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Nr. U8 Drittes Blatt Süehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfeu)Montag. 21. Mal 1928

Das Kriegsschädenfchlußgesetz.

Von (hnontvf (9infd»d, Osiettor des Deutschen Ostdundes, Äetlin.

Obwohl wir und mit dem I»genannten Viqulbationd|4)äbeng<tet bereit* wieder- holt befchästigt haben, gehen und fort- gtk|t aud unterem Veietfretd Anfragen über feinen Inhalt zu Da an her Zrage nid>t nur bad Heer der aud Polen unb 2MU> teuften, Ob»richlesie>u Ellaß-Loth- ringen. Rorbschledwtg dem 3udlanb unb ben Kolonien Tkrtnebenen, fonbern auch zahlrc che Ärcbitaeber ja bad flanke Wtrt- schastslebeu mtetcfliert find fo g -ben wir nachstehend eine «drängte HeberU4)t über bic Bedeutung bei Gesetzes wieder. bte und auf unteren Wunsch an Sachkenner zur Verfügung gestellt hat

I.

uni Lahmen des Aotprvgramms. bad bet aufgelfifte Reichstag noch -^ald über Äopf er- tebial hat. ifi auch bad .(B e J e 6 zur end­gültigen Regelung der 2 tq u i ba li- d n d - und Dewaltschäben (Aricg»ld;ät'cn- fchlußgefetz-" erledigt worden, am 30 März 1928 in Äraft getreten unb un Rcichsgesetzbcatt 1, Seite 120. vom 31. März 1M8 verösienUlcht worden. 3n bet ösfentl chcn Diskussion wird bae Gesetz meist lutz Liquibattonsschadengesetz. in der off Miellen Ablürzungdshrache bet 3unften KSSG genannt

Der jedoch nach dieser Bezeichnung bet Mei­nung Irin sollte, baf» bannt nun alle Äriegd* ichäben endgültig unb angemessen abgegolten wer­den. der würde sich in einem schweren Irrtum besuchen J-id Gesetz bezieht sich lediglich aus Schäden, die Deutsche im Ausland durch Liquidation ihres Eigentum« wäh­rend des Krieges erlitten Haden sowie aus solche Sachschäden, bic »erbrängten Deutschen in ben abgetretenen Ge­bieten zugefügt worden sind. Dabei gibt ed aber lehr grnfye weitere Beschränkungen. 3m Friedensdiltat ist Deutschlanb verpflichtet toorben. diejenigen Deutschen zu entschädigen, deren Eigen­tum in ben sogenannten 2 ltftaaten liqui­diert worden ist. während solche Deutsche, beten Eigentum in ben Hcuftaaten (Polen. Tsche­choslowakei l Uquibiert ist, nach dem Kriedensver- trag von den liquidierenden Staaten unmit­telbar zu entschädigen sind (eine Verpflichtung der beispielsweise Polen bidhet in keiner Weile nachgekommen ist), und von den Deutschen, die aud den an Polen abgetretenen Gebieten, ferner aus Elsaß-Lothringen. Bord- tchleswig ufto. vertrieben sind, haben wieder nur diejenigen einen Anspruch, die entweder ausgewicsen find oder denen durch Maß- nahmen der neyen Behörden oder durch ähn­liche zwingende Gründe die Existenz in ihrer bisherigen Heimat unmöglich gemacht wor­den ist, die ferner ihren Schaden rechtzeitig ange­meldet haben unb die nachweisen können, bah der von ihnen gcltenb gemachte Schaden durch Der» schleuderungszwang entstanden ist. Also selbst ton den Liquibattonsgelchädigten und Detdräng- ten sind keineswegs afic berechtigt. Schaden­ersatz zu fordern. D<uu kommt, dast auch den Antragsberechtigten lediglich Sachschäden er­seht werden. Die InslationSschäden. die die Ge­schädigten aufterbem durchmachen muhten, be­kommen sie ebenfalls nicht ersetzt. Biele von ihnen, wie die frühzeitig aus Polen Dertriebenen. haben die Inflation sogar zweimal durchmachen müssen, erst in Polen und dann in Deutschland. Daraus erklärt es sich, baf) viele von den ver- triebenen Auslands- und Grenrlandsdeutschen heute buchstäblich an den Bettelstab gekommen sind

Trotz dieser gesetzlichen Regelung sind insge­samt rund 400 000 Fälle zu entschädigen. Da­runter bl 000. in denen es sich lediglich um die Entschädigung für liquidierte Wertpapiere handelt Bon den übrigen entfallen rund 96 000

auf die Ausländsdeutschen. 17 500 aus die Kolonialdeuttchen. annähernd 180 060 auf bte aus Pofen Weltfernsten dem Soi- bautr- und Memel gehret, aus Oft-Obed 4>(c< ten unb Mittetschldren sowie aus Schleswig 3er- drängten unb *5 00? auf bic aud 3 11 a h Lothringen Dertriebenen

D»e Sachverluste. bie diese grobe Iaht der Geschädigten erlitten hat soweit sie beim Aeichsentschädigungsamt angemeldet worden sind, stellen einen Fnedenswert ron Ife Milliarden bei ben Ltquidarionsgeschädigten kdaron U Milliarden auf Wertpaptorschäden entfall end, und von Milliarden bet den Derdrängten dar, Hulammen also rund 10.5 Milliarden.

Bis zum 1. Dezember 1927 waren als önt- schädigungen dafür bewilligt worden: Mark

für Liqutdationssihäden rd. 429 000 000 für Bcrdrängungsschäden rb 585 000 000 zusammen also 1 014 ?00 *X)0

Diele Milliarde ist aber, wenn man von ber beschränkten Zahl sehr grober Schäden ablieht. an bic Maste der ÄLmgeldjäbigten und des Mittelstandes in einem Zeitraum von rund 13 Jahren verausgabt worden unb zwar derart verläppert, dast mancher f.nnen Anteil in etwa 10 Baten bekommen hat Shc Folge davon war, dast die meisten Gelch.i>igten diese kleinen Be­träge in keiner Weife produktiv ver­wenden konnten, sondern zum Lebensunterhalt gebrauchten, wenn sie nicht, weil in der Infla­tionszeit gezahlt, gänlich entwertet in bic Hände bet Geschädigten gelangten. Jetzt wer­den dic'e Beträge i^nen aber in voller Höhe, auf Goldmark umgerechnet, abgezogen, fo dast bei vielen wenig von der Entschädigung übrig bleibt und bei den anderen von einem wirklichen Wiederaufbau, b h. von der Wiederbefchastuag der verfchleuderken Gegenstände. Grundstücke. Wirtschaften. Werkstätten und Fa'ari'en ufto. meist eMtocber überhaupt nicht oder nur in fehr be- fchränktem Maste die Rebe fein kann.

DaS Zlriegsfchädenfchluhgeseh stellt nun dne weitere Summe von 1.3 Milliarden zur Der- fügung. um bic Riefenza^ der oben erwähnten Schäden abzuaclten Das Gesetz ist von der Re- aicrung als Schluß- Gesetz, bezeichnet worden, die txrbrängtm lehnen aber 6>cgcn seiner Unzu­länglichkeit unter allen Umständen ab, es als eine endgültige Regelung ihrer vchadenansprüche anzulehen. Wie sehr sie dabei im Recht find, geht daraus hervor, hast ein uninteressierter Mann wie Acrr Reichsgerichtsrat David von dem Entwurf des Gesetzes gesagt habe, dast er mehr einem Beraubungs- als einem Entschädi- gungsgesetz ähnlich sei, und zwar deshalb, weil das Gesetz den Versuch macht, die weiler- gehenden gesetzlichen Ansprüche der Ciquiba- tionsgeschädigten entschädigungslos zu ent­eignen Dast die Masse der Geschädigten kleine Leute unb Mittelftandsangehörigc sind, geht aud der nachfolgenden llebersicht hervor:

Höste der Friedenswerte in ben einzelnen Schade nsgruppen.

Schaben »1)61,»

.7 i i &

3ai)l der S*aötn»ffiUc

n-riefcrweeertc in TUiriontn 5tTV

bis 2000 wm.

234 450

106,2

. 10000 .

52 000

244,5

20000 .

15000

228,1

50000 .

16 00

496,8

ioo ooo .

6 470

388,8

200000 .

2 980

414,6

_ 500000 .

1832

593,5

1000000 ,

721

510,5

5000 000

578

1 213,2

10000 000

85

594,0

20000 000 .

44

596,4

. 50000 000

21

679,4

, 100000 000 .

6

419,0

über 100000000

13

2 287,0

Nächtliche» Vogelzug.

Don Manfred Havsmann.

34) habe mich nun nach Osten gewandt, auf« geratewohl inS Moor hinein. Und bald ist diese Rächt wieder vorüber. Wieviel Uhr mag es [ein? Der Gröhe Bär schwingt sich schon dem Horizonte zu. die Krone flimmert gerade übet mir. Fünf Ufcr melleicht. Ober noch etwas früher D'.e Lutt zwischen Himmel und Erde ist md)t mehr völlig verhafte rt, bic Sichet des ab­nehmenden MondeS hebt sich rot und glanzlos ans den Wäldern heraus, die in der Ferne düster am Bande der Niederung stehen. Wenn ich anhalte, summt mein Blut in meinen Ohren. Die Aacht schweigt, bie drnnpsi. pebcimnidvolle Skite. Dann und wann schlurft ein Frosch auf. Sonst nichts Aber dahinten tastet sich ein erstes, unwirlliches Dämmern hoch, eS ist. als ob dort der Himmel allmählich durchsichtig würde, man ahnt nun, dast da oben lauter Kristall ist Unb der Mond fährt bleich dahin.

Denn auch noch allerlei Rächt auf ben Diesen liegt, fo kann ich doch schon erkennen, daß vor mir zwei schwarze Segel langsam durch bic Ebene ziehen. DaS sind Torfschiffe auf der Hamme Die leer von Bremen zurückkommen und wieder ins Moor hinaussegc'n. Dielleicht nimmt mich eins mit Dann aber lvS! Ich laufe und springe, quatsch, parich ... Da biegt bie Hamme schon herum Das erste Schiss kriege ich nicht mehr, aber daS zweite rufe ich an. ob ich nicht ein Stück mitfahren dürfte. Meine Stimme hallt übers Wasser: ..He. 3anf

Dec weißhaarige Dauer, der am Steuer sitzt, antwortet nicht, er drückt nur bie Pinne ein bistchen zur Seile. daS Schiff nähert sich dem Ufer, ich laufe einige Schrine nebenher, bann kann ich mich reinfchwingen

Mojen' sage ich und laste mich unienn Mast nieder. Schönen Dank auch'

Der Bauer tut feinen Mund auf unb lagt: 3au.

llnb bann gleiten wir weiter. Der Wind drängt sich fachte in das geteerte Segel, das schwarze IDaHet gludert am Bug. wir gleiten dahin, wir schweben fast. Heber und hämmert der rnieirdllche Himm-l mit ben Sternen d e jetzt so winzig wie Stecknadelspitzen aussehen. Unbeschreiblich leicht und silbern hängt die Mondsichel im grauen Dunst des Ostens Ich kehe nur Walter unb einen schmalen, samtenen Strich Ufer unb lautet

Himmel Ich höre nur die Stille. Das Holz des Schisses atmet Wärme aus, ich fühle mich so geborgen hier. Und das Wasser, das uns trägt, ist fo weich. Da unten hängt noch einmal, geschaukelt von den kleinen Wellen, die unser Schiff aussendet, die leichte und silberne Mond­sichel. Ich bin unterwegs, ich reife unb fliege fo gelinde fort. Manchmal erlebe ich im Schlaf so etwas wie bie5 alles

Der Alte stht unbeweglich am Steuer. DaS weifte Haar fällt in Fetzen über feine Stirn, über leine Ohren. Ich möchte wissen, was er wohl bedenkt, wenn er so jahraus, jahrein auf der dunkelbraunen Hamme von le nem Moor her durch die Tage und Dächte segelt Gr macht die 6tirn kraus, bltdt übers Wasser und schweigt ...

Unb jetzt ... was sucht er denn jetzt am Himmel in der grauen Rächt? Qsr späht und horcht. Die Sterne scheinen matt, der Wind zieht lang­sam darunterhin, es ist nicht mehr dunkel, aber auch noch lange nicht hell. Tiere und Menschen schlafen noch, daS Wasser schläst twch. die Bufehe am Ufer neigen sich schlaftrunken in ben Fluft. Da höre ich eS mit einem Wale auch, da oben in der Dämmerung über mir. Cj kommt schnell näher Gin Piepen und Pfeisen, und nun ein leises Aaufchcn und Flattern, dazwischen lang- gezogene Klagerufe Immer mehr, immer mehr Zugvögel, bie nach 'Horben unterwegs llnb. Ich mache meine Augen scharf, ich halte die Hand übet bic Augen, nein, man kann n.chts unter­scheiden Aur das Schwirren und atlagen ist da fern unb mystisch unter den Sternen hin, vorbei an der dlasten Mondscheibe dem nordi­schen Frühlina ßu. Was bleibt einem Wanderer da anders übrig, als feinen Hut absuncbmei, wenn er auch verschiedentlich eingebeult ist unb em bißchen andächtig zu sein? Ich kenne bie Bogellaute in allen Jahreszeiten nie aber Lin­gen sie fo sehnsüchtig und ängstlich wie biete da. Sie wollen wohl sagen- Wener weiter' Ach. wir können fast nicht mehr! Und sie schlagen mit den Flügeln und wehen klagend weiter übet die ruhenden Länder.

Der Bauer blickt noch immer empor. Gähn na Hus. meint er nachdenklich, na Geestemünde rum,* nid)?

Re. sage ich. büfchen weiter noch.

Ra Euxhaven ook, toeet id wull. Und dann fncift ct daS linke Auge zu unb murmelt aus tiefstem Herzen: Mol ornlkh ttmMen bollern, rums?

Re, laft man läge ich.

Die sogenannle Schlußcntfchädigung, bie nun auf diese Schäden gewahrt wirb, beträgt

barübrr bieei,

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( , 1CUW0 f . 900000 < . 10 *10.

KkfruOtotTM lOOe.,

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Diele Slaimnentfchäbiaungen erhöhen lich bei den mer letzterwähnten Schad, nsgruppen im Falle der Entwurzelung in Verbindung mit Wieder- aufbau um 8 v. H. im Falle bei Wiederauf­baues allein um 3 v H wozu m beiden Fällen noch ein behördlicher Wiederausdauzufch!qg von 3 v H., für den Teil des Grundbetrages von 200 OX) Mark bis 4 Millionen Mark unb von 2 v H. für die Schabensbetrage von 4 bis 50 Millionen Mark tritt

Don der fo errechneten Schluhenllchädigung find alle vorher als Entschädigungen. Bei­hilfen ober Darlehen gewährten Beträge mit Ausnahme der Alfersbcihilsen. einer bis zum Schluffe der Hachentschädigung gewährten Härte­fondsbeihilfen bis zu 503 Mark unb der oben erwähnten 203 Mark Beihilfe für Umzugskoften ufto abzuziehen.

Die Arbeitsgemeinschaft der groben Geschä- bigtennerbänbe hat ihrerseits in einer Denk­schrift. durch die sie bic ganze Entschädigungs- ftagc in Fluß gebrach: hat. 2,8 Milliarden für bad Kriegsschädenschlusigcsetz verlangt. Bedenkt man. bah allem bic angcmelbeten Sachschäden 10 , Milliarden betragen unb baf) die Der- brängten-Terbänbe fomit noch nicht einmal ben dritten Teil dieser Schäden ersetzt verlangten, bah in Wirklichkeit, bie Zinsverluste unb bie obenerwähnten sowie andere Schäden hinzugercchnct. die Gesaintsumme aller Schäden auf rund 30 Milliarden zu schätzen ist. von denen somit bic Deschadiaten-Berbände nur ben 10. Teil ersetzt haben wollen, so wird man anerkennen müssen, daß diele 2krbar>e der schwierigen Fi­nanzlage des Reiches durchaus Rechnung getragen haben, was auch alle Parteien des Reichstags anerkennen. Es ist den Dcrdrangten-Bcrbänden aber nur gelungen, zu erreichen, baf) die im Re­gierungsentwurf ursprünglich zur Abgeltung der Schäden vorgesehene Summe von nur 803 Mil­lionen auf 1.3 Milliarden erhöht worden ist und sonstige Derbesserungen erreicht worden sind. Die weitere Berwirllichuug der Forderungen der Geschädigten-DerbLnde scheiterte an dem Ultimatum der Regierung, das sie dem Reichs- tage stellte, dahingehend, bah der Reichstag sich mit ter letzterwähnten Summe begnügen müsse ober das Kriegsschäbcnschluhgesetz bis nach den Wahlen zurückgesteNt werden mühte. Die Regierung war nur zu bewegen, zuzu- ftlmmen. bah der Reichstag eine Gntschliehung fasse, daft bei Besserung Der Finanzlage des Reiches und weiteren Gutschriften für im Aus­land liquidiertes Eigentum eine nachträgliche Besserstellung Der Geschädigten erfolgen soll.

Der Colmarer Auionomistenprvzeß.

iolmar, 18. Mai (WB.) Zu Beginn der heutigen Sitzung erklärt als erster Entlastungs­zeuge Senator Abbe Müller, bie Llrsache der autonomistischen Bewegung sei in einer heftigen Reaktion des eisast-lothringischen Gewissens zu suchen. Es gäbe einen elsässischen Partikularis- mus, der sich aber nicht gegen Frankreich wende, fonbern gegen die übertriebene Afsi - m ilierung, gegen bic Verständnislosigkeit gegenüber elsässischen Fragen und Problemen und gegen den langsamen Verwaltungsgang. Zeuge erklärt weiter, dast das Elsaß deutsch spreche und gern französisch lerne, um so als Organ des Friedend zwischen beiden Völlern zu dienen. DaS Elsaß müsse zweisprachig bleiben. Ls lasse bie französische Kultur nicht antaften, wisse aber auch, was an der deutschen

Aber er blickt empor unb hört nicht auf mich und denkt sich fein Teil rn seinem Torfbauem- gehirn.

Ein langer, langer Vogelzug ...

Jetzt scheint et vorüber zu lein. Ich vernehme das Flügelrauschen nicht mehr, aber das sehn­süchtige Rufen, das ermattete Pfeifen tönt noch immer herab. Run wird es letfer, nun lebt es noch einmal auf unb nun verklingt es gänzlich in der Dämmerung

Alles ist wieder, wie es vorhin war. Rur bet Himmel der Raum da oben, ist so weit ge­worden ...

Der Bauer achtet wieder auf Segel und Steuer, wir schwimmen weiter Die großen Schilsivälder nehmen und auf.

Oer Merkur.

Don Professor Dr. Rüfttrmann.

Der Harne des geflügelten Götterboten Herme» ober Merkur, der bekanntlich auf dem Olymp eine ähnliche Rolle fpieltc wie die Fürsten von Thum und Tarid im Heiligen Lömt'chen Reich, ist eigentlich nicht schlecht gewählt für diesen fon- nennächften aller Wandelsterne; denn et ist wie jener eine glänzende aber seltene Erscheinung unb dazu der fchnellfte der ganzen GboltergeMl- Ichaft. Aber leider hat er auch noch eine andere Eigenschaft mit feinem Pate« gemein. Wenn man ihn wirklich erschaut hat. so ist man wenn man nicht zu ben ganz Äunbigen gehört nie ganz sicher ob er es auch wirklich gewesen ist. Wir sehen nämlich diesen Wandelstern immer nur in der Dämmerung und tief am Horizont, fo daß fein anderer Stern zu erblicken ist. nach- dem man sich richten tonnte. Unb in den aller­meisten Fällen ist der Horizont so trübe, daß bic Sichtbarkeit des Viertur nur auf dem Papier steh: Immerhin bringen bie letzten Tage des Mai und die ersten des 3uni verhältnismäßig fehr günstige Bedingungen.

_ Ein Umstand ist ganz besonders ungünstig für bie Sichtbarkei! des Merkur: er wirft nur etwa ben 13. bis 14. Teil des Sonnenlichtes. daS au' ihn fällt, zurück, während beikptels- toeife bei der Venus die Zurückwerfung etwa das sieben- bis qchttache von der das Merkur beträgt Die Venus ist nämlich von einet dichten aber hellen Wolkenhülle umgeben, die das auf sie fallende Sonnenlicht fast tote ein SchneesÄd zurückwirtt Der Merkur aber hat soviel man

weiß, nur eine recht dünne Lufthülle und ist an unb für sich dunkler. Wäre dies anders, so würde er trotz seiner Kleinheit der Venus an Helligkeit nicht viel nachstehen: denn wegen seiner Sonnennähe ist et ungemein hell beleuchtet.

6o ist der Merkur so selten zu sehen, daß ver­mutlich die Sternforscher erst in neuerer Zeit, wo ihrem durch daS Fernrohr geschärften Auge so leicht nichts entgeht, auf ihn aufmerksam aetorrben wären, wenn un« nicht fein Vorhan­densein aus dem Altertum überliefert wäre In südlichen Ländern sind nämlich die Bedingungen ferner Sichtbarkeit günstiger al« bei un«; denn erstens ist dort infolge der reineren Lust der Horizont häufiger klar al« bei un«, bann aber bat dort der Abstand zwischen Merkur und Sonne eine ft eitere Richtung Infolgedessen kann dort die Sonne verhältni-mäßig tief unter dem Horizont stehen, b. h. es kann schon ziemlich dunkel fein unb sich der Merkur doch noch in leidlicher Höhe über dem Horizont befinden, während bei uns der Abstand eine viel weniger steile Richtung hat. so daß der Untergang Der Sonne auch sehr bald den des Merkur nach sich zieht.

Auch beim Merkur kann man. ebenso wie bei der Venu«, seine Erscheinung al« Abend­stern unb als Morgenstern unterscheiden Ja. er ist dies in noch ausgeprägterem Maß. denn er geht immer spätestens zwei Stunden nadj der Sonne unter oder srüh^st-ms zwei Stuitden tor ihr auf. Man kann sich auch leicht davon überzeugen, daß man ihn als Abendstern beffer im Frühjahr, als Morgenstern beffer im Herbst sehen toirb Denn am Abend Himmel sieht man b:e Himmelsgegenden, in die die Sonne demnächst gelangen wird, am Morgenhimmrl die. die sie soeben durchschritten hat. Das bedeutet für ben Jrüfcling einen größeren Bogen unb demnach einen frühere» Auf- unb späteren Untergang «m Abenbhimmel. für den Herbst jedoch den gleichen Vorgang für den Morgenhiuimel. An und für sich ist es also, gleichen Sonnenabstanb vorausgesetzt, am günstigsten, ben Merkur zur 3dt bei Frühlingsbeginns am Abenbhimmel zu beobachten. Aber bann steht er in diesem Sabre nicht weit genug von der Sonne entfernt, unb so müssen wir eben zusrieden fein, wenn wir ihn Ende Mai äh sehen bekommen. Wenn das ober nicht der Fall fein sollte, fo müssen wir und mit manchem großen Sternkundigen, darunter auch KopernikuS. trösten, der ihn gleichsalls nie zu Gesichte bekam

Kultur Gutes fei Am meisten fei bet Elsass er verletzt durch die Irvnte mit der gewisse Fran­zosen feine Muttersprache, dav Heiligste, was man habe, betrachten Dir auf der Jtnllaac- bank sitzenden Autonomisten feien keine Unruße- stsiter. fie feien ntchts weiter ale> Pazifisten

Sbg BrogIy erklärt b.inn al» Zeuge, daß er an der vorbereitenden und an der Hauptversamm­lung. die zur ÄufsteUung de» Heimatdund- manifeste »führten, tcilgenommen habe unb baß badetb r r Nahmen Frankreich»' nicht Di»kufston»gcqenstand gewesen sei. Auch fei brr ur- spriingliche Entwurf be» Heimattnmbmanifefte» zwischen dir vorbereitenden Sitzung unb der Haupt- ststung noch geänbert worden, tim jeden falschen od>fln zu mrmeiden Im (Fnitnurf habe man an- sanglich von der Muttersprache al» Unter- richt»sprache gesrrochen. ober um jede Mißdeutung zu oermeiden. habe man in dem richtigen üntmur] präzisiert, die deutsche Sprache müsse in der Schule den Au>gang.-punkt bilden unb ftänbigei. Unterrkbtsmittd unb Unierricht»fach mit abschlie­ßender Prüfung sein

Da» Worttlutonomlr" habe bei ben 6l|ai|rra nur die Pebcufung ..Selbständigkeit Innerhalb Frankreich», aber keine Trennung, von einem Komplott könne keine siede fein: denn die An­geklagten ort träten ja gant verschiedene silch- fangen. Man habe In feiner Umgebung be­hauptet. baß die Versolgungcn gegen bie Unto- nomisten nur ein waylmanöoer gewesen seien unb er, öregln, glaube die» persönlich auch.

Das Programm der KoinmuniRrn, die eine Volksadstimmuna fordern und eine Trennung de« Elsaß von Frankreich anstreben gehe viel weiter als da« der 15 jetzt seit einem halben Jahr im Gefängnis sitzenden Autonomtsten Als­dann erklärt Zeuge Abb''- Haegy. er habe nie von einem siompkvtt etwas gemerkt, bevor bie Gerichte ihr Verfahren gegen die jetzt auf der Anklagebank fitzenden Autonornisten eingeleitet hätten. Man habe unter feinen Freunden den Eindruck gehabt, daß die Sttafver'olgrmgen ein Wahlrnanöoer gewesen seien Auf bic Frage ob er glaube, daß deu tf ches Geld in brr Hei- matbetoegung zu finben sei erklärt Haigy .Ich habe geglaubt, daß das deutsche Geld gerade durch diese Gerichtsverhandlungen entdeckt werden würde." Auf die Frage der Ver­teidigung. was. nach Ansicht Haäays. die Be- völlerung im allgemeinen von dem Prozeß denke, antwortete Hai-g>,

Vic Wahl siicklin» unb siosses zu Abgeordneten ist da» Ürgrbui» diese» ftomplottprozesse». Da» Volk glaubt nicht an diese» ftomploll. 6» sicht mit Entrüstung, daß Deute, die ro für unschuldig (tfilf, im Gcfänqni» sitzen."

Auf Wunsch der Verteidigung äußerte sich Haegy au der Frage, ob DoIot. der Leiter btr Abtei­lung für elsaß-lothringische Angelegenheiten im Ka­binett Poincars, und Poincars selbst schtcäft über ben Prozeß unterrichtet gewesen seien. Haegy erklärte, soviel er wisse, habe Bolat au Par lamentariern unb Beamten gesagt, baß folgende Tatsachen bie Grundlage des Prozesses bildeten: Man habe bei Haussuchungen eine 8orre|pon- denz zwischen RickIin und Dr. Ern st, so­wie eine Korrespondenz mit dem wissenschaftlici-en Institut in Frankfurt a. M entdeckt. Agne» Egge- mann habe au» der Schweiz drei bis vier Millionen noch dem Elsaß herüber- gebracht, unb schließlich hätten bie Teilnehmer her Verschwörung französische Militärpässe aufzukaufen versucht, um die M o b i l i s I e r u n g <> - plane auszukundschasten. Rechtsanwnll D e r t h o n erklärte mit starker Betonung, Poincare habe selbst erkannt, daß er falsch unterrichtet worden fei. Dieses niedrige Polizeioersahren müsse ausgedeckt werden. Es müsse festgestelli werden, aus wessen V e r a n I a s s u n g dieser Prozeß enlfesielt worden sei. Wenn diese Klärung hier nicht erfolge, dann werde sie wo ander» heroeigeführt werden.

Abschluß der Zeugenvernehmung

In der Samstagfiyung folgen bte Aussagen einer Reihe neuer Entlastungszeugen. Der neu­