Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
M. 366 Drittes Blatt ■■■IBBMn- - uw«» i« i Ml Ilia
Rußland im Zeichen des Hungers.
Don unserem dl.-Berichterstattcr.
Flachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI Moskau, Ende Dezember 1928.
Doch unlängst dachte man, daß die Gerüchte vom herannahenden Hunger übertrieben seien, aber jetzt ist es schon für alle klar, daß man wirklich gehörig hungern müssen wird. Hebei» gen3 hungern jetzt schon viele. vorerst freilich wegen Geldmangels, weil die Preise für die notwendigsten Artikel dauernd steigen. Weißbrot aber ist auch für Geld schon längst nicht mehr da, anstatt dessen wird etwas ganz iln» definierbares, Grau-Schmutziges und fast Ungenießbares gegeben. Doch es hilft nichts — es muß verzehrt werden. Am schlimmsten sind die langen Polonaisen vor den Lebensmittel-Geschäften, für/die man sich schon zur Dacht anstellt, weil großer Warenmangel herrscht und toetl man öfters mit dem Bescheid weggeschickt wird, sich am anderen Tage wieder zu melden. 3n Erwartung dec Hungerswut kursieren in der Stadt ärgerliche Gespräche vom täglichen Brot, wie in den Sahren 1918, 1919, 1920, und zwar überall — zu Hause, zu Gast, sogar während des Dienstes. W.eder Gerüchte und Angst. Denn der Hunger zeigt wieder sein schreckliches Antlitz.
3m großen russischen Deiche gibt es seit zwec Wona.en überhaupt kern Weißbrot, leine Butter, feinen Tee, keinen Deis, keine Makkaroni, keine Grütze, keine Heringe. 3m Sowjetstaate wird wenig gegessen, aber dafür viel getrunken. 3n jeder Straßenbahn sind fast regelmäßig drei bis v^c Betrunkene. Die Stadt trinkt, das Dorf trinkt mit. Man trinkt einfach staatlichen Wodka oder das selbsterzeugte Surrogat, „Samogon" genannt.
Die Witzbolde scherzen und meinen, daß die Sowjet-Regierung die Trunksucht zum Aerger Trotzkhs unterstützt: da der in Hngnade gefallene Würdenträger zur Zeit seines Wohlergehens behauptete, dah in den „eifernen Bestand der Revolutionseroberungen" unbedingt das Wodka-Derbot hingehöre, d. h. „bte Liquidation der staatlichen Trunkverleitung des Volkes". Dun also, um Trohky zu widerlegen, um die Opposition zu beschämen, hat der Kreml ihr zum Trotz diese „revolutionäre Errungenschaft" vernichtet, den Wodka wieder hergestellt und wieder wird das Volk zum Trünke verleitet.
Man darf annehmen, dah das herannahende 3ahr für Moskau ein 3ahr der Entscheidungen sein wird. 3nnenpolittsch wie außen- vvlitisch. Es muh sich zeigen, ob die ameri- lanifche Ane.kennung wirklich kommt, auf die Moskau wegen der amerikanischen Berstimmung gegen England hofft, und es muß sich zeigen, ob diese Spannung zwischen angelsächsischen Da- fionen auch den englischen Druck auf Sowjetruhland vermindert, und ob schließlich auf diesem Wege neue Verhandlungen mit England ausgenommen werden können. Mit einem Wort: die außenpolitische Frage Sowjetruhlands an das 3ahr 1929 ist: kommen wir aus der politischen 3solierung heraus vdeo nicht?
Innerpolitisch scheint die Karriere Stalins ihren Höhepunkt erreicht und überschritten zu haben. Sein größter Erfolg war der Sieg über die Opposition, aber dieser Sieg war wohl ein Dyrrhus» Sieg, der seine Kräfte oielleicht gebrochen hat. Im gegenwärtigen Moment ist fein Einfluß lange nicht so groß, wie es noch vor einem Jahre der Fall war Ebenfalls bereitet ganz offensichtlich die Uneinigkeit in der Kommunistischen Partei der Sowjetregierung gegenwärtig ganz besondere Schwierigkeiten. Kommunistische Fehler, Mängel und Läster fangen an, in sehr fühlbarer, ja geradezu krankhafter Farm aufzufallen. Allein mit Schlagworten, seien es rechte oder linke, ist nichts zu erreichen. Und dabei ist keine Zeit zu verlieren. Wenn bei der Versorgung der Städte mit notwendigsten Lebensmitteln Störungen vorkommen, ist man gezwungen, sich aller möglichen Mittel zu bedienen, ohne Rücksicht auf Empfindungen zu nehmen, die man gerne geschont hätte.
Unter den Schwierigkeiten, welche die Sowjetregierung zur Zeit durchzumachen hat, steht nun einmal im Vordergrund d i e Bauern-Frage.
lache Bajazzo 1
Roman von 3- Schnelder-Foerfil.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Richthofen erschien bereits wieder unter der Türe und trug ein Tablett mit einer Flasche Wein, belegten Broten und einer Schale Trauben. „Der Kognak wär dir vielleicht zu scharf gvesn, Mizzl. Aber der Wein ist gut!" lobte er uij> klappte mit der freien Hand den Tisch am Fenster hoch.
„Hat dir's die Mizzl erzähll, das mttm Hettingen?"
„Was ist mit dem 3oachim? Fehlt ihm etwas?" sagte Feßmann erregt. „So Iah mich doch nicht so lange auf Antwort warten, Leopold."
„Aber bitte — — es hat doch in allen Zeitungen gstandn! Das mußt doch glesn habnl"
„Tot?" schrie der Doktor hinaus und verblaßte bis zum letzten Rest der Farbe.
„Aber geh, Hans! Du bist ja wie mein Schwester!! Wann ich bloß fein Damen in den Mund nehm, erschrickt's schon vor lauter Aengstn, er könnt gstorbn sein!"
„Was ift es sonst?"
„Trink erst ein Schlucker! Wein, mein Lieber! Derweil erzähl ich dir."
Die Augen ohne Bewegung auf ihn gerichtet, hörte Feßmann vom Zusammenbruch des Hauses Hettingen und alles, was sonst für ihn zu wissen nötig war.
„Hnd niemand hat mich davon verständigt," sagte er mit ehrlichem Vorwurf.
Richthofen setzte das Glas, welches er zum Munde führen wollte, wieder ab. „Hat ja kein Mensch gewußt, wo dich ein Telegramm oder sonst eine Dachricht treffen kann! Mein erster Gang ist so zu dir gwesn, wie er hätt Schluß machn wolln —"
„Der 3oachim Schluß machen? —" entsetzte sich der Doktor. „Das kann ich mir nie verzeihen, daß ich in dieser Stunde nicht bei ihm gewesen bin!"
Trotz der Versicherungen, ein für allemal auf den zwaiigsrnäß gen Ankauf von Getreide zu verzichten und den Bauern die volle Freiheit zu lassen, über ihre Getreidevorräte zu verfügen, hat die Regierung ihr Versprechen wegen der katastrophal geringen Getreidebereitstellungen während des letzten Herbstes, nicht halten können und war wieder gezwungen, sich der bewaffneten Macht zu bedienen. — Die Strafdetachements überfielen die Dörfer und verlangten unter Arrest und Erschießungsdrohungen von den Bauern sofortige Aushändigung allerGetreidevorräte zu drei- oder zuweilen soaar vierfach niedrigeren Preisen, als den Bauern seitens der Privatkäufer geboten wurden. Während der Rcg.erungspreis für ein Pud Weizen bloß 1 Rubel 30 Kopeken war, zahlten die Privatkäufer 4 bis 5 Rubel pro Pud.
Mit dem von den Bauern zwangsweise auf- gekauften Getreide wurden alle Sta.ions-Spei- cher überfüllt, aber auch diese reichten nicht aus, so daß man gezwungen war, das Getreide draußen ohne Bedeckung abzuladen. Ein Verfahren, durch das das Korn nicht besser wurde. 3n einer Reihe von Ortschaften hat die Obrigkeit verordnet,
„Mas ist 3hre Reue gegen die meine," sagte Maria tonlos.
Die etwas schwüle Luft in dem Abteil verursachte ihr eine gewisse Beklemmung. Sie trat an das Fenster und lieh es zu drei Viertel in die Vertiefung gleiten. Dabei entfiel ihr das kleine Täschchen, in welchem sie verschiedene Kleinigkeiten untergebracht hatte.
Dom Hang herauf lief einer der Arbeiter, die an der Ausbesserung des Bahnkörpers beschäftigt waren, bückte sich, ein Sprung nach vorne, dann hatte er das Trittbrett des Wagens erreicht und hielt es ihr hinauf.
„3oachim!"
Die Gestalt auf dem Trittbrett glitt taumelnd zu Boden, wurde eine Strecke weggeschleudert und richtete sich dann wieder auf dir Füße.
„Mizzl, was machst denn für Sachn!" Richt- Hosen nß die Hand der Schwester, die nach der Dotbremse griff, mit harten Fingern zurück.
„Laß mich! — Doktor, helfen Sie mir doch!" Vergeblich, suchte sie ihr Gelenk aus der Um- klammerung des Bruders freizumachen. Als es nicht glückte, fiel sie mit einem schüttelnden Weinen in die samtenen Polster.
„Alles, was recht ist!" zankte Leopold.
„Es war ja Hettiirgen!" schluchzte sie.
„QTber geh, Kindl! So weit darfst es doch nicht treibn, daß du in jedem Gsicht, das dir begegnet, das seine vermeinst. Da kommst ja über 3ahr unb Tag ins 3rrenhaus."
Sie weinte noch immer leise vor sich hin. Feßmann spürte ein unbegrenztes Erbarmen mit ihr und nahm ihre tastenden Hände mitleidig zwischen die seinen.
„Er war es sicher nicht, gnädiges Fräulein! Wie käme 3oachirn unter die Streckenarbeiter der SüdbahnI Gesichter sind sich oft so ähnlich"
„Cs gibt kern zweites solches in Wien! Er war es selbst!"
Dichthosen wollte aufbrausen, sah Feßmanns warnenden Blick und wurde wieder ganz Dachsicht und Güte. „Schau, Mizzerl, das Hal jetzt gar keinen Zweck, wann dich so nuntertuft. Der Hans fahrt so mit dem nächsten Schnellzug wieder zrück. Der geht dann gleich naus in die Dcchn- melsterei und frost, ob er wirklich dort in Arbeit
d ie Kirchen als Speicher zu beinihen, auch diese Maßregel hat auf dem Lande starke Empörung heroorairufen. Ebenso dec Zwang zur Zeichnung dec 3nduftrialisierungsanleihe.
Der letzte Tropfen, der das Maß dec Bauern- Langmut zum llcbcilaufen brachte, war die in diesem 3ahre zum erstenmal eingeführte sogenannte „individuelle" Besteuerung, deren Höhe nur von dem Steuereinnehmer abhängt und aufs Geratewohl bestimmt wird. Es gibt gar keine Hemmungsgrenzen zum Destcuern. und man kann sich leicht die Willkür vorstell n, die bei dieser Steuereinziehung herrscht. Dabei ist zu bernteten, daß die Sowjetpresse selbst von der Hnhaltbarknt der Zustande berichtete und noch berichtet. Aber sogar die Regierung ist machtlos gegenüber dem Chaos, das auf dem Lande bei der Steuereinnahme herrscht. Kein Wunder, daß das Bauerntum sich aufregt, daß mal hier, mal da die Vertret er der lokalen Behörde getötet, staatliche Geöaud: in Brand gesetzt werden. Die Bauern-Terror-Welle flutet wieder durch ganz Rußland. Wird sie 1929 abebben oder zur Sturmflut anschwellen?
steht. Warm ja, nachher telegraphiert er uns auf die Rax. Oder er telephoniert. Das geht noch geschwinder. — Bist du jetzt zufriedn."
Sie sagte nichts mehr, lieh nur den Kopf gegen die Polster gleiten und schloß die Augen. Richthofen fuhr sich ganz unvermittelt an die Stirne, stand auf und bat den Doktor mit einem Wink, ihm in den Gang zu folgen.
„Mir gehn tausend Lichter auf. Hans! — Tausend Lichter! — Dor s«hs Tagn, es können auch acht gwesn sein, hab ich den 3oachim zufällig einmal tressn und hab ihn gefragt, wie's ihm geht, da hat er hellauf glacht. — „Dorzüg- lichl 3ch bin Direktor an der Südbahn wordnl Ein erstklassiger Posten!" — 3ch hab gar nichts gemeint dabei und hab ihm dazu gratuliert Aber beut! Wann die Mizzl recht hat — wann er wirklich um Taglohn arbeitet?"
„3ch habe keinen Zweifel mehr daran, daß es so ist. Sowie ich den Automobilisten zusammen-- geflidt habe, nehme ich mir ein Mietauto und fahre zurück. Dann bin ich zwei Stunden früher in Wien!"
„3a Hans--und laß gleich was hörn!"
„Sowie ich Bescheid habe!"
Das Tempo der Räd.rpaare verlangsamte sich. Schienengewirr machte den Wagen schaukeln. Feh- mann griff nach seiner Ledertasche, die er im Gepäcknetz li.gen hatte. „Auf Wiedersehen, gnädiges Fräulein. Sorgen Sie sich nicht mehr! Sobald ich Gewißheit besitze, bekommen Sie Dachricht."
„Dittel"
3hre Hände lagen kalt und reglos in den seinen.
Als er dem Gang nach der Türe zurücklief, faßte ihn Richthofen noch einmal am Arm. „Laß ihn nimmer aus die Qlugn, Hans, den 3oachim! 3ch trau ihm alles zu! Auch das Allerletzte."
„3n zwet Stunden hab ich ihn! Auf Wiedersehen, Poldl."
Dann klappte die Türe zu. Der Doktor hatte kaum Zeit, herabzuhüpfen, so rasch setzten sich die Räder bereits wieder in Bewegung. Er sah Marias todbleiches Gesicht am Fenster und hinter ihr das des Bruders. Mit abgezogenem Hut blieb er stehen und sah Marias weiße Hände noch eine Weile wie Schnee auf dem Simse liegen.
Freitag, 21. Dezember 1928
Gießen Meister sein, da Großen-Bufeck doch wohl die noch ausstehenden 7 Spiele nicht alle gewinnen wird.
Handball im To. v. 1846 Gießen.
Da die Derbandsspiele Ende 3anuar beendet sein müssen, um bis dahin den Meister zu ermitteln, wird auch am zweiten Feiertag gespielt. Die 1. Mannschaft spielt gegen Großen- Buscck; die Großen Bu ecler Haden in den l.tz en Spielen bewiesen, daß sie ein nicht zu verachtender Gegner sind. Gießen wird, da cs auch noch Ersah cufteLcn muß, alles ausbieten müßen, um das Spiel für sich zu entscheiden.
Handball der Sp.-Dg. 1900.
ö. Dachdem die Mannschaft des D. s. B Gießen bereits zweimal mit der ersten Els der Spielvereinigung 1900 die Klingen gekreuzt hat, findet am nächsten Sonntag ihr erstes Spiel gegen 1 9 00s zweite Garnitur auf dem 19^0-Platz statt. Das Treffen gilt als Verbands - spiel der Dachrunde. Das Dorrundespiel, das seinerzeit wegen anderweitiger Besetzung des Waldfportplatzes ausfallen mutzte, ist vom Gauhandballausschuß neu angeseht worden (nach Beendigung der Serie). Die unter „V. f. B.-Hand- ball" gebrachte Mitteilung, dah dem D. f. D. die Punkte zugefallen seien, war also verfrüht. Was das am nächsten Sonntag stattfindende Spiel angeht, so wird jede Partei bestrebt sein, Punkte zu erzielen, um nicht das Ende der Tabelle zu zieren. Die D. f. D.-Mannschaft hat bis jetzt noch kein Treffen siegreich oder unentschieden gestalten können, während 1900s „Zweite" sich erst am vergangenen Sonntag in den Besitz eines Punktes setzen konnte. Das Kräfteverhältnis beider Mannschaften läßt einen knappen Ausgang erwarten. Da sowohl die Bewegungsspieler, als auch die Spielvereinigungsleute über gute Hintermannschaften verfügen, wird die Sturmzusammen- setzung das ausschlaggebende Moment sein.
Handball m Heuchelheim.
Tv. Heuchelheim I — To. Didda I 4:2 (3:1).
Das am vergangenen Sonntag in Heu^e.i-eim stattgehabte Verbandsspiel konnten die Einheimr- fdyen mit 4:2 Toren (Halbzeit 3:1) für sich entscheiden. Heuchelheim spielte von Anfang an überlegen, während Didda erst gegen Ende des Spieles besser aufkommen konnte. Der durch den Schnee glatte Boden beeinflußte die Spielw.ise beider Mannschaften, so daß der Kampf um die Punkte zeitweise zu stark hervortrat.
Handball im Lahn-Oünsberg-Gau.
Am Sonntag treffen in Londorf Kesselbach unb Londorf zusammen, wobei Londorf einen sicheren Sieg davontragen sollte.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Am nächsten Sonntag gastieren die Ful- ba er Germanen bei der Spielvereini- ßung 190 0. Die Ligaelf der Gäste ist in Gießen nicht unbekannt: sie weille letztmals 1927 in unseren Mauern, und zwar zum entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die 1. Bezirksklasfe gegen die Marburger Germanen auf dem 1900- Sportplatz an der Liebigshöhe. Damals unterlagen die Leute von Fulda knapp, trotz technisch schöneren Spiels, dem Eifer und der Schnelligkeit der Marburger. Germania Fulda spielt schon seit 3ahren in der zweiten Bezirkstiga- Haffe der Gruppe Fulda eine gute Rolle. Bei Beendigung der Meisterschaftsspiele konnte sie immer den ersten oder zweiten Platz behaupten. Die 1900er stehen bekanntlich schon seit dem Abstieg aus der ersten Klasse in den gleichen Verhältnissen. Auch hier wird seit drei 3ahren ständig der erste und zweite Tabellenplatz errungen, zu Weiterem fehlt anscheinend die letzte Energie. Die Begegnung zwischen den beiden Mannschaften am Sonntag dürfte aller Voraussicht nach sehr interessant werden. Qtuf Seiten Gießens wird man versuchen, Verstärkungen heranzuziehen. Da die Spielweise und Spielstärke bei den Kontrahenten mit kompletten Mannschaften als gleichwertig angesprochen werden muh, ist mit einem eventuell unentschiedenen Sp-iel- ausgang zu rechnen, wenn nicht etwa der Vorteil des eigenen Platzes den Dlauweißen ein kleines Plus erbringen sollte.
1 9 0 0s Ligareserve empfängt am Sonntagvormittag die erste Elf vom Verein für
Darm lief er nach dem Ausgang.
„Was würde der heutige Tag noch alles bringen?"
Wenn er nur erst in Wien wäre.
* .
„Hettingen, ich muß Sie aufmerksam machen, vorsichtiger zu sein! Wenn der nächste Zug passiert und Sie bleiben wieder so dich am Gleise stehen ober machen wieder solch ein tolles Manöver wie beim 1066, dann werde ich Sie melden!"
Der Bahnmeister, dem die Strecke unterstellt war, sah mahnend in das wie in Bronze gemeißelte Gesicht seines Untergebenen.
„Haben Sie diesmal noch Dachsicht, Herr Bahnmeister, es wird nicht wieder Vorkommen!"
„3ch hoffe es!"
Hettingen faßte nach dem Pickel, den er zur Seite gelehnt hatte, und hieb ihn tief in das Erdreich des Abhanges, der sich längs der Schienenstränge hinzog und fester grundiert werden mußte. Die Gier der letzten Spätsommersonne machte, daß ihm das blaugestreifte Darchenthemd schweißdurchtränkt am ganzen Körper klebte. Dorne war es über der Brust geöffnet, und von einem schwarzen Ledergurt unter dem blauen Leinenbeintleid festgehalten.
Ab und zu griffen seine Hände danach, ihn zu lockern, fuhren mit dem rotgeran&eten Taschentuch nach der Stirne, um dann eilig wieder den Pickel in Bewegung zu setzen.
Ein verzweifeltes Lachen stand in seinen Augen. „Schaut her, ich bin's!
Heut schöpfet der Dichter kühn Aus dem wirklichen Leben Schaurige Wahrheit."
Und sie hatte ihn gesehen! — Dies eine einzige hätte der Himmel ihm ersparen müssen! Dicht, daß er sich schämte, hier unter den hundert anderen in Regen und Sonnenhitze fein Brot zu verdienen, und so die Mutter vor dem Hunger zu bewahren. Aber daß gerade Maria es war, die ihn in feiner tiefsten Erniedrigung erblickte, brannte ihn wie Feuer! — Und morgen würden eä hundert andere wissen und würden herauspilgern zu den Schienen körpern und ihn anftarren wie em seltenes Tier, das man an den Pflug gespannt hatte! (Fortsetzung folgt.) ,
BJJHM—U—WIU ll—l— ■!IIII IW—
Turnen, Spori und Spiel.
Leibesübung im Alter.
Don Tum- und Sportlehrer W. Faßhauer, Spandau.
Das ständige Wachsen der Altersabteilungen in der Turnerschaft beweist, daß die Zeiten vorüber sind, in denen die Zusammenkünfte der „Alten Herren" nur vergnügliche Stelldicheins waren. Die Mehrheit der alten Mitglieder dürfte von 3ugenö auf durch Leibesübungen geschult worden sein. Dur so ist es zu erklären, daß in manchen Vereinen noch Männer, welche bereits sechs 3ahrzehnte hinter sich haben, ihr verantwortungsvolles Amt als Riegenführer und Dorturner verwalten. Der unverwüstliche alte Wett- turner Meller (Frankfurt a. M.) leistet trotz seiner 70 3ahre noch eine Waage vorlings, während 3oh. Maaß (Turnverein Krefeld) mit 75 3ahren noch eine Rückenwaage zeigt. Teils erheiternd, teils staunenswert, mutete es an, daß bei einem Alterswetturnen in Köln die Aeltesten (55 bis 90 3ahre) aus Versehen die Pflichtübung der 45- bis 50jährigen „3üng- nnge" turnen mußten und keiner versagte, auch ein Achtundsechziger nicht! 3a, sie zeigten Riesen- sprünge, Handstünde und Riefenfelgausschwünge noch als Kürübung! Zwar sind das nur Erfolge langjähriger Hebung und Körperschulung. Aber auch nicht vorgebildete Menschen im vorgerückten Alter können sich noch mit Erfolg oem Tumertum hingeben.
Alle Einwände, die man dagegen zu hören bekommt: 3ch bin zu alt, zu steif, ich kann nicht turnen usw., entspringen fast ausschließlich der Furcht vor den Zuschauern, die vielleicht noch weniger können. Die Minderwertigkeitsgesühle können durch frisches Tun bald überwunden werden. Die Meinung, daß planvolle Körperbetätigung im vorgerückten Atter gesundheitsschädlich sei, haben die Turn- und Sportärzte längst widerlegt. Beachtenswert sind hierfür die maßgebenden Ausführungen von Pros. Dr. Müller (Spandau). Wenn man unter Altem die allmähliche Abnahme der Elastizität der Blutgefäße, des Lungengewebes und der Herzkrast versteht, so treten diese Erscheinungen vorwiegend nach dem 40. Lebensjahre auf. Durch Daturanlage ober Lebensführung, besonders aber durch verständige Leibesübung kann der Beginn des Alterns weit hinausgeschoben werden, oft bis an die Schwelle des Greisenalters. Hebungen, welche besondere Anforderungen an die Elastizität der Blutgefäße, der Lunge und des Herzens stellen, sind darum nur mit Vorsicht zu betreiben. Hierher gehören vor allen Dingen die Schnelligkeitsübungen. Deshalb wird in den Altersriegen der sinnlose Rekordkampf abgelehnt. Dagegen dienen maßvolle Dauerübungen hervorragend zur Erhallung der Leistungsfähigkeit und kommen gerade für Anfangsturnen im vorgeschrittenen Alter in Frage.
Auch Angehörige von Berufen mit ausgesprochener Körperbetätigung benötigen eine Gesamt
durchbildung des Körpers zur Gesunderhaltung, genau so wie die andern. Ein Berus mag fein welcher er will, der Körper kann durch ihn nicht so vielseitig durchgeblldet werden, wie es beim Turnen der Fall ift. 3nfolge der Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit deutscher Turnkunst kann jedem Attersturner das geboten werden, waö er nach Veranlagung und Deigung für seine Gesundheit dringend braucht. 3n den Altersriegen wird durch fachkundige Leiter und langjährige Mttarbeiter auf die Eigenart jedes einzelnen so vorsichtig Rücksicht genommen, daß auch der ängstliche Mensch, der Deuling, sich ihnen unbedingt anvertrauen kann. Cs werden keine Gipfelleistungen verlangt, besonders nicht von denjenigen, die keine Veranlagung zu hervorragenden Leistungen besitzen.
Das Altersturnen soll neben der Gesunderhaltung auch dem Gemeinschaftsgedanken dienen. Es ist wahrhaft eine Quelle zur Verjüngung, denn es erhält den Körper geschmeidig, macht das Herz froh und stärkt die Altersturner für den harten Sorgenkampf des Lebens.
3. Bezirk Gau Hessen O. T.
Am Sonntag fand die zweite gut besuchte De- zirksvvrturnerstunde unter Leitung der Bezirks - turntoarte 3 eschky (Schotten) und Reitz (Langsdorf) in Didda statt. Dach einleitenden Ordnungsübungen nahmen die für 1929 vom Gau bestimmten Freiübungen und die für das Wintergerätewetturnen vorgeschriebenen Hebungen längere Zeit in Anspruch.
Dachmittags versammelten sich die Vereins- vorsrtzenden des Deziicks und die Tum- warte zu einem Bezirkstag, von dessen Defchlüssen folgende erwähnenswert sind: Das Gerätewetturnen findet am 10. März in Wallern - Hausen, das Bezirksfest mit volkstümlichem Wett- turnen am 9. 3uni in Gedern statt. Den Gelände- lauf im Frühjahr übernimmt Ortenberg, den im Herbst Hnter-Schmitten. Die Handballspieler des Bezirks sind bereit, die Spiele um Punkte, die die jungen Leute allzuoft sonntags unter geldlichen Opfern nach auswärts führen und zu Hnzuträg- lichkeiten führen können, fallen zu lassen und an ihrer Stelle Freundschaftsspiele auszutragen, wenn der Gau es wünscht. Der zum Gau Hessen übergetretene Turnverein Echzell ist dem 3. Bezirk angegliedert worden, der nunmehr 21 Vereine zählt.
Handball im (Sau Hessen D.T.
Der Stand der Meisterschaftsspiele.
Die Meisterschaf^s rag: ist insoweit g:FIärt, als der T. D. v. 1846 Gießen am Sonntag ge^en Marburg verlor und für die Meisterschaft nicht mehr in Frage kommt. Als erster Anwärter ist T.D. Wetzlar anzusehen, der zwar mit zwölf Punkten jetzt den 2. Tabel enplatz innehat, aber noch mit einem Spiel gegen Großen-Bufeck im Rückstände ist, das er ziemlich sicher gewinnen dürfte. Sollte Wetzlar verlieren, so dürfte Wtv.


