Ausgabe 
23.1.1928
 
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Turnen, Sport und Spiel

auch in Schuhfreudigkeit die Duisburger

In

Eis-

Nachdruck verboten.

24 Fortsetzung.

ihnen kaum

nachstanden.

Berliner Gchliiischuhclub Z Deutscher Eishockeymeister.

den Vornindenspielen um die Deutsche

der hiesige Gewerbeverein seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach Vornahme verschie­dener Ausschußwahlen brachte der Vorsitzende das EisenbahnproiektQuer durch den Vogelsberg" zur Besprechung. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die in dieser Angelegenheit darauf hinwirken soll, daß die Verkehrsinteressen un­seres Ortes genügend gewahrt werden. Ferner wurde einstimmig beschlossen, dem Verkehrsbund Oberhessen, Sitz in Gießen, beizutreten. Schließ­lich überreichte der Vorsitzende den jungen Gesellen die Gesellenbriefe.

Hreis Lauterbach.

* Bermuthshain, 22. Jan. Die vor drei Jahren im benachbarten 5) e r b st e i n angelegte Silberfuchsfarm scheint gute Erfolge zu haben. In Bermuthshain soll jetzt ein ähn­liches Unternehmen in Angriff genommen werden. Da das Gelände, verglichen mit Herbstein, noch günstiger liegt, ist zu hoffen, daß der Plan Dr. Hainbnchs aus Fulda keinen Fehlschlag erleiden wird. Er hat von der Gemeinde ein größeres Geländestück für vorerst 10 Jahre gepachtet, um dort eine Pelztierfarm anzulegen.

Es zogen drei Burschen wohl über den Jtfjein .... No man von Erica Grupe-Lorcher.

3n der Abteilung D gewann Tennis Bo­russia auch das 13. und schärfste Treffen gegen seinen gefährlichsten Widersacher, M i * nerva 93. Tennis Borussia blieb verdient, aber mit 5:2 zahlenmäßig zu hoch, siegreich. Tennis Borussia dürfte jetzt die Abteilungs- meisterschast nicht mehr zu nehmen fein.

S.yinyiavorbereitungen Der Reichswehr

Zur Vorbereitung derjenigen Offiziere, die in Am­sterdam bei den Olympischen Spielen am modernen Fünfkampf teilnehmen, fand in Wünsdorf ein Degen­fechtturnier statt. Die sehr guten Fechtklubs von Hannover und Hamburg leisteten einer Einladung der am Fünfkampf beteiligten Offiziere Folge. Die Fünfkämpfer gewannen gegen Hannover mit 18:16 Siegen, unterlagen jedoch gegen Hamburg mit 17:19 Siegen. Als bester Fechter erwies sich R öthig mit elf Siegen und einer Niederlage, Talmann mit zehn Siegen und einem Doppeltreffer und einer Nie­derlage sowie Kißten mit zehn Siegen und einer Niederlage.

Wasserball-Giädtespiel DüsseldorfDuisburg.

Das am Sonntag in Düsseldorf ausgetragene Wasserball-Städtespiel Düsseldorf Duisburg endete mit einem durchaus verdienten 6:4 (4:3)* Siege der Düsseldorfer Mannschaft. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf, in dem die Düssel­dorfer das bessere Zusammenspiel zeigten, wenn

70. Geburtstag eines Sport-ZournaWen.

Am heutigen 2 3. Januar vollendet der Sportschriftsteller und Iournalist Fried rrch Metzler in Frankfurt a.M. sein 70. Le­bensjahr. Seit 1880 journalistisch insbeson­dere aus dem Gebiet des Rudersports tätig, hat er in dieser langen Reihe von Iahren eine erstaunliche Fülle sachwisse^fchaftlicher Arbeiten, Berichte. Abhandlungeii und Aufsätze veröffent­licht. die das Gepräge hervorragender Sach­kenntnis tragen und Hingabe an die Sache er­kennen lassen. Auch aus dem Gebiete des Rugby- sports. Radfahrens. Fechtens, des Kraftfahr­wesens und der Militärwissenschaft hat Friedrich Metzler eine erstaunlich vielseitige journalistische Tätigkeit entfaltet. Hauptsächlich wurde von ihm das nur von wenigen gepflegte schwierige Ge­biet des Rudersports in organisatorischer und technischer Beziehung bearbeitet, auf dem er mit Recht als erster Sachkenner angesehen wird. Als Mitgründer der Offenbacher Rudergesellschaft Unbinc" 1883 als Abgeordneter zum ersten Deutschen Rudertag in Köln entsandt, ist er neben Pros. Dr. LI l l r i ch in Heidelberg der einzige noch lebende Bertreter, welche die Grün- dungs-Llrkunde des Deutschen Ruderverbandes unterzeichnet haben. Körperlich und geistig frisch ist er heute noch unermüdlich tätig. Möge ein froher Lebensabend ihm den Rückblick auf eine fruchtbringende Wirksamkeit im Dienste der All­gemeinheit gestatten.

Hessen-Hannover.

2. Entscheidungsspiel um die Fußball-Vezirks- meisterschaft.

KurhessenKassel S.C. 03 Kassel 0:2. Bis zur Pause konnte von keinem der beiden Spiel­vereine ein Tor erzielt werden. Nach Halbzeit war S. C. 03 der stärkere und konnte zwei Tore für sich buchen.

Sp. Vgg. Göttingen SporkKassel 3:1. Den Göttingern gelang es, nachdem das Spiel bis zur Pause torlos geblieben war, nach Halbzeit auf- zukommen und Sport Kassel mit 3:1 zu schlagen.

Die süddeutschen

Fußball-Meisterschaftsspiele.

In der Runde der Meister standen gestern nur zwei Begegnungen auf dem Pro­gramm. Sportverein Waldhof Mann­heim hatte die Sp.-Vgg. Fürth zu Gast. Der deutsche Meister war technisch und taktisch überlegen und gewann 0: 2 verdient. Eine große Lleberraschung bereitete der K. F. B. Karls­ruhe. da er die Wormser W o r m a t i a mit 9:1 zu schlagen vermochte. Der K. F. B. war in bester Form, Wormatia zeigte in ihren Leistun- gen nur Schlechtes, so daß ihre seitherigen Er­folge nur sehr vorsichtig gewertet werden lönneii.

In der Runde der Zweiten und Drit­ten gab es in der Gruppe S ü d o st nur rech« knappe Resultate. Der B. f. R. Fürth spielte gegen Phönix Karlsruhe 1:1. wobei die

So gelangte Jean Paul Bouvier zu dem Ent­schluß, sich unter feinen Umständen abschrecken oder umftimmen zu lassen, falls etwa ein Nebenbuhler in der Neigung der hübschen Komtesse auftauchen sollte! Er nahm es mit jedem auf. O, mit jedem! Hatte nicht schon so oft bei ähnlichen Gelegen­heiten derjenige den Sieg daoongetragen, der sich nicht beiseite schieben ließ und nicht müde wurde, sich mit diskreter Eleganz und Hartnäckigkeit der Umworbenen zu nähern?

Diskrete Eleganz und ein Gemisch "von selbst­gefälliger Hartnäckigkeit und werbender Sensibilität '.. hatte das nicht stets so große Wirkung auf Frauenherzen?

Melusine wurde sich der Gefährlichkeit dieser Situation klar. Unter keinen Umständen wollte sie hier noch länger verweilen. Sic erhob sich:Es '.st mir unmöglich, noch länger auf Ihre Großeltern zu warten, Monsieur Bouvier! Ich bedauere es außerordentlich, sie nicht noch einmal gesehen zu haben! Bitte, danken Sie ihnen in meinem Namen für die freundliche Aufnahme, die sie mir ge­boten haben. Ich wünsche ihnen dreien alles Gute"

Er verließ unmittelbar hinter ihr das Garten­haus. Die Stimmung von eben war, wie so oft, durch einen Zufall zerrissen worden. Jetzt hieß cs für ihn, die letzten wenigen Sekunden des Bei­sammenseins inlfaltsreich und aussichtsvoll zu ge­stalten.

Dann muß auch ich jetzt von Ihnen Abschied nehmen, Mademoiselle. Ich wage es nicht, Ihnen meine Begleitung zur Abreise morgen früh an- zubielen."

Aber sie wehrte hastig ab. Sie dachte wieder an Dictwart. Er wollte sie trotz der frühen Sttmde zum Bahnhof geleiten und ihr wieder eine Fahrt im .Krümperwagen ermöglichen, weil der Bahnhof außerhalb der Stadt lag. Seine Fürsorge, seine Ritterlichkeit umgab sie bis zum letzten Augenblick.

Karlsruher in angenehmer Weise überraschten. Rach den Torgelegenheiten hätten sie sogar ge­winnen können. Der D. f. B. Stuttgart wehrte sich gegen den 1. F. C. R ü r n b e r g ver­zweifelt. Er lieferte dem Gegner eine voll­kommen gleiche Partie. Der 0:1-Sieg des 1. F. C. Nürnberg kann nur als glücklich bezeichnet werden. . Auch bei der Begegnung Sportver- ein 1 8 6 0 München gegen S. C. Freiburg, daß die Münchener 3:1 gewannen, gab es einen fast ebenbürtigen Kampf. Technisch waren aller­dings die Münchener überlegen und hatten hier­durch ein kleines Plus. Die Freiburger prunk­ten durch ihren Eifer. Leider gab es auch einen Spielabbruch, da Union Böckingen gegen Wacker München wegen Streitigkeiten der beiden Parteien beim Stande von 0:1 abge­brochen werden muhte.

In der Gruppe Rordwest zeigte der F. Sp. B. Frankfurt nach langer Zeit wieder einmal ein gutes Spiel und schlug den B. F. L. R e d a r a u, wenn auch reichlich hoch, so doch verdient mit 7:2 Toren. Die Reckarauer schei­terten an der Minderwerdigkeit ihrer Läufer­reihe. B. f. L. Reu-Isenburg verschenkte einen Punkt an Borussia Reunkirch en durch ein leichtsinnig herbeigeführtes 2:2. Die Borussen bemühten sich, die schlechten Leistungen ihrer seitherigen Spiele nach Möglichkeit ver­gessen zu machen, was ihnen auch einigermaßen gelang. Zwischen Saar 05 Saarbrücken und Rot-Weiß Frankfurt a. M. kam es mit 1:1 auch zur Punktteilung. Die erste Hälfte sah Saar 05 im Angriff und mit .1:0 in Führung, später kamen die Frankfurter besser zur Geltung und erzwangen schließlich den ver­dienten Ausgleich.

Durch die gestrigen Spiele hat sich in der Runde der Meister die Spielvereinigung Fürth und K. F. B. auf den zweiten und dritten Tabellenplatz voraeschoben und vor Wor­matia, Eintracht und Kickers gelegt, während die Münchener Bayern immer noch die Spitze behaupten. Die beiden letzten Tabellenplätze wer­den von den punktlosen Spvgg. Waldhof und F. D. Saarbrücken eingenommen. In der Gruppe Südost der Zweiten und Dritten führt der 1. F. C. Nürnberg ohne Punktverlust vor D. s. R. Fürth und Sp. B. München. In der Gruppe Nordwest liegt F. Sp. B. Frankfurt an erster Stelle vor B. f. L. Neckarau und Rot-Weiß Frankfurt.

Die Berliner Znßball-Verbandsspiele.

Die Berliner Berbandsspiele nahmen am ge­strigen Sonntag den erwarteten Ausgang. In der Abteilung A konnte T a s m a n i a den Spitzenfahrer Hertha BSE nicht gefährden und wurde glatt mit 4:0 geschlagen. Der Span­dauer SB., der nach Berlustpunkten dem Ber­liner Meister am nächsten steht, siegte über Wacker 04 mit 6:4. Der vom Abstieg be­drohte Lucken walder BSC setzte zu einem gewaltigen Endspurt an und triumphierte über Den Berliner SD. 92 mit 6:5.

Hockeymeisterschaft, die am gestrigen Sonntag auf dem Rießer See entschieden wurde, siegte zunächst der Berliner Schlittschnhclnb über den Eissportver­ein Füssen mit 10:0. (In den entsprechenden Dritteln 2:0, 3:0, 5:0.) In einem weiteren Vorrundenspiel schlug Preußen Berlin den Hockeyclub Stuttgart 1:0 (0:0, 0:0, 1:0).

Im Endspiel um die Deutsche Eis- Hockeymeisterschaft siegte der Berliner Schlittschuhclub über den Sportclub Rießer See 2:1 (1:0, 0:0, 1:1). Den zweiten Platz belegte der Sportclub Rießer See.

Oie deutsche Eisschnellaufmeisterschast.

Die Deutsche Eisschnellaufmeisterschaft wurde gestern ebenfalls auf dem Rießer See ausgetra­gen, und zwar fiel die Entscheidung über 1500 Meter und 10 000 Meter. Heber 1500 Meter siegte Döllstedt- Altona in 2.43, der bereits am Samstag den 5000-Meter-Laus gewonnen hatte. Im 10 000-Meter-Lauf siegte in 20.16,5 der deutsche Rekordmann M e y k e n . der jedoch den erlittenen Punktverlust nicht mehr aufholen konnte und im Gesamtergebnis dem Altonaer Döllstedt den Sieg überlassen mußte.

Ergebnis: 1. Döllstedt- Altona, 2 M cy- k e n - Berlin, 3. Müller- Berlin.

Thüringer Rodelrneisterschast.

Die am Samstag in Fxiedrichsroda aipqetragene Thüringer Rodelmeisterschaft gewann ^idienrat R o d i g a ft (Gotha).

Schlesische Rodelmeisterschast.

Auf der 5,180 Kilometer langen Hampelbauden- Bobbahn bei Krummhübel gelangte am gestrigen Sonntag die Bezirks-Rodelmeisterschaft von Schlesien zum Austrag. Starker Schneefall beeinträchtigte die Schnelligkeit. 28 Damen und Herren bewarben sich um die Meisterschaften, die folgende Ergebnisse hatten: Damen: l.Frl. Reitz (Krummhübel) 9:4,1; 2. Frl. Holz (Reinerz) 9:28. Herren: 1. E. Haase (Brückenberg) 7:45; 2. G. Haase (Brückenberg) 8:5; 3. Wagner (Schreiberhau) 8:17.

Neuer Schwimm-Weltrekord.

Bei den australischen Schwimm-Meisterschaften, die zur Zeit in Brisbane ausgetragen wer­den, wurde Arne Borgs 500-Vards- Weltrekord, den der Schwede vor genau zwei Jahren mit 5,31,4 in Detroit in Amerika auf- stellte, zweimal unterboten. Der Sieger Iones (Westaustralien) legte die Strecke in der neuen Weltrekordzeit von 5:23-5 zurück, und auch der zweite, Grier (Queensland», der drei Parbs hinter Iones einkam, unterbot mit 5:28 noch Borgs alte Welthöchstleistung.

alten Festungsstadt. Zwischen den Girlanden leuch­teten zahllose Fähnchen in blau-weiß-roten Farben.

Straßburg rüstete fieberhaft zum Einzug der französischen Truppen!

Dietwart floh aus den Hauptstraßen, über Die Brücken der träge fließenden Jll in den alten Stadt­teil, der zur Krutenau führte. Am Schiffleutstaden verlangsamte sich sein Schritt, als ihn eine fast auf­fallende Stille umgab, als ob all die aufgespeicherte Nervosität der letzten Wochen sich im Zentrum der Stadt ein Rendezvous gab zum Austausch der Meinungen, von Fragen, zum Aufsangen neuer Nachrichten. O, wie sehr wünschte er, all dem aus dem Wege zu gehen!

War es möglich, daß man durch die Straßen der geliebten Heimatstadt mit einem Empfinden dahin- schlcichen mußte, als sei man ein Verfemter? Ein Verlachter, ein Vogelfreier? In derselben Stadt, in der man zum ersten Male seine Augen aufgeschla­gen hatte, um die man vier lange schwere Jahre draußen im Angesicht des Feindes gekämpft? War das möglich?

Seit Jahren trug er heute zum ersten Male Zivil bei der Rückkehr in die Heimat. Jeder, ja, fast jeder, der ihm in den Hauptstraßen eben begegnet war, hatte einen prüfenden Blick auf fein Knopfloch ge­worfen. Und wenn man keine der blau-weiß-roten Kokarden entdeckte, die urplötzlich in den letzten Tagen in einer Anzahl von Läden zum Verkauf er­schienen waren, und wie jeder Elsässer und jede Elsässerin sie jetzt trug, um sich als beginnende gute französische Patrioten zu zeigen, der wandte mit spöttischem Lächeln, einem Lächeln der Gering­schätzung den Kopf weg, denn nun war er nichts als einBoche". Ein Deutscher. Einer von denen, die denKrieg verloren hatten"!

Ja, so war der Krieg zu Ende gegangen! Der Nacht entsann er sich, da sie bei Fackelschein hier an der Spitze ihrer Komoagnie ausgerückt, im glei- ck>en Regiment, er und Raymond. Jetzt schlich sich jeher aus aller Wett Enden, von Norden und Süden und Osten her wieder schnell über den Rhein herüber, wer im Elsaß zu Hause war, noch schnell, ehe die französischenSieger" einrückten und das ganze Rheinufer absperrten.

Sein Weg galt jetzt dem ersten Besuch der Ge­liebten. Galt dem Freunde. Er sehnte sich nach Verständnis, nach Schonung seines vaterländischen

- - MreN «Meld.

Ruppertenrod. 22. Ian. Dieser $aae hielt Landwirtschastsassessor D r. S e l z e r vom Landwirtschastsamt Grünberg in der Gastwirtschaft Schorrdt einen Dortrag über- Die Düngung unserer landwirtschaftlichen Kulturpflanzen unter besonderer Berücksichtigung ber Kalk- und Kalidüngung". Bürgermeister D ö l s i n g eröffnete die stark besuchte Derfamm- lung und wies in kurzen Worten auf die De- deutung des Dortragschemas hin. Der Redner erläuterte die au ergreifenden Düngungsmaß- nahmen. Dornehmlich ging er auf die Verwend- bartett, aus die Zeit des Ausstreuens und des Mischens der einzelnen Düngemittel näher ein. Die anschließende Aussprache zeigte, welch reges Interesse man derartigen Fragen schenkt. Die zahlreich an den Redner gestellten Fragen wur­den in verständlicher Weise beantwortet. Bürger­meister Dölsing sprach Dr. Selz er den Dank der Dersammlung für den lehrreichen Dor­trag aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die vielen Anregungen des Redners auf frucht­baren Boden fallen möchten.

(-) G r o ß - F e l d a , 22. Jan. Unter der Leitung seines Vorsitzenden, Sattlermeisters V ö l z i n g , hielt

Darf ich Ihnen zum Abschied eine Blume bie­ten, Komtesse? Was vermöchte ich Ihnen sonst zu geben? Ich werd meinen Liedern sagen, daß sie zu Ihnen auch in der Ferne flattern." Er sah sich unter den Blumenbeeten suchend um.Aber etwas Sichtbares, Komtesse wenn Ihre Augen auf der Fahrt auf einer Rose ruhen würden, die ich Ihnen jetzt biete. Sie würden mich glücklich machen!"

Unwillkürlich war auch sie stehen geblieben, als er einen Rosenzweig zu sich herabzog und einen Schritt auf den Rasen trat.Hier diese Rose ist die Königin unter allen Rosensorten, Komtesse! Die La-France-Rose! Schön wie Frankreich ist. La belle France!"

Sie nahm sie mit gesenktem Blick. Seine Worte gruben sich in ihr Herz.

Zwischen den halberblühten Blättern der Rose lagen noch Tropfen.Wie Tränen sehen sie aus", sagte sie leise, bald für sich.

Er aber überhörte ihre Aeußerung und sagte halb­laut und mit der warmen, weichen Eindringlichkeit, die sie so an ihn zu fesseln begann:Nehmen Sic diese Blume als ein Symbol! Gönnen Sie dieser La France ein Andenken bis"

Sie raffte sich auf, hob den Blick und reichte ihm hastig die Hand. Ganz sichtlich wollte sie Den Schlußgedanken seiner Worte kürzen.Ich danke Ihnen, Monsieur Bouvier! Und nun nochmals alles Gute! Und Grüße an Ihre Verwandten!"

Wie sie das Haus verließ, preßten sich ihre Fin­ger um den etil der Rose. Die Dornen drangen ihr ins Fleisch. Einige Blutstropfen quollen ihr über die Finger.

So rot, so dunkel, so schwer, als sei es Herz­blut, das um dieser La-France-Rose willen floß!

Das Lied, das er vorhin gesungen, umschwebte sie noch immer.

Hab ich nur deine Liebe

Die Treue brauch ich nicht!"

O, was für ein frivoles Lied war es doch im Grunde!

Eine Liebe ohne Treue?

Faßte Monsieur Bouvier die Liebe ebenfalls in diesem Sinne auf?

Viertes Kapitel.

Grüne Girlanden zogen fick von Haus zu Haus und spannten sich über die schmalen Straßen der

Wirtschaft.

Oer deutsche Außenhandel im Dezember 192Z.

Der deutsche Außenhandel zeigt im Dezember 1927 hn reinen Warenverkehr einen Cinsuhrüberschuß von 304 Mil­lionen Mart, gegen 381 Millionen Mark im Dor- monat.

Die Einfuhr im reinen Warenverkehr ist im Dezember gegenüber dem Dormonat um 33 Millionen Mark zurückgegangen. Wäh­rend die Rohstoffeinfuhr noch eine weitere Stei­gerung um 13 Millionen Mark aus weist, zeigt die Einfuhr an Lebensmitteln (um 22 Millionen Mark) und fertigen Waren (um 20 Millionen Marl) einen Rückgang. Bei der Ausfuhr ist dagegen eine Zunahme um 43 Millionen Marl festzuftellen. Daran sind alle Gruppen beteiligt, vor allem die Rohstoffe (mit 16 Millionen Mark) und die Fertigwaren (mit 27 Millionen Mark,

Die Einfuhr an Gold und Silber ist gegenüber dem Dormonat um 4,2 Millionen Mark zurückgegangen, ebenso zeigt die Ausfuhr eine leichte, Abschwächung.

Die Gestaltung des deutschen Außenhandels im Monat Dezember hat den von uns erwarteten Derlauf genommen. Der Passiv-Saldo weist gegenüber dem Dormonat einen Rück­gang um 77 Millionen Ml. aus. Der Einfuhr­rückgang bei den Lebensmitteln ist von uns be­reits bei Besprechung der Novemberbilanz des Außenhandels in Aussicht gestellt worden, und man kann damit rechnen, daß die Getreide- Importe in den nächsten Monaten weiter zurückgehen werden, so daß in dieser Beziehung im Dezember tatsächlich ein Wandel eingetreten ist. Auffällig ist der weitere Rückgang bei der Einfuhr von Eisenerz, der daraus hindeutet, daß der Beschäftigungsgrad der deutschen Eisen­industrie doch einen leichten Rückgang zeigt, ob­wohl die noch abzuwickelnden Aufträge der Eisen­industrie nach ihren eigenen Angaben eine hun dertprozentige Beschäftigung für die nächsten drei Monate sichern. Die weitere Steigerung der Ein­fuhr von Rohstoffen, die als eine Folge der Saison, nämlich gesteigerter Importe in Wolle und Baumwolle zu werten ist, läßt nicht auf ein Nachlassen der Inlandskonjunktur schließen, wenngleich auf der anderen Seite der erneut eingetretene Rückaastg der Einfuhr an Fertig­waren um 20 Mill. Mk. auf die allmählich nach­lassende Bedarfsnachfrage des Inlandsmarktes hinweist. An der Zunahme der Fertig- Warenausfuhr sind die meisten Warengrup­pen beteiligt, so Cisenwaren- und Walzwerk- erzeugnisse mit einem Plus von 11,3, Maschinen mit 6,5 Mill. Mk. Zunahme, ferner chemische Erzeugnisse, elektrotechnische Erzeugnisse, Papier­waren u. a. mehr. Der S t a h l w e r k s v e r- band hat.demnach seine Derkausstätigleit auf den ausländischen Märkten in Anbetracht der leichten Steigerung für Walzwerksfabrikate er­höht, stachdem er seit Monatsfrist sich mehr unb mehr von den Auslandsmärkten zurückgezogen hatte Die Bilanz der Textilindustrie stellt sich, wenn man sie allein betrachtet, nicht sehr günstig da, denn der eingangs erwähnten saison- mäßig bedingten Steigerung ihrer Rohstoffeinfuhr und dem 7,6 Mill. Mk. betragenden Rückgang der Einfuhr an Textilfertigwaren steht eine Ver­minderung der Ausfuhr an Textilfertigwaren gegenüber, obwohl der Beschäftigungsgrad der bcuud)en Textilindustrie für das Inland eine rückgängige Tendenz hat. Wir hatten bereits früher einmal darauf hingewiesen, daß die Textil­industrie Gefahr läuft, infolge ihrer hohen Preise nicht exportfähig zu fein; gerade sie als ausgesprochene Deredelungsindustrie sollte sich mehr der Pflege des Exportes widmen, um auf den ausländischen Märkten konkurrieren zu können.

Der Dezember hat für das Ergebnis der Iahresbilanz 1927 des deutschen Außenhandels keine Aenderung mehr brin­gen können. Die Passivität beträgt 192 7: 3,9 Milli arden Mark, gegenüber 0,1 in 1926 und 3,5 Milliarden Mark für 1925. Die Ziffern des deutschen Außenhandels waren sowohl auf der Einfuhr-, als auch auf der Aus­fuhrseite die höchsten seit der Stabilisierung, und der Außenhandel hat ein Dolumen erreicht, welches der hohen wirtschaftlichen Tätigkeit der deutschen Wirtschaft im Iahre 1927 entspricht. Die

Gefühls, nach warmer Begrüßungsfreude. Denn fremd war ihm heute die Heimat entgegengetreten, ach, wie fremd!

Am Hause der Baronin Welzin-Hammerschlag wandte Dietwart sich sekundenlang um und sah zum Münster hinüber. Frei schweifte von hier ans über das Wasser der Blick zum herrlichen alten Erwins- bau. In gleick)er Majestät reckte sich der feingeglie­derte Turm über dem Gewirr der roten hochgiebe- ligen alten Häuser.Du bist noch der Alte, der ewig Majestätische, der allen Wandel der Zeiten lieber dauernde!" dachte er still.

Das Dienstmädchen öffnete ihm mit dem Be scheid: die Frau Baronin sei zu Hause. Die beiden Geschwister müßten jeden Augenblick von einem Ausgang zurückkehren.

Die Baronin * empfing Dietwart mit wohltuender Herzlichkeit. Sie hielt bei der Begrüßung seine Rechte in der ihren und sah ihm ins Gesicht. Deut­lich las ihr mütterlid)er Blick noch die Spuren all der seelischen und körperlichen Erlebnisse.Schmal sind Sie geworden, lieber Dietwart! Erschöpft. De­primiert! Und doch Gott sei Dank, daß Sic zurück- gekehrt sind! Das ist doch die Hauptsache. Wenn Äe auch dem Kriege einen schmerzlichen Tribut haben zollen müssen."

Sie blickte an seinem Arm herab. Eine künstliche Hand, mit einem Handschuh übeqpannt, sah an­dern Aermel.Sie haben bereits eine künstliche Hand erhalten, Dietwart? Kommen Sie, nehmen Sie Platz. Melusine und Raymond müssen jeden Augenblick zurückkommen."

Ja, Mama," die Baronin hatte ihm seinerzeit bei der noch unveröffentlichten Verlobung diese An­rede angeboten, bis man einst bei der Publikation zum familiären Du übergehen würde,ich komme ja direkt aus dem süddeutschen Lazarett, dem eine Prothesenanstalt angegliedert war. Ich werde kaum in meinem künftigen Berufe gehindert sein. Und auch sonst ist es mir lieb, daß diese Verstümmelung nicht zu offensichtlich ist. Auch um Melusinens willen."

Die kleine Pause wuchs sich zu einem fast pein­lichen Schweigen aus. Er überlegte, ob er gerade roegs mit seinem Empfinden der Baronin gegen über heraustreten und,sie sreiweg fragen sollte, ob wirklich Melusine'?

(Fortsetzung folgt.)