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Hr. 119 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Dienstag, 22. Mai (928
Aus der Provinzialhauptstadt.
Dießen, den 22. Mai 1928.
Telephonfreuden.
Ich wundere mich eigentlich. daß nicht viel öfter über bat Telephon geschrieben wird. Denn es tut doch Io gut. «einen» Aerger Luft zu machen - Hot man ihn sich von der Seele gesprochen, tft man wieder frei und aufnabmc- »ähig für den unausbleiblichen neuen. Es itt natürlich auch lebt ärgerlich, wenn man überhaupt lein Telephon hat. Mehr noch, e* wächst f§ch allmählich zum unmöglichen Zustand au», wenn man auch nur einigermaßen im off ent' Heben, beruflichen oder sonst nach außensüh- renden L'eben steht. Wenn man dann nicht, die stählende Charakter-Gedulds übuna. vor den Ssientlichen Femlprechstellen wartend stehen will, must man sich entweder auf Äu4>en oder auf Xetten werfen, um beim Konditor oder Tandler belläuttg fragen zu können: .Dürste «b mal eben Ihr Telephon benutzen?"
Unb dort muh man ferne Worte vorsichtig wählen, um nicht Unbefugten einen unerwünschten Einblick ln Aufträge, Anträge. Abmachungen u1u> nehmen zu lassen, (wobei natürlich noch nicht ten Sntlermlesten an ebenso zarte, wie nleressante bespräche gedacht ist wie: »Schatzi, kannst du es nixbt möglich machen, heut Nachmittag . . ." oder: „Franzel, bist du'S selber? Bist du allein? . . die ein Kapitel für sich Hilden). '"*•
Ich wollte heute nur zum Trost für die. die sich gerade rocht über lästige Arbeitssto- runqen, falsche Verbindungen, dauernde» „bc- 1e|r und ähnliche unvermeidliche Vorkommnisse Geärgert Haden, die Telephonerlebnisse eines De- fannten erzählen, der mit x Ehren- und anderen Aemtern >.m Sfsentlichen Leben stehend, seinen ttlephonlolen Zustand allmählich zu einer äln- möglichkeit heranwachsen sah Und so überschlug er feine öfnfünftc, feine Ausgaben an Ztgaretten und Kuchen, feine liebenswürdigen Bitten, feine Briefe und Laufereien, und kam iu dem Aesultat. das) ein entsprechender Antrag ei der Herchspost das wirtschaftlich Dorteil- hafterc sei. Und da er ein fröhlicher Mensch war. hatte er dem Grundsah: .Man muh die Feste feiern wie sie fallen", und feierte den Tag des fertig gewordene.» Telephonanschlusses unter der Nummer 2244 mit einer kleinen De- sellschast im Freundeskreise, der sich erst in vorgerückter Stunde vergnügt von dem gastfreien Wirt kennte. Unter beruhigten Vorstellungen schlief dieser eilt als Letztes noch den echt weiblichem Satz seiner Frau mit in die Träume nehmend: .Weiht du. ich bin gespannt, wer dich zuerst an rufen wird."
Die Spannung währte nicht lange .Nrrrrrr" gellte die neue Klingel in den Morgenschlaf. •In Dl ick auf die Uhr: halb sechs! .Zum Donnerwetter. wer kann denn da? . . .Hier 2244". •ine sonore Männerstinune ertönt: .Ich möchte gern wissen, wann der erste Wagen der Linie 8 zum Dahn Hof fährt." Das war denn doch! D. daS war der Malefizkerl, der Waler, der Dietmar, der ihn verulken wollte. Und so sagte er nur ironisch. .Schönen Dank für den Anruf, und glückliche Helfe, verpah den Anschluß .licht, mein Lieber, der erste Wagen fährt möglicherweise in 10 Minuten, guten Morgen Und schlüpfte wieder in» warme Dett. Hrrrrr." Halb achtl .Hier 2244". Sine ängstliche Damen ft inune. .Ach. entschuldigen Sie. aber ch habe gestern abend meinen neuen Hegen - Ichirm m der Dahn stehen lassen, in Linie 7. ist er vielleicht abgegeben worden?" .Wie kann ich das wissen", entgegnete der Gefragte mit einem Gemisch männlicher Höflichkeit, menschlichen Aerqers und allgemeiner Srstauntheit. .Ist dort nicht 2244?" .Jawohl, aber ich wüßte wirklich nicht".....Ach Doti, entschuldigen Sie.
aber ich komme wohl besser persönlich, es ist nämlich ein ganz neuer Schirm, mit emailliertem Knopf, bitte, lassen Sie gleich Nachsehen, ich komme also nachher selber." .Angenehm", sagte der Höfliche und bängte resigniert ab. .Wer war es?" fragte neugierig die Dattin. .Sine Dame, sie kommt nachher persönlich heran, sie hat ihren Hegenschirm in Linie I stehen lassen, er ist ganz neu. Da begreifst wohl, das) sie ihn toieberbaben will". .Aber wieso kannst Du?“
-Ja. wieso kann ich! Das find die Unbegreiflichkeiten de» modernen Verkehrs lebens, mein Kind, und teer hielt Telephonanschlust für durchaus nötig?" .Du", sagte die mutige Dänin. ..Nein, du." entgegnete der Mann. Aber da Mann und Frau eins ftnb. kam es schließlich auf dasselbe heraus
Der weitere tageelauf war zunächst ereignislos Die Dame mit dem Hegenschirm. oder vielmehr ohne den Hegenschirm. kam nicht persönlich. Aber am Nachmittag kam noch eine Anfrage, ob. wo und wie Ersatz für eine verlorene Monatskarte zu erhalten fei (was der neugebackene Telephonbesitzer auch nicht wußte), und warm der letzte Wagen vom Dahnhos ab- führe. Was ihm auch nicht bekannt war. und im übrigen hatte er längst durchschaut, daß feine Freunde sich verabredet hatten, ihn zu necken Aber gegen Abend kam ein dringendes Ferngespräch au» Bochum. ,0 Dott. unferm Werner ist was passiert!", rief die Dattin entsetzt und stellte sich zitternd neben ihren Mann. .Hier 2244". ..Hier Bochumer Waggonfabrik. Wir haben die von Ihnen bestellten 6 Waggons soeben zur Absendung gebracht und bemerken dazu. . -- .Ich hab« keine Waggons
bestellt." schrie jetzt der erboste Mann, .was soll ich mit 6 Waggons, ich brauche sie nicht, hier 2244" .Ja eben, sind Sie nichtStraßenbahn-- aktiengesellschast T Hausen?" .Nein, bin ich nicht, falsch verbunden" und dann rief der Geplagte die Zentrale an und erfuhr, daß 2244 die abgelegte frühere Nummer der Slek- trischen Straßenbahngesellschaft fei, und des Nät- felS Lösung war gefunden.
Hoffentlich bringt da» neue Telephonbuch dem Armen •ntlaftung. denn sonst ist wirklich nicht abzusehen, was ihm an täglichen Zumutungen noch blühen kann.
OieVerkehrSordnung aufdemFlugplah
DaS Kreisamt Gießen macht erneut auf die Vorschriften der Polizeiverordnung für den Verkehr auf dem Gießener Flugplatz aufmerksam, in der folgendes beftünmt wird:
Die Grenzen des in der Gemarkung Gießen auf dem »Vordersten Stolzen Morgen" liegenden Flugplatzes sind durch weißgestrichene, an den Endpunkten niedergelegte Bretter kenntlich zu machen.
Das Detrelen und Defahren des Nugplatzes sowie das Veiten auf demselben ist Unbefugten verboten. Der Flugplatz bleibt ausschließlich dem Luftverkehr Vorbehalten.
Zuschauer dürfen sich nur auf den zugewiesenen AufstcllungSplätzen aufhalten.
DaS Ausstelle.i von Kraftfahrzeugen und anderen Fahrzeugen darf nur auf den Angewiesenen Plätzen erfolgen. Ausgenommen hiervon sind Fahrzeuge, die der Start- und Flugleitung zur Verfügung stehen imd die als solche kenntlich gemacht ftnb.
Hunde müssen an einer kurzen 2eine geführt werden. Die allgemeinen Bestimmungen über das Führen von Hunden (Maulkorbzwang und dergleichen) werden durch diese Verordnung nicht berührt.
Der Luftverkehr im Gebiet des Fluglande-- platze« ©iclkn untersteht hinsichtlich Ordnung und Sicherheit, sowie des Signaldienstes der Polizeiflugwache Gießen. Jeder beabsichttgte Start ist rechtzeitig von der Flugleitung der Polizei- siugwache zu melden: ebenso ist jede bevorstehende Landung eines vmi außerhalb zu erwartenden Flugzeuges zu melden.
Der Motor eine« Flugzeuges darf nur laufen, wenn sich im Führersitz eine mit der Bedienung desselben vertraute Persönlick^eit befindet.
Flugzeuge dürfen nur auf dem von der Polizei- flugwache im Einvernehmen mit der Flugleitung bestimmten Platze ausgestellt werden.
DaS Abbremsen des Flugzeugmotors hat stets so zu erfolgen, daß Gebäude und die Standplätze der anderen Flugzeuge von dem Propeller- Wind nicht getroffen werden.
Sobald an der Polizeiflugwache der rote Ball hochgezogen wird oder rote Leuchtkugeln abgc» schossen werden, ist jeder Start verboten.
Bei jedem Start wird durch einen Beamten der Polizeiflugwache mit einer weißen Flagge die AbslugerlaubniS gegeben und die Startrichtung angezeigt. Ohne diese Erlaubnis ist dem Flugzeugführer ein Start untersagt. Beim Starten ist
Oer Film „Spione".
Lichtspiclhauo Vahnhosstraßc.
Dies ist vielleicht der beste Film, den der He- giffeur Fritz Lana — Schöpfer der .Nibelungen". des „Dr. Mabuse". der.Metropolis" — bisher geschaffen hat: sicherlich einer der besten deutschen Großfilme, die seit geraumer Zeit erschienen. Das Merkwürdige dabei: daß dieser ausgezeichnete Film au« einem höchst mittelmäßigen Homan entstanden ist.
Aus dem Roman der Thea von Harbou. dessen gute und phantasievolle Konzeption durch einen miserablen Stil verdorben ist, brach Lang die Idee: er goß die Fabel in eine neue, seine eigene Form: er löste die Handlung, unter äußerster Beschränkung der terllichen Hilfen, mit einer bestechenden Vollständigkeit in Bilder auf. schnitt alles Ueberslüsiige weg und ließ die Zeit em mitspielendes Clement des Ganzen werden: in einem ungtbcuren Tempo rollt die also konzentrierte und äußerst verdichtete Bildersolge ab; sprunghaft, überraschend, von Spannung zu Spannung. ohne an Ueberfichtlichkeit zu verlieren und den Beschauer in jeder Sekunde zum Mitgehen zwingend.
In solcher Beschränkung auf bildhafte Handlung in gesteigertem Tempo und unter vollem Verzicht auf die überspannte Stilistik der Vorlage wächst daS Werk eben in feiner Sondereigen- schaft als Spielfilm zu einer großartigen Eindringlichkeit und Einheitlichkeit.
Hinzu kommt, daß der Bilderablauf in technischen Einzelheiten wie in der regiemäfitgen Gesamtanlage bis in die Fingerspitzen gekonnt ist. (Sicherlich auch in feiner Wirkung auf das Publikum in jebet Szene berechnet: da aber gegen eine gute Wirkung nichts einzuwenden ist, wird man sich kaum der Erkenntnis verschließen können, daß Lang eine der ausgeprägtestem befähigtsten imd eigenwilligsten Hegifseurpersonsichkeiten ist, die gegenwärtig am deutschen Film arbeiten.)
Der Inhalt? Die Handlung zu erzählen, würde, auch in sachlicherem Stil, als das Buch geschrieben ist, zu weit führen, und außerdem würde die wörtliche Wiedergabe den Blldeindruck
notwendig abfchwächen. SS handelt sich, turz gesagt, um den Kampf gegen eine sehr großzügig angelegte und außerordentlich gefährliche Spionagezentrale von internationalem Aktionsradius. hineinverslochten (nicht nur danebengekurbelt ober äußerlich auf gepappt) das Liebes- schickfal einer russischen Geheimagentin im Dienste der mit allen Mitteln arbeitenden Verbrecher.
In der Gestaltung deS legitimen Gegenspieles (des Polizeichess) liegt die einzige schwache und angreifbare Stelle des FilmS: die Figur ist in der Hcgieauffa’fung wie in der (an sich nicht schlechten) schauspielerischen Wiedergabe verfehl!, bleibt übrigens auch hinter dem literarischen Vorbilde zurück: der Mann hat weder innerlich noch äußerlich daS überlegene Fornkbt, ohne daS er in seiner Stellung nicht möglich wäre.
Dieser — einzige — Einwand wird durch die imponierende Hegicführung in allen übrigen Teilen des Werkes reichlich wettgemacht. Als vorbildliche Leistungen sind nächst der Organisation der Spionagezentrale vor allem die Eisen- bahnkalastrophe und die Aushebung des Verbreche rne st es zu nennen: hier liegen die mit einem ungewöhnlichen Schwung inszenierten, mit Energie und Spannung geladenen Höhepunkte der Handlung.
Die Besetzung — wenn man von dein genannten Fehlgriff absehen darf — ist bis in deine Chargen rollen hinein durchweg zu loben. In Gerda Maurus, die die Spionin Sonja spielt, hat Lang einen neuen Star für die Ufa herausgestellt; eine sehr talentierte und temperamentvolle Schauspielerin, die sich mit dieser Leistung sympathisch und überzeugend eingeführt hat. Schars brofiliert der Spionageleiter Haghi von Hubvif Älein-Hogge. Gut und interessant von den übrigen vor allem Willy Fritsch. Lnpu P i d und Fritz Hasp.
Niemand sollte sich daS Stück entgehen lassen; es ist ein Film, der eine selbständige Leistung darstellt, ohne Seitenblicke und Abstecher auf unerlaubtes Gebiet, feiner Grenzen bewußt, seiner Möglichkeiten mächtig... und also ein ein guter Film. —r—
vom Nachbarslugzeug sters eine Mindesten tfcr- nung von vierzig Meter innezuhalten.
Das Betreten der Häumc ter Flugleitung. der Werkstätten und anderer der SobcnorganJation des Luftverkehrs dienenden Häumlichkeiten ist ohne besondere Genehmigung der Flugleitung im Benehmen mit der Poli,^islugwache unterlagt.
W ist verboten, in der Nähe der Flugzeuge und der Taifkanlagen zu rauchen, unverwahrtes Feuer und andere ^.'Suchtmittel außer elektrischen Glühlampen mit Uebergi»den zu benutzen sowie brennende Streichhölzer fortzuwerfen
In den Werkstätten müssen Handfeucrlöschec betriebsfertig bereitstehen. Die Inhaber der betreffenden Häumc sind hierfür verantwortlich. Sie sind verpflichte:, allen behördlichen Weisungen bezüglich Beschaffung und Srhattung von Feucrlöschgeräten Folge zu leisten.
Den Anordnungen der Beamten des ßuftüber- wachungSdiensteS ist Folge zu leisten.
Sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, werden Ucbertrc- tungen dieser Verordnung mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark, im Falle des Unvermögens mit entsprechender Haft bestraft.
Oer Wert
der deutschen Jugendherbergen.
Dieser Tage hat der Verwaltungsausschuß des HeichSverbandeS für deutsche Jugendherbergen, dem alle großen deutschen Iugendverbände aller Hichtungcn angeboren, seine geschäftlichen Beratungen über daS Berichtsjahr 1927 abgeschlossen. AuS den Berichten geht hervor, welchen gewaltigen Aufschwung die deutsche Iugend- wanderbewegung in den letzten Jahren genommen hat. der in erster Linie der Anteilnahme der Behörden und der gesamten Oefsentlichkeit am Iugendherbcrgswerk zu verdanken ist. Die großen Städte Haven fast alle auS eigenen Mitteln Musterhcrocrgen errichtet. Heich und Länder, Provinzen. Streife und Gemeinden haben die Bedeutung des IugcndherbergSgedaidens erkannt und ihm im weitgehendsten Maste ihre Unterstützung zuteil werden lassen. Mit Hilfe dieser Unterstützungen kann der NeichSverband für deutsche Jugendherbergen daher augenblid- lich 2300 Jugendherbergen zählen und über eine Mitgliederzahl von 87000 verfügen. Glicht weniger alS rund 2,5 Millionen Uebernachtungen konnte der HeichSvcrband im letzten Berichtsjahr zählen, ein Beweis dafür, welche Bedeutung die Iugcndwanderbewcgung hat und welcher Beliebtheit sie sich erfreut. Dem HeichSvcrband für deutsche Jugendherbergen gehören Jugendliche aller sozialen Schichten und politischer Hichtungcn an. 29 v. H. der Mitglieder- ahl sind Volksschüler. 35 v. H. Schüler und Studenten und 36 v. H. sind Schulentlassene. AuS dem Gesagten geht also hervor, daß daS Iugendherbcrgswerk ein DolkSwerk ist, daS immer tiefer in die Nation eindringt und damit auch die Volksgesundheit entscheidend zum Guten beeinflußt.
Viehhändler-Versammlung in Gießen.
Dor einigen Tagen fand hier im Saal- bau Sauer eine Viehhändlerverfammlung statt, die vorn Schiedsgericht des Dießcnec Viehmarktes einberufen war. Für den 3k rto al hing 6 rat eröffnete dessen Vorsitzender Simon Stomberg (ÄelSlirchen) die Versammlung. DaS Gießener Marktschicdvgericht besteht jetzt ein Jahr und hat monatlich durchschnittlich 25 Wandlung-- klagen und etwa 25 Prozesse wegen Nestzah- lungen usw. entschieden, in 5 Fällen mußte daS Oberschiedsgericht entscheiden. Nach den Satzungen war eine Neuwahl des Obmanns oder Vorsitzenden des Schiedsgerichts vorzunehmen. Die Versammlung beschloß die Wiederwahl deS seitherigen ObmannS Salti Strauß (Lauterbach- auf zwei Jahre durch Zuruf. Für die gleiche Zeitdauer wurden die bisherigen Ersatzmänner Süßkind (Herborn) und Kaiser (Mardorf) wiedergewählt. Sin auS der Mitte der Versammlung gestellter Antrag, für das Schiedsgericht noch als Beisitzer einen namhaft gemachten akademisch gebildeten Juristen zu wählen, wurde mit der Begründung abgelehnt, daß cS sich bei Marktschiedsgerichten nur um sachverständige Laienrichter handeln könne Die bisherigen Mitglieder des DerwaltungSratS Simon Stom
berg iHeiökirchen' Albert Kaufmann (Kir- totf). Süßt i nd (Krofdorf». Hatan Simon (Heuchclhetmi und Liebmann ^Hausen bei Gießen» wurden durch Zuruf wieder gewählt. Es fand dann eine lebhafte Aussprache wegen der vom Gießener MarkttchiedSgericht liquidierten Kosten statt, die vereinzelt an Hand einiger Fülle für zu hoch erklärt wurden Der Obmann. Sali, Strauß, erklärte, daß das Gericht bestrebt »ei. Härten, die in hohen Auslagen und Kostensorderungen der obsiegenden Partei bestehen. au mildem. Ganz ohne Kosten könne allcrbtng» das Schiedsgericht nicht arbeiten, aber die Parteien sparen immerhin gegenüber den Anwal ts- koften imb den Gerichtskoften. bio sie beim ordentlichen Gericht zu bestreiten haben, sehr erheblich. abgesehen von der erheblich schnelleren Erledigung der Streitfälle durch das Schiedsgericht. Allerdings mühten sich die streitenden Teile baritber klar sein, daß derjenige Streitteil, der die Kosten des Verfahrens zu tragen h.rt. als anständiger Kaufmann nicht mehr Kosten und Auslagen liquidieren dürfe, als wirklich entstanden seien, besonders sollte man das Stall- geld. Futter- und Pflcgekosten nur in mäßiger Höhe berechnen, ebenso seien für Arzt und Arznei Forderungen nur die Selbst losten, die durch Quittungen belegt werden, zu verlangen. Dem» aber die eine ober die andere Partei sich wegen zu hoher Kosten zu Unrecht belastet glaube. |ci es ratsam, dagegen Beschwerde zu erbeben, damit der Fall eingehend geprüft nx-rden kann. Einem Antrag, die Satzungen des Gießener Marktschiedsgericht den einzelnen VereinSvor- ständen. deren Mitglieder am Gießener Markt Interesse haben, zuzusenden, versprach der Obmann in den nächsten Tagen auszuführen. Es wurden weiter von verschiedenen Seiten Anregungen gegeben, die Organisation des Schiedsgerichts. auch besten Verfahren usw, auSzu- baucn und zu verbestern. U. a. wurde
der Wunsch ausgesprochen, im Intercste deS Ansehens der bewährten Institutton einen besonderen Haum. würdig ausgestaltct zur Abhaltung der Verhandlungen zu mieten. Auch wurde angeregt, die Zeugenvernehmung, wenn irgend möglich, direkt vom Schiedsgericht vorzunehmen. um dadurch da« Verfahren zu beschleunigen. Man müsse natürlich dann auch gleich mit der Klage die Zeugen und sonstigen Beweismittel angeben. Der Obmann. Salti Strauß, bemerkte, daß daS Schiedsgericht nicht das Hecht hat, zu verlangen, daß ein geladener Zeuge vor seinem Forum erscheint. In vielen Fällen würden die Zeugen nicht kommen, auch eine eidliche Vernehmung von Zeugen vor dem SchiedS- Äfci nicht zulässig. Eine nicht beeidigte von Zeugen habe in vielen Fällen wenig Wert für einen HechtSfall. deshalb laste da» Schiedsgericht in den Streitfällen, die man ohne Anhörung von Zeugen schwer enttcheiden könne, die Zeugen durch den ordentlichen Hichter eidlich vernehmen. AuS der Aussprache ging hervor, daß alle Interestenten des Gießener Marktes darüber einig sind, daß daS Gießener Marktschiedsgericht sich bctoäort hat uno niemand es mehr abzuschafsen wünscht. Man erlarmte an. daß dadurch die ordentlichen Gerichte erheblich entlastet werden, daß die Parteierr. wenn sie ihre Hechtshänüel vor ihren Kollegen zum AuStrag bringen, viel Geld sparen und gegenseitige Differenzen viel schneller als vor den ordentlichen Gerichten Erledigung finden. Es sand dann eine gründliche Besprechung über neu zu schaffende Handelsbedingungen für die Gießener Viehmärkte statt. Der Obmann leitete die" Aussprache mit dem Hinweise ein, daß es eine sehr große Belastung des Verkäufers bedeute, wenn dieser dem Käufer gegenüber die Garantie übernehme, die Ware sei rein und klar und ohne Fehler. Eine solche allgemeingtbaltcne Zusicherung könne kein ver- nünftiger Mensch übernehmen, und mit einer solchen Garantie sei der Schikane Tür und Tor geöffnet Man wünsche hier eine Formel fest- zusetzen. daß der Verkäufer für alle gesetzlichen Mängel deS veräußerten Tieres auf- komme. Sollte der Käufer aber beim Kauf noch andere Bedingungen verlangen, die der Verkäufer zu bewilligen bereit ist, um ein Geschäft zu tätigen, so müßte über einen solchen Kauf evtl, ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen werden. Die zahlreichen Einkäufer erklärten, von einer Aenderung der Handel-bedingung auf dem
Der Fremde und das Ei.
Don Hans ZRiebau.
Vom Dahnbof Schnorrebrück her kommt ein Mensch. Aus der Landstraße hebt er sich ab wie ein Strich. Die Holzfäller im WirtShause treten an« Fenster und disputieren. Denn es ist sehr, sehr selten, daß in Schnorrebrück ein Mensch aus dem Zug fleiat Unb noch viel lettener ist es. daß er die Landstraße herunterkommt auf den Krug zu. Denn tnc Landstraße ist eigenttich keine Landstraße. sondern nur ein Projekt Gleich hinter dem Krug im Walde hört sie auf, und kein Weg und Pfad führt weiter inS Gebirge hinein.
Es kann also nur ein Fremder sein, der da. fein Köfferchen schwingend, herunterspaziert kommt. Unb die Holzfäller freuen sich, und der Krüger freut sich und die Magd freut sich. Denn mit den Fremden, die sich hierher verirren, gibt es einen schönen, einträglichen Spaß, einen Spaß, der Tradition geworben ist im Krug, unb den. man weiß es nicht genau, der Vater ober ber Großvater des WirteS in die Welt gesetzt hat
Inzwischen kommt ber Fremde näher, biegt in den Pfad ein, der auf den Krug zuführt, und ist schon in der Gaststube. Ss ist ein älterer, glattrasierter Mann. .Guten Tag", sagt er. setzt sich, bestellt Bier und Butterbrot und beginnt zu essen. Da schiebt sich einer von den Änedjten an den Schenkttsch. .Eine Hunde Korn", sagt er. Unb der Wirt haut jedem einen doppelten Korn vor die Nase. Auch dem Fremden.
»Danke", sagt ber. .prost", trinkt aus. Unb dann fängt man (.endlich" denken die Knechte» an zu reden.
Da zieht der Holzfäller, derselbe, ber ben Schnaps bestellt hat ein Ei hervor, pellt die Schale ab. steckt eS in den Mund, und hupp, schluckt eS herunter, heil wie eS ist.
Der Fremde sieht eS unb lacht
,100 Mark zahl' ich dem", sagt ber Holzfäller, .ber's nachmacht."
.Kleinigkeit", brummte ber Fremde. Da Birnen es die Knechte beim Feixen nicht lassen unb lachen laut heraus.
,100 Mark gilt die Wette", sagt ber Fremde.
Die anderen freuen sich. .100 Mark', bestätigt ber Holzfäller, .zahle ich: und 100 Mark Sie, wenn Sie nicht innerhalb fünf Minuten ein gekochte- Ei. ohne zu kauen, verschlucken."
.Herr Wirt", ruft bet Fremde, .ein Ei!"
.Jawohl", faat ber Wirt, und geht in die Küche. Die Knechte stoßen sich In die Nippen. Da kommt ber Wirt zurück. .Dedaure", grinst er. „im ganzen HauS kein Si mehr da."
„Sie haben die Wette verloren", schreit der Holzfäller, unb alle lachen lauthals.
2wer ber Srembe sagt: „Wieso?" Greist in die Tasche, zieht ein Ei hervor, pellt es ab, unb man sieht, es ist ein ganz, ganz weich gekochte-, unb schluckt eS herunter
Die Knechte starren entsetzt. Kein Wort wird laut. Der Fremde schluckt unb schluckt.
.Ich war nämlich schon mal hier", sagt er. .vor 18 Jahren: unb möchte gern meine hundert Mark zurückhaben."
„Die Sünden ber Väter", denken die Knechte: schmeißen zusammen und pumpen den Wirt um den Nest an ....
Hochschulnachnchten.
Der bisherige Privatdozent für Geographie an ber Gießener Universität Dr. Wolfgang Panzer hat sich an die philosophische Fakultät der Universität Berlin umhabilitiert. Gebürttg aus München, ist Panzer Schüler von Norbert KrebS. bei dem er feit Ostern 1927 eine Asfisten- ttmstelle am geographischen Institut ber Uni- oerfität Berlin bekleidet. Früher dozierte er in Gießen und affigierte am dortigen geographischen Institut bei Prof. Klute. Panzers Arbeitsgebiete sind Geomorphologie. Physifchc An- thropogeographie. Länderkunde von Süd- und Westeuropa.
Der Privatdozent für deutsches Hecht, bürgerliches unb Handelsrecht an der Untoerfltäf Göttingen Dr. jur. Karl August Eckhard! hat einen Huf an die Mntoerfltät Kiel als Nachfolger des emeritierten Geheimen Iustiz- rats Max Pappenheim erhalten unb angenommen. Er hat bereits die (rmemnmg zum Ordinarius in Kiel erhalten.


