Ur. 94 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 21. April 1928
GreenlyIsland in derVerkkhrsgeoßraphie Don Dr. Albrecht Haushofer, Professor der Geographie an der Universität München, Generalmajor a. O.
Mr haben den vielgereisten, auch bei unS in Gießen durch seine Dorträge wohlbekannten und geschätzten Deograptxm Albrecht Hau-Hoser gebeten, unS eine (3t- fförung für die eigenartigen geoaraphischen Verhältnisse von Greenly Island, dem südlicher alS Berlin gelegenen Landungsplatz der Ozeanflieger. zu geben.
Wer wußte, bevor die deutschen Ozeanflieger landeten, außer ein paar Fischern von Green- l h Island? Der einsamen, eiSumlagerten 3n- jd an der Grcrrze zwischen den beiden britischen Dominien Kanada und Deusundland, in der schmalen Belle ISle Straße, die zwischen Aeusundland und Labrador hindurch den nördlichen AuSgang deS St. Lorenz- Strome« in den offenen Ozean bildet. Freilich — dies« Verbindung ist al» Verkehrsweg von zweifelhafter Güte, nur wenige Monate deS IahreS ist sie eisfrei und benutzbar, und in dieser kurzen Zeit wird sie nur selten von größeren Lchitten. häufiger von Fiichbooten befahren. Die Gefahren sind groß. Reich an Klippen ist da» Fahrwasser, und al» schlimmster Feind droht stündig ein dicker Rebel.
Die angrenzenden Küsten sind kahl und ärmlich. Rur kümmerlicher Wald kann sich gegen die ständige seuchte Kälte halten. <3iS und Schnee halten Land und Wasser besetzt,noch zu Zeiten, in denen in Europa alle» blüht und grünt Dabei liegt Greenly Island ungefähr aus der selben geographischen Brette wie Köln oder Leipzig, südlicher al- Berlin! älnd hat ein Klima, wie eS in Europa allenfalls in Lappland zu finden ist. Genau genommen freilich gibt e- in Europa überhaupt kein Gegenstück- An die Küste deS Ochotskifchrn Meere- müßte man gehen, um ein genaue- Gegenbild zu finden. Denn der verblüffende Gegensatz zwischen dem Klima Greenly Islands und Deutschlands hat feine Wurzeln in der planetarischen Verbreitung von Strö- muna-systemen in Luft und Wasser. Die Drehung der Erde bewirkt, daß in den höheren Breiten die Westküsten her Kontinente aus der Rordhalbkugel von toarrnem, die Ostküsten aber von kaltem Wasser bespült werden. Während Europa bi- zur Rordspitze Rorwegens, ja bi- zu Spitzbergen hinaus unter dem ®in- fluß deS wärmenden Golfstroms lebt, und durch einen ähnlichen Strom auch die Küste von Alaska und Britisch Kolumbien bewohnbar gemacht wird, stehen die O st - lüften Asien - und RordamerikaS unter dem Einfluß kalter Ströme, die bis in das mittlere Iapan und f a st bi-Reuyork herab- reichen. Labradorftrom nennt man diesen kalten Strom an der Osttüste RordamerikaS. Frei kommt er herab au- den immer ei-bedeckten Meeren de- PvlargebieteS. An Grönland vorbei führt er da- Ei-, und nimmt an Grönland- Küsten neue- EiS auf. In Gestalt gefährlicher Eisberge lübrt er e- mit biS weit in die Regionen der Mischung mit dem Dolsstrom hinein. Hier sinkt da« schwere kältere Wasser de- Ror- denS in die Tiefe unter dem leichteren, wärmeren de- Süden- hier tauen die Eisberge- im Mischung-gcbiet der Ströme, Im Bereich der Reusundlandbank sind die ergiebigsten Fischgründe: hier aber bildet sich am gefährlichsten und dauerhaftesten der Rebel.
Die Dampferrvute nach Reuyork umgeht diese Rebelgebieie. wenigsten- zum größten Teil. Aber schon aus der wenig nördlicheren Fahrt nach Boston geht eS durch da- Gebiet der Rebel und Eisberge stark hindurch: und Glück hat jeder Dampfer, dem eS gelingt, Halifax, den Hafen Reujchottlands, ansulaufen. ohne kostbare Stunden und Tage durch Rebel zu verlieren, älnd noch schlimmer ist die Einfahrt in den Lorenzgolf, ob man nun südlich von Reusundland, oder nördlich durch die Belle Isle Straße fährt. In Reufundiand und Labrador aber dehnt sich eine subpvlare Landschaft in der
Breite Mitteleuropa-, England- und Skandinavien-.
So ist e- begreiflich. daß in diesem Landstrich wenige Rlcnschcn eine Riederlasiung gesucht haben. H a l i s a ». da- auf demselben Brei- tcngrad liegt wie ®enua. kann sich nach Klima und Degitation weder mit Stockholm noch mit Oslo vergleichen. Außerhalb ollen größeren Verkehr- liegt dieser Teil RordamerikaS. trotzdem hier die geringste Breite Wasser- Äordamerika von Europa trennt.
Dem jüngsten Verkehrsmittel ist e- vvrbe- balten geblieben, auf diesem Wege die Verbln- dung zwilchen Alter und Reuer Welt zu versuchen. Lindbergh slog von Reuyork über Kap Ryce. die Südostspiye ReufundlandS. Runges- ser und Eoli haben nach Reufundiand ihren KurS gerichtet. Lindbergh kam an. Rungeiser und Eoli blieben verschollen. ES ist etwas andere-. ob man von Westen nach Osten, oder von Osten noch Westen fliegt. Denn im nördlichen Atlantik herrschen, ebenio wie im nördlichen Pozisic und rund um den Südpolarkonltnent fast ständig westliche Winde. Auch da- ist eine Folge der Erdrotation: wer in den höheren Breiten über den Atlantik will, muß immer mit vorherrschenden westlichen Winden rechnen. Xlnb die westlichen Winde erreichen meist Stärkegrade, die auf festem Land nicht bekannt lind. Richt selten herrschen Sturmg^- schwmdigkeiten, weiche die Eigengeschwindigkeit eines Flugzeuge» völlig kompensieren können. DaS hat Hauptmann Köhl oei seinem ersten Flug erfahren müfsen. Damals ist er, in kluger Erkenntnis de» Möglichen, umgekehrt: diesmal hat er da» Glück gezwungen. Aber es hat ihn weit auS dem KurS verschlagen. Sturm und Rebel hätten auch die-mal ein dunkle- Ende bereiten können: es ist gut. sich klar au machen, daß die Elemente de» 'Wetters auf der nördlichen Route über den Atlantik immer die gleichen sein werden. Solang? nicht die Fluggeschwindigkeiten noch wesentlich gesteigert werden können, solange nicht wesentliche Verbesserungen in der Orientierungssähig- keit deS Flugzeuges auch im Rebel gelingen — solange bleibt der Rord -Atlantikflug ein TodeSweg. Leicht ist eS möglich, daß der erste regelmäßige Verkehr einen weiten Umweg machen wird, auf jener Strecke die Eckener seinen Zeppelin geführt hat: über die Azoren. Hier kann man mit günstigeren Winden rechnen, hier gibt es so gut wie keinen liebel. Der Umweg ist freilich groß: fast doppelt so lang ist oie Strecke über den freien Ozean. Aber die Gefahren lind wesentlich geringer. So mag man bezweifeln, ob der Weg über Reufundland einmal vorn Luftverkehr wird ein- geschlagen werden. Aber dieser Zweifel vermindert nicht, er steigert nur die persönlich« Leistung der drei Rkännrr von der .Bremen."
Falsche Methoden.
Don unserer Derliner Redaktion.
Die Reichsbahn macht ihre Drohung mit dem Antrag auf allgemeine Tariferhöhung tatsächlich wahr, sie hat eine Denkschrift auS- gearbeilet. die in den nächsten Tagen dem Ve r- kehrSminister zuaeht. Gr hat dann nach Rücksprache mit dein Kabinett die letzte Entscheidung zu treffen, hat aber bisher keine Reigung zu erkennen gegeben, den Wünschen der Bahn zu entsprechen. Eine Art Begründung für die Rotwendigkeit der Erhöhung hat Herr v. Siemens aus dem Industrie- und HandelS- tag gegeben. Er hat indessen wohl selbst nicht erwartet, daß er gerade hier auf begeisterte Zustimmung stoßen würde, da er ja vor den Kreisen stand, die am besten beurteilen können, wie auch eine geringfügige Erhöhung der Dahn- tarife fich im gesamten Wirtscha'tsleben multipliziert.
Die Reichsbahn ist seinerzeit alS selbständige» Derkehrsuntemehmen begründet worden, um ihr
Die goioenen Berge.
Roman von Clara Diebrg.
Eopyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.
44. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Herr Doujemont tarn darum ein. Nach einigem Hin und Her und nach der Vererbung des Hervcn- beras an die Gemeinde konnte er einem Maurermeister den Auftrag geben und in Angriff nehmen lassen, was er sich ausgedacht und selber gezeichnet batte. An das kleine Kapellchen oben kam ein Anbau heran, ein Aussichtstempel im Surgenftit mit Tür und Bogenfenster und einer Mauerbekrönung — fern Mausoleum. Unter dem Stein in der Milte würde er liegen, gleich durch seinen Garten, bunt) feinen Berg trugen sie ihn hinauf. Es war ihm ein so schmier Gedanke, und er freute sich so daraus, daß er heiter war.
Uebcrall hatte man sich bemüht, das, was die Mosel durchernanderaeworfen hatte, wieder aufjuräumen, das gutzumachen, was sie schlecht gemacht. An Fleiß fehlte es nicht, überall waren die jungen Dbftbäume wieder aufgerichtet worden, die das Wasser wie schwache Halme zu Boden gelegt halte: Sdjtamm war aus den (Bärten geräumt, der Schutt abgetragen, den niedergebrochene Mauern in Haufen zu- rückgelassen hatten. Und man hatte das, was man in den Denbergen bis jetzt versäumen mußte: gelockerte Pfähle neu zu stecken, Ruten anzubirDen, Dung herouszufchleppen, Mauern und Treppchen auszubestern, angefangen in größter Ecke nachzu- holen. Aber Fleiß und guter Wille, selbst die Feuer nicht, die Tag und Nacht brannten, konnten die Häuser trocken machen, die im Wasser gestanden hatten: chre Wände waren vollgesogen wie weicher Schwamm. Doch man wohnte schon wieder darin. Raum, daß das Wasser seinen Huß aus der Stube Öl hatte, setzte der Mensch den feinen wieder n. Wo sollte man denn auch bleiben? Man mußte doch ein Dach überm Kopf haben, einen Ort, um seine Betten zu stellen. Es war ja nun auch Februar geworden, die Sonne kam schon höher, vielleicht, daß sie bald so warm schien, um alles zu trocknen.
Die Bremms waren längst wieder nach unten gezogen. Es war eng, unerträgLd) eng oben — all die Menschen, all die Habseligkeiten, all die Hühner. Als die Frau zum erstenmal wieder an ihrem Herd stand, die Füße in Holzschuhen, denn der Boden war noch so naß, daß andere Schuhe durchweichten, war sie so froh, daß Tränen ihr in die Augen traten. Oder kamen die Tränen von dem dicken Qualm, der aufstieg? Das feuchte Reisig wollte durchaus nicht brennen, der ausgekältete Ofen nicht ziehen, immer wieder mußte sie das Anzünden aufs neue.versuchen. Sie hustete und prustete halb erstickt, bis endlich, endlich die erste helle Flamme ausichlug, und der erstickende Dunst sich verzog.
Aber der andere Dunst blieb. Es roch noch immer nach modrigem Master: an den Wänden lief es, nun, da der Raum sich durchwärmte, in langen Tropfen herunter, die zu kleinen Rinnsalen wurden. Aber das störte nicht, man war doch daheim, konnte wieder die Betten aufschlagen, die Kleider in den großen Schrank tun, die alte Uhr, Spiegel und Bilder aufhängen und di« Lampe über den Tisch. Die Frau atmete auf, mit einem befriedigten Gefühl sah sie sich um: nun konnte es wieder wie früher werden. Da hörte sie einen dumpfen Schrei. Sie wußte nicht recht, woher der kam, auch nicht, ob es eine Männer- oder Frauenstimme war. Ihr erster Gedanke war an die Tochter, aber die kam eben herein, in ihrer Schürze ein paar junge Kätzchen. Die Alte hatte die im Heu der Stallkrippe geworfen und bann vor dem steigenden Master hinaufgeschleppt zwischen die obersten Balken. Maria lächelte, als sie auf die hungrig sich meldenden Tierchen niedersah.
„6d)rie da nit jemand?" fragte die Mutter. Aber Maria hatte nichts gehört. —
Simon Bremms erster Gang war nach dem Keller gewesen. Er hatte schon gleich den ersten Tag am Aellereingang gestanden, mit sehnendem Auge hinab ins Tiefe gestarrt. Aber noch wogten Finsternis und Master zu undurchdringlich da unten, er hatte sich wider Willen gedulden muffen. Endlich, endlich konnte er eindringen. Heute gelang’s.
Master, noch immer Master. Das mußte diefes Mal aber mächtig hoch im Keller gestanden haben! Diese Entdeckung legte sich wie mit Klammern
dadurch ein« größere Anpassungsfähigkeit nicht nur gegenüber den Reparattonssorberunacn sondern auch gegenüber der deutschen Wirtschaft geben au können. Statt drssen versteift He sich immer stärker auf ihre Monopolstellung und wirkt sich nachgerade al- «in Fremdkörper im 6laatflgefügc aus. der gefährlich werden kann. Da» jclgt sich in der Haltung, die sie gegenüber dem kühnen Gedanken der Gassern- verlor^ung an den Tag legt. Sie ist ernstlich mit der Forderung hervorgetreten, daß ihr von der Femversorgunr für jeden Kubikmeter Gas und für jede linkt übning eines Ellenbahnwec-.es eine freie Abgabe bezadli werden müßte: mit der Begründung, daß durch den Ferntransport de» Gales die Einnahmen der Bahn au» der K 0 h l «f ö r b e r u n g wesentlich geringer wurden. Man stelle sich einmal die Analogie vor. daß die Segelschiffe seinerzeit eine Entschädigung verlangten wegen der Einführung der Dampfer! AuS solchen Anschauungen heraus darf ein Zivilisation- ortfchrckt nicht verhindert werden, zumal da der billige GaSbezug doch eine Revolutionierung mancher Industriezweige und damit ein Anschwellen der Beförderung hoch- trertiger ArbeitSer^eugnis'e bringen würde.
Aehnlich liegen die Dinge auch bei bc.n Der- largcn nach Tariferhöhung Gewiß ist eS richtig, daß die Reichsbahn keine Abschreibungen in brr Bilanz kennt, sondern die Instandhal- tu: gtiirbcitcn auS laufenden Mitteln vornehmen muß: ebenso richtig aber ist. daß der preußische Finanzminister Miquel au8 laufenden Einnahmen den Wert der Eisenbahnen von vierzehn Milliarden aus neun Milliarden langsam heruntergeschrieben hat. Wenn die Eisenbahnen in ihrem Anschaf lunAsprvgrmu in rückständig sind, da.m muh eben ein AuSweg gesucht werden, um die dafür erforderlichen Betröge auS Anleihemitteln flüssig zu machen und entsprechend zu amortisieren. Wir wissen auf der anderen Seite doch auch, daß durch die Zwangsablieferungen nach dem Frie- densvertrag die 'Bahn in der Ins ationSzeit in großem St.le Reuanschafsungen vornehmen und ihren Fuhrpark auf einzelnen Gebieten vollständig mobemlfiercn konnte. Man kann sehr leicht mit ^Zahlen von Taufenden von Kilometern und mit eine n Milliardenvedars jonglieren. darf aber dauei doch den sesten Boden unter den Fü >en nicht verlieren. Der seste Boden kann st'doch sür jedes Wirtscha ts unternehmen nur in dem Prinzip der Rentabilität bestehen. der trotz der ReparationSla'ten auch bei der Reichsbahn gewahrt ist. ilnb die Einnahmen sind gerade gegenüber den FriedenSlätzen groß genug. um auch noch eine entsprechend? Anleihe tragen zu können, die alle Schäden in der Anlage ordnungsmäßig ausgleicht.
Wirtschaft.
Oie Deutsche Reichsbahn im März.
Der Güterverkehr der Reichsbahn entwickelte sich auch im März recht lebhaft Gegenüber dem Vormonat ist eint Verkehr Szunahme von arbeit» täglich 7338 Wagen, d. h von etwa 5 Prozent, fast zustellen. Im Durchschnitt wurden arbeit-täglich 150 698 Wagen gestellt. Die arbeitstäglichen Zugleistungen im Güterverkehr Huben gegenüber dem Vormonat um 4,5 Prozent angenommen und lagen damit um 6,2 Prozent höher al- 1927.
Im Personenzugverkehr sind im ganzen ReichSbahnney 1664 Zug« (Vormonat 1249, März 1927 ----- 1198- über Plan gefahren worden. An <fag.i omclern wurden im Fen-ruar 49 O16 000 gegen 51 896 000 im Vormonat geleistet.
Die Betriebseinnahmen im Monat Februar betrugen (in Millionen Mk.): Personen- und Gepäckverlehr 89,145. Güterverkehr 253.464, sonstige Einnahmen 32,583, zusammen 380,192. Die Ausgaben beliefen fich auf: für Betrieb und Untccjaltu.ig 239,297, für Erneuerung der ReichSbahnanlazen 323,220. für den Dienst der Reparatioiisschuidverfchr:i5ungen 55.004. für fest« Lacken 13,904, insgesamt 651,4-5. Das an sich zufriedenstellende Ginnahmeergebnis reichie jedoch nicht aus, um die Ausgadever- bflid>hingen voll zu decken. Zwar gelang es infolge der bei den Sachprogrammen vorgeno.n-
menen starken S.nfchrän'ungen und infolge anderer Sparmaßnahmen, die sachlichen Aus».den in mäßigen Gre-izen zu halt n bag-gen bedingten die Erhöhungen der De,ä ter und Ruhegehälter. ferner d e planmäßig gestiegenen Re- paration-loßen eine stark« MehrbelaUuna Fär den Dienst der Reparatio i-schu.dverschr.ivungci« ist die Zahlung an den Generalagenten richtig geleistet worden.
Der Personalbestand hat sich im Februar auf 656179 Köpfe (im Januar 635 649) in der Haupt lach« durch den Verkehrsrückaang. sowie die Entlaffung von Zeit» und Aushllfs- arbeitern vermindert.
Deutsche Hentenbank.
Die Deutsche R e n { e n b a n t die bekanntlich die Liquidierung deS Umlauf- an Renten- bansscheincn in Verbindung mit der Zurückziehung der Reichs- und Wirtschack5kredit« durch- zusühren hat, legt jetzt ihren Tätigkeitsbericht für 1 92 7 vor, dem wir folgende- entnehmen:
Der Reichskredit (am 1. (Januar 1927 9-i6.3 Mill. Mark) wurde im Laufe d?S 3abrci um 136,2 Mill. Mark gemindert, so daß et am 31. Dezember 1927 noch 810,1 Mill Mark betrug. Die Wirtschast-kredite betrugen am 1. Oanuar 192? noch 293,4 Mill. Mark, sie waren biS zum 30. Rovember 1927 in voller e zurück-u»iehen Tins ist gefaxten und war wir möglich durch die Heranziehung aller verfügbaren Reserven de» Instituts und
Deut c.i ^.m'.mlmnk-Kredir- cnftalt, die auch im Berichtsjahre wieder toc'eit* lich zur Erleichterung der Rückza' lungövcrpßlch- tungcn der Landwirtschaft beigetragen hat. An Rei tenbanlscheißen wurden Insgesamt rb 431L Mill. Mark auS dem Verkehr gezogen und vernichtet. so daß am 31. Dezember 1927 noch rb. 739.9 Mill. Mark im Umlauf waren.
Der Reingewinn des Instituts auS dem Jahre 1927 stellt sich aus rd. 14.1 Mill Mark, gegen 32,5 Mill. Mark im Vorjahre. ES Airb vorgescklapen, auS dem Reingewinn von 11 0997'6 Mark diese» Mal keine Ueberiragunq an die Deutsche Renienbankkreditanstalt vo.z mehmen, ihn vielmehr der Gewinnreserve zuzumhren d!e damit aus 52.7 Will Mark anwachsen tri d. Die Zurückbehaltung b.*4 Re ngewinnS empck-b't sich nach Angabe der Derwa'tung im Hin''ltck aus die in ihren Auswirkungen nr>J> nicht übersehbaren Verpslichtungen nnch dw Renienl-a".'- verordnung und dem Liquidietung»ge!ey. zu- al die Ueberschüsse der Rentenbank anqe icht» de» starken Rückganges ihrer gewinnlas enden Oe- fchäflSmöglichteiten in Zukunft sehr gering sein werden.
Deutsche ^enteubank-Kfeditanstali.
Dleichzeittg mit der Deutschen Rentenbank legt auch die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (La-dwirtschaftliche Zentralbank, ihren Abschluß für daS Iahe 1 927 vor In dem Bericht yeißt eS u. a.:
In der Kreditlag« der Landwirtschaft ist Im Iah re 1927 keine Erleichterung, sondern eine Verschlechterung eingetrelen. waS auf die mangelnde Rentabilität der landwirtschaftlichen Betrübe. daS nicht bei riebt gen ii« Ernteergebnis und die in der zweiten Jahreshälfte yervorgetretene Verteuerung der Äreb'-I« zurückckufUhren ist. Die Verschuldung der Landwirtschaft hat Im Realkredlt di« 31. Dezember 1927 von 2,048 auf 2,855 Olli'liaeben und im bankmäßigen Personalkredit von I.9b4 aus 2,35 Milliarde seit AuSga:g deS IahreA 1926 Angenommen. 3m ga.zen ist a so. wenn man Die sogena mten Lchwi nrn.r d t au er acht läßt, eine Zunahme in der Reuverschul- dun g von 4,012 0 u, 5,205 Milliarden Mark f.stzuslellen. Da5 Bebenllich« ist hierbei, baß trotz steigender Roalverschul.ung. di: ei cn Teil der Personalverschuldung auf je o:nmm hat, gleichwohl ein Anwachsen b r Personalverfchul- Oung zu verzeich >en ist. Angesichts b:es.r zu e.n i-och burd) steige >be Zi.t-sLye ver.ch isten Krc t- lage wurde d e Deutsche R.' .tenba l-Kre. i'anbclt in 1927 von der Landwirtschaft in erhöhtem Maß« mit Kreditanträgen verschiedenster Art in Anspruch genommen. DieS wirkt sich im Personolkreditgejchäft deS Instituts, in dem e»
bem Mann um ble Brust — er hätte sich bas ja denken können, unb hatte er sich das denn nicht auch gedacht? Ja, immer. Tage und Nächte ge- dacht, voller Unruh. Boller Angst, obgleich er die Fuder gesichert wußte.
Er mußte noch jetzt bis unter die Knie waten: wie ein Bergmann im Schacht, die Laterne vor sich I im Ledergurt, ging er. Halt — da, was schwamm da?! Er riß die Laterne vom Gurt und hielt sie höher, hinleuchtend. Ein sich schaukelndes Ding aus der trüben Flut — was war es? Ach nichts, ein Srück Holz. Nein, Himmel nein — 0 Gott, erbarm dich — ein Pflock, ein Spund? Der Spund aus dem Spundloch!
Simon Bremm stieß einen Schrei aus in wildem Entsetzen: von welchem Faß? Das ließ sich vorerst nicht ergründen. Aber er wußte es ja auch schon so: ein Faß von dem neuen Mein, der noch gärte. Der hatte da» Abgedichtetsein nicht ertragen — Gewalt wider Gewalt — sich Bahn geschasit, mit der Kraft seiner Gase den fest eingetnebenen Spund herausgeschleudert. Und ihm nachströmte, was heraus wollte. Ausgelaufen.
Stieren Blickes sah der Mann drein, er war betäubt vom Schrecken. Aber gleich packte ihn neue Angst und rüttelte ibn auf: sieh dich um, sieh dich um, was Ist noch geschehen?!
Faßdauben, Faßtrümmer. Sie schwammen umher
J)err im Himmel, Jesus, Maria und Joseph' Noch eins kaputt?!" Er stand und wagte nicht sich zu rühren. Und er rührte sich doch, verängstigt, verzweifelt: was mar noch geschehen?
Sollte das Faß vom Loesenich nicht gehalten haben, das er geborgt hatte? Ein altes Faß. Alte Fässer haben oft schadhafte Stellen, man sieht die nicht gleich. Aber dem Druck der Gase widerstehen sie nicht. Das Faß, das Faß vom Loesenich — das 1 ganze Faß auseinander! Geplatzt. Ruiniert!
Mit der Faust schlug Simon Bremm sich gegen die Stirn: warum war er auch so dumm gewesen? Es war leichtsinnig, ein altes Faß sich zu borgen. Aber hatte er denn Geld gehabt, um ein neues zu kaufen? Nein, kein Geld. Und der Dein wollte oerorgt sein, und er war froh gewesen, ein Faß mehr zu gebrauchen, als er selber noch Föss:r hatte. Er war dem Loesenich dankbar gewesen. Der
konnte ja auch nicht dafür. Aber er, er — JD du Esel!" Unablässig hämmerte er sich gegen die St-rn, daß ihm der Kopf dröhnte. Und was hatte er noch versehen, was noch nachlässig gemacht?!
Nichts versehen, nichts nachlässig gemacht, stöhnte es seinem Stöhnen die Antwort. Don den f.nstern l Wänden, aus den dunklen Ecken, aus der unheim- j lich stehenden schwarzen Flut rief's ihn an wie ein Schicksal: „Du hast Unglück gehabt — Unglück ist Winzerlas!"—
Unter den Winzern von Porten, die Bremm ihr Beileid aussprachen, war nicht einer, der nichts zu beklagen gehabt hätte. Zwei Fuder auf einmal hatte freilich keiner verloren, denn so viel hatte er nicht. Und Bremm hatte wenigstens noch ein drittes vom Neuen, und hatte auch noch seinen Einundzwanziger. Ja, Gott sei's gedankt, ja! Dem Reiter mar auch ein Faß völlig ausgelaufen, geblaßt, und dem Ehlen hatte der Spund auch nicht dicht gehalten, das Dreckwafser mar ihm ins Fuder 1 gekommen. Und dem Schäfer mar gestern das Rind krepiert vom dumpf gernordenen Futter, unb dem Hüsgen mar gle ch anfangs fein Schwein ersoffen. Und alle hatten für ihre ftinber kein Brot. Sie iahen sich an m t Augen, vom Jammer ganz hiebe, schüttelten bie Köpfe und wußten sich keinen Rat. Sie hatten beim Bäcker schon lange geborgt, der i konnte nun nicht mehr backen: er hätte fein Geld, um Mehl anzuschaffen.
Der Loesenich hatte seinen Wein gerettet: es war eine gute Idee gewesen, durch den Stubenboden den Schlauch in bas Faß im Keller zu leiten, aber I burd) bie Gase, ble ständig nach oben entwichen, . Tage unb Nächte bie Stube vollbunsteten, waren die Loesenichs ave krank geworden. Die Frau sah ; vor ihrer Haustür, obgleich es noch kühl war — ein blasser Schatten — sie sah schon halbtot aus. , Sie hielt immer den Mund offen und schnavpte । gierig nach Luft, sie konnte gar nicht genug Atem I feigen. Eingesperrt in der Stube, deren Lust, so- wieso schon verbraucht, nun noch giftig gemacht war durch die entweichenden Dünste, war es ihr auf die Lunge geschlagen: sie hustete bös. Und wie sahen bie Kinder aus! Alle die Loesenichsklnder melkende Blumen — aber bas Fuder, bas Fuder, das mar gerettet. —
(Fortsetzung folgt.)


