Ausgabe 
23.2.1928
 
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Nr W Erster Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag, 23. Sebruar 1928

trl^ctnt tögltdi,autzer Sonnlag» and 3-tteriag».

Beilagen;

®teßenei Jamtlienblätiei Heimat 'm Bill» Die Scholle

BTonats-Bejngsrrds: 2 Reichsmark und 20 tReid)spfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen elnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanlchlüffe: 51, 54 und 112 Sn|d)rift für Vrahtnach» richten Hnjeiger tieftet.

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dt Fnedr. WUH. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumjchein: für den An­zeigenteil Kurt hillmann, lämtlid) in (Bieben.

König Aman Mahs Empfang in Berlin.

Berlin im Zestschmuck.

Berlin, 22. F«br. (SU.) Der Lehrter Bahnhof hat für den Empfang des asahani- schen Königspaares ein festliches Gewand an­gelegt. 3n den Vormittagsstunden ist die polizei­liche Absperrung durchgesührt worden. Aus dem Vorplatz ist ein großes afghanisches Vational- wappen, umgrenzt von Tannengrün, ausgespannt. Der Vorplatz und die Einzugsstrahen sind mit Flaggen und Grün festlich geschmückt. Zwischen dem Bahnhos und der Spree hat sich links vom Rondell die hiesige afghanische Kolonie ausgestellt. Daneben sind die Bildberichterstatter und Kinooperateure postiert. Hm *M1 Uhr rückte mit klingendem Spiel die Ehrenrompagnie, bestehend aus einer Musikkapelle, Infanterie und Kavallerie, an. Die Bahnhofshalle prangt im Schmuck von 22 langen Fahnen, die die afghanischen und Reichssarbcn zeigen und mit Tannengirlanden untereinander verbunden sind. Der Mittelbahnsteig, auf dem die Empfangs­feierlichkeiten stattfinden, ist völlig abgesperrt. Aus ihm haben Lorbeerbäume Aufstellung ge­funden. Die überaus zahlreich erschienenen Presse­vertreter haben aus einem Rebenbahnsteig ihre Plätze eingenommen. Allmählich finden sich aus dem Mittelbahnsteig die Mitglieder des Reichs- und des preußischen Kabi­netts und die Vertreter der städtischen Behörden ein.

Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge umsäumt den Platz vor dem Bahnhof und die Anfahrtstraße zum Palais in der Wilhelmstrahe. Besonders stark ist der Andrang des Publikums an der Moltkebrücke, die einen äußerst günstigen Blick auf den Bahnhofsvorplatz gewährt. Zahl­reiches Publikum hat sich auch auf dem Pariser Platz und am Brandenburger Tor versammelt. Ein großes Aufgebot von Schutzpolizei hält hier den Verkehr aufrecht.

Gegen 11 Uhr vormittags verdichten sich die Menschenketten, die sich auf dem Pariser Platz anf- gesteltt haben, um den Einzug des Königs oon Afghanistan zu erroarten. Schon vor 10.30 Uhr rück en die zur Spalierbildung kommandierten Reichswehrkompagnien an. Zwischen den mit Tan­nenreis bekleideten auf der Mitte des Platzes zwei­reihig aufgestellten Pylonen hat eine Reichswehr- kapelle Aufstellung genommen. Das kleine Stück Unter den Linden zwischen der Länderbank und dein Hotel Adlon ist mit einem einreihigen Reichs­wehrspalier umsäumt, das sich auch in der Wilhelm- straße sortsetzt. Die öffentlichen und privaten Ge­bäude haben umfangreich geflaggt, auch die fran­zösische Botscl-ast hat die Trikolore gehißt. Im schön­sten Flaggenschmuck liegt die nunmehr schon tradi­tionell gewordene Feststraßc Berlins: die Wil- Helmstraße. Don dem Gebäude der amerikani­schen Botschaft weht das Sternenbanner, das Hotel ,Kaiferhos" zeigt neben der Reichsslagge die schwarzweißrote Handelsflagge mit der Gösch. Rechts und links der Straße Reichswehrspalier. Schupo-Offiziere in Automobilen treffen die letzten Anordnungen.

Die Ankunft auf dem Lehrter Bahnhof. Kurz vor der Ankunft des Zuges mit dem Königspaar traf der Herr Reichspräsident in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner und feines persönlichen Adjutanten, Major von Hindenburg, auf dem Bahnhofe ein. Bevor Reichspräsident v. Hindenburg mit sei­ner Begleitung den Bahnsteig betrat, spielte die vor dem Bahnhofe aufgestellte Reichswehrkapclle das Deutschlandlied. Der Reichspräsident begab sich hierauf sofort zum mittleren Bahnsteig Am Ende des Bahnsteiges hatten sich zur Begrüßung des Königspaares u. a. versammelt Vizekanzler Exz. H e r g t in Vertretung des erkrankten Reichskanz­lers, die Reichsminifter Curtius, Grüner, o. Ke u dell und Koch, in Vertretung des Rcichsaußenminifters Staatssekretär Dr. v. Schu­bert, ferner der Staatssekretär in der Reichs­kanzlei, Dr. Pänder, der preußische M.nister- präsident Dr. Braun, Reichstagspräsident Lobe, der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, der Chef der Heeresleitung, General Heye, Ober­bürgermeister Dr. Büß , Polizeipräsident 3 är- gic b e l, der Kommandant von Berlin, General­major Severin g, die Mitglieder der hiesigen königlich asghanisischen Gesandtschaft waren eben­falls erschienen.

Pünktlich um 11.15 Uhr lies der Sonderzug mit dem afghanischen Königspaare und dessen Ge­folge auf dem Bahnhof ein. Der Salonwagen hielt genau an der Stelle, wo der Reichspräsi­dent mit Staatssekretär Dr. Meißner und seinem persönlichen Adjutanten Major v. Hindenburg stand.

Der Reichspräsident hieß den König von Afghanistan willkommen, hierauf slellle der König den Herrn Reichspräsidenten ihrer Ma- sestäl der Königin vor, woran sich die Vor­stellung des Gefolges durch den König von Afghanistan anfchlotz.

Rach der Borste.lung begrüßte das Königspaar die Mitglieder der königlich-afghanischen Ge­sandtschaft und schritt dann, voran der Herr

Reichspräsident mit dem König, gefolgt von ihrer Majestät der Königin, die Staatssekretär Dr. Meißner führte, und dem Gefolge, den Bahnsteig hinab, wo die Vorstellung der Vertreter der Reichsregierung, der preußischen Regie­rung und der Behörden stattsand. Hieraus begab sich der Reichspräsident mit ihren Majestäten auf den Platz vor dem Bahnhos, wo sich die Mitglieder der hiesigen afghanischen Ko­lonie ausgestellt hatten, die das Königspaar lebhaft begrüßten. 3m Rainen einer islamischen Religionsgefellschast begrüßte die kleine Tochter des türkischen Generallonsuls die Majestäten und überreichte einen Blumenstrauß. Der König schritt sodann mit dem Herrn Reichspräsidenten die Front der E h r e n k o m p a g n i e ab, wäh­rend die Musik die afghanische Rationalhymne spielte und eine gegenüber aufgesahrene Batterie Salut schoß. 3m Anschluß daran fuhren die Gäste nach dem Prinz-Albrecht-Palacs, eslordiert von Kavallerie. 3m er st en Magen hatte der König mit dem Herrn Reichspräsiden­ten Platz genommen, während im zweiten ihre Majestät die Königin, geführt von Vize­kanzler, Exz. H e r g t. fuhr. 3n den folgenden Wagen fuhr das Gefolge mit den Vertretern der Behörden. Von der Menschenmenge hinter dem Reichswehrspalier wird der Zug mit st ü r- mischen Hochrufen begrüßt, die sowohl dem König wie der greisen Gestalt des Reichspräsi­denten gelten, der in Zivil neben dem König sitzt. Vordem Palais Prinz Albrecht

Das Palais Prinz Albrecht ist zum Empfang des Königs mit reichem Blumenschmuck versehen. Vorherrschend sind exotische Blumen. Das Ar- beits- und das Gartenzimmer sind in rot-weißen Farben der afghanischen Dynastie gehalten (die Landessarben selbst sind schwarz-weiß), die Wohn- räume der Königin tragen zartrosa, weihe und hellgrüne Blumen. Die Festtpfel ist mit tobrlila Darwintulpen ausgestattet. Gesandter Dr. Köster, der Ches des Protokolls, gibt noch kurz vor Eintreffen des hohen Besuches die letzten Anweisungen. Die Ehrenhofwache, ein Zug des Infanterieregiments 3, zieht auf und nimmt gegenüber dem Hauptportal Stellung. Am Haupt­portal selbst und am Eingang zum Gartenzimmer stehen Doppelposten. Lieber dem Palais kreisen Flugzeuge. Punkt 8/4!2 Llhr ertönt vor dem Palais Musik, die Ehrenwache gibt Trommel­wirbel und das erste Auto mit dem Polizeipräsi­denten erscheint in der Auffahrt. Die Kavallerie­eskorte reitet am Palais vorüber, und gleich darauf fährt das Auto mit dem Reichs­präsidenten und dem König vor dem Haupteingang vor, dem der Wagen mit der Königin und dem Vizekanzler folgt. Wagen auf Wagen. Bei jedem ertönt das Kom­mando des wachthabenden Offiziers. Rach Auf­fahrt der 15 Automobile hört der Trommel­wirbel auf, und nach einer kurzen Pause tritt der Reichspräsident wieder aus dem Palais, um sich, begleitet von den brausenden Hochrufen des auf der Wilhelmstraße bis auf die Dächer hinaus versammelten Publikums, ins Reichspräsi­dentenpalais zu begeben. Linker klingender Musik marschiert sodann daö Militär ab und nur die Polizei hält noch die Absperrung aufrecht.

Der König bei Hindenburg.

Berlin, 22. Febr. (WLB.) Der König von Afghanistan stattete heute um 15.30 Llhr dem Herrn Reichspräsidenten in seinem Haufe einen Gegenbesuch ab. Bei der Ankunst wurden dem König durch eine im Vor­hof des Hauses des Reichspräsidenten aufgestellte Ehrenkompagnie militärische Ehren erwiefen, wäh­rend die Musik die afghanische Rationalhymne spielte. Reichspräsident v. Hinden­burg begrüßte gemeinsam mit seiner Schwieger­tochter, Frau v. Hindenburg, in der Vor­halle des Haufes den König, der von seinem Ge­folge und dem deutschen Ehrendienst begleitet war, und geleitete ihn in den Garten'aal, wo die Umgebung kes Reichsprä identen, der Staats- sekre.är im Auswärtigen Amt und der Chef des Protokolls Aufstellung genommen hatten. Rach beiderseitiger Vorstellung der Begleitung führte der Herr Reichspräsident den König in sein Arbeitszimmer und verweilte hier mit ihm in längerer Unterhaltung. Gegen 16.30 Llhr ver­abschiedete sich der König, vom Reichspräsidenten wieder bis an die Schwelle des Hauses begleitet. Die Ehrenkompagnie erwies dieselben Ehren­bezeugungen wie bei der Anfahrt. Ein zahl­reiches Publikum begrüßte den König bei der Ankunft wie bei der Abfahrt in herzlichster Weise.

Empfang des Vizekanzlers.

Anschließend fuhr der Stellvertreter des Reichs­kanzlers, Exc. H e r g t, in das Palais Prinz Albrecht, um an Stelle des erkrankten Reichskanzlers dem Königspaare einen Be­such abzustattcn. Exc. Hergt wurde in herzlichster Weise von dem König empfangen, der sich ange­legentlich nach dem Befinden des Reichskanzlers erkundigte und die besten Wünsche für seine baldige Genesung aussprach. Zugleich gab der König seiner besonderen Freude über den über­aus freundlichen Empfang durch die Reichs­regierung und die Berliner Bevölkerung Aus­

druck. Daraus hat Vizekanzler Hergt erwidert, die Begrüßung sei gewiß herzlich gewesen, sie wäre aber noch herzlicher ausgefallen, wenn daS deutsche Volk nicht noch immer in Trauer- stimmung über den verlorenen Krieg und das daraus folgende Elend sei. 3nnerlich aber sei die Freude des deutschen Volkes über den Besuch des Königs Aman Ullah nur um so größer, denn man sei davon durchdrungen, daß

der König von Afghanistan dem deutschen Volke immer feine Sympathien bewiesen habe und daß Afghanistan und Deutschland von dem glei­chen Streben noch Freiheit und Llnab- hängigkeit beseelt seien. Der König war von diesen Worten sichtlich bewegt. Lim 17 Llhr empfing der König das diplomatische Korps unter Führung deS Doyen, des aposto­lischen Runlius P a c e l l i.

Messen beim Reichspräsidenten.

Die Trinksprüche der Staatsoberhäupter.

Der Herr Reichspräsident gab heute zu Ehren des Königs und der Königin von Afgha­nistan ein Essen, zu dem u. a. die Chefs der in Berlin beglaubigten diplomatischen Missionen, die Reichsminister, Reichstagspräsident Loebe, sowie der preußische Ministerpräsident Braun mit ihren Damen eingeladen waren. Der Reichs­präsident führte die Königin zu Tisch. Zu seiner Linken saß der König, der Frau v. Hindenburg führte. Bei der Tafel brachte

der Reichspräsident

folgenden Trinkspruch aus: »Ew. Majestäten f 3m (Kamen des Reichs und in meinem Rainen habe ich die Ehre, Ew. Majestäten als Gäste des Deutschen Reiches herzlich und freudig willkommen zu heißen. Wir wissen, daß Ew. Majestäten als aufrichtige F r eu n d e zu uns kommen und hoffen, daß Sie während 3hres Aufenthaltes in Deutschland fühlen werden, daß wir diese Freundschaft a u f das herzlichste erwidern. Deutschland weiß und rechnet es Ew. Majestät auf das höchste an, daß Sie in 3hrem Vertrauen zu Deutschlands L e. st u n g'L s ä h i g k e i t niemals zweifelnd geworden sind, und wir bewundern das große staatsmännische Ge­schick und die große Tatkraft, mit der Ew. Maje­stät 3chr Land in so machtvoller und erfolg­reicher Weise regieren. Da ist es nur natürlich, daß zwischen unseren beiden Staaten eine auf­richtige Freundichaft besteht, die viel älter ist als die offiziellen Beziehungen, die in den letzten 3ahren besonders auf wirtschaftlichem Gebiete Vertiefung und Ausdehnung erfahren haben. Als ein Zeichen des besonderen Vertrauens Ew. Majestät zu der deutschen Leistungsfähigkeit erscheint es uns, daß eine große Anzahl deutscher Aerzte, Lehrer, 3ngcnieurc, Techniker und Werk- Ineister nach Afghanistan berufen worden sind, wo ihnen wichtige und verantwor­tungsvolle Aufgaben übertragen wurden. Einen weiteren Beweis des Vertrauens erblicken wir in der Entsendung einer großen Anzahl afghanischer Schüler und Studenten nach Deutsch» land. D.ese jungen A gHanen w.ud n gcüiiä später einmal, wenn sie nach ihrer Heimat zurückgekehrt sind, die Bande aufrichtiger Freundschaft zwischen beiden Völkern noch fester knüpfen. Die deutsche Regierung weiß, daß Ew. Majestäten die weite und anstrengende Fayrt nach Europa als eine ernste Studienreise unternommen haben, um überall das aufzusuchen und kennenzulernen, was für die Entwicklung und den Fortschritt Afghanistans von besonderem Ruhen fein kann. 3ch hoffe, daß Ew. Majestäten auch bri uns reiche Anregung finden mögen. Deutschland ist gerne bereit, seine Erfahrungen aüf tech­nischem und kulturellem Gebiet zur Verfügung zu stellen. Ein nicht geringer Anteil an diesem Reformwerk fällt 3hrer Majestät der Königin zu, die voll Eifer und Hingabe 3hren hohen Gemahl in feiner schöpferischen Arbeit unterstützt. Es freut uns, daß auch sie bei der Lösung ihrer hohen sozialen und kultu­rellen Aufgaben die Hilfe deut.cher Frauen heranzieht. 3ch erhebe mein Glas auf das Wohl 3 hrer Majestäten, des Königs und der Königin von Afghanistan, auf den Glanz und das Glück ihres Landes und auf das Fortbe­stehen und die weitere Entwicklung der herz­lichen Freundschaft zwischen Deutschland und Afghanistan" Rachdem die Musik die afgha­nische Rationalhymne intoniert hatte, erwiderte

der König von Afghanistan

mit folgenden Wor en in afghanischer Sprache: Herr Reichsprä ident! Die Königin und ich danken in unserem Rainen und ün Ramen des afghanischen Volkes auf das herzlichste für alle 3hre so freundlichen Worte über unsere liebe Heimat, über meine persönliche Tätigkeit und über die freundschaftlichen Gefühle der deutschen Regierung und des deutschen Volkes. Besonders danken wir für den herzlichen Empfang, den Sie uns bereitet haben. Die freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland, die Sie, Herr Reichspräsident, geschildert haben, sind in der Tat feit 3 ahren f e st begrün­det. Sie entspringen den herzlichen Gefühlen und dem Vertrauen, das unsere beiden Rationen miteinander verbindet. Afghanistan hat immer d i e Kraft und Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes bewundert und hat nie in der Bewunderung dieser Eigenschaften nachgelassen. 3mmer haben wir auch den deutschen Mitarbeitern, die sich dem Dienste unseres Landes widmeten, volles Vertrauen geschenkt. Der Fleiß, die Ehrlichkeit und die Leistungsfähigkeit der

Deutschen in Afghanistan hat meine volle An­erkennung gefunden, und ich bin ihnen für ihre Mitarbeit aus richtig dankbar. Aus diesem Grunde habe ich und die Königin unseren teuren Sohn in die Amani-Schule geschickt, die unter d e u t- scher Leitung steht. Die Tatsache, daß soviel junge Afghanen teils in Deutschland, teils in Afghanistan auf deutschen Schulen studieren, bietet mir die sichere Gewähr dafür, daß unsere künf­tigen Beziehungen die allerherzlichsten sein wer­den. Herr Reichspräsident! 3ch trinke dieses reine Wasser auf 3hr Wohl, auf das Glück und die friedliche Entwicklung des deutschen Volkes und aus.die Festigung und Vertiefung der freund­schaftlichen Beziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland."

©er Zapfenstreich.

3m Anschluß an das Essen fand um 10.15 Llhr im Hose des Hauses des Reichspräsidenten e i n großer militärischer Zapfen st reich statt, der von elf Musik- und drei SpielmannS- korps her Berliner Garnison ausgeführt wurde. 3n dichten Scharen säumte die Menge die Wil- helmstraße an beiden Seiten ein. Pünktlich mar­schierten die Spielmannzüge mit Fackeln im Dor- Hose auf. Der Reichspräsident hatte mit dein afghanischen Königspaar auf dem Bal­kon des Hauses Platz genommen. Die übrigen Gäste sahen von den Fenstern des Reichspräsi­dentenpalais dem imposanten Schauspiel zu. Vor dem eigentlichen Zapfenstreich gelangten hi­storische Miluäcmäische der deutschen Armee zum Vortrag. Die Feier sand ihren Abschluß mit dem Spielen der beiden Ralionalhymnen. Hier­aus zogen die Truppen geichlossen wieder ab.

Der hessische StMMiMsWg im FinanzausWß.

Von unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 22. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags trat heute zusammen, um den Staatsvoranschlag für 1928 zu beraten. Zunächst begann man mit Verhandlungen über das Bau Programm für 1928, wozu ein Antrag Widmann und Gen. vorlag.

Der Minister für Arbeit und Wirtschaft, 0 r C'I l, bemerkte, daß die Beschwerden über verspätete Auszahlung von Dau- ko st envorschüssen nicht seinem Ministerium zur Last gelegt werden tonnten; die Verzöge­rungen von Auszahlungen seien lediglich auf Maßnahmen zur Wahrung dinglicher 21 e ch t e zurückzusühren. Der Minister empfahl den Gemeinden Bürgschaften für ihre Ein­wohner zu übernehmen, bann könnten die Hand- werkersorderungen eher befriedigt werden. Außer den Erträgen der Hauszinssteuer könnten vorerst keine Baukostenzuschüsse bereitgestellt werden, aber die Regierung werde sehen, noch andere Gelder für diesen Zweck flüssig zu machen.

Ministerialrat Klump erläuterte das Bau- Programm im einzelnen. Es sind 11,6 Millionen Mark vorgesehen, wovon auf die Städte 6,2 Mil­lionen und auf die Landgemeinden 5,4 Millionen entfallen. Etwa 1 Million ist für Tilgung und Verzinsung der Anleihemittel aufzuwenden, so daß im ganzen 4,4 Millionen Mark verfügbar sind. 1440 Wohnungen sollen errichtet werden, wofür rund 4 Millionen Mark aufzuwenden sind. Die restlichen 400 000 Mark sollen noch besonders den Landgemeinden zugute kommen.

Finanzminister Kirnberger gab dann eine Liebersicht über den Staatsvoranschlag für 1928. Der Staatsvoranschlag schließt bekanntlich mit einem Gesamtbedarf für Verwaltungausgaben (einschließlich 8,5 Millionen für die Kosten der in Aussicht genommenen Besoldungserhöhung) von 139163 688 Mark ab, dem an laufenden Ein­nahmen die Summe von 127 951 625 Mark gegen» übersteht. Hiernach bleibt ein zunächst ungedeckter Fehlbetrag von 11 212 063 Mark. Ohne die Be­soldungserhöhungen (8,5 Mill.) würde der Fehl­betrag nur 2,7 Millionen Mark betragen, gegen 7,3 Millionen Marl im vorjährigen Voranschlag. Minister Kirnberger unterbreitete dem 2-usschuß ein umsangreiches Zahlenmaterial über den Etat. Zum Schluß der Sitzung wurde ein Antrag Dr. Leuchtgens-Glaser (Hess. Bauernbund) beraten, in dem als Maßnahme zur Senkung der Staats­ausgaben beantragt wird:der Finanzausschuß wolle, ehe er in die Beratung der einzelnen Kapitel des 1928er Voranschlags eintritt, sich der Frage zuwenden, wie durch eine organisa­torische .Umgestaltung der hessischen Verwaltung, sowie durch Verminderung