läge der Stadt, arte dem hervorgeht, daß Wetzlar zur Zelt eüun Grundbesitz von rund 411 Hektar besitzt, darunter viel wertvolles Bauland. Das Gesamtvermögen bej.fert Dr. Kühn auf 15800 000 Mark, dem emr Schuldenlast von etwas über 9Vs OKI tioncn gegen- übersteht. Letztere wurde dann noch ein,em er» läut .'Ti, wobei auf die einzelnen Baujahre zurückgegangen wurde. Die in der öffentliche Der- sammlmig angegebenen Summen an Zinsbelastung bezeichnete Bürgermeister Dr. Kühn als unrichtig. Bon einer katastrophalen Lage der städtischen Finanzlage läimc keine Rede fein; die Stadt sei in dec Lage, allen ihren Verpfsich urgen nach'ulommen. Auch der Stadtbaurat Golder gab in längeren Ausführungen ein Bild über die Baukostenfrage der in Betracht kommenden Pro eite, und versuchte an Hand von Zahlen eine Begründung der fteberschreftungen zu geben, die sich weniger aus Mehrausgaben bei dm Bauprrtsen, all aus Mehrleistungen bei dem Zinsendienst und dem Kursverlust der Anleihen erg.ben würden. Eine Aussprache über die Ausführungen der beiden Redner wurde nicht brltebt, und so wurde der Antrag auf Eir.s.hung eines Regierung-- k o m m i s f a r s zwecks Prüfung der ganzen städt. Dermrgenslage einstimmig angenommen.
Die weiteren Punkte der öfientlichen Sitzung waren anscheinend unter dem Eindruck deS voran»
Berkehkksiechnische Betrachtung zur Gießener Krastomnibuslinie
Von Architekt H. Völker, Gießen.
Oberheffen.
Landkreis tz-ietzeu.
CO Klein-Linden, 21. Dez. Aus der G e meinderatssitzung vom Donnerstagabend ist als bemerkenswert zu Berichten: Der Freiwilligen Feuerwehr wurde auf ihren Antrag ein vorläufiger Zuschuß von 100 Wart für Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen und Retüings- geräten gewährt. — Wie in den letzten Jahren, so sollen auch dieses Jahr wieder an Sozialrsnten- empfänger, Hilfsbedürftige und Erwerbslose Win - terbeihilfen ausbezahlt werden. Der Ge- meinderat bewilligte für verheiratete Sozialrentenempfänger und Hilfsbedürftige mit Familien 25 Blk.. für Alleinstehende mit eigenem Haushalt 20 Mark und für Ledige 15 Mark. Erwerbslose unter 2,93 Mark täglicher Erwerbslosenunterstützung sollen als Verheiratete 20 Mark, als Ledige 10 Mk. erhallen. Der Gesamtbetrag der Unterstützungen beträgt 1120 Mark, davon trägt ein Viertel der Kreis Gießen, weitere 40 v. H. werden vom Staat aufgebracht. Um auch den übrigen Erwerbslosen eine Winterbeihilfe zu gewähren, genehmigte der Gemeinderat für bedürftige Verheiratete die Auszahlung von 12 Mark und für bedürftige Ledige 6 Mark.
□ Allendorf a. d. Lahn, 21. Dez. Aw Dieltet ag hielt der hiesige Kirchengesang-- verein im Luhscheu Saale eine wvhlgelungene Familien- und Weihnachtsfeier ab. Die Festansprache hielt der Ortsgcistliche, Pfarrer Decker, über das Wort: „Also hat Gott di: Welt geliebt." Schon torgetragene Weihnachtsgedichte, entsprechende Lieder des Kirchen» chores und gemeinsam gesungene^ Weihnachtschoräle umrahmten die Feier. Höhepunkte des Abends bildeten die Ausführung: „Hnb es waren Hirten auf dem Felde" und die lebenden Bilder zu dem Liede: „Qlm Wcihnachtöbaum die Lichter brennen“. Am Schlüsse überraschte der Verein seinen Dirigenten mit einem prachtvollen Weihnachtsgeschenk.
* Annerod, 21. Dez. Die Erlen strafte in unserem Orte ist für La st fuhrwerke und Lastkraftwagen über drei Tonnen Gesamtgewicht gesperrt worden. Zuwiderbandlungen gegen die E'errvorschrist sind mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. bedroht. -
• Alten-Duseck. 21. Dez. Der hiesige Frauenmissionsverein hieU gestern Donnerstag, abend im festlich geschmückten Saale der Klünkinderfchule unter sehr zahlreicher Beteiligung s.ine Weihnachtsfeier ab, der diesmal insofern noch eine besondwe BedeuüurZ zukam, als damit die F.iec seines 20jährigen Bestehens verbunden war. Der Ortspfarrer gab in ferner Ansprache einen RücDlick auf die verflossenen zwei Jahrzehnte, und konnte fest- stellen, daß der Verein in dieser Zeit nicht nut an Mitgliederzahl gewachsen, sondern auch cm Klarheit in dw Erfassung sei irr Ziele und Aufgaben erstarkt fei. Es ergab sich erfreulicherweise, daß von den 60 F.auen, die einstmals int Jahre 1908 den Verein hatten gründ,n h-elfen, noch h«rte 25 dem Verein angehören, der jetzt ungefähr 90 Mitglieder zählt. Aus den Mi'.teln des Vereins werden, abgesehe:^ von Aufwendungen für Zwecke der örtlichen Kirchengemeinde^ hauptsächlich unterstützt die Baseler und die Gvß^ merjche Mission. das syvi che Waisenhaus inj Jerusalem und das Evangelisationswerk in Spanien. Möge es dem Verein, der dem Verband evangelisch-kirchlicher Frauenvereine in Hessen an» geschlossen ist, noch lange Jahre vergönnt fein, wie seither mit stets wachsenden Kräften feinet schönen Aufgabe zu dienen
s. Beuern, 21. Dez. Am Bescherabend vollendet die zweitälteste Einwohnerin unseres Dorfes, die Landwirtswitwe Marie Dietrich, ihr 8 7. Le bensj'ah r. Sie rnutz zwar viel zu Bett liegen, ist aber geistig nrchi völlig gesund. Sie ist Wohl weit und breit dis einzige noch lebende Tochter eines alten, durch seine Kriegserlebnisse bekannten Rußlandkämp- fers der napoleonischen Zeit. Das höchste Lebensalter zur Zeit hat gleichfalls ein weibiiches Glled der Gemeinde, Frau Fiedler, die noch ein halbes Jahr älter ist als die oöengenarave. Außer diesen beiden weist unser Dorf noch sieben weibliche Personen auf, die das achtzigste Seoatet fahr überschritten haben. Dagegen sind unsere alten Kriegsveteranen alle gestorben bis auf einen. Heinrich S ommerlad, ber’un Anfang der 80er Jahre steht.
Z Saasen 21. Drz. Der Evangel. kirchliche Frauen- und Jungfrauen« Verein, der seit 14 Jahren bei uns besteht, begründet und geleitet von Herrn und Frau Lehrer Herber, hatte seine Mitglieder dieser Tage zu einer Feierstunde eingeladen Zahlreich waren die Mitglieder dem Stufe gefolgt, so daß der Saal von Wilhelm Schepp von den erschienenen ca. 130 Frauen und Mädchen völlig besetzt war. Mit dem Adventslied »Wie soll uh dich empfangen" begann die Feier, worauf der Leiter eine kurze Begrüßungsansprache hielt, die in den (Iedanlengang der Feier einführte. „Es ist ein Aos entsprungen', so klang es darauf, und nach einem Begrüßungsvorsprach sang der Mädchenchor „Es scheinen die Sternlein so hell". Das Leben, ein Wandern zur Ewigkeit, war der Grundgedaicke der folgenden CBorträge, die teils heiter, teils ernst zu uns redeten und klangen. Zeit — Erinnerung — Gegenwart traten auf in einem Gespräche. Der Jungfrauenchor fang „In goldnen lenzesfrohen Tagen". Es folgte ein Vortrag mit Chören: „Die zwölf Monate", worin die Monate als Personen auftraten und ihre Besonderheit darstellten, zwischendurch waren passende Chöre eingefügt. Aach einer Pause, die der leiblichen Stärkung gewidmet war. folgte eine scherzhafte Aufführung: „Mädchen von heute", die ebenso, wie alles Gebotene, von den Märchen flott und gut bargeboten wurde. Dach
DerKommunalkonWinWetzlar.
Die Verwaltung verteidigt sich.
LS Wetzlar, 21. Dez. Die gestrige S t a d l v e r - ordnetensitzung brachte die lieber» raschung, daß Bürgermeister Dr. Kühn einen für die nichtöffentliche Sitzung vorgcs hen.nPunkt, nämlich die Vermögens- und Schuldenübersicht der Stadt, in offen l.cher Sitzung bchandeln ließ, um dabei sich g'eichzeüig über Die Angriffe zu äußern, dis am letzten Dienstagibmb in öfftnt ich:r Versammlung gegen, ihn und die Verwaltung erhoben worden waren. Dr. Kühn bedauerte hierbei lebhaft, daß diese öf.enftiche Dersammlurg cinb:rufen worden sei, zu der absolut kein Grund vorg liegen habe. Hätte er sich geweigert, den Anträgen der S.adt- verordneten zu entsprechen, dann wäre das Grund gewesen, an die breite Öffentlichkeit zu gehen, aber er habe ja allen Wünschen willfahrt, und die Unterlag m, dis in dis Hände der Stad.v rordnften g kämmen feien, beto.cfen es. Dabei seien alte Labenhü.er Li der Derfammlung aus getischt worden, dir längst als unwahr er- teufen seien. Mit solchen Erna.tonen fei jedoch schon immer in Wetz'.ar gearbeitet worden. Gegen Verleumdung rn sei er immun. An Hand eines zahlreiche Materia's gab Dr. Kühn alsdann einen Heberblick über die Finanz-
ster Anschluß zum Bahnhof geschaffen ist. Ferner ist die Universität dadurch mit den Kliniken und allen chren wichtigsten Instituten dieses Stadtteils und dem Studentenheim in einer unmittelbaren, nur ein paar Minuten Fahrzeit erfordernden Linie verbunden.
Trotz vieler Vorteile fehlen aber auch dieser Linienführung noch zwei notwendige Ergänzungen. Einmal ist die Verbindung mit dem Stadtzentrum auf den Uebergangsoerkehr an Bahnhof und Ludwigsplatz zur Straßenbahn angewiesen. Da von diesen die rote Linie den Wochen- markt auch nicht unmittelbar berührt, ist die Verbindung mit diesem besonders für Hausfrauen mit gefüllten schweren Einkaufstaschen nicht so verlockend, wie sie zu einer starken Benutzung von dieser (Seite wünschenswert ist. Deshalb müßte die Verbindung zum Stadtzentrum vom Ludwigsplatz aus, unter Vermeidung einer Konkurrenz zur Straßenbahn und unter Umgebung der verkehrstechnisch schwierigen Altstadt, in folgender Weise weitergeführt werden: Durch die Roonstraße (Haltestelle am Großen Steinweg, — eine Minute Fahrt) zur Moltkestraße (Haltestelle für Eisbahn, — zwei Minuten Fahrt). Durch die Moltkestraße zur Ostanlage (Haltestelle für Landwirtschaftliches Institut, — drei Minuten Fahrt). Durch die Senckenbergstraße zum Landgraf - Philipp - Platz. (Haltestelle für Wochenmarkt, Botanisches Institut, Polizeiamt, Kreisamt, Agrikulturchemisches Institut, Gericht, Kaserne usw., — fünf Minuten Fahrt.) Dadurch kann man ohne Umsteigen von Klein- Linden in zwanzig Minuten und von allen Außenbezirken Gießens in noch weit kürzerer Zeit ohne Umsteigen und mit Erschließung von lauter Wohnbezirken, die jetzt ohne Derkehrsmillel sind, bis zum Wochenmarkt, also mitten ins Stadtzentrum, gelangen. — MU zwei Wagen wäre das allerdings nur bei einem Fahrtabstand von zwanzig Minuten möglich, während fünfzehn Minuten wohl als das Höchstmaß an Zwischenraum zwischen zwei Wagen anzusehen ist, da Verkehrsmittel, welche zu selten fahren, wiederum deswegen weniger benutzt werden. Aber notwendig in allernächster Zeit wäre die Durchführung zum Wochenmarktplatz unbedingt, weil eben erst dadurch die Vorbedingungen zu einer restlosen Verkehrsausnutzung dieser Linie gegeben ist. Die zweite notwendige Ergänzung zu der projektierten Linie wäre die Ausdehnung des Außenbezirkoerkehrs auch auf der Nord- und Westseite Gießens mü dieser zusammen zu einem einheitlichen System. Die Wagen mußten vom Landgraf-Philipp-Platz weiter laufen zum Walltor (Haltestelle mit Uebergang zur grünen Linie, — ab Ludwigsplatz sieben Minuten Fahrt). Von hier über Nordanlage-Schottstratze .zur Steinstraße (Hallestelle, — acht Minuten vom Ludwigsplatz). Durch die Steinstratze bis zur Weserstraße (Haltestelle, — neun Minuten ab Ludwigsplatz). Sodann durch die Weserstraße wieder zur Nordanlage (Haltestelle für die sämtlichen dortigen Schulen und Kaufmännisches Dereinshaus, — zehn Minuten ab Ludwigsplatz). Die Linie läuft bann über die Nordanlage zur Unterführung am Os- waldsgarten (Haltestelle für Biebertalbahn, Wohngebiet an und jenseits der Lahn. — elf Minuten ab Ludwigsplatz). Ueber die Westanlage zur Bahn- hofstratze (Haltestelle für die Schule an der Westanlage und Uebergang auf rote Linie ins Stadt- innere, — zwölf Minuten ab Ludwigsplatz). Die letzte Strecke führt dann unmittelbar zum Bahn, Hof, — ab Ludwigsplatz in 14 Minuten.
Mithin wäre der gesamte Außenverkehr mit vier Wagen und 15 Minuten Wagenfolge zu bewerkstelligen. Der große Vorteil dieser letzten Strecke besteht nicht nur in der unmittelbaren Verkehrs- erschließung des bisher sehr abgelegenen Gebietes in der Gegend der Lahn und der Steinstraße durch schnellste Verbindung zum Markt, zum Bahnhof und zu allen anderen Stadtteilen, sie schafft auch die notwendige Verbindung zwischen Bahnhof und Biebertalbahn einerseits, zwischen Stadtzentrum und dieser andrerseits, und sie schafft drittens die notwendige Fahrverbinduna aus den entgegengesetzten Stadtteilen zu den Schulen an Nord- unb Westanlage. Zweifellos würden hier zahlreiche Schülerabonnements mit evtl. Schülersonderfahrten in Frage kommen.
Allerdgings ist für solche Sonderfahrten, wie auch für alle unvorhergesehenen Fälle oder Wagendefekte ein fünfter Reservewagen erforderlich, wie auch schon bei halbem Linienbetrieb ein dritter Reservewagen zur Hand sein müßte. Ader vielleicht ist hier zunächt die Möglichkeit zu einer Vereinbarung mit Privatunternehmern ober Reichspost gegeben, daß zu solchen Fällen Wagen auf einzelne Fahrten gemietet werden können.
Der Zweck dieser Ausführungen soll nur jein, die wesentlichsten Gesichtspunkte für die Gestaltung dieser neuen Gießener Verkehrslinien einmal kurz zusammenzustellen, und schon aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, welche bedeutenden Verkehrsvorteile und -möglichkellen bestehen und welches 3neinanbergreifen der jetzigen mit den künftigen Verkehrslinien sich ergibt
gegangenen schneller erledigt, als eS sonst fiel so.chen Vorlagen der Fall ist. Für den Dau von Kleinwohnungen wurde die Aufnahme einer Anleihe von 130000 Mark gut- geheißen, wobei über die Art der Ausführung der Bauten noch gesprochen werden folL Ein Antrag sämtlicher Fraktionen auf Abänderung der bestehenden Orsgesetze wegen Erhebung d.r Anliegerbeiträge kam trotz der borge* brachfen Bedenken der Stadtverwaltung zur An- nahm«. Einem Antrag der Verwaltung auf Qlb- änterung der Gewerbe st euersätze standen Bedenken der Stadtverordneten gegenüber, so daß dieser Punkt zurückgestellt wurde, und so ging man mittags um 2 Ahr bereits auseinander, um Anfang Januar einer Einladung des Re- gieruugspräsidenten auf persönliche Aussprache wegen des Konfliktes nachzukommen. Wann diese sein wird, steht noch nicht fest.
Savoyen abzuschaffen, den Militarismus ins Herz zu treffen und den Weg für alle politischen und wi.tschastlichen Forderungen fixizumachen.
Der erste Haufen, der zu dem schwarzen ‘Banner stieß, war der revolutionäre Arbciterverband Filippo Corridonis, des Syndikalisten, der bald darauf als einer der ersten vor dem Feinde fallen sollte. Beide Verbände setzten die Intervention als schwere Artillerie in ihre Llmsturzpläne ein und vereinigtest sich daher zu den Faszi Jnterventisti d'azio..e rivoluzionaria.
Bei der Lösung der dritten abenteuerllchen Aufgabe, einer unwilligen Regierung die Kriegs- erflärung abzupressen, sand Mussolini inD'An- nunzio einen Bundesgenossen, der wie kein anderer in die Trompete zu stoßen teuftte.
... Wie sich die roten Interventionisten die Benützung des Krieges al 3 Mauerbrecher für das (Sinti nnen der monarchischen Festung dachten, ist nicht ganz klar, und konnte niemals (lar werden. denn sie wußten es selber nicht. Ihre Führer, Mussolini und Corridoni, wußten nur. daß vor der Tat der Wil e zur Tat, vor dem Programm die Bewegung steht. Movimento, war einmal movimrnko tor.)andcn. Drw g ing dann würde ich schon das K .ralisicrurgs ystem dazu finden. Ein derart grwc l izcs Erri^nis wie der Krieg mußte ja dir entscheidende Wendung bringen.
ilnö die Wendung kam. Anders frcistch, größer,. sittlich reiner, als Mussolini gedacht. Beim Durch'w'ngen in drn Schützengräben strei t man leichter als sonst die letzten Parteischalen ab. Erschrocken über die Cinstimm g eit, m t der das Parteigericht den Abtrünnigen verurteil e, mit Schimpf und Schande ausftieß, hatte der einsam Geteordene, der Stunden vorher noch zu Hundert- tausenden sprechen konnte, mit erstick.et Ssimme in das Gewühl hineing?schr en. er sei und bleibe Sozialist, jetzt lag das' alle? weit zurück. In der näch-tlichen Feueresse des Karst begegnete ihm ein Schatten, der größer war als die Gestalt des väterlichen Verschwörers in der Schmiede, so groß und hoch, wie ein Mann, dem Heim und Herd zu schirmen das erste Gebot ist, überhaupt f(bauen kann: der Schatten dte Vaterlands. Der Mythos der Ration. Da sa rk dem Condottiere das Haupt auf die Brust, da brachte er den nationalen Gott die Internationale zum Opfer.
Das war die Wandlu-g. Von dieser Stunde an hatte die Revolution eine neue Idee. So-g- sam hütete ihr Träger das heitige Feuer, bis die Zeit erfüllt sein würde, es zum offenen Brand anzusachen.
Das also waren die Bajonette, die — das napo°> leonische Leitnwtiv an der Spitze des Popolo d'Itakia wurde Wirklich'«'ft — die Revolution gefunden hafte. Rationale Dafonette! Ga i'altb barrikaden! Jetzt hatte Mus olini seine Bestimmung erlannt. Richt mehr die Umwälzung war das Wesentliche, sondern die Grütze des Va e:- lands. Ja, nun g'aubte er daran. Run hafte er eine Religion. Sie mußte verbreitet werden, sei es auch mit Feuer und Schwert.
Da war er, der Renaissancemensch, der Mann des 15. Jahrhunderts. Rifti, sein unrersöhn- lichrr Feind, hat ganz Recht: Dieser Condottiere kommt von fernher! Wer aber will behaupten, daß er damit nicht in unsere Zeit pa.se? Wer kann wissen, ob eine spätere Zeit über unser Jahrhundert nicht ähnlich urteilt wie wir über das vier ehnte oder fünfzehnte? Ob es kommenden Geschlechten, nicht eben'o verworren, so geaufam und verworfen, so vul.anisch erscheint?
Jagt nicht feit der Iahrhundertteende ein Krieg den anderen? Gärt es nicht oben und unten? Sind wir nicht Zeuge des Zusammenpralles von Weltanschauungen, von Schichtenverschiebungen, von Gewalten, die eruptiv an die Oberfläche drängen und eher nach Üebertoältigung, als nach Ausgleich streben? Foltert man nicht in den Gefängnissen. gehen nicht bei jedem Herrschastswechsel Tausende und Abertausende zugrunde, ist das Geld noch sicher, liegt nicht drückendes Duiftel über allem und allen? Ist es nicht wieder so, als ob die Menschheit im Guten und Bösen sich neue Formen geben wolle, wie einst die Erde, bevor sie enDgültig erstarrte? Und ist sie endgültig erstarrt? Es sieht im ersten Drittel unseres Säkulums mindestens so aus, als ob wir förmlich in ein geologisches Zeitalter geraten wären. Hat nicht Oswald Spengler einen Untergang im Sinne einer Rückbildung angekündigt? Vielleicht ist sie Fortschritt, wir wissen es nicht. Vielleicht ist auch der Faszismus das eine oder das andere, wiewohl er heute lediglich eine Bestätiiuna der Spenglerschen Weisfagung von der Wiederkehr der Autokratie erscheint. Sollte er aber vorübergehen — nun, auch der Weltkrieg ist vorübergegangen. Was besagt das gegen ihn, was gegen den Krieg? Was gegen Mussolini?
Wie dem auch sei, keine andere Führergeftalt patzte so gu in die italienische Rachkriegszeit die dieser Bollstribun. Wit fernen Vorzügen wie seinen Schwächen war er der gegebene Mann. Richt umsonst hafte ihn das Schicksal im Schmelztiegel des Krieges geformt. Er wird mehr getrieben ton einer unbekannten Macht, als daß er selber treibt Er tennt sich schlecht aus in sich selbst. Als einmal eine große Zeitung ein Referendum veranstaltete, wie es jetzt Mode ist, eine Umfrage bei ihren Lesern, um die beste Definition der Persönlichkeit Mussolinis zu erhalten. da schickte er sie selber ein: „Ser Abgeordnete Mussolini erklärt, nicht genau zu wissen, was er eigentlich ist, schwerlich fömten es also andere wissen. — Veröffentlicht diese Erklärung und brecht die Rundfrage ab. Vielleicht kann sie in fünfzig Jahren wieder ausgenommen werdem"
Und vor die Biographie, die seine leidenschaftlichste Anhängerin schrieb, setzte er die Kritik: „In diesem Buche ist mein Leben — wenigstens jener Teil, den man kennen kann, denn jeder Mensch Hal Geheimnisse und unerforschbare . Winkel in seiner Seele."
Condottiere konnte Mussolini werden, weil ihm die Ratur eine ungemein feine Witterung mitgegeben hat. „Das Blut sagt mir alles. Ich muß nur auf mein Blut hören. Es ist so, ich bin wie die Tiere, ich fühle das Wetter, das kommt. Wenn ich meinem Instinkt folge, gehe ich niemals fehl."
Er ging nicht fehl, als eine herrenlose Zeit willens war, sich einem Führer zu beugen. Rach dem Kriege standen Die Aussichten für 1 inte und rechts gleich zu gleich. Wer wollte, konnte eine Staatsumwälzung probieren. Stoff für einen Qieubau war auch genug vorhanden, und viele wolllen. aber nur einer unter den Berufenen war auSerwählt. Es siegte der überlegene Führer.
Aus dem Amlsverkündigungsblatt.
' Das AmtSverkündigungsblatt R r. 92 vvm 21. Dezember enthält: Polizeiverordnung über den Fahrzeugverkehr in der Erlea- straße in Annerod. -- Dienstaachrichlen.
Nachdem in der Swdtoerordnetensitzung vom 14. Dezember die Einrichtung einer städtischen Kraftomnibuslinie in den von der Sfta- ßenbahn nicht berührten Stadttellen beschlossen wurde, wird man versuchen, die zweckmäßig st e Linienführung und Haltepunktfest- [ e g u n g zu bestimmen. Die nachfolgenden Zeilen sollen versuchen, hierzu die wesenllicysten Gesichtspunkte herauszustellen.
Erfahrungsgemäß sind Derkehrsmillel in den äußeren Stadttellen um so stärker frequentiert, je mehr sie die möglichst peripheren Gegenden nicht nur untereinander, sondern vor allem unter Berührung der wichtigsten öffenllichen Gebäude und Institute verbinden und zugleich eine denkbar schnelle Zuführung des Verkehrs zum Bahnhof auf oer einen Seite, zum Stadtzentrum auf der andern Seite ermöglichen. Für kleine und mittlere Städte ist es zur Erfüllung dieser Aufgabe notwendig, daß das Verkehrsmittel möglichst nahe bis an alle Wohngebiete der Peripherie herangeführt wird, auch wenn dadurch kleine Ausbiegungen aus einer direkten Ringlinie nach beiden Seiten erforderlich sind. Das Auto, als schnellfahrendes Verkehrsmittel, verliert durch eine solche Ausbiegung höchstens eine bis zwei Minuten, aber es befördert dadurch gerade die am weitesten entfernt wohnende Bevölkerung, die des Verkehrsmittels am meisten bedarf, bis unmittelbar an ihre Wohnstätten. Tut es das nicht, müssen die Bewohner der Peripherie erst noch fünf bis sechs Minuten gehen, bevor sie das Verkehrsmittel erreichen können, so verliert dieses leicht seine Bedeutung, denn der einmal begonnene Fußweg von sechs Minuten wird bann lieber in bisher gewohnter Weise um nochmals 'sechs Minuten fortgesetzt, und man ist dann schon ohne Verkehrsmittel entweder an der Straßenbahn, ober an ben ersten Geschäftsstraßen.
Diese Grunbsätze auf Gießener Verhältnisse an- .gewanbt, würde die Autolinie vom Ludwigsplatz zum Kliniksviertel und nach Klein-Linden am günstigsten auf folgender Route fahren: zunächst durch die Gartenstraße zur Stephanstraße. (Am Anfang derselben Haltestelle für bie neue Bürgermeisterei, Oberrealschule, Universitätsbibliothek, künftige Ortskrankenkasse, — eine Minute Fahrt.) Durch bie Stephanstraße zur Ecke Goethestraße (Hallestelle für neues Finanz- unb Versorgungsamt und für Phys.-Ehemisches Institut, zwei Minuten Fahrt). Durch bie Goethe zur Lud- wigstraße (Hallestelle für Universität, drei Minuten Fahrt). Die Ludwigstraße durch Unterführung zur Liebiastraße (Haltestelle für Pädagogium und ’ Kath. Schwesternhaus, — vier Minuten Fahrt). Die Liebigstraße auswärts bis Iheringstraße ober Weißerbe zur Erschließung dieses äußeren Wohn- . bezirkes und der daran anschließenden Fabriken (Haltestelle hierfür Ecke Liebigstraße-Weißerde, — fünf Minuten Fahrt). Durch bie Weißerde zur Wilhelmstraße (Haltestelle für Kreisgesundheitsamt. Hess. Dermessungsamt, Forstamt, — sechs Minuten Fahrt). Weiter durch die Wilhelmstraße zur Ludwigstraße aufwärts (Haltestelle Ecke Ludwigstraße- Leihgesterner Weg für das neue Studentenheim unb bas neue Wohngebiet auf ber Schönen Aussicht, — sieben Minuten Fahrt). Don hier zur Augen- ober Kinberklinik (Haltestelle für bas gesamte untere Kliniksoiertel, — acht Minuten Fahrt). Durch bie Friedrichstraße zur Bahnhofsbrücke am Wetzlarer Weg. (Hier Haltestelle für Bahnhof unb Uebergang auf rote unb grüne elektrische Linie. Die Entfernung biefer Haltestelle vom Bahnhof ist nicht größer, als bie Ueberquerung eines großstäb- tischcn Bahnhofsvorplatzes, unb wäre die notwendige direkte Derbin'bung aller Wohnviertel an dieser Strecke mit dem Bahnhof und aus Richtung Klein-Linden auch mit dem städtischen Jnnenoer- kehr. Für Ortsfremde müssen Tafeln am Bahnhof mit den genauen Abfahrtszeiten auf die Haltestelle oberhalb der Treppen Hinweisen, — neun Minuten Fahrt.) Sodann über Wetzlarer Weg bis zur Klinikstraße (Haltestelle an der Ecke beider für dieses Wohnviertel, sowie Güterbahnhof und Diehhof, — zehn Minuten Fahrt). Durch bie Klinikstraße zur Frankfurter Straße (Haltestelle an ber Ecke beider für das gesamte obere Kliniksviertel, — elf Minuten Fahrt). Durch Frankfurter Straße bis Schubert- ftrafte (Haltestelle für diesen neuen Außenbezirk und für Deterinärklinik, — zwölf Minuten Fahrt). Alsdann nach Klein-Linden (Haltestellen Anfang, — 14 Minuten unb Mitte 15 Minuten Fahrt) mit sofortiger Rückfahrt.
Durch biefe Linienführung wäre es möglich, bas gesamte Gebiet zwischen Ludwigsplatz unb Klein- Linben durch zwei Wagen in viertelstündiger Fahrzeit und mit viertelstündiger Wagenfolge bis in die äußersten Wohnbezirk« so zu erschließen, daß deren Bewohner in wenigen Minuten zu allen wichtigen öffentlichen Gebäuden und Instituten dieses Bezirkes gelangen könnten, daß sie an Bahnhof und Ludwigsplatz unmittelbaren Anschluß mit ber Elektrischen ins Stabtinnere und zu den entgegengesetzten Außenbezirken, nämlich zur Marburger Straß« und Dolkshalle haben, und daß von Richtung Klein- Linden wie von Richtung Ludwigstraße her schnell- I


