Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseu)
Ur. 94 Zweiter Blatt
Samstag, 21. April 1928
Die Krisis der deutschen Landwirtschaft.
Ursachen und Symptome. — Oie Bedeutung der Landwirtschaft für Staat und Volk. — Oie Intereffensolidaritat zwischen Industrie und Landwirtschaft. — Wege zur Heilung: Staatshilfe und Selbfthilfe.
Don Dr. W. H. Pfaff, Leiter des Universitätsversuchsguts in Gießen.
Die schwere Votlage. in der sich auch unsere hessische Landwirtschaft besindet, hat uns veranlaßt. an das Landwirtschaftliche Institut der Landes- Universität mit der Ditte heranzu- treten, aus Grund der dort in reichem Waste gesammelten Erfahrungen zur Agrarkrise in grundsätzlichen Ausführungen Stellung zu nehmen Herr Dr. W. H. P s a f s, der Leiter deS LlntvedttätS-VeriuchSguleS. hat mit dem folgenden Aufsatz unserer Ditte entsprochen.
Die deutsche Landwirtschaft durchlebt heute eine schwere Krise. die in ihren Anfängen bis i n d a S zweite KrlegSjahr zurückreicht. Zwangswirtschaft und Mangel an Betriebsmitteln hatten damals zu immer mehr absinkenden Roh- und Reinerträgen geführt Die nachfolgende Inflation bedeutete für die Landwirtschaft ebenso wie für die Industrie nur eine Scheinblüte, die wie ein Schleier daS wirkliche Dild der Lage überdeckte. Dafür trat mit der Stabilisierung der Währung die Krise um so schärfer in Erscheinung. In jenem Augenblick war die Landwirtschaft von Reserven und Betriebskapital völlig entblöht. nachdem vorher noch die Ernte deS Jahres 1923 für Papiermark verschleudert worden war. Dei dem allgemeinen Mangel an Kapital konnte sich der Landwirt die zur Fortführung seines DetriebS und zur Bezahlung der neuen harten Steuern erforderlichen Mittel nur kurzfristig und zu hohen Zinsen in der verhängnisvollen Form deS Wechselkredits verschaffen. Mit der Inanspruchnahme dieser Kredite beginnt die neue Verschuldung der Landwirtschaft.
Die Udatben der seitdem immer mehr zunehmenden Verschuldung liegen zum Teil in allgemeinen wirtscha'tlichen Schwierigkeiten der Stabi- lilierungSperiodc. zum Teil in den ungünstigen Ernte- und Preisverhältnissen der letzten Jahre und In der hoben steuerlichen und sozialen De- lastung begründet, teilweise aber auch in einer überspannten Intensivierung, die unter vollkommener Außerachtlassung betriebswirtschaftlicher Gesichtspunkte durchgeführt wurde. Das eine Ziel dieser von oben her propagierten Intensivierung wurde — allerdings mit erheblichen Verlusten für die deutsche Landwirtschaft — erreicht. Ernteerträae und Viehbestände sind an- näbernd wieder auf Vorkrieashöhe gebracht, die Schweinebestände sogar darüber hinaus gestiegen. Die Industrie hatte in den vier abgelausenen Jahren in der Landwirkschast einen guten Abnehmer. denn der Landwirt hatte an Aufwendungen nicht gespart. Dagegen ist daS andere wich- ttge Zid. die Verbesserung unserer Zahlungsbilanz und die Eindämmung der VahrungS- mitteleinsubr auS dem Ausland nicht erreicht worden. Im Gegenteil, unsere Zahlungsbilanz hat sich von Jahr zu Jahr weiter d e r s ch l e ch t e r t. und die Einfuhr an ausländischen Lebensmitteln hat ständigzugenom- m e n.
Die Folgen dieser Tatsachen haben sich in sehr ungünstiger Weise auf unsere Landwirtschaft aus- aewirkt. Die Konkurrenz der Auslanoprodukte tn Verbindung mit der Llngeordncthcit der landwirtschaftlichen Marktverhältnisse und der gesunkenen Kauskralt der Bevölkerung haben zu einer Preis- und Absahkrile von nie geahntem AuSmast geführt. Während die Preise für industrielle und gewerbliche Erzeugnisse nach der Währungsstabil.sierung auf etwa das Doppelte der Vorkriegszeit gestiegen waren, blieben die landwirtschaftlichen Erzeugnis,e viel ach unter den Dorkriegspreisen und stiegen erst nach und nach unwesentlich über die Vorkriegspreise. All diese Erscheinungen haben zu einer vollkommenen
Unrentabilität der landwirtschaftlichen ‘Betriebe geführt.
Vach Untersuchungen deS Deutschen Landwirtschaftsrats waren die Reinerträge der landwirtschaftlichen Detriebe im Jahre 1924 auf 25 Proz. der DorkriegSreinerträge gesunten, im folgenden Jahre hatten 51 Proz. aller untersuchten Detriebe mit Verlust abaefchlossen und nach den neuesten Feststellungen hatten beisvielSwelle die von der sächsischen Duchstclle unter'uchten Detriebe für das Wirtschaftsjahr 1926 27 im Durchschnitt einen Verlust von 8 Wk. je Hektar aufzuweilen. Die Votlage der kleinbäuerlichen Detriebe ohne Buchführung zeigt sich in der Herobdrückung der Lebenshaltung der Dauern- somilie. tn der Entblößung von allen DetriebS- mittcln, insbesondere auch von Dargeld und in der Unmöglichkeit, ihren Zahlungsverpflichtungen nochzukommen.
Die Verschuldung Hal bereits die Höhe der Vorkriegszeit mit rund 13 Milliarden Reichsmark erreicht. Sie setzt sich zusammen aus:
3,5 Milliarden Aufwertungsschulden.
3 „ Realkredit,
4,5 . Personaltredit,
2 , Rentenbankschuld.
Der wesentliche Faktor der Votlage ist nun nicht in der Höhe dieser Verschuldung, sondern in der Zinsbelastung zu erblicken, die heute doppelt so hoch ist wie vor dem Krieg. Dazu kommt die Erhöhung der Steuern, die etwa daS Dreifache gegenüber früher betragen und die Erhöhung der Soziallasten, die vor dem Krieg mit 8.70 Mark je Hektar errechnet wurden, während sie im Jahre 1927 je Hektar auf 26.39 Mark zu stehen tarnen.
Die Votlage der deutschen Landwirtschaft wird heute allgemein anerkannt. Dagegen gibt es noch weite Kre'se unseres Volkes, welche den Delangen der Landwirtschaft verständnislos gegenüberstehen und deren Dedcutung für die gesamte Volkswirtschaft noch nicht erkannt haben. Es ist noch zu wenig bekannt, dah selbst in unserem schon stark nach der industriellen Seite hin orientierten Lande die landwirtschaftliche Erzeugung wesentlich höhere Werte darstellt, als die Prodkutton der wichtigsten bergbaulichen und industriellen Rohstoffe und Fabrikate. Der Gesamtwert der landwirtschaftlichen IahreSerzeu- gung beträgt etwa 12 Milliarden Reichsmark. Im eiruelnen machte vor dem Krieg der Wert der Fletscherzeugung 4,3 Milliarden, der Milch- vroduktion 3.4 Milliarden aus. während die deutsche Maschinenindustrie Werte tn Höhe von 3 Milliarden, der Kohlenbergbau in Höhe von 2,3 Milliarden Mark produzierte.
Welch groheS Interesse die Industrie an einer kaufkräftigen Landwirtschaft hat. geht auS feigenben Tatsachen hervor. Der Wert deS tn der landwirtschaftlichen Produktion wirkenden EisenS wird auf 9 Milliarden geschäht, wovon jährlich 5 Proz. ersetzt werden müssen Diese 5 Proz. stellen annähernd eine halbe Milliarde dar. Diese Zahl übertrifft dm Wert der ae'amtcn Produktion der deutschen Landma'chinenindustrie des Jahres 1927, welches einen Höhepunkt in der Erzeugung dieser Industrie darslcllt. An künstlichen Düngemitteln wurden im Wirtschaftsjahr 1926/27 etwa für 650 Millionen Mark verbraucht.
Zu dieser wirtschaftlichen Dedeutung der Land- wirtschait tritt neben der bevölkerungspolitischen und sozialen vor al em noch die ernahrungS- wirtschaftliche. Die Kriegs- und Vach- kriegszeit hat den Völkern die Wichtigkeit der Landwirtschaft im Rahmen der Gefamtwirtfchaft fiar genug vor Augen geführt. Sin deutliches Dild von Der sich in der Welt vollziehenden Um- stellung bot die Genfer WeltwirtfchaftS-
Gießener Siadttheaier.
iyrantifet Langer:
„Das Samet geht durch dad Nadelöhr."
, ... ilnb in der Xatl DaS Vieh ging durch, obzwar sich quetschend wie ein Lurch!
Der Reiche aber sah ganz stier und sagte nichts als: Wehe mir!"
Morgenstern.
Wir hätten uns eine Wiederholung deS betrüblichen Kommentars, wie er sich zur Würdigung von ,Mrs. LheneyS Ende" leider als notwenoig erwies, von Herzen gerne gespart. (SS ist, sür alle 'Beteiligten, immer angenehmer, eine gute Kritik au schreiben, als eine schlechte.) SS hilft aber nichts es muh eine schlechte geschrieben werden.
Alle Komik und alle verzweifelte Drastik deS bekannten biblischen Gleichnisses vom reichen Mann und vom Kamel und vom Vadelöhr hat Christian Vlorgenftern in ganzen zwanzig Veden der .Galgenlieder" mit unvergleichlicher Grazie und Treffsicherheit erschöpfend 3um Ausdruck gebracht. Frantisek Langer wollte ein DolkSstück (ohne Gesang und Tanz) daraus machen, aber es ging über seine und unsere Kraft.
Vorbilder gibt es genug für dieses mist- geschaffene Wüstenschiff, das in Prag beheimatet ist. ES gibt den .Biberpelz" mit der Mutter Wolffen, es gibt die .Haubenlerche" von Wildenbruch. es gibt den guten alten L Arronge, und es gibt leider Anny Woche und Hedwig Courths- Mahler. Wenn Frantisek Langer wenigstens aus allen diesen Rezepten eine Mischung zu gleichen Teilen zustandegebracht hätte, was an sich kein Vergnügen gewesen wäre - man hätte sich bescheiden können. Aber ihm ist weder ein Halbwegs brauchbarer Abllatfch der Haupimannschen Waschfrau, noch die Lösung der sozialen Frage nach Wildenbruchs Muster auf tschechisch gelungen. von L'Arronge Hal er allenfalls gelernt, was man heutzutage entschieden unterlassen sollte. Der leider überwiegende Rest tierteilt sich auf die obengenannten Vertreterinnen der neueren deutschen Literatur. Lind das kann nicht gut- geheisten werden.
Es must dem Autor vielmehr in aller Kürze einiger dramatischer Anstands- und Elementarunterricht erteilt toerben. Ein Bühnenstück entsteht mit handelnden Personen. Der Umstand, dah diese Pedonen reden müssen, um sich verständlich zu machen, darf nicht dazu mistbraucht werden dast man die Mitglieder einer Familie lang und breit einander Geschichten erzählen lästt. die ihnen seit Jahren und Jahrzehnten bekannt sind, blost damit der Zuschauer, der es noch nicht wissen konnte, möglichst bald und deutlich edährt. was eigentlich loS ist.
ES ist auch unter gesitteten und fort gegriffenen Literaten nicht mehr üblich, die Figuren eines Stückes in schwarze Schafe und weihe Schafe einzuteilen. In gute und böse, in ganz arme und ganz reiche. So einfach ist es denn doch nicht. Lind wenn man eine Anzahl dieser Leute auf einem Haufen zusammen haben will, von denen schlechterdings nicht ertoartet werden kann, dast sie jemals gutwillig oder zufällig zu'ammen- treffen, dann must man sich schon die Mühe machen, ein solches Zusammentreffen ein bihchen glaubhaft ober wahrscheinlich zu gestalten SS must, kurz gesagt, auch in einem Lustspiel alles wenigstens einigermaßen vernünftig, möglich und mit rechten Dingen zugeben. Wan muh ein wenig vom Handwerk verstehen, man darf sich auf die Verlobung am Schluß und auf das Rührende nicht allein verlassen. auf das Gefühl jedenfalls nur dann, wenn es echt ist. Wenn es aber krumm und falsch und verkrüppelt ist, dann geht das Kamel weder durchs Vadelöhr noch aufs Standesamt.
Llnverbesserliche Opttmiften glauben, die Geschichte mit dem armen, aber unbescholtenen Mädchen. dem reichen jungen Wann und dem bofen Vater des jungen Mannes gäbe es auch in Romanen unb Theaterstücken seit einiger Zeit nicht mehr. Doch' Gibts noch. Dei Frantisek Langer. Die Liebe ist boch eine Himmelsmacht und überwindet siegreich alle Widerstände. Sie kriegen sich, sogar in allen Ehren. Lind machen einen ResornrtWilchladen auf. Lind las en sich trauen, damit das Kindchen, das schon unter- wegs ist, makellos durchs Leben gehe. Lind der grimmige Vater, gerührt von so viel Liebe,
k 0 n s e r e n z des vergangenen Sommer- die tn einer gemeinsam nieder zeigten Ansicht Die De- beutung der Landwirtschaft hervorhebt unb gleichzeitig das Vorhandensein einer internationalen Agrarkrise zum Ausdruck bringt:
.Der wirtschaftliche Viedergang der Landwirtschaft findet feinen Ausdruck in der Störung deS Gleichgewichts zwischen den Preisen der landwirtschaftliche» und denen der Indust rieer^eugnisse. Diese Störung hat zur 5t>lgc. dah in einer groben Zahl von Ländern die Landwirte für ihre Arbeit und für den Kapitalaufwand keine genügende Entschädigung mehr erhalten."
.Wenn nicht zweckdienliche Wahnahmen zur Wiederherstellung deS richtigen Preisverhält- nisfes ergriffen werden, ist zu befürchten, dah eS früher oder I ättr zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Erzeugung kommt, der daS Wohl der gesamten Menschheit beeinflußt."
Wenn hier in diesen Auslassungen die Welt- wirtschastSkonferenz die Wiederherstellung eines normalen Preisverhältnisses zwischen landwirtschaftlichen unb Industrieerzeugnifsen und damit die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft im In eresfe der Weltwirtschaft verlangt, so ist es für uns mit Rücksicht auf unsere Lage im Herzen Europas und unsere auhen- polltische und finanzielle Machtlosigkeit doppelt notwendig unsere Landwirtschaft wieder lebensfähig zu machen. Wir können uns nicht länger Den Lufus einer VahrungSmitteleinsuhr von jährlich 4 Milliarden Mark gestatten, die zum groben Teil geborgt ist unb von ber wir 3 Milliarden im eigenen Lande erzeugen könnten.
Der Reichstag hat sich diesen Zusammenhängen nicht verschlossen und das von der Regierung vorgelegte Votprogramm zum groben Teil aenebmigt. Die in diesem Programm vorgesehenen HilfSinahnahmcn wie Förderung des Genossenschaftswes<-ns und der Absatzorganisationen, Herabsetzung des Gesrierfleifchkontingents, Ausdehnung des Sinfuhrschelnsystems auf die Ausfuhr Don Schweinen unb Schweinefleisch. Llmfchuldungsmabnahmen, Steuerer!eich erringen und Dgl. können die so elementar her vor getretene Krise allein nicht bannen, sie können sie nur mildern. Die Landwirtschaft fordert deshalb weiter vor allem Verbesserungen deS landwirtschaftlichen Zoll sch utzeS. Auch die Länderregierungen haben Steuererleichterungen unb FörderungSmabnahmen für ihre Gebiete in Aussicht gestellt. Dah auch führenbe Inbustriever- tretungen von der Votwendigkeit einer Stärkung der Landwirtschaft und des Binnenmärkte- überzeugt sind, geht auS dem Jahresbericht der Industrie- und Hant-elskammer deS Ruhrbezirks hervor, der folgende Sätze enthält:
.Wenn wir unS wirtschaftlich realpolitisch ein- stellen. müssen wir in erster Linie danach trachten, unsere eigene Wirtschaft möglichst auf der Grundlage bt 8 inneren Ausgleichs von Landwirtschaft unb Industrie einzurichten. Dazu ist notwendig eine bewußte Förderung Der Landwirtschaft zwecks Hebung ber landwirtschaftlichen Erzeugung. Wir müssen dahin kommen, dah untere deut che Landwirtschaft sowohl In qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht immer mehr in die Lage versetzt wird, den deutschen Dedarf an Lebensrnitteln zu befriedigen, um so mehr, als für die Passivität unserer Auhen- handelsbilanz vor al cm Die Einfuhr bestimmend gewesen ist. Der Gedanke der Interessensoli D a r i t ä t zwischen Industrie und Landwirtschaft und bie daraus resultierende Forderung des Pflege deS Dinnenmarktes hat in der letzten Zeit in erfreulicher Weise immer mehr an "Beben gewonnen."
erweicht seinen harten Sinn unb gibt enblich seinen Segen.
Sonst ist nicht viel zu erzählen. ES lohnt sich auch nicht. Der reiche junge Wann, d.m eine arausame Laune des Autors dazu oeruammt hat. den Mund nicht aufzutun, schmeiht mit dem Gelb um sich, dah eS ein wahres Labial ist in der armseligen Kellerwohnung, wo die gute und tugenbfame. lei Der arbeitslose Susi ihr küm- merlichÄ Dasein fristet. Die geschä tstüchtige Gaunerpraktilen ihrer Mutter und ihres Stiefvaters angeln auf den ersten Anhieb nicht nur den reichen Jüngling, sondern auch noch einen Dankier und eine Da.ne vorn Wohltätia.eits- ticrein, die den zur Erledigung von Formalitäten notwendigen Frageboaen gleich mitgebracht hat. Es ist ja wirklich rührend, aber eine derartige Anhäufung von Drieftafchen und Scheckheften muh selbst arglose Gemüter etwas tierftimmen. Dah der junge Wann sich auf den ersten Dlick, noch auf der Kellertreppe, in Susi bi« zur Raserei verliebt, mag angehen. (DaS kommt immerhin vor.)
AlleS weitere ist nun unvermeidlich: dah Susi des edlen Spenders Geliebte wird, dah sie vom Papa mit wirkungsvollen Es leiten vor die Tür gesetzt wirb, dah die Dräut des jungen WanneS vor Wut fast umkommt, dah die Geliebte erhobenen Hauptes geht (oh. man hat auch seinen Stolz unb au Herdern hat man gerade einen schönen Batzen an der Börse gewonnen; der reicht über den dritten Akt hinauS). — dah sie alle zuletzt hübsch unter Dach und Fach fom- men. Unb in ber Tat. das Vieh ging durch, obzwar sich quetschend wie ein Lurch. Der reiche Wann aber wird doch des Himmelreiches teilhaftig werden. Dafür hat Franttsek Langer gesorgt. —
In der von V 01 ck ziemlich umständlich halb auf Realistik, halb auf Sentimentalität gespielten Aufführung ze.ch etm sich Xu Ära firner mit ernsthaftem Bemühen um die Rolle deS Proletariermädels unb Luise 3 ü n gl i n g alS dessen gaunerhafte unb mit vielen Wassern gewaschene Erzeugerin aus. Baste als reicher Jüngling Alik brachte die paar Worte, die Langer ihm betodligt hat, mit Anstand vor und
Aus der anderen Seite ist sich bie Landwirt» schast vollkommen bewuht, bah mit staatlichen Maßnahmen allein ihre Lage nicht verbessert werden kann. WaS zunächst die ProduktionSseite anbelangt, so hat bie Landwirtschaft in den vergangenen vier Jahren die bittere Erfahrung gemacht. dah sie bei der Einrichtung ihrer Betriebe unb bei der Aufnahme von Krediten eine viel zu optimistische Aufsa'sung von den Möglichkeiten, bei intensiver Wirtschaftsweise eine Rente zu erzielen, an den Tag gelegt hat. Sie hatte übersehen, bah die Preise und die Produktionskosten gegenüber ber Vorkriegszeit sehr viel günstiger und eine grundlegende Aenderung im Betriebssystem unb in ber DetriebSsührung notwendig waren, um sich den veränderten PreiSverhäld- nisfen und ProbuktionSbedingungen anzupafien. Solange es der Landwirtschaft nicht gelingt, mahgebenden Einfluß auf bie Gestaltung ber Marktverhältnisse zu gewinnen und daS PreiSverhältniS zwischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen und ErzeugniSrnitteln ungünstig bleibt, wird es Ausgabe deS einzelnen Landwirts sein, Den DelrievSaufwand mit dem Ertrag in Llebereinstimmung zu bringen, d. h nur solche Aufwendungen zu machen, die sich unter Einrechnung einer Risikoprämie auch wirklich lohnen. Damit ist eine Schädigung volkswirtschaftlicher Interessen nicht verbunden. Da weitere Intensivierung weitere Unrentabilität unb Damit den Zusammenbruch deS Betriebs herbeiführen würde.
Auf der A b s a tz f e i t e harren ber Landwirt- schaft neue unb gro’je Aufgaben. Dem Absatz- Problem hatte der einzelne Landwirt bisher nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Wohl tmni't ein Teil bet Erzen an .sie durch landwirtscha't- liche Absatzienoffenlcha ten auf den Markt c- bracht Ihr Einfluh auf Markt unb Preisgestaltung konnte aber mangels einer Lieferung-Pflicht und mangel- einer straffen Zu- sammenfaffung nur gering fein. Die Konkurrenz ausländischer standardisierter Quafi- tätSprodukte unb bie Tatsache, dah Der einzelne Landwirt den mächtigen Konzernen und Kartellen der Industrie und deS Handels, den Organisationen unb Verbänden der Konsumenten unb Arbeiter und den Innungen deS Handwerks unorganisiert gegenuberflebt, die ihm die Preise für seine Betriebsmittel diktieren unb bie infolge ihrer Macht Preise und Markt seiner Erzeugnisse zu beeinflußen in ber Lage sind, zwingen die Landwirtschaft zu seftemZusammen- schluh in Absayorganisativnen mit LieferungSpslicht und zur Produktion von Markenerzeugnissen bester Qualität unter weitgehender Anpassung an die Ansprüche deS Konsums. In diesen Rahmen gehört auch eine Verminderung deS heute noch immer herrschenden S 0 r - tenwlrrwarrS bei Getre de. Kartoffeln und Obst und der gemarkung-weise Anbau von wenigen ertragstreuen Sorten. Vur auf diese Weile und wenn Staat, Organisationen und Landwirtschaft Zusammenarbeiten, wird es möglich setn, normale PrelSverhältnisse herbeizu- führen und die Rentabilität der Landwirtschaft wieder herzustellen. Hierzu bedad es aber einer vollkommenen geistigen Umstellung unserer Landwirte und ihrer Anpassung an die neuen Ausgaben. Dah bei der Vorbereitung dieser Umftellung ber Landwirts haftSwi senschaft urb insbesondere Der Wirtschai.s.ehre oeS LandbaueS eine besondere Rolle zukommt, ist ohne Frage, wie auch der Ausbau ihre- Studiums und ihrer Fodchungsmittel eine unumgängliche Votwendigkeit darstellt.
war immerhin noch besser dran alS G e s s e r S, ber die höchst unsympathischen Geschälte des grimmigen Vaters zu verwa'ten hatte Goll war ein schwindelhafter armer LaziruS urb erzielte einen netten SonderapplauS. In kleineren Rollen MarckS, Heym, Teleky, Bold unb Gehre.
ES gab Beifall nach allen drei Akten. Dr.Th.
Künstler und Kunsthandel.
Während sich ber Kunsthanbel mit Den Werken alter Meister bei uni in den letzten Jahren auherorbentlich gehoben hat. liegt ber Markt für die K inst Der Lebenden noch immer sehr darnieder iln ete jungen Äin .ler können zum groben Teil ihre Werke nicht verkaufen, weil eS an einem gut organisierten unb wagemutigen Kunsthandel fch t Dteie ile' eist nde werden durch eine Umfrage beleuchtet, die in dem von Adolph Donath Hera-sge ebenen .ÄunfttoanD"ter' veröffentlicht wird. Darüber, dah der Kunsthandel notwendig fei. find sich alle einig aber seine jüngste Entwicklung erregt vielfach Bedenken. .Wenn ich zurückdenke", fchreibt Lesser LI r y. jnub ich doch sagen, dah sich die Verhättnis'e gegen früher verfchoben haben. Vor etwa dreihig Jahren gab eS eine Reihe von Kunsthändlern, die für den Künstler — soweit es ihre eigenen Mittel erlaubten — eintraten mit Eifer und Hartnäckigkeit. ja sogar mit Liebe, bi- der Künstler sich mit seiner Kunst durchgerungen hatte. Der Respekt unb bie Verehrung waren bamalS noch vorhanden für bat tragische Schallen deS mittellosen Künstlers. Das ist jetzt ganz ander- geworden. Der Kunsthandel ist le der in unserer modernen Zeit in der Ha 'ptfache ein Geschäft, da- da- darin investierte K v tal gu’ nerjin'en muh Lind dann die Auktionen'!! Dte K »nstler haben sich diesem neuen Zustand anzupa sen Der ucht Sie bilden Vereine, veranstalten musi!a ische Abende Tee und Tanz, Bälle, auf denen sie ihre Werke an den Wänden zeigen Alles die-, um mit Den reicheren kunstliebenden Kreisen in Verbindung zu kommen, was vorher der größeren Geschickllch- keii des Kunsthändlers Vorbehalten war."


