Ausgabe 
21.6.1928
 
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Ur.Ml Zweiter Blaff Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen) Donnerstag 21 Zuni 1928 -wr« -1W-C- W»» - w » am« l1 " >*T

Kapitalbildung.

Don Arthur Zmarzly.

Die Belastung de« deutschen QMM mit poli- tischen und wirtschaftlichen Schulden zwingt die deutsche Wirtschast. da« Wachstum und die Or- fliebtgtdt der Arbeit zu erhöhen, das 6oval- produft zu steigern. Die Erfüllung dieser Oluf- gäbe ist abhängig von der Gröhe der Kapital- bildung. Dies« Abhängigkeit beruht nicht etwa auf den Mängeln untere« Wirft chasi-ftnsieme. sondern sie ist naturnotwendig. Da« Wirtschafts­system der Sowjetunion unterliegt ihr ebenso tote die Erttagssahigkeil der Wirtschaft der anderen Staaten. Die wirtschaftliche Weiterentwicklung wird von dem Fortfchreften der Kapitalbildung bestimmt. Jn diesem Satz liegt die ganze Pro­blematik der wirtschastlichen Lage de« deutschen Volkes eingeschlofsen auf der einen Seite hohe steuerliche Belastung, die zum Teil vom Willen der deutschen FinanzgeseNgcbung unabhängig ist und die Kapitalbildung hemmt, auf der anderen Seite der Zwang, die Wirtschaft mit reichlichem Kapital zu versorgen, damit der Wtrftchafts- korper wachst und bic Last der politischen und wirtschaftlichen Derichulbung auf ein größere« Sozialprodukt verteilt werden kann. Der Kampf um den Ausgleich dieser Gegensätze beherrscht in hohem Mähe unsere mnerpolitischen Qkr- häl kniffe.

Es gibt keine Steuern, die nicht die Kraft der Kapitalisierung zu schwächen streben", sagte der grohe Rationalökonom Ricarbo. 2m wesent­lichen besteht dieser Satz heute noch zu Recht. Sr wird nur eingefchränlt durch die Tatsache, dah der Staat für seine Zwecke Steuern erheben muh. Dies« Zwecke tragen aber die Tendenz in sich, über da« absolut Ololwendige hinaus- zuw a ch f e n. Dadurch entstehen die Fragen: 2ft der Staat-finanzbedarl wirklich $u hoch? ilnb die andere: Werden die Staatseinnahmen rationell verwendet? Oder mit anderen Worten: An welchen Stellen und wieviel kann gespart werden? Und: Werden mit den Mitteln auch die tatsächlich wichtigsten Dc- dürsnisse der Bolksgesamtheit befriedigt? Die Be- Handlung dieser Fragen erfordert die gröhie Objektivität. Die individuelle Einstellung muh dabei völlig ausgeschaltet werden. Der Zweck des Wirtschaftens ist zwar die Erzielung mög­lichst hoher Gewinne, die unzweifelhaft die Kapitalbildung erleichtern und die Gesamtwiri- fchaft besruchleii, aber heule bandelt e« sich darum, Kollektivbedarf und Individualbedars optimal gegeneinander abzurmegen. Auch wenn man im Geiste staatsbürgerlichen Derneinfinns und finanzpolitischer Heranttoortung nicht jeden Beitrag für höhere Staatszwecke al« lästig an- fehen wird, so darf man doch nicht die Tragweite der deutschen Gesamtbelastung verkennen, die in stärkstem Mähe die Kapitalversorgung beein­trächtigt, von der da« Tempo der wirtschaft­lichen Entfaltung abhängig ist.

Die Leistung des deutschen Volkes in den letzten Zähren bietet die Gewähr, dah die Fortschritte auf dem Wege der inneren Kapitalblldung weiter­gehen werden. Trotzdem Xcid), Länder und Ge­meinden fast ein Drittel des Volkseinkom­men« für sich in Anspruch nehmen, bildete sich im Jahre 1927 Kapital aimähernd im Umfange der Vorkriegszeit. Die Berechnungen schwankten zwi­schen 7 und 9 Milliarden Mark. Der Sparfinn ist dem deutschen Volk erhalten geblieben. Die Sparkasseneinlagen sind im 2ahre 1926 um 1462 Millionen. 1927 um 1575 Millionen gestiegen, d b um ebensoviel wie in dem ganzen Jahrfünft von 1885 bis 1890. Diese Lparkapitalanfamm- lung von Handwerkern. Festbesoldeten. Arbeitern und Hausangestellten ist um so höher zu ver­anschlagen. al« nebenher die Kapitalbllduna in Gestalt der Beitragsleistungen zu Zwangsveriiche- rungen usw. im Vergleich zu früher gestiegen ist. Sine andere Seite der Kapitalbildung beleuchtet die Stempelfteuerstatistik. Danach wurden 1926 im Znlandc Aktien und Obligationen im Werte von 4176 Millionen. 1927 im Werte von 4320 Mill. Mark abgesetzt gegen 3696 Millionen im Durch­schnitt der Uo&re 1907 bi« 1913. Aus diesem Kapitalbildungsprozeh hat man den Schluß ge­

zogen. dah wir bald in der Lage fein werden, unsere Wirtschaft mit Znlandmitteln zu finan­zieren. ungerechnet den Rationalifierungsbebari. zu dessen Befriedigung wir in der nächsten Zu­kunft auf das Ausland angewiesen bleiben. Ob dieser Optimismus bei dem rascheren Kapital- verschleist berechtigt ist oder nicht, mag dahin­gestellt Meilen. Die Kapitalbildung «ft unleugbar gewachsen, sie dürste aber noch lange nicht an Den Bedarf heranreichen. Wieviel Kapital fehlt, dos wird fich erit dann fest stellen lassen, wenn der Preis der Kapitalanleihe sinkt. Die hohen Zinssätze verhüllen noch den wahren Um­fang des Kapitalbedar'S: es gibt noch zahlreiche Unternehmungen, für de sich Kapitalausnahmen zu 4 und 5 v. H noch lohnen würden die aber bei S v. H. unlohnend find und unterbleiben

Der deutsche Kapitalbedarf Wohnung», bau, Landwirtschaft -- ist so immens, dost der an sich erfreulich« Stand der Kopitalansammlung bei weitem noch nicht doch genug ist. Es muh versucht werden, di« heimische Ersparnisbildung weiter zu steigern. Zunächst wird die Finanzpolitik durch ent­sprechende Nationalisierung der Verwaltung den überflüssigen ^inanzaufwand herab- setzen müssen. Durch eine vernünftige Gestaltung de» Verhältnisses zwischen Reich, Indern und Ge­meinden dürste sich eint stattliche Summe ersparen lassen, lleber ihre effektive Höhe gehen di« Ansichten weit auseinander. Der Hauptwert der Verwaltung-- refonn liegt aber mehr auf dem Gebiet der Ar- beltserleichterungfürdie Wirtschaft im 23er- kehr mit den Behörden. Die Ersparnisse, die dabei zu machen sind, lassen sich nicht abschätzen. Sie be­tragen aber sicherlich das Vielfache der sichtbaren Verminderung der Verwaltungsausgaben. Reben diesen verwaltungstechnifchen Aufgaben erscheinen Menberungen im Steuersystem und in der Lastenoerteilung geeignet, die Kapital- bilbung zu erleichtern. Zur Anregung bes Spar- triebe» wäre ein« weitere Ausgestaltung der Bestim­mungen zu empfehlen, wonach Dersichcrungsleistun- gen und gebundene Spareinlagen in bestimmter Höhe einkommensteuerfrei bleiben. Durch die Novelle zum EStG, vom Dezember v. I. ist diese Freigrenze von 480 auf 600 Mark erhöht worden. Diese Spar­prämie könnte mit guter Wirkung noch weiter erhöht werben

Es gibt Kreise, die befürworten, bic bi retten Steuern burch Minderung ober Aushebung ber Ein- tommcnftcuerprogrcffion unb Ermäßigung von Stör- oerschasts- und Reaisteuern zu entlasten und da­für die indirekten Steuern entsprechend anju- f p a n n e n. Das volkswirtschaftliche Argument, das diese Forderung stützt, beruht auf der Erwägung, dah von den hohen Einkommen unb bei ben Unterneh­mungen relativ mehr Kapital gebilbet werden kann, als von den kleinen Bezügen. Das mag zutreffen, obwohl genaue Untersuchungen über bic Höhe der Sparquote bei ben verschiedenen Einkommenstufen fehlen. Es mangelt auch an einer lieb ersieht über das Verhältnis der hohen Einkommen unb der niedrigen Einkünfte zu den Erfpamisien ber Ration. Aber biese Forberung trifft auf einen Punkt, wo sich bie wirtschaftlichen mit ben politischen Maßstäben vermengen. Bei ber Untersuchung dieses Steuerpro­blems wirb immer vergessen, daß ber atößte Teil der indirekten Steuern die Eigentümlichkeit besitzt, die Indexzahlen zu verändern, bie rote- herum bei ben Lohnkämpfen unb im Schlichtuntz«- verfahren eine große Rolle spielen. Allzuhohc in­direkte Steuern müssen das Lohnniveau in bic Höhe treiben. Der Stapitalbilbung finb von bic,er Seite aus gewisse Grenzen gesetzt, bie aber eine ver­nünftige Weiterentwicklung unseres Steuersystems nicht versperren.

Reben ber Aenderung in der Lastenvertellung. dem raschen Abbau ber hohen Kosten ber reinen Verwaltungsleistung ber noch nicht überall er­kannten Sparsamkeit, die auch durch gewisse Zwangsmaßnahmen gefordert werden muß, unb der Pflege bes Sparfinn« kann auch fremdes Kapital der inneren Kapitalbildung dienen, toenn es ben volkswirtschaftlichen Gesamtertrag steigert. Bei ber Hereinnahme von Auslandkapital ist die Höbe bes Nutzeffektes ausschlag- gebenb. Diese Höhe im voraus zu bestimmen, ift sehr schwierig: deshalb können Auslandanlei- hen die innere Stapitatoilbunq auch schmälern.

Die wirtschaftliche und politische Leistung muß jedenfalls bei ber Lösung dieser Aufgaben straff

Uraufführung in Vad-Aauheim.

Richard Duschinsky:Tänzer im Kafching".

Ein Zufall fügte es, daß der Referent bei dieser Premiöre neben dem Intendanten faß: prunkvoll auf rotem Polster im weihgoldenen Keinen Kurhaussaal.

Wahrend des Spiels gerade als ber Kri­tiker leise zum Direktor sagen wollte: Willen Sie, Herr 3ntenbant, ich glaube, man hätte eine Menge streichen sollen -- sagte ber Direktor leise zum Kritiker: Wenn Sie wüßten, Herr Doktor, wie wir bas Stück ^usammengestrichen haben ... feitentoeifel Ich werde Ihnen nachher bas Soufslierchuch zeigen.

Da schwieg ber Kritiker still unb lieh sich beim Abschieb das Soufflierbuch geben.

Im Programmheft sagt der bisher unbekannte Autor einiges über sich selbst. Er ist geborener Wiener, studierte anfangs an der Technischen Hochschule, sattelte dann um unb wurde Jurist. ..Vollkommen zwecklos, wie sich bald herauS- stellte, denn nachdem ich noch schnell einen Vo­rnan, ein Drama und einen dünnen Band Ge­dichte veröffentlicht hatte (Tatsachen, die bie Welt mit nachsichtigem Schweigen übersah), ent­schloß ich mich ziemlich plötzlich, Schauspieler zu werben"

Dem Theater ist er bann treu geblieben. Zu­erst in Wien, seit 1925 m Berlin. Zuletzt bet Piseator.

Er ist also Wiener. Unb zu seinen stärksten Erfolgen und feinen schönsten Vollen zählt der Fritz in SchnitzlersLiebelei". Das ist es, das sollte man festhalten bei ber Bewertung dieses Stückes. Aus dem Dienertum (für das er ja nicht verantwortlich ist) entspringt die lyrische, undramatischc, melodramatische und im tiefsten Wesensgrunde sentimentale Haltung seines Stückes, welchem er in starker Uekxn^chätzung schon seiner rein theatralischen Fähigkeiten den anspruchsvollen und verpflichtenden "Hamen einer Komödie geben möchte.

Was ihm gelang, finb vier szenische Stim­mungsbilder. über Deren dramaturgische Mängel

nur die schwebende Kunst und die Bühnenrafft- nesse Schnitzlers, dem sie offenbar nachempfunden finb, hinweghelfen würben.

Eine Frau beginnt im Fasching ein Aben­teuer, da« ihr mehr fein könnte als das flüchtige Beieinander in ein paar weltvergessenen Stun­den, unb hat nicht ben Mut. es zu (Snbe zu erleben. Dies ist, in einem bürftigen Satz, ber Inhalt des Stuckes.

Erster Akt: Generaldirektors, Werner und Ren6c von Röttlinck, gehen im Berliner Fasching auf den Ball. Werner trifft in einer fremden Loge ein kleines Bureaugirl, verliebt sich, ver­abredet ein Rendezvous. Ren6c kommt dazu. Pifi, das Girl, verschwindet. Sine Seine Szene zwischen ben Eheleuten. Dann geht 'Werner zu seinem Rendezvous CRenee bleibt allein zurück. Und verliebt fich alsbald in ben zurückkommenden Besitzer der Loge, einen leibhaftigen Fürsten. Und während die Musik einen betörenden Wiener Walzer spielt, bricht sie auf mit ihrem Tänzer im Fasching, nach Wien.

Am andern Morgen ist sie aber wieder daheim. Als sie merkte, wie ernst das Abenteuer wurde, ist sie umgekehrt. Werner bat große Angst au 6- gestanden unb außerdem einen heftigen Kater, des Girls wegen, das auSgeschlafcn. munter, un­bekümmert unb naiv hereinkommt. Frühstück zu brüt Dann fährt Piri nach Wien, dem Fürsten nach, der ja jetzt lieber .zu haben" ist.

AendezvouS in einem Wiener Weinkeller: Piri unb der Fürst. Piri fängt eS verkehrt an unb betrinkt sich. Der Fürst legt fie auf« Bänkchen, bamii sie sich ausschlaien kann. Grad schläft sie, da erscheint Renee... auf ber Durchreise nach Lugano (wo sie sich mit ihrem Mann vom Fafching erholen will»... um Abschieb zu neh­men. ES wird ein sehr trauriger Abschied. Wirts­haus Musikanten machen bie richtige Stimmung: .Wien, Wien, nur du allein" unb , Prinz Eugen, der edle Ritter". Alt-Heidelberg an der Donau.

Aber kaum ist Renee am Bahnhof, da kommt ber ©bauffeur mit der Botschaft zurück: es fei ja alles gar nicht wahr gewesen ibaS mit dem

und einheitlich zusammengefaßt werden, um bic Ertragest e.gerung der Gesamtwirtschaft zu sichern ohne Schaken sozialer unb kultureller An her- auszubefchwöten Die (3rtrag«ftcigerung setzt aber eine ausreichende innere Kapitalversorgung der Wirtschaft voraus.

Krisis her Religion?

Ein ungeheuere«, im vollen Ausmaß noch immer nicht übersehbares weltgeschicht.iches Ge'ch über un« hlnweggeaangen. Die ehrliche Begeiste­rung. die heldenhaft ertragenen vergeblichen Opfer bic erdrückende Last einer ungerecht auf- gebürdeten Schuld, die polittfch-finanuellc Ohn­macht de« Vaterlandes l.-gen fich lähmend auf bic Gemüter unseres Volkes. Der innerlich zer­mürbt«. gebrochene und boffnung«Iofe Mensch steht unter dem Eindruck einer Umschichtung der Leben«- und Weltanschauung, die sich notwendig auch auf religiösem Gebiet auswirken muß. Auf der einen Seite macht sich ein müder Pessimismus, ein zersetzender Skeptizismus geltend auf ber anderen Seite ist der gelockerte seelische Boden cm fruchtbare« Feld für zerfetzende Gebilde apo­kalyptischer Struktur. So beobachten wir, daß die Krisis der abendländischen Kultur infolge der ele­mentaren geschichtlichen Ereignisse wieder einmal eine Erschütterung der religiösen Mächte zur Folge gehabt hat. Diefe vielfachen Zusammen­hänge der religiösen KrisiS mit der Entwicklung unserer Gesamtkultur verfolgt mit tiefem Ernst da« neueste Sonderheft. »Krisis derReligion?" derSüdd. Monatshefte« München), in dem führende Mitarbeiter aus allen Konfessionen Stel­lung genommen haben. Irn ganzen führt da« hochbedeuttame Heft nicht nur in eine umfassende Erschütterung der religiösen Bereiche, sondern darüber hinaus in di' tieferen Gründe der Ge- samtkrisi« unserer Kultur überhaupt ein.

Eckeners Amerika Pläne.

Die auS Friedrichshasen gemeldet wird, ent- sprechen die Rachrichten, daß das neue Luftschiff zu der großen Ausstellung in Long beach in Kalifornien fliegen wird, nicht den Tatsachen. Die Ausstellungsleitung hat sich zwar nach Friedrichshafen gewandt und Dr. Eckener e l n- geladen, mit dem neuen Luftschiff die Veran­staltung zu besuchen, doch konnte der Aufforde­rung nicht Folge geleistet werden, da die technischen Vorbereitungen für eine Landung hort zu viel Zeit in Anspruch nehmen würden, al« daß man noch rechtzeitig mit der Aufstellung von Ankermasten fertig werden könnte. Dagegen schreiten die Verhandlungen zwischen dem Reichs­verkehrsministerium und der amerllanischen Rc- gicrung über einen Besuch des L. Z. 127 in Lakehurst fort; es läßt sich schon jetzt sagen, daß die Besatzung deS Luftschiffes der Ein­ladung der amerikanischen Regierung Folge leisten wird. Die zuständigen amtlichen Stellen in den Vereinigten Staaten haben sich erboten, für die Unterbringung de« Luftschiffe- in weite­stem Maße Sorge zu tragen, es werden Lan­dung«- und Ueberwachuirgsmannlchasten in der Notwendigen Zcchl zur Verfügung gestellt, so dah das Luftschiff eventuell längere Zeit in Lakehurst bleiben dürfte.

Inzwischen sind auch die Arbeiten für die Ab­nahme deS Luftschiffe« durch die Deutsche Der- suchsanstall für Luftfahrt vorwärtsgefchritten, nachdem man sich dort über da« Abnahme- Programm schlüssig geworden ist. Ein Stab von Sachverständigen hat die Detriebsgasanlage, so­wie die Maybach-Motoren geprüft, in den näch­sten Tagen wird eine andere Kommission sich nach Friedrich-Hasen begeben, um die Festig­keit beö Aluminiumgerippes, die Aufhängung der Motorengondeln und der Führerkabine zu prüfen. Die Materialproben, die nach Adlers­hof gesandt worden waren, haben ein befriedigen­des Ergebnis gezeitigt. Die Abnahmekommission wird nun in den nächsten Tagen mit der Leitung des Luftschiffbaues zusammen die Pläne für die Probefahrten beraten, die ebenfalls unter der Leitung der Versuchsanstalt vorgenommen werden, nachdem der Luftschiffbau die ersten Werkstättenfahrten hinter sich hat. Ueber den

Abschiednehmen für immer und der Liebe zum Shegemahl): der Fürst überläßt die süß schlum­mernde Pixi der ritterlichen Obhut des Ehauffeurs und stürzt fort, zum Bahnhof. Rach Lugano. Seiner Tänzerin nach.

Vierter Att: Lugano. Die zwei Paare übers Kreuz. Man wartet auf die Entscheidung. Aber es bleibt alles beim alten. Wie schon im dritten Akt. Renöe hat auch jetzt nicht den Mut, den entscheidenden Schritt ins Abenteuer zu tun. Die Ehe Rötttinck bleibt erhalten. Der Fürst steht mit Ice neu Händen. Bloß die muntere Piri. die hat unterwegs einen marokkanischen Flieger- Offizier kennen gelernt (auSgerechnet!). und sie wird sich zu trösten wissen. Der Vorhang fällt über einer Szene voll Pseudoschnitzlerseher Resignation, von blauem Licht übergossen.

Was bleibt übrig? Gin paar flüchtige Stim­mungen, die dem Leben abgelauscht sein mögen. Der 'unzulängliche) Deriuch, die leisen Erschüt­terungen einer ehelichen Gemeinschaft im S)C- nischen eiiuufangen und durch den Dialog hin­durch fühlbar werden zu lassen. Die alte Lust­spielidee der vertauschten Paare (aus der viel mehr zu machen gewesen wäre), llnd eme ge- wisse, freilich ganz äußerliche Rundung deS Gan­zen: die szenische Situation des Schlußaktes febrt korrespondierend zur Einleitung des Frauen­tausches im erlten Aufzuge zurück.

Das fehlt, was ungelöst und ungestaltet blieb, wurde oben schon angebeutet. Es fehlt vor allem, im dramatischen Sinne. Entwicklung und Ent­scheidung. im Sinne einer Äomöbte aber die menschliche Tiefe und Fülle der spielenden Per­sonen. Der Dialog, nicht ohne gelegenll che Spannungen, ist stilistisch oft mehr als dürftig. Unb es ist ein schwerer Irrtum, alles, was dichterisch und technisch, innerlich unb äußer­lich feer unb ungelöst bleibt mit ..Stimmung" und schmelzender Musik verdecken unb Über­spielen zu wollen. Man nehme dem Stück alle Musit und sehe zu. was übrig bleibt Vielleicht, in geschickten Sjänben. ein bühnen sicherer Ein­ackter in Wiener Manier.

ihntang unb bie Art dieser Wahrten liegt bisher r.n bestimmtes Programm noch nicht fest. Grund- ..genb will bic Versuchsanstalt sich die Forde- rur.gen zu eigen machen, di« der Luftschiffbau fcibft für da* Schift ausgestellt hat. E« must im Interesse der Fahrsicherheit eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit erreicht werden, die Motoren haben eine störungsfreie Daucrleistung zu vollbringen unb schließlich find auch für >ic Manövcrierfähtg- fei 1 eine Anzahl Bedingungen aufgestellt wor­den. Man rechnet damit, daß die Deutsche Ver­suchsanstalt bi» zum 15. Iusi ihre Arbeiten ab- «schlossen hat, so daß bann die ersten Flüge stattsinden können.

Aus der provinzialhauptsiadi.

Gießen, ben 21. Juni 1928.

Seilbevaadluna der ttrieasbescdädialen.

Gelegentlich wirb auch jetzt noch beobachtet, da st Kriegsbeschädigte über die durch dar- Nci<6«n.rrorgung4gc1c6 geschaffene Möglich­keit kostenfrei r5)c iIbcbanblunatDc.cn des durch Dienstbeschadtgung erworbenen Leidens nicht untctrübtet find. Auf Dersorgung«heilbe- handlung kann jeder Dersorgungsberechttgte 2ln- fpruch erheben, dessen Dienstbcfchädigung durch einen gültigen Rentenbescheid anerkannt ist: *2lb- gefunbenen wird Heilbehandlung nur gewährt, um Verschlimmerung zu verhüten. Die Heilbe­handlung nach dem Rcichsversorgungsgcsetz ist eine gesetzliche Ausgabe der .Krankenkassen. Lo- tocit ein Beschädigter al« Arbeitnehmer ver­sichert ist ist zur Durchführung der Heilbehand­lung nach dem ReichSversorgmtgsgesetz die Kasse verpflichtet, ber bic gleiche Ausgabe nach der Sozialversicherung Aufällt. Im übrigen ist bic Durchführung bei Allgemeinen Ortskrankenkasse, ober, wo eine solche nicht besteht, der Allgemei­nen Landkrankenkasse übertragen. Die Leistungen der Heilbehandlung nach dem Reichsversorgungs- gesetz entsprechen nach Art unb Umfang den Satzungen ber betreffenden Krankenkasse, die Ent­scheidung über Leistungen, die bei den Kranken- faffen nicht al« satzung-mäßig gelten, ist den Hauptvers orgungsäm tern Vorbehalten. Reben Sprechstun den behänd'un g unb häu-Iicher Behand­lung durch den Arzt sowie Lieferung von Arz­nei- und Derbandmitkein werden fldncrc Heil­mittel, also Brillen, Bruchbänder unb ähnliches gewährt, außerdem kann die Krmrkenkasic Heil- anstaftspslege bewilligen. Badekuren unb diesen gleichstehende Heilverfahren, z. B. Heilstätten- kuren für Suberfutöfe, bewilligt das Reich, d. h. die Bewilligung ist den Versorgungsbehörben norbebalten. In Erweiterung ber Kassenleistung ist bic Dauer der Heilbehandlung für Kriegs­beschädigte nicht auf eine bestimmte Zett be- schrankt Zur Erlangung von Heilbe­handlung ist der gültig« Rentenbe- scheid ber Kasse als Ausweis vorzulegen, in eiligen Fällen, d. h wenn ein Arzt dringend gerufen werden mußte, nachttäglich durch An­gehörige Kosten für selbst gewählte Behandlung können nicht aus Rcich-initteln erstattet werden.

Ist ein Anspruch auf Heildehandsirng noch nicht festgestellt, so muß bas Dersorgungsaint entschei­den. In diesem Falle müßte ein Anttag an das zuständige Versorgung samt gerichtet werden, auch die Ortsbehörde oder die Fürsorgestelle können solche Anttäge annehmen, müssen sie aber un­verzüglich weiterleiten.

Erziehungsbeihilfen für Kriegerwaisen.

Die Kriegerkameradschaft Hassia in Darmstadt teilt uns mit:

Bekanntlich ist bei der Verabschiedung ber 5. Rovelle zum RcichSversorgungsgeseh Im De­zember v. I«. ber Betrag von 20 Millionen Reichsmark vom Reichstage für ErziehungLöeihil- fen für Kriegerwaisen bewilligt worden. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten unb Krie- aerhinterbliedenen des Deutschen Reichskrieger- vundes .Kysshäuser" mitteilt, hat fich durch eine neue Verfügung der ReichsarbeftSminister Im Einvernehmen mit dem ReichSministtr der Finarrzen damit einverstanden ctflärt. daß An­träge, bic bi» zum 31. Juli 1 928 (biS-

Do wäre also bie Ausbeute ber Premiere ge­ring. toenn sie nicht bic Bekanntschaft einer neuen Schauspielerin vermittelt hätte, zu deren Gewinnung bie Intendanz zu beglückwünschen ist: ste heißt Maria Koch, spielte die Renee und entschied den Erfolg dieser Uraufführung; eine reife unb sehr bamenhafte Erscheinung mit gepflegten und sicheren darstellerischen Mitteln; sie umgab bie schwankende, blaffe und unfertige Figurine des Autor« mit soviel Charme und soviel toarmem unb weiblichem Gefühl, baß we­nigstens in einigen Szenen ein Hauch Äomöbie zu spüren war. von dem man beim Lesen kaum etwas gewahr wird.

Lin zroeüer neuer Nam«: Franz Arzdorf. Er hatte ben Fürsten, und auch mit ihm scheint die Theaterleitung, nach dieser ersten Probe zu urteilen, eine vorteilhafte Wahl getroffen zu haben. Er nahm die Rolle sehr frisch, mit Temperament und Gefühl, und Holle gleich zu Anfang das Beste heraus, was sie hergibt. Die österreichischen Sentiments, später, Abschied und Ausklang, brachte er wohltuend ge­dämpft. (Man wird ihn hoffentlich bald vor größere und ernsthaftere Aufgaben gestellt sehen.)

Den Herrn von Röttlinck gab lanntrt; nicht besonders glücklich: er erscheint vor allem für die Rolle au jung; außerdem ift die Rolle weder sym­pathisch noch in schauspielerischem Sinne ertrag- reich. Auch Alix Krahmer (Pixi) gefiel uns diesmal nicht: sie trug von Anfang an zu dick auf, brachte das Ungezwungen.Primitive ihrer Partie zu pointiert und geräuschvoll und untersttich damit nur allerlei Unwahrscheinlichkeiten, die bei ruhigerem Spiel eher zu übersehen gewesen wären. Don den übrigen: Goll, der eine Dienercharge mit dis­kretem Humor sehr hübsch zur Geltung brachte.

T e l e k y s Regie war sauber und sorgfällig. Wei­tere Stteichungen können nach der lleberprüfung des Soufflierbuches schlechterdings nicht empfohlen werden.

Der Besuch war schwach, zumal wenn man btt 3eichenen Gäste und die Presie in Abzug bringt. £ber das Auditorium schien fich zwei Stunben lang nicht übel zu unterhallen, und so tarn ein freund­licher und unbestrittener Publikumserfolg mit Ap­plaus und Blumen zustande. Dr. Th.