer zwar aufschlußreichen, aber allgemein überbewerteten Fugendtragödie. Seit einigen Wochen sind die Gerichtsakten über den Fall geschlossen, aber die Akten der öffentlichen Meinung sind nach wie vor offen: es scheint, als wolle die Debatte darüber kein Ende nehmen, wenigstens kein vernünftiges und fcucytbares. tinb nur solch ein Abschluß hätte Sinn und Zweck. Ganz
gehen.
Schön: warum nicht. . . Wir machten also kehrt und bewegten uns auf den weihen Mond zu. Ich dachte aber bei mir, es sei an der Zeit, Donata nach Hause zu ihrer Mutter zu bringen. Das Haus war ziemlich entfernt; und ihrem Gehüpf und Gezwitscher zum Trotz schien mir die Kleine müde; ich hob sie also, die darüber aufjubelte, in eine gerade vorbeifahrende Autodroschke mit zum Glück aufrecht stehendem Ta» xamcterfähnchen. Ich schmiegte sie an mich; sie war glücklich, aber ihre Augen, die schillerten wic eine sich im Wasser spiegelnde Wolke, blieben auf ten Mond gerichtet. Als sie ihn nicht mehr sehen konnte, wurde sie nachdenllich und fragte
.^Waruin fährt der Mond nicht im Auto?"
Da wußte ich im Augenblick nichts zu antworten: ich konnte nicht einmal lächeln. Aber die großen Augen Donatas ließen nicht von mir ab. und ihr reiner Blick hatte etwas so Forderndes, es war darin ein solches Verlangen nach einem „Märchen", ein solcher Wunsch, etwas für wahr halten zu dürfen, was über aller Wahrheit ist, daß die Spanne eines Atemzugs genügte, uns zu verständigen, und daß ich, zu meinem eigenen Ergötzen, also loslegte:
„Der Mond? Aber natürlich: der fährt auch im Auto, wenn er nicht mehr laufen kann und wenn er noch weite Wege zu machen hat. Das Mondauto ist allerdings nicht so wie unsere Autos, kannst du dir denken: seine Räder und Sitze sind aus Sternstaub, der ist leichter als Luft, und der Motor besteht nur aus Feu-r. Der Mond darf auch nur darin fahren, -wenn es ifym der liebe Gott erlaubt. Der Mond hat auch viele Freunde und Freundinnen unter den Sternen, bie nicht immer von ihrem blauen Garten fort können. tinb da fährt er zu ihnen zu Besuch, alles in seinem Auto mit hunderttausend Kilometer Stundengeschwin-
Süddeutsche Gastwirtsmesse in Oarmstadi.
Die erste Süddeutsche Gastwirtsmesse, die in Verbindung mit dem 45. Verbandstag des Rhein-Main-Gastwirteverbandes (Hefsifcher Landesverband) in der neuen städtischen Festhalle ju ©arm* stadt stattfindet, hat nicht nur bei den Ausstellern aus dem gesamten Jnteressentreis des gastronomischen Gewerbes, sondern auch bei allen staatlichen und städtischen Behörden Beachtung
vier Fahre — , . r . „ _
Es ist so süß, es ist trostreicher als alles,
und Dienstmädchen.
Am andern Ende des Himmels, im Osten, der mehr grün als blau schimmerte, erschien jetzt der runde Vollmond, perlmutterblaß in ferner Vorabendhelle: es war, als schäme er sich, be° ----- ‘ " doch noch nicht
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derverhältnis durch eine Frau zerstört wird, die dann jahrelang als Todfeinde nebeneinander leben, in dieser ganzen Zeit nicht ein Wort zusammen sprechen und doch jeden Abend gemeinsam auf dem Turmseil stehen, um dort dem Publikum rund um die Manege ihre mit Todesgefahr verbundene artistische Kunst zu zeigen; die non' Erfolg zu Erfolg schreiten und doch unversöhnt bleiben -- bis abermals eine Fran in das Leben des einen der Brüder tritt. Uni) nun erreicht Bajazzos Erzählung von Freud und Leid seinen gewaltigen Höhepunkt, tim dieses Mädchen ringt Ralf Flamingo mit dem gewissenlosen und grausamen Stiefvater, der das ihm anvertraute junge Menschenkind um Geldes willen der Manege und der sensationslüsternen! Menge zu opfern bereit ist. In diesem Ringen wird der Bruder Ralfs zum Schicksalswender, um an dem Bruder wieder gut zu machen, was er einst an ihm gefehlt. Mutterliebe greift nun in dieses dramatisch starke Geschehen ein und läßt in höchster Ge.ahr die Mutter die Schußwaffe zum Mord am Gatten und Stiefvater ergreifen, um dann aber verständnisvolle Richter zu finden und zu erleben, wie zwei Brüder nach der jahrelangen abgrundtiefen Feindschaft sich versöhnt wieder zusarnmensinden, und einem jungen Mädel das erhoffte Glück erblüht. Das ist in großen Strichen der Inhalt der Handlung. Kein Kitsch, sondern eine feingestaltete Erzählung aus dem Artistenleben.
Die Bildwirkung ist außerordentlich stark, zahlreiche vortreffliche Ausnahmen von Zirkusatt ak- tionen und wohlgelungenen Zirkustypen beleben das Ganze und bilden eine wirkungsvolle tim- rahmung des Kernstückes. Man erlebt bei diesem Film Theater im Theater, ein Schauspiel voll starker Spannung von Anfang bis Ende, frei von jeder ermüdenden Rebenhandlung, straff zusammengesaßt von stärkstem künstlerischen Konzentrationswillen. Der Regie von Max Reich - mann sind die Darsteller in sehr glücklicher und verständnisvoller Weise gefolgt. Schauspielerisch hervorragend sind Kurt G e r r o n (Bela Garay), Raimondo van Riel (GastonFlamingo), Ernest van Düren (Ralf Flamingo) und Mary Johnson (Eva). Feingezeichnete Figuren stellen Lucie Höflich als Mutter und Valy Arnheim als Stallmeister. Alexander Murski als Direktor fällt in seiner kleinen Rolle ziemlich stark ab. Als Gesamtwerk verdient der Filrn- streisen unbedingt Anerkennung. 6.
Märchen für Donata.
Von Ada Regn.
Ich ging mit Donata spazieren, Donata ist
Steine klopfen und tragen, mitgebaut. 3m letzten Fahre wurden die aus japanischen Mitteln erbaute Chinchou-Pitzuwo-Bahn. sowie die rein chinesischen Mukden—Hailungchen- und Taku- shan—Pahantala- (von der Pell ig—Mu denlinie aus) Bahnen eröffnet; in diesem Fahre soll die Fertigstellung und Eröffnung der ebenfalls fast ganz chinesischen Hulan—Hailun- (nahe Harbin), Taonan—Tsitsihar- (in Heilm.gllang) und Kirin - Tunhua-Dahnen folgen. Daß Fapan diese Entwicklung aufmerksam verfolgt, kann man sich denken. Die Entlastung Schantungs zugunsten der dort wohnenden Japaner und die höheren Ansprüche japanischer Auswanderer empfehlen ihm wohl, den Vortritt in so unkultivierte Gegenden und in so kritischer Zeit diesen Chinesen noch zu überlassen; sern aber kann der Augenblick nicht mehr fein, in dem der japanische Riegel vorgeschoben und Chinas Wanderung vom Ror- den wieder abgelenkt wird. _
Denn auf mongolischer Seite setzt sich Sowjet- Rußland nach seiner Riederlage in China um so stärker fest, und die proletarische Bewegung in Fapan macht seine tiebervölkerungssrage immer brennender. Bisher hat die japanische Regierung es freilich wundervoll verstanden, der Sozialisten Herr zu bleiben, indem sie durch Auflösung der ersten Proletarier-Partei die Teilung der Anhänger in vier Gruppen erreichte, die einander eifersüchtig unb, erbittert befehden und von benen nur noch eine sich zu marxistischen Theorien bekennt; da diese aber gerade größtenteils aus Landarbeitern besteht, so wäre ihre Ansiedlung in Rord-China höchst erwünscht, sobald dort der südchinesische Zulauf aushört. Roch ist kein Ende abzusehen, da Tschiangkaitschek jetzt nicht nur mit den städtischen, sondern auch mit den ländlichen Proletariern seines Herrschastsbezirkes — 16 von 21 Provinzen nach seiner letzten illusionistischen Regierungserklärung! — völlig gebrochen hat.
Durch die Wanderung der Chinesen werden indessen zugleich die beanspruchten 70 Prozent der Gesamteinnahmen, soweit man von einem solchen Dinge in China überhaupt^reden kann, für die Ranking-Regierung von Tag zu Tag mehr verschoben. Auch daran mag Fapan denken. Mit Arbeit und Eisenbahnen verdient man wenigstens etwas, was man nachher südchinesischen Rationalisten gegen neue ..Konzessionen' leihen kann. Die Südprovinzen lieferten China immer die fähigsten Köpfe, Anhwei beispielsweise Lihungtschang. Tuanchihui. Dr. Huschi sowie den listigen Fengyühsiang; oder Tschekiang etwa Dr. Alfred Sze. C.T. Wang und Tschiangkai- tschek: das einst während der Han-Dynastie so glänzende Honan, in der Mitte gelegen^ kann in neuerer Zeit nur seinen Büanschikai für sich beanspruchen. Wenn nun der an Kövsen arme Rorden Chinas von Chinesen des Südens und der QUitte überflutet wird, so eröffnen sich dadurch zugleich auch geistig ganz neue Aussichten, nicht nur für Chinas Entwicklung und Stellung in der Welt, sondern insbesondere auch für den lieben Rachbar Fapan, der dort oben in der Regel nur mit Stumpfheit und tintertoürfigfeit schwer beweglicher, harter Kuli-Schädel zu rechnen gewohnt ist. t
China auf der Wanderung ist iebenfalls em neues Moment in der Entwicklung der Dinge im Fernen Osten —, hoffen wir. zu Chinas Herl.
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eignet, die Entwicklung, die sich zum Wohle Europas durchsetzen muß, unnötigerweise zu hemmen.
China aus der Wanderung.
Don Professor Or. Waldemar Oehtte.
Daß nach großen Katastrophen ganze Vollsteile und Rassen aus ihren Wohnsitzen gedrängt werden, wissen wir Europäer von unserer Dölker- wanderung zu Beginn des Mittelalters. Aber das waren unkultivierte Stämme, die sich auf kultivierte Gegenden warfen. Was sich heute in China ereignet, ist genau das timgekehrte. Aus den kultivierten Provinzen der Mitte und des Südens wandern die Chinesen zu Hunderttausen- den seit den letzten nationalen Zusammenbrüchen nach Rorden. wo sie nicht eine schon vorhandene Kultur zerstören, sondern eine erste neu erbauen. Die Zahl der Auswanderer allein aus Schantung nach der Mandschurei, die in den letzten Fahren zwischen drei* bis vierhunderttausend schwankte, stieg im Fahre 1927 auf eine Million und wird für 1928 nach dem Januar- Ergebnis im voraus auf zwei Millionen veranschlagt. Das ist kein Flüchten von einzelnen mehr, sondern ein zeitgeschichtlicher Vorgang. China befindet sich auf der Wanderung.
Ein Volk, das länger als zwei Fahrtausende vor Christus wissenschastlich die Astronomie beherrschte. noch früher medizinische Pflanzenkunde besaß und bann halb auch Arithmetik. Geometrie und Physik, in systematischer tieberlieferung jedenfalls noch im letzten vorchristlichen Jahr- taufenb. betrieb —, ein solches Volk muß int 20. Jahrhundert vor seinen eigenen Generalen und Piraten, was dort ja beinahe dasselbe ist, in unbebaute Gegenden flüchten, weil fremde Einflüsse und Destechungsgelber das Anwachsen eines neuen charaktervollen Volkskerns immer rechtzeitig zu verhindern wissen! Bei weitem nicht so übervöllert wie Fapan. obwohl die Kopfzahl von 279 Millionen im Fahre 1795 auf 436 Millionen im Fahre 1926 gestiegen ist, kann sich China sogar in seinen heute schon ärmsten Bevölkerungsteilen nicht mehr vor seinen Aussaugem retten, auch nicht im südlichen Kwan- tung, seitdem Tschianglaitschek mit Angelsachsen und Japanern aus selbstischem Machtoedurfnis heraus insgeheim gemeinsame Sache macht; sicherlich mit dem Wunsch, jene später wieder „national" abzuschieben, aber die Ausführung solcher Wünsche ist nur allzu bekannt.
Von Kwankung, insbesondere seiner Hauptstadt Kanton aus. war einst ja Amerika mit chinesischen Wäschern, Aufwärtern und Berg- Wertsarbeitern — von letzteren gibt es in ti. S. A. nur noch 150! — überschwemmt worden; und der in Amerika reisende Rordchinese versteht seine dortigen Landsleute noch heute nicht, weil sie den kantonesischen Dialekt sprechen. Don derselben Provinz waren 85 000 nach den Philip- pinen. 25 000 nach den Hawai-Fnseln und ungezählte Millionen — wenigstens vier — nach Java, Siam, Formosa und Singapore gewandert. Das alles ist ihnen jetzt mehr oder minder verschlossen. Auf ihrem Zug nach Rorden haben sie in Schantung gehört, daß es ein noch nördlicheres China streckenweise ohne Chinesen gibt, und Schantung selbst geht ihnen, wie erwähnt, mit gutem Beispiel voran, tind da unter Tschang- tfolin soll es keine Kommunisten geben! Bloh heraus aus der Hölle dieser räuberischen „Land- und Geld-Verteiler".
So allein läßt sich auch die ungeheure Cisen- bahn-Entwicklung der letzten Zeit in der Mandschurei und den beiden Rachbarprovinzen verstehen. Scharenweise kommen die Einwanderer, am meisten, wie festgestellt worden ist, nächst Schantung aus Tschili und Honan, die näher gelegen sind als Kwantu.rg, siedelir sich an, wo sie Landsleute finden, kultivieren ein Stück Land, bauen eine Hütte und halten timschau nach der nächsten Bahn. Wo soviel arbeitsame Menschen sind, bringt sich eine neue Linie von selbst ein, wird auch zum Teil von den Einwanderern, die
faim Gehen .... ----- - , -
Wan kann von Frrrum zu Frrtum getau- melt, von Schmerz zu Schmerz geschritten sern, «ller Dinge dieser Erde mag man müde und tn sehnsüchtiger Erwartung des Endes sein; das Händchen eines Kindes, das in unserer Hand Lat. bedeutet uns, daß kein Frrtum unheckbar ob das Leben immer am Anfang feiner selbst rst.
Ich ging also mit Donata spazieren; es vxrr in einer heiteren Dämmerung zwischen Winter ob Frühling, drin die westlichen Wolken wert ob wechselvoll vom Sonnenuntergang erglühten.
Genau gegen Westen gingen wir, eine Vor- Itabtallee hinunter, die eingefaßt war von zwei Laumreihen, durch deren nacktes Zwerggewrrr ter Himmel durchleuchtete. Donata war eitel Seligkeit, denn ich hatte ihr zu verstehen gegeben. wenn wir so weiter gingen, wurden wir schließlich bei den Wolken droben ankommen. Es schien, als berührten ihre Füßchen gar nicht die Erde, und manchmal machte sie einen kleinen Sah als wolle sie auffliegen. Einmal sagte sie, 'nach oben blickend, und den Widerschein der Dämmerung in den Piipillen:
„Wie weit ist's denn bis zu den roten
digkeit. Er spricht bei den sieben Schwestern vom Großen Bären vor, von denen man nicht weih, welche am schönsten ist; und dann fährt er bei den sieben Schwestern vom Kleinen Bären vor, von denen man auch nicht weiß, welche die schönste ist. Bei allen schwätzt er ein bißchen, und bann fährt er zu den Plejaden. das sind schrecklich viele, und auch lauter Schwestern, und man weih auch von ihnen nicht, wer die schönste ist. Sie tanzen Ringelreihen, und da steigt der Mond aus und tanzt mit. tind wenn er genug getanzt hat, fährt er wieder weiter, beim Berenike erwartet ihn, die ihr langes blondes Haar kämmt; auch mit Mars und Fupiter muß er über die timlaussgesehe konferieren; und auf der Rückfahrt beeilt er sich, damit er noch Hesperus, Wega, Aldebaran und Sirius begrüßen Eamt. tind bann fährt er heim auf der Milchstraße, die ganz weiß ist und viel, viel schöner als alle Straßen auf der Erde, tind 'ba oben ist alles ganz still unb in seliger Ruhe. Das Mondauto fährt und fährt ohi" jedes Geräusch, unb die Sterne lächeln, wenn es vorbeikommt, und werfen ihm Kußhände nach. Manch armseliges, lleines. namenloses Sternchen ruft ihm bittend zu: Ach, nimm’ mich doch mit! Ich langweile mich hier so m diesem verlorenen Firmamentwinkel, wo man gar keine Aussprache hat. tind da sagt der Mond: Mein liebes Stemkein, hier hat dich Gott hingestellt, gegen den Willen Gottes, des Himmelsherrn kann man nichts machen. . .
abgesehen von der Rolle, die der Prozeß unb die Beteiligten in der privaten Diskussion spielen — der Berliner Dolksmund kolportiert heute schon Dutzende von Anekdoten und Witze über dieses Thema — gehören sie leider auch schon zum festen Repertoire mancher Kabarett-. Revue- unb Variete-Humoristen, wobei weniger bic Tragik unb Problematik der Sache als vielmehr das plump Sexuelle für die Aufnahme entscheidend war. Auch Film und Theater haben da und dort versucht, den Prozeß zu geschäftlicher Reklame auszunutzen. Die Angehörigen von Hilde Scheller sahen sich bereits gezwungen, gerichtlich gegen solche Auswüchse vorzugehen unb tinter- lassungsklagen anzustrengen. Fn den Schulen hat die Tragödie nicht nur zu lebhaften Auseinandersetzungen innerhalb der Lehrkörper sowie zwischen Schülern und Lehrern geführt, sondern auch Maßnahmen, wie Einschränkung der Freizeit, veranlaßt. Politische, kulturelle unb wissenschaftliche Versammlungen unb Vorträge sinb an der Tagesordnung. Vor allem aber hat sich eine umfangreiche unb leider auch bedauerlich unsachliche Diskussion in jenem Teil der Presse breitgemacht, der zur Verfechtung von extremen unb über- radikalen Forderungen die persönliche Verunglimpfung des politischen Gegners braucht, da sich solche „Politik" mit sachlichen Argumenten eben nicht verfechten läßt. Die Einseitigkeit der Betrachtung hat zwar auch in einem Teil der übrigen Presse verschiedene Blüten gezeitigt unb es entbehrt trotz des tragischen Anlasses nicht einiger Komik, wenn man in manchen Zeitungen allein die Zugehörigkeit der jungen Menschen zum Fungdeutschen Orden für ihr Verhalten verantwortlich machte, während man wieder in anderen Blättern alle Schuld in den politischen tim- Wälzungen des Jahres 1918 erblickte: ober wenn die modernen Schulreformer die alten Lehrer, unb die andererseits die konservativen Pädagogen wiederum die modernen Lehrer für die Steglitzer Tragödie vor Gericht gezogen wissen wollen. Aber all diese Einseitigkeiten, die doch meist wenigstens mit sachlichen Argumenten belegt waren unb mit Einschränkung auch sachlich manches für sich haben, werden gänzlich in den Schatten gestellt von gewissen Blattern, die ..feststellen", daß die Schuld an dem Schulerdrama einzig und allein die — 2uden haben.
Dieses Chaos von Olleinungen und tirteilen, von Auswüchsen und sinnlosein Fanatismus, ist leider nicht nur eine Folge, sondern man möchte fast behaupten: eine tirsache dieses Prozesses. Die jungen Menschen, die in ihm eine Rolle spielten, waren ausgesprochen unausgeglichene, zerrissene und haltlose Charaktere, denen brauchbare. sittliche und geistige Maßstäbe fehlten. Kann das in Verwunderung setzen, wenn die ältere, die verantwortliche, bie Führer- generation. die den Jungen Vorbild und Muster sein soll, derart zerrissen und unausgeglichen ist. wenn sich alle in Haß und fanatischer Rechthaberei bekämpfen? Kann unter diesen timständen die Jugend ein gesundes Vertrauensverhältnis zu den Aelteren finden? tind allein auf dieses Vertrauensverhältnis kommt es an. Dieser Prozeß konnte sich fruchtbar auswirken, wenn er Anlaß zu einer gründlichen Selbstbesinnung des ganzen mündigen deutschen Volkes wurde, wenn er zur Einsicht führte, bah ewiger, grundsätzlicher und hemmungsloser Hader das schlechteste Erziehungsmittel unb Beispiel für die Heranwachsende Generation ist.
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Komponenten, so stimmt doch dre Rechnung immerhin einigermaßen, daß die Psychosen heute roch recht reichlich verbreitet sind. Ge- - iih ist das konstante Sicherheitsgefühl durch den i' Weltkrieg in mancher Hinsicht labil geworden:
vns jedoch Deutschland anbelangt, so kann wohl Iium ein objektiv dentender Mensch zu dem xhluß kommen, daß hier jede Psychose ihre Begründung fände. Es läßt sich sicherlich nicht eugnen, daß Deutschland große Fortschritte in einem Wiederaufbau macht, einem Wiederauf- iau aber, der nicht von der Tendenz getragen ft. die verlorene Schlacht des Welttrieges durch ■ine neue wieder gut zu machen, sondern nur niter dem Gesichtspunkt, die Kraft des Volkes in den Dienst d er Allgemein - ieit zu stellen. Vorausgesetzt wird also lediglich. )aß diese Kraft in ihrer Entwicklung nicht durch willkürliche Maßnahmen anderer Mächte be- jirbert ober gar unterdrückt wirb. Trotzdem aicubcn eben bie anberen Mächte von ihrer j, Psychose in bezug auf eine Deutschen-Gesahr
,ud)t loskommen zu können. Besieht man bie- ■ |cn Zustanb bei Tage, so fällt es einem aller- Udmgs nicht schwer, ihn bahin zu interpretieren.
als oiT bei ben anderen doch irgendwie ein U nsicherheitsgefühl auf die eigene »Kraft vorhanden sein müsse. Diese Erkenntnis mirb noch bestärkt burch bie Tatsache, daß manche Liinbcr nach dem Kriege noch nicht in der Lage Smaren, einen ähnlich umfangreichen Wiederaufbau durchzuführen, obwohl sie nicht durch derartige Lasten wie Deutschland behindert waren md auch keinerlei Entschädigungsverpflichtungen erfüllen hatten, sondern sogar noch aus r-eutschland auf Grund des Versailler Vertrages acatis unb franko in großen Mengen Gelb unb Material beziehen konnten.
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\ In Genf re bet man über bie Abrüstung, ohne In Polen macht man eine ---------d- die sich in ihrer Form fegen Deutschlanb richtet unb von der Auffassung »»geht, daß man die Grenzen dadurch vor ben ieutschen sichern müsse, daß man sie einfach idbt allzu nahe heranlasse. In Rußland cihaftet man deutsche Ingenieure, ohne einen kindischen Grund angeben zu können, nur weil lan irgendwie eine Reaktion befürchtet. In ! ; i a n k r e i ch vermeidet man es. über die Rhem- I mbräumung zu sprechen, nur weil man glaubt.
H nicht an ben Gedanken gewöhnen zu können, i al) damit die Sicherheit in keiner Weise ge- 56rbet fei. In England duldet man nicht, rgandweiche Rivalität in den Kolonialländern ,u »kommen zu lassen, weil man dadurch sonst das ßgperium bedroht sehen würde. Kurzum, wohin kan auch in der ganzen Welt blickt, überall zeigt Ich in der Praxis doch gerade das Gegen- L 11 von dem. was man in der Theorie anstrebt. Run ist es vielleicht nicht ganz richtig, alles I, r mit dem Begriff der Psychose abtun zu »!lcn, denn die Grenzschußverordnung der den beruht neben der Deutschenangst recht ichlich auch auf einem primitiven außenpoli- ichen Machtstreben, mit dem man doch im cimie genommen kaum weit kommen dürfte.
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