Ausgabe 
22.8.1928
 
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risch erweisen und efnen Ausweg finden würde. Als um die Dormittogszeit die Arbeiter der Gas­anstalt wiederkamen, um die Laterne in die Grube einzusenken, hotte Maria Felicia d i e frische Position des Feindes eingenommen, das heißt: mit ihres fraulichen Körpers ganzer Fülle saß sie in der Erdgrube und war weder durch gütliches Zureden noch durch Drohungen dazu zu bewegen, die Stellung zu verlassen

Was tat die sofort telephonisch alarmierte Gos- gesellschoft? Bemühte sie die Feuerwehr, ließ sie das Uebersollkommondo auifahren? Nein, sie war viel schlauer. Eine neue Arbeiterkolonne erschien am Kampfplatz und hob, während die erste di" zürnende Maria Felicia in Schach hielt, fünf Meter daneben eine neue Grube aus. Zähneknirschend mußte Maria Felicia diese Un­tat geschehen lassen, denn sie besitzt leider nicht zwei Körper.

Oberhessen.

Lanvtreis (gießen»

i Mainzlar. 21. Äug Dank fror guten Witterung ter letzten Wochen ist die Ernte mit trrnig Ausnahmen nunmehr vollständig be­endet. Hafer und Weizen stehen zum Teil noch auf Haufen, sind aber auch teilweise schon einaefahren. 3n rascher Reihenfolge reisten in diesem Jahre die einzelnen Getreidearten heran, und ebenso schnell ging auch Bei dem guten Wetter die Ernte vonstatten: waS zum großen Teil auch der vielseitigen und zahlreichen Ver­wendung der Erntemaschinen zuzuschreiben ist. »zahlreiche kleinere Leyte haben tfjrc Ernte direkt vom Felde an die Dreschmaschine gefahren. Der Ertrag von Körnern und Stroh ist recht zufriedenstellend. Weniger aussicht-voll ist bei uns die diesjährige Obsternte. Während die jungen Zwetschenbäume durchschnittlich einen recht guten Behang zeigen, dürste der Ertrag der Aepfel und Birnen als eine knappe Mittelernte bezeichnet werden. Linser erster Lehrer Kurz hat infolge eine- Gehvrleidens einen längeren Urlaub genommen. Der Dienst wird vorläufig von Lehrer Sommerlad versehen.

V Watzenborn-Steinberg, 21. Aug. Begünstigt vom schönsten Festwetter, feierten am Sonntag die Kirchen gemeinden Hausen-Garben­teich und Watzenborn-Steinberg gemeinsam ein evana. Waldfest. Die erhebende Feier voll­zog sich in dem sehr geeigneten Walddisteikt am Häuser Born". Weihevolle Posaunenklängc des Posaunenchors Watzenborn-Steinberg, wirkungs- roll vorgetragene Chöre des Schülcrchvrs der Oberklasse von Watzenborn-Steinberg und des dortigen, sowie des Hausener Kirchengesang- verein«, gemeintem gesungene Lieder umrahmten den Dortrog von Missionarin QL Steiner überIndisches Waldleben". Die Rednerin, die 18 Jahre in Indien tätig war, verstand es. durch ihre fesselnden Ausführungen, das Interesse der nahezu 1000 Festbesucher zu wecken. Die herz­liche Begrüßungsansprache von Pfarrer Stei­ner-Hausen wußte für die Feier den rechten Ton und Grundgedanken herauszustellen. DaS Schlußwort sprach Pfarrer 6 taub a ch -Watzen­born. Auf Grund der erhebenden Gindrücke, die er auf der diesjährigen Missionswoche in Basel empfangen, wünschte er als Erfolg der Feier bewußtes evang. Glaubensleben. Mit dem von beiden Kirchengesanavercinen gemeinsam gesun­genen wuchtigen .Herr deine Güte reicht so iDeit, dem gemeinsam gesungenen LiedAch bleib mit deiner Gnade" und einem Posaunen- vorttaa schloß die Feier, die einen Hefen Ein­druck hinterlieh. Auf welch fruchtbaren Boden tzaS Fest gefallen, zeigte sich in der Sammlung teil die Heidenmission, die den ansehnlichen De- Irag von 63 Mk. ergab.

ße i hgeste r n , 21. Aug. Auf dem am Sonntag iou dem GesangvereinEintracht", Ober-Wöllstadt lüteitz Friedberg) aus Anlaß seines Kisiähriaen Bc- stehens veranstalteten L i e d e r t a g , der mit einem Wertungssingen verbunden «war, wurde dem hiesigen GesangvereinEintracht" für die beiden vorgetragenen Chöre die Notesehr gut" zu­erkannt. Preisrichter war der Frankfutter Musik­direktor Dr. W e i m a r. Der GesangvereinEin­tracht", Leihgestern, der älteste Verein des Ortes, der unter ivuhrung seines rührigen Chorleiters Daudt (Ober Wöllstadt) steht, kann auf seinen unter stärkster Konkurrenz errungenen Erfolg stolz sein.

Verhängnisse.

Vornan von Lieübet Dill.

Copyright by Martin Fcuchtwanger, Halle (Saale).

6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

..sind derjenige hätte sich sicher schon gemeldet denn die Sache ist bereits in der ganzen Gegend bekannt. Bis zehn llhr, sagten Sie, waren Sie also bei Ihrer Tante?"

Jo, so ungefähr."

Ein Arbeiter, der um zehn Uhr dort vorbeikam und das Kirchhofstor zuschloß, hat aber in dem House kein Licht gesehen."

Das ist richtig. Mir saßen auf der Veranda, ohne Licht."

So ... Sie haben auf der Veranda gesessen ...? Davon hat der Mann nichts gesehen."

Er fann uns auch nicht gesehen haben, denn die Veranda ist dicht bewachsen mit wildem Wein."

Eine kleine Pause entstand.

Nun, das wird ja festzustellen sein", sagte der Ntchier sehr ruhig. In das blasse Gesicht der jungen Fran stieg eine Flamme bei diesen Worten, eie Muckte ein rasches Wort hinunter, während ihre Hände die Sofalehne umfaßten.

Ihre Tante pflegte sonst immer die Laterne über der Haustür des Turmes zu erleuchten, hörte ich von Zeugen. Brannte an diesem Atend auch vor der Haustür kein Licht, als Sie hart bin- kamen?"

Darauf muß ich mich wirklich besinnen ... ich kann es tatsächlich nicht mehr sagen. Aber -- ,ch glaube e» nicht. Es war alte* dunkel, als ich hin- aufkam. Ich blieb überhaupt nicht lange bei meiner laute, bann brach das Unwetter Io», und ich be­eilte mich, nach House zu kommen."

,3)abcn Sie auf dem Rückwege auch nietnanden gesehen? Hst Ihnen da niemand begegnet?"

Kein Mensch. Ich hätte aber auch kaum dar- auf geachtet. Ich hatte die Kapuze über den Hopf gezogen, und der Regen strömte nur so herab ... cs war ganz finster."

Welchen Weg nahmen Sie zurück ? '

Den Feldweg. Und bann den schmalen Pfad, der zwischen der Gartenmauer in die Thte Victor Hugo führt."

RretS Frredverg.

5 Friedberg. 21. Aug In der jüngsten Lehrerversammlung des Bezirkslehrerver­eins Friedbcrg-Bad-Rauheim bot Lehrer Schutt (Ossenheim- mit seinem Dertrag -Die erften Lehre rvertemmlunpen im Kreise Friedberg" einen urteresicmten Einblick in das Lehrerleben vor ICO Jahren. An ter Hand von Protokollen konnte ter Redner nachweisen, daß bereits 1821 in Friedberg sich ter erste Lehrer- verein bildete, also noch vor ter Leustädter päda­gogischen Gesellschaft im Kreise Büdingen. Zu gleicher Zeit entstanden auch in Butzbach und Groß-Karben Lehrerveretnigungen. Die Friedbergc-r Lehrervereinigung. die zunächst aus acht Mitgliedern teftanb, versammelte sich jeden ersten Mittwoch in dem durch die Erzählung von Gg. Lang bekannt gewordenem ^Kantrrhäuschen" in Friedberg. 1882 waren politische Grünte der Anlaß, dah die Konferenzen auSge c wurden. Erst 1833, als für das Schulwesen-. . \ bessere Zeit anbrach, konnte die Tätigkeit u.cter auf- genvr.nnen werden. 1833 zählte die Konferenz schon 25 Mitglieder. Die Versammlungen dienten der Fortbildung der Lehrer. Sehr häufig wurden Lehrproben veranstaltet. Diese älteste oberhessi­sche Lehrervcrei.ligung war ein Dorläufer tes hessischen LanteslehververernS, der im Herbst die­ses Jahres die Feier feines 60jährigen Be­stehens in Darmstadt festlich begehen wird.

# Reichelsheim, 21. Aug Die hiesige Kirche wirb eben einer vollständigen Reno­vierung unterzogen. Beim Mtratzen des Ver­putzes entdeckte man wertvolle Gemälde, die jetzt durch den Kirchenrnaler Kienzle aus (fberftnbt bei Darmstadt wieder erneuert werde».

Kreis Büdingen.

-,?" Nidda, 21. Aug. Der Zweckoerband Nldda-Ulfa gedenkt zum Septemberbeginn die Autoverbindung Bad SalzhausenNidda wieder aufnehmen zu können. Die Instandsetzungs­arbeiten auf der Fahrstraße schreiten bei günstiger Witterung gut fort. Die Aufnahme des Autoverkehrs ist für den Monat September besonders wünschens­wert, da durch den ermäßigten Bäderpreis ein leb­hafter Badeverkehr aus der Umgebung zu erwarten ist. Der Realschulneubau erhält zur Zeit im Innern seinen farbigen Anstrich, der nach den Angaben des Hochbauamts Büdingen vorgenommen wird. Entgegen den Anschauungen einer früheren Zeit, die das Hellgrün und Grau in den Schulen bevorzugte, wird hier in der Farbgebung von leuch­tenden Farben ausgiebig Gebrauch gemacht. Es do­minieren die Farben Gelb, lila und Drange. Jeden­falls vermögen diese frohen Farbtöne ein Schülerherz heiterer zu stimmen, als die gemiedene düstere Für- bung. Der äußere Anstrich ist in dunklem Weinrot gehalten. Vielleicht wäre hier, schon des helleren Steinsockels wegen, ein weniger deckender Farbton wirksamer gewesen. Aber auch in diesem Gewände bereichert der Neubau das Stadtbild aufs vorteil­hafteste. Das Himmelsbachsche Säge­werk beabsichtigt, da der nahe Vogelsberg als Liefergebiet kaum noch in Frage kommt, seinen Fuhrwerksbetrieb aufzugeben. Die ge­ringen Holzmengen dahier sollen wieder, wie vordem, durch Fuhrleute aus der Umgebung angeliefert wer­den. Der weitaus größte Teil des zu verarbeitenden Holzes muh aus großen Entfernungen durch die Bahn herangeführt werden, so daß die Lage in Ge- birgsnahe feinen wirtschaftlichen Vorteil mehr bietet. Auf dem ftUIgelcgten Nebenwerk in Eichelsdors sind alle Holzvorräte wegbefördert. Was aus dem zeitgemäß ausgestatteten Betrieb wer­den soll, steht zur Zeit noch nicht fest.

Kreis Schotten.

V Gedern, 21. Aug. Zn tem heute hier stattgesimtenen Markt waren 577 Schweine mifgetrieben. 8 Wochen alte Ferkel kosteten 12 Mk., 12 Wochen alte Lauser waren von 16 Mk. ab zu haben. Der Hantel ging flott. Aleterftanb verblieb nicht.

*! Groß-Eichen. 21. Aug. Im Anschluß an das Turnfest am vergangenen Emrnbag tourte am Montag ter Iugendtag der hiesigen Schulkinder abgeyalten. .Unter Leitung ihrer Lehrer B o p f und I l g c führten die Kinder in- leressante Spiele ufto. aus. Bei tem guten Srnte- wetter war die Beteiligung der Einwohner sehr gering.

H- 91 u 6 der nördlichen Wette ran, 21. Aug. Die Knappheit an (9 r ü n f u 11 e r * Mitteln wird hier immer größer. Zur Streckung der Vorräte kommt Man jetzt zu einem Verfahren

zurück, das viele Jahre nicht geübt wurde: man ent­blättert die Dickwurz. Die an sich nicht besonders entwickelten Knollen werden dadurch etwas im Dickerwachstum gehemmt. Der Futtermais, der sonst erst zur Herbstzeit gefüttert wurde, wird be­reits geerntet Die vielfach angebauten Zuckerrüben halten sich am besten gegenüber der langen Trocken- heil Wenn der Gcwichtsettrag auch nicht den­jenigen der Vorjahre erreichen wird. Io wird dieser Mangel durch den erhöhten Zuckergehast annähernd ausgeglichen. Immer mehr bricht sich die lieber- zeugung Bahn, anstatt der Stallfütterung für das Jungvieh den Sommer über die freie Weide- wirtschaft einzuführen. In den letzten Jahren sind in allen Dörfern private Koppeln angelegt wor­den, wo die Jungtiere tagsüber sich tummeln, teil- weise auch schon in kleinen Schunhütten nächtigen. In den Gärten hat sich zu der Kohlweißling- und Erdslohplage ein neuer Schädling eingestellt. Es sind die Erdraupen, Larven von Eulenfaltern, die sich tagsüber zusammen gerollt in der Erde per- steckt halten, um nachts die oberirdischen Pflanzen­teile, besonders der ausgepflanaten Endivien abju- treffen. Zu ihrer Bekämpfung sollte man die unter den welkgewordenen Pflanzen sitzenden Schädlinge vertilgen, ehe man zur Ersatzpflanzung schreitet. Eine starke Kalidüngung gilt auch als Bekamp, fungsmittsl.

Kreis Alsfeld.

*!* Ober-Ohmen. 21. Aug. An ter Gast­wirtschaftZum Ohmtal" stießen gestern zwei Autos zusammen. Die beiten Wagen tour­ten schwer beschädigt, während Menschen nicht in Gefahr rennen. Der Unfall geschah an einer sehr unübersichtlichen Kurve.

*!' Ruppertenrod. 21. Aug. Der .Kreis­obstbauverein beschloß, die für den hiesigen Bezirk maßgebliche diesjährig« Ob st aus st el- lung in RupperteNrvd zu veranstalten.Die Aus­stellung findet während der Herbstferien statt. Zu dem in Frage kommenden Bezirke zählen die Orte Obcr-Ohmen, Ruppertenrod. Ilsdorf. Flen­sungen, LehnHeim. Atzenhain, Merlau, Rieder- Ohmen, Kirschgarten und Wettsaasen. Man hofft bei dem hier herrschenden regen Interesse am Obstbau auf gute Beteiligung.

Kreis Lauterbach.

t- Angersbach, 21. Aug. Die hiesige, weithin bekannte ftanaricn jurfjt, die feit alters auch in vielen Dörfern bis hoch hinauf in den Vogels- berg betrieben wird, hat nach den Mißerfolgen der letzten Jahre diesmal wieder mit großem Gluck gearbeitet und gute Ergebnisse gehabt. Die Aufzucht der Jungen in diesem Jahre war verhältnismäßig cinfad^unb geriet durchweg gut. In vielen Bauern üben sich die Iunghäbne schon im Singen. Natür­lich sind die Händler schon längst hinter ihrem Ge­schäfte her, können aber einstweilen noch nicht viel kaufen, weil die glücklichen Vogelhalter noch auf bessere Preise warten, die ihnen in Anbettacht des Ausfalles vergangener Jahre auch zu gönnen sind. Die stark zurückyegangene Zucht, die sich auch auf heimische Singvögel aller Art erstreckt, dürfte durch die günstigen Ergebnisse der diesjährigen Bruten wieder neu auf leb en.

Preußen.

Kreis Metzlar.

0 Lützellinden, 21. August. Unter großer Beteiligung ter Dorfeinwohner und von Einwoh­nern aus Den benachbarten Gemeinden wurde vor- gestern und gestern hier das diesjährige Kirch- w e l h f e st gefeiert. Her Gastwirt Frieor. Jung konnte gleichzeitig mit dem Kirchweihfest das 30jährige Bestehen feiner Gastwirtschaft feiern.

L Groß-Rechtenbach, 21. August. Der hiesige MännergesangvereinL ie d e r k r a n z" feierte dieser Tage sein Assähriges Bestehen.

Kreis Bievenkops.

< Erdhausen, 21. Aug. Vor einigen Wochen wurde ein junger Mann aus Weidenhausen von dem Auto des hiesigen Hüttenbesitzers übersah- r e n. In dem Prozeß gegen den Autolenker ist gestern das Urteil gefallt worden. Es lautet auf 6000 Mark ® c l D ft r a f e, ober 6 Wochen Haft.

Mainga«.

LPD. Frankfurt, 21. August. Bekanntlich Wird ter westliche Flügel ter Fran tfu r t c r Börse einem Umbau unterzogen. Wir wir Höven, ist beabsichtigt, in diesen Teil tes Börfen- gebäutes die Räume ter Handelskammer zu legen und im Parterre die Produktenbörse

unter;ii5rtngrrt Die bisherigen Räume der Ho> telSkammer werten für die Bibliothek Ver­wendung finden.

WER. Frankfurt a. M, 21. Aug. Gestern abend entstand in ter Steingasfe eine S ch Ift- gcrct 5)tettei tourte ein gewisse» Reinhard Don eurem Hntefcnnten in Lunge und Leber ge - ^rinhard. ter in des Krankenhaus ein- gelrefert Worten ift, schwebt in LebenSge- LuAL !^aterr yp flüchtig, die enteren Be- *LÄ. ^d^testgenominen. _ au^uB ter Siateveror-nermversammlm^hai tee Magistraisvorlage betretend Reuanlchaf- fung von zehn Omnibussen aenebmiat

Magistratsvorlage berreffeno Abfindung von 60000 Ttarl an die verfrachte Heller- druck A.-G. an ter bekanntlich die Stadt te- teHigt war. zwecks srührettiger-.mnmg ter TTrealoftdc wurde abgelehnt.

Erleichterter Uebergang vom Luftverkehr auf die Reichsbahn.

Am 1. September d. I. tritt, tote eine Berlin« Korrespondenz meldet, em Abkommen zwi­schen der Deutschen Reich S-b<^Hnge- s e l l s ch a s t und ter Lufthansa in Kraft, dos in diesen Tagen im ReichsverkehrSmchtste- rium fertiggcfreHt Worten ist. und das zunächst versuchsweise bis zum SO. Oktober 1929 Gult^kett haben soll. Wie bekannt, hat die Reichsbahn mit der Lufthansa schon vor einiger Zett ein Ab­kommen über die Beförderung von Lust- frachtgütern getroffen. Während es bisher für den Fluggast, ter aus irgend einem Grunde, z. D. Rottandung, die Reste rnt Flugzeug unter­brechen muhte, immer eine mißliche Sache war. aus ter Reichsbahn zuerst aus eigener Tasche die Weitersabrt zu bezahlen, um dann die entfttm- tenen Kosten von ter Lufthansa zurückzuerhalteu. ist dieser Aebclstand durch daS sogenannte .Fle i- per-Abkommen" befertig. Denn ein Lust- reifender die Fahrt rm Flugzeug unterbrechen muh, oder nicht imtrctcn fann, so kann er auf tem nächsten Bahnhof ter Reichsbahn die Reife bis zu dem auf tem Flugs«Hein angegebenen Resseaiel fortsetzen. Der Flugschein wird von der Kasse ter Reichsbahnstation übernommen und dem Reisenden dafür eine Fahrkarte 1. Klasse ous- gebändigt. Der Llmtausch erfolgt ohne Kosten inw Llmstände für den Reisenden Auch die Ge­päckbeförderung wird von ter Bahn übcrnrnmrwn. Das Abkommen erstreckt sich auch auf Resten nach tem Auslände.

ZezittS-Schössengmcht Wen.

Gießen, 21. Aug. Ein Dienstknecht aus Deckend ach, der schon wiederholt oorbefttaft ist, verließ seine Dienststelle, nicht ohne seinem ehe­maligen Dienstherrn einen gewissen Geldbetrag zu entwenden. Auf seiner Wanderschaft durch Ober­hessen beging er verschiedene Einbruchsdiebstähle, die ihm teilweise dadurch erleichiett wurden, daß Familien, die mit der Feldarbeit beschäftigt waren, den Hausschlüssel in leichtsinniger Weife in der Nähe der Tür aufgehängt und Ihr Anwesen sich selbst übettasscn hatten. Da der Angeklagte rück- fälliger Dieb ist, schickte ihn das Gericht unter Der- lust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren für .1 Jahre ins Zuchthaus.

Ein Schreiner aus Kappel, der in Butzbach verschiedene Betrügereien verübte, erhielt eine G c - fängnisstrafe von 6 Monaten.

Ebenfalls wegen verschiedener Betrügereien hatte sich ein Mechaniker aus Berlin zu verantworten. Er hatte sich auf Orten in der Nähe von Gießen als Klavierstimmer, der im Auftrage einer bekann- ton Firma arbeite, ausgegeben und für völlig un­sachgemäße Arbeiten hohe Bettäge sich auehänbigm lassen. Weiterhin hatte er sich noch ein Hemd er- schwindelt und eine Zechprellerei begangen. Da er in Not gehandelt hatte, kam er, obwohl er rückfälliger Bettüger ist, mit einer Gesarntgesäiignis- strafe von fi Monaten davon.

Aus dem Amisverkündkgungsblatt.

^DasAmtsoerkündigungsblattyrr. 61 vom 21. August enthalt: Erhebung einer allgemei­nen Wertzuwachssteuer in den selbständigen Gemar­kungen des Kreises Gießen. Tierschutzkalender für 1920. Gesuch des Adolf Jung zu Klein- Linden um Erlaubnis zur Erbauung eine» Schlacht­hauses. Dienstnachrichten.

Hm ... Können Sie mir vielleicht die Schuhe zeigen, die Sie geltem an gehabt haben?"

Odette erhob sich, zog an der gestickten Schnur. Auf das Klingeln kam die Flämin.Marie, brin­gen Sie meine Schuhe, die ich gestern angehabt habe", befahl Odette.

Das Mädchen ging und brachte die kleinen, hell- roten Wildlederschuhe an, die an den Bändern noch feucht waren, aber sonst sauber ...

Sind die Schuhe inzwischen gereinigt worden?" fragte der Richter.

Das Mädchen fd)aute von dem Richter auf Odette und schüttelte den Kopf.Nein, ich war noch gar nicht auf Madames Zimmer."

Der Richter sagte halblaut etwas zu dem jünge­ren Juristen; dieser beugte sich über die Akten und notierte etwas.

Sie können gehen: schicken Sie die Wirtschaf­terin. Wie heißt sie?"

Artemis."

Das Mädchen verließ das Zimmer.

Die alte Artemis kam herein. Sie trocknete sich die Hände an der blauen Schürfe, sah schreckens bleich aus und blieb am Törpt osten stehen, als wolle sie damit bedeuten, daß sie mit der Sache nichts zu tun habe.

Artemis", sagte die junge Frau,Sie haben meine Schuhe doch nicht ..."

Ich möchte Sie dringend bitten", unterbrach sie der Richter höflich, aber bestimmt,keine Fragen zu stellen, ehe Sie dazu aufgeforbert werden.

Mein Gott, wir sind ja hier noch nicht vor dem Schwurgericht", sagte Odette, und erhob sich.Bin ich jetzt entlassen? Ich möchte noch meiner Schwie­germutter sehen ..."

Ich bebaute, ich brauche Sie noch. Madame.' Der Richter begann. Artem,s ouspifrageu. Zmmchst wollte er wissen, wann Madame aus dem Hause gegangen sei. Artemis beschrieb umständlich tes Abendessen, als Ne auf den Cavitoine gewartet hatten wie ter .stutsrter vom Bakmhos aerommen fei mit tem leeren Wagen und gesagt habe, ter Capitaine sei nicht gekommen.

Das interessiert uns hier weiter nicht", unter» brach sie der Richter.

..Doch, ich muß das ober erzählen, damit Sie wissen, wieviel ttyr e* war, als Mndome tes.fians verstetz ..."

Also bitte ..."

Wir essen sonst immer um sieben Uhr. Ich traae Punkt sieben Uhr die Suppe auf. Und alles ist da ... Diesen Abend mußten wir aus den Abend- zitg warten, der gegen acht Uhr hier einläuft, weil wir Herrn Capitaine erwarteten. Als ter nicht kam. setzte man sich zu Tisch. Es mar ein Viertel nach acht Uhr. Als ich abräumte, ging der Herr auf die Jagd, und kurz darauf ging auch Madame fort. Sie sagte es mir in der Küchentür.

Mas sagte sie da?"

Sie sagte: Ich gehe noch etwas an die Stift, vielleicht bleibe ich bei Meiner Tante. Es wird wahrscheinlich spät werden, legen Sie den Schlüssel hinter den Laden ..."

Tat man das immer, wenn Madame aus- ging?"

Ja, tes tvar so einaeführt. weil wir nämlich nur drei Hausschlüssel haben. Den einen hat immer der Herr mit, den anderen hat ter Hausknecht, der morgens die Türen aufschließt, und den dritten habe ich. Er ist au dick. Madame nimmt nie einen so großen Schlüssel mit. Und bis jetzt war es auch immer gut gegangen mit diesem Schlüssel. Aber an tem Abend ivar so viel zu tun, immer kam jemand in die Küche. Es war vor dem Markttage. Wir hatten tes Haus voller Gäste, und da ist mir der Schlüssel aus dem Kopfe gekommen. Ich ging also schlafen."

Um wieviel Uhr gingen sie schlafen?"

Artemis besann sich.Das weiß ich nicht mehr. Ich gebe gewöhnlich um neun Uhr hinauf in meine Mansarde ... ober diesen Abend war es wohl etwas später geworden. Es wird halb zehn Uhr gewesen sein ...

Und dann hoben Sie fest geschlafen, die ganze Rocht?"

Rein ... Dann kam doch bas Gewitter, und Madame die alte Fttm Gonfard nämlich schellte plötzsich. und ich lief gleich hinunter."

Was wollte sie denn van Ihnen, weshalb schellte sie?"

Sie sah tn ihrem Schlafzimmer am Fenster tmb war sehr unruhia Ein Gewitter regt sie immer auf. Dann Irtegt sie keine Luft, hat Beklemmungen und s'ttht dann allerlei, was man ihr aus!reisen muh ..."

Was sah fie tenn an diesem Abend?"

»Sie behauptete, in dem Hause von Dupons fei

Welches Hau» meinte sie?"

Ach, tes von, alten Dupon, tes an unseren Hof stößt."

*Öar denn dort tatsächlich Licht?" fragte ter Richter.

.^fch konnte nichts sehen", sagte die Alte . Ich habe mich angestrengt, aber als ich henmterkam. war kein Licht mehr da."

»Ist denn das Haus überhaupt bewohnt?"

Nein, seit der alte Dupon tot ist, steht es leer. Der Herr Capitaine will es verkaufen, aber nie­mand will cs nehmen. Es ift zu weitläufig. Er wollte mit unserem Herrn sprechen wegen der Ber­ste igerung."

Der Richter wandte sich an den (Sentenn. Ich möchte erst den Capitaine vernehmen. Ist er da?"

Odette sah auf.Ja, er ist in feinem Hause drüben."

,Hch bitte, den Herrn Capitaine rufen zu lassen." Der Gendarm verließ das Zimmer.

Inzwischen wurde Artemis weiter verhört.

Also, Sie haben nichts Verdächtiges in tem Duponschen Haufe gesehen und haben diese Erschei­nungen für ein Angstgesicht der alten Dame ge­halten?"

..Ganz recht? Sie hat leicht Alpdrücken. Sie blieb spät auf, weil sie tes Liegen schiech» verträgt wegen ter Atemnot, und bann sieht sie allerlei oder bildet cs sich ein. So hat sie an dem Abend immerfort von ter Jagd gesprochen unb gesagt, wenn nur bitt Charles heute nichts passiert ... ich hab immer Angst, sie bringen ihn mir einmal an und stellen inn mir tot ror die Tür ... Ich habe sie dann beruhigt, bin danach ins Bett ge­gangen und bin auch bald darauf eingeschlasen."

So! Und Sic erwachten erjt wieder, als es an ter Haustür klopfte?"

Nein, ich erwachte erst durch ein Älingeln, Ich meinte menigftens. es hätte geklingelt. Ader tenn hörte ich ein Klopfen an der Haustür, lief herunter und rief: .Der ist te? Da stand Frau Odette vor der Tür, naß geregnet, und machte mir Vorwürfe, daß ich den Schlüssel vergessen hatte."

(Fortsetzung folgt.)