Nr. 1(9 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberdesteu)Dienstag, 22. Mai (928
Oberhessen.
Lanvkrcio vietzen.
Y Mainzlar, 21. Mai. Diele Klagen werden bei un» bet ändert von den Bewohnern der Haupt- und der Lollarer Straße über die immer mehr zunehmend« Autoraserei geführt. De- iondert sind H die Netneren Personen- und Lastwagen, die bei der Durchfahrt durch die genannten Straßen ein zum Teil rasende« Tempo fahren, so daß man sich nur wundern muß. daß sich noch kein größeres Unglück ereignet ha:
flr. torüningen, 21. Mai Dieser Tage siedclte Lehrer Johanne» Rullmonn nach seinem neuen Dirkungsott Lampertheim über Lehrer Heinrich Schaaf, dem die zweite Schulst,lle provisorisch übertragen wurde, ist gleich daraus hier cinge^»gen.
< Holzheim 21. Mai. ^ie von vier in D u tz b a ch beschäftigten Arbeiter wurden leither noch Beendigung der Arbeit durch die Kleinbahn Butzbach -Ltch mit dem Personenzug 17.45 ab Butzbach nach der Station D a m b a ch aebr-cht, wo sie ein Autobus der Firma Schneider, Gambach, erwartete und nach Hause fuhr. Ab 15. Mai ist nun dieser Zug in leg« fall gekommen. Die Folze ist. daß die Arbeiter aus den nächsten Zug warten und sich eine anderthalbstündige Wartezeit gesall.m losten müßten. Um diesem Uebclstand abzuhelsen, hatte die Arbeiterschaft mit der Firma Schneider- Vombach Verhandlungen gepflogen zwecks direkter Verbringung zur Arbeitsstätte und zurück mittels Autobus. Die Verhandlungen scheiterten an der Frage de« Fahrpreises. Dun hat sich aber die Firma Freitag- Butzbach bereit erklärt, einen Wagen zur Verfügung zu stellen und die Beförderung zum früheren Fahrpreis (Wochenkarte 3 TU.) zu übernehmen Die zuständigen Bürgermeistereien baden ihre Zustimmung gegeben. Daraufhin hat sich, laut letzter Meldung, die Verwaltung der Butzbach Sicher dis en bahn ent chlo'sen, den Verwaltungssonderzug zur Rück- besörderung der Arbeiter ab Butzbach 17.44 wieder einzulegen. Sin endgültiger Entscheid wird demnach noch zu treffen sein: jedenfalls werden die Arbeiter großen Wert darauf legen, auf fchnellstem Wege von und zur Arbeitsstätte zu gelangen.
^reiS Friedberg.
WSD. Bad-Douheim. 21.Mai. Infolge Versagens der Steuerung stürzte am Sonntag zwischen Obermdrlen und Zlegenberg da« von Ingenieur Zundel von hier gesteuerte Auto eine Böschung herab und überschlug sich. Zundel wurde schwer verletzt, seine Frau kam mit leichteren Verletzungen davon. Beide fanden Ausnahme im hiesigen Krankenhaus. Zundel hatte im vergangenen Jahre mit seinem Motorrad im Frankfurter Stadtwald schon einmal Einfall zu verzeichnen. Während er damals glücklich davonkam, 'nutzte die von ihm ongefahrene Person ihr Leben lassen.
Kreis Büdingen.
nd. D i d d a . 21. Mai. Heftern vormittag predigte hier in der Stadtkirche der neue Direktor DLH richt vom hessischen Landesverein für Inner« Mission in Darmstadt über den Wert und di« Wirkungen der Inneren Mission und zeigte, wie jeder Lhrist dabei mithelsen kann. AbendS schilderte er im Gottesdienst die wichtigsten deutschen Anstalten und Einrichtungen dreier christlichen Barmherzigkeit und Liebe. Heute sprach er In der Dekanat«!onse- r« nz vor seinen Amtsbrüdern über die Inner« Mission, der in der Gegenwart ganz besonders wichtige Aufgaben gestellt find. Auch die hiesige Stadtmission hielt am Sonntagabend im DereinShau« eine Ehina-MissionSseier des Frauenverein« ab. dir gut besucht war.
-t- Aus dem Diddata 1. 21. Mai. Der DraswuchS aus den trockenen Berg- und den feuchten Talwiesen ist auch in diesem Jahr wieder sehr unterschiedlich. Die Bergwiesen, namentlich die gut gedüngten, haben dichtes, üppige« Futter, während die Talwiesen nur eine rerhättniSmähig dünne GraSnaröe haben, die stark von Sauergräfern. Hahnenfuß» arten u. dgl. durchsetzt ist. Diese haben fast keinen
Dährwert. Die Grünfütterung ist schon seit einigen Wochen im Gange und erstreckt sich auf Gras, wie auf Klee Wenn auch die Heurorräte au« dem g.-segnetca Vorjahre nicht oufgebraucht find, so verwendet man doch gern frühzeitig Grünfutter um die Milchertrüge zu steigern. — Uni er den Maifrösten haben in besonderem Maße die im Tale stehenden und frisch blühende.' Rußbäume. sowie die
Sichenkulturen in den forstlichen Pslanzgärten gelitten. Di« Apfel bl üte zeizt nur vereinzelt Frostschäden Meistens find die Bäume betrosscn. die in den kritischen Tagen erst ihre Blüten öffneten. — 5>vr RindViehbestand in den einzelnen Wirtschaften hat lieb säst allgemein vermehrt 2r über- trisst nicht nur stark den der Vorjahre, sondern ih höher al« in den VorkriegSjahrcn. SS bricht sich der Gedanke Bahn, datz ein guter Bi . Hst and immer noch der rentabelste Wirt chaftszwcig des Landwirts ist.
jRrcie Lchotten.
■■ Schotten, 21. Mai Gemeinderatssitzung. An Steile de« verstorbenen Kaufmanns und Fabrikanten Karl Schütz wurde Obersteuerfekretär S i s e in den Gemeinderat cin- gesührt und auf sein Amt verpflichtet. Der Ge- meindcrat schlieht sich dem Schulvorstand an. der alS künftigen Rektor der Volksschule Lehrer Ulrich» Schotten (früher in Michelbach) in Vorschlag bringt. - - Die Stratzenbeleuch- t u n g soll verbessert werden, mehrere Straßcn- überspannungen werden angebracht, eine Reihe Lampen mit lOOkerzigen Birnen versehen. Zur Auto st recke Mücke — Ulrichstein — Schotten wird erforderlichen'alls, sobald da- DetrtebseraebniS für das Jahr feststeht. ein gewisser Zuschuß in Au« icht gestellt. Die Wege im Friedhof sollen eine Tcerbehandlung bekommen. Gintqe Baudarlehen zum üblichen Zinssatz (6 Proz ) werden genehmigt. Die Auswer- tungSsrage der städtischen Vor krieg s- schulden wird naher behandelt und der Bürgermeister beauftragt, sich in Güte mit den Gläubigern auseinanderzuseyen. Die Freistellen an der Realschule werden wie vorgeschlagen aeneh- migt Der Gemeinderat genehmigt die rleber- nabmc der Hülste der auf die Stadt entfallenden Kleinpsla st erlösten aus der Ortsdurchfahrt« st recke nach Rainrod mH 11 OOO Mark. — Der Hohewiesenweg wird weiter aus- gebaut werden, da einige Villenneubauten dort entstehen.
□ Laubach , 21. Mai. Der hiesige Krieger- und Milltürverein hielt am Samstagabend im „Schützenhos" eine außerordentliche Hauptversammlung ab, worin beschlossen wurde, die Einweihung des E h r e n d e n k m a l s für die Gefallenen vom zweiten Pfingftfeiertag auf den ersten zu verlegen, do der zweite Feiertag in anderer Weise besetzt werden soll. Weiter beschloß man, der Einladung de» hiesigen Schützenoerei n » zur Beteiligung am Festzug des Gau- Schühenverbandes am 15.Juli zu entsprechen und eine Gruppe In Uniform aus früherer Zeit für diese Festlichkeit aufzustellen. Wegen der Beteiligung an dieser Feier am 15. Juli ist e» nicht möglich, der Einladung zur Teilnahme an dem Feste des ffrie- fieroereins in Offenbach, das an demselben Tage tattfindet, zu folgen. Dagegen wird der Laubacher Skiegeroeretn an der Fahnenweihe des K r I e - geroerein» Wohnfeld am 24. Juni sich beteiligen. Weiter wurde beschlossen. In diesem Jahr das Preisschlehen des Vereins wegen der Ueberfülle der hiesigen Festlichkeiten aussallen zu lassen.
□ Llltenha in, 21. Mai. Seit einiger Zeit grassieren hier in der Kinderwelt stark die Masern. Die Epidemie tritt so heftig auf, daß die Schule auf unbestimmte Zelt geschlos- s e n werden mußte.
Preußen.
Kreis M bürg.
WED. Warburg, 21. Mai. Aus der mit Fahnen und Wimpeln festlich geschmückten Ketzerbach wurde am SamStagabend die erstmalige (Stic ebung von 3000 Studierenden an der hiesigen Universität durch einen gemein-
Die IfirmilöeB flehen 5Wrn.
Roman von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag. Leipzig 13 Fortsetzung Nachdruck verbalen
„Darin besteht ja eben die Kunst des Auswechselns, daß man alle» ganz offen vor den Augen des andern tut. Der Schlussel liegt übrigens wohlverwahrt In meinem Banksafe, und wenn Sie jemand deswegen bedrängen sollte, so können Sie es ruhig sagen.
„Meinen Sie denn?" fragte Mrs. Lansdown, um einen Schalten bleicher werdend. ,chaß meine Tochter auch fegt nicht in Ruhe gelassen wird?"
.Ich weiß es nicht", sagte Dick mit gesenkten Dimvern. Jjd) bin heute abend hier, um deswegen mit Ihnen zu beraten. Zunächst gestattrn Sie mir eine wichtige Frage: Hat Lord Selsord noch andere verwandte außer Ihnen?"
Jtdne — wenn er nicht verheiratet ist", antwortete Sybil für die Mutter.
Dick blickte sie an. der heitere Gleichmut fiel wie «ine Maske von seinem Gesicht, die Augen schmälerten sich, die Lippen wurden hart, unter der ft raff- gezogenen Gestchtshaut zeichneten sich deutlich di« Wangenmuskeln ab.
..Das habe ich befürchtet", sagte er endlich. Sein Blick hing am Fernsprecher. „Es ist gut, daß Sie telephonisch erreichbar sind", fügte er scheinbar ohne jeden Zusammenhang hinzu.
Mutter und Tochter hefteten ihre Augen fragend und unruhig auf ihn.
.Haben Sie Freunde außerhalb Londons?" frage Dick.
Mrs. Lansdown nickte stumm.
„Freunde, die Sie und Ihre Tochter auf einige Wochen als Gäste aufnehmen würden?"
Mrs. Lansdown nickte wieder.
Dick atmete auf.
„Das ist wenigstens etwas, das mich beruhigt. Ich wollte Sie ursprünglich bitten, London schon heute abend zu verlassen, aber inzwischen bin ich zu der Uederzeugung gekommen, daß eine so rasche Abreise noch nicht notwendig ist."
Mrs. Lansdown schlang di« Finger ineinander und beugte sich vor.
.Können Eie mir erklären, wieso ...", begann sie mit blassen Lippen.
Dick schüttelte gequält den Kopf.
„Roch kann ich nichts erklären", sagte er. .Ich tappe im Rebel. Ich fühle wohl, daß er zu weichen beginnt. Hie und da sehe ich schärfer, aber Gott weih, was aus diesen Dämmerungen noch alles auftauchen und Form annehmen wird!"
„Aber bei oller Unklarheit sehen Sie irgendwo eine Gefahr für mich und meine Tochter — das darf ich doch aus Ihren Dorten entnehmen?"
,Ia , gab D ck zu. und sah Mrs. Lansdown plötzlich aus vollem Auge an. „Es ist besser, Sie sind gewarnt. Ich ahne eine Gefahr, wenn sie auch noch nicht unmittelbar bevorsteht."
„Und das alles wegen eines kleinen Schlüssels?" fragte Sybil ungläubig.
Er nickte
„Auch wegen eines kleinen Schlüssels", sagte er ernst. Dann wandte er sich an Sybils Mutter. .Kannten Sie den verstorbenen Lord Selsord? Das für «in Mensch war er?"
.Kein guter Mensch", erwidert« Mrs. Lansdown, und noch in der Erinnerung verzog sich ihre Miene. „Er trank, er verprügelt« im Jähzorn seine Dienst- boten und Untergebenen. Es waren böse Gerüchte über ihn im Umlauf. Aber alle Selsord» waren mehr oder minder zweideuttge Charaktere. Der Erbauer des Schlosses führte ein so lasterhaftes Leben, daß er zur Straf« vom Papst exkommuniziert wurde. Von ihm flammt auch die Familiengruft. Haben Sie schon einmal von den Gräbern der Selfords gehört?"
Er schüttelte den Kopf. Sie interessierten ihn nicht. Doch da hörte er plötzlich di« Worte „Gräber — Gruft" in seinem Innern nadjrtingen. als hätten sie doch ein« bejonbere Bedeutung für ihn. Und «r sah sein Schlafzimmer vor sich, der ermordete Lew Phocneo lehnte in feinem Schrank und sah ihn aus geisterbleichen Augen an. Hatte er nicht eine Toten- fjruft zu öffnen versucht, und war das nicht der An- aß zu feinem bitteren Ende gewesen? Plötzlich hörte Dick das Brausen seines Blutes. Er stand vor einer firoßen Entdeckung, und er mußte die Zähne zu- ammenbcißen, damit chn das Spiel feiner Gesichts- muskeln nickt verriet.
Mrs„ Lansdown aber hatte das Aufmerken in seinen Augen gesehen, und sie stand auf und nahm
tarnen Däm merlchoppen von Bürgerund Sudentenschast gefeiert. Der Vektor der Uniredität, Fi «.Herr v Sob« n. und Ober- bärgtrneitet Müller hielten Anlprachen. zwe. Musikkapellen konzertierten abwechselnd. Die Veranstaltung muß.e wegen starken Regen» der gegen 19 Uhr e.nfetzle vorzett.g abgebrochen werden. Samstag vormittag sand ;r der 11 ni- verfttatsaula d>e endgültige Immatrikulation der Studierenden de» diesmaligen Sommeriemester« in üblicher Wecke statt
Arcie Bicdcnkopf.
XX Biedenkopf, 21 Mai. D.r Kreis- ausschuh beabsichtigt, auf Grund der jeweiligen ministeriellen Bestimmungen Teile de» Hauszins- stcueraufkommcn» für Bauzwecke zur Bildung eines Bürafchaftsficherungsfonds anzulegen. Der Kreistag hat den Kreisausfchuh einftim* mig ermächtigt, Bürgschaften nach Maßgabe der ministeriellen Richtlinien in der Hobe zu übernehmen, daß die Büraschaftssumm,- . de» jeweils vorhandenen Bürafchaftrsicherungssond» nicht überschreitet. — Im Kreise Biedenkopf erhalten elf Gemeinden zur I n st a n ds e tz u n § ihrer Straßen innerhalb der Drtsberinge Beihilfen von 12 K50 Mark bei einem Gesamtkostenbctrag von 49150 Mark.
& Roßbach, 21. Mai. Hier streute ein Ein- wohner unsere» Dorfes mit einer eiternden Wunde an der Hand Ammoniak-Super- Phosphat 9-9 und zog sich dadurch eine so starke Blutvergiftung zu. daß seine Ucberfübrung in die Gießener Klinik angeordnet wurde. Dort wird an seinem Auskommen gezweifelt.
Tillkreis.
Lpd. Dillenburg, 21. Mai. Die Gemeinde RitterShausen bei Elraßebersbach im Dill- kreiS ist am Montagnachmittag von einem schweren Drandunglück heimgelucht worden. Aus noch nicht bekam,ter Ursache ist im Anwe'en d«S Hüttenarbeiters Alwin Schüler Feuer auSgebrochen. das sich ralch auf die R a ch- baranwcsen ausgebreitet hatte. Al« die OrtS'euerwehr und zu Hilse geeilte Rachbar- keuerwehren am Brandherd erschienen, standen bereit« drei Wohnhäuser und vier Scheunen in Hellen Flammen. Sämtliche Gebäude sind vollständig zerstört worden. DaS Vieh konnte nur mit Mühe in Sicherheit gebracht werden, jedoch fiel der größte Teil der Wohnungseinrichtungen von drei Familien dem Feuer zum Opfer. Der Schaden ist beträchtlich und nur in geringem Umfange versichert.
Maingau
WSN. Frankfurt a. M., 21. Mai. In der Nach! zum SamStag wurde daS 2Zjahrige Dienstmädckxm Anna Gläser von ihrem Liebhaber durch einen Messerstich in die Brust getötet. Sein Freund, der daS Mädchen nach Hause gebracht hatte, erhielt Messerstiche in Rücken und Arm. Der Täter öffnete sich dann die Pulsader. Blutüberströmt wurde sowohl der Täter, wie sein schwer verletzter Freund ins Krankenhaus gebracht. — In einem Zigarrengeschäft in der SschersHeimer Landstraße versuchten zwei junge Leute «inzubrechen. Dabei wurden sie von einem Dolizeibeamten überrascht. Da der eine der Einbrecher versuchte, aus den Polizeibeamten zu schießen, muhte dieser von seiner Waffe Gebrauch machen, wobei der Einbrecher einen Schuh in den Bauch erhielt. Der Verletzte wurde In daS Krankenhaus gebracht und der Mittäter verhaftet. — Am Sonntag gegen Mittag stieh auf der Mörselder Landstraße der Motorradfahrer Wilhelm Schmidt mit einem Strahenbahnzug jufammen. Schmidt und der auf dem Sozius sitzende Karl Brand wurden schwer verletzt und nach dem Krankenhause verbracht. Hier ist Schmidt seinen Verletzungen inzwischen erlegen. Ein weiterer Unfall ereignete sich nachmittag« auf der ForsthauSstrahe, wo ein jugendlicher Radfahrer mit einer Autodroschle zusammenstieß und dabei schwer verletzt wurde. — In der Dornest, ahe entstand vergangene Nacht gegen 4 Uhr auf bisher noch nicht einwandfrei festzeftellte
einen alten vergilbten Pergamentband vom Bücher- bord herab.
„Es ist eine Familienchronik aus dem Jahre 1584", sagte sie. „Alle Untaten der Selfords sind darin verzeichnet. Lesen Sie hier, was über die Familiengruft steht", und sie legte ihm das Buch aufgeschla- gen hin. Er las:
Sintemalen Sir Hugh unter dem Kirchenbann stund und ihme ein ehrlich Grab, allwie es sich für einen christlichen Ritter gezimet, refuefiret wart, (les er Werkleut kommen von weit her, so in bi« Erd« graben muften ein stattlich Grab fambt vielerlei Kammern für sich, item seine So.hne und die Soehne feiner Soehne. Selbige Gräber wurden geweiht durch Kaplan Ehrn Marcus, einem frumbcn und heiligen Mann, so seinem Herrn also ergeben war. daß er des Kirchenbannes nicht acht hatte. dov«m waren die Graeber mit Engeln, item mit Heiligen, fo in den Stein gehauen waren, gar Üblich verziret. Dick starrte auf die Zeilen. Er sah eine schlüpfrige Treppe jäh in die liefe gehen, er sah verwitterte Reliefs, Steinsärge in schmalen Kammern, aus denen der Ciectcm des Todes wchte.
„Do liegt die Gruft?" fragte Dick, und der Modcrdust der Vergangenheit stieg aus den Seiten des Buches zu ihm auf.
,Hm Park von Selsord. Ganz abseits. Aus einem Hügel, den düstere Baumgruppen umstehen. Es ist «in unheimlicher Fleck. In den Kronen der Bäume höN man selten einen Vogel fingen. Natürlich meinen die Leute, der Ort sei verflucht, aber der Grund ist wohl nur die Dürre des Lodens."
„Der wohnt augenblicklich im Schloß?" fragte Dick, dessen Spannung von Minute zu Minute wuchs.
„Nur der Verwalter. Die Besitzung ist übrigens ein Erblchen. Sonst hätte sie der jetzige Lord Sei- sord wohl längst verkauft."
Jjaben Sie lemals den jungen Lord gesehen?" „Nur einmal, aber da lebte sein Vater noch. Er hat mir manchmal geschrieben, in den letzten Jahren aUerbinss; nur zweimal. Wollen Sie feine Briefe sehen?"
.Ja", sagte Dick rasch.
Sie verließ das Zimmer. Dick blätterte in dem Buch. Als Mrs. Lansdown wiederkam, brachte sie «inen Kasten aus Ebenholz mit Er enthielt eine An
Weif« Feuer. Vermutlich durch acht'ofes Weg- u erkn eines noch glimmenden Stretchholze« oder Zigarren- bzw Zigarettenrcstes war ein umfangreicher Brand im Treppenhaus ausgebrochen, der bi» zum Dachstock reichie und noch einen großen Teil des Dache» erfaß«.- Die eiligst herl»e>gerusene Feuerwehr griff mit zwei Lölchzügen «in. und c» gelang ihr. den Brand aus da» Treppenhaus und Dach zu i^fchranken, fo daß die Wohnungen verschon« blieben. Den Hausbewohnern war e» nicht möglich, da« Hau» über die Treppe zu verlassen- fi« mußten cbrleitcrn au» den Fen- st er n geholt werden, ö» konnten alle unversehrt gerettet werden. Nur dem tatfrältiitn und umsichtigen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, daß ein größeres Unglück verhindert wurde
Oas neue ftronffurfer (5taMpor(amenf.
WSN. Frankfurt Bal
den vorläufig zufammengestellten Zahlen au» den Srgebni»z«tteln — vorbehalt'.ich Nachprüfung der Wahlprotokosie — wird sich da» neue Frankfurter Stadtparlament elnschl. Hockst wie folgt zufammenfetzei, Sozialdemokraten 29 (bisher 19), Deutschnationale 7 (10), Zentrum 9 (8), Deutsch« Bolksparlei 9 (6). Kommunisten 11 (8). Demokraten 7 (7), Wtrttchaits- partei 4 (4), Nationalsozialisten 4 (4), Bolk»- rechtspartei 1 (—) Evangelische Volksgemeinschaft 1 (—), Arbeitnehmerpartei 3 (4), zusammen 85 Mandate.
Derlungsfinqen des Wetteetal-SangerbundeS.
df Bettenhauf en, 21. Mai. Der nach Auflösung des seitherigen Bunde» im Januar d. I. neug. gründ t? .W ettertal-Sängerbund" hielt gestern in Dettenhausen im Saale de» Gastwirts Müller sein erstesWertungsflngen ab. Den Willlommensgruß bot der erste Vorsitzende. Lehrer G ü n t h e r - Muschenheim. Alsdann begann da« Singen. Jeder der füns Vereine fang al« Pflichtchor .Mägdlein, hab acht!" von Sonnet: außerdem einen Wahlchor, der den verschiedensten Gebieten der Mannerchor-Lfteratur entnommen war. Al« Wertungsrichter war Musik- lebrer Blaß- Gießen gewonnen Allen Ehor- vorträgen war anzumerken, daß mit Fleiß, Ernst und Liebe zur Sache gearbeitet wird, was auch der WeriungSrichler öffentlich und b.i der K ilik in engerem Kreise lobend zum Ausdruck brachte. Wenn auch hier und da etwas zu bemängeln war, so darf doch ausgesprochen werden, daß die Leistungen der Bundesvereine auf bemerkenswerter Höh« standen: wozu die von Zeit zu Zeit ftatlfinbenben WertungSfingen mit anschli?ßender befruchtender Kritik ihr gut Teil beitragen.
Wirtschaft.
3ur Finanzierung des deutschen Automobilabsahes.
AuS Amerika wurde kürzlich gemeldet, daß der Automobilindustrielle Henry Ford die Gründung eineS eigenen Flnanzierungsin- stitut« für den Absatz seiner Automobile plane, welch.«« in arvßzügiger Weis« bei sehr geringen Ratenzahlungen den Kauf seiner Automobile ermög'ichen solle. Rachdem Ford bezüglich seiner Pr.'ise auch von anderen fltoften Automobilfabriken durch gleichwertige bll- ige Fabrikate geschlagen worden ist, scheint er jetzt fein Hauptaugenmerk auf die Finanzierung des Absätze« zu legen, um auf diefe Wesse neue Käuserschichten zu erwerben. Auch in Deutschland sind in der Frage der Finanzierung de« Automobilabfatze« in der letzten Zeit erhebliche Fortschritte gemacht worden, obwohl diese Frag?, zumal wenn es auf Selbstfinanzierung ankommt. in'v'ye der geringen zur Verfügung stehenden Kapitalien nur schwer gelöst werden kann Die Automobi'industrie Ist mit Rücksicht auf die Fueßlabrikation, die an sich nicht geringe Vorräte und hohe Investtons- kosten oeaniprucht, bar—‘ nnnetoiefen. die fertig»
zahl von Briefen in buntem Durcheinander. Sie sortierte sie und legte ihm schließlich «in Schreiben vor, das die Adresse eines Berliner Hotels trug.
Lord Selsord schrieb:
Du hast so lange Jahre nichts von mir gehört, daß ich mich jetzt fast sHäm-, Dir zu schreiben. Aber es ist nie zu spat, begangenes Unrecht wieder gutzumachen, und da ich weih, daß Du altes Porzellan sammelst, habe ich einen altdeutschen Porzellankrug aus dem fünfzehnten Jahrhundert, den id) hier bei einem Antiquar entdeckte, an Dich abgesch,ckt. Er wird mir hoffentlich Dein volles verzeihen für all meine Versäumnis sichern.
Herzlich Dein Pierce.
Die Handschrift war Dick bekannt, es war unverkennbar die gleiche, in der die Briefe an Havelock geschrieben waren.
«Hier ist der zweite Bries", sagte Mrs. Lansdown.
Er zeigte ein Datum des verflossenen Jahres und war in Colombo aestempelt.
Ich bin tief bekümmert über den großen Verlust, der Dich betroffen hat. Kann ich irgend- etwas für Dich tun? Du brauchst nur über mich $u verfügen. Sitte, geh zu Havelock und zeig ihm diesen Brief. Ich habe ihm bereits geschrieben. Er hat Anweisung, Dich in jeder Weise und mit jeder Summe zu unterstützen. Mir selbst geht es aut Seitdem ich den Plan gefaßt habe, ein Buch zu schreiben, lebe ich intensiver, und meine Reisen bereiten mir einen doppelten Genuß.
Dick fragte nicht, welcher Art der Kummer gewesen war, der Mrs. Lansdown betroffen hatte. Er erriet es aus ihrer Kleidung. Mrs. Lansdown trauerte noch immer In tiefstem Schwarz um ihren Gatten.
.Hch habe von Lord Selfords Angebot keinen Gebrauch gemacht, obwohl mir Havelock schrieb und sehr liebenswürdig seine Hilfe anbot Ich weiß nicht ..." Mrs. Lansdown zögerte, „... ich spürt« immer eine dumpfe Warnung in mir, wenn der Name Selsord in mein Leben hineinklang. Mit dem größten inneren Widerstreben, und nur, weil es eine willkommene Abwechslung in ihrem eintönigen Leben war, ließ ich Sybil nach Madeira reifen."
Ein« Pause entstand. Dick nagte an seinen Lippen. Mrs. Lansdown sah ihn unruhig an.
(Fortsetzung folgt)


